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Politikwissenschaft

Prof. Dr. Günter Rieger

veröffentlicht am 19.03.2022

Synonym: Politologie

Englisch: political science

Politikwissenschaft untersucht Inhalte (Policy), Institutionen (Polity) und Prozesse (Politics), die der allgemeinverbindlichen Regelung öffentlicher Angelegenheiten dienen.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Politikwissenschaft
  3. 3 Politikwissenschaft als Bezugswissenschaft Sozialer Arbeit
  4. 4 Sozialarbeitspolitik als Politikfeld(analyse)
  5. 5 Sozialarbeitspolitik als (Analyse) professionelles politisches Handeln
  6. 6 Ausblick
  7. 7 Quellenangaben

1 Zusammenfassung

Politikwissenschaft untersucht, wie Menschen ihr gesellschaftliches Zusammenleben allgemeinverbindlich regeln. Es geht um die institutionelle Ordnung und Gestaltung politischer Systeme, die sich im Rahmen der institutionellen Ordnungen vollziehenden politischen Prozesse sowie die daraus resultierenden politischen Entscheidungen und ihre Wirkungen. Sie fragt auch nach der besten, legitimen Ordnung im Zusammenleben der Bürger*innen und analysiert Machtstrukturen und Interessenkonflikte. Für die Soziale Arbeit ist sie eine Bezugswissenschaft. Ihre Erkenntnisse und Methoden werden herangezogen, um spezifische Problemstellungen der Sozialen Arbeit zu bearbeiten. Politikwissenschaft für die Soziale Arbeit erforscht hierzu die inhaltlichen und methodischen Dimensionen der Sozialarbeitspolitik und macht sie für Praxis und Lehre der Sozialen Arbeit fruchtbar.

2 Politikwissenschaft

Politikwissenschaft (Bernauer et al. 2022; Lauth und Wagner 2020) versteht sich als interdisziplinäre, empirische wie kritische Sozialwissenschaft. Sie analysiert politische Systeme und Institutionen, untersucht materielle Politiken (Sozialpolitik, Umweltpolitik, Wirtschaftspolitik usw.) und versucht, politisches Handeln auf unterschiedlichen politischen Ebenen (internationale Ebene, Europäische Union, Staat, Kommune, Organisation) zu verstehen und zu kritisieren.

Als empirische Sozialwissenschaft analysiert sie Zustandekommen und Wirkungen allgemeinverbindlicher Entscheidungen (Gesetze, Programme, Maßnahmen) zur Regelung öffentlicher Angelegenheiten (von der kommunalen Müllentsorgungssatzung über die Corona-Bekämpfungsverordnung bis zum Bundesteilhabegesetz) und nutzt das gesamte Spektrum (quantitativer wie qualitativer) sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden, um politische Inhalte (policy), Institutionen (polity) und Prozesse (politics) – oft vergleichend – zu erforschen, Zusammenhänge zu begreifen und Theorien zu bilden (funktionaler Politikbegriff).

Politikwissenschaft versteht sich in Teilen aber auch als kritische Ordnungsreflexion. Hier erörtert sie philosophisch reflektierend und hermeneutisch interpretierend Fragen der Legitimität von Politik: Was wäre eine gute, gerechte, gemeinwohlorientierte, demokratisch partizipative Politik (Gerechtigkeit, Demokratie), wie können Freiheit und Gleichheit der Einzelnen mit dem Wohl aller (Gemeinwohl) zusammenstimmen (normativer Politikbegriff).

Schließlich hinterfragt Politikwissenschaft vor dem Hintergrund von Aufklärung und Emanzipation offene und verdeckte Interessen gesellschaftlicher Gruppen und politischer Akteur*innen und kritisiert die von sozialer Ungleichheit, Unterdrückung, Diskriminierung und Ausbeutung gekennzeichneten, real existierenden, sozio-ökonomischen Verhältnisse (kritischer Politikbegriff) (Benz und Rieger 2015, S. 55–63).

Politikwissenschaft zielt nicht nur auf Erkenntnis, sondern hat immer auch Anwendungsbezug. Sie will Politik nicht nur verstehen bzw. erklären, sondern auch hinsichtlich ihrer Legitimität und Wirksamkeit kritisieren wie verbessern. Sie erhebt einerseits den empirisch-analytischen Anspruch, Politik in ihren Inhalten (politische Probleme und darauf gerichtete Maßnahmen und Interventionen) und deren Zustandekommen über machtorientiertes und interessengeleitetes politisches Handeln im ermöglichenden wie begrenzenden Regelwerk politischer Institutionen besser zu verstehen sowie spezifische Phänomene und Zusammenhänge zu erklären (Politikfeldanalyse). Sie zielt damit andererseits aber auch darauf, Politik durch Politikberatung und politische Bildung weiterzuentwickeln. In diesem Zusammenhang sind Evaluationsstudien zu politischen Programmen ebenso gefragt wie Studien zu methodischen Fragen einer gelingenden Politikgestaltung und Beeinflussung (Strategie, Lobbying, Politikberatung, Gremienarbeit, Mikropolitik usw.) oder Forschungsarbeiten zur Förderung politischer Urteilsfähigkeit und demokratischer Haltungen (politische Bildung).

