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Motopädin, Motopäde

Prof. Dr Joseph Richter-Mackenstein

veröffentlicht am 01.07.2026

Etymologie: lat. movere bewegen, gr. paideuein erziehen

Englisch: motopedist

Motopädinnen und Motopäden sind staatlich geprüfte oder anerkannte Fachkräfte, die Menschen über die gesamte Lebensspanne in ihrer Entwicklung begleiten, fördern und therapieren. Diese psychomotorische Arbeit erfolgt mittels Bewegung und Körperarbeit.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Fachliche Grundlagen
  3. 3 Geschichtliche Entwicklung
  4. 4 Bezeichnungen
  5. 5 Berufsfelder, Tätigkeiten und Arbeitsplätze
  6. 6 Ausbildung
  7. 7 Weiterqualifizierung und Berufsorganisation
  8. 8 Quellenangaben
  9. 9 Informationen im Internet

1 Zusammenfassung

Motopädie ist ein im deutschsprachigen Raum entstandenes Berufsfeld, das sich aus der Psychomotorik heraus entwickelt hat. Die Berufsbezeichnung hat ihre Wurzeln in den 1970er-Jahren, als in Dortmund und Neustadt erste Fachschulen für Motopädie und Mototherapie gegründet wurden. Nach Jahren der Umstrukturierung hat sich heute die Zusatzausbildung als einzige Ausbildungsform etabliert, die aktuell in Nordrhein-Westfalen angeboten wird.

Die Ausbildung qualifizierte ursprünglich psychomotorische Fachkräfte speziell für Kinder. Heute arbeiten Absolvent:innen als pädagogische/​therapeutische Fachkräfte für Psychomotorik über die gesamte Lebensspanne. Die Ausbildung umfasst Bereiche wie Psychomotorik, Motodiagnostik, Sonderpädagogik und Praxisfelder der Sensomotorik.

In Deutschland existieren drei berufsqualifizierte Fachkräftegruppen: staatlich geprüfte oder anerkannte Motopäd:innen, Mototherapeut:innen sowie Motolog:innen. Die begriffliche Vielfalt geht auf historisch unterschiedlich gewachsene Qualifikationsebenen zurück.

Typische Tätigkeitsfelder umfassen Frühförderung, Schule, Rehabilitation, Jugendhilfe sowie Prävention und Altenarbeit. Berufsverbandlich sind Motopäd:innen und Mototherapeut:innen im Deutschen Berufsverband der Motopäd:innen/​Mototherapeut:innen (DBM e.V.) organisiert.

2 Fachliche Grundlagen

Unter Motopädie wird eine berufsspezifische Tätigkeit der bewegungs-, körper‑ und wahrnehmungsorientierten Entwicklungsbegleitung, ‑förderung und ‑therapie von Menschen über die gesamte Lebensspanne verstanden (Deutscher Berufsverband der MotopädInnen/​MototherapeutInnen DBM e.V. o.J.). Diese wird von speziell ausgebildeten Fachkräften wie staatlich geprüften oder anerkannten Motopäd:innen/​Mototherapeut:innen durchgeführt (ebd.). Handlungsgrundlage und damit Ausgangspunkt ist die Psychomotorik sowohl als Idee für das Zusammenspiel von Körper und Geist, als auch als eine, diesem Begriff entsprechend konkretisierte Praxis. Die zur Motopädie gehörige Fachwissenschaft ist die Motologie. In Abbildung 1 ist dieses Verhältnis der drei Ebenen dargestellt.

Motopädin, Motopäde
Abbildung 1: Verhältnis von Motopädie, Motologie und Psychomotorik (eigene Darstellung)

3 Geschichtliche Entwicklung

Im Zuge von Professionalisierungsbestrebungen sowie des Strebens nach stärkerer Verwissenschaftlichung und letztlich nach Etablierung der Psychomotorik wurde 1976 eine Fachschule mit dreijährig grundständiger Ausbildung zur/zum Mototherapeutin/​Mototherapeuten in Neustadt gegründet. 1977 folgte eine Fachschule mit einer ein‑ bis zweijährigen Zusatzausbildung (Vollzeit bzw. Teilzeit) zur/zum Motopädin/Motopäden in Dortmund. Mototherapeut:innen sollten hierbei Angebote psychomotorischer Therapie für Menschen über die gesamte Lebensspanne anbieten, während Motopäd:innen von Kiphard (2009) zuerst als psychomotorische Fachkräfte speziell für Kinder gedacht waren.

