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Heilpädagogik

Dr. Michaela Menth

veröffentlicht am 12.01.2026

Englisch: curative education

Heilpädagogik ist eine Handlungswissenschaft, die auf der Grundlage eines biopsychosozialen Verständnisses von Behinderung Person-System-Verhältnisse analysiert, Ressourcen wie Barrieren auf den einzelnen Ebenen (Mikro, Makro, Meso, Exo) identifiziert und Handlungskonzepte entwickelt, implementiert und reflektiert. Dabei leiten die Ziele eines subjektiv als gut empfundenen Lebens sowie einer Gesellschaft, an der die Bürger:innen gleichberechtigt teilhaben und Anerkennung erfahren.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Zur Geschichte der Heilpädagogik
  3. 3 Theoretische Zugänge und Konzeptualisierungen
  4. 4 Adressat:innen heilpädagogischen Handelns
  5. 5 Methoden heilpädagogischen Handelns
    1. 5.1 In der Praxis
    2. 5.2 In der Forschung
  6. 6 Qualifikationsrahmen an Fach- und Hochschulen
  7. 7 Reflexive Impulse der Heilpädagogik für die Gesellschaft
  8. 8 Quellenangaben
  9. 9 Informationen im Internet

1 Zusammenfassung

Heilpädagogik wird als Handlungswissenschaft verstanden und setzt sich mit der Begleitung und Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigungen und (drohenden) Behinderungen bzw. in behindernden Lebensumständen auseinander. Disziplin und Profession der Heilpädagogik wirken für die Fachkräfte als Ermöglichungsgrund zur Entwicklung und Reflexion heilpädagogischen Handelns und heilpädagogischer Haltung (Menth 2022, S. 193 f.). Die spezifische Zusammenführung von theoretischen Zugängen und Erkenntnissen ermöglicht die Entwicklung, Gestaltung und Reflexion von Leitlinien, Konzeptionen und konkreten Handlungsstrategien, die mit und für Menschen mit Beeinträchtigungen und (drohenden) Behinderungen sowie in anderen benachteiligten Lebenslagen Ziele wie subjektiv hoch empfundene Lebensqualität, Eigenständigkeit, Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, Anerkennung etc. verfolgen.

Besondere Berücksichtigung kommt hierbei der Praxis bzw. der Verortung der Heilpädagogik als Handlungswissenschaft zu. Die heilpädagogische Praxis ist geprägt von

„vorwissenschaftlichen Problemwahrnehmungen und impliziten Erfahrungs- und Handlungsweisen [und erscheint als Ort; MM], in dem alles pädagogische Fragen beginnt, der zugleich aber eine kritisch-distanzierte Rückwendung auf diese Erfahrungen erlaubt, ohne bei der Kritik stehen zu bleiben“ (Dederich und Seitzer 2024, S. 41).

In aktuellen deutschen Diskursen wird der Begriff Heilpädagogik vor allem im Kontext der außerschulischen Handlungsfelder verwendet. Dieser Umstand rührt nicht zuletzt aus einer Entwicklung seit den 1970er-Jahren, als nach und nach die Bezeichnung „Sonderpädagogik“ für die Lehramtsstudiengänge eingeführt wurde und sich etabliert hat. In der Schweiz wird Heilpädagogik auch für die schulischen Tätigkeiten verstanden und vermittelt.

In einem weiten Sinn verstanden und im Bewusstsein der gemeinsamen Wurzeln umfasst Heilpädagogik das Identifizieren und Analysieren von Benachteiligungs- und Behinderungsgeschehen sowie das Entwickeln und Gestalten von Beziehungen und Gruppen für ein inklusives Gemeinwesen bzw. individuell verstanden für ein gutes Leben.

Menschen sind vielfältig, ebenso sind Behinderungsgeschehen vielfältig, insbesondere, wenn diese biopsychosozial verstanden werden, wie es in der Heilpädagogik bereits lange Tradition hat. Diese Vielfältigkeit spiegelt sich in einer Vielzahl an theoretischen Konzeptionen von und Perspektiven auf Behinderungsgeschehen sowie Handlungskonzeptionen.

2 Zur Geschichte der Heilpädagogik

Bereits im 18. Jahrhundert wurden erste Institutionen für Menschen mit Behinderungen geschaffen, vor allem ab Mitte des 19. Jahrhunderts konnten vermehrt Gründungen verzeichnet werden. Älter noch ist die Geschichte der Jugendhilfe. Einrichtungen für elternlose Kinder lassen sich bereits im Mittelalter verzeichnen.

