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NUBBEK

Abkürzung von: Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit

NUBBEK untersuchte 2010 bundesweit die familiale und außerfamiliale Betreuungssituation von 2- und 4-jährigen Kindern in Deutschland.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Untersuchungsfragen
  3. 3 Anlage von NUBBEK
  4. 4 Hauptergebnisse
  5. 5 Ausblick
  6. 6 Quellenangaben
  7. 7 Literaturhinweise
  8. 8 Informationen im Internet

1 Zusammenfassung

Der folgende Beitrag beschreibt die Nationale Untersuchung zu Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit – NUBBEK, die 2010 bundesweit die familiale und außerfamiliale Betreuungssituation von 2-jährigen und 4-jährigen Kindern in Deutschland untersucht hat (Tietze et al. 2013). Die Untersuchung wurde von einem Konsortium unter Federführung von PädQuis gGmbH durchgeführt: Deutsches Jugendinstitut München, Forschungsgruppe Verhaltensbiologie Kandern, Staatsinstitut für Frühpädagogik München, Universität Bochum, Universität Osnabrück – nifbe, PädQuis gGmbH Berlin, Sozio-oekonomisches Panel DIW Berlin (assoziiertes Mitglied). Sie wurde finanziell von Ministerien und Stiftungen unterstützt. Hauptergebnisse: Die Qualität der Anregungen, die die Kinder in den untersuchten Betreuungsformen erfuhren, lag nur auf einem mittleren Niveau, und sie war nur zum Teil abhängig von den Rahmenbedingungen, unter denen die Betreuung stattfand. Dennoch aber waren gute Anregungsbedingungen mit einem besseren Entwicklungsstand der Kinder in verschiedenen Entwicklungsbereichen verbunden. Da sich die außerfamiliale Kindertagesbetreuung seit 2010 erheblich verändert hat, wird abschließend dafür plädiert, in nächster Zukunft eine Neuauflage von NUBBEK durchzuführen.

2 Untersuchungsfragen

Im Zentrum der Untersuchung stand eine bundesweite Bestandsaufnahme darüber, welche Anregungsqualitäten die beteiligten Kinder zu Hause und in ihren außerfamilialen Betreuungssettings erfahren, wovon diese Anregungsqualitäten abhängen und wie sie sich auf den kindlichen Entwicklungsstand in verschiedenen Bereichen auswirken, und zwar

  • kognitiv-leistungsbezogen
  • sozial-emotional und
  • auf die Bewältigung von Lebenssituationen.

3 Anlage von NUBBEK

NUBBEK war als Querschnittsstudie angelegt, die die pädagogische Qualität in verschiedenen Betreuungssettings untersuchte. Bei der Betreuung in einer Kindertageseinrichtung wurden folgende Gruppentypen unterschieden:

  • Krippengruppen (nur Kinder unter 3 Jahren)
  • Kindergartengruppen (Kinder ab 3 Jahre bis Schulbeginn) und
  • altersgemischte Gruppen (Definition auf Gruppenebene, nicht auf Einrichtungsebene).

Bei den 2-jährigen Kindern wurden

  • Kinder in Kindertageseinrichtungen
  • Kinder in Tagespflege und
  • nur Familienkinder (weniger als 10 Stunden außerfamiliale Betreuung pro Woche)

einbezogen.

Pädagogische Qualität in den verschiedenen Betreuungssettings umfasst dabei die Qualität der Rahmenbedingungen. In den Familien sind dies z.B.

Bei den Einrichtungen z.B.

  • Qualifikation, Alter und Berufserfahrung der Fachkräfte
  • Gruppengröße und Alterszusammensetzung der Gruppe
  • die Qualität der Orientierungen (z.B. Einstellungen, Überzeugungen und Vorstellungen bezüglich kindlicher Entwicklung und Bildung) und
  • die Qualität der pädagogischen Prozesse, d.h. die Gesamtheit der pädagogischen Interaktionen.

Als gute Prozessqualität gilt eine solche, bei der die Kinder entwicklungsangemessene Stimulationen erhalten, eine ermutigende Haltung gegenüber der individuellen emotionalen Entwicklung der Kinder gegeben ist, die Kinder sicher betreut werden und eine gesundheitsfördernde Betreuung gewährleistet ist und in der ein positives Interaktionsklima mit Erwachsenen und anderen Kindern gegeben ist.

