Heidelberger Elterntraining
Prof. Dr. Anke Buschmann
veröffentlicht am 31.03.2026
Das Heidelberger Elterntraining zur frühen Sprachförderung (HET Late Talker) ist ein wissenschaftlich evaluiertes Frühinterventionsprogramm für Eltern von zwei‑ bis dreijährigen Kindern mit verzögertem Spracherwerb. In sieben Sitzungen lernen Bezugspersonen, durch responsives und sprachanregendes Interaktionsverhalten die Sprachentwicklung ihres Kindes gezielt im Alltag zu fördern.
Überblick
- 1 Zusammenfassung
- 2 Hintergrund
- 3 Organisation
- 4 Inhaltliche Schwerpunkte
- 5 Methodische und didaktische Vermittlung
- 6 Wissenschaftliche Evaluation und Effektivität: Heidelberger Late Talker Längsschnittstudie
- 7 Adaptionen für weitere Zielgruppen
- 8 Quellenangaben
- 9 Literaturhinweise
- 10 Informationen im Internet
1 Zusammenfassung
Das Heidelberger Elterntraining zur frühen Sprachförderung (HET Late Talker) ist ein strukturiertes Frühinterventionsprogramm, in welchem die engsten Bezugspersonen unterstützt werden, die sprachliche Entwicklung des jungen Kindes gezielt zu fördern (Buschmann 2024).
In sieben inhaltlich aufeinander aufbauenden zweistündigen Sitzungen lernen und üben die Teilnehmenden, sich in natürlichen Interaktionssituationen ihrem Kind gegenüber responsiv und sprachanregend zu verhalten: D.h., sie beobachten ihr Kind aufmerksam und nehmen seine Interessen sowie kommunikativen Initiativen wahr. Sie reagieren auf diese adäquat und sprachlernunterstützend, indem sie ihr Sprachangebot an den Entwicklungsstand ihres Kindes anpassen, auf die Äußerungen des Kindes gezielt sprachförderlich reagieren sowie motivierende, sprachanregende Fragen stellen.
In einer wissenschaftlichen Längsschnittstudie wurde das HET Late Talker positiv evaluiert: Durch die Teilnahme am HET veränderte sich das elterliche Sprach‑ und Interaktionsverhalten und führte zu einem deutlich beschleunigten Spracherwerb: Die Kinder erweiterten ihren Wortschatz schneller und waren früher in der Lage Sätze zu bilden als Kinder, deren Eltern nicht am HET teilnahmen. Bereits mit drei und vier Jahren hatte ein Großteil der Kinder den sprachlichen Rückstand aufgeholt und zeigte vergleichbare Leistungen in Wortschatz‑ und Grammatikaufgaben wie Kinder mit altersgemäßem Sprachbeginn (Buschmann et al. 2009, 2011/12 2015, 2021).
In der interdisziplinären S3-Leitlinie zur Therapie von Sprachentwicklungsstörungen wird das HET Late Talker als wirksame Frühinterventionsmaßnahme bei einem verzögerten Sprachbeginn ausdrücklich empfohlen (AWMF 2022).
Das HET Late Talker und seine Adaptionen haben im deutschsprachigen Raum eine weite Verbreitung gefunden. Durch die langjährig bestehende Ausbildung von Multiplikator:innen gibt es wohnortnahe Angebote für Eltern, u.a. in Sozialpädiatrischen Zentren, Frühförderstellen, und logopädischen Praxen sowie online im Zentrum für Entwicklung und Lernen in Heidelberg.
2 Hintergrund
Das HET Late Talker wurde 2003 von Dr. Anke Buschmann als ein Gruppenkonzept für Eltern von Late Talkern entwickelt und wird seitdem stetig fortentwickelt. Es ist ein sekundär präventives Interventionsprogramm; es richtet sich an die engsten Bezugspersonen von zwei‑ bis dreijährigen Kindern mit einer klinisch bedeutsamen Sprachentwicklungsverzögerung (sog. Late Talker). Late Talker tragen ein hohes Risiko für langfristige Sprachdefizite (Dale et al. 2003; Sachse und Suchodoletz 2013), ein substanzieller Teil der Kinder bildet sogar eine manifeste Sprachentwicklungsstörung (SES) aus (Kühn et al. 2016).
Zudem ist ein verzögerter Spracherwerb mit Risiken in der sozial-emotionalen Entwicklung verbunden (Irwin et al. 2002; Clegg et al. 2015) und mit Problemen im schulischen Lernen assoziiert (Großheinrich et al. 2019; Bleses et al. 2016). Besonders benachteiligt in ihrer sprachlichen und allgemeinen Entwicklung sind Kinder, die neben der verzögert einsetzenden aktiven Sprache auch im Sprachverständnis beeinträchtigt sind (Lyytinen et al. 2006; Sachse und Suchodoletz 2013).
