socialnet Logo

Innovationsmethoden

Prof. Dr. Wolfgang Gehra

veröffentlicht am 03.07.2024

Englisch: innovation methods

Innovationsmethoden sind verschiedene Handlungsanweisungen und Hilfsmittel zur systematischen Lösung von Innovationsaufgaben, auch bezeichnet als Bestandteile eines Werkzeugkastens, um Innovationen zu managen.

Überblick

  1. 1 Begriffsbestimmung
  2. 2 Design Thinking
  3. 3 Innovationsprozess nach Murray et al.
  4. 4 Systematisierung von Innovationsmethoden
  5. 5 Quellenangaben

1 Begriffsbestimmung

Der Begriffsbestandteil „Methode“ bedeutet von der Wortherkunft her so viel wie das systematische Vorgehen nach bestimmten Grundsätzen und Regeln. Im Zusammenhang mit dem Begriff Innovation geht es darum, im Rahmen eines Innovationsprozesses, verschiedene Innovationen in und für Organisationen zu kreieren, zu entwickeln und schließlich erfolgreich zu implementieren. Innovationsmethoden dienen demzufolge als Werkzeuge, um das Management von Innovationen in den unterschiedlichen Phasen zu unterstützen. Das Management von Innovationen wiederum dient der systematischen Planung, Umsetzung, Steuerung und Kontrolle der Innovationstätigkeit und gilt als Voraussetzung für Ideenrealisation in einer Organisation (Vahs, Brem und Oswald 2023, S. 18).

Innovationen werden häufig in ihren Zielrichtungen eher technisch definiert, wie die Entwicklung neuer Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen (Hauschildt et al. 2023, S. 3 f.).

Eine erweiterte Perspektive stellen sog. Soziale Innovationen dar, wenn eher eine gesellschaftliche und weniger eine technische oder ökonomische Orientierung im Vordergrund steht. Gerade für die Sozialwirtschaft spielen Soziale Innovationen eine bedeutende Rolle, wenn gemäß einer EU-Definition sowohl die Zielsetzung als auch die Mittel zur Entwicklung und Umsetzung von Ideen sozial sind, ein sozialer Bedarf gedeckt wird und dabei neue soziale Beziehungen oder Kooperationen geschaffen werden und dadurch der Gesellschaft nützen (Güntner und Langer 2024, S. 882).

Vor dem Hintergrund der Breite der Aufgaben im Innovationsprozess ist die Anzahl der in der Literatur angebotenen und aus vielen Forschungsfeldern stammenden Innovationsmethoden unzählbar. Das große Handbuch Innovation listet 555 Methoden auf, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben (Aerssen und Buchholz 2018).

Eine Abgrenzung zu Kreativitätstechniken wird nicht immer vorgenommen. Manche Autoren gebrauchen die Begriffe Kreativitäts- und Innovationsmethoden synonym (Gassmann und Sutter 2013, S. 265).

2 Design Thinking

Das Modell des Design Thinking wird an mancher Stelle als eine Innovationsmethode dargestellt, an anderer Stelle bildet es die systematische Grundlage zur Kategorisierung von Innovationsmethoden und stellt gleichzeitig einen Innovationsprozess dar. Deshalb und aufgrund einer gewissen Prominenz in der Literatur zum Innovationsmanagement sei es hier kurz skizziert:

Inhaltlich ist die Design-Thinking-Methode ein strukturierter und schrittweise durchgeführter Prozess, der sich konsequent an den Bedürfnissen der Nutzer:innen oder Kund:innen orientiert. Idealerweise erfolgt die Bearbeitung durch interdisziplinäre Teams. Im Design Thinking wird der Innovationsprozess folgendermaßen dargestellt:

Verstehen -> Beobachten -> Sichtweisen definieren -> Ideen finden -> Prototypen entwickeln -> Testen

Den Anfang macht eine tiefgehende Problemanalyse und das intensive Beobachten der potenziellen Nutzer:innen in ihrem Verhalten. Aus den gewonnenen Ergebnissen werden Sichtweisen über das weitere Vorgehen definiert. Anschließend werden Ideen entwickelt, die anhand von Prototypen getestet und umgesetzt werden. Neue Erkenntnisse im Rahmen des Innovationsprozesses erfordern unter Umständen ein Zurückgehen oder einen Neuanfang auf einem der vorhergehenden Prozessschritte, sodass der Prozess durchaus von einigen Wiederholungsschleifen geprägt sein kann und nicht unbedingt linear verläuft (HPI School of Design Thinking o.J.; Plattner, Meinel und Weinberg 2011, S. 113 f.).

