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Gedenkstättenpädagogik

Einschränkung: Der Artikel befasst sich hauptsächlich mit der Gedenkstättenpädagogik in Deutschland.

Die Gedenkstättenpädagogik ist eine spezielle pädagogische Konzeption (Paschen 1997, S. 66), die sich mit der Vermittlung des Lerngegenstandes Nationalsozialismus im Allgemeinen und dem des Holocaust im Spezifischen an historischen Orten beschäftigt (Haug 2004, S. 252). Sie ist damit als ein Teil historisch-politischer Bildung in Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu verstehen, der sich entweder direkt auf Orte der NS-Verbrechen bezieht oder das Gedenken an die Opfer des Holocaust immer wieder anstoßen soll (Eberle 2008, S. 59).

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Ziele der Gedenkstättenpädagogik
  3. 3 Themen der Vermittlungsarbeit
  4. 4 Vermittlungsmethoden in der Gedenkstättenarbeit
  5. 5 Formate und Formen der Vermittlung
  6. 6 Medien der Vermittlung
  7. 7 Zielgruppen
  8. 8 Qualifikation und Ausbildung
  9. 9 Gesellschaftliche Entwicklungen
  10. 10 Herausforderungen für die Gedenkstättenpädagogik
  11. 11 Pädagogische Ansätze
  12. 12 Quellenangaben
  13. 13 Literaturhinweise

1 Zusammenfassung

NS-Gedenkstätten sind als Fixpunkte des kulturellen Gedächtnisses der deutschen Gesellschaft zu verstehen. Sie zählen damit zur kulturellen Grundausstattung der Bundesrepublik Deutschland und nehmen in der Gedenkstättenlandschaft eine herausragende Stellung ein, die sich daraus ableitet, dass sie die an von Deutschen geplanten und begangenen Verbrechen zurzeit des Nationalsozialismus symbolisieren (Pampel 2007, S. 31–37). Darüber hinaus erfüllen sie als Orte historisch-politischen Lernens die gesellschaftliche Funktion als Bildungsinstitutionen, an denen ein Lernen aus der Geschichte möglich sein soll. Diese Funktion von NS-Gedenkstätten liegt ganz in der Tradition einer „Erziehung nach Auschwitz“, die der Forderung Adornos: „dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung“ (Adorno 1971, S. 88), entspricht. Diese Forderung gehört mittlerweile zum unhintergehbaren Ausgangspunkt pädagogischer Programme mit Bezug zur Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus (Meseth 2008, S. 107). Der Begriff der Gedenkstättenpädagogik steht für die didaktische Komplexität der Vermittlungsarbeit an ehemaligen Orten nationalsozialistischer Verbrechen. Damit verbunden sind unterschiedliche Ziele, Themen und Methoden der pädagogischen Arbeit und Vermittlung der NS-Geschichte.

2 Ziele der Gedenkstättenpädagogik

In der pädagogischen Arbeit der NS-Gedenkstätten lassen sich insgesamt drei wesentliche Ziele identifizieren, die in der Literatur zur Gedenkstättenpädagogik diskutiert werden.

  1. Im Kontext historisch-politischen Lernens ist ein erstes Ziel der pädagogischen Arbeit in NS-Gedenkstätten, die BesucherInnen über die Geschichte des historischen Ortes und die dort begangenen Verbrechen zu informieren (Faulenbach 1998, S. 28). Dies soll wissenschaftlich fundiert geschehen; also orientiert an den Standards geschichtswissenschaftlicher Forschung. Allerdings darf die historische Aufklärung nicht auf der Ebene lokalgeschichtlicher Bezüge verweilen, sondern sie soll eingebettet sein in den historischen Kontext der Geschichte des Nationalsozialismus (Eberle 2008, S. 66).
  2. Das zweite Ziel fokussiert die Bedeutung der NS-Gedenkstätten für den geschichtspolitischen und kulturellen Bereich der deutschen Gesellschaft. Dies heißt schlechterdings nichts anderes, als dass die pädagogische Arbeit in NS-Gedenkstätten als ein Beitrag zur Traditionsbildung in der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus zu verstehen ist (ebd., S. 66). Diese „Unterweisung ins Gedenken“ (Brumlik 1995, S. 92) zielt ab auf die Auseinandersetzung mit individuellen und gesellschaftlichen Deutungsmustern, die die historische Realität reflektieren (Eberle 2008, S. 60). Demgemäß bedeutet dies, dass die Lernenden sich mit ihren eigenen biografischen Bezügen zur Geschichte des Nationalsozialismus auseinandersetzen sollen. Damit geraten auch unter Umständen familiär tradierte Geschichtsbilder, die oft von Umdeutungen im Hinblick auf „Heroisierungstendenzen“ geprägt sind, in den Fokus pädagogischer Arbeit. Dies soll fruchtbar genutzt werden, um die Teilnehmenden pädagogischer Angebote für diese unterschiedlichen und vielfältigen Geschichtsdeutungen zu sensibilisieren. Dies heißt im besten Falle, geschichtskulturelle Kompetenzen zu entwickeln, um die Fähigkeit zu schärfen, das öffentliche Gedenken kritisch zu betrachten und zu hinterfragen. Dies zielt darauf ab, die Lernenden dahingehend zu fördern, an der Traditionsbildung aktiv zu partizipieren (Werker 2016, S. 158).
  3. Des Weiteren sollen in der Gedenkstättenpädagogik demokratische Einstellungen und Kompetenzen gefördert werden. Damit wird die Hoffnung verbunden, das (politische) Handeln der Lernenden zu beeinflussen (Pampel 2007, S. 59). Gedenkstättenpädagogik soll eine Haltung der BesucherInnen fördern, „die dem Andenken der Opfer verpflichtet ist und die Konsequenzen der damaligen Verbrechen als konkrete gesellschaftliche Verantwortung begreift und annimmt“ (Eberle 2008, S. 59). Um diese Ziele zu erreichen, ist es letztlich wichtig, die Lernenden zur kritischen Selbstreflexion anzuregen bzw. ihnen den institutionellen Rahmen zu bieten, sich mit den eigenen und „fremden“ Geschichtsbildern und Deutungsmustern auseinanderzusetzen, um daraus relevante Schlüsse für das eigene gegenwärtige Handeln zu ziehen (Pampel 2007, S. 60).

