Partizipation
Judith Rieger
veröffentlicht am 30.04.2025
In der Sozialen Arbeit ist Partizipation als ein Handlungsprinzip zur Übertragung von Macht zu verstehen. Adressat:innen werden dabei in die Lage versetzt, Entscheidungen zu beeinflussen, die üblicherweise von professionellen und institutionellen Vorgaben dominiert werden. Mit Partizipation wird auf das strukturelle Machtgefälle in Hilfesettings reagiert. In diesem machtsensiblen Verständnis dient Partizipation als Korrektiv zur Selbstbezogenheit aller Akteur:innen, die soziale Hilfe und Kontrolle verantworten.
Überblick
- 1 Zusammenfassung
- 2 Zur Begriffsgeschichte
- 3 Zum Begriffsgehalt von Partizipation in der Sozialen Arbeit
- 4 Konkurrierende Begriffsauslegungen von Partizipation
- 5 Umsetzung von Partizipation
- 6 Rechtliche Grundlagen am Beispiel der Kinder- und Jugendhilfe
- 7 Gründe für Partizipation
- 8 Spannungsfelder
- 9 Partizipation in der Komplexität ihrer Handlungsvollzüge
- 10 Quellenangaben
- 11 Literaturhinweise
- 12 Informationen im Internet
1 Zusammenfassung
Der Begriff Partizipation wurde in der Sozialen Arbeit aus der Politikwissenschaft adaptiert. Ende der 1960er-Jahre kommt in der Sozialen Arbeit die Forderung nach Partizipation auf. Partizipation wird damals als Mittel verstanden, um Machtmissbrauch und institutionelle Gewalt in der traditionellen Anstalts- und Heimerziehung zu überwinden. Mittlerweile wird die Notwendigkeit von Partizipation in der Sozialen Arbeit vor allem mit demokratie-, bildungs- und dienstleistungstheoretischen Argumenten begründet.
Heute zielt Partizipation nicht nur darauf, den Adressat:innen Einflussnahme auf relevante Entscheidungen im Hilfeprozess zu ermöglichen, sondern Partizipation wird auch immer bedeutsamer bei der Konzeption, Evaluation, Ausbildung und Forschung in der Sozialen Arbeit.
Der hohe Stellenwert, der Partizipation in der Sozialen Arbeit eingeräumt wird, ändert nichts an der Tatsache, dass die Umsetzung von Partizipation mit großen Herausforderungen verbunden ist. Mit dem Anspruch einer partizipativen Ausrichtung der Praxis entstehen und verschärfen sich Spannungsfelder, z.B. zur Vereinbarkeit von Diagnostik und Aushandlung, die beständig reflektiert werden müssen.
Soziale Arbeit übt sowohl einen Hilfs- als auch einen Kontrollauftrag aus und dient einerseits der Potenzialentfaltung und Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten, andererseits aber auch der Anpassung und Begrenzung von Autonomie. Obwohl Partizipation ursprünglich dazu eingesetzt werden sollte, demokratische Aushandlungsprozesse zu ermöglichen, kommt es häufig vor, dass als partizipativ bezeichnete Programme und Angebote der Sozialen Arbeit instrumentalisiert werden, um Beteiligungsprozesse so zu lenken, dass die Entscheidungsmacht in der Hand der Fachkräfte verbleibt. Partizipation wird zu Scheinpartizipation, wenn damit keine Ermächtigung der Adressat:innen erfolgt, sondern den Interessen von sozialen Einrichtungen und Trägern oder der staatlichen Steuerung dient.
2 Zur Begriffsgeschichte
Partizipation gilt heute als einer der handlungsfeldübergreifenden Leitbegriffe in der Sozialen Arbeit. Im 17. Kinder- und Jugendbericht wurde Partizipation erneut als zentrales Prinzip professioneller Hilfe hervorgehoben und bestätigt (BMFSFJ 2024, S. 66). Gleichzeitig wird der Begriff Partizipation oft konfus und plakativ verwendet. Häufig wird er unreflektiert und unkommentiert mit anderen Begriffen, wie Beteiligung, Mitbestimmung oder Teilhabe synonym gesetzt.
Um sich dem Begriff anzunähern, lohnt es sich daher, den etymologischen Ursprung des Wortes zu betrachten. „Participatio“ bzw. der lateinische Ausdruck „partem capere“ bedeutet übersetzt „einen Teil (weg-)nehmen“ bzw. „von etwas, was ein anderer hat, etwas abbekommen“. „Partem capere“ beginnt damit, dass Adressat:innen vermittelt wird, dass es auf ihre Sichtweise ankommt, dass sie einen entscheidenden Beitrag leisten und dass das bestehende Machtgefälle zu den Fachkräften reduziert werden kann, wenn Entscheidungen mit ihnen gemeinsam, statt für sie gefällt werden (Hansen et al. 2011, S. 25).
Der Begriff Partizipation stammt ursprünglich aus demokratietheoretischen Debatten. Politische Partizipation wurde verstanden als Instrument der „Erweiterung von traditionellen Teilhaberechten an Entscheidungen“ (Alemann 1975, S. 18). Auch in den Politikwissenschaften wurde der Begriff der politischen Partizipation häufig nicht trennscharf von anderen Begriffen, wie Mitbestimmung und Demokratisierung abgegrenzt. Alemann sah Demokratisierung „als Mittel zur Realisierung gesamtgesellschaftlicher Selbstbestimmung oder ‚realer‘ Demokratie“ (ebd.) an. Politische Partizipation und Demokratisierung würden sich in einem sehr breiten Aktivitätenspektrum ausdrücken: Zum einen als rechtlich verankerte, institutionalisierte politische Verfahren, die der politischen Kontrolle dienen, z.B. das Verfahren des Wählens (a.a.O., S. 19). Zum anderen als spontane bzw. wenig formalisierte zivilgesellschaftliche Aktionen, wie Bürgerinitiativen und gezielte Formen der „Gegenmachtbildung“, die zum Teil auch Regelverletzungen in Kauf nehmen, wie dies z.B. bei Hausbesetzungen der Fall sei (ebd.).