Auch auf Soziale Innovationen ist die Methode gut anwendbar, da sie intensive Phasen des Verstehens und Beobachtens beinhaltet, um gesellschaftliche Problematiken an ihren wirklichen Ursachen anzugehen. Allerdings endet der idealtypische Prozess im Design Thinking mit dem Testen des Prototyps.

Die Umsetzung und damit die Lösung bzw. Linderung eines gesellschaftlichen Problems und damit der eigentliche Erfolg einer Sozialen Innovation ist in diesem Modell nicht abgebildet.

3 Innovationsprozess nach Murray et al.

Der Innovationsprozess nach Murray et al. als Methode zur Entwicklung von Innovationen geht über die Phase des Prototyps hinaus und scheint daher noch besser geeignet, um gesellschaftliche Veränderungen zu berücksichtigen.

Murray et al. teilen den Innovationsprozess in sechs Phasen ein und thematisieren explizit die Entstehung und Diffusion von sozialen Innovationen.

  1. Problemformulierung
  2. Ideen
  3. Prototyp
  4. nachhaltige Verankerung
  5. Skalierung
  6. systemischer Wandel

Das Konzept schließt nach den ersten fünf Phasen, ausdrücklich einen (6.) systemischen Wandel als Ziel mit ein und ist daher für das Verständnis von sozialen Innovationen und deren Entwicklung von Bedeutung (Murray, Caulier-Grice und Mulgan 2010, S. 11).

4 Systematisierung von Innovationsmethoden

Die Auswahl an Innovationsmethoden ist riesig. Je nach Innovationsphase bieten sich unterschiedliche Methoden in verschiedenen Formaten an. Hilfreich ist eine erste Einteilung in divergierende oder konvergierende Denkweisen. Divergierend bedeutet die kreative und breite Suche nach neuen und unterschiedlichen Alternativen. Es geht darum, Optionen zu entwickeln und möglichst viele Ideen, Informationen und Problemformulierungen zu sammeln und noch nicht zu bewerten. Beim sich anschließenden konvergierende Denken werden die erarbeiteten Alternativen dann in fokussierter Art und Weise evaluiert und priorisiert (Rustler 2023, S. 40). Diese Abfolge vom kreativen, divergenten zum kritischen, konvergenten Denken bildet sich auch in den Phasen des Design Thinking ab. Während die Phase des Verstehens eher divergent geprägt ist, mündet das Sichtweisen-Definieren in konvergentes Denken. Die Ideenfindung ist wieder tendenziell divergent und das Testen von Prototypen konvergent (Horster 2023, S. 37).

Demzufolge gliedert Horster die von ihm aufgeführten Innovationsmethoden anhand der Phasen des Design Thinking. In der Phase des Problemverständnisses werden z.B. Methoden wie die Stakeholder Map, die Persona-Analyse oder die Customer Journey Map beleuchtet. Zur Problemdefinition sei beispielhaft die Value Proposition Map genannt. Für die Ideenfindung werden Methoden wie das klassische Brainstorming oder -writing beschrieben und für die Bewertung derselben z.B. die sechs Denkhüte. Zur Entwicklung von Prototypen wird z.B. eine Produktbox empfohlen. Das Testen erfolgt beispielsweise mit dem Business Model Canvas (Horster 2023, S. 60 ff.).

Aerssen und Buchholz gliedern die von ihnen gelisteten 555 Innovationsmethoden ähnlich nach den Phasen des Design Thinking und unterscheiden zusätzlich nach folgenden Methodentypen (Aerssen und Buchholz 2018, S. 21):

  • Aktivierung: Aktivierungsmethoden aktivieren und dynamisieren ein Team.
  • Feedback: Methoden, die helfen, Feedback abzufragen und zu reflektieren.
  • Kreativität: Kreativitätstechniken unterstützen die Ideenfindung und Ideenanreicherung.
  • Makro: Makromethoden bestehen aus mehreren größeren Phasen oder Arbeitspaketen.
  • Mikro: Mikromethoden werden separat oder in den Phasen der Makromethoden genutzt.
  • Reflexion: Methoden, die bei Reflexionen helfen.
  • Strategie: Methoden, die helfen, Strategien zu entwickeln oder zu bearbeiten.
  • Öffnung: Methoden, die Menschen für Themen und Situationen öffnen.
  • Tool: Werkzeuge, Prinzipien, Arbeitsblätter, Teamspiele etc.