3 Themen der Vermittlungsarbeit

Die genannten Ziele stehen mit mehreren grundsätzlichen Themen im Zusammenhang, die unabhängig von der vielfältigen Ausrichtung der unterschiedlichen NS-Gedenkstätten, als wesentliche Themenbereiche beschrieben werden können.

Der erste Themenbereich orientiert sich an dem Ziel der Vermittlung von historischem Wissen zu den Verbrechen am historischen Ort. Es geht hierbei um die Geschichte der Konzentrationslager und ihre Verortung im Kontext der Geschichte des Nationalsozialismus. Dies umfasst auch den Entstehungskontext der NS-Diktatur und deren ideologische Grundlagen zur Entrechtung und Massenmord. Dies bedeutet, nicht nur die Verbindungen zwischen dem historischen Ort und dem Holocaust darzustellen, sondern auch die Entwicklung der historischen Erinnerung daran nach 1945 zu bearbeiten (Eberle 2008, S. 67–68).

Hieraus ergibt sich der zweite Themenbereich, der die Bedeutung des historischen Ortes der Verbrechen als Gedenk- und Erinnerungsort umfasst. Auf dieser Ebene wird die Geschichte der nationalsozialistischen Verbrechen vornehmlich aus der Sicht der Opfer thematisiert. Es handelt sich dabei um eine inhaltlich fundierte „Unterweisung ins Gedenken“ (Brumlik 1995, S. 92), um das Andenken an die Opfer zu bewahren. Im Fokus der pädagogischen Arbeit stehen die Häftlinge in den Konzentrationslagern und die damit verbundenen Lebenswege der einzelnen Opfer. Diese Lebenswege sollen in der historischen Dokumentation der jeweiligen NS-Gedenkstätte dargestellt werden mit all den Aspekten des Lageralltages, den politischen Haltungen der Häftlinge, ihre Entscheidungen für den Widerstand gegen den NS-Terror (Eberle 2008, S. 68). Hierzu gehört auch, die unterschiedlichen Häftlingsgruppen und ihre Beziehungen untereinander zu thematisieren.

Allerdings beschränkt sich die Beschäftigung mit den Verbrechen des Ortes nicht ausschließlich auf die Ebene der Opferperspektive. Um ein umfassendes Bild der beteiligten AkteurInnen nationalsozialistischer Gewalttaten zu zeigen, wird in der Gedenkstättenpädagogik vermehrt darauf geachtet, auch die Darstellung aus der Sicht von Täterinnen und Tätern zu gewährleisten. Erst durch die Auseinandersetzung mit den Tatverantwortlichen lassen sich die Mechanismen offenlegen, die dazu geführt haben, dass ganz normale Männer und Frauen den Holocaust ermöglicht und unterstützt haben, sowie zu einem erheblichen Teil auch dabei selbst zu Tätern bzw. Täterinnen wurden (Jelitzki und Wetzel 2010, S. 242).

Der dritte Themenbereich umfasst die Genese des historisch-authentischen Ortes zu einem Ort der Erinnerungs- und Geschichtskultur. Dies heißt zum einen darzustellen, wie die historischen Orte als ehemalige Konzentrationslager durch bauliche Veränderungen zu den heutigen NS-Gedenkstätten verändert wurden. Zum anderen heißt es auch, die konflikthafte Entwicklung in der deutschen Gesellschaft hin zu den symbolträchtigen Gedenkstätten, die sie heute darbieten, nachzuzeichnen. Der Fokus dieser inhaltlichen Betrachtung richtet sich dabei auf die unterschiedlichen Erinnerungsgemeinschaften und ihre interessensgeleiteten Vorstellungen über ein angemessenes Gedenken an die Opfer des NS-Systems. Neben den lokalpolitischen Debatten um die Existenz und Entwicklung der jeweiligen Gedenkstätten vor Ort zählen auch politische Debatten wie beispielsweise die um die Wehrmachtsausstellung oder um den Bau des Holocaust-Mahnmals in Berlin dazu. Die Beschäftigung mit diesen Themen kann dazu beitragen, Jugendliche für die unterschiedlichen miteinander konkurrierenden Geschichtsdeutungen und Geschichtsbilder zur Holocausterinnerung zu sensibilisieren und diese kritisch zu reflektieren. Im idealtypischen Fall führt dies bei den Jugendlichen dazu, eigene tradierte Familienerinnerungen kritisch zu hinterfragen und eine eigene „(geschichts-)kulturelle“ Position zu entwickeln (Eberle 2008, S. 68).