Mit der Stärkung der Eltern als wichtigste Kommunikationspartner des Kindes und der Befähigung dieser zu einem optimierten Sprach‑ und Interaktionsverhalten wird bei dem Kind
- die Freude an Kommunikation und Sprache geweckt
- das Sprachverständnis aufgebaut
- der Wortschatzerwerb erleichtert und damit
- der Einstieg in das grammatische System in der frühen und besonders sensiblen Phase des Spracherwerbs ermöglicht.
Im HET Late Talker sowie in den Adaptionen des HET für weitere Zielgruppen (s. Kap. 7) werden die Eltern für die vielen Möglichkeiten zu sprachlicher Interaktion im Alltag mit dem Kind sensibilisiert und in die Lage versetzt, diese natürlichen Situationen freudvoll und ohne Druck, quasi nebenbei zur gezielten Sprachförderung zu nutzen. Im HET geht es nicht um ein „Sprechen üben“ mit dem Kind.
3 Organisation
3.1 Zielgruppe
Das HET Late Talker ist für Eltern von Kindern im dritten Lebensjahr konzipiert, welche bei der pädiatrischen Vorsorgeuntersuchung U7 durch einen deutlich reduzierten aktiven Wortschatz verbunden mit ausbleibender Satzbildung auffallen, im Allgemeinen jedoch weitgehend altersentsprechend entwickelt sind.
Die Schulung richtet sich sowohl an Eltern eines Kindes mit ausschließlicher Beeinträchtigung in der aktiven Sprachkompetenz als auch an Eltern, deren Kind zusätzlich Defizite im Sprachverständnis aufweist.
3.2 Durchführung
Das HET Late Talker ist in erster Linie ein Gruppenprogramm für fünf bis zehn Teilnehmende. Es können Elternpaare, Elternteile und andere Bezugspersonen teilnehmen. Eine angepasste Umsetzung mit weniger als fünf Personen und auch als individuelle Schulung einer Familie (z.B. im Kontext häuslicher Frühförderung) ist seit der dritten Auflage des Manuals ausführlich beschrieben (Buschmann 2017).
Mehrsprachig erziehende Eltern erhalten vorab die Möglichkeit, an dem Workshop „Mehrsprachigkeit als Chance“ teilzunehmen (Buschmann 2024).
Das HET Late Talker umfasst:
- sieben Sitzungen mit einer Dauer von jeweils zwei Stunden
- Abstand zwischen den Sitzungen: zwei bis drei Wochen
- Gesamtdauer: drei bis vier Monate kontinuierlich Begleitung und Unterstützung
- Nachschulung nach etwa einem halben Jahr zur Sicherung des Langzeiteffekts und der Anpassung der Sprachlehrstrategien an den aktuellen Entwicklungsstand der Kinder.
Das HET wird ausschließlich von zertifizierten Fachpersonen durchgeführt.
3.3 Diagnostische Abklärung im Vorfeld
Vor einer Teilnahme am HET ist eine differenzialdiagnostische Untersuchung erforderlich. Die Resultate bestimmen das weitere Vorgehen, wie die Auswahl des passenden HETs (s. Adaptionen Kap. 7) und die Entscheidung, ob parallel eine Sprachtherapie oder Frühförderung starten sollte (hierzu auch S3-Leitlinie der AWMF 2022).
Zentral sind in einem ersten Schritt die Überprüfung des Hörvermögens, die Beobachtung des kommunikativen Verhaltens des Kindes und die standardisierte Abklärung der sprachlichen Kompetenzen einschließlich des Wort‑ und Satzverständnisses. Bei Defiziten im Interaktionsverhalten und/oder im Sprachverständnis sind weitere diagnostische Schritte notwendig, u.a. eine Prüfung der nonverbal kognitiven Fähigkeiten (Buschmann et al. 2009).
Die praktische Umsetzung der Sprachdiagnostik bei zweijährigen Kindern und der weiterführenden Diagnostik kann bei Sachse und Buschmann (2016) nachgelesen werden.
3.4 Nachuntersuchung der Kinder
Zur Evaluation der sprachlichen Fortschritte ist eine wiederholte Überprüfung der sprachlichen Kompetenzen im vierten Lebensjahr des Kindes erforderlich. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich zuverlässig feststellen, ob sich die sprachlichen Fähigkeiten soweit verbessert haben, dass keine weitere Intervention erforderlich ist oder ob weiterhin behandlungsbedürftige Defizite bestehen bzw. sogar eine Sprachentwicklungsstörung (SES) vorliegt.
