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Homosexualität

Etymologie: gr. homoios gleich und lat. sexus Geschlecht

Englisch: homosexuality

Unter Homosexualität versteht man die Ausrichtung des sexuellen Begehrens auf Personen des gleichen Geschlechts. Die Homosexualität bezieht sich auf das bevorzugte Geschlecht der/des Partnerin/Partners, während es bei der Transidentität/Transsexualität um die Geschlechtsidentität geht.

Überblick

  1. 1 Formen
  2. 2 Häufigkeit und Ursachen
  3. 3 Besonderheiten
  4. 4 Quellenangaben

1 Formen

Neben der Hetero- und der Bisexualität stellt die Homosexualität eine Variante der sexuellen Orientierung dar. Sie hat selbst nichts mit Gesundheit oder Krankheit zu tun, sondern umfasst wie die Heterosexualität das ganze Spektrum von psychischer Gesundheit bis Krankheit (Rauchfleisch 2011). Homosexuelle Männer bezeichnen sich als Schwule, homosexuelle Frauen als Lesben.

2 Häufigkeit und Ursachen

Die Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung beträgt mind. 10 %, wobei mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen ist.

Die Ursachen der sexuellen Orientierungen generell sind weitgehend unbekannt, so auch die der Homosexualität. Eine hereditäre Komponente ist wahrscheinlich.

3 Besonderheiten

Für eine gesunde Entwicklung ist ein erfolgreicher Coming-out-Prozess wichtig, zu dem die Selbstakzeptanz des Menschen mit einer gleichgeschlechtlichen Orientierung und das offene Leben als Lesbe oder Schwuler gehören. Die Verheimlichung der eigenen sexuellen Orientierung führt im Allgemeinen zu erheblichen, die Gesundheit beeinträchtigenden Belastungen (Verheimlichungs- und Minoritätenstress; Meyer 2007).

Das Coming-out ist für Jugendliche nach wie vor schwierig (Rauchfleisch 2012). Sie leiden in einem höheren Prozentsatz als heterosexuelle Jugendliche unter Depressionen, Angstentwicklungen, Substanzabusus und Suizidalität (Krell und Oldemeier 2017).

Die gesellschaftliche Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Orientierungen und Lebensweisen ist heute zwar größer als in der Vergangenheit, dennoch sind Lesben und Schwule nach wie vor Diskriminierungen und Ausgrenzungen im privaten wie im öffentlichen Leben ausgesetzt. Sie haben auch vielfach nicht die gleichen Rechte wie heterosexuelle Menschen (z.B. in Bezug auf Eheschließung und Adoption). In etlichen Ländern der Welt wird Homosexualität strafrechtlich verfolgt, bis hin zur Todesstrafe für Lesben und Schwule.

In vielen europäischen Ländern ist heute eine rechtliche Absicherung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft möglich (Partnerschaftsgesetz), die aber nicht in allen Ländern der heterosexuellen Ehe gleichgestellt ist. In den vergangenen Jahren ist die Situation von gleichgeschlechtlichen Paaren mit Kindern (Regenbogenfamilien) Gegenstand der öffentlichen Diskussion (Rauchfleisch 2011).

Kaum beachtet und untersucht ist bisher die Situation älterer Lesben und Schwuler. In Zukunft werden Betagte dieser Gruppe vermehrt in Alters- und Pflegeheime eintreten und dort weiterhin offen leben wollen. Die Institutionen sind darauf noch nicht ausreichend vorbereitet (mangelndes Wissen um gleichgeschlechtliche Orientierungen und Lebensweisen).

4 Quellenangaben

Krell, Claudia und Kerstin Oldemeier, 2017. Coming-out – und dann…?! Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Opladen: Verlag Barbara Budrich. ISBN 978-3-8474-0572-6 [Rezension bei socialnet]

Meyer, Ilian H., 2007. Prejudice and Discrimination as Social Stressors. In: Ilian H. Meyer und Mary E. Northridge, Hrsg. The Health of Sexual Minorities: Public Health Perspectives on Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender Populations. New York: Springer, S. 242–267. ISBN 978-0-387-28871-0

Rauchfleisch, Udo, 2011. Schwule, Lesben, Bisexuelle: Lebensweisen, Vorurteile, Einsichten. 4., neu bearb. Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-40415-7

Rauchfleisch, Udo, 2012. Mein Kind liebt anders: Ein Ratgeber für Eltern homosexueller Kinder. Ostfildern: Patmos. ISBN 978-3-8436-0212-9

Autor
Prof. emer. Dr. rer. nat. Udo Rauchfleisch
Dipl.-Psych., Psychoanalytiker (DPG, DGPT). Ehem. Leitender Psychologe Psychiatrische Universitätspoliklinik Basel. In privater psychotherapeutischer Praxis.
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Es gibt 8 Lexikonartikel von Udo Rauchfleisch.


Zitiervorschlag
Rauchfleisch, Udo, 2019. Homosexualität [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 15.04.2019 [Zugriff am: 21.04.2019]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Homosexualitaet

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Autor

Prof. emer. Dr. rer. nat. Udo Rauchfleisch
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veröffentlicht am 15.04.2019

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