Der Ausbildungsgang Mototherapie wurde bereits 1981 wieder eingestellt (Burmeister 2015). Die Ausbildung in Dortmund war bis 1996 – mit Ausnahme der Fachschule für Motopädagogik in Neumünster, welche zwischen 1995 und ca. 2015 zur/zum staatlich geprüften Motopädagogin/​Motopädagogen ausbildete – die einzige Ausbildungsmöglichkeit. Sie galt mit Beginn der 2000er-Jahre als Vorbild für die heute existierenden Ausbildungsgänge in Deutschland.

Mit der neuerlichen Aufnahme grundständiger Ausbildungen zu staatlich geprüften oder anerkannten Motopäd:innen/​Mototherapeut:innen zwischen 1996 und 2002 wurde insgesamt eine Umstrukturierung der Ausbildungsgänge erreicht. Motopäd:innen gelten seitdem als pädagogische/​therapeutische Fachkräfte für Psychomotorik über die gesamte Lebensspanne (Steinig 2011).

Mit einer Kultusministerkonferenz um das Jahr 2000 und durch Treffen der bis dahin existierenden Fachschulen wurde eine Ausbildungsform ab 2003 festgelegt: die „Zusatzausbildung“ nach dem Dortmunder Modell. Diese Ausbildungsform hat bis heute Bestand und wurde seit 2013 nur um den Bachelorstudiengang „Interdisziplinäre Physiotherapie/​Motologie/​Ergotherapie“ in Emden ergänzt.

Nach Jahren hoher Fluktuation im Entstehen und Einstellen von Ausbildungsmöglichkeiten in Motopädie/Mototherapie (Thüringen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen) ist es aktuell nur noch in Nordrhein-Westfalen möglich, die Ausbildung zu absolvieren.

4 Bezeichnungen

Die begriffliche Vielfalt ist unter anderem auf die historisch bedingten und unterschiedlich gewachsenen Qualifikationsebenen zurückzuführen. Während in anderen Ländern in der Regel nur eine Berufsgruppe existiert (Psychomotoriker:innen bzw. Psychomotoriktherapeut:innen), gibt es in Deutschland in der Regel drei:

  1. (staatlich geprüfte/staatlich anerkannte) Motopäd:innen
  2. (staatlich geprüfte/staatlich anerkannte) Mototherapeut:innen
  3. Motolog:innen (Dipl./MA/BA).

Da es den Gründer:innen der „psychomotorischen Idee“ (Seewald 1993) in Deutschland wichtig war, diese möglichst breit in Gesellschaft, Pädagogik und Therapie zu tragen (Fischer 2019; Reichenbach 2010; Kuhlenkamp 2017), wurden seit Mitte der 1970er-Jahre zudem Weiterbildungs‑ und Weiterqualifikationsangebote, unter anderem über den AKP e.V., angeboten. Diese qualifizierten zum Beispiel in Psychomotorik, psychomotorischer Erziehung, Motopädagogik und Mototherapie.

Daneben etablierten sich einige Studiengangsschwerpunkte (u.a. in Hannover in „sonderpädagogischer Psychomotorik“ oder in Leipzig in „Systemischer Motopädie“), welche mit Zertifikaten abgeschlossen werden konnten. Wichtig anzumerken ist jedoch, dass ausschließlich staatlich geprüfte oder anerkannte Motopäd:innen/​Mototherapeut:innen sowie Motolog:innen berufsqualifizierte Fachkräfte für Psychomotorik sind.

5 Berufsfelder, Tätigkeiten und Arbeitsplätze

Typische Einsatzbereiche für Motopäd:innen sind:

Typische Arbeitsplätze finden sich bei:

  • Freien Trägern der Jugendhilfe
  • Kliniken, Praxen, Rehaeinrichtungen
  • Schulen, Kitas, heilpädagogischen Einrichtungen
  • kommunalen Stellen, Vereinen

6 Ausbildung

Die Ausbildung zur/zum staatlich geprüften oder anerkannten Motopädin/Motopäden umfasst 1200 Stunden und ist in einen fachrichtungsbezogenen, einen fachrichtungsübergreifenden sowie einen Differenzierungsbereich aufgeteilt.