In der Sozialen Arbeit wird Partizipation ab Ende der 1960er-Jahre in Westdeutschland als Arbeitsprinzip zur Überwindung von Machtmissbrauch und institutioneller Gewalt im Kontext der Heimerziehung ein wichtiges Thema. Damals gründeten sich zahlreiche, regional- und sozialpolitisch agierende Basis-, Aktions- und Initiativgruppen, insbesondere in Hochschulstädten wie West-Berlin und Frankfurt am Main. Sie trafen sich, um konkret vor Ort Protestaktionen zu planen, die die paternalistische und repressive Tradition der Jugendfürsorge skandalisierten, und sie entwickelten und erprobten alternative Konzepte und Praxisprojekte.
Angeregt durch die „68er-Bewegung“, die obrigkeitsstaatliche Strukturen kritisierte und gegen Ungerechtigkeiten in kapitalistischen Gesellschaftsstrukturen protestierte, vollzog sich teilweise eine Politisierung im beruflichen Selbstverständnis. Im Sommer 1969 fand die sog. „Heimkampagne“ große Beachtung, bei der Mitglieder der Außerparlamentarischen Opposition (APO), Studierende, Sozialarbeiter:innen und Careleaver gemeinsam in Heimeinrichtungen auftauchten und mit den Heimverantwortlichen in konfliktreiche Verhandlungen eintraten, um die dortigen Lebensbedingungen zu verbessern.
In den 1970er-Jahren wurden in der Sozialen Arbeit soziale Probleme immer deutlicher in einen gesellschaftlichen Entstehungszusammenhang gestellt und ein menschlicher und partnerschaftlicher Umgang mit den Adressat:innen gefordert.
Unter dem Einfluss von Hans Thierschs Arbeiten der 1980er-Jahre wurde Partizipation in den 1990er-Jahren zu einer der wichtigsten Handlungs- und Strukturmaximen beruflichen Handelns in der Sozialen Arbeit.
Mit dem 1990 in Kraft getretenen Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) wurden Beteiligungsrechte von Kindern und Jugendlichen erstmals rechtlich kodifiziert. 1992 wurde zudem die UN-Kinderrechtskonvention von Deutschland ratifiziert, in der betont wird, dass jedem Kind das Recht und die Möglichkeit zur Partizipation eingeräumt werden müssen.
3 Zum Begriffsgehalt von Partizipation in der Sozialen Arbeit
In der Debatte um die Begriffsbestimmung von Partizipation wird immer wieder das Stufenmodell nach Sherry R. Arnstein rezipiert, das sie 1969 in ihrem Beitrag „A Ladder of Citizen Participation“ veröffentlichte. Arnstein stellte fest, dass unter dem Deckmantel des Begriffs Partizipation verschiedene Formen von Interventionen durchgeführt werden, die das „Ermächtigungsversprechen“ (Wagner 2023, S. 463), das mit Partizipation einhergeht, selten einlösen.
Arnstein definierte Partizipation sehr konsequent als Teilhabe der „have-not citizens“ (Arnstein 1969, S. 217) bzw. mindermächtigen Bürger:innen an Entscheidungsmacht. Davon grenzte sie jene Maßnahmen ab, die zwar als Partizipation bezeichnet würden, aber eigentlich auf die Durchsetzung staatlicher Steuerungsinteressen abzielten, wie die subtile Lenkung des Willens der Bürger:innen durch Formen „veranstaltete[r] Partizipation“ (Pigorsch 2025: 286).
Aufbauend auf die machtsensible Positionierung Arnsteins wird mit Partizipation der demokratische Anspruch verfolgt, das Recht von Menschen auf Selbstbestimmung zu wahren und verbindlich geregelte Einflussmöglichkeiten auf sie betreffenden Entscheidungen herzustellen (Urban-Stahl 2021, S. 636).
4 Konkurrierende Begriffsauslegungen von Partizipation
Während Arnstein die Übertragung von Entscheidungsmacht auf die Gruppe der „have-not citizens“ zum zentralen Definitions- und Abgrenzungskriterium gemacht hatte, wandeln und verschieben sich die Auslegungen des Begriffs im Laufe der Zeit immer wieder.
Ende der 1960er-Jahre wird Partizipation zunächst als normatives Prinzip der Demokratisierung und Emanzipation eingeführt. Diese herrschaftskritische Begriffsauslegung wird in der Praxis aber immer wieder ausgehöhlt und konterkariert. Es entwickelten sich vor allem sozialtechnokratische oder neoliberale Umdeutungen, mit denen völlig andere Zielsetzungen verfolgt werden.
Im Kontext der Verwaltungsreformbewegung der 1990er-Jahre wird Partizipation z.B. als ein technischer Managementstandard verstanden, der aus Gründen der Qualitäts- und Effektivitätssteigerung zur marktwirtschaftlichen Optimierung eingesetzt werden sollte.
Gegen Ende der 1990er Jahre wird das Motto des „Förderns und Forderns“ ausgerufen. Im Kontext dieser Aktivierungsdebatte wurden vermeintliche Partizipationsrechte zu Pflichten verkehrt. Die mindermächtigen Adressat:innen wurden hier in ihren geringen Möglichkeiten selbstbestimmter Einflussnahme noch stärker als bisher beschnitten, z.B. durch eine Verantwortungs- und Risikoverschiebung im Sozialleistungsbezug.