Untersucht wurden deutschlandweit 1.956 Kinder und ihre Familien (davon 528 mit türkischem oder russischem Migrationshintergrund):

  • bei den 2-jährigen Kindern: 187 Kinder in altersgemischten Gruppen, 377 Kinder in Krippengruppen, 240 Kinder in Kindertagespflege und 438 Kinder nur in Betreuung in der eigenen Familie.
  • bei den 4-jährigen Kindern: 446 Kinder in Kindergartengruppen und 268 Kinder in altersgemischten Gruppen.

Eingesetzt wurden in den Familien und außerfamilialen Betreuungssettings erprobte Fragebogenverfahren und Beobachtungsinstrumente der pädagogischen Qualität sowie Testungen der Kinder.

4 Hauptergebnisse

Es kann an dieser Stelle nicht auf Einzelergebnisse eingegangen werden, vielmehr soll ein übergreifendes Gesamtbild gezeichnet werden:

  • In Kindertageseinrichtungen ist im Jahr 2010 die Anregungsqualität in Krippengruppen, Kindergartengruppen und altersgemischten Gruppen nur mittelmäßig: Die Anregungsqualität hat sich dabei seit einer vorherigen Untersuchung in den Jahren 1993/94 (Tietze et al. 2005) trotz der enormen Expansion in diesem Zeitraum kaum geändert, also auch nicht verschlechtert. Eine nur mittelmäßige Qualität kann aber nicht als zufriedenstellend angesehen werden.
  • Die beobachtbare Anregungsqualität in Kindergartengruppen hängt nur zum Teil und eher gering von den Rahmenbedingungen ab. Ein Beispiel: Die Anregungsqualität ist leicht höher bei größeren Gruppen (!), bei einem günstigeren Personal-Kind-Schlüssel und bei einem geringeren Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund. Die geringen Zusammenhänge können auch wie folgt interpretiert werden: Auch bei guten Strukturmerkmalen kann eine schlechte Qualität der pädagogischen Prozesse realisiert werden bzw. auch unter eingeschränkten Strukturmerkmalen kann eine gute Qualität der pädagogischen Prozesse realisiert werden.
  • Eine gute Qualität in den Gruppen in Kindertageseinrichtungen hängt mit einem besseren Entwicklungsstand der Kinder in verschiedenen Entwicklungsbereichen zusammen. Bei dem damals gegebenen eher nur mittelmäßigen Qualitätsniveau deuten sich aber keine kompensatorischen Zusammenhänge an, nach denen besonders Kinder aus benachteiligten Familien von einer guten Qualität profitieren, wie oftmals gehofft wird. Es kann aber vermutet werden, dass sich solche kompensatorischen Zusammenhänge bei einer insgesamt höheren pädagogischen Qualität zeigen würden.
  • Nicht überraschend: Die Merkmale der Familien der Kinder sind im Hinblick auf den kindlichen Entwicklungsstand deutlich bedeutsamer als Merkmale der untersuchten außerfamilialen Betreuungssettings.

5 Ausblick

NUBBEK hat 2010 eine bedeutsame bundesweite Bestandsaufnahme zur Bildung, Erziehung und Betreuung in der frühen Kindheit in Familien, Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege geleistet. Diese hat die unterschiedlichen Lebensbedingungen in Deutschland berücksichtigt. Schon zu diesem Zeitpunkt bestand eine hohe Dynamik im Kinderbetreuungssystem, die sich seit 2010 allerdings noch deutlich erhöht hat. Es soll hier nur hingewiesen werden auf:

