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Innovationsmanagement

Prof. Dr. Jan Tietmeyer

veröffentlicht am 28.07.2026

Englisch: innovation management

Der Begriff Innovationsmanagement bezeichnet die strategische und operative Funktion einer Organisation, mit der Innovationen systematisch geplant, entwickelt, umgesetzt und gesteuert werden. Es handelt sich um einen bewussten, prozessualen Ansatz, der Innovationen nicht als einmalige Ereignisse, sondern als kontinuierliche Entwicklungsschritte begreift.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Zum Begriff Innovation
  3. 3 Innovationsmanagement als Prozess
  4. 4 Innovationsmanagement als strategisches Element
  5. 5 Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit und Sozialwirtschaft
  6. 6 Quellenangaben

1 Zusammenfassung

Innovationsmanagement bezeichnet die systematische Planung, Entwicklung, Umsetzung und Steuerung von Innovationen innerhalb von Organisationen. Es versteht Innovationen nicht als zufällige Einzelereignisse, sondern als bewusste, strukturierte und kontinuierliche Entwicklungsprozesse. Der Begriff entstammt den Wirtschaftswissenschaften, gewinnt jedoch zunehmend auch für die Soziale Arbeit und Sozialwirtschaft an Bedeutung.

Im sozialwirtschaftlichen Kontext umfasst Innovationsmanagement nicht nur technische Neuerungen, sondern insbesondere soziale, organisatorische und prozessbezogene Veränderungen. Innovationen können dabei sowohl in neuen Dienstleistungen und Geschäftsmodellen als auch in veränderten Arbeitsweisen, Kooperationsformen oder Beteiligungsprozessen bestehen. Auch kleinere, praxisnahe Verbesserungen stellen wichtige Innovationsbeiträge dar, sofern sie die Qualität, Wirksamkeit oder Effizienz sozialer Dienstleistungen erhöhen.

Innovationsmanagement stellt damit eine strategische Handlungsfähigkeit dar, die soziale Organisationen dabei unterstützt, gesellschaftliche Veränderungen, neue Bedarfslagen und veränderte institutionelle Rahmenbedingungen aktiv zu gestalten. Angesichts zunehmender gesellschaftlicher und sozialpolitischer Transformationsprozesse entscheidet die Fähigkeit zur systematischen Entwicklung und Umsetzung sozialer Innovationen zunehmend darüber, ob notwendige Veränderungen eigenverantwortlich gestaltet werden oder erst unter dem Druck externer Krisen und Anpassungszwänge erfolgen.

2 Zum Begriff Innovation

Der Begriff Innovation wird alltagssprachlich und in der Wissenschaft vielfältig verwendet und kann sowohl technische als auch soziale, organisatorische oder prozessorientierte Neuerungen umfassen. Er lässt sich aus dem lateinischen Wortstamm novus ableiten und umschreibt die Einführung von etwas Neuem. Im Kern bezeichnet Innovation eine Veränderung, die einen Mehrwert schafft – sei es durch effizientere Arbeitsweisen, verbesserte Dienstleistungen, neue Strukturen oder neue Ansätze zur Problemlösung (Hauschildt et al. 2023; Vahs et al. 2023; Möhrle 2018).

Insbesondere im deutschen Sprachraum wird Innovation oft als neue oder erheblich verbesserte Lösung verstanden, die sich von bestehenden Produkten, Dienstleistungen, Prozessen oder Geschäftsmodellen unterscheidet und einen Mehrwert für Kundinnen und Kunden, Unternehmen oder Gesellschaft schafft (Hauschildt et al. 2023; Vahs et al. 2023). Der entscheidende Ansatz zur Unterscheidung von Innovation und Erfindung ist dabei, dass Innovationen als praxisbezogene Neuerungen definiert werden, die nicht allein durch technische Neuartigkeit, sondern durch Systemrelevanz und Akzeptanz im Nutzungskontext bestimmt werden. Nur wenn eine Neuerung akzeptiert wird, ist sie wahrhaft innovativ – unabhängig davon, ob sie technisch revolutionär ist (Hauschildt et al. 2023; Vahs et al. 2023; Möhrle 2018).