Traditionell gliedert sich Politikwissenschaft in die Subdisziplinen Politische Philosophie/​Ideengeschichte, Politische Theorie, Vergleichende Politische Systemlehre und Internationale Politik. Sie hat sich aber in vergangenen Jahrzehnten entlang wissenschaftsimmanenter Entwicklungen (veränderte Erkenntnisinteressen, neue Karrierechancen), sozialem Wandel und verändertem Politikberatungsbedarf immer weiter in eine Fülle mehr oder weniger eigenständiger Forschungsfelder differenziert (z.B. Parteien-/Verbändeforschung, Wahlforschung, Friedens- und Konfliktforschung, Politische Psychologie, Politische Soziologie, Politikfeldanalyse etc.).

3 Politikwissenschaft als Bezugswissenschaft Sozialer Arbeit

Für die Sozialarbeitswissenschaft (Wissenschaft Sozialer Arbeit) ist die Politikwissenschaft eine Bezugswissenschaft. Hilfswissenschaften werden in Lehre und Forschung Sozialer Arbeit benötigt, um spezifische Fragestellungen mit Blick auf ihren originären Gegenstand zu beantworten. Das Bezugsproblem der Wissenschaft Sozialer Arbeit sind die Exklusionsprozesse und Abhängigkeitsstrukturen moderner Gesellschaften (soziale Probleme), damit verbundene psycho-soziale Problemlagen und die auf deren Bearbeitung gerichteten (professionellen) Interventionen.

Unmittelbar einsichtig wird mit dieser Gegenstandsbestimmung, dass Sozialarbeitswissenschaft zwar einen von keiner anderen Wissenschaft bearbeiteten Problemzusammenhang untersucht, sie aber gleichzeitig vielfältige Überschneidungen mit anderen Wissenschaftsdisziplinen aufweist. So liefert die Soziologie wichtige Erkenntnisse zu Entstehung und Wandel sozialer Probleme, hat aber kaum etwas zu individuellen Notlagen und deren Bewältigung beizutragen. Dagegen kann die Psychologie das Wissen um psychische Problemlagen erweitern. Ihr fehlt aber das Wissen um gesellschaftliche Ursachen und ihr Interesse gilt vornehmlich psychotherapeutischen Methoden. Ebenso verhält es sich mit der Politikwissenschaft. Auch wenn gelegentlich behauptet wird, alle Sozialarbeit sei Politik, so drückt dies doch nur unspezifisch die enge Verbindung bzw. die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Politik und Sozialer Arbeit aus. Keinesfalls kann damit gemeint sein, dass sozialarbeiterische Problemzusammenhänge allein mithilfe der Politikwissenschaft zu klären wären. Politikwissenschaft liefert ebenso wenig Erkenntnisse zu individuellen Problemlagen wie sie Erkenntnisse zu ihrer individuellen Bewältigung und darauf bezogener professioneller Unterstützungsleistungen bereithält. Sie ist aber dort relevant, wo sie dazu beiträgt, die Zusammenhänge zwischen Politik und Sozialer Arbeit aufzuklären, und dabei hilft, die politischen Herausforderungen Sozialer Arbeit zu bewältigen.

Politik und damit Politikwissenschaft sind für die Soziale Arbeit in zweifacher Hinsicht relevant:

  1. Politische Entscheidungen gestalten wesentlich die Arbeitsfelder Sozialer Arbeit und beeinflussen damit maßgeblich deren Handlungsbedingungen. Politik definiert im Rahmen moderner Sozialstaatlichkeit Aufgaben Sozialer Arbeit und stellt mit Geld und Gesetzen Ressourcen zu deren Bewältigung zur Verfügung. Sie gestaltet (insbesondere auf kommunaler Ebene) die Infrastruktur Sozialer Dienste und regelt Reichweite wie Intensität sozialarbeiterischer Interventionen. Soziale Arbeit setzt in dieser Perspektive von der Politik formulierte Aufträge und Regelungen um (Politikimplementation). Soziale Arbeit ist hier als angewandte Politik zu verstehen. Politikwissenschaft ist heranzuziehen, um diesen politischen Regelungsbereich in seinen Inhalten und seinem Funktionieren zu verstehen. Dies ist Grundlage für politisch reflektiertes und effektives Handeln Sozialer Arbeit.
  2. Politisches Handeln ist der Sozialen Arbeit immanent. Politisches Handeln gehört notwendig zur Erfüllung ihres gesellschaftlichen Auftrags und ist Teil ihres professionellen Handelns. Es ist funktionsimmanenter Teil ihrer Integrationsarbeit. Denn Soziale Arbeit kann ihre Integrationsfunktion nur erfüllen, wenn sie zugleich auf individuelle Hilfe wie Strukturveränderung zielt und dabei ihre politische Einmischung im spannungsreichen Verhältnis zwischen Professions- und Klientelinteressen, zwischen Empowerment und advokatorischem Handeln gestaltet. Politik als professionelles methodisches Unterstützungshandeln Sozialer Arbeit muss am Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe orientiert sein. Denn es gilt im Sinne des Auftrags sozialer Arbeit nicht nur durch politische Einflussnahme die Integrationsbedingungen der Klientel zu verbessern, sondern auch ihren politischen Status als Bürger*in zu schützen und zu fördern. Soziale Arbeit mischt sich in politische Prozesse ein; um die Teilhabebedingungen und Lebenslagen ihrer Klientel zu verbessern, muss dieses politische Handeln aber rückbinden an die Interessen der Klient*innen und deren Möglichkeiten zu politischer Partizipation. Politikwissenschaft ist heranzuziehen, um ihre Methoden professionell-politischen Handelns zu entwickeln, zu evaluieren und zu verbessern.

