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MarteMeo

Weitere Schreibweisen: Marte Meo, Marte-Meo, Marte-Meo-Methode
Interessenlage: Die Autorin und der Autor dieses Beitrags sind beide in der Methode ausgebildet und fungieren im Rahmen des Internationalen MarteMeo-Netzwerkes als „Licensed Supervisor“.

MarteMeo ist der Name einer video-basierten Kommunikationsmethode. Der Name wurde vom lateinischen „mars martis“ abgeleitet und bedeutet sinngemäß „etwas aus eigener Kraft erreichen“.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 MarteMeo – eine kurze Historie
  3. 3 Grundlagen
  4. 4 MarteMeo als Modell
  5. 5 MarteMeo als Methode
  6. 6 Intervention durch Bilder
  7. 7 Die Kraft der Bilder
  8. 8 Erfahrungswerte
  9. 9 Weiterbildung
  10. 10 Quellenangaben
  11. 11 Literaturhinweise
  12. 12 Informationen im Internet

1 Zusammenfassung

MarteMeo ist eine video-unterstützte Beratungsmethode, die zum Ziel hat, die Entwicklung von Beziehungen beispielsweise zwischen Eltern und Kindern, Erzieher*innen und Kindern, Lehrer*innen und Schüler*innen, Pflegekräften und behinderten oder älteren Menschen, speziell die an Demenz erkrankt sind, zu fördern. Durch die Betrachtung von Videoaufnahmen aus Alltagssituationen lernen die Beteiligten ihre Kommunikation so zu verbessern, dass eine angemessene Verständigung und Entwicklungsförderung möglich ist.

2 MarteMeo – eine kurze Historie

Die Begründerin der Methode ist die Niederländerin Maria Aarts. Sie hatte in den 1970er Jahren die Idee, in der Beratung von Eltern autistischer Kinder gefilmte Alltagssituationen zu nutzen. Seitdem entwickelte sie die Methode stetig weiter. Ziel der video-unterstützten Beratungsarbeit ist es, Eltern oder andere wichtige Bezugspersonen von Kindern zu unterstützen, ihre Fähigkeiten im Umgang mit Kindern so zu (re)aktivieren oder auszubauen, dass daraus eine entwicklungsfördernde Interaktion entsteht. Ausgangspunkt der Beratung sind grundsätzlich die erkennbaren, d.h. in den Filmaufnahmen sichtbaren, kommunikativen Fähigkeiten der Eltern/Bezugspersonen und ihre unmittelbare Wirkung auf das kindliche Verhalten. Eine positive Entwicklung der Verständigung und der emotionalen Beziehungen zwischen Eltern/Bezugspersonen und Kindern wird auf diese Weise aus der eigenen Kraft ermöglicht. Kern der MarteMeo-Methode ist ein praxisbezogenes Kommunikationsprogramm. MarteMeo ist nicht nur auf die Arbeit mit Eltern und Kindern begrenzt, sondern konnte auch auf andere Kontexte komplementärer Beziehungen, d.h. überall dort, wo Menschen füreinander sorgen bzw. verantwortlich sind, übertragen werden. So gibt es im Rahmen des Internationalen MarteMeo-Netzwerkes u.a. elaborierte Konzepte für Schulen, Krankenhäuser, Kinderpsychiatrie und vor allem Altersheime (Aarts 2016). Dieser Beitrag bezieht sich nur auf die Anwendungsfelder innerhalb der deutschen Jugendhilfe (siehe aber ergänzende Literaturhinweise).

3 Grundlagen

Die grundlegende Annahme von MarteMeo besagt, dass Eltern in der Regel das Bedürfnis und zumindestens ansatzweise die Fähigkeiten haben, sich für ihre eigenen Interessen und die Entwicklung ihrer Kinder zu engagieren (Aarts 2016). So wollen Eltern im Regelfall für ihre Kinder das Beste in dem Sinne, dass sie bereit sind, ihren Kindern das zu geben, was ihnen selbst zur Verfügung steht. Mit dieser Annahme wird Eltern Verantwortung und Kompetenz zugesprochen, die sie während eines Beratungsprozesses zu gleichberechtigten Partner*innen macht.