Diese Definition ist besonders relevant für die Soziale Arbeit und die Sozialwirtschaft, in denen Innovation oft nicht in Form von großen Erfindungen, sondern in kleinen, praxisnahen Verbesserungen erreicht wird (Motzke 2026; Schönig et al. 2026; Hüttemann und Parpan-Blaser 2023). So kann eine neue Art der Partizipation, eine angepasste Gesprächsform oder eine neue interne Arbeitsregelung bereits als Innovation gelten – solange sie eine Verbesserung des sozialen Handelns, der Effizienz oder der Qualität bewirkt.

Für die Entwicklung eines differenzierten Verständnisses des Innovationsbegriffs bieten sich diverse Typologien an. Im Folgenden werden Typologien nach dem Gegenstandsbereich, dem Neuheitsgrad, dem Veränderungsumfang und dem Auslöser vorgenommen, wie sie Vahs et al. (2023) nutzen.

In der Literatur zu Innovationen finden sich weitere Typologien (bspw. bei Hauschildt et al. 2023), die im Kern aber diesen Typologien entsprechen.

Typologisierung nach dem Gegenstandsbereich

  • Produkt-/​Dienstleistungs-Innovation: Neues Produkt oder Verfahren (z.B. digitale Streetwork).
  • Prozessinnovation: Optimierung interner Arbeitsabläufe (z.B. Nutzung von Kanban).
  • Organisationsinnovation: Neue Strukturen oder Kooperationsformen (z.B. New Work Komponenten).
  • Sozialinnovationen: betreffen Menschen und ihr Verhalten (z.B. Stadtführungen, die von wohnungslosen Menschen geleitet werden.)
  • Geschäftsmodellinnovation: Neue Ansätze in Marktzugang, Kommunikation oder Vertrieb (z.B. Finanzierung durch Marktleitung anstelle öffentlicher Finanzierung (Werkstatt für behinderte Menschen vs. Inklusionsbetrieb)).

Typologisierung nach dem Neuheitsgrad

  • Basisinnovation: wird auch als Pionierinnovation benannt und stellt eine bahnbrechende Veränderung dar, die wiederum für gewöhnlich weitere folgende Innovationen nach sich zieht (z.B. die Dampfmaschine oder das Internet; im Kontext Sozialer Arbeit ist hier ggf. die Professionalisierung zu nennen).
  • Verbesserung: Unter Beibehaltung der grundlegenden Vorgehensweise der Problembearbeitung erfolgt eine Verbesserung, wobei die Bandbreite hier groß ist (z.B. wird die Fallzuteilung in einem Jugendamt verbessert).
  • Anpassung: Hierbei handelt es sich um Anpassungen an Wünsche von Nutzenden oder Kundinnen und Kunden (z.B. die Anpassung des Zugangs bspw. in der Suchthilfe).
  • Imitation: Dies ist die bewusste Übernahme von Vorgehensweisen, die es an einem anderen Ort oder in einer anderen Zeit bereits gegeben hat (z.B. wird durch eine strukturierte international ausgerichtete Lösungssuche die Wohnungslosenhilfe verändert).
  • Scheininnovation: Hier wird eine eigentlich nicht umgesetzte Veränderung den Nutzenden als Verbesserung dargestellt. Es handelt sich also eher um eine Täuschung (z.B. bei einer reinen Designüberarbeitung der Verpackung eines Lebensmittels oder in der Sozialen Arbeit bei der Einführung eines Konzepts zur Partizipation, das aber in der Praxis nicht angewendet wird).

Typologisierung nach dem Veränderungsumfang

  • Inkrementalinnovation: relativ risikolose Veränderungen, die bestehende Gegenstände kleinschrittig (evolutionär) verbessern (z.B. Veränderungen im Kontext des Qualitätsmanagements in einer sozialen Einrichtung).
  • Radikalinnovation: sind häufig identisch mit der Basisinnovation aus der Typologie nach dem Neuheitsgrad. Sie bewirken sehr große Veränderungen.
  • Disruptive Innovation: sind so stark ausgeprägt, dass in der Folge gesamte vorherige Vorgehensweisen/​Produkte/​Dienstleistungen ersetzt werden (z.B. Streamingdienste ersetzen Videotheken; Beispiele aus der Sozialwirtschaft lassen sich hier nur schwer finden).