Letztlich bietet die Vielfalt an Innovationsmethoden die Chance je nach Aufgabe und Organisation eine oder mehrere passende Werkzeuge zu finden. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass die Anwendung eingebettet sein sollte in die spezifische Innovationskultur mit den entsprechenden Prozessen und Formaten wie Workshops, Innovationslabs oder Seminare im Innovationsmanagement der Organisation.

5 Quellenangaben

Aerssen, Benno van und Christian Buchholz, Hrsg. 2018. Das große Handbuch Innovation: 555 Methoden und Instrumente für mehr Kreativität und Innovation im Unternehmen. München: Verlag Franz Vahlen. ISBN 978-3-8006-5684-4

Gassmann, Oliver und Philipp Sutter, 2013. Praxiswissen Innovationsmanagement: von der Idee zum Markterfolg. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. München: Hanser. ISBN 978-3-446-43451-6

Güntner, Simon und Andreas Langer, 2024. F.1 Innovation in der Sozialwirtschaft. In: Klaus Grunwald, Andreas Langer und Monika Sagmeister, Hrsg. Sozialwirtschaft. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, S. 881–892 [Zugriff am: 28.06.2024]. PDF e-Book. ISBN 978-3-7489-3294-9. doi:10.5771/9783748932949-881

Hauschildt, Jürgen, Sören Salomo, Carsten Schultz und Alexander Kock, 2023. Innovationsmanagement. 7., vollständig aktualisierte und überarbeitete Auflage. München: Verlag Franz Vahlen. ISBN 978-3-8006-6624-9

Horster, Eric, 2023. Playbook Innovationsmethoden: 30 Methoden für ein besseres Customer Experience Management. Freiburg: Haufe Group. ISBN 978-3-648-16907-0

HPI School of Design Thinking, [ohne Datum]. Die sechs Schritte im Design Thinking Innovationsprozess [online]. Potsdam: Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering gGmbH [Zugriff am: 28.06.2024]. Verfügbar unter: https://hpi.de/school-of-design-thinking/​design-thinking/​hintergrund/​design-thinking-prozess.html

Meyer, Jörn-Axel, 2005. Bekanntheit und Einsatz von Innovationsmethoden in jungen KMU: Ergebnisse einer regelmäßigen Befragung im Zeitvergleich. In: Erich J. Schwarz und Rainer Harms, Hrsg. Integriertes Ideenmanagement [online]. Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag, S. 291–314 [Zugriff am: 28.06.2024]. PDF e-Book. ISBN 978-3-8350-0140-4. doi:10.1007/978-3-322-82153-9_15

Murray, Robin, Julie Caulier-Grice und Geoff Mulgan, 2010. The open book of social innovation [online]. London: Young Foundation; National Endowment for Science, Technology and the Arts. Social Innovator Series: ways to design, develop and grow social innovation. [Zugriff am: 28.06.2024]. PDF e-Book. ISBN 978-1-84875-071-5. Verfügbar unter: https://youngfoundation.org/wp-content/​uploads/2012/10/The-Open-Book-of-Social-Innovationg.pdf

Plattner, Hasso, Christoph Meinel und Ulrich Weinberg, 2011. Design Thinking: Innovation lernen – Ideenwelten öffnen. Nachdr. München: mi-Wirtschaftsbuch. ISBN 978-3-86880-013-5

Rustler, Florian, 2023. Denkwerkzeuge der Kreativität und Innovation: das kleine Handbuch der Innovationsmethoden. 12. Auflage. St. Gallen: Midas Management Verlag AG. ISBN 978-3-907100-81-3

Vahs, Dietmar, Alexander Brem und Christian Oswald, 2023. Innovationsmanagement: von der Idee zur erfolgreichen Vermarktung. 6. Auflage. Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag. ISBN 978-3-7910-4278-7

Verfasst von
Prof. Dr. Wolfgang Gehra
Diplom-Kaufmann (Univ.), Innovationsprofessur für Entrepreneurship und Innovation sowie Professur für Sozialmanagement an der Hochschule München University of Applied Sciences, Co-Studiengangsleiter Management Sozialer Innovationen.
Website
Mailformular

Es gibt 1 Lexikonartikel von Wolfgang Gehra.

Zitiervorschlag
Gehra, Wolfgang, 2024. Innovationsmethoden [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 03.07.2024 [Zugriff am: 21.07.2024]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/29011

Link zur jeweils aktuellsten Version: https://www.socialnet.de/lexikon/Innovationsmethoden

Urheberrecht
Dieser Lexikonartikel ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion des Lexikons für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.