Politikwissenschaft als Bezugswissenschaft kann und soll mithin einerseits dazu beitragen, die für die Soziale Arbeit relevanten Politikinhalte (Policy) zu verstehen. Wie regelt die Politik die Bewältigung spezifischer sozialer Probleme durch Soziale Arbeit? Welche Gesetze, Verordnungen, Maßnahmen und Programme bestimmen die Rahmenbedingungen in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern Sozialer Arbeit: in der Eingliederungshilfe, in der Jugendhilfe, in der Sozialhilfe etc.? Wie kommen diese Regelungen als Ergebnis konfliktgeladener politischer Prozesse (Politics) zustande? Welche Interessen setzen sich warum durch? Hier gilt es, die die Soziale Arbeit betreffende Politik mit den Mitteln der Politikfeldanalyse (Policy Analysis) zu analysieren.

Andererseits kann und soll Politikwissenschaft dazu beitragen, die Politikfähigkeit Sozialer Arbeit zu steigern und die Methoden professionellen politischen Handelns weiterzuentwickeln. Wie kann das politische Handeln von Einrichtungen und Verbänden, von Sozialarbeitenden und ihren Organisationen professionalisiert, ihre Artikulations- und Durchsetzungsfähigkeit verbessert werden? Wie können schwache Interessen (der betroffenen Klientel) berücksichtigt, eingebunden und gestärkt werden? Wie ist die politische Integration der Klientel zu fördern? Hier gilt es, akteurzentriert das Politikmachen der Sozialen Arbeit zu analysieren, zu evaluieren und zu entwickeln.

Die für die Soziale Arbeit relevanten politikwissenschaftlichen Fragestellungen werden innerhalb der Politikwissenschaft selbst aber selten aufgegriffen und beantwortet. Auch im Bereich der Sozialpolitikforschung, den durchaus unterschiedliche Disziplinen für sich reklamieren (zu Sozialpolitik als Teilgebiet der Politikwissenschaft Schmid 2010; Schmidt 2012), der Soziologie (Kaufmann 2009), der Wirtschaftswissenschaften (Althammer und Lampert 2021) sowie der Sozialpädagogik (Böhnisch und Schröer 2012) werden die für Soziale Arbeit und ihre Klientel besonders relevanten Politikbereiche meist nicht systematisch erfasst; und die Ergebnisse aus den Forschungen zu den generalistischen Leistungsbereichen der Sozialpolitik (z.B. Sozialversicherungssystem, Familienpolitik etc.) sind für ein Verständnis der spezifischen Regelungsprobleme und Politikprozesse in den die Soziale Arbeit konstituierenden Politikarenen (z.B. Eingliederungspolitik, Jugendhilfepolitik, Sozialhilfepolitik, Wohnungslosenpolitik etc.) unzureichend. Sozialarbeitswissenschaft kann sich deshalb nicht darauf beschränken, die vorhandenen politikwissenschaftlichen Erkenntnisse zu „Sozialpolitik“ und „Sozialstaat“ (Rieger 2021a; 2021b) zu rezipieren, sondern muss eigene Forschungen zur „Sozialarbeitspolitik“ (Olk et al. 1981; Rieger 2021c) anstrengen.

4 Sozialarbeitspolitik als Politikfeld(analyse)

Soziale Arbeit braucht gesichertes empirisches Wissen über die politischen Voraussetzungen ihrer sozialarbeiterischen Interventionen. Soziale Arbeit muss wissen, wie der für sie relevante Politikbereich gestaltet ist, wie entsprechende Regelungen (Gesetze, Maßnahmen, Programme) in kontroversen politischen Prozessen zustande kommen und welche Auswirkungen sie auf Soziale Arbeit und die Lebenslagen ihrer Klient*innen haben. In der Politikwissenschaft ist die entsprechende Forschung im Teilgebiet der Politikfeldanalyse (Policy-Analyse) (Schubert und Bandelow 2009; Wenzelburger und Zolnhöfer 2015) angesiedelt. „Politikfeldanalyse befasst sich mit den konkreten Inhalten, Determinanten und Wirkungen politischen Handelns“ (Schubert und Bandelow 2009, S. 3). Sie ist die „praxisorientierte Teildisziplin der Politikwissenschaft“ (a.a.O., S. 7). Soziale Arbeit wird aber im Gegensatz zu Pflege oder Gesundheit bisher nicht als zusammenhängender Untersuchungsgegenstand der Politikfeldanalyse in den Blick genommen. Eine „eigenständige Policy“ bzw. ein „eigenständiges Politikfeld ‚Sozialarbeitspolitik‘“ (Güntner und Langer 2014, S. 242 f.) ist bislang weder in der Politikwissenschaft noch in der politischen Praxis etabliert.

