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Lego Serious Play

Prof. Dr. Jan Tietmeyer

veröffentlicht am 09.12.2025

Abkürzung: LSP

Deutsch: Lego ernsthaftes Spiel

Marken: Wortmarke „LEGO“ beim DPMA unter Markennummer 772669; Wortmarke „SERIOUS PLAY“ beim DPMA unter Markennummer 002234631 (Unionsmarke); weitere Bildmarken

LEGO Serious Play (LSP) ist eine Methode, die mittels Modellbau mit LEGO-Steinen kreative Denkprozesse anregt und eine kollaborative Entwicklung innovativer Strategien und Lösungsansätze ermöglicht.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Begriffsentwicklung
  3. 3 Theoretischer Hintergrund
  4. 4 Ziele
  5. 5 Kernprozesse
  6. 6 Anwendungsfelder in der Sozialwirtschaft
  7. 7 Quellenangaben

1 Zusammenfassung

LEGO Serious Play ist eine facilitierte, durch eine externe Person begleitete Methode, die mithilfe von LEGO-Steinen komplexe Themen und Herausforderungen erfahrbar macht. Durch den metaphorischen Modellbau und das Erzählen von Geschichten werden kreative Denkprozesse angeregt und mit den anderen Teilnehmer:innen ausgetauscht. Moderator:innen, die in diesem Zusammenhang als „Facilitator:innen“ bezeichnet werden, begleiten den Prozess. Besonders in der Sozialwirtschaft, die durch vielfältige und oft schwer greifbare Fragestellungen gekennzeichnet ist, bietet LSP eine innovative Möglichkeit zur partizipativen Entwicklung von Strategien und Lösungen.

Neben den attraktiven Vorteilen gibt es auch herausfordernde Aspekte in der Umsetzung der Methode zu berücksichtigen. Die Durchführung von LSP-Workshops kann mit hohen Kosten für Materialien, Facilitator:innen und Raummiete verbunden sein. LSP-Workshops benötigen Zeit, um effektive und nachhaltige Veränderungen zu erzielen. Zudem bedarf es Offenheit und Akzeptanz für die Methode seitens Teilnehmenden. Nicht zuletzt hängen die Qualität und damit der Erfolg von LSP stark von den Kompetenzen und der Moderation des jeweiligen Facilitators ab.

2 Begriffsentwicklung

In den 1990er Jahren war der dänische Spielwarenhersteller LEGO in einer wirtschaftlichen Krise. Als Reaktion auf eine Krise begann Kirk Kristensen, Enkel des LEGO-Gründers und damaliger Vorstand, gemeinsam mit den Managementprofessoren Johan Roos und Bart Victor die kreativitätsfördernden Eigenschaften des LEGO-Systems auf unternehmerische Problemstellungen zu übertragen, woraus die Methode LEGO Serious Play entwickelt wurde. Es werden hierbei LEGO-Elemente verwendet, um als dreidimensionale Modelle metaphorisch für andere Herausforderungen oder Lösungsansätze zu stehen. Die Bezeichnung „SERIOUS PLAY“ betont in diesem Kontext die Verbindung von spielerischer Kreativität und ernsthafter Auseinandersetzung mit unternehmensrelevanten Themen. Die Etablierung dieser Methode erwies sich jedoch als komplexer und langwieriger Prozess, der beinahe ein Jahrzehnt in Anspruch nahm, bevor diese für eine breite Implementierung und die Ausbildung von Trainer:innen hinreichend ausgearbeitet war. Seit 2010 bietet LEGO die Methode als Community-basiertes Modell unter der Creative Commons-Lizenz an (LEGO o.J.a; Poguntke 2018).

3 Theoretischer Hintergrund

Die theoretische Basis der Methode setzt sich aus den Bereichen Spiel, Konstruktivismus und Konstruktionismus sowie Imagination zusammen (LEGO 2002). Dem Spielen und der spielerischen Kommunikation kommt eine zentrale Rolle zu, die über eine zumeist intrinsischen Motivation zu einem so genannten konstruktiven Wettbewerb (Huizenga 1955) führt, der zu Höchstleistungen anregen kann, und zwar nicht nur um des Gewinnen-Wollens. Die spielerische Kommunikation erfolgt dabei insbesondere über ein Geschichtenerzählen und dem Einsatz von methaphorischer Umschreibungen. Putnam hat die Bedeutung von Geschichten und Metaphern im Kontext von Organisationen untersucht und kommt zu dem Schluss, dass sie starke organisatorische Leistungen erfüllen können (bspw. bei der Sozialisation neuer Mitglieder) und zu einem umfassenderen Verständnis von Organisationen beitragen (Putnam 1995, zitiert nach LEGO 2002).