Ein machtsensibles Verständnis von Partizipation erfordert daher die beständige Überprüfung, ob Hilfeformate die Sichtweise der Adressat:innen berücksichtigen und ihnen tatsächlich Einfluss auf relevante Entscheidungen eingeräumt wird.
5 Umsetzung von Partizipation
Beteiligung und Förderung von Selbstbestimmung der Adressat:innen kann in allen Hilfefeldern im Rahmen von Einzelfallhilfe, Gruppen- und Gemeinwesenarbeit umgesetzt werden und sich auf alle Phasen im Hilfeprozess (Konzeption, Umsetzung, Evaluation etc.) beziehen.
Partizipation kann sowohl top-down aus institutionell-professioneller Perspektive angeregt und angeleitet werden, als auch bottom up aus einer lebensweltlichen Bürger:innenperspektive bzw. durch Engagement von Selbstvertretungsorganisationen in Gang gebracht werden. Die Beteiligung kann auf beiden Akteur:innenseiten sehr unterschiedliche Formen annehmen, wie das Modell der Partizipationspyramide von Straßburger und Rieger detailliert zeigt (Straßburger und Rieger 2019, S. 12 ff.).
Die Verbindlichkeit von Beteiligungsmöglichkeiten kann durch eine institutionelle Verankerung erhöht werden, wenn diese nicht nur formal gewährt wird, sondern von einer Weiterentwicklung der Organisationskultur begleitet wird, die Nachfrageorientierung, institutionelle Öffnung und strukturelles Empowerment ermöglicht (a.a.O., S. 237–238).
5.1 Die Bedeutung der Vorstufen von Partizipation
Es gibt aber auch Situationen in der Praxis, in denen Partizipation nicht oder nur schwer umsetzbar ist, z.B. bei gravierendem Personalmangel oder bei fehlender Rückendeckung auf Leitungsebene. Teilweise haben auch Kontroll- und Schutzaufgaben Vorrang. In diesen Situationen ist es aber zumindest möglich, wichtige Vorstufen von Partizipation umzusetzen, wie Adressat:innen zu informieren, ihre Meinung zu erfragen und ihr Erfahrungswissen für Planungsprozesse zu nutzen (Straßburger und Rieger 2019, S. 24).
Bei den Vorstufen handelt es sich um Beteiligungsformen, die bereits viele wichtige Aufgaben beinhalten, z.B. Bekanntmachen von Ansprechpartner:innen und sozialen Einrichtungen, Herstellung von Transparenz, Weitergabe von Hintergrundwissen, Vermittlung der Erfahrungen des Gehörtwerdens, Erproben einer dialogischen Gesprächsführung und Aufbau von Vertrauen. Die Vorstufen leisten auf diese Weise einen wichtigen Beitrag zur Vorbereitung von Partizipation.
5.2 Um welche Entscheidungen geht es?
Der Stellenwert der „Lebensweltexpertise“ (Straßburger und Rieger 2019, S. 25) von Adressat:innen gewann in den letzten Jahren sowohl im unmittelbaren Hilfeprozess zusehends an Bedeutung, als auch im Hinblick auf die Ausrichtung, Konzeption, Evaluation, Ausbildung und Forschung in der Sozialen Arbeit. Diese Entwicklung zeigt sich u.a. daran, dass Erfahrungsexpert:innen bei Prozessen der Konzeption und Evaluation sozialer Dienstleistungen und in Lehre und Forschung eingebunden werden oder daran, dass Selbstvertretungsorganisationen bei Gesetzgebungsverfahren angehört werden.
Das heißt, es gibt Bestrebungen, Beteiligung und Partizipation nicht auf die Umsetzung von Hilfeprozessen zu begrenzen, sondern den Einflussbereich der Zielgruppen darüber hinaus auszuweiten und auch richtungsweisende Vorentscheidungen gemeinsam zu treffen. Dabei entstehen neue Kooperationsformen, in denen sich die Rollen und Kompetenzbereiche der Beteiligten teilweise verschieben, z.B. stellt Chiapparini sog. Gap-Mending-Seminare vor, in denen sich Studierende und Bürger:innen gemeinsam mit aktuellen Problemen eines Sozialraums auseinandersetzen (Chiapparini 2016).
Die Beteiligung von Einzelpersonen, Gruppen oder Initiativen bezieht sich vor allem auf folgende Bereiche und Ebenen:
- eigene Angelegenheiten im Rahmen von professionellen Hilfeprozessen
- das Miteinander und die Alltagsorganisation in einer Gruppe im Rahmen von professionellen Hilfeprozessen
- Methodische Vorgehensweisen und organisationale Arbeitsabläufe in sozialen Einrichtungen
- Konzeption und Organisationsentwicklung in sozialen Einrichtungen
- kommunalpolitische Planung
- Interessen einer benachteiligten Gesellschaftsgruppe
- Gesellschaftliche Verständigung über die Feststellung sozialer Probleme
- Gesetzgebungsverfahren
- Entwicklung von staatlich finanzierten Programmen zur Bearbeitung sozialer Probleme
- Weiterentwicklung der Handlungsfelder der Sozialen Arbeit
6 Rechtliche Grundlagen am Beispiel der Kinder- und Jugendhilfe
Die Reichweite der Partizipationsrechte der Adressat:innen ist nicht in allen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit einheitlich gesetzlich geregelt. Die Kinder- und Jugendhilfe ist ein Bereich, in dem seit über 30 Jahren Beteiligungsrechte der Adressat:innen rechtlich verankert und damit vergleichsweise stabil etabliert sind. Diese werden nun exemplarisch kurz skizziert.