Für die Politikfeldanalyse ist ein Politikfeld „ein inhaltlich abgegrenzter Bereich von Regelungen und Programmen, also von policies“ (Pappi und König 1995, S. 111; zitiert nach Loer et al. 2015, S. 9), oder umfassender „eine spezifische und auf Dauer angelegte Konstellation sich aufeinander beziehender Probleme, Akteure, Institutionen und Instrumente“ (a.a.O., S. 9). Mithilfe der klassischen Politikfelddefinition wird Sozialpolitik in der Politikwissenschaft als umfassendes Politikfeld wahrgenommen, das sich in eine Vielzahl unterscheidbarer Sub-Politikfelder (Arbeitsmarktpolitik, Familienpolitik, Gesundheitspolitik, Rentenpolitik, Pflegepolitik usw.) differenziert. Soziale Arbeit erscheint hier bislang nicht als zusammenhängender Regelungsbereich. Im Tätigkeitsbereich Sozialer Arbeit werden bisher bestenfalls kleinteilige Hilfepolitiken wie Altenhilfepolitik, Jugendhilfepolitik (Lindner und Pletzer 2017), Eingliederungspolitik, Sozialhilfepolitik, Drogenhilfepolitik, Arbeitslosen(hilfe)politik oder Integrationspolitik (Dahme und Wohlfahrt 2011) als Politikfelder oder Politikarenen identifiziert.

Die kleinteilige Ausdifferenzierung in eine Vielzahl von Sub-Arenen, in denen die Politik Sozialer Arbeit gestaltet wird, liefert zweifellos wichtige Erkenntnisse zu den Politikergebnissen, ihrem Zustandekommen und ihren Wirkungen in spezifischen sozialarbeiterischen Handlungsfeldern, verstellt aber den Blick auf übergreifende Problemzusammenhänge, Lösungsstrategien und Instrumente sowie daran orientierte (bereichsspezifische) Akteurskonstellationen, Politikprozesse und Institutionen. Um den für die Soziale Arbeit insgesamt relevanten Politikbereich abzugrenzen und als Gegenstand von Forschung und Theoriebildung sichtbar und zugänglich zu machen, ist es deshalb sinnvoll, das heuristische Konstrukt einer Sozialarbeitspolitik zu entwickeln. Sozialarbeitspolitik im hier gemeinten Sinne ist dann eine „Oberkategorie für eine Politikfeldfamilie“ (Döhler 2015, S. 60). Als heuristisches Konzept lenkt Sozialarbeitspolitik den Blick auf die inhaltlichen Gemeinsamkeiten all der diversen sozialpolitischen Sub-Arenen, in denen Soziale Arbeit reguliert und gestaltet wird, und macht Unterschiede kenntlich zu den generalisierten Sicherungssystemen (der Rentenpolitik, der Gesundheitspolitik, der Familienpolitik usw.), den dort mit spezifischen Mitteln und Instrumenten bearbeiteten Lebensstandardrisiken sowie den dort vorherrschenden Modi der Interessenartikulation und Interessendurchsetzung. Sozialarbeitspolitik grenzt einen eigenständigen Forschungsgegenstand der Sozialarbeitswissenschaft innerhalb der Sozialpolitik ab.

Es gibt in der Literatur durchaus andere Versuche, diesen Bereich zu markieren. So wird teils der Begriff „Kommunale Sozialpolitik“ (Dahme und Wohlfahrt 2011) oder „Soziale Dienstleistungspolitik“ (Dahme und Wohlfahrt 2015) verwandt. Ersterer ist aber missverständlich, weil er sich nur auf die kommunale politische Ebene bezieht, und der zweite ist – wie die Autoren selbst einräumen (a.a.O., S. 21 ff.) – unspezifisch, weil Soziale Dienstleistungen eben weit über die spezifische personenbezogene Dienstleistung Soziale Arbeit hinausreichen. Im US-amerikanischen Diskurs wäre der hier infrage stehende Bereich als „social welfare policy“ von „social policy“ abzugrenzen (Karger und Stoesz 2014, S. 4 f.; ebenso Popple und Leiphninger 2011, S. 20–27). Wobei auch im nordamerikanischen Diskurs die Abgrenzung nicht scharf und die Begriffsverwendung nicht eindeutig ist.

Der inhaltliche Zusammenhang des Politikbereichs Sozialarbeitspolitik ergibt sich aus einer spezifischen gesellschaftlichen Problemstellung und den dafür zu schaffenden sozialpolitischen Interventionsformen. Während der moderne demokratische Sozialstaat in der Tradition der Arbeiterpolitik (Leibfried und Tennstedt 1985) ein umfassendes, nahezu alle Bürger*innen einbeziehendes, soziales Sicherungssystem schafft, das darauf gerichtet ist, eine planbare bürgerliche Normalexistenz in einer lohnarbeitszentrierten, hoch individualisierten Gesellschaft über generalisierte Geld und Sachleistungen zu ermöglichen (Sozialpolitik im engeren Sinne), bleibt das – traditionell in der Armen- bzw. Fürsorgepolitik beheimatete, heute über Soziale Arbeit zu bearbeitende – Problem, wie Menschen, die den in dieser Gesellschaft vorherrschenden Integrationsmodi nicht (nicht mehr oder noch nicht) entsprechen können (oder wollen), ein der Menschenwürde und dem Status als Bürger*in entsprechendes, gesellschaftlich anerkanntes und akzeptiertes, selbstbestimmtes Leben möglich bleibt bzw. eröffnet wird (Sozialarbeitspolitik).

