socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Planung im Elementarbereich

Bernadette Maria Griessmair

veröffentlicht am 25.07.2022

Unter Planung im Elementarbereich werden alle von Erzieher*innen getroffene Maßnahmen verstanden, die die Kinder in ihren Lern- und Bildungsbestrebungen bestmöglich unterstützen sollen. Neben dem Kita-Team und dessen Ideen und Überzeugungen bezieht die Planung Kinder und deren Familien sowie die konzeptionelle Ausrichtung oder eventuelle Vorgaben des Trägers mit ein.

Überblick

  1. 1 Verschiedene Aspekte der Planung
  2. 2 Zusammenhang zwischen pädagogischer Planung und Beobachtung
  3. 3 Vier Schritte im pädagogischen Planungsprozess
  4. 4 Bildungsbegleitung vs. Bildungszumutung
  5. 5 Fazit
  6. 6 Quellenangaben
  7. 7 Literaturhinweise 

1 Verschiedene Aspekte der Planung

Planung im pädagogischen Kontext bezieht sich auf verschiedene Bereiche:

  • Die strukturelle Planung beschäftigt sich mit der Frage, wann oder wo klare Strukturen für eine Orientierung im Kita-Alltag benötigt werden. Es gilt zwischen standardisierten und flexiblen Vorgaben abzuwägen, damit Kinder und Erwachsene die sich daraus ergebenden Freiräume gut nutzen können.
  • Die personelle Planung hat das Ziel, die vorhandenen Ressourcen möglichst effizient für das Gesamtsystem einzusetzen. Neben der Stundenplaneinteilung für die Arbeit mit den Kindern sind hier auch Zeitfenster für Teambesprechungen, Elterngespräche, Konzeptionsentwicklung usw. in den Blick zu nehmen.
  • Die pädagogische Planung von Bildungsinterventionen für das Kind geht der Frage nach, was das Kind braucht, um seine Potenziale auszuschöpfen und wie Fachkräfte hier unterstützen können.

Alle drei Aspekte stehen in engem Zusammenhang, wobei die beiden erstgenannten die Voraussetzungen für das Gelingen des dritten Bereichs schaffen. Da strukturelle Gegebenheiten und personelle Ressourcen unterschiedlich sein können, müssen diese einrichtungsbezogen zu jeweils anderen Ergebnissen führen. Für die pädagogische Planung von Bildungsinterventionen (später nur noch als pädagogische Planung bezeichnet) wird in den nachfolgenden Ausführungen ein Beispiel für ein situationsübergreifendes Vorgehen erläutert.

2 Zusammenhang zwischen pädagogischer Planung und Beobachtung

Damit pädagogische Planung und die durch sie gesetzten Maßnahmen nachhaltig wirken können und tatsächlich beim Kind ankommen, bedarf es einer empathischen Grundhaltung der Fachkräfte. Planung ist keine Aneinanderreihung von ausgedachten Impulsen, welche an das Kind herangetragen werden. Die Frage „Welches Angebot habe ich mir für morgen ausgedacht?“ wird abgelöst von „Was wollen wir für das Kind, gemeinsam mit dem Kind erreichen und warum? Welche Mittel setzen wir zur Zielerreichung ein?“. Dieser Paradigmenwechsel hat zur Folge, dass die Planung immer von der Beobachtung ausgeht. Letztere erlaubt es der Fachkraft, die Sichtweisen des Kindes, sein Befinden, Erleben und Verhalten besser zu verstehen und darauf gezielt zu reagieren. Beobachtung und Planung sind daher ebenso untrennbar miteinander verbunden wie Planung mit Handeln. Das Kind wird wahrgenommen – be-achtet –, die Ergebnisse dieses Prozesses werden in einen professionellen pädagogischen Kontext gestellt und finden in konkreten Umsetzungsschritten ihren Niederschlag (Grießmair 2016).