Im 17. Kinder- und Jugendbericht wurde dargelegt, dass sich die rechtliche Fundierung von Beteiligung auf drei Bereiche bezieht (BMFSFJ 2024, S. 362–363):
- Es geht um Rechte, die Adressat:innen in ihrer Selbstbestimmung fördern, wie etwa im § 8 SGB VIII: „Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen.“
- Des Weiteren geht es um Adressat:innenorientierung bei der Gestaltung der Angebote und Hilfen bzw. um das Recht der Adressat:innen auf Mitgestaltung der Verfahrensabläufe in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe oder bezüglich der Inhalte und Angebote, mit denen sie erreicht werden sollen.
Regelungen hierzu finden sich z.B. im § 10a SGB VIII, wonach die Beratung in einer für die Zielgruppe verständlichen, nachvollziehbaren und wahrnehmbaren Form gestaltet werden soll. § 11 Abs. 1. Satz 2 SGB VIII regelt zudem für die Kinder- und Jugendarbeit, dass ihre Angebote „an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden.“ - Zudem gibt es gesetzliche Regelungen zur Förderung von politischer Partizipation durch Angebote der Kinder- und Jugendhilfe und zur anwaltlichen Vertretung von benachteiligten Gesellschaftsgruppen in politischen Gremien.
So ist nach § 80 Abs. 1 Nr. 2 SGB VIII durch die Jugendhilfeplanung der Bedarf an Einrichtungen und Diensten „unter Berücksichtigung der Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der jungen Menschen und der Erziehungsberechtigten für einen mittelfristigen Zeitraum zu ermitteln“. Weiter beauftragt der Gesetzgeber die Kinder- und Jugendarbeit nach § 11 Abs. 1 S. 2 SGB VIII mit der Aufgabe, sie soll junge Menschen „zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.“
7 Gründe für Partizipation
Im Diskurs werden drei zentrale Begründungslinien für Partizipation dargelegt, die demokratie-, bildungs- und dienstleistungstheoretisch argumentieren (Schnurr 2018; Schnurr 2022, S. 17 ff.; Pluto 2018, S. 947). Darüber hinaus soll skizziert werden, dass Partizipation bei der Bildung von Kohärenz, der Erzeugung von Qualität und im verantwortungsvollen Umgang mit Institutions- und Professionsmacht eine große Rolle spielt.
7.1 Demokratiebezüge
Aus demokratietheoretischer Perspektive gilt politische Partizipation als ein Bürger:innenrecht. Sie ist im Rahmen von demokratisch verfassten Staaten ein zentraler Bestandteil der Gestaltung politischer Aushandlungsverfahren und der Kontrolle von Regierungsmacht. Über politische Partizipation bringen sich Bürger:innen in einer Demokratie zum Ausdruck und nehmen Einfluss auf die Politik.
Demokratie legitimiert sich somit über politische Partizipation. Erst durch sie werden die Grundrechte auf Freiheit, Selbstbestimmung und freie Entfaltung der Persönlichkeit gewährleistet. Da das Recht auf Selbstbestimmung für alle Menschen gilt, müssen Bürger:innen gleichzeitig bei der Ausübung der eigenen Freiheit die Grenzen der anderen wahren, um deren Selbstbestimmungsrecht nicht einzuschränken.
Die Verhandlung und Reflexion dieser Spannung zwischen Selbstentfaltung und Rücksichtnahme muss in demokratischen Aushandlungsprozessen erfolgen. Um sich dem demokratischen Gleichheitsgrundsatz anzunähern, muss die Sozialpolitik für Menschen aus mindermächtigen Gesellschaftsgruppen Leistungsansprüche sowie Beteiligungs- und Schutzrechte verbindlich gesetzlich berücksichtigen und verankern. Deutlich wird hierbei, dass Partizipation, im Sinne einer Ermächtigung von Mindermächtigen, nur in demokratischen Regierungsformen Anwendung findet und für Diktaturen bzw. alle totalitär geführten Staaten irrelevant ist.
Für die Soziale Arbeit spielt das Verhältnis von Demokratie und Partizipation in mehrfacher Hinsicht eine Rolle, wenn sie in einem demokratischen Land, z.B. der repräsentativen Demokratie in Deutschland, umgesetzt wird. Soziale Arbeit soll Demokratie fördern, Demokratisierung in sozialen Einrichtungen umsetzen und benachteiligte Personengruppen politisch vertreten.
Soziale Arbeit hat den Auftrag, bei Kindern und Jugendlichen ein Verständnis von Demokratie zu wecken, sie an demokratische Verfahren heranzuführen und altersangemessene Erfahrungen damit zu sammeln. Im Rahmen von Demokratiebildung und -förderung wird Soziale Arbeit darüber hinaus damit beauftragt, Bürger:innen darin zu unterstützen, sich politisch auszudrücken, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen bzw. alle damit verbundenen bürgerlichen Rechte und Pflichten wahrzunehmen.
Weiter wird der Anspruch formuliert, demokratische Werte (wie den Gleichheitsgrundsatz, die Wahrung der Würde oder eine selbstbestimmte Lebensführung) auch im Rahmen der Hilfe- und Kontrollprozesse in den sozialen Einrichtungen umzusetzen. In diesem Zusammenhang wird von der Notwendigkeit der Demokratisierung der Hilfesettings und -verfahren gesprochen. Partizipation zeigt sich hier in dem Bestreben, unnötige Machtgefälle abzubauen und möglichst egalitäre Aushandlungsprozesse zu gestalten. Dazu gehört die Selbstverpflichtung zur Responsivität, die Bereitschaft für eine lernende Haltung und die Verankerung verbindlicher, struktureller Beteiligungs-, Beschwerde- und Vetomöglichkeiten.