4 MarteMeo als Modell

Als ein Modell basiert MarteMeo auf zahlreichen Studien der Entwicklungspsychologie, der Frühförderpädagogik und Humanethologie, die allesamt jene kommunikativen Elemente untersucht haben, die wir „natürliche entwicklungs-unterstützende Dialoge“ zwischen Eltern und Kinder nennen (Papouŝek 1994; Dornes 1993; Stern 1992). Hierauf aufbauend beruht das MarteMeo-Modell auf der Annahme, dass es so etwas wie eine natürliche bzw. prototypische entwicklungsfördernde Kommunikation zwischen Eltern und Kindern gibt, für die Eltern im Regelfall keine spezielle Schulung benötigen. Vielmehr gilt als belegt, dass die meisten Eltern das intuitive Vermögen haben, mit ihren Kindern im Alltag solche entwicklungs-unterstützende Dialoge zu führen. Dialog ist in diesem Zusammenhang ein Meta-Begriff. Er umfasst altersabhängig nonverbale, protoverbale und verbale Elemente. Mit diesen Dialogen steuern Eltern die Entwicklungsprozesse ihrer Kinder (Papouŝek 1994). Die spontane Freude, die eine Mutter ihrem Kind zeigt, wenn es ihr ein erstes „Bild“ schenkt und das Lob über diese Arbeit ist ebenso Teil solcher Dialoge wie die Botschaft, dass es Zeit ist für das Abendessen oder dass die Spielsachen weggeräumt werden müssen.

Wie erfahrene Praktiker*innen wissen, können Eltern im Einzelfall sehr wohl diese intuitive Fähigkeit vermissen lassen. Vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen biografischen Erfahrungen können sie auf verschiedene Weise daran gehindert sein, eine solche intuitive entwicklungsunterstützende Kommunikation zu realisieren. Häufig sind es zusätzlich Restriktionen in den aktuellen Lebensbedingungen der Eltern, die es ihnen schwer oder fast unmöglich machen, ihre Kinder angemessen wahrzunehmen und zu fördern. Diese Eltern haben Schwierigkeiten, die Entwicklungsbedürfnisse ihrer Kinder intuitiv zu erkennen und zu beantworten. Sofern diese Grundbedürfnisse nicht ausreichend erfüllt werden, reagieren Kinder erst irritiert und zunehmend auffällig. Für ihre soziale Umwelt werden sie „schwierig“. Zunehmend wächst die Gefahr, dass ein Kind unter diesen Umständen von Professionellen und/oder anderen Erwachsenen in seiner Entwicklung beeinträchtig oder gar als „gestört“ erlebt wird.

Um hier entwicklungsbelastenden Verfestigungen vorzubeugen, wird mit Hilfe der MarteMeo-Methode versucht, die Eltern zu bestärken und zu befähigen, ihren Kindern zunehmend ein förderliches Modell zu werden.

5 MarteMeo als Methode

Als Methode kommunikativer Unterstützung beinhaltet MarteMeo differenzierte Anleitungen für eine präzise Informationsvermittlung an Eltern oder professionelle Betreuer*innen. Sie basieren auf der Annahme, dass problembelasteten Eltern häufig das Wissen und die Erfahrungen fehlen, was sie genau tun können, um ihr Kind in seiner Entwicklung zu fördern. Die Inhalte der vermittelten Informationen müssen daher sehr konkret und allgemein verständlich sein. Verstärkt wird dies, indem zuerst Bezug genommen wird auf die Fragen oder Anliegen der Eltern. Grundsätzlich werden Videoaufnahmen von Alltagssituationen genutzt. An diesen Bildern wird den Eltern gezeigt, wo und wie sie ihr Kind bereits gut erreichen und unterstützen und wo und wie sie es darüber hinaus unterstützen und fördern können. Spezifische Unterstützung und konkrete Anleitung wird so für jede einzelne Familie „maßgeschneidert“.