Das spezifische Bezugsproblem der Sozialarbeitspolitik kann nicht über generalisierte Geld- und Sachleistungen angegangen werden, sondern wird über die Interventionsform personenbezogener Dienstleistungen (der Sozialen Arbeit) bearbeitet. Während das Versicherungsprinzip (Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung) und das Versorgungsprinzip (Beamtenversorgung, Kindergeld usw.) und die daran geknüpften entpersonalisierten, generalisierten Leistungen in den quantitativ bedeutendsten Bereichen der Sozialpolitik leitend sind, prägt im Bereich der Sozialarbeitspolitik das individualisierende, auf Einzelfallhilfe, Nachrangigkeit und Bedarfsprüfung ausgerichtete Fürsorgeprinzip das soziale Leistungssystem. Hier dominieren die personenbezogenen Dienstleistungen – auch dort, wo sie mit Geld- und Sachleistungen einhergehen. Der Sozialstaat interveniert pädagogisch, weil die Zuteilung generalisierter Leistungen nicht ausreicht, um Exklusionsdynamiken aufzuhalten und Integration zu ermöglichen. Es „braucht“ eine Profession (Soziale Arbeit) und Organisationen (Sozialer Arbeit) mit dem spannungsreichen Auftrag, Menschen in eine spezifische Lebensform (lohnarbeitszentriert, individualisiert, demokratisch) zu integrieren und anzupassen, ohne dabei das Selbstbestimmungsrecht und die Würde dieser Menschen zu verletzen.

Die Besonderheit des Bezugsproblems wie der darauf gerichteten Regelungen, Maßnahmen und Projekte (Politikinhalte/​Policies) erfordern und bedingen spezifische Akteurskonstellationen und Politikprozesse. Denn, wie es die für Politikfeldanalyse einflussreiche Annahme Lowis richtungweisend ausdrückt, „policies determine politics(1972, S. 299; Herv. i. O.). Die Politikfeldfamilie bzw. der Politikbereich Sozialarbeitspolitik ist dementsprechend von anderen Sub-Arenen der Sozialpolitik abzugrenzen:

  • hinsichtlich spezifischer „Regelungsanforderungen und -möglichkeiten“ (Heinelt 2009, S. 121), denn Politik bewegt sich hier „an den Grenzen dessen, was mit dem politischen Mittel der bindenden Entscheidung noch“ (Luhmann 1981a, S. 97 f.; zitiert nach Weber und Hillebradt 1999, S. 139) gestaltet werden kann. Dementsprechend ist die Politik sozialer Dienstleistungen gekennzeichnet von „Dezentralisierung“, dem „Vorherrschen final orientierter Problemlösungsformen“ sowie der „Notwendigkeit einer Mitwirkung der Policy-Adressaten“ (Heinelt 2009, S. 121). Programme der Sozialarbeitspolitik sind selektiv, individualisierend und müssen der Organisation wie Profession Sozialer Arbeit große Ermessensspielräume eröffnen.
  • hinsichtlich der Bedeutung der kommunalen Ebene für Gestaltung und Durchführung der Politiken. Kommunen (hier insb. Kreise und kreisfreie Städte) verfügen als Leistungsträger und Leistungsanbieter über erhebliche Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume. Die institutionelle Gestalt der Sozialarbeitspolitik ist als Mehrebenengovernance und als im Korporatismus gründende local governance zu verstehen (z.B. Grohs 2010).
  • hinsichtlich der die Akteurskonstellationen prägenden Rolle der Wohlfahrtsverbände und Kommunen. Als „schwachen Interessen“ (Toens und Benz 2019) fehlt es der Klientel Sozialer Arbeit an Organisations- und Durchsetzungsfähigkeit. Privatwirtschaftliche Organisationen spielen trotz der Ökonomisierung Sozialer Arbeit seit den 1990er-Jahren weiterhin nur eine untergeordnete Rolle. Dominant bleibt die am Subsidiaritätsprinzip orientierte Rolle von Wohlfahrtsverbänden und Kommunen in der Interessenvertretung und Politikimplementation.
  • hinsichtlich der Dominanz der advokatorischen Interessentransformation. Im Bereich der Sozialarbeitspolitik vollzieht sich Interessenvermittlung „ganz überwiegend nach dem Modus der advokatorischen Transformation“ (Winter 1992, S. 416), denn die Selbstorganisation und Selbstvertretung von Betroffenen ist im Feld der Sozialarbeitspolitik besonders prekär. Hier spielen die direkte (selbstorganisierte Betroffeneninteressen), die wahlpolitische oder erwerbswirtschaftliche Interessenvertretung und eingeschränkt auch die professionspolitische eine nachgeordnete Rolle.
  • hinsichtlich der Abhängigkeit der Sozialarbeitspolitik von Sozialpolitik insgesamt. Eine generöse Ausgestaltung von Arbeitsrecht und Arbeitsförderung, Gesundheitspolitik, Rentenpolitik oder Familienpolitik ermöglicht es Sozialer Arbeit, sich auf spezifische, soziale Dienstleistungen erfordernde Problemlagen zu konzentrieren. Kürzungen in diesem Bereich (Austeritätspolitik) machen Sozialarbeitspolitik dagegen zum stets überforderten Lückenbüßer. Umgekehrt beseitigt ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger*innen nicht den Bedarf an Sozialer Arbeit, ermöglicht es ihr aber, sich auf ihre eigentliche Funktion zu konzentrieren.

