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Rehabilitationspädagogik

Prof. Dr. Gwendolin Bartz

veröffentlicht am 24.02.2022

Ähnliche Begriffe: Behindertenpädagogik; Heilpädagogik; Inklusionspädagogik; Inklusive Pädagogik; Sonderpädagogik

Englisch: rehabilitation education, special education, inclusive education (im inklusiven Kontext)

Als Teildisziplin der Pädagogik befasst sich die Rehabilitationspädagogik mit der Erziehung, Bildung und Förderung von Menschen mit einer Behinderung. Dabei beschäftigt sie sich auch mit dem außerschulischen Bereich und befasst sich mit Fragen der Rehabilitation und Wiedereingliederung.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Rehabilitationspädagogik – ein pädagogischer Begriff?!
  3. 3 Themen, Bezugsdisziplinen und Methoden der Rehabilitationspädagogik
  4. 4 Bedeutung und Einordnung des Begriffs Rehabilitationspädagogik
  5. 5 Kritische Betrachtung des Begriffs Rehabilitationspädagogik
  6. 6 Quellenangaben
  7. 7 Literaturhinweise
  8. 8 Informationen im Internet

1 Zusammenfassung

Rehabilitationspädagogik ist eine Disziplin aus einer Reihe von pädagogischen Disziplinen, die sich um die Erziehung, Bildung und Förderung von Menschen mit Behinderung kümmern. Dabei ist zu beachten, dass sich durch die Zusammenführung der Begriffe Rehabilitation und Pädagogik die pädagogischen Angebote vor allem auf die Rehabilitation, sprich die Wiedereingliederung oder Wiederherstellung bestimmter Fähigkeiten der KlientInnen beziehen können. Rehabilitationspädagogik wurde begrifflich zur Zeit der DDR an der Humboldt-Universität, Berlin geprägt. Nach 1990 wurde der Begriff auch an anderen Hochschulen und Universitäten, wie etwa in Dortmund oder Köln übernommen. Eine zentrale Frage, wenn