Meistens suchen Eltern Beratung auf, weil ihnen diese konkreten Informationen fehlen und sie nicht wissen, was sie genau zur Abwendung ihrer Probleme tun können. Berater*innen wiederum verfügen oft über viele Informationen zu Entwicklungsförderung, häufig aber nicht über die einfachen Worte, mit denen man speziell jene Eltern erreicht, die praktisches und konkretes Wissen zur Bewältigung ihrer alltäglichen Probleme im Umgang mit ihren Kindern am dringendsten benötigen. Von daher gibt es in helfenden Systemen eine Fülle von Informationen über Problembeschreibungen und -erklärungen, jedoch viel weniger Informationen über die Unterstützung von effektiven Problemlösungen (Sirringhaus-Bünder und Bünder 2001).

MarteMeo ist von daher aus der Idee heraus entstanden, Eltern präzise Informationen zu geben, die sie in konkrete Handlungsschritte umsetzen können. Es genügt oft nicht, wenn Fachkräfte „Ratschläge“ geben oder bisheriges Verhalten in Frage stellen. Positive Veränderungen setzen eine bildhafte Vorstellung voraus, wie eine solche Veränderung konkret aussehen könnte und was sie bewirkt. Auch wenn Eltern bewusst ist, dass sie etwas unternehmen müssen, fehlt häufig die Idee, was und vor allem wie sie dies anstellen können. Es ist daher der Anspruch von MarteMeo, zu vermitteln, wie es machbar ist und wann es möglich ist.

6 Intervention durch Bilder

In einer MarteMeo-Beratung werden konkrete Informationen über die Möglichkeiten, wie Eltern eine gute Entwicklung ihrer Kinder unterstützen können, methodisch so weitergegeben, dass sie schrittweise lernen, aus eigener Kraft ihre Probleme zu lösen. MarteMeo arbeitet mit spezifischen Anleitungen, die es ermöglichen, mit Hilfe von genauen Videointeraktionsanalysen nicht nur ein „Bild des Problems“, sondern vor allem „Bilder möglicher Lösungen“ zu entwerfen (Hawellek 1997). Zentraler Bestandteil dafür ist die umfassende Interaktionsanalyse familiärer Alltagssituationen wie beispielsweise Mahlzeiten, Spielsituationen, Zubettgehsituationen oder Hausaufgabenerledigung. Während Eltern und Berater*in gemeinsam die einzelnen Videosequenzen anschauen, wird eine Metaebene kreiert: Die Eltern sehen sich in ihrem Alltag, können aber im geschützten Raum der Beratung und mit professioneller Hilfe reflektieren, was und wie sie etwas verändern möchten. Das Medium Video bietet dabei eine Authentizität und Dichte in der Abbildung von Alltag, die in anderen Beratungsformen erst mit viel Aufwand sprachlich rekonstruiert werden müssen. Die Videointeraktionsanalyse zeigt, welche Fähigkeiten und Ressourcen die Eltern ausgebildet oder in Ansätzen entwickelt haben, ebenso die Entwicklungsbedürfnisse des Kindes. Als Basis für die Analyse der elterlichen Fähigkeiten und kindlichen Entwicklungsbedürfnisse dienen fünf grundlegende Kommunikationselemente:

  1. Eltern lokalisieren den momentanen Aufmerksamkeitsfokus ihres Kindes und nehmen seine Initiativen wahr.
  2. Eltern bestätigen die Wahrnehmung diese Initiativen.
  3. Eltern benennen die aktuellen oder sich entwickelnden Initiativen und Aktionen des Kindes, sowie die damit verbundenen Erfahrungen und Gefühle.
  4. Eltern helfen durch das Prinzip „sich abwechseln“, damit ihr Kind auch eine tragfähige Verbindung zu anderen Menschen aufbauen kann, um so eine Verbindung der ‚äußeren Welt‘ mit seiner ‚inneren Welt‘ zu ermöglichen.
  5. Eltern tragen die Verantwortung für eine angemessene Lenkung und Leitung ihres Kindes, speziell durch abgestimmte Anfangs- und End-Signale in konkreten Situationen (Bünder et al. 2015).