Der Begriff der Heilpädagogik wurde von Jan Daniel Georgens und Heinrich Marianus Deinhardt geprägt, die ihn mit Veröffentlichung der konstituierenden Schrift 1861/1863 erstmalig verwendeten. Sie veröffentlichten 1861 das Werk „Die Heilpädagogik mit besonderer Berücksichtigung der Idiotie und der Idiotenanstalten“, die in zwölf Vorträgen die Heilpädagogik als Gesamtwissenschaft einleiteten und begründeten. 1863 erschien der zweite Band. Der Blick der Fachwelt auf Menschen mit Behinderungen wird geweitet und die medizinische Sichtweise um eine pädagogische Perspektive ergänzt (Georgens und Deinhardt 1863 [1861]).

Neben der Unterstützung und Begleitung von Menschen mit Behinderungen hat die Heilpädagogik eine lange Geschichte in der Jugendhilfe; so war Paul Moor Ende der 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre in sog. Erziehungsheimen als Heilpädagoge tätig, bevor er sich verstärkt seiner wissenschaftlichen Laufbahn und der Professionalisierung der Heilpädagogik widmete (Palfi-Springer 2019, S. 86 ff.).

Der Implementierung des Begriffs und der Rezeption der Entwicklung der Blickweisen auf Menschen mit Behinderungen bzw. in behindernden Lebensumständen und ihre Lebensbedingungen folgten weitere Schritte, die Heilpädagogik als einen wirksamen und konstruktiven Fachbereich zu entwickeln und zu etablieren. So wurden bspw. ab 1925 im Heilpädagogischen Seminar Berlin-Brandenburg Lehrer:innen im Rahmen eines viersemestrigen Studiengangs zu Förderschullehrkräften weitergebildet (Ellger-Rüttgardt und Wachtel 2010, S. 7) und 1931 der erste Lehrstuhl für Heilpädagogik an der Universität Zürich installiert.

Seit 1963 ist die Fachschulausbildung zum Heilpädagogen bzw. zur Heilpädagogin möglich und Mitte der 1970er-Jahre etablierten sich erste Hochschulstudiengänge.

Diese „Verwissenschaftlichung des Sozialen(Raphael 1996) bringt verschiedene positive Aspekte mit sich, indem auf der Basis der Implementierung von Versorgungsstrukturen das Fachwissen identifiziert und systematisiert wird sowie Curricula für Ausbildung bzw. Studium entwickelt werden, die mithilfe definierter Qualitätskriterien evaluiert werden können.

Gleichzeitig werden mit dem Topos der „Verwissenschaftlichung des Sozialen“ die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen fokussiert (Raphael 1996, S. 166). Die Institutionalisierung der Versorgung von Menschen mit Behinderungen sowie der Kinder- und Jugendhilfe und die Systematisierung von Fachwissen beeinfluss(t)en gesellschaftliche Normen und Werte; darüber hinaus gewann kapitalistisches effizienzorientiertes Denken mit der Industrialisierung an Wert, was wiederum auf die soziale Fürsorge einwirkte und bis heute wirkt.

Gleichwohl ist das Ziel eines nicht negativ konnotierten Blicks auf Behinderung und Menschen mit Behinderungen weiterhin nicht erreicht und bleibt als Aufgabe für Disziplin, Profession, Praxis und Gesellschaft.

3 Theoretische Zugänge und Konzeptualisierungen

Im Kontext der personalen Heilpädagogik steht die Person mit Beeinträchtigung in ihrem Gewordensein und mit ihren Ressourcen, Stärken und Bedarfen im Blickpunkt der Betrachtung (u.a. Kobi 2004; Köhn 2015).

Das aktuelle Verständnis von Behinderung als biopsychosoziales Bedingungsgeschehen, wie es über die ICF verdeutlicht wird und Eingang gefunden hat in die bundesdeutsche Sozialgesetzgebung und Bedarfsermittlung (§ 118 SGB IX; für das Verständnis von Behinderung: § 7 Abs. 2 SGB VIII) wird in der Heilpädagogik durch die systematische Integration folgender Bezugswissenschaften konturiert, diskutiert und reflektiert:

Die Integration verschiedener Bezugswissenschaften und das Verständnis von Behinderung als mehrdimensionales Bedingungsgefüge resultiert gleichwohl in unterschiedlichen Zugängen. Diese Heterogenität zeigt sich in Disziplin und Profession der Heilpädagogik

  • in unterschiedlichen Konzeptionen eines theoretischen Zugangs sowie
  • in den Schlussfolgerungen für das professionelle Handeln.