5 Sozialarbeitspolitik als (Analyse) professionelles politisches Handeln

Dreh- und Angelpunkt einer politikwissenschaftlich inspirierten Forschung und Lehre in der Sozialen Arbeit muss die Professionalisierung des politisch-methodischen Handelns Sozialer Arbeit sein. Analyse, Evaluation und Entwicklung der Methoden politischen Handelns in der Sozialen Arbeit kann politikwissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse insbesondere aus den Bereichen der politischen Partizipationsforschung (Gabriel 2021), der Verbände- (Boeßenecker und Vilain 2013; Schroeder und Schulze 2019) und Parteienforschung, neuerer Ansätze zur Mikropolitik- oder Strategieanalyse (Raschke und Tils 2013) oder politikwissenschaftlicher Fachdiskurse zu Lobbying (Kleinfeld et al. 2007) und Politikberatung (Falk et al. 2019) aufgreifen, um die spezifischen Fragestellungen und Herausforderungen Sozialer Arbeit zu bearbeiten. Das Forschungsprogramm Sozialarbeitspolitik fragt in seiner methodischen Dimension danach, auf welchen Wegen und mit welchen Interventionen Soziale Arbeit als individuelle oder kollektive Akteurin Politik im Sinne ihrer Werte, ihrer professionellen Standards und der Interessen ihrer Klientel beeinflussen kann. Ziel ist es, die Politikfähigkeit Sozialer Arbeit zu steigern.

Ein Blick auf die Praxis der Sozialarbeitspolitik zeigt, dass Soziale Arbeit vielfältige Wege beschreitet, um Politik zu beeinflussen. Sie nutzt Methoden der Politikberatung (Rieger 2015), der Öffentlichkeitsarbeit, des Lobbyings (Dähnrich 2019) oder der Gremienarbeit (Rieger 2013). Sie betreibt politische Bildung (Schäfer 2020) und unterstützt Prozesse des politischen Empowerments. Und selbst im Alltag der Fallarbeit sind, beginnend mit der Nutzung von Ermessensspielräumen, politische Handlungsspielräume für die Street-Level Bureaucrats (Lipsky 2010) Sozialer Arbeit gegeben.

Eine Systematisierung ihres politisch-methodischen Arbeitens ergibt sich aus der die Profession kennzeichnenden spezifischen Stellung im Hilfeprozess. Als organisierte Hilfe wirkt Soziale Arbeit auf individueller und organisationaler Ebene. Sie hat sowohl eine politikimplementierende wie eine politikgestaltende Funktion und handelt politisch im Sinne stellvertretender Einmischung oder über Partizipationsförderung. Es kann also einerseits unterschieden werden zwischen politischer Arbeit in der Phase der Politikimplementation (intern) und der Phase der Politikgestaltung (extern), andererseits zwischen direkten politischen Interventionen der individuellen und kollektiven Akteur*innen Sozialer Arbeit und indirekter politischer Arbeit, die auf die Ermächtigung (Empowerment) der Adressat*innen zur Selbstorganisation und Selbstvertretung zielt (Tabelle 1).

Tabelle 1: Methoden der Sozialarbeitspolitik (Rieger 2021c, S. 59)
indirekte politische Intervention direkte politische Intervention
Politikimplementation (intern)
  • Politische Bildung (bildungsferner Schichten in der Kinder- und Jugendhilfe sowie Erwachsenenbildung)
  • Partizipationsförderung (Empowerment von Einzelnen und Gruppen, User Involvement, Institutionengestaltung [Werkstattrat, Heimbeirat usw., Ombudspersonen])
  • politisch reflektierte Fallarbeit (mit Einzelnen, in Gruppen und mit dem Gemeinwesen)
  • Mikropolitische (Beiträge zur) Organisationsentwicklung und Netzwerkgestaltung
(Leitbildentwicklung, strategische Ausrichtung der Organisation [Organisationspolitik], Personalpolitik, organisationsinterne Gremienarbeit, z.B. in internen Arbeitsgruppen, Steuerungsgruppen, Qualitätszirkeln, Teambesprechungen usw.)
Politikgestaltung (extern)
  • Politische Bildung und Aktivierung (z.B. aktivierende Befragung; gem. polit. Aktionen in Sozialer Gruppenarbeit; Planning for Real usw.)
  • Empowerment und Unterstützung der Selbstorganisation von Betroffeneninteressen (materielle Unterstützung, Beratung, als Mitarbeiter*in von Betroffenenorganisationen; Organisationsberatung; Political Consulting)
  • Politikberatung (einschl. Sozialplanung und Sozialberichterstattung)
  • Gremienarbeit (in organisationsexternen AGs, Steuerungsgruppen, Planungsgruppen, Ausschüssen usw.)
  • Soziallobbying (einschließlich politischer Öffentlichkeitsarbeit [public affairs])