Typologisierung nach dem Auslöser

  • Zweckinduzierte bzw. Pull-Innovationen: Sie entstehen durch Bedarfe von Nutzenden oder Kundinnen und Kunden. Sie haben deshalb eine recht hohe Erfolgswahrscheinlichkeit. In der Sozialwirtschaft sind aufgrund des zumeist vorliegenden Quasi-Markts hier veränderte Bedarfslagen und/oder veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen/​Vertragssituationen zu benennen (z.B. wird im Kontext des Bundesteilhabegesetzes die stationäre Hilfe ersetzt oder Bedarfe von Menschen mit Behinderung verändern die Struktur von Werkstätten für behinderte Menschen).
  • Mittelinduzierte bzw. Push-Innovationen: Insbesondere neue technische Möglichkeiten führen dazu, dass die Innovation möglich wird (z.B. im gesundheitlichen Bereich die Entwicklung von Digitalen Gesundheitsanwendungen).

3 Innovationsmanagement als Prozess

Innovationsmanagement entstammt den Wirtschaftswissenschaften und beschreibt eine Funktion in Organisationen. Diese Funktion richtet sich an den Eigenschaften einer Innovation aus und setzt sie in den Kontext von Managementaspekten (Hauschildt et al. 2023; Vahs et al. 2023; Möhrle 2018).

Im Sinne von Joseph Schumpeter (1883–1950), der den Innovationsprozess als „kreative Zerstörung“ beschrieb, geht es nicht nur um technische Neuerungen, sondern um die Ablösung veralteter Strukturen durch bessere Lösungen (Schumpeter 1987). In der aktuellen Diskussion wird diese Ablösung eher mit dem Begriff der Exnovation bezeichnet (Blis und Töpfer 2024). Dieser Begriff ist für die Soziale Arbeit von zentraler Bedeutung, da sie oft in einer Kultur der Kontinuität operiert. Innovationsmanagement bedeutet hier jedoch nicht Zerstörung, sondern Nachhaltigkeit durch kritische Weiterentwicklung.

Zufällige Innovationen entstehen spontan und ohne gezielte Planung – sie sind eher Ergebnis von Zufall, Erfahrung oder informellen Prozessen. Im Gegensatz dazu ist Innovationsmanagement ein bewusster, strukturierter und ressourcenbasiert geplanter Prozess. Während zufällige Innovationen manchmal erfolgreich sein können, sind sie schwer vorhersagbar und nicht nachhaltig skalierbar. Innovationsmanagement dagegen ermöglicht eine systematische Identifikation, Entwicklung und Umsetzung von Innovationen, um langfristig Wirkung zu erzielen.

Innovationsmanagement ist eine strategische und operative Funktion, die die Planung, Umsetzung und Steuerung von Innovationen systematisch unterstützt. Es handelt sich um einen kontinuierlichen, prozessualen Ansatz, der Innovationen nicht als einmalige Ereignisse, sondern als strukturierte Entwicklungsschritte versteht. In der Literatur lassen sich unterschiedliche Darstellungen des Innovationsprozesses finden. Eine entsprechende Übersicht findet sich bspw. bei Schewe und Becker (2009, S. 101).

Nach Hauschildt et al. (2023) gliedert sich der Innovationsprozess in drei zentrale Phasen:

  1. Initiierung
    • Erkennen von Innovationsmöglichkeiten: Identifikation von Trends, Bedürfnissen, Chancen und Herausforderungen. Hier spielt die Analyse von Bedürfnissen der Zielgruppe, gesellschaftlichen Entwicklungen und internen Prozessen eine Schlüsselrolle. In der Sozialen Arbeit kann dies beispielsweise durch Feedback von Klienten und Klientinnen, Beobachtung im Alltag oder strategische Planung erfolgen.
    • Ideenfindung und ‑entwicklung: Kreativer Prozess zur Generierung und Verfeinerung von Innovationen. Methoden wie Lego Serious Play, Design Thinking oder partizipative Workshop-Formate unterstützen hier die Entwicklung nutzerzentrierter Lösungen. Auch analytische Vorgehensweisen sind denkbar, in denen bspw. nach vorhandenen Lösungen an anderen Orten gesucht wird.
  2. Konzept‑ und Prototypenentwicklung
    • Vorab‑ und Detailplanung: Bewertung von Risiken, Ressourcenbedarf, Zeitaufwand und Akzeptanz. Dabei werden Innovationen nach sozialen, ethischen und organisatorischen Kriterien geprüft. Dies ist besonders wichtig, da Innovationen in der Sozialen Arbeit oft mit ethischen Implikationen verbunden sind (z.B. Datenschutz bei digitalen Tools).
  3. Implementierung
    • Umsetzung: Organisation und Implementierung der Innovation im Arbeitsalltag. Dies umfasst Schulungen, Rollenverteilung, Kommunikation und gegebenenfalls Kooperationen mit externen Partner:innen. Eine gelungene Umsetzung erfordert eine klare Rolle für Innovationsverantwortliche und eine Offenheit in der Organisationskultur.
    • Nachbetreuung und Evaluation: Systematische Rückmeldung über Erfolge und Hindernisse. Lernprozesse werden dokumentiert, um zukünftige Innovationen zu verbessern. Evaluationen können sowohl quantitativ (z.B. Nutzungsdaten) als auch qualitativ (z.B. Klient:innenfeedback) erfolgen.