Inhaltlich umfasst sie ein breites Spektrum:

  • Motopädische Arbeitsweisen
  • Didaktik
  • Psychologie
  • Sonderpädagogik
  • Praxisfelder der Sensomotorik, Psychomotorik und Entspannung
  • Motodiagnostik

Ergänzend werden medizinisch-psychologische Grundlagen, Politik und Gesellschaft, Deutsch und Kommunikation sowie Englisch vermittelt.

Der Differenzierungsbereich erlaubt vertiefende Schwerpunkte, etwa Systemische Beratung, Motogeragogik, Basale Stimulation, Snoezelen oder integrative Bewegungstherapie.

Zentrale Elemente der Ausbildung sind projektorientierte Arbeitsformen zu aktuellen Themenfeldern, vielfältige Lernarrangements mit starkem Praxisbezug sowie ein Verständnis von Lernen, das auf sinnlicher Erfahrung, Wissensaustausch, Spannung-Entspannung-Wechseln und dem eigenständigen Konstruieren bewegungsbezogener Konzepte basiert.

Die angeleitete motopädische Praxis erfolgt in Kleingruppen, mit kontinuierlicher Beratung, begleitendem Praktikum und der Entwicklung eines eigenen professionellen Handlungskonzepts, das durch Praxisbesuche und Reflexionsprozesse unterstützt wird.

Die Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung sind

  • eine dreijährige Ausbildung im Sozial‑ und Gesundheitswesen oder als Sport‑ beziehungsweise Gymnastiklehrer:in
  • mindestens 1 Jahr Berufserfahrung
  • eine sportliche, tänzerische, rhythmische oder psychomotorische Qualifikation (kann begleitend erlangt werden)

7 Weiterqualifizierung und Berufsorganisation

Es gibt die Möglichkeit eines ausbildungsintegrierten Bachelorstudiengangs in Kooperation mit der Hochschule Emden/Leer („Interdisziplinäre Physiotherapie – Motologie – Ergotherapie“).

Berufsverbandlich sind Motopäd:innen und Mototherapeut:innen über den Deutschen Berufsverband der Motopäd:innen/​Mototherapeut:innen DBM e.V. organisiert.

8 Quellenangaben

Burmeister, Hans A., 2015. Spurensuche in der Psychomotorik. In: Ignaz Roob, Hrsg. Spurensuche: Psychomotorische Schätze neu entdecken. Marburg. wvpm-Verlag, S. 21–66. ISBN 978-3-944254-04-3

Deutscher Berufsverband der MotopädInnen/​MototherapeutInnen DBM e.V. [ohne Jahr]. Motopädie [online]. Dortmund: Deutscher Berufsverband der MotopädInnen/​MototherapeutInnen DBM e.V., 2016 [Zugriff am: 23.06.2026]. Verfügbar unter: https://www.motopaedie-verband.de/infos-motopaedie/​motopaedie

Fischer, Klaus, 2019. Einführung in die Psychomotorik. 4. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. München: Ernst-Reinhard-Verlag. ISBN 978-3-8252-4802-4 [Rezension bei socialnet]

Kiphard, Ernst J., 2009. Motopädagogik. 10. Auflage. Dortmund: Verlag modernes Lernen. ISBN 978-3-8080-0486-9

Kuhlenkamp, Stefanie, 2017. Lehrbuch Psychomotorik. München: Ernst Reinhardt Verlag. ISBN 978-3-8252-8717-7 [Rezension bei socialnet]

Reichenbach, Christina, 2010. Psychomotorik. München: Ernst Reinhardt Verlag. ISBN 978-3-8252-3046-3

Seewald, Jürgen, 1993. Entwicklungen in der Psychomotorik. In: Praxis der Psychomotorik. 18(4), S. 188–193. ISSN 0170-060X

Steinig, Lars, 2011. Mototherapie in der Erwachsenenpsychiatrie. In: Praxis der Psychomotorik. 36(4), S. 221–224. ISSN 0170-060X

9 Informationen im Internet

Verfasst von
Prof. Dr Joseph Richter-Mackenstein
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Klaus M. Beier, Maximilian von Heyden: Das tabuisierte eine Prozent. Vandenhoeck & Ruprecht Brill Deutschland GmbH (Göttingen) 2025.
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