Kursorischer und nicht abgeschlossener Überblick über die verschiedenen Konzeptualisierungen von Heilpädagogik:

  1. Die ethischen Leitlinien der Disziplin und Profession werden insbesondere im Rahmen einer wertgeleiteten Heilpädagogik entwickelt und reflektiert; dies betrifft sowohl fachliche als auch historische, anthropologische und wissenschaftstheoretische Bereiche in Fach und Feld (u.a. Haeberlin 2005).
  2. Die materialistische Behindertenpädagogik analysiert das Person-Umfeld-Gesellschaft-System und identifiziert behindernde Strukturen der verschiedenen Ebenen (Mikro-, Makro-, Meso-, Exo-Ebene). Dem liegt ein Verständnis von Behinderung als soziales und normatives Konstrukt zugrunde (u.a. Jantzen 1978; Feuser 1995; Stein 2009; Weber 2004).
  3. Der ökologisch-systemtheoretische Ansatz in der Heilpädagogik erkundet mit Blick auf die individuelle Entwicklung die Wechselwirkungen zwischen Person und Umfeld (u.a. Speck 2003) und setzt diese in Verbindung mit gesellschaftlichen Systemen sowie akademischen Diskursen.
  4. Auf der Grundlage einer Auseinandersetzung von heilpädagogischen und sonderpädagogischen Wissenschaftler:innen mit Erkenntnissen der Psychoanalyse, insbesondere mit deren Persönlichkeits-, Entwicklungs- und Beziehungstheorien wurde die psychoanalytische Heilpädagogik entwickelt und mit ihr wurden weitere Perspektiven ins Feld gespielt (u.a. Gerspach 2009).
  5. Die Subjektivität der Perspektiven auf Person und Welt sowie deren individuelle Gleichwertigkeit wird für heilpädagogische Professionalität im Rahmen einer konstruktivistischen Konzeptualisierung in der Heilpädagogik herausgearbeitet (u.a. Greving 2011).
  6. Eine weitere Perspektive der Heilpädagogik in ihrer Verortung als Praxis- und Erfahrungswissenschaft sowie in einem Blick auf die Person, der deren Inkommensurabilität und Uneinholbarkeit grundlegend anerkennt, bietet eine phänomenologisch konturierte Heilpädagogik (u.a. Dederich 2001; Stinkes 1993; Gröschke 2008).
  7. In den Disability Studies ist vor allem der menschenrechtsbasierte Ansatz stark, nach dem Menschen mit Beeinträchtigungen gleichwertige Rechtssubjekte sind und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft als Menschenrecht verstanden wird (u.a. Degener 2015; Waldschmidt 2020).

Die dargestellte Heterogenität der theoretischen Zugänge und Konzeptualisierungen von Heilpädagogik stellt eine eigene Herausforderung dar und korreliert mit der Vielfalt der Adressat:innen heilpädagogischen Handelns. Dieser Umstand bedeutet jedoch nicht, dass die Ansätze zielgruppenspezifisch zu verstehen sind.

4 Adressat:innen heilpädagogischen Handelns

Adressat:innen heilpädagogischen Handelns sind Menschen jeglichen Lebensalters, die in ihrer Teilhabe am Leben in der Gesellschaft behindert werden. Sie alle sind Zielgruppen heilpädagogischen Handelns. Darüber hinaus zählen sowohl deren enges Umfeld als auch die gesellschaftlichen Systeme, der Sozialraum sowie Jugend- und Sozialämter bzw. weitere Kostenträger und sozialpolitische Entscheidungsverantwortliche zu den Adressat:innen.

Das Ziel eines inklusiven Gemeinwesens, zu dem sich die Bundesrepublik Deutschland mit Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet hat, erfordert gemäß Art. 8 UN-BRK Adressierung und Einbeziehung aller Bürger:innen sowie die Diskussion, Reflexion, Zusammenführung und ein Nebeneinanderstellen unterschiedlicher Perspektiven und Wege.