Im internationalen Zusammenhang hat sich für die politisch-methodische Forschungsperspektive der Begriff der Policy Practice etabliert (Cummins et al. 2011; Gal und Weis-Gall 2014; Klammer et al. 2021; Lane und Pritzker 2018; Ritter 2018). Policy Practice begreift politisches Handeln als professionellen Auftrag Sozialer Arbeit und zielt auf die Erforschung und Ausbildung des Politikmachens (policy making) der Sozialarbeitenden im Sinne von social action als vierter Methode (neben Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit) Sozialer Arbeit (Köngeter 2021). Es geht darum, empirisches Wissen zum politischen Handeln der Sozialarbeitenden, dessen Wirkungen und Ermöglichungsbedingungen (Weiss-Gal und Gal 2018) zu generieren, um Methoden professionell politischen Arbeitens weiterzuentwickeln und damit die Politikfähigkeit der Sozialen Arbeit zu fördern. Kritisch an Policy Practice ist ihre fast ausschließliche Fokussierung auf die Rolle der professionsangehörigen Sozialarbeitenden in politischen Prozessen. Die politische Einflussnahme der Organisationen, Einrichtungen und Verbände, öffentlichen wie freien Trägern der Sozialen Arbeit als kollektive Akteur*innen wird dabei oftmals vernachlässigt.

Professionelles politisches Handeln der Sozialen Arbeit ist kein Selbstzweck im Sinne von Machterwerb und Machterhalt, sondern ist auf die Gestaltung der für die Soziale Arbeit, ihre gesellschaftliche Funktion wie ihren politischen Auftrag und ihre Klientel relevanten Politikinhalte gerichtet. Sozialarbeitspolitik als professionelles methodisches Handeln muss deshalb einerseits auf Wissen zu den politischen Gestaltungsmöglichkeiten in ihrem Feld zurückgreifen. Professionelle Kritik des Status quo und die Entwicklung von Politikalternativen braucht wissenschaftliches, politikfeldanalytisch zu erarbeitendes Wissen zu relevanten Politikinhalten, ihren Wirkungen und ihrem Zustandekommen (inhaltliche Dimension der Sozialarbeitspolitik).

Darüber hinaus bedarf sie aber auch der wissenschaftlich aufgeklärten normativen Reflexion und Orientierung. Soziale Arbeit hat ein notwendig kritisches Verhältnis zur Politik. Soziale Arbeit vertritt Interessen, übt dabei Kritik, stellt Forderungen und ermächtigt Betroffene. Sie leistet ihre Arbeit an den Grenzen der Gesellschaft und ist damit automatisch mit deren Widersprüchen und Ambivalenzen, deren Exklusionstendenzen und Diskriminierungsphänomenen konfrontiert. Gleichzeitig ist sie Ausführende einer durch demokratische Institutionen und Verfahren legitimierten Politik. Ihr politisches Mandat (Merten 2001) ist im Spannungsverhältnis von öffentlichem Auftrag, professionellem Anspruch und Klientelinteressen zu gestalten. Ihr professionelles politisches Handeln muss ein politikethisch reflektiertes Handeln sein.

Methoden und Theorien aus dem Bereich der normativ-kritisch orientierten Politikwissenschaft (Politischen Philosophie, Demokratie- und Gerechtigkeitstheorie) können hier herangezogen werden, um grundsätzliche Fragen zu Demokratie, sozialer Gerechtigkeit, bürgerlicher Gleichheit und Freiheit wie Selbstbestimmung angesichts des Ausschlusses und der Abhängigkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen zu klären, politische Reformen zu kritisieren und Alternativen zu entwickeln. Es gilt in ideologie- und kapitalismuskritischer Absicht, die sich in Armut, Ausgrenzung, Abhängigkeit und Unterdrückung zeigenden Widersprüche moderner, mit der kapitalistischen Wirtschaftsform und nationalstaatlichen Wohlfahrtssystemen verbundenen Demokratien herauszuarbeiten, gegebene Sozialarbeitspolitiken einer menschen- bzw. bürgerrechtlichen Bewertung und Kritik zu unterziehen sowie gerechtere, partizipatorischere, anerkennende Reformperspektiven aufzuzeigen. Machtstrukturen, verdeckte Interessen und Regierungsweisen müssen offengelegt und die Verstrickung Sozialer Arbeit in die Erzeugung und Aufrechterhaltung benachteiligender und diskriminierender Verhältnisse herausgearbeitet werden. Stachel im Fleisch einer allzu affirmativen Professionalisierung Sozialer Arbeit und damit auch ihres methodisch-politischen Handelns sind hier der von einer „Kritischen Sozialen Arbeit“ (Anhorn et al. 2012) ausgehende Diskurs und das insbesondere vom Herausgeberkreis der Zeitschrift „Widerstände“ diskutierte Konzept einer „Politik des Sozialen“ (Panitzsch-Wiebe et al. 2014). Wichtige Beiträge zu einer reflexiven Professionalisierung des politischen Handelns liefern aber ebenso Erörterungen zu „Soziale Arbeit im Kapitalismus“ (Otto 2020), zur „Entbürgerlichung durch Soziale Arbeit?“ (Wagner 2013) oder dem „Gebrauch der eigenen Kräfte“ (Kessl 2020).