Politische Soziale Arbeit setzt sich darüber hinaus für Menschen ein, die sich selbst nicht ausreichend politisch vertreten und Gehör verschaffen können, z.B. weil sie kein Wahlrecht haben oder auf andere Weise von politischen Deutungs- und Entscheidungsprozessen ausgeschlossen werden. Diese Menschen werden gesellschaftlich benachteiligt, da bisher noch nicht genug Zugänge und Verfahren entwickelt und etabliert wurden, damit sie sich mittels politischer Partizipation in die Demokratie einbringen können. Politische Soziale Arbeit sieht darin eine Ungerechtigkeit, die durch stellvertretende Positionierung abgebaut werden soll.
7.2 Anregung von Bildungsprozessen und Potenzialentfaltung
Bildungstheoretisch wird argumentiert, dass menschliche Bildung nicht einseitig eingetrichtert werden kann, sondern in einer proaktiven Eigenleistung der Lernenden erfolgt. Das Erreichen der Bildungsziele Mündigkeit, Urteilskraft und Kritikfähigkeit ist auf Prozesse der Selbstbildung angewiesen. Menschen lernen, weil sie das Bedürfnis haben, sich mit anderen auseinanderzusetzen und verbunden zu fühlen. Sie lernen, weil sie etwas Neues entdecken und verstehen möchten und weil sie das Bedürfnis haben, sich selbst zum Ausdruck zu bringen, einen sinnvollen Beitrag zu leisten und ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen. Lernen und Potenzialentfaltung geschieht nicht passiv, sondern partizipativ, in dem Menschen die Erfahrung machen, dass sie ernst genommen werden und dass sie durch ihr Handeln etwas in ihrem Leben und ihrem Umfeld bewegen können (Sommer 2024, S. 23).
7.3 Voraussetzung von Co-Produktion
Soziale Arbeit befasst sich mit Menschen, nicht mit Dingen. Hergestellt werden personenbezogene soziale Dienstleistungen oder andere Interventionen, die Menschen adressieren. Dabei soll das Entwicklungspotenzial der Menschen gefördert oder eine Veränderung erzielt werden, die dazu führt, dass sich der Mensch anderes verhält. All diese Vorgänge erfordern, dass die betroffenen Menschen sich entwickeln, etwas dazulernen und neue Erfahrungen zulassen. Menschen sind im Unterschied zu Objekten (z.B. Maschinen) nicht exakt vorhersehbar oder programmierbar. Als nichttriviale Maschinen ist für Menschen laut Foerster die Nicht-Steuerbarkeit charakteristisch (Foerster 1998).
Ihre Handlungsspielräume können zwar oft eingeschränkt, kontrolliert oder sogar zerstört werden. Es ist jedoch unmöglich, Adressat:innen aus einem expertokratischen Professionsverständnis heraus exakt darin zu steuern, was sie fühlen, denken oder tun sollen. Kraus hat in diesem Zusammenhang die weiterführende Unterscheidung zwischen destruktiver und instruktiver Macht getroffen (Kraus 2019). Nachhaltige menschliche Lern- und Entwicklungsprozesse setzen demnach die innerliche Zustimmung der Betroffenen voraus.
Ein gewisses Mindestmaß an Partizipation ist folglich eine unhintergehbare Voraussetzung bei der Umsetzung von Hilfe, da die Adressat:innen Co-Produzent:innen der Sozialen Arbeit sind und über die Inanspruchnahme und das Gelingen der Kooperation mitentscheiden (Schaarschuch 2003). Die Wahrscheinlichkeit der innerlichen Zustimmung zur Kooperation steigt, wenn die Adressat:innen der Meinung sind, dass die Hilfe (z.B. mit ihren Zielsetzungen, Rahmenbedingungen und angewendeten Methoden) sinnvoll ist und ihr Leben dadurch besser wird.
7.4 Aufbau von Kohärenz
Auch bei der Wahrnehmung von Kohärenz spielt Partizipation eine große Rolle. Das Kohärenzgefühl ist wichtig bei der Verarbeitung von Belastungen und für die Selbsteinschätzung, den Anforderungen des Lebens gewachsen zu sein.
Laut dem Salutogenesekonzept von Aaron Antonovsky ist es für Menschen sehr hilfreich, wenn sie in stressigen Situationen verstehen, was los ist, einen Sinn darin erkennen können, wozu etwas geschieht und das Gefühl haben, selbst Einfluss auf den Verlauf der Situation nehmen können (Antonovsky 1997).
Adressat:innen der Sozialen Arbeit stehen häufig vor Herausforderungen, die sie bewältigen möchten. Soziale Arbeit kann sie dabei unterstützen, indem Sachverhalte und Zusammenhänge verständlich erklärt werden, gemeinsam über den Sinn der Ausgangssituation reflektiert wird und möglichst viel Raum zur Mit- und Selbstbestimmung bei der Problemlösung geschaffen wird.
7.5 Beitrag zur Passgenauigkeit und Wirksamkeit
Häufig steigert Partizipation die Wirksamkeit Sozialer Arbeit. Sie erleichtert ein Kennenlernen und Verstehen fremder Perspektiven und trägt zu passgenauen, nachhaltigen Lösungen bei. Durch den Abgleich unterschiedlicher Perspektiven auf dieselbe Situation können Fehleinschätzungen vermieden und bedarfsgerechte Angebote und Leistungen erbracht werden. Das steigert die Identifikation mit dem Angebot, erhöht die Motivation und verhindert Fehlplanungen bzw. den Fehleinsatz von Ressourcen oder anderen marktwirtschaftlich relevanten Investitionen.