5 Methoden heilpädagogischen Handelns

5.1 In der Praxis

Die Methoden heilpädagogischen Handelns sind im Konkreten abhängig von Person, Situation, Auftrag und systemischen Gegebenheiten. Grundlegend bedeutsam sind tiefes und differenziertes Fachwissen, die Fähigkeit, die entsprechenden Erkenntnisse der entsprechenden Bezugswissenschaften auszuwählen und zusammenzuführen. Ableitend daraus wird das heilpädagogische Handeln entwickelt, gestaltet und reflektiert (hierzu bspw. Reichenbach 2023).

Einen hohen Stellenwert nimmt die heilpädagogische Diagnostik ein. In einem weiten Begriff wird darunter die Annäherung an das Gewordensein des Anderen verstanden. Die diagnostischen Instrumente zur Erkenntnisgewinnung reichen von den verschiedenen Formen der Beobachtung über Screenings bis hin zu standardisierten und normierten Testverfahren. Je nach Situation und Bedarf werden die Verfahren gewählt; stets enthalten ist in heilpädagogischer Diagnostik die Kontextualisierung der Erkenntnisse vor dem Hintergrund von

  • individueller Biografie und Ressourcen sowie
  • Barrieren des Umfelds.

Das beinhaltet, den diagnostischen Blick ebenso auf das Umfeld zu richten, um dessen Potenziale und Hürden zu identifizieren und deren Adressierung in das heilpädagogische Handlungskonzept zu integrieren.

In einem prozessorientierten Verständnis sind diagnostische Anteile integraler Bestandteil heilpädagogischen Handelns. Insbesondere der Verbindung aus hoher Fachkenntnis und differenzierter Beobachtungskompetenz kommt in diesem Zusammenhang eine hohe Bedeutung zu.

Gleichzeitig ist methodisches Handeln in der Heilpädagogik stets mehr als die Anwendung von Methoden. Denn im Mittelpunkt steht der andere Mensch als eigenständiger, anderer Mensch.

„Das, was als fremd erscheint, was als bizarr und unbekannt in die Erfahrung des Einzelnen tritt, wird zum Erfahrnis eines Dialogs zwischen zwei Personen, welche sich in diese Begegnung unverstellt mit ihrer ganzen Geschichte eingeben. Und diese Geschichte kann und darf nicht alleine methodisiert verstanden und behandelt werden“ (Greving 2011, S. 168).

5.2 In der Forschung

Ebenso wie die Methoden für die heilpädagogische Praxis orientieren sich die Methoden des heilpädagogisch-forschenden Handelns an

  • Fragestellung
  • erkenntnistheoretischem Zugang sowie am
  • Forschungsgegenstand.

Heilpädagogik versteht sich als Handlungswissenschaft und zahlreiche Forschungsfragen entwickeln sich im Theorie-Praxis- sowie Praxis-Theorie-Transfer. In den letzten Jahren haben partizipative Forschungsmethoden und Peer-Designs an Bedeutung gewonnen, um die Erste-Person-Perspektive zu betonen sowie die Erfahrungen und Blickweisen der betreffenden Personen wirksamer in Wissenschaft und Forschung einfließen zu lassen (Dederich und Dietrich 2022, S. 57).

Die weiter oben skizzierte Vielfalt der theoretischen Konzeptualisierungen im Fach Heilpädagogik betont die Bedeutung einer differenzierten Begriffsklärung für Diskurse in Wissenschaft und Forschung, um tiefe Verständnisse anderer Positionen zu ermöglichen sowie Gemeinsamkeiten und Differenzen fundiert und stringent ausloten zu können.

„Solche Klärungen sind […] von fundamentaler Bedeutung, denn sie haben die Funktion einer Optik: Sie machen einsichtig, worum es geht, worauf [die diskutierten Begriffe; MM] genau abzielen, mit welchen Problemen sie sich konfrontiert sehen, welche Mittel die adäquaten zur Erreichung der Ziele sind usw.“ (Dederich und Dietrich 2022, S. 55).