4 Vermittlungsmethoden in der Gedenkstättenarbeit

Die oben angeführten Ziele bilden einen wesentlichen Ausgangspunkt aller methodischen Überlegungen in der Bildungsarbeit von NS-Gedenkstätten. Hierzu sind im Vorfeld didaktische Grundprinzipen zu nennen, die in der Gedenkstättenpädagogik zentral sind:

  1. (Selbst-)Reflexion: um überhaupt einen eigenen Standpunkt zu finden, müssen Lernarrangements im Bildungsangebot der Gedenkstätten den Lernenden die Möglichkeit bieten, die vermittelten Informationen und erfahrenen Wahrnehmungen in einem moderierten Rahmen artikulieren und diskutieren zu können. Dies stellt die Grundlage dar, kognitives und affektives Lernen miteinander zu verbinden und zueinander in Beziehung zu bringen (ebd., S. 70).
    Dabei sollen die vorgeprägten Geschichtskonstruktionen der BesucherInnen hinterfragt, also reflektiert werden. Hierzu ist ein medienkritischer Ansatz unabdingbar, da heutige Geschichtskonstruktionen bzw. Geschichtsbilder in vielerlei Hinsicht medial vermittelt sind. Aber auch über die Familie tradiertes Wissen kommt hier unter Umständen zum Tragen. Dieses medial und familiär vermittelte Wissen muss nicht unbedingt mit dem konkreten Wissen über die NS-Zeit übereinstimmen, sondern es kann durchaus davon abweichen. Dies können beispielsweise familiär bedingte Rechtfertigungs- und Entlastungsargumentationen sein, die in der Diskussion aufgenommen werden. Sicherlich birgt dies immer auch die Gefahr der emotionalen Überforderung der Besucherinnen und Besucher bzw. Jugendlichen.
  2. Kontroversität: Dieser Grundsatz ist bei der Bildungsarbeit in NS-Gedenkstätten nur sehr schwierig einzuhalten. Schon das öffentliche Sprechen über den Nationalsozialismus findet in engen moralischen Grenzen statt. Wer hier gar die NS-Verbrechen kontrovers diskutiert kann schnell unter revisionistischen Verdacht geraten. Die kritische Diskussion anzuregen und kontroverse Auseinandersetzungen, beispielsweise um eine angemessene Erinnerung an die Opfer, zu ermöglichen, bleibt daher eine große pädagogische Herausforderung für die Gedenkstättenpädagogik im Allgemeinen und für die PädagogInnen der NS-Gedenkstätten im Spezifischen (Haug und Schellenberg 2010, S. 220).
  3. Freiwilligkeit: Dieses Prinzip der Freiwilligkeit der Teilnahme an Gedenkstättenangeboten kollidiert allzu oft mit den Rahmenbedingungen von Schulklassen, die mit Abstand die meisten Gruppen darstellen, die an Führungen und Projekttagen der NS-Gedenkstätten teilnehmen. Denn auch wenn es sich bei den Besuchen um Exkursionen zu außerschulischen Lernorten handelt, werden diese Besuche als spezifische Sozialform des Schulunterrichts verstanden. Damit darf die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern an Gedenkstättenbesuchen als „echte“ freiwillige Teilnahme zumindest angezweifelt werden (Haug 2004, S. 260). Die Diplompädagogin Verena Haug merkt hierzu Folgendes an:
    „Die Gedenkstättenpädagogik steckt, so ist zu folgern, in einem Dilemma zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die durch Vorgaben von Adressaten, Zeit und Geld bestimmt ist. Gedenkstättenpädagogik kann offensichtlich nicht allein außerschulisch verortet werden. Sie muss deswegen zwei scheinbar entgegengesetzte Ziele verfolgen. Zum einen muss sie sich von der Schule abgrenzen und ein klares Profil erarbeiten (auch für knappe Zeitvorgaben), zum anderen sich der Schule und dem Unterricht zuwenden, denn auch weiterhin werden Schülerinnen und Schüler im Klassenverband ihre Hauptadressaten und die Lehrer ihre einzigen Ansprechpersonen im Vorfeld sein“ (ebd., S. 261).

    Dieses Spannungsverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit kann durch genaue Absprachen, die die MitarbeiterInnen der Gedenkstätten mit den jeweiligen Lehrpersonen im Vorfeld eines Besuches treffen, zumindest gemildert werden.
  4. Multiperspektivität: Eines der zentralsten didaktischen Prinzipien in der Vermittlungsarbeit ist die Darstellung von historischen Lerngegenständen aus unterschiedlichen Perspektiven (Bergmann 2007). Die Multiperspektivität berücksichtigt nicht nur unterschiedliche Quellenmaterialien (Bilder, Dokumente, Filme usw.), sondern auch unterschiedliche soziale Standorte oder Perspektiven. Diese können religiöser, ethnischer, kultureller, politischer oder ideologischer Art sein. Sie können aber auch situationsbedingt aus der Perspektive von TäterInnen, Opfern, ZuschauerInnen oder HelferInnen geprägt sein (Pandel 2013, S. 350).