Partizipation verhilft zu Perspektivwechseln bzw. Verständnis und bringt neue Ideen und Lösungen hervor, die in einseitig gesteuerten Prozessen oft übersehen werden (Straßburger und Rieger 2023, S. 9). Auf diese Weise kann Partizipation im Idealfall Selbstwirksamkeit erfahrbar machen, unvorhergesehene Lösungen aufzeigen, sowie Kreativität und Innovation freisetzen.
7.6 Verantwortungsvoller Umgang mit Institutions- und Professionsmacht
Hilfesettings der Soziale Arbeit beinhalten eine strukturell angelegte Machtasymmetrie, die sich vor allem in der Institutions- und Professionsmacht aufseiten der Fachkräfte ausdrückt. Oft arbeitet die Soziale Arbeit mit sozial benachteiligten Menschen, die Stigmatisierung und Abwertung erlebt haben und es gewohnt sind, ausgegrenzt und ausgeschlossen zu werden. Viele Zielgruppen (z.B. Kinder und statusniedrige Gesellschaftsgruppen) verfügen oft über wenig Erfahrung mit Partizipation. Doch die Kompetenz zu partizipieren, wird erst über die eigene Erfahrung mit Partizipation gelernt und vertieft (Pluto und Seckinger 2003, S. 62).
Es ist daher eine besondere Verantwortung der Sozialen Arbeit, Menschen geschützte Erfahrungsräume zu ermöglichen, in denen sie sich gehört, gesehen und verstanden fühlen und die Kraft aufbringen, sich zu zeigen und die eigenen Bedürfnisse und Interessen zum Ausdruck zu bringen, um wieder mehr Einfluss auf das eigene Leben zurückzugewinnen. Partizipation zeigt sich darin, Machtgefälle so weit wie es sinnvoll und möglich ist, abzubauen und den Adressat:innen positive Erfahrungen der verbindlichen Einflussnahme einzuräumen.
8 Spannungsfelder
Soziale Arbeit findet in komplexen Zusammenhängen statt und ist mit widersprüchlichen Anforderungen und Erwartungen konfrontiert. Darüber hinaus sind soziale Einrichtungen oft hierarchisch aufgebaut und bürokratielastig organisiert. In vielen Einrichtungen besteht für das Personal eine hohe Arbeitsbelastung und es wird teilweise ein undemokratischer Führungsstil praktiziert. Das führt dazu, dass den Fachkräften teilweise wenig Spielraum für ergebnisoffene, adressat:innenorientierte Vorgehensweisen bleibt.
Wird an diese Einrichtungen nun der Anspruch herangetragen, die Praxis partizipativ auszurichten, sehen sich die Fachkräfte mit verschiedenen Spannungsfeldern konfrontiert. Das beginnt damit, dass es eine Vielzahl an Zielgruppen gibt, die auf unterschiedliche Weise angesprochen und auf Beteiligungsformate vorbereitet werden sollten. Außerdem bindet Partizipation personelle Kapazitäten und erfordert Ergebnisoffenheit und Flexibilität, die mit Zeitdruck, Arbeitsüberlastung und dem staatlichen Kontrollauftrag in Konkurrenz geraten können. Weitere Beispiele für typische Widersprüche bei der Umsetzung von Partizipation sind:
- Gruppen- vs. Individualinteressen
- Organisationswandel vs. rechtliche Vorgaben und fachliche Routinen
- Empowerment vs. Durchsetzung staatlicher Steuerungsinteressen
Im Folgenden werden einige Facetten dieser Spannungen exemplarisch skizziert.
8.1 Organisationslogik vs. Eigensinn der Adressat:innen
Fachkräfte müssen einerseits politische, finanzielle, formale und fachliche Vorgaben einhalten, während sie gleichzeitig prozessorientiert in zeitintensive Aushandlungsprozesse mit den Adressat:innen eintreten sollen, wodurch sie aufgefordert sind, ihre gewohnten Arbeitsroutinen zu verlassen und die Lebensweltexpertise der Adressat:innen stärker als bisher bei der Zieldefinition und Lösungsentwicklung zu berücksichtigen.
8.2 Diagnostik vs. Aushandlung
Ein weiteres typisches Spannungsfeld kann auftreten, wenn Fachkräfte einerseits fachlich fundierte Problemdiagnosen zur Begründung des Hilfebedarfs vorlegen müssen, andererseits aber aus einer nichtwissenden, lernenden Haltung heraus eine ressourcenorientierte, dialogisch orientierte Arbeitsbeziehung zu den Adressat:innen aufbauen wollen.
8.3 Überforderung vs. Stigmatisierung
Adressat:innen Sozialer Arbeit zeichnen sich oft durch Abweichungen von Normalitätserwartungen der Mehrheitsgesellschaft aus und sie sind häufig von Armut oder anderen Formen von sozialer Benachteiligung betroffen. Beide Merkmale führen dazu, dass vielen Adressat:innen die Kompetenz zur Partizipation abgesprochen wird, weil sie z.B. zu jung, zu unerfahren, kognitiv zu eingeschränkt oder emotional überfordert seien. Diesen Menschen wird häufig unterstellt, sie seien grundsätzlich nicht, noch nicht oder nicht mehr mündig und könnten die Konsequenzen ihrer Entscheidungen nicht verantworten.
Fachkräfte haben nun einerseits die Aufgabe, Adressat:innen vor Überforderung und Scheinpartizipation zu schützen, andererseits sollen sie bestehende Stigmatisierungsprozesse nicht verschärfen und werden aufgefordert, auch Menschen aus marginalisierten Gruppen partizipative Lernerfahrungen zu ermöglichen, die zu einem stärkeren Selbstwirksamkeitsempfinden führen können.
