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Frühpädagogische Kompetenzmodelle

Dr. Lisa Jares

veröffentlicht am 11.07.2022

In frühpädagogischen Kompetenzmodellen werden die Kompetenzkomponenten, -facetten und -stufen systematisiert, die frühpädagogische Fachkräfte benötigen, um im pädagogischen Alltag handlungsfähig zu sein.

Frühpädagogische Fachkräfte müssen im Rahmen ihrer Qualifizierung umfassende Kompetenzen erwerben, um in den alltäglichen komplexen Situationen fachlich begründet handeln zu können.

Folgende professionelle Kompetenzen werden als bedeutsam angesehen:

  • Aspekte des Professionswissen
  • Pädagogische Orientierung und Einstellung
  • Motivationale und emotionale Aspekte
  • Selbstregulatorische Fähigkeiten
  • Aspekte des professionellen Selbst- und Rollenverständnisses (Anders 2012)

Für den Erwerb dieser Kompetenzen lassen sich verschiedene Modelle unterscheiden:

  • Komponentenmodelle differenzieren verschiedene Komponenten oder Facetten,
  • Stufen- und Entwicklungsmodelle haben die Abstufung einzelner Kompetenzniveaus zum Ziel und
  • Prozessmodelle nehmen das Handeln in der pädagogischen Situation zum Ausgangspunkt und leiten aus den inhaltlichen Aspekten und/oder Niveaustufen entsprechende Handlungsanforderungen an die pädagogischen Fachkräfte ab (Wandenpohl 2015).

In der Praxis haben sich in den letzten Jahren zunehmend Mischmodelle etabliert, die Aspekte aus mehreren Modelltypen integrieren.

Das in der Frühpädagogik bekannteste Modell ist das „Allgemeine Kompetenzmodell“ von Fröhlich-Gildhoff, Nentwig-Gesemann und Pietsch (2011). Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes Mischmodell, welches auf den Erwerb von Kompetenzen frühpädagogischer Fachkräfte fokussiert, die diese benötigen, um in herausfordernden Situationen fachlich adäquat handeln zu können.

Das Modell differenziert zwischen Disposition (Handlungsgrundlagen) und Performanz. Es benennt inhaltliche Kompetenzfacetten und stellt ausgehend vom konkreten Handeln in Situationen Bezüge zwischen den Kompetenzfacetten her, wodurch ebenfalls der Prozess abgebildet wird. Welche konkreten Kompetenzen die frühpädagogische Fachkraft innerhalb der Prozessschritte benötigt, ist immer individuell abhängig von den konkreten Handlungsanforderungen an die Fachkraft (Wandenpohl 2015).

Quellenangaben

Anders, Yvonne, 2012. Modelle professioneller Kompetenzen für frühpädagogische Fachkräfte. Aktueller Stand und ihr Bezug zur Professionalisierung [online]. München: Aktionsrat Bildung, vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. [Zugriff am: 04.07.2022]. Verfügbar unter: https://www.aktionsrat-bildung.de/fileadmin/​Dokumente/​Expertise_Modelle_professioneller_Kompetenzen.pdf

Fröhlich-Gildhoff, Klaus, Iris Nentwig-Gesemann und Stefanie Pietsch, 2011. Kompetenzorientierung in der Qualifizierung frühpädagogischer Fachkräfte. WiFF Expertisen Nr. 19. München: DJI. ISBN 978-3-86379-031-8

Wadepohl, Heike, 2015. Professionelles Handeln von frühpädagogischen Fachkräften [online]. Berlin: Fröbel e.V. [Zugriff am: 21.06.2022]. Verfügbar unter: https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/​Redaktion/​Publikationen/​KiTaFT_Wadepohl_2015.pdf

Verfasst von
Dr. Lisa Jares
Redakteurin des frühpädagogischen Fachportals ErzieherIn.de, Pädagogische Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen und Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen in kindheitspädagogischen Studiengängen
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Zitiervorschlag
Jares, Lisa, 2022. Frühpädagogische Kompetenzmodelle [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 11.07.2022 [Zugriff am: 11.08.2022]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Fruehpaedagogische-Kompetenzmodelle

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