5 Formate und Formen der Vermittlung

Zu den zentralen Veranstaltungsformaten eines Gedenkstättenbesuchs zählt die Führung durch die jeweilige historische Dauerausstellung sowie über das Gedenkstättengelände (Haug 2015, S. 84–86). Die Führungen von unterschiedlicher Dauer können allgemeiner Art sein, also eine erste Orientierung bieten zur Geschichte des Ortes und der Verbrechen, die dort begangen wurden. Die Führungen können aber auch thematisch spezifischer ausgerichtet sein, beispielsweise auf den „Lageralltag“ der Häftlinge, auf eine besondere Häftlingsgruppe oder auf bestimmte Orte auf dem Gelände. Die Führung wird meistens von einer Gedenkstättenpädagogin bzw. -pädagogen geleitet. Im idealen Fall orientiert sich der Ablauf einer solchen Führung an den Bedürfnissen und Zeitvorgaben der besuchenden Gruppen. Auch wenn die Möglichkeit besteht, interaktive bzw. dialogische Elemente in den Führungsverlauf einzubauen, handelt es sich doch um eine eher rezeptive Art der Wissensvermittlung, die aber seitens der führenden PädagogInnen noch am besten steuerbar ist. Dies gilt vor allem im Hinblick auf den Themenzuschnitt und die Bearbeitung bestimmter Biografien oder Sachverhalte, die der NS-Gedenkstätte insgesamt als wichtig erscheinen (Zumpe 2012, S. 85).

Eine etwas andere Art mit der Form der Führung umzugehen, besteht in der Methode der wechselseitigen Führung. Bei dieser aus der Museumspädagogik adaptierten Methode zeigen sich Teilnehmende während einer Führung gegenseitig einzelne Abschnitte auf dem Gedenkstättengelände oder stellen einzelne Themenbereiche einer Ausstellung vor. Der Vorteil eines solchen Methodenbausteins liegt darin, dass die Jugendlichen sich ihre Schwerpunkte selber auswählen und diese in ihrer eigenen Sprache den gleichaltrigen Mitschülerinnen und Mitschülern vorstellen (Gryglewski 2013, S. 135).

Eine etwas andere „Spielart“ der Führung stellt der selbstendeckende Rundgang dar. Dabei erkunden die jugendlichen BesucherInnen in Kleingruppen die unterschiedlichen Areale einer NS-Gedenkstätte in Eigenverantwortung. Als einzige Hilfsmittel dienen ein Lageplan und ein paar Kurzinformationen zu den einzelnen Arealen der NS-Gedenkstätte. Die Jugendlichen sollen auftretende Fragen oder Anmerkungen notieren. Diese Notizen dienen dann als Grundlage für ein nachfolgendes Gespräch mit einer GedenkstättenpädagogIn (Ritscher 2013, S. 280).

Im Rahmen von Projekttagen, Studientagen oder auch Tagesseminaren bleibt etwas mehr Zeit (3-6 Stunden), einzelne Themenaspekte vertiefender zu bearbeiten. Hierzu bieten die meisten NS-Gedenkstätten Recherchemöglichkeiten in der eigenen Bibliothek oder im Archiv an. Zur Auswahl stehen hierbei beispielsweise Briefe von Häftlingen, Bilder, Zeichnungen, Zeitungsartikel usw. In den letzten Jahren versuchen die NS-Gedenkstätten den Rezeptionsgewohnheiten der Jugendlichen gerecht zu werden, indem immer mehr Ausstellungstafeln oder Exponate wie auch die historische Ereignisgeschichte und biografische Zeugnisse über „Neue Medien“ wie Touchscreen-Bildschirme oder der interaktiven Recherche durch den Computer erfahrbar gemacht werden. Mit audiovisuellen Medien wird dabei verstärkt darauf geachtet, dass die BesucherInnen Geschichte mit (fast) allen Sinnen erfahren können. Für die Recherche einzelner Themen stellen die Gedenkstätten Arbeitsblätter zur Verfügung, die die Jugendlichen anhand von Leitfragen über das Gedenkstättengelände bzw. durch die verschiedenen Ausstellungen führen. Am Ende eines solchen Projekttages werden die Ergebnisse im Plenum vorgestellt und diskutiert.

Ein weiteres methodisches Element ist das Gespräch mit ZeitzeugInnen. Hierbei erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, mit den Überlebenden oder deren Angehörigen ins Gespräch zu kommen bzw. „ihre“ Geschichte des Holocaust zu erfahren. Diese Methode bedarf allerdings einer umfangreichen Nachbereitung, um den Jugendlichen zu verdeutlichen, dass es sich bei Erzählungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen um eine subjektive Sichtweise auf die historischen Ereignisse handelt. Zudem müssen dabei subjektiv erlebte historische Fakten eventuell kontextualisiert bzw. korrigiert werden (Zumpe 2012, S. 86).

Die Auseinandersetzung mit biografischen und personalisierten Medien stellt eine übliche Form der Arbeit mit Jugendlichen dar, um komplexe Geschichtszusammenhänge auf ein begreifbares Maß zu reduzieren. Briefe, Zeichnungen und andere Dokumente ergänzen die biografisch orientierte Methodik. Neuerdings wird die Biografiearbeit mit der Methodik des kreativen Schreibens verknüpft. Hierbei schreiben die teilnehmenden Jugendlichen während eines solchen Projektangebots fiktive Lebensgeschichten, die aber auf real historischen Geschichten beruhen. Eine andere Variante ist das Schreiben von Briefen an die durch das biografische Erarbeiten personalisierten Opfer. Beide Varianten sollen den Jugendlichen die Chance geben, eigene Gefühle, Wahrnehmungen, Gedanken und Fragen schriftlich darzulegen und eventuell zur Diskussion zu stellen bzw. zu präsentieren (ebd., S. 87).