3 Vier Schritte im pädagogischen Planungsprozess

Pädagogische Planung wird nur sinnvoll, wenn sie zirkulär angelegt ist. Das Instrument des sog. Planungskreislaufes berücksichtigt vier Schritte, welche aufeinander aufbauen. Die Beobachtung wird als Ausgangspunkt der pädagogischen Planung festgelegt. Danach folgen eine Zielformulierung, die Maßnahmenumsetzung und eine abschließende Überprüfung.

Schritt 1: Analysieren

Vielfältige Beobachtungen zu Interessen, Aussagen, Bedürfnissen der Kinder werden in dieser ersten Phase zusammengetragen. Ebenso in den Blick genommen werden Entwicklungsstand und Kompetenzen der Kinder und Beobachtungen zur Stellung des jeweiligen Kindes in der Gruppe. All diese Informationen werden mit den vorhandenen Rahmenbedingungen (siehe strukturelle und personelle Planung) abgeglichen. Die umfassende Analyse und die daraus gewonnenen Erkenntnisse leiten den nächsten Schritt ein.

Schritt 2: Konzipieren

Die Fachkraft formuliert nun (ein) Ziel(e), welche(s) sie mit den gesetzten Maßnahmen für das Kind vorgibt. Dazu kann sie sich an in Bildungsplänen vorgegebenen Bildungszielen orientieren oder ein individuelles Ziel für das einzelne Kind, für die Gruppe, definieren. Richtungsweisend ist ein umfassendes Wissen über die Entwicklung und das Lernen der Kinder, um so die „Zone der nächsten Entwicklung“ (Vygotski 1987) zu antizipieren. Je konkreter die Zielsetzung ist, desto leichter fällt die Überprüfung zur Zielerreichung.

Schritt 3: Operationalisieren

Angelehnt an die formulierte Zielsetzung werden in dieser Phase konkrete Maßnahmen festgelegt. Zielorientierte Ideen werden gesammelt – dabei werden das gesamte Team und/oder auch die Kinder einbezogen. Bei der Operationalisierung geht es auch um die zeitliche und organisatorische Planung. Wer ist zuständig für die spätere Umsetzung der Vorschläge? Wer sucht sich wen zur Unterstützung? Wann ist der „Startschuss“ für die Maßnahme angesetzt? Wie lange wird sich die Umsetzung hinziehen, einmalig, wöchentlich, monatlich …? Grundsätzlich ist es wichtig, zwischen verschiedenen Formen der Interventionen zu unterscheiden. So kann eine Fachkraft durch Vorbereitung der Lernumgebung selbstorganisierte Lern-, Spiel- und Arbeitsprozesse begünstigen. Ebenso kann sie als Impulsgeberin das Kind bzw. die Kinder zum Mitmachen anregen. Ressourcen von außen, z.B. Netzwerkpartner oder auch Familien, welche ergänzend ihre Kompetenzen einbringen.

Schritt 4: Evaluieren

Im abschließenden Schritt wird geprüft, inwieweit die festgelegten Ziele (Schritt 2) mit den in Schritt 3 konkretisierten Umsetzungen tatsächlich erreicht wurden. Konnten die Ziele nicht erreicht werden, stellt sich die Frage, ob die getroffenen Maßnahmen und ihre Umsetzung nicht passend oder ob die Ziele nicht angemessen definiert waren, ob die getroffenen Maßnahmen und ihre Umsetzung nicht passend waren. Alternativ kann die Frage in den Vordergrund rücken, dass die Ziele nicht angemessen definiert waren. Auf der Basis dieser Schlussfolgerungen werden die beschriebenen Schrittfolgen erneut eingeleitet und durchlaufen.

4 Bildungsbegleitung vs. Bildungszumutung

Bildungspläne sind die Richtschnur, an denen sich pädagogisches Handeln ausrichtet. Die oben beschriebene Abfolge im Planungsprozess basiert auf der Annahme, dass Kinder Fachkräften zeigen, was sie brauchen und was sie interessiert. Das Kind ist Akteur seiner Bildungsprozesse, indem es sich Wissen erschließt und aneignet und somit seine Lernprozesse eigenständig gestaltet. Die Fachkraft agiert in diesem Falle als Bildungsbegleiterin und schafft es im Idealfall, den Kindern Zugang zu den von ihnen erwünschten Bildungsbereichen zu schaffen.

