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Moderation

Ulrich Dauscher

veröffentlicht am 26.08.2020

Weitere Bedeutung: Moderation einer Radio-/Fernsehsendung

Etymologie: lat. moderatio Leitung

Englisch: facilitation

Moderation im Sinne einer Gruppenmoderation ist das Steuern von Gruppenprozessen mit dem Ziel, die Beteiligten im gemeinsamen Erarbeiten von Ergebnissen zu unterstützen.

Der Begriff „Moderation“ wird darüber hinaus verwendet für die Leitung durch eine Veranstaltung, bei der die Unterhaltung im Vordergrund steht. Dies ist nicht Gegenstand dieses Artikels.

Überblick

  1. 1 Hintergrund und Varianten
  2. 2 Pfeiler der Moderation
    1. 2.1 Der Moderator bzw. die Moderatorin
    2. 2.2 Visualisierung der Inhalte
    3. 2.3 Frage-/​Antworttechniken
  3. 3 Quellenangaben
  4. 4 Literaturhinweise

1 Hintergrund und Varianten

Die Grundgedanken der Moderation entstanden in den 1960er- und 1970er-Jahren unabhängig voneinander an mehreren Stellen. Gesucht waren Instrumente, die effiziente und befriedigende Beteiligung ermöglichten: In Veränderungsprozessen in der Wirtschaft ebenso wie in gesellschaftlichen, politischen Prozessen. Im deutschsprachigen Raum entwickelten sich in diesem Zusammenhang nahezu zeitgleich zwei Moderationsansätze, die Moderationsmethode und die Zukunftswerkstatt.

In den 1980er- und 1990er-Jahren entstanden in den USA Ansätze der Moderation großer Gruppen, die bald auch in Europa eingesetzt wurden. Schnell bekannt wurden Open Space Technology und Zukunftskonferenz (Future Search). Auch Appreciative Inquiry und World Café bereicherten bald die Auswahl an Moderationsverfahren.

Mit Ausnahme der Moderationsmethode haben alle genannten Ansätze einen vorgegebenen Ablauf, damit auch eine eigene Dynamik in der gemeinsamen Arbeit. Die Moderationsmethode ist prinzipiell im Ablauf offen, auch wenn häufig auf Standardstrukturen wie den Moderationszyklus nach Seifert (Seifert 1997, S. 88) zurückgegriffen wird.

Die wachsenden technischen Möglichkeiten, insbesondere die größere Bandbreite und Übertragungsgeschwindigkeit im World Wide Web, ermöglichten ab den 2000ern auch Online-Moderationen. Diese Moderationsform breitete sich angesichts der Kontakteinschränkungen während der Covid-19-Pandemie stark aus.

Moderation wird heute in Beteiligungsprozessen ebenso eingesetzt wie im Bildungsbereich. Grundlegend ist, dass die Beteiligten prinzipiell das Wissen bzw. die Ressourcen haben, um die Inhalte gemeinsam zu erarbeiten.

2 Pfeiler der Moderation

Moderation beruht auf drei Pfeilern:

  1. der Rolle des Moderators bzw. der Moderatorin
  2. der Visualisierung der Inhalte
  3. Frage-/​Antworttechniken, mit denen im Prozess gearbeitet wird.

Normalerweise wird der Ablauf einer Moderation vorgeplant und bei Bedarf im Verlauf angepasst. Moderation ohne vorgeplante Struktur ist möglich, aber selten effizient.

2.1 Der Moderator bzw. die Moderatorin

Moderiert werden Gruppen von einer oder mehreren Personen. Diese sind inhaltlich nicht beteiligt, sondern unterstützen die Gruppe darin, zu einem gemeinsam erarbeiteten und getragenen Ergebnis zu kommen. Je nach Situation gehört dazu

  • den organisatorischen Rahmen zu gestalten,
  • den Ablauf zu planen und durch ihn zu führen
  • die Gruppe methodisch zu unterstützen
  • Ungeplantes bzw. Störungen in der gemeinsamen Arbeit sichtbar zu machen und Lösungen dafür finden zu lassen.