Zu den neueren Arbeitsweisen gehören ebenso kunst-, theater-, und gestaltpädagogische Methoden. In vielen NS-Gedenkstätten werden Zeichnungen, Skulpturen oder szenische Darstellungen angefertigt (Dorner und Engelhardt 2006). Dabei werden zunehmend künstlerische Ausdrucksformen von Jugendkulturen, wie beispielsweise Graffiti-Projekte, Teil der Verarbeitung von Erinnerung und Gedenken in NS-Gedenkstätten (Berg und Danker 2006, S. 133).

Diese Arten künstlerischer Betätigung dienen insbesondere der individuellen Verarbeitung der gemachten Erfahrungen während eines Gedenkstättenbesuchs. Allerdings erfordert ein solches pädagogisches Arbeiten viel Zeit, die bei einem normalen Gedenkstättenbesuch kaum vorhanden ist. Insofern ist es fast folgerichtig, dass die oben beschriebenen Methoden, mit Ausnahme der Führung, nur bei Projekttagen, und hier auch nur einzelne Bausteine, zum Einsatz kommen. Für eine Methodenkombination und eine breitere thematische Vertiefung werden seitens der NS-Gedenkstätten sogenannte Projektwochen (bis zu fünf Tage) oder auch Mehrtagesseminare angeboten.

Im Rahmen von mehrwöchigen Workcamps bieten einige NS-Gedenkstätten den TeilnehmerInnen die Gelegenheit, neben der „kognitiven“ Arbeit auch pflegerische Arbeiten auf dem Gelände durchzuführen. Diese ganzheitliche Methode des Lernens mit „Kopf, Herz und Hand“ wird oft mit Jugendbegegnungen verbunden, die international ausgerichtet sind (Schulz und Dietrich 1998, S. 53). Dabei geht es nicht nur um die reine Pflege des Geländes, sondern auch um die Erhaltung einzelner Areale der jeweiligen NS-Gedenkstätte. Hierunter fällt das neue Anlegen von Wegen, die Säuberung von Grabsteinen oder das Zurückschneiden von Sträuchern. Das Lernen mit allen Sinnen bei den beschriebenen Workcamps stellt einen idealtypischen Fall der Handlungsorientierung in der Gedenkstättenpädagogik dar. Dieser ganzheitliche methodische Ansatz soll dazu führen, dass nicht nur kognitiv Wissen über die NS-Verbrechen vermittelt wird, sondern auch emotionale und haptische Anregungen beim Lernen gegeben werden.

Ein letztes methodisches Element im Rahmen der Gedenkstättenpädagogik stellt das Ausprobieren oder Einstudieren von Gedenkritualen dar. Hier bietet sich für die jugendlichen BesucherInnen die Möglichkeit, sich reflexiv mit dem Sinn von solchen Ritualen auseinanderzusetzen. So können auch selbst ausgedachte Gedenkformeln oder Erinnerungsabläufe entwickelt werden, die einen sehr individuellen Bezug aufweisen (Zumpe 2012, S. 89).

6 Medien der Vermittlung

Als einen weiteren wesentlichen Teil der methodischen Ebene sind die unterschiedlichen Arbeitsmedien zu nennen, die dazu dienen, unterschiedliche Inhalte zu vermitteln und historische Sachverhalte zu visualisieren. Damit fungieren Arbeitsmedien sowohl als Lehrmittel wie auch als Lernmaterialien (Gies 2004, S. 213).

In Anlehnung an die Typologie der eingesetzten Medien im Geschichtsunterricht von Gies lassen sich die unterschiedlich eingesetzten Arbeitsmedien in der pädagogischen Arbeit der NS-Gedenkstätten wie folgt systematisieren (ebd., S. 229):

  1. Verbal-optische Medien:
    Hierzu zählen alle schriftlichen Texte und Materialien wie beispielsweise Briefe, Deportationslisten, Gedichte, historische Dauerausstellungen, wissenschaftliche Publikationen.
  2. Verbal-akustische bzw. auditive Medien:
    Auf dieser Ebene befinden sich Vorträge der GedenkstättenpädagogInnen, Schülerreferate (wechselseitige Führung), Zeitzeugengespräche, Tonaufzeichnungen wie historische Reden und Erzählungen.
  3. Verbal-optisch-akustische Medien:
    Hierzu gehören Videoaufzeichnungen von Gesprächen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, Einführungsfilme zur Geschichte der jeweiligen NS-Gedenkstätte, Spielfilme zu historischen Themen, Videoserien zu einzelnen Themen in der Dauerausstellung, Internetseiten.
  4. Rein-optisch-visuelle Medien:
    Zeichnungen und Skizzen von Häftlingen zählen genauso dazu wie Karikaturen, schematische Zeichnungen der Lagerkomplexe und Zeitleisten.
  5. Optisch-haptische Medien:
    Zu nennen wären hierbei Fundstücke wie Häftlingskleidung, Schmuck, Essgeschirr, Uniformen aber auch Grabsteine, Mahnmale und die übriggebliebenen Lagergebäude.

Sicherlich bleibt bei dieser Systematisierung anzumerken, dass eine klare Trennung zwischen den einzelnen Medientypen in der pädagogischen Praxis so nicht vorkommt.