Nicht immer äußern Kinder selbst Interessen für Themen, die in den Lernplänen vorgesehen sind. In derartigen Fällen können Fachkräfte selbst initiativ werden und bestimmte Themen den Kindern „zumuten“. Je nach Reaktion des Kindes kann dann der Impuls vertieft oder fallengelassen werden (Lindemann 2008). Zumuten meint somit Kindern ein „Appetithäppchen“ geben ­ sie auf bestimmte Themen hinweisen, Ideen einbringen, mit dem Ziel, ihnen dadurch neue Möglichkeiten zu eröffnen. Je nach Reaktion der Kinder auf das Eingebrachte, kann in einem zweiten Moment das Thema ausgeweitet oder auch fallengelassen werden (Lindemann 2008). Im Fall der Initiative durch die Fachkraft schlüpft die Fachkraft in die Rolle der „Zumuterin“. Hier müssen die oben dargestellte Reihenfolge des Vorgehens geändert und die Vorgehensweise angepasst werden. Die Rolle der Fachkraft als Begleiterin der kindlichen Bildungsprozesse sollte aber deutlich überwiegen.

5 Fazit

Pädagogische Planung ist ein umfassender und komplexer Prozess. Sie impliziert ein fundiertes Wissen darüber, wie Kinder lernen und wie Entwicklung abläuft. Neben didaktisch-methodischer Kompetenz braucht eine Fachkraft ein hohes Maß an Beobachtungskompetenz, um zu erkennen, was das einzelne Kind braucht, um sich (weiter-)bilden zu können.

6 Quellenangaben

Grießmair, Bernadette, 2016. Bildungsangebote gestalten mit dem Planungskreislauf. Berlin: Cornelsen Verlag. ISBN 978-3-589-15013-7

Lindemann, Holger, 2008. Systematisch beobachten- lösungsorientiert handeln. Münster: Öktopia. ISBN 978-3-86702-064-0

Vygotskij, Lew, 1987. Arbeiten zur psychischen Entwicklung der Persönlichkeit-Ausgewählte Schriften. Bd 2. Köln: Pahl-Rugenstein. ISBN 978-3-760-90974-5

7 Literaturhinweise 

Groot-Wilken, Bernd, 2014. Bildungsprozesse im Kindergarten und Kita: beobachten, dokumentieren, planen. 3. Auflage. Freiburg im Breisgau: Herder Verlag. ISBN 978-3-45132-060-6

Haug, Gabriele und Jochen Bensel, 2005. Kinder beobachten und ihre Entwicklung dokumentieren. 7., völlig neuüberarbeitete Auflage. Herder: Freiburg im Breisgau. ISBN 978-3-451-00092-8 [Rezension bei socialnet]

Thiessen, Peter, 2021. Die gezielte Beschäftigung im Kindergarten: Bildungsangebote vorbereiten, durchführen und auswerten. 16., überarbeitete und erweiterte Auflage. Lambertus: Freiburg im Breisgau. ISBN 978-3-7841-3461-1

Verfasst von
Bernadette Maria Griessmair
Direktorin des Kindergartensprengel Brixen/Südtirol. Psychologin, Mediatorin und Buchautorin. Tätig auch als Referentin und Beauftragte in der Lehre an der Freien Universität Bozen.
Mailformular

Es gibt 1 Lexikonartikel von Bernadette Maria Griessmair.

Zitiervorschlag
Griessmair, Bernadette Maria, 2022. Planung im Elementarbereich [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 25.07.2022 [Zugriff am: 11.08.2022]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Planung-im-Elementarbereich

Urheberrecht
Dieser Lexikonartikel ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion des Lexikons für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.