6 Ausblick

Politikwissenschaft erfüllt ihre Funktion als Bezugswissenschaft für Disziplin und Profession Sozialer Arbeit nur dann, wenn es gelingt, Methoden und Erkenntnisse der Politikwissenschaft für die Fragestellungen und Herausforderungen sozialarbeiterischer Praxis nutzbar zu machen. Es bedarf eines eigenständigen Forschungsfelds Sozialarbeitspolitik, in dem Sozialarbeitspolitik sowohl in ihrer inhaltlichen als auch in ihrer methodischen Dimension untersucht und für die Lehre aufgeschlossen wird. Während klassische Lehrtexte für die Politiklehre im Studium der Sozialen Arbeit noch wesentlich auf die Vermittlungen allgemeinen Wissens zu Sozialpolitik und Sozialstaat ausgelegt sind (Bellermann 2011/1997), nehmen neuere Lehrbücher zunehmend die spezifischen Zusammenhänge zwischen Politik und Sozialer Arbeit in den Fokus (Benz und Rieger 2015; Borstel und Fischer 2018; Engel 2011; Fehmel 2019; Kessl und Leitner i.E.).

Die Sektion Politik Sozialer Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (www.dgsa.de/index.php?id=65) bietet Lehrenden, Forschenden und Praktizierenden aus dem Feld der Sozialarbeitspolitik und der politischen Sozialen Arbeit ein Forum. In mehreren Herausgeberbänden wurde versucht, den State of the Art der Beschäftigung mit der Politik Sozialer Arbeit (Benz et al. 2013 und 2014) herauszuarbeiten und zunehmend empirische Forschungsarbeiten zur politischen Praxis anzuregen (Dischler und Kulke 2021); mit dem Format eines jährlich online stattfindenden „International Policy Practice Meeting“ die internationale Vernetzung voranzutreiben und auch die Didaktik der Politiklehre in der Sozialen Arbeit weiterzuentwickeln (Rieger und Wurtzbacher 2020; Burzlaff 2020).

7 Quellenangaben

Althammer, Jörg W. und Heinz Lampert, 2021. Lehrbuch der Sozialpolitik. 10. Auflage. Berlin: Springer Gabler. ISBN 978-3-662-56257-4

Anhorn, Roland, Frank Bettinger, Cornelis Horlacher und Kerstin Rathgeb, Hrsg., 2012. Kritik der Sozialen Arbeit: kritische Soziale Arbeit. Wiesbaden: Springer VS. ISBN 978-3-531-17917-9 [Rezension bei socialnet]

Bellermann, Martin, 2011, 1997. Sozialpolitik: Eine Einführung für Soziale Berufe. 6. Auflage. Freiburg i. B.: Lambertus. ISBN 978-3-7841-2262-5

Benz, Benjamin und Günter Rieger, 2015. Politikwissenschaft für die Soziale Arbeit: Eine Einführung. Wiesbaden: Springer VS. ISBN 978-3-531-17449-5

Benz, Benjamin, Günter Rieger, Werner Schönig und Monika Többe-Schukalla, Hrsg., 2013. Politik Sozialer Arbeit: Band 1: Theoretische und disziplinäre Perspektiven. Weinheim: Beltz Juventa. ISBN 978-3-7799-2869-0 [Rezension bei socialnet]

Benz, Benjamin, Günter Rieger, Werner Schönig und Monika Többe-Schukalla, Hrsg., 2014. Politik Sozialer Arbeit: Band 2: Akteure, Handlungsfelder und Methoden. Weinheim: Beltz Juventa. ISBN 978-3-7799-2895-9 [Rezension bei socialnet]

Bernauer, Thomas, Detlef Jahn, Patrick M. Kuhn und Sylvia Kritzinger, Hrsg., 2022. Einführung in die Politikwissenschaft. 5. Auflage. Baden-Baden; Nomos. ISBN 978-3-8487-7938-3

Boeßenecker, Karl-Heinz und Michael Vilain, 2013. Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege: Eine Einführung in Organisationsstrukturen und Handlungsfelder sozialwirtschaftlicher Akteure in Deutschland. Weinheim: Beltz Juventa. ISBN 978-3-7799-2502-6 [Rezension bei socialnet]

Böhnisch, Lothar und Wolfgang Schröer, 2012. Sozialpolitik und Soziale Arbeit: Eine Einführung. Weinheim: Beltz Juventa. ISBN 978-3-7799-5015-8

Borstel, Dierk und Ute Fischer, 2018. Politisches Grundwissen für die Soziale Arbeit. Stuttgart: Kohlhammer. ISBN 978-3-17-030597-7

Burzlaff, Miriam, 2020. Selbstverständnisse Sozialer Arbeit: Individualisierungen – Kontextualisierungen – Policy Practice. Weinheim: Beltz Juventa. ISBN 978-3-7799-6751-4

Cummins, Linda K., Katherine V. Byers und Laura Pedrick, 2011. Policy Practice for Social Workers: New Strategies fat a New Era. Boston: Allyn&Bacon. ISBN 978-0-205-02244-1

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Verfasst von
Prof. Dr. Günter Rieger
Studiengangsleiter Soziale Dienste in der Justiz, Fakultät Sozialwesen DHBW Stuttgart
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Zitiervorschlag
Rieger, Günter, 2022. Politikwissenschaft [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 19.03.2022 [Zugriff am: 26.05.2022]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Politikwissenschaft

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