8.4 Expertenwissen vs. Betroffenenwissen
Partizipative Praxis ist oft mit der Kritik konfrontiert, ob und für was Fachkräfte Expert:innen sein sollen, wenn sogar die Diagnostik unter Beteiligung der Adressat:innen durchgeführt wird. Die Spannung entsteht hier durch eine Verunsicherung der eigenen Professionalität bzw. Zuständigkeit. Im Umgang mit dieser Spannung hilft es Fachkräften, von der Prämisse auszugehen, dass es viele verschiedene Antworten auf soziale Probleme geben kann und, dass es die Aufgabe der Fachkräfte ist, in einem gemeinsamen Suchprozess mit den Adressat:innen herauszufinden, welcher Lösungsweg am besten zu ihnen und ihrer Lebenssituation passt. Partizipation steht nach diesem Verständnis nicht im Widerspruch zum Expert:innenwissen, sondern bildet vielmehr einen integralen Bestandteil von Professionalität (Urban-Stahl 2021, S. 641).
9 Partizipation in der Komplexität ihrer Handlungsvollzüge
Durch Partizipation soll sichergestellt werden, dass Adressat:innen auf sie betreffende Entscheidungen Einfluss nehmen können. Dazu gehört, dass die professionellen Unterstützungsangebote der Sozialen Arbeit gemeinsam mit den Adressat:innen in ihrem Lebensumfeld konzipiert werden und sich darauf beziehen. Durch die Implementierung von Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren kann auf struktureller Ebene Verbindlichkeit und Handlungssicherheit gefördert werden.
Partizipation zeigt sich darüber hinaus durch:
- Adressat:innenorientierung
- verständliche bzw. möglichst egalitäre Kommunikation und
- die Demokratisierung von Aushandlungswegen bzw. Entscheidungsverfahren.
Mit Partizipation wird in der Sozialen Arbeit der Anspruch verfolgt, ein Beitrag zur Wahrung des Rechts auf Selbstbestimmung von Adressat:innen in professionellen Hilfesettings zu leisten. Doch bei der Forderung nach Partizipation ist gleichzeitig zu vergegenwärtigen, dass viele Handlungsfelder nicht nur Hilfeleistungen zur Verfügung stellen, sondern auch einen staatlichen Kontroll- und Anpassungsauftrag ausführen. Soziale Arbeit als konstitutiver Bestandteil des demokratischen Sozialstaats hat eine besondere Verantwortung gegenüber benachteiligten Menschen, die nicht die Macht haben, sich ausreichend selbst vertreten zu können.
Vor dem Hintergrund konkurrierender Partizipationsverständnisse ist es wichtig immer wieder zu hinterfragen, ob mit einem Partizipationsangebot tatsächlich die strukturell angelegte Machtasymmetrie zugunsten der Adressat:innen abgebaut werden kann bzw. inwieweit es sich vielmehr um verdeckte Steuerungsformate handelt, die eine konservative, sozialtechnokratische oder neoliberale Agenda verfolgen.
Darüber hinaus erzeugt der Anspruch, partizipativ arbeiten zu wollen, wie oben beschrieben, viele Spannungsfelder, wie Förderung kindlicher Selbstbestimmung vs. Vermittlung von Grenzen und Regeln. Es stellt eine große Herausforderung dar, dass Aushandlungsprozesse in der Sozialen Arbeit fast immer unter ungleichen Bedingungen (Machtmittel, Kompetenzen, Erfahrungen etc.) unter den Akteur:innen stattfinden, die sich zwar eingrenzen, aber selten aufheben lassen. Es bleibt eine beständige und verantwortungsvolle Aufgabe Sozialer Arbeit, die Herausforderungen einer partizipativen Praxis in ihrer Komplexität zu analysieren und zu reflektieren.
10 Quellenangaben
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Antonovsky, Aaron, 1997. Salutogenese: Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen: dgvt-Verlag. ISBN 978-3-87159-136-5
Arnstein, Sherry Phyllis, 1969. A Ladder of Citizen Participation. In: Journal of the American Institute of Planners. 35(4), S. 216–224. ISSN 0002-8991
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ ), 2024. 17. Kinder- und Jugendbericht: Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe [online]. Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend [Zugriff am: 15.10.2024]. Verfügbar unter: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/​service/​publikationen/​17-kinder-und-jugendbericht-244628
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Foerster, Heinz von, 1998. Entdecken oder Erfinden: Wie läßt sich Verstehen verstehen? In: Heinz Gumin und Heinrich Meier, Hrsg. Einführung in den Konstruktivismus. München: Piper, S. 41–88. ISBN 978-3-486-52621-9
Hansen, Rüdiger, Raingard Knauer und Benedikt Sturzenhecker, 2011. Partizipation in Kindertageseinrichtungen: So gelingt Demokratiebildung mit Kindern! Weimar: verlag das netz. ISBN 978-3-86892-046-8 [Rezension bei socialnet]
Kraus, Björn, 2019. Relationaler Konstruktivismus – Relationale Soziale Arbeit: Von der systemisch-konstruktivistischen Lebensweltorientierung zu einer relationalen Theorie der Sozialen Arbeit. Weinheim: Beltz Juventa. ISBN 978-3-7799-3949-8 [Rezension bei socialnet]