7 Zielgruppen

Einen großen Teil der Besucherinnen und Besucher von NS-Gedenkstätten sind vor allem Gruppen von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Schulformen (Haug 2004, S. 260). Insgesamt sind es eher jugendliche Gruppen, die auch an mehrtägigen Projekten teilnehmen. Hierzu gehören beispielsweise neben den genannten Schulgruppen, konfessionelle wie gewerkschaftliche Jugendgruppen, Jugendliche und junge Erwachsene aus berufsqualifizierenden Maßnahmen oder auch jugendliche StraftäterInnen, die zum Teil oft einen rechtsextremen Hintergrund haben (Bräuß 2010; Jende und Speer 2013). Zu einer kaum beachteten, aber sehr aktiven teilnehmenden Gruppe zählen die SoldatInnen der Bundeswehr und die zivilen MitarbeiterInnen von Bundeswehr-Dienststellen (Zumpe 2012, S. 76).

Als Zielgruppen von pädagogischen Angeboten geraten Erwachsene allerdings selten in den Fokus von NS-Gedenkstätten. Angebote gibt es in erster Linie, neben den schon genannten Bundeswehrangehörigen, für Lehrpersonen sowie MultiplikatorInnen der außerschulischen Bildungsarbeit mit Jugendlichen. Einzelne Gedenkstätten bieten auch berufsspezifische Seminare für Angehörige von Berufsgruppen an, deren Institutionen während der Zeit des Nationalsozialismus von der politischen Instrumentalisierung der Nationalsozialisten betroffen gewesen sind. (Ahlheim et al. 2004, S. 53 und 84).

8 Qualifikation und Ausbildung

Die pädagogische Arbeit in NS-Gedenkstätten ist als ein komplexes Feld von Anforderungen zu beschreiben, die an die PädagogInnen gerichtet sind. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, was GedenkstättenpädagogInnen für Qualifikationen erreichen sollten, um diese anspruchsvolle Vermittlungs- und Transferarbeit mit den BesucherInnen der unterschiedlichen Gedenkorte durchführen zu können. In der im Jahr 2010 erschienenen Publikation „Verunsichernde Orte“ wird dieser Frage explizit nachgegangen, wobei von den AutorInnen versucht wird, ein Berufsbild der Gedenkstättenpädagogik zu zeichnen (Thimm, Kößler und Ulrich 2010).

Demnach können unterschiedliche Qualitätsmerkmale formuliert werden, die für die pädagogische Arbeit an NS-Gedenkstätten erforderlich sind. Diese Qualitätsmerkmale lassen sich in fünf Dimensionen beschreiben, die zugleich fünf Ebenen darstellen (Kaiser 2010, S. 25):

Das pädagogische Handeln einer jeden Gedenkstättenpädagogin bzw. eines Gedenkstättenpädagogen sollte sich demnach auf einer ethischen Dimension an den demokratischen und humanitären Grundwerten orientieren. Dies bedeutet beispielsweise über theoretisches Wissen zu den Menschenrechten und zur Demokratie zu verfügen, Multiperspektivität als zentrales didaktisches Prinzip in der Vermittlungstätigkeit zu verfolgen und auch psychologische Grundkenntnisse zu besitzen, um in emotional aufgeladenen Gedenk- und Verhaltenskontexten angemessen handeln zu können.

Die themen- und ortsspezifische Ebene beschreibt das historische Fachwissen zur Geschichte des Nationalsozialismus im Allgemeinen und der Geschichte des historischen Ortes der Verbrechen im Spezifischen. Dies impliziert zudem das Wissen über den erinnerungs- sowie geschichtskulturellen Kontext der jeweiligen NS-Gedenkstätte.

Die politische Dimension zielt darauf ab, dass die GedenkstättenmitarbeiterInnen im Rahmen ihres pädagogischen Auftrages den Lernenden helfen, eine eigene Position zu den Verbrechen des Nationalsozialismus und des historischen Ortes zu entwickeln. Dazu gehört aber auch, dies aus einer Haltung heraus zu tun, die die unterschiedliche Herkunft und damit verbundenen unterschiedlichen Geschichtsbilder der pädagogischen Klientel anerkennt. Dies heißt wiederum, in der pädagogischen Arbeit die vornehmlich jugendlichen Teilnehmenden an den gedenkstättenpädagogischen Angeboten moralisch nicht überwältigen zu wollen, also ganz im Sinne des Beutelsbacher Konsenses zu agieren.

Diese Haltung setzt sich in der methodischen Dimension fort. Die beiden didaktischen Prinzipien Multiperspektivität und Zielgruppenorientierung stellen dabei die zentralen Aspekte dar, die die Vermittlungsarbeit und die einzelnen Lernkontexte strukturieren. Die PädagogInnen verfügen also im idealen Fall über die Kompetenz, die vorher beschriebenen Dimensionen in ihrer methodischen Planung von Lernsettings zu berücksichtigen. Auf der fünften Ebene schließlich formiert sich die selbstreflexive Dimension. Hier besteht die Anforderung für alle GedenkstättenpädagogInnen, die eigene Arbeitsweise, die eigenen Geschichtsbilder und eigenen Vorurteile und Stereotype, die durchaus über die jeweilige Klientel eines Gedenkstättenbesuchs bestehen können, ständig zu reflektieren und zu hinterfragen.