Das theoretische Fundamente des LSP ist in den Lern- und Erkenntnistheorien des Konstruktivismus und Konstruktionismus zu verorten. Der Konstruktivismus nach Piaget geht davon aus, dass Wissen nicht passiv empfangen, sondern aktiv vom Individuum konstruiert wird, indem neue Informationen mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft werden (Pätzold 2012). LEGO Serious Play nutzt die haptische Erfahrung des Bauens mit LEGO-Steinen, um diesen Konstruktionsprozess zu aktivieren und implizites Wissen explizit zu machen. Der Konstruktionismus ergänzt dies, indem er betont, dass Lernen besonders effektiv ist, wenn es mit der Erschaffung von etwas Konkretem verbunden ist (Papert 1980). Durch den Bau von Modellen und Geschichten mit LEGO-Steinen konstruieren die Teilnehmenden nicht nur Wissen über das Problem, sondern auch eine gemeinsame Repräsentation und ein gemeinsames Verständnis davon.

LEGO Serious Play nutzt Imagination in ihren verschiedenen Facetten, beginnend mit der beschreibenden Imagination, die durch das Bauen von Modellen zur präzisen Darstellung von Ideen und Konzepten anregt. Diese Basis erweitert die Methode durch die schöpferische Imagination, die neue, innovative Lösungen und Perspektiven hervorbringt, indem sie über das Bekannte hinausgeht. Entscheidend ist dabei auch die verneinende Imagination, die es ermöglicht, Annahmen zu hinterfragen, bestehende Strukturen aufzubrechen und alternative Szenarien zu entwickeln (Hammer 1995). In LSP sollen diese drei Imaginationen synergetisch zusammenwirken: Beschreibungen schaffen Klarheit, kreative Erweiterungen eröffnen Möglichkeiten und die Verneinung regt zur kritischen Reflexion an, wodurch ein iterativer Prozess der Wissenskonstruktion und Problemlösung entstehen soll.

4 Ziele

Die Methode versucht grundsätzlich den Dialog und die konstruktive Kommunikation innerhalb von Gruppen zu nutzen. In Ausnahmefällen kann Sie jedoch auch in Einzelsettings eingesetzt werden. Gegenstand von LEGO Serious Play Workshops sollen komplexe Themenstellungen sein, bspw. im Kontext von Strategieentwicklung, Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses, die Sichtweisen Anderer zu verstehen usw. (LEGO o.J.b). LEGO Serious Play verfolgt bei diesen Aufgaben im Wesentlichen folgende Ziele (Brickolution 2023):

  • Förderung der Kreativität: Der spielerische Umgang mit LEGO-Steinen ermöglicht es, über konventionelle Denkmuster hinauszugehen und neue Ideen zu entwickeln.
  • Stärkung der Zusammenarbeit: LSP fördert den Dialog und den Austausch von Perspektiven innerhalb einer Gruppe.
  • Verbesserung der Entscheidungsfindung: Durch die Visualisierung komplexer Sachverhalte und die gemeinsame Erarbeitung von Lösungen werden fundierte Entscheidungen erarbeitet.
  • Erhöhung des Engagements: Bei LSP partizipieren ausnahmslos alle Teilnehmenden. Die aktive Beteiligung aller Teilnehmer:innen am Prozess steigern das Engagement und die Identifikation mit den Ergebnissen.

5 Kernprozesse

LEGO Serious Play folgt einem klar strukturierten Ablauf, dem so genannten Kernprozess (Core Process) mit vier Schritten:

  1. Herausforderung: Der Facilitator bereitet eine zentrale Frage oder ein Problemstellung auf.
  2. Bauphase: Jede:r Teilnehmer:in baut mit LEGO-Steinen ein Modell, das ihre Antwort auf die Frage oder ihre Sichtweise des Problems darstellt.
  3. Sharing: Jede teilnehmende Person präsentiert ihr Modell und erzählt die dazugehörige Geschichte.
  4. Reflexion: Die Gruppe reflektiert die verschiedenen Modelle und Geschichten, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede und neue Erkenntnisse zu identifizieren.

Entscheidend ist die Rolle des Facilitators, der den Prozess moderiert, die Teilnehmenden unterstützt und sicherstellt, dass alle Stimmen gehört werden (Rasmussen 2018). In diesem Zusammenhang ist es meist auch sinnvoll, dass vor dem eigentlichen LSP eine kurze Übung für die Fähigkeiten im Umgang mit LEGO Steinen (Skills building) umgesetzt wird.

Der dargestellte Kern-Prozess wird in allen Anwendungstechniken (Application Techniques) von LEGO Serious Play genutzt. Die folgenden Anwendungstechniken werden mit aufsteigenden Nummern komplexer und müssen nicht vollständig durchlaufen werden (Rasmussen 2018):