Sind der Moderator bzw. die Moderatorin inhaltlich beteiligt, so besteht die Gefahr, dass die Gruppe der Neutralität der Moderation misstraut. Inhaltlich Beteiligte sollten daher nur moderieren, wenn sie ihre Rollen klar trennen können. Vorgesetzte können z.B. Workshops mit ihren Teams dann moderieren, wenn

  • das Team ihnen grundsätzlich vertraut
  • der Entscheidungsspielraum des Teams vorher festgelegt ist und
  • die Rollen „Moderation“ und „Führungskraft“ innerhalb des Workshops deutlich sichtbar getrennt werden.

2.2 Visualisierung der Inhalte

In Moderationen werden alle wesentlichen Inhalte für alle sichtbar visualisiert. Das hat mehrere Vorteile gegenüber rein mündlicher Arbeit:

  • Die Beteiligten können sich auf das konzentrieren, was gerade besprochen wird. Sie müssen nicht im Gedächtnis behalten, was sie zu anderen Themen noch sagen möchten oder was irgendwann schon gesagt wurde – alles ist sichtbar.
  • Damit werden die Beteiligten enorm entlastet. Müdigkeit, Konzentrationsstörungen usw. nehmen ab.
  • Der rote Faden der Diskussion ist sichtbar. Jeder weiß, was bereits besprochen wurde und was wann noch kommt.
  • Visualisierte Informationen können leicht strukturiert werden.

Normalerweise besteht die Visualisierung vor allem aus schriftlich festgehaltenen Stichpunkten. Je nach Situation können aber auch Skizzen u.ä. verwendet werden.

2.3 Frage-/​Antworttechniken

Die Frage- und Antworttechniken sind Verfahren, um mithilfe der Visualisierung den Austausch innerhalb der Gruppe zu ermöglichen. Beispiele sind:

  • Die Kartenabfrage: Die Beteiligten schreiben Antworten auf eine Frage („Worüber sollten wir heute hier sprechen?“) auf Kärtchen bzw. Zettel, und zwar je Zettel nur einen Stichpunkt. Die Antworten können geclustert werden, indem inhaltlich ähnliche Punkte neben- bzw. untereinander platziert werden. Bei Bedarf kann anschließend mit Strichen oder Klebepunkten ein Meinungsbild zu einer Gewichtungsfrage erstellt werden („Was sollten wir heute vordringlich besprechen?“).
  • Kleingruppenarbeit: Zum tiefergehenden Bearbeiten von Inhalten teilt sich die Gruppe in mehrere Kleingruppen auf, die je ein Teilthema bespricht, das Ergebnis visualisiert und später im Plenum vorstellt. Zur Unterstützung der Arbeit bekommen die Kleingruppen Leitfragen, die die Arbeit strukturieren und erleichtern.
  • Der Maßnahmenplan: Zum Festhalten von Ergebnissen wird ein Plakat erstellt, auf dem unter den Überschriften „Was? – Wer? – Wie? – Bis wann?“ alle Absprachen festgehalten und dokumentiert werden.

3 Quellenangaben

Seifert, Josef W., 1997. Visualisieren – Präsentieren – Moderieren. 10. Auflage. Offenbach: Gabal Verlag. ISBN 978-3-930799-00-8

4 Literaturhinweise

Klebert, Karin, Einhard Schrader und Walter Straub, 1987. ModerationsMethode. 3. Auflage. Hamburg: Windmühle, Verlag und Vertrieb von Medien. ISBN 978-3-922789-18-5
Das Grundlagenbuch zur Moderationsmethode.

Seifert, Josef W., 1997. Visualisieren – Präsentieren – Moderieren. 10. Auflage. Offenbach: Gabal Verlag. ISBN 978-3-930799-00-8
Das verbreitetste Buch zur Moderation(smethode). Kurze und übersichtliche Darstellung.

Dauscher, Ulrich, 2006. Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt. Mit einem Beitrag von Carole Maleh. 3., überarb. und erw. Auflage. Augsburg: ZIEL. ISBN 978-3-937210-52-0 [Rezension bei socialnet]
Ausführliche Darstellung von Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt, von Carole Maleh ergänzt mit einem Überblick zu Großgruppenmethoden.

Autor
Ulrich Dauscher
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Zitiervorschlag
Dauscher, Ulrich, 2020. Moderation [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 26.08.2020 [Zugriff am: 25.11.2020]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Moderation

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