Für diese Einschätzung stehen standardisierte und normierte Testverfahren zur Verfügung wie der Sprachentwicklungstest für 3- bis 5-jährige Kinder (SETK 3–5: Grimm 2015), der Aktive Wortschatztest (AWST-R: Kiese-Himmel 2005), der TROG-D (Fox-Boyer 2023) und die PLAKKS II (Fox-Boyer 2014). Die Resultate bilden zudem den Ausgangspunkt für eine spezifische Therapieplanung.
4 Inhaltliche Schwerpunkte
Zentrale inhaltliche Eckpfeiler des HET Late Talker sind im Folgenden erläutert. Die ausführliche Beschreibung der Inhalte und ihre Zuordnung zu den sieben Sitzungen kann bei Buschmann (2024) nachgelesen werden.
4.1 Psychoedukation (Elternbildung)
Die Eltern erwerben grundlegende Kenntnisse über die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Spracherwerb und die Bedeutung vorsprachlicher Fähigkeiten wie gemeinsame Aufmerksamkeit und nonverbale Kommunikation. Die Eltern setzen sich mit ihrer Rolle im Spracherwerbsprozess auseinander, und sie lernen das Ursachengefüge einer verzögerten Sprachentwicklung kennen (genetische Aspekte und Defizite in der Verarbeitung sprachlicher Informationen spielen eine große Rolle, die sprachliche Umgebung hat eine moderierende Funktion).
Dadurch gelingt es, Fehlinformationen und ungünstige Einstellungen hinsichtlich des späten Sprechbeginns und langsamen Wortlernens abzubauen sowie Schuldgefühle und Ängste zu reduzieren. Das Verständnis für die Sprachlernprobleme des Kindes und für seine eingeschränkte Teilhabe im familiären Alltag ist eine notwendige Voraussetzung für die elterliche Motivation, ihr Sprachangebot und Interaktionsverhalten verändern zu wollen.
Die Fragen der Eltern zum mehrsprachigen Aufwachsen und Erziehen werden im vorgeschalteten Workshop „Mehrsprachigkeit als Chance“ gemeinsam beantwortet.
Neu in der vierten Auflage des HET Late Talker: Es wird dem Zusammenhang zwischen dem Spracherwerb und dem Erlernen sozial-emotionaler Kompetenzen explizit in einer eigenen Einheit Aufmerksamkeit gewidmet. Denn insbesondere für Kinder mit eingeschränkten Sprachkompetenzen besteht ein Risiko für Schwierigkeiten in der Emotionsregulation.
4.2 Empowerment
Die Eltern werden durchgehend in ihrer Kompetenz, in ihrer Verantwortung und in ihrem Selbstwirksamkeitserleben gestärkt. Das in jeder Familie bereits vorhandene Potenzial zur Sprachförderung des Kindes wird sichtbar gemacht.
Die Eltern erlernen eine sprachförderliche Grundhaltung, und sie erfahren, wie sie ihr Sprachangebot an den Entwicklungsstand ihres Kindes und an dessen Schwierigkeiten in der Verarbeitung sprachlicher Informationen anpassen. Sprachlernunterstützende und sprachlernhemmende Verhaltensweisen werden gemeinsam reflektiert.
Im Laufe des Kurses erlangen die Eltern Sicherheit in der Interaktion und Kommunikation mit ihrem Kind. Dadurch haben sie mehr Freude an gemeinsamen alltagsüblichen Aktivitäten und an besonders geeigneten Sprachfördersituationen wie die Bilderbuchbetrachtung.
Weiterhin werden die Bezugspersonen befähigt, das Kind in seiner sozial-emotionalen Entwicklung zu unterstützen. Mehrsprachig erziehende Eltern erlangen spezifische Kompetenzen, um ihr Kind im Erwerb mehrerer Sprachen inkl. der Umgebungssprache erfolgreich zu unterstützen.
4.3 Responsive Interaktion
Die Eltern lernen und üben, sich in alltäglichen Interaktionen mit ihrem Kind responsiv zu verhalten, d.h., bei gemeinsamen Aktivitäten dem Kind bewusst Raum für eigene Initiativen zu geben, das Kind zu beobachten und auf seine Interessen und Initiativen sprachlich passend und inhaltlich adäquat einzugehen. Dieses Verhalten steht in engem Zusammenhang zu erfolgreichem Sprachlernen (Attig und Weinert 2025; Hudson et al. 2015).