6 Qualifikationsrahmen an Fach- und Hochschulen

Für eine Auseinandersetzung mit den Inhalten heilpädagogischer Studiengänge sowie Fachschulgänge und deren Qualitätssicherung, die einen Rahmen entfaltet, innerhalb dessen sich die Hochschulen und Fachschulen mit ihren Angeboten verorten können, haben sich je spezifische Gremien gegründet:

  • Auf der Ebene der Fachschulen: Ständige Konferenz der Ausbildungsstätten für Heilpädagogik in Deutschland (STK). Die Ständige Konferenz ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Fachschulen und Fachakademien, die eine Ausbildung mit Abschluss „Staatlich anerkannte Heilpädagogin“ oder „Staatlich anerkannter Heilpädagoge“ anbieten. Die STK hat eine Broschüre „Heilpädagogische Kompetenzen“ veröffentlicht, deren Inhalt als Referenzrahmen für die Fachschulgänge Heilpädagogik gilt (STK 2015).
  • Auf Ebene der Hochschulen: Fachbereichstag Heilpädagogik (FBT-HP). Der Fachbereichstag Heilpädagogik ist ein freiwilliger Zusammenschluss der Hochschulen in Deutschland, die Heilpädagogik als Bachelor- und/oder Masterstudiengang anbieten. Der Fachbereichstag Heilpädagogik hat 2015 einen Fachqualifikationsrahmen entwickelt und verabschiedet, der die heilpädagogischen Studiengänge rahmt, im Kontext von Akkreditierungen als Referenz dient und dessen Einhaltung in einigen Bundesländern die Voraussetzung für eine staatliche Anerkennung ist (FBT-HP 2015).

7 Reflexive Impulse der Heilpädagogik für die Gesellschaft

Heilpädagogik adressiert in ihrem Handeln sowohl Person als auch deren Umfeld sowie Politik und Gesellschaft. Je nach Position und Arbeitsfeld stehen individuelle, gruppenbezogene, politische oder gesellschaftliche Adressierungen und Wirkweisen im Vordergrund. Der heilpädagogische Blick richtet sich hierbei auf alle Beteiligten im Kontext des jeweiligen Auftrages, deren persönliche Stärken und Ressourcen sowie die der Systeme. Gleichzeitig werden Barrieren der Teilhabe sowie Potenziale für ein inklusives Gemeinwesen identifiziert; für Erstere wird eine Reduzierung angestrebt, Letztere sollen gestärkt und multipliziert werden.

Das heilpädagogische Fachwissen im Hinblick auf Dynamik und Wechselwirkungen von Benachteiligungs- und Behinderungsgeschehen gewinnt somit gesellschaftspolitische Dimensionen. Heilpädagog:innen fungieren als individuums- sowie systembezogene avantgardistische Gesellschaftsdenker:innen und Gesellschaftsgestalter:innen.

8 Quellenangaben

Dederich, Markus, 2001. Menschen mit Behinderung zwischen Ausschluss und Anerkennung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag. ISBN 978-3-7815-1168-2

Dederich, Markus und Cornelia Dietrich, 2022. Das Subjekt der Teilhabe – Ein Orientierungsversuch. In: Teilhabe. 61(2), S. 54–61. ISSN 1867-3031

Dederich, Markus und Philipp Seitzer, 2024. Erfahrung, Wissen, Handeln: Zur Grundlegung der Heil- und Sonderpädagogik. Weinheim: Beltz Juventa. ISBN 978-3-7799-8320-0

Degener, Theresia, 2015. Vom medizinischen zum menschenrechtlichen Modell von Behinderung. Konzepte für Behindertenrecht und -politik. In: Iman Attia, Swantje Köbsell und Nivedita Prasad, Hrsg. Dominanzkultur reloaded: Neue Texte zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen und ihren Wechselwirkungen. Bielefeld: Transcript Verlag, S. 155–168. ISBN 978-3-8376-3061-9

Ellger-Rüttgardt, Sieglind Luise und Grit Wachtel, Hrsg., 2010. Pädagogische Professionalität und Behinderung: Herausforderungen aus historischer, nationaler und internationaler Perspektive. Stuttgart: Kohlhammer Verlag. ISBN 978-3-1702-1295-4

Fachbereichstag Heilpädagogik, 2015. Fachbereichstag Heilpädagogik: Fachqualifikationsrahmen Heilpädagogik [online]. Darmstadt: Fachbereichstag Heilpädagogik [Zugriff am: 28.10.2025]. Verfügbar unter: https://fbt-hp.de/wp-content/​uploads/2017/11/FQR-Heilpädagogik-2015-11-16.pdf

Feuser, Georg, 1995. Behinderte Kinder und Jugendliche: Zwischen Integration und Aussonderung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. ISBN 978-3-534-12171-7

Georgens, Jan-Daniel und Deinhardt, Heinrich Marianus 1863 [1861]. Die Heilpädagogik mit besonderer Berücksichtigung der Idiotie und der Idiotenanstalten. Leipzig: Fleischer. Münchner Digitalisierungszentrum