Der Innovationsprozess ist iterativ und dynamisch: Ergebnisse aus der Evaluation fließen zurück in die früheren Phasen, um kontinuierliche Verbesserung zu ermöglichen. Zudem ist Innovationsmanagement kein einmaliges Projekt, sondern ein permanentes Handlungsfeld, das in die tägliche Arbeit integriert sein muss. Es stellt sich insofern die Frage, inwieweit ein absichtsvoll gestalteter Innovationsprozess erfolgreich sein kann. Hierzu liegen diverse empirische Befunde vor, die Hauschildt et al. (2023) und Vahs et al. (2023) ähnlich einschätzen:

  • Eine formale Prozesssteuerung ist im Grundsatz erfolgsfördernd.
  • Allerdings sinkt die Stärke des positiven Ausmaßes, wenn die Innovationen radikaler werden.
  • Insbesondere in einer Kombination aus Prozesssteuerung und Handlungsautonomie steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit.

4 Innovationsmanagement als strategisches Element

Innovationsmanagement ist im Kontext der Gesamtsteuerung von Organisationen kein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil des strategischen Managements. Es ermöglicht Organisationen, sich an veränderte Rahmenbedingungen (z.B. Digitalisierung, Demografie, neue Rechtsvorschriften) anzupassen und langfristig wettbewerbsfähig oder handlungsfähig zu bleiben (Hauschildt et al. 2023; Vahs et al. 2023). Im strategischen Management (Haric 2018) umfasst Innovationsmanagement (Hauschildt et al. 2023) insbesondere die folgenden Bereiche:

  • Strategische Zielsetzung: Festlegung von Innovationszielen, die mit den organisatorischen Leitbildern und Werten übereinstimmen.
  • Ressourcenallokation: Sicherstellung von finanziellen, personellen und zeitlichen Mitteln für Innovationen.
  • Strukturierung: Einrichtung von Gremien, Koordinatoren oder Innovationslaboren zur Unterstützung.
  • Kultur und Leadership: Förderung einer offenen, lernwilligen und risikobereiten Organisation, denn aus dem Change-Management ist bekannt, dass Veränderungen üblicherweise mit Widerstand behaftet sind.

In Sozialorganisationen ist Innovationsmanagement daher weniger ein Management der neuen Technologien, sondern ein strategisches Handeln zur Verbesserung der sozialen Wirksamkeit. Es stellt sicher, dass Organisationen nicht nur aufrechterhalten, sondern auch weiterentwickelt werden.

5 Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit und Sozialwirtschaft

Im Start-up-Bereich steht die schnelle Entwicklung und Skalierung von Innovationen im Vordergrund, oft mit hohem Risiko und geringer Ressourcenbasis. Die Innovationskultur ist experimentell, risikobereit und zielgerichtet auf Wachstum und Marktintegration (Ries 2011).

Im Gegensatz dazu handelt es sich in Sozialorganisationen um eine institutionelle Innovationskultur, die weniger auf Gewinnmaximierung, sondern auf soziale Wirkung, Nachhaltigkeit und ethische Verantwortung ausgerichtet ist. Die Innovationsziele sind differenzierter und oft langfristiger. Zudem erfolgt die Umsetzung nicht in einem reinen „Start-up-Modus“, sondern in einem stabilen, regulierten und verantwortungsvollen Kontext (Backhaus-Maul et al. 2024).

Trotz seiner Bedeutung für die Entwicklung von Dienstleistungen und Organisationen ist der Begriff Innovation in der Sozialen Arbeit noch relativ fremd. In vielen grundlegenden Fachbüchern zum Management in sozialen Organisationen (z.B. Rahnfeld 2026; Sturzenhecker et al. 2023; Gesmann und Merchel 2021; Vogelbusch 2018) wird der Begriff Innovation nicht oder nur in Randzusammenhängen behandelt. Innovationsmanagement wiederum wird gar nicht behandelt.

