LGBTIAQ+
Prof. em. Dr. rer. nat. Udo Rauchfleisch
veröffentlicht am 16.01.2026
LGBTIAQ+ ist ein im deutschen Sprachraum gebräuchliches Akronym zur Bezeichnung von Menschen, deren sexuelle Orientierung und/oder Geschlechtszugehörigkeit von heteronormativen und zweigeschlechtlichen Vorstellungen abweichen.
LGBTIAQ+ bedeutet aufgeschlüsselt:
L = lesbisch
G = gay/schwul
B = bisexuell
T = transgender (transsexuell, transident)
I = intergeschlechtlich
A = asexuell
Q = queer zur Bezeichnung von Menschen, die sich durch das binäre Geschlechtermodell nicht richtig beschrieben fühlen wie nichtbinäre Personen verschiedener Art (gender fluid, ambigender, genderqueer, agender, pangender) und Cross-Dresser.
+ = zur Bezeichnung weiterer, hier nicht genannter, hinsichtlich ihrer sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität jenseits von Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit
Überblick
1 Einordung und Verbreitung des Begriffs
Das Akronym beschreibt nicht sämtliche, sondern die häufigsten von der Mehrheitsgesellschaft abweichende sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten. Der englische Begriff Queer, der mit „seltsam“ oder „sonderbar“ übersetzt werden kann, aber in den 1990er-Jahren in sozialen Bewegungen als empowernde Selbstbezeichnung angeeignet wurde, wird auch als Oberbegriff für das Akronym LGBTIAQ+ verwendet und umfasst damit alle Menschen, die im Hinblick auf ihre sexuelle Orientierung und Geschlechtlichkeit außerhalb des binären Ordnungsmusters unserer Gesellschaft stehen.
Es bestehen im Hinblick auf einzelne der im Akronym genannten Gruppen unterschiedliche Annahmen über die Entwicklung von Geschlechtszugehörigkeiten und sexuellen Orientierungen. In der Geschlechterforschung und den Queer Studies werden unterschiedliche Perspektiven auf den zentralen Untersuchungsgegenstand „Geschlecht“, „Geschlechterverhältnisse“ und „Sexualität“ diskutiert und theoretisiert. Bei der Frage nach den Ursachen ist zu bedenken, dass diese Frage nur gestellt wird, wenn es um Abweichungen von der Mehrheitsgesellschaft geht. So werden Heterosexualität und Cisidentität nicht hinterfragt und erscheinen nicht erklärungsbedürftig.
2 Bedeutung im Alltag
Die Bildung des Akronyms LGBTIAQ+ ist auf der einen Seite sinnvoll, da es Menschen, die in ihrer sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität nicht der Mehrheitsgesellschaft entsprechen, die Möglichkeit bietet, benannt zu werden und gesellschaftliche Sichtbarkeit zu erlangen. Dies ist für ihre Subjektwerdung zentral und erweist sich im politischen Kampf für Anerkennung und Gleichstellung als notwendig. Auf der anderen Seite bergen Kategorienbildungen und Abgrenzungen in sich aber auch die Gefahr der Ausgrenzung und Vereinzelung. Insofern können sie die Solidarität und die Nutzung von Synergien in der queeren Community schwächen. Ob die Verwendung des Akronyms oder des Oberbegriffs „queer“ angemessen ist, ist demnach kontextabhängig.
3 Quellenangaben
Fiedler, Peter 2004. Sexuelle Orientierung und sexuelle Abweichung. Weinheim: Beltzl
Rauchfleisch, Udo 2021. Sexuelle Orientierungen und Geschlechtsentwicklungen im Kindes- und Jugendalter. Stuttgart: Kohlhammer
Verfasst von
Prof. em. Dr. rer. nat. Udo Rauchfleisch
Klinische Psychologie Universität Basel, Psychoanalytiker (DPG, DGPT)/psychologischer Psychotherapeut in privater Praxis in Basel.
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