Richtet man den Blick auf die Personalstruktur von NS-Gedenkstätten, begegnet einem eine Vielzahl von QuereinsteigerInnen unterschiedlicher Professionen (Haug 2004, S. 259). Dies gilt nicht nur für die unterschiedlichen Abteilungen einer Gedenkstätte wie die historische Forschung, die Bibliothek, das Archiv oder die Verwaltung. Es gilt auch für die pädagogische Abteilung insbesondere. Hier finden sich Mitglieder unterschiedlicher Professionen aus Geschichtswissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft, Kunstgeschichte, Archäologie usw., die keine spezielle (pädagogische) Ausbildung in der Gedenkstättenpädagogik durchlaufen haben. So gestalten sich die Lernsettings weniger aus einem pädagogisch fundierten Wissen über die Vermittlungsarbeit in Gedenkstätten, sondern es ist vielmehr ein „Learning-by-doing“ anzutreffen, bei dem Erfahrungen aus der Praxis für die Praxis in die Gestaltung der einzelnen Veranstaltungsformen (Führung, Projekt, Studientag) einfließen. Führungen wie auch Studientage werden meistens von Honorarkräften durchgeführt (Zumpe 2012, S. 92).

Abschließend ist zu konstatieren, dass trotz der hohen Anforderungen, die das pädagogische Arbeiten in einer NS-Gedenkstätte mit sich bringt, eine Berufsausbildung in der Gedenkstättenpädagogik noch nicht absehbar ist. Dies bedeutet aber nicht, dass es keine Fortbildungen in diesem Bereich gibt. So bietet das Fritz-Bauer-Institut Frankfurt in Kooperation mit dem Max Mannheimer Studienzentrum am Internationalen Jugendgästehaus Dachau die Weiterbildung „Verunsichernde Orte“ an. Im Rahmen dieser Weiterbildung können hauptamtliche und ehrenamtliche GedenkstättenmitarbeiterInnen oder auch Institutionen des Gedenkens Seminare zu Themen des Selbstverständnisses einer Gedenkstätte, zur Zielgruppenorientierung, zu Vermittlungsmethoden usw. buchen. Erfahrene TrainerInnen aus dem Gedenkstättenbereich führen diese Seminare durch, an deren Ende auch eine Zertifizierung steht.

9 Gesellschaftliche Entwicklungen

  1. Generationaler Wandel: Aufgrund des generationalen Wandels in der Erinnerung an den Holocaust wird die Erinnerung an die NS-Zeit aus ihrem kommunikativ geteilten Kontext der Generation der Zeitgenossen, die diese Zeit selbst miterlebt haben in den objektivierten Kontext des kulturellen Gedächtnisses der nachfolgenden Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg überführt. Damit sind die Geschichte des Nationalsozialismus und die damit verbundene Erinnerung an den Holocaust zunehmend einer Historisierung unterworfen (Knigge 2005, S. 448). Die Menschen heutiger Generationen sind nicht mehr schuldhaft in die Geschichte des Nationalsozialismus verwickelt. Daher geht es im Rahmen gegenwärtiger Erinnerung nicht mehr um die Frage „was geschah, sondern wie das Geschehene erzählt und vergegenwärtigt werden soll. Es geht insbesondere um den Stellenwert der Vergangenheit in der Gegenwart“ (Jeismann 2001, S. 73).
  2. Mediatisierung der Erinnerung: Geschichtsbilder und Deutungen zur Geschichte des Nationalsozialismus werden vermehrt über sekundäre Quellen vermittelt (Leggewie und Meyer 2005, S. 19). Die heutige jüngere Generation kann auf viele unterschiedliche Informationsquellen wie Dokumentationen, Kinofilme, Comics, Internetseiten zurückgreifen, um sich ein Bild von der Geschichte des Holocaust zu machen. Damit verliert die Geschichtswissenschaft ihr Deutungsprivileg. Geschichtsdeutungen über den Holocaust sind damit nicht mehr nur Gegenstand von Universitäten und Expertenveranstaltungen, sondern mittlerweile Teil der Alltagskultur geworden (Georgi 2003, S. 15).
  3. Kulturelle Globalisierung: Die Mediatisierung von Geschichtskultur und die Repräsentation der Holocausterinnerung findet nicht mehr nur in einem nationalen Rahmen statt. Sowohl das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus als auch die geschichtskulturelle Bearbeitung des Holocaust drückt sich durch den Prozess einer „Universalisierung der Holocaust-Erinnerung“ aus (Levy und Sznaider 2007). Über massenmedial verbreitete Repräsentationen des Holocaust wird die Erinnerung an den nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Juden weltweit verbreitet, d.h. universalisiert. Die Erinnerung an den Holocaust wird so aus ihrem nationalen Rahmen herausgelöst und mündet in einen Modus der kosmopolitischen Erinnerung, der es anderen Opfergruppen erlaubt, sich in den jüdischen Opfern von einst wiederzuerkennen. Der Holocaust entwickelt sich zu einem universalen Referenzpunkt, an dem alle aktuellen Menschenrechtsverbrechen und Genozide gemessen werden (ebd., S. 20).
  4. Migration: Die deutsche Gesellschaft hat sich aufgrund weltweiter Migrationsprozesse in ihrer Bevölkerungszusammensetzung pluralisiert. Demnach zeichnet sich die deutsche (Erinnerungs-)Gesellschaft in Bezug auf die Holocaust-Erinnerung durch eine pluralisierte Erinnerungskultur aus, die mit einer beobachtbaren Pluralität der Erinnerungsgemeinschaften verbunden ist. Unter der Berücksichtigung des generationalen Wandels und der Mediatisierung der Holocausterinnerung sind die Geschichtsbezüge und Geschichtskonstruktionen heutiger Jugendlicher mit wie auch ohne Migrationshintergrund deutlich vielfältiger geworden (Werker 2016, S. 281).