Dies scheint eine kulturelle Haltung widerzuspiegeln, die sich an Stabilität, Kontinuität und institutionellen Traditionen orientiert (Backhaus-Maul et al. 2024). Gleichzeitig zeigen die Praxisfelder, dass Innovationen überall stattfinden – oft spontan, informell und ohne systematische Begleitung. Entsprechende Funktionen oder Abteilungen sind in der Praxis der Sozialwirtschaft kaum anzutreffen. In der Sozialen Arbeit und Sozialwirtschaft ist Innovationsmanagement kein primär kommerzielles, sondern ein sozial-ökonomisches und ethisches Konzept. Es zielt darauf ab, soziale Probleme effektiver und nachhaltiger zu lösen, zugleich aber auch institutionelle Strukturen zu modernisieren und Ressourcen effizienter einzusetzen. Im Vergleich zur klassischen Wirtschaftsform ergeben sich besondere Herausforderungen:

  • Zielsetzung: Während Unternehmen Gewinnmaximierung anstreben, haben Sozialorganisationen primär soziale Ziele (z.B. Teilhabe, Selbstbestimmung, Gerechtigkeit). Innovationen müssen diese Werte respektieren.
  • Ressourcenknappheit: Soziale Einrichtungen verfügen oft über begrenzte finanzielle und personelle Mittel. Innovationen müssen daher oft kosteneffizient und skalierbar sein. Aufgrund des hohen Grads an Einzelfallfinanzierungen stehen strukturell kaum Mittel für die eigene Weiterentwicklung zur Verfügung.
  • Kulturelle Aspekte: Soziale Arbeit und Sozialwirtschaft haben ein eher distanziertes Verhältnis zum klassischen Management unter deutlicher Betonung der Fachlichkeit der eigenen Profession (Wöhrle 2012). Auf der Grundlage empirischer Befunde scheinen allerdings auch Organisationen der Sozialwirtschaft neben ihrer Fachlichkeit deutliche Tendenzen zur Verfolgung eigener wirtschaftlicher Ziele zu haben, jedoch ohne dies unbedingt mit einer aktiven Steuerung durch ein Management zu verfolgen. Die Sozialwirtschaft insgesamt scheint in diesem Kontext eher wenig veränderungsbereit zu sein. Damit stellt sich die Frage, ob notwendige Veränderungen im Sinne von „Change by Design“ eigenverantwortlich gestaltet werden, oder ob sie durch „Change by Disaster“, Druck oder Krisen von außen, erzwungen werden (Backhaus-Maul et al. 2024).

6 Quellenangaben

Backhaus-Maul, Holger, Rolf G.Heinze und Christoph Strünck, C., 2024. Organisationale Atrophie? Größenwachstum und Substanzverlust der Freien Wohlfahrtspflege. In: Soziale Arbeit [online]. 01.01.2024. 73(12), S. 452–460 [Zugriff am: 02.07.2026]. ISSN 0490-1606. doi:10.5771/0490-1606-2024-12-452

Blis, Sandra und Gudrun L. Töpfer, 2024. Exnovation und Innovation [online]. Stuttgart: Schäffer-Poeschel [Zugriff am: 03.07.2026]. ISBN 978-3-7910-6148-1. doi:10.34156/​978-3-7910-6150-4

Gesmann, Stefan und Joachim Merchel, 2021. Systemisches Management in Organisationen der Sozialen Arbeit: Handbuch für Studium und Praxis. 2. Auflage. Heidelberg: Carl-Auer. ISBN 978-3-8497-0310-3 [Rezension bei socialnet]

Haric, Peter, 2018. Management [online]. In: Gabler Wirtschaftslexikon. Wiesbaden: Springer Gabler. Revision von Management vom 14.02.2018 [Zugriff am: 02.07.2026]. Verfügbar unter: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/​management-37609/​version-261043

Hauschildt, Jürgen, Sören Salomo, Carsten Schultz und Alexander Kock, 2023. Innovationsmanagement. 7. vollständig aktualisierte und überarbeitete Auflage. München: Vahlen. ISBN 978-3-8006-6624-9