Nachdem die Videoaufnahme einer alltäglichen Szene anhand dieser Kriterien zeitnah ausgewertet wurde, findet mit den Eltern ein Beratungsgespräch – das so genannte Review – statt, welches sich schwerpunktmäßig auf die gelungenen Aspekte der familiären Kommunikation bezieht und nicht auf die Defizite. Wo eine förderliche Interaktion zwischen Eltern und Kind nicht gelingt, wird dies nicht beschönigt oder bagatellisiert, aber entschieden relativiert, indem Eltern beispielsweise Verständnis erfahren für das, was in diesem Moment schwierig für sie ist und mit ihnen überlegt wird, wie sie andere, gelungene Interaktionsmomente auf diese schwierige Situation übertragen können. Zentral in der Beratung der Eltern sind also immer diejenigen Aspekte, die Eltern ermutigen und selbstsicherer machen können. Jede Besprechung mit Eltern endet dann mit einer neuen Arbeitsabsprache (Haus- oder Übungsaufgaben), was genau die Eltern bis zum nächsten Film ausprobieren oder intensivieren wollen.

Auf diese Weise erarbeiten sich die Eltern ihren Erfolg Schritt für Schritt selbst. Sind in den nächsten Filmen keine positiven Veränderungen erkennbar, wird wieder gemeinsam geschaut, was ihnen die Umsetzung der Anregungen aus dem Beratungsgespräch in ihren Alltag schwer gemacht hat und welche unterstützenden Schritte oder Informationen vielleicht gefehlt haben. In sehr kleinen, aber intensiven Schritten werden die Eltern so unterstützt, ihre Dinge und die positive Entwicklung ihrer Kinder eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen. Gelingt es, Eltern – wieder oder zum ersten Mal – eigene Stärke und erfolgreiche positive Veränderungen erleben zu lassen, ist die Verbesserung des Zusammenlebens mit ihren Kindern die größte Belohnung und der stärkste Anreiz, auf diesem Weg weiterzugehen.

Kinder benötigen für eine gute Entwicklung die Unterstützung ihrer Eltern oder von Menschen, die bei ihnen ersatzweise die Elternstelle vertreten. Viele Eltern, die im Alltag größere Schwierigkeiten mit ihren Kindern haben, schauen, wie eingangs erwähnt, auf eine Biographie zurück, in der es für sie nur bedingt möglich war, die Fähigkeiten zu entwickeln, die sie heute benötigen, um ihren Kindern zu geben, was diese von ihnen brauchen. Es sind gute Modelle für die Rolle als Mutter bzw. Vater, die ihnen fehlten. Ihr „Modell“ waren beispielsweise eine Mutter oder ein Vater, deren Verhalten unberechenbar, vernachlässigend, gewalttätig, ambivalent, von Sucht oder psychischer Erkrankung geprägt war. Manchmal fehlte eine positive mütterliche oder väterliche Person völlig in ihrem Leben.

Solche Eltern benötigen für sich selbst Hilfen, um zunächst eine Vorstellung von positiver Elternschaft zu entwickeln. Erst im Verlauf dieses Prozesses können sie die Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen, die sie die Rolle einer (ausreichend) guten Mutter oder eines (ausreichend) guten Vaters ausfüllen lassen (Winnicott 1974). Erst das Erleben, eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein wird ihnen das notwendige Selbstwertgefühl und das entsprechende Selbstbewusstsein und Zutrauen vermitteln, ihren Kindern gute Eltern sein zu können. Dies wiederum ist notwendig, um dem Kind gegenüber sicher aufzutreten zu können und ihm Sicherheit und eigenen Selbstwert zu vermitteln. MarteMeo hat daher ständig beide Achsen der Entwicklung, die kindliche und die elterliche, gleichberechtigt im Blick.

7 Die Kraft der Bilder

Wie bereits ausgeführt, nutzt MarteMeo als zentrales Werkzeug Videoaufzeichnungen von Alltagssituationen. Dies setzt ein gutes Vertrauensverhältnis zur Berater*in voraus. Grundsätzlich bleiben die Eltern während der gesamten Beratung in einer für sich selbst und ihre Kinder verantwortlichen Position. Sie entscheiden, wieviel und was sie anvertrauen und „veröffentlichen“ wollen. Dabei meint „veröffentlichen“ nicht, dass die Filme ohne Zustimmung von Dritten gesehen werden könnten. MarteMeo unterliegt einer strikten Schweigepflichtsregelung. Veröffentlichen heißt hier nur, gemeinsam mit der MarteMeo-Berater*in eine Facette des Alltags so zu betrachten, wie sie tatsächlich zu sehen ist. Welche Alltagssituationen gefilmt werden, wird von der Berater*in vorgeschlagen. Eine Aufnahme erfolgt aber niemals ohne ausdrückliche Zustimmung der Eltern. Entscheidend ist, dass sich der gesamte Beratungsprozess ausschließlich an den Fragen und Anliegen der Eltern ausrichtet. Eltern werden von MarteMeo nicht wie unmündige Kinder an die Hand genommen und zum „richtigen Verhalten“ geführt, sondern erhalten unspektakulär sehr praktische Unterstützung, um erzieherische Belange aus eigener Kraft zu verändern.