Gerspach, Manfred, 2009. Psychoanalytische Heilpädagogik: Ein systematischer Überblick. Stuttgart: Kohlhammer Verlag. ISBN 978-3-17-022897-9

Greving, Heinrich, 2011. Heilpädagogische Professionalität: Eine Orientierung. Stuttgart: Kohlhammer Verlag. ISBN 978-3-17-027740-3

Gröschke, Dieter, 2008. Heilpädagogisches Handeln: Eine Pragmatik der Heilpädagogik. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag. ISBN 978-3-7815-1638-0

Haeberlin, Urs, 2005. Grundlagen der Heilpädagogik [online]. Einführung in eine wertgeleitete erziehungswissenschaftliche Disziplin. Bern: Haupt Verlag [Zugriff am: 28.10.2025]. PDF e-Book. ISBN 978-3-8385-2631-7. doi:10.36198/​9783838526317

Jantzen, Wolfgang, 1978. Behindertenpädagogik. Persönlichkeitstheorie. Therapie. Vorbereitende Arbeiten zu einer materialistischen Behindertenpädagogik. Köln: Pahl-Rugenstein Verlag. ISBN 978-3-7609-0415-3

Kobi, Emil E., 2004. Grundfragen der Heilpädagogik: Eine Einführung in heilpädagogisches Denken. 6. bearbeitete und ergänzte Auflage. Berlin: BHP-Verlag. ISBN 978-3-936649-07-9

Köhn, Wolfgang, 2015. Heilpädagogische Erziehungshilfe und Entwicklungsförderung (HpE): Ein Handlungskonzept. 5. unveränderte Auflage. Heidelberg: Universitätsverlag Winter. ISBN 978-3-8253-8348-0

Menth, Michaela, 2022. Heilpädagogische Haltung: Denkbewegungen zwischen Heilpädagogik und Philosophie. Berlin: BHP-Verlag. ISBN 978-3-942484-45-9

Palfi-Springer, Sandra, 2019. Paul Moor – Impulsgeber einer Sinnorientierten Heilpädagogik. Wissenschaftliche Reihe, Band 5. Berlin: BHP-Verlag. ISBN 978-3-942484-37-4

Raphael, Lutz, 1996: Die Verwissenschaftlichung des Sozialen als methodische und konzeptionelle Herausforderung für eine Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts. In: Geschichte und Gesellschaft: Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaften. 22(2), S. 165–193. ISSN 0340-613X

Reichenbach, Christina, 2023. Handbuch heilpädagogischer Konzepte und Methoden: Ein Leitfaden für die Praxis. Stuttgart: Kohlhammer Verlag. ISBN 978-3-17-042371-8

Speck, Otto, 2003. System Heilpädagogik: Eine ökologisch reflexive Grundlegung. 5. neu bearbeitete Auflage. München: Reinhardt Verlag. ISBN 978-3-497-01626-6

Ständige Konferenz von Ausbildungsstätten für Heilpädagogik in der Bundesrepublik Deutschland, Hrsg., 2015. Heilpädagogische Kompetenzen: Referenzrahmen für die Ausbildung an Fachschulen/​Fachakademien für Heilpädagogik. Berlin: BHP-Verlag. ISBN 978-3-942484-17-6

Stein, Annedore, 2009. Die Verwissenschaftlichung des Sozialen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. ISBN 978-3-531-16614-8

Stinkes, Ursula, 1993. Spuren eines Fremden in der Nähe: Das „geistigbehinderte“ Kind aus phänomenologischer Sicht. Würzburg: Verlag Königshausen u. Neumann. ISBN 978-3-88479-847-8

Waldschmidt, Anne, 2020. Disability Studies zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag. ISBN 978-3-96060-319-1 [Rezension bei socialnet]

Weber, Erik 2004. De-Institutionalisieren: Konzeptionen, Umsetzungsmöglichkeiten und Perspektiven zwischen fachwissenschaftlichem Anspruch und institutioneller Wirklichkeit [online] [Dissertation]. Köln: Universität zu Köln [Zugriff am: 24.11.2025]. Verfügbar unter: urn:nbn:de:hbz:38-13051

9 Informationen im Internet

Verfasst von
Dr. Michaela Menth
Berufsverband der Heilpädagoginnen und Heilpädagogen
Fachverband für Heilpädagogik (BHP) e.V.
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