10 Herausforderungen für die Gedenkstättenpädagogik

Mit der Frage nach einem angemessenen Umgang mit Globalisierungs- und Migrationsprozessen beschäftigen sich in den letzten Jahren immer stärker auch die PädagogInnen von NS-Gedenkstätten in Deutschland (Gryglewski 2013, S. 18). Diesbezüglich wird die bisherige Form der pädagogischen Arbeit zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust vor dem Hintergrund gegenwärtiger gesellschaftlicher Veränderungen in Frage gestellt und dabei vermehrt ein Bedarf an neuen pädagogischen Konzepten in der Gedenkstättenarbeit angemahnt (Ohliger 2006, S. 103). Damit einher geht der Sachverhalt, der auf Seiten vieler PädagogInnen als Problem wahrgenommen wird, dass diese bei der Bearbeitung der historischen Themen Nationalsozialismus und Holocaust in Schulen und Gedenkstätten mit einer immer größer werdenden Gruppe von SchülerInnen arbeiten müssen, die wegen ihrer unterschiedlichen kulturellen, ethnischen und sozialen Herkunft jeweils unterschiedliche familiäre Bezüge zur deutschen Geschichte haben (Motte und Ohliger 2004, S. 21–22; Kößler 2010, S. 50).

Andererseits wird auf die Gefahr der Ethnisierung von historisch-politischer Bildung hingewiesen, die eine Vermittlung der Geschichte des Holocaust insbesondere in multikulturellen Jugendgruppen erschwert. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Frage von Schuld und Verantwortung in erster Linie an der Familienbiografie festgemacht wird. Jugendliche, die keine solche generationale oder familiale Verbindung zurzeit des Nationalsozialismus aufweisen, werden damit aus dem Erinnerungskollektiv ausgeschlossen (Pawletta 2007, S. 143). Hinzu kommt die Wahrnehmung eines neu aufkommenden globalen Antisemitismus, der sich nicht nur in rechtsradikalen Kontexten manifestiert, sondern auch von muslimischen Jugendlichen in Deutschland artikuliert wird (Fechler et al. 2006, S. 13).

11 Pädagogische Ansätze

In der pädagogischen Arbeit an Gedenkstätten zeigen sich mehrere Formen pädagogischer Ansätze und didaktischer Prinzipien, die als eine vorläufige Antwort auf die geschilderten gesellschaftlichen Entwicklungen gedeutet werden können. An dieser Stelle sollen zwei wesentliche genannt werden:

Erstens ist in vielen pädagogischen Programmen das didaktische Prinzip der Menschenrechtsorientierung zu erkennen. Die Interpretation der Verbrechen vor Ort als Menschenrechtsverletzungen, die mit der historischen Verortung der Lagergeschichte in den Kontext der Verletzung von Menschenrechten einhergeht und sich mit Fragen gegenwärtiger Relevanz der Wahrung von Menschenrechten und deren Durchsetzung verbindet, wird z.B. in den Gedenkstätten Ravensbrück und Buchenwald sowie im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg offenkundig (Werker 2016, S. 129; Wrochem 2015).

Zweitens wird das didaktische Prinzip der interkulturellen Multiperspektivität augenscheinlich. Hier zeigt sich die Folge weltweiter Migration, die in eine Pluralisierung der Perspektiven auf die Geschichte des Holocaust mündet. Die Gedenkstättenpädagogik antwortet auf den Prozess der Migration insbesondere auf der methodischen Ebene mit einem multiperspektivischen Ansatz, der einen interkulturellen und national grenzüberschreitenden Zugang bietet. Der grenzüberschreitende Charakter wird vorwiegend in dem Veranstaltungsformat der internationalen Workcamps, die in der Regel als internationale Jugendbegegnungen konzipiert sind, deutlich. Dabei werden nicht nur historische Fakten zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust vermittelt, sondern die jugendlichen TeilnehmerInnen tauschen sich auch über gegenwärtige Formen der Ausgrenzung und Diskriminierung aus. Die interkulturelle Ausrichtung zeigt sich dann in der Möglichkeit des Austauschs der Jugendlichen und jungen Erwachsenen über ihre Normen-, Denk- und Deutungsmuster, die sie in einem internationalen Teilnehmerfeld einbringen können. Dies eröffnet den Weg, eine gemeinsame bzw. transnationale Form der Erinnerung an den Holocaust zu gestalten und zu diskutieren (Werker 2016, S. 141).

12 Quellenangaben

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13 Literaturhinweise

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Autor
Dr. Bünyamin Werker
Erziehungswissenschaftler, Studienleiter an der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW, Lehrbeauftragter für Themen der Historischen Bildungsforschung, Erinnerungskultur und Ästhetischen Bildung an der TU Dortmund
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Zitiervorschlag
Werker, Bünyamin, 2018. Gedenkstättenpädagogik [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 31.07.2018 [Zugriff am: 22.10.2018]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Gedenkstaettenpaedagogik

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Autor

Dr. Bünyamin Werker
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veröffentlicht am 31.07.2018

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