Wie bereits erwähnt, ermöglichen die Videobilder die Bedeutungen von Ereignissen nicht nur sprachlich zu konstruieren, sondern diese früheren Erfahrungen nochmals sinnlich erfahrbar zu machen. Damit ist eine vertiefte „Einsicht“ erleichtert. In diesem Sinne dienen Videos auch als eine Art der „Realitätsprüfung“ für alle Beteiligten.

Folgende Aspekte sind uns für den Nutzen dieser Werkzeuge für die beraterische Arbeit wichtig:

  • Mit Hilfe der Videointeraktionsanalyse ist es möglich, detaillierte, bildhafte Informationen über natürliche entwicklungsunterstützende Alltagsinteraktionen zwischen Eltern und Kindern zu erarbeiten.
  • Die Videointeraktionsanalyse eröffnet Helfer*innen die Gelegenheit, schrittweise konkrete Informationen zu vermitteln. Die Klient*innen können sich ein konkretes Bild von den erforderlichen Verhaltensweisen machen.
  • Videos helfen herauszufinden, welche Art von Unterstützung ein Kind oder eine Klient*in benötigt.
  • Videos unterstützen Helfer*innen, ihre Hilfen besser an die Lebensrealität ihrer Klient*innen anzupassen.
  • Videos, die gelungene Interaktionen zeigen, verhelfen den Klient*innen zu Anerkennung und Selbstbewußtsein. Sie können ihren Erfolg genießen.
  • Helfer*innen können ebenfalls ihre eigenen Lern- und Entwicklungsprozesse auf Video nachvollziehen.

8 Erfahrungswerte

Wie langjährige Erfahrungen zeigen, wirkt sich der unterstützende Einsatz von MarteMeo in vielen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit positiv aus (Bünder et al. 2015). Angeführt werden können hier speziell die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH), Erziehungsberatungsstellen, Kindertageseinrichtungen, Heimeinrichtungen, Pflegefamilien oder Erziehungsstellen. Fachkräfte, die MarteMeo in ihren Beratungen nutzen, beschreiben folgende positiven Wirkungen:

  • Die beraterische Arbeit nimmt an Präzision zu. Vorher wurde in den Gesprächen mit Klient*innen häufig über eine Fülle von Dingen geredet. Diese wurden wiederum häufig von den Klient*innen anders wahrgenommen, bewertet und beschrieben als von den Berater*innen. Mit Hilfe des Medium Video wird nun die Möglichkeit genutzt, spezifisches Verhalten in konkreten Situationen zu zeigen und zu bearbeiten. Eine Diskussion über das, was wirklich war, erübrigt sich durch die gemeinsame Betrachtung der Bilder. Für eine Bewertung, so sie denn überhaupt notwendig erscheint, ist die sichtbare Wirkung eines bestimmten Verhaltens im Film maßgeblich.
  • Die Klient*innen erfahren zum einen eine straffe und effektive Form der Hilfe. Anderseits ist es Klient*innen weniger möglich, so zu tun, als ob man Hilfe in Anspruch nähme, sich dann aber mehr oder weniger heimlich zu verweigern. Die Kraft der Bilder fordert eine Reflexion heraus, der man sich stellen muss.
  • Eine kollegiale Zusammenarbeit oder supervisorische Unterstützung kann mit Hilfe von MarteMeo intensiviert und präzisiert werden, sodass nicht nur Entwicklungsprozesse in den Familien gefördert werden. Vielmehr können sowohl die Art des methodischen Vorgehens der Fachkräfte im Hinblick auf Zusammenarbeit mit den Eltern, als auch die persönliche fachliche Entwicklung reflektiert und so positiv unterstützt werden.