  • den erheblichen Ausbau von Plätzen in der öffentlichen Kindertagespflege und insbesondere in Kindertageseinrichtungen für unter 3-jährige Kinder und die dadurch auch gestiegenen Nutzungsquoten. 2010 befanden sich 23,1 % aller unter 3-jährigen Kinder in Kindertagesbetreuung, 2017 mit 33,1 % jedes dritte Kind; die überwiegende Mehrheit davon (jeweils 85 %) in Kindertageseinrichtungen (Konsortium Bildungsberichterstattung 2018, Indikator C3-6web).
  • den enormen Zuwachs des pädagogischen Personals. 2010 waren 359.454 Personen als pädagogisches Personal in Kindertageseinrichtungen beschäftigt, 2017 bereits 556.198 Personen (Konsortium Bildungsberichterstattung 2018, Indikator C4-5web). Dennoch gibt es bis 2025 voraussichtlich einen Fehlbedarf an Fachkräften. Der Nationale Bildungsbericht schätzt den Fehlbedarf auf etwa 300.000 Fachkräfte (Konsortium Bildungsberichterstattung 2018, S. 80 f.). Möglichkeiten, dem Fehlbedarf entgegenzuarbeiten, sind z.B. die berufsbegleitende und praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher oder die Gewinnung von QuereinsteigerInnen.
  • die Durchführung von breit angelegten Bundesprogrammen speziell zur alltagsintegrierten sprachlichen Bildung in Kindertageseinrichtungen: das Bundesprogramm „Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“, das von 2011 bis 2015 durchgeführt wurde, und das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“, das von 2016 bis 2020 durchgeführt wird.
  • das am 01.01.2019 in Kraft getretene Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung, das sogenannte „Gute-KiTa-Gesetz“. Mit diesem Gesetz unterstützt der Bund die Länder dabei, die Qualität in Kindertageseinrichtungen zu verbessern. Die Länder können aus verschiedenen Maßnahmen auswählen. In der Regel handelt es sich bei den Maßnahmen um Verbesserungen in der Strukturqualität und nicht in direkten Verbesserungen der pädagogischen Prozessqualität, die man sich aber von der verbesserten Strukturqualität erhofft.

Bei all diesen Entwicklungen ist davon auszugehen, dass sie sich auf die Nutzung der öffentlichen Kindertagesbetreuung ebenso auswirken wie auf die pädagogische Qualität in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege, die Abhängigkeiten der Prozessqualitäten von Rahmenbedingungen und die Auswirkungen der Qualitäten auf die verschiedenen Bereiche der kindlichen Entwicklung. Es ist daher sinnvoll, in nächster Zeit eine neue NUBBEK-Studie aufzulegen, um die heutige Situation, Stabilitäten und Veränderungen gegenüber 2010 zu analysieren. Die NUBBEK-Studie von 2010 war eine Querschnittstudie, die nur Aussagen zu dem Entwicklungsstand der Kinder zu einem bestimmten Zeitpunkt zulässt. Um aber Entwicklungen in verschiedenen Bereichen selbst betrachten zu können, sollte eine neue NUBBEK-Studie eine Längsschnittkomponente enthalten, in der die Entwicklung der Kinder über mehrere Jahre verfolgt wird.

6 Quellenangaben

Konsortium Bildungsberichterstattung, Hrsg., 2018. Bildung in Deutschland 2018: Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Wirkungen und Erträgen von Bildung. Bielefeld: wbv Publikation. ISBN 978-3-7639-5964-8

Tietze, Wolfgang, Fabienne Becker-Stoll, Joachim Bensel, Andrea G. Eckhardt, Gabriele Haug-Schnabel, Bernhard Kalicki und Heidi Keller, Hrsg., 2013. Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit (NUBBEK). Weimar: Verlag das netz. ISBN 978-3-8689-2026-0

Tietze, Wolfgang, Hans G. Roßbach und Katja Grenner, 2005. Kinder von 4 bis 8 Jahren: Zur Qualität der Erziehung und Bildung in Kindergarten, Grundschule und Familie. Weinheim: Beltz. ISBN 978-3-407-56280-7 [Rezension bei socialnet]

7 Literaturhinweise

Tietze, Wolfgang, Fabienne Becker-Stoll, Joachim Bensel, Andrea G. Eckhardt, Gabriele Haug-Schnabel, Bernhard Kalicki und Heidi Keller, Hrsg., 2013. Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit (NUBBEK). Weimar: Verlag das netz. ISBN 978-3-8689-2026-0

8 Informationen im Internet

Autor
Prof. Dr. Hans-Günther Roßbach
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Es gibt 1 Lexikonartikel von Hans-Günther Roßbach.


Zitiervorschlag
Roßbach, Hans-Günther, 2020. NUBBEK [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 09.03.2020 [Zugriff am: 09.04.2020]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/NUBBEK

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Autor

Prof. Dr. Hans-Günther Roßbach
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veröffentlicht am 09.03.2020

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