  1. Building Individual Models and Stories: Durch den Bau individueller Modelle können Teilnehmer:innen ihre persönlichen Perspektiven, Ideen und Erfahrungen zu einem Thema oder Problem eigenständig und visuell erfassen und in Geschichten verpacken.
  2. Building Shared Models and Stories: Diese Applikation fördert die Zusammenarbeit, indem Einzelmodelle zu einem gemeinsamen Modell kombiniert und durch das Teilen der dazugehörigen Geschichten ein gemeinsames Verständnis erzeugt wird.
  3. Creating a Landscape: Durch den Aufbau einer Landschaft aus individuellen Modellen wird ein umfassender Überblick über ein komplexes System oder eine Situation geschaffen, der es ermöglicht, Beziehungen und Zusammenhänge zu erkennen.
  4. Making Connections: Diese Applikation konzentriert sich darauf, die Verbindungen zwischen den einzelnen Modellen und Geschichten innerhalb der Landschaft herzustellen, um verborgene Muster und unerwartete Erkenntnisse zu enthüllen.
  5. Building a System: Teilnehmer:innen konstruieren ein System aus miteinander verbundenen Modellen, das die dynamischen Beziehungen und Abhängigkeiten innerhalb eines komplexen Ganzen darstellt und analysiert.
  6. Playing Emergence and Decision: Durch das Verändern und Manipulieren des Systems können die Auswirkungen von Entscheidungen simuliert und die daraus resultierenden emergenten Eigenschaften beobachtet und bewertet werden.
  7. Extracting Simple Guiding Principles: Am Ende des Prozesses werden die gewonnenen Erkenntnisse in einfache, prägnante Leitprinzipien destilliert, die als Grundlage für zukünftige Aktionen und Entscheidungen dienen können.

6 Anwendungsfelder in der Sozialwirtschaft

Die spezifischen Vorteile von LEGO Serious Play in der Sozialwirtschaft liegen in der Komplexität und Vielschichtigkeit der dortigen Aufgabenfelder. Einsatzmöglichkeiten für LSP sind zum Beispiel:

  • Strategieentwicklung: Gemeinsame Entwicklung von Zukunftsszenarien und strategischen Ausrichtungen für Organisationen
  • Teamentwicklung: Stärkung des Zusammenhalts und der Kommunikation innerhalb von Teams
  • Konfliktlösung: Vermittlung zwischen unterschiedlichen Interessen und Perspektiven
  • Partizipative Bedarfsanalyse: Erhebung von Bedürfnissen und Herausforderungen aus der Sicht der Zielgruppen
  • Organisationsentwicklung: Gestaltung von Veränderungsprozessen und Verbesserung der internen Abläufe
  • Innovationsmanagement: Generierung von Ideen und Entwicklung von Prototypen

7 Quellenangaben

Brickolution, 2023. LEGO SERIOUS PLAY – The Method [online]. Frankfurt: Brickolution® [Zugriff am: 05.12.2025]. Verfügbar unter: https://brickolution.com/en/the-lego-serious-play-method/

Hammer, Michael; Steven A. Stanton, 1995. The Reengineering revolution: A Handbook. New York: Harper Business. ISBN 978-3-593-35439-2

Huizinga, Johan, 1955. Homo Ludens: Vom Ursprung der Kultur im Spiel. Hamburg: Rowohlt

LEGO, 2002. Die Wissenschaft von LEGO® SERIOUS PLAY® [online]. Billund: The LEGO Group [Zugriff am: 02.12.2024]. Verfügbar unter: https://www.strategicplay.de/wp-content/uploads/2018/09/Wissenschaft-von-Lego-Serious-Play.pdf

LEGO, o.J.a. SERIOUS PLAY® Hintergrund. What is LEGO® SERIOUS PLAY®? [online]. Billund: LEGO System A/S [Zugriff am: 02.12.2024]. Verfügbar unter: https://www.lego.com/de-de/themes/serious-play

LEGO, o.J.b. Open-source/​Introduction to LEGO® SERIOUS PLAY® [online]. Billund: LEGO System A/S [Zugriff am: 02.12.2024]. Verfügbar unter: https://www.lego.com/cdn/cs/set/assets/blt8ec1d6ff766ddfd4/LEGO_SERIOUS_PLAY_OpenSource_14mb.pdf

Papert, Seymour, 1980. Mindstorms. New York: Basic Books. ISBN 978-0-85527-163-3

Pätzold, Henning, 2012. Konstruktivismus und Lerntheorien – radikal vereinbar? In: Wiltrud Gieseke, Ekkehard Nuissl und Ingeborg Schüßler, Hrsg. Reflexionen zur Selbstbildung. Bielefeld: Bertelsmann Verlag, S. 102–118. ISBN 978-3-7639-5103-1 [Rezension bei socialnet]

Poguntke, Sven, 2018. LEGO® SERIOUS PLAY® Methode [online]. In: Gabler Wirtschaftslexikon. Wiesbaden: Springer Gabler | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH [Zugriff am: 02.12.2024]. Verfügbar unter: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/legor-serious-playr-methode-54107/version-277161

Rasmussen, Robert, 2018. LEGO® SERIOUS PLAY®. T3 Facilitator Program [online]. Tallinn: SeriousPlayPro [Zugriff am: 02.12.2024]. Verfügbar unter: https://seriousplaypro.com

Verfasst von
Prof. Dr. Jan Tietmeyer
Professor für Innovationen in der Sozialen Arbeit Hochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen
Lehrbeauftragter der Hochschule Fulda und der FOM Hochschule
Website
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ORCID: https://orcid.org/0009-0002-1238-4390

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