9 Weiterbildung

Eine Weiterbildung in der MarteMeo-Methode ist nur berufsbegleitend zu absolvieren. Zur Teilnahme zugelassen werden Fachkräfte, die mindestens über einen staatlichen Fachschulabschluss, beispielsweise als Erzieher*in oder Altenpfleger*in verfügen, in einem psycho-sozialen Arbeitsfeld tätig sind und mit Billigung des Arbeitgebers versichern, dass sie im Rahmen ihrer täglichen Arbeit mit Familien – für Professionelle in anderen Kontexten: mit Kindern oder beispielsweise pflegebedürftigen Menschen – regelmäßig mit Filmaufnahmen arbeiten können.

Ausbildungsberechtigt sind MarteMeo Supervisor*innen in Zusammenarbeit mit einem von Maria Aarts berufenen Licensed Supervisor. Nach einem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung ist auch eine zusätzliche Zertifizierung im Internationalen MarteMeo-Netzwerk möglich.

10 Quellenangaben

Aarts, Maria, 2016. Marte Meo Handbuch. 4. Auflage. Harderwijk: Aarts Production. ISBN 978-90-75455-32-8

Bünder, Peter, Annegret Sirringhaus-Bünder und Angela Helfer, 2015. Lehrbuch der MarteMeo-Methode. Entwicklungsförderung mit Videounterstützung. 4., überarbeitete Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-40468-3 [Rezension bei socialnet]

Dornes, Martin, 1993. Der kompetente Säugling. Die präverbale Entwicklung des Menschen. Frankfurt: Fischer. ISBN 978-3-596-11263-0

Hawellek, Christian, 1997. Von der Kraft der Bilder. In: Systhema, 11(2), S. 13–18.

Oevreeide, Haldor und Reidun Halfstad, 1996. The MarteMeo Method and developmental supportive dialogues. Harderwijk: Aarts Production. ISBN 90-75455-03-8

Papouŝek, Mechthild, 1994. Vom ersten Schrei zum ersten Wort: Anfänge der Sprachentwicklung in der vorsprachlichen Kommunikation. Bern: Huber. ISBN 978-3-456-82496-3

Sirringhaus-Bünder, Annegret und Peter Bünder, 2001. Entwicklungsfördernde Dialoge: Die Nutzung von Video in der MarteMeo-Arbeit mit problem-belasteten Familien im Rahmen von Sozialpädagogischer Familienhilfe (SPFH). In: Sozial extra, 25(6), S. 10-16

Stern, Daniel, 1992. Die Lebenserfahrung eines Säuglings. Stuttgart: Klett-Cotta. ISBN 978-3-608-95687-0

Winnicott, Donald W., 1974. Reifungsprozesse und fördernde Umwelt. München: Kindler. ISBN 978-3-463-00602-4

11 Literaturhinweise

Berther, Claudia und Therese Niklaus Loosli, 2015. Die Marte Meo Methode. Ein bildbasiertes Konzept unterstützender Kommunikation für Pflegeinteraktionen. Bern: Hogrefe. ISBN 978-3-456-85532-5 [Rezension bei socialnet]

Hawellek, Christian, 2012. Entwicklungsperspektiven öffnen: Grundlagen beobachtungsgeleiteter Beratung nach der Marte-Meo-Methode. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-40217-7

12 Informationen im Internet

AutorInnen
Dipl. Soz.-Arb. Annegret Sirringhaus-Bünder
Lehrende für systemische Beratung und Therapie (DGSF), systemische Supervisorin (DGSF), NLP- Lehrtrainerin (DVNLP), seit 1985 freiberuflich tätig in den Bereichen systemische Beratung und Therapie, Fort- und Weiterbildung, Supervision und Coaching.
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Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Es gibt 2 Lexikonartikel von Annegret Sirringhaus-Bünder.
Es gibt 2 Lexikonartikel von Peter Bünder.


Zitiervorschlag
Sirringhaus-Bünder, Annegret und Peter Bünder, 2018. MarteMeo [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 13.08.2018 [Zugriff am: 12.12.2019]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/MarteMeo

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AutorInnen

Dipl. Soz.-Arb. Annegret Sirringhaus-Bünder
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Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
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veröffentlicht am 13.08.2018

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