Pigorsch, Stephanie, 2025. Partizipation und soziale Ausschließung [online]. Bielefeld: transcript Verlag [Zugriff am: 11.04.2025]. PDF e-Book. ISBN 978-3-8394-7495-2. Verfügbar unter: https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-7495-8/​partizipation-und-soziale-ausschliessung/
Pluto, Liane, 2018. Partizipation und Beteiligungsrechte. In: Karin Böllert, Hrsg. Kompendium Kinder- und Jugendhilfe. Wiesbaden: Springer VS, S. 945–965. ISBN 978-3-531-18530-9 [Rezension bei socialnet]
Pluto, Liane und Mike Seckinger, 2003. Die Wilde 13. Scheinbare Gründe, warum Beteiligung in der Kinder- und Jugendhilfe nicht funktionieren kann. In: Sozialpädagogisches Institut im SOS-Kinderdorf e.V., Hrsg. Beteiligung ernst nehmen. München: Eigenverlag, S. 59–81
Schaarschuch, Andreas, 2003. Die Privilegierung des Nutzers. Zur theoretischen Begründung sozialer Dienstleistung. In: Thomas Olk und Hans-Uwe, Otto, Hrsg. Soziale Arbeit als Dienstleistung. Neuwied: Luchterhand, S. 150–169. ISBN 978-3-472-03018-8 [Rezension bei socialnet]
Schnurr, Stefan, 2018. Partizipation. In: Hans-Uwe Otto, Hans Thiersch, Rainer Treptow und Holger Ziegler, Hrsg. Handbuch Soziale Arbeit. 6. Auflage. München: Reinhardt, S. 1126–1137. ISBN 978-3-497-60890-4
Schnurr, Stefan, 2022. Zur Bedeutung von Partizipation für die Kinder- und Jugendhilfe. In: Katrin Peyerl und Ivo Züchner, Hrsg. Partizipation in der Kinder- und Jugendhilfe: Anspruch, Ziele und Formen der Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Weinheim: Beltz Juventa, S. 14–25. ISBN 978-3-7799-6707-1
Sommer, Rebekka, 2024. Veränderung durch Dialog. Was braucht es, um partizipative Methoden in die Praxis zu bringen? Was können Organisationen oder Einzelne „im Kleinen“ tun? In: FORUM sozial. 30(2), S. 22–25. ISSN 1433-3945
Straßburger, Gaby und Judith Rieger, 2023. Partizipation in den Frühen Hilfen [online]. Köln: Nationales Zentrum Frühe Hilfen [Zugriff am: 15.10.2024]. Verfügbar unter: https://www.fruehehilfen.de/service/​publikationen/​einzelansicht-publikationen/​titel/​partizipation-in-den-fruehen-hilfen/
Straßburger, Gaby und Judith Rieger,2019. Partizipation kompakt: Für Studium, Lehre und Praxis sozialer Berufe. 2. Auflage. Weinheim: Beltz Juventa. ISBN 978-3-7799-2969-7 [Rezension bei socialnet]
Urban-Stahl, Ulrike, 2021. Partizipation. In: Ralph-Christian Amthor, Brigitta Goldberg, Peter Hansbauer, Benjamin Landes und Theresia Wintergerst, Hrsg. Kreft/​Mielenz Wörterbuch Soziale Arbeit: Aufgaben, Praxisfelder, Begriffe und Methoden der Sozialarbeit und Sozialpädagogik. 9. Auflage. Weinheim: Beltz Juventa, S. 636–641. ISBN 978-3-7799-3869-9 [Rezension bei socialnet]
Wagner, Thomas, 2023. Zwischen Emanzipationsversprechen und Herrschaftstechnik. Demokratie- und machttheoretische Blicke auf Widersprüche und Voraussetzungen von Partizipation im Kontext Sozialer Arbeit. In: neue praxis. 53(6), S. 459–473. ISSN 0342-9857
11 Literaturhinweise
Debiel, Stefanie und Leonie Wagner, 2017. Partizipation in der Sozialen Arbeit. Geschichtliche Entwicklung und professionstheoretische Verortungen. In: Barbara Schäuble und Leonie Wagner, Hrsg. Partizipative Hilfeplanung. Weinheim: Beltz Juventa, S. 14–27. ISBN 978-3-7799-3696-1 [Rezension bei socialnet]
Grundlagenliteratur
Peyerl, Katrin und Ivo Züchner, Hrsg., 2022. Partizipation in der Kinder- und Jugendhilfe: Anspruch, Ziele und Formen der Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Weinheim: Beltz Juventa. ISBN 978-3-7799-6707-1
Überblick zu Partizipation in der Kinder- und Jugendhilfe
Pluto, Liane, 2022. Beteiligung von Adressatinnen und Adressaten im Kinder- und Jugendstärkungsgesetz – Neuer Schub für die Verbesserung von Beteiligungsmöglichkeiten? In: AFET – Bundesverband für Erziehungshilfe e.V. Hrsg. Impulse 03/2022 [online]. Hannover: AFET Bundesverband für Erziehungshilfe e.V. [Zugriff am: 15.10.2024]. Verfügbar unter: https://afet-ev.de/assets/​afet-impulspapiere/​03_Beteiligung_Pluto-(AFET-Impulspapier).pdf
Zur Auseinandersetzung mit der aktuellen Gesetzeslagen zu Beteiligung in der Kinder- und Jugendhilfe
12 Informationen im Internet
Verfasst von
Judith Rieger
Diplom-Sozialpädagogin (FH) und systemische Einzel-, Paar- und Familientherapeutin
Sie verfügt über langjährige Berufserfahrung in der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe, der Forschung und Lehre zu Partizipation in sozialen Berufen, sowie der Begleitung bei der Umsetzung partizipativer Praxisprojekte. Aktuell arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) in der Evaluation und Beratung von Entwicklungsprozessen in Modellprojekten.
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