4.4 Gezieltе Sprachanregung
Die Eltern erlernen konkrete Strategien und Techniken zur gezielten Sprachförderung. Denn die positive Wirkung sprachmodellierender Strategien wie eine inhaltliche Erweiterung und grammatische Vervollständigung der kindlichen Äußerung ist empirisch gesichert (Levickis et al. 2014).
Der Einsatz sprachmotivierender und offener Fragen wird geübt sowie das Stellen gezielter Fragen, die das Kind zum Einsatz von Verben, Präpositionen usw. motivieren.
Im HET Late Talker wird die Situation der gemeinsamen Bilderbuchbetrachtung mit dem Kind als prototypische Situation genutzt zur Vermittlung wie auch zum Üben der responsiven Grundhaltung und der konkreten sprachanregenden Strategien und Techniken. Die Veränderung der Buchsituation weg vom klassischen Vorlesen hin zu einer dialogischen Kommunikationssituation führt zum Gelingen des „Buchlesens“ und bereitet sowohl Kind als auch Eltern Freude. In einer Experimentalstudie zeigte sich, dass die dialogische Buchbetrachtung zu einem raschen Anstieg des kindlichen Wortschatzes führt (Whitehurst et al. 1988).
5 Methodische und didaktische Vermittlung
Im HET werden die Inhalte gemeinsam mit den Teilnehmenden interaktiv unter Einbezug ihrer persönlichen Kompetenzen und Erfahrungen erarbeitet. Zum Einsatz kommen vielfältige bewährte Methoden aus der Erwachsenenbildung.
Wichtige methodische Elemente sind:
- Videoclips zur Illustration zentraler zu erlernender Sprachförderstrategien und ‑techniken
- Ausprobieren in Kleingruppen im Kurs (Rollenspiele mit Feedback)
- Übung zu Hause mit dem Kind
- Austausch über das Gelingen zu Beginn jeder Sitzung
- Feedbackrunden
Zentral ist zudem eine individuelle videogestützte Interaktionsberatung. Hierzu werden die Eltern nach Abschluss der vierten Sitzung gebeten, eine Interaktionssituation mit ihrem Kind im häuslichen Umfeld aufzunehmen. Die Videosupervision erfolgt in der Kleingruppe anhand vorab festgelegter Kriterien. Im Vordergrund steht die Rückmeldung von bereits passend für das jeweilige Kind umgesetzten sprachförderlichen Verhaltensweisen und Strategien. Das positive Feedback hilft den Eltern, Sicherheit in ihrem Verhalten und im Einsatz der Sprachlehrstrategien zu erlangen. Anregungen aus der Gruppe Gleichgesinnter zur Optimierung des Sprachangebots werden von den Eltern dankbar angenommen.
Die Teilnehmenden erhalten ein umfangreiches und anschaulich gestaltetes Begleitmaterial zur Vertiefung der Inhalte und als Basis zur Kommunikation mit weiteren zentralen Bezugspersonen. Informationsbroschüren, u.a. zu den Themen Late Talker, Sprachentwicklungsstörung, Sprachförderung, ergänzen die Schulung.
6 Wissenschaftliche Evaluation und Effektivität: Heidelberger Late Talker Längsschnittstudie
Das HET Late Talker ist eine effektive und zudem effiziente Frühinterventionsmaßnahme. Die Wirksamkeit wurde in einer randomisiert-kontrollierten Evaluationsstudie anhand einer gut selektierten Stichprobe von Kindern mit einer isolierten Verzögerung in der Sprachentwicklung nachgewiesen: Diejenigen Late Talker, deren Mütter (für eine bessere Vergleichbarkeit nahmen in der Studie ausschließlich Mütter teil) am HET teilgenommen hatten, wiesen bereits direkt nach dem Kurs mit zweieinhalb Jahren als auch sechs Monate später mit drei Jahren einen signifikant größeren aktiven Wortschatz und bessere grammatische Kompetenzen auf als Late Talker ohne geschulte Mütter. Die Effektstärken reichen vom mittleren bis in den oberen Bereich (Buschmann et al. 2009).
D.h., es gelingt mit dem HET Late Talker die engsten Bezugspersonen des Kindes zu einem sprachlernunterstützenden Interaktionsverhalten zu befähigen und damit die sprachliche Entwicklung der Kinder zu beschleunigen. Dies bildet sich auch in der Rate derjenigen Kinder ab, denen es gelingt, den sprachlichen Rückstand bis zum dritten Geburtstag aufzuholen: Altersentsprechende Ergebnisse in standardisierten Sprachentwicklungstests erzielten 75 % in der HET Gruppe versus 44 % in der Gruppe ohne HET für Kinder mit ausschließlicher Verzögerung in der aktiven Sprache (Buschmann et al. 2009). Für Kinder mit zusätzlichen Defiziten im Sprachverständnis traf dies auf 56 % versus 36 % zu (Buschmann 2011/2012).
Die Anleitung der Eltern zu einem sprachförderlichen Interaktionsverhalten führte demnach zu einer deutlichen Reduktion des Anteils der Kinder mit behandlungsbedürftigen sprachlichen Schwächen bzw. manifester Sprachentwicklungsstörung (Buschmann et al. 2009). Bis zum Alter von drei Jahren blieb das HET die einzige Intervention. Danach erhielten die Kinder beider Gruppen mit sprachlichen Schwächen oder Sprachentwicklungsstörung eine sprachtherapeutische Behandlung mindestens einmal pro Woche.
Die Kinder wurden wiederholt nachuntersucht und mit einer Stichprobe von Kindern verglichen, die mit zwei Jahren sprachlich altersgemäß entwickelt waren. Follow-ups erfolgten mit vier Jahren, im Einschulungsalter, am Ende der 2. Klasse und mit Abschluss der 9. Klasse. Es zeigte sich, dass die Kinder langfristig davon profitieren, dass ihre Mütter systematisch in ihrem Interaktions‑ und Sprachverhalten geschult worden waren: Sie verfügten sowohl im Vorschul‑ als auch im Schulalter über einen größeren aktiven Wortschatz und bessere grammatische Fähigkeiten als die Kinder ungeschulter Mütter. Es gelang ihnen sogar zu denjenigen Kindern aufzuschließen, welche mit zwei Jahren über altersentsprechende Sprachkompetenzen verfügt hatten (Buschmann und Gertje 2021).
Dies blieb den Kindern ungeschulter Mütter trotz mehrjähriger individueller Sprachtherapie verwehrt. Sie wiesen im Grundschulalter noch immer einen signifikant geringeren aktiven Wortschatz und schwächere grammatische Kompetenzen auf als die Kinder mit altersgemäßem Sprachbeginn (ebd.). Dies stimmt mit Befunden aus anderen Längsschnittstudien überein: Ohne elternzentrierte Frühintervention erreichen Late Talker im Vorschul‑ und Schulalter im Mittel in Sprachtests zwar Resultate im (unteren) durchschnittlichen Bereich, bleiben jedoch stets deutlich unter dem Niveau von Nicht-Late Talkern (Grossheinrich et al. 2019; Kühn et al. 2016).
7 Adaptionen für weitere Zielgruppen
- HET 3–6: Heidelberger Elterntraining zur Sprachförderung drei-bis sechsjähriger Kinder (Buschmann o.J.)
- HET GES: Heidelberger Elterntraining zur Kommunikations‑ und Sprachanbahnung bei Kindern mit globaler Entwicklungsstörung (Buschmann 2024)
- TASK: Training-Autismus-Sprache-Kommunikation (Fröhlich et al. 2014)
- KUGEL: Kommunikation mit unterstützenden Gebärden – Ein Eltern-Kind-Gruppenprogramm (Maydell, Burmeister und Buschmann 2020)
- HET Selektiver Mutismus: Heidelberger Elterntraining bei selektivem Mutismus (Degitz und Buschmann, i.E.)
- HET LRS: Heidelberger Elterntraining zum Umgang mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (Buschmann und Multhauf 2018).
8 Quellenangaben
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Buschmann, Anke, 2024. Heidelberger Elterntraining frühe Sprachförderung HET Late Talker: Trainermanual. 4. Auflage. München: Elsevier bei Urban und Fischer. ISBN 978-3-437-44498-2 [Rezension bei socialnet]
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9 Literaturhinweise
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10 Informationen im Internet
- ZEL – Zentrum für Entwicklung und Lernen, Heidelberg: weitere Informationen zum HET Late Talker und den Adaptionen
- ZEL – Zentrum für Entwicklung und Lernen, Heidelberg: Übersicht zu Angeboten und Trainer:innensuche
- Informationsbroschüren
Verfasst von
Prof. Dr. Anke Buschmann
Hochschule Nordhausen
Professur Frühförderung und Frühe Hilfen
Leiterin des ZEL–Zentrum für Entwicklung und Lernen, Heidelberg.
Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen in der Diagnostik und Beratung bei Entwicklungs- und Lernstörungen mit Fokus Sprache und Kognition sowie in der Elternberatung. Sie entwickelte das „HET Heidelberger Elterntraining zur frühen Sprachförderung“ und das „HIT Heidelberger Interaktionstraining für pädagogische Fachkräfte“.
Freie Referentin und Autorin von Fachpublikationen.
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