Hüttemann, Matthias und Anne Parpan-Blaser, 2023. Innovation im Kontext Sozialer Arbeit. In: Matthias Hüttemann und Anne Parpan-Blaser, Hrsg. Innovative Soziale Arbeit: Grundlagen Praxisfelder und Methoden. Stuttgart: Kohlhammer, S. 29–40. ISBN 978-3-17-040452-6 [Rezension bei socialnet]

Möhrle, Martin G., 2018. Innovationsmanagement [online]. In: Gabler Wirtschaftslexikon. Wiesbaden: Springer Gabler. Revision von Innovationsmanagement vom 14.02.2018 [Zugriff am: 03.07.2026]. Verfügbar unter:https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/​innovationsmanagement-39822/​version-263222

Motzke, Katharina, 2026. Der Innovationsdiskurs in der Sozialen Arbeit in Deutschland: Erste Schritte einer Rekonstruktion aus historischer und systematischer Perspektive. In: Heiko Löwenstein und Sabrina Schmidt, Hrsg. Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit [online]. S. 26–52 [Zugriff am: 03.07.2026]. Weinheim: Beltz-Juventa. ISBN 978-3-7799-9356-8 [Rezension bei socialnet]. Verfügbar unter: doi:10.3262/978-3-7799-9357-5

Rahnfeld, Claudia, 2026. Systemisches Management in sozialwirtschaftlichen Organisationen. Eine Einführung [online]. 2. Auflage. Wiesbaden: Springer Gabler [Zugriff am: 03.07.2026]. ISBN 978-3-658-50419-9. Verfügbar unter: doi:10.1007/978-3-658-50420-5

Ries, Eric, 2011. The Lean Startup: How today’s entrepreneurs use continuous innovation to create radically successful businesses. New York: Crown Business. eISBN 978-0-307-88791-7

Schewe, Gerhard und Stefan Becker, 2009. Innovationen für den Mittelstand. Wiesbaden: Betriebswissenschaftlicher Verlag Gabler. ISBN 978-3-8349-1237-4

Schönig, Werner, Heiko Löwenstein, Katharina Motzke und Sabrina Schmidt, 2026. Das Ziel öffnet die Wege. Innovationsmanagement in Theorie und Praxis des Kölner Masterstudiengangs Soziale Arbeit. In: Heiko Löwenstein und Sabrina Schmidt, Hrsg. Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit [online], S. 7–23 [Zugriff am: 03.07.2026]. Weinheim: Beltz-Juventa. ISBN 978-3-7799-9356-8 [Rezension bei socialnet]. Verfügbar unter: doi:10.3262/978-3-7799-9357-5

Schumpeter, Joseph, 1987. Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. 7. Auflage (unveränderter Nachdruck der 4. Auflage von 1934). Berlin: Duncker und Humblot. ISBN 978-3-428-07725-0

Sturzenhecker, Martin, Gabriele Nagorny-Wittig, Sarah Kunkel, Roman Andrä und Bärbel Amerein, 2023. Sozialmanagement – Organisation, Leitung und Management sozialer Einrichtungen. 3. Auflage. Haan-Gruiten: Verlag Europa-Lehrmittel Nourney, Vollmer GmbH & Co. KG. ISBN 978-3-8085-6494-3

Vahs, Dietmar, Alexander Brem und Christian Oswald, 2023. Innovationsmanagement: Von der Idee zur erfolgreichen Vermarktung [online]. 6. Auflage. Stuttgart: Schäffer-Poeschel [Zugriff am: 03.07.2026]. ISBN 978-3-7910-4279-4. doi:10.34156/​9783791042800

Vogelbusch, Friedrich, 2018. Management von Sozialunternehmen. München: Franz Vahlen. ISBN 978-3-8006-5476-5 [Rezension bei socialnet]

Wöhrle, Armin, 2012. Zur Definition von Sozialmanagement und Management in der Sozialwirtschaft [online]. Wolfenbüttel: Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmanagement/​Sozialwirtschaft an Hochschulen e.V., 10.02.2012 [Zugriff am: 03.07.2026]. Verfügbar unter: http://www.bag-sozialmanagement.de/fileadmin/docs/Woehrle_Sozialmanagement.pdf

Verfasst von
Prof. Dr. Jan Tietmeyer
Professor für Innovationen in der Sozialen Arbeit Hochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen und Lehrbeauftragter der Hochschule Fulda und FOM Hochschule
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ORCID: https://orcid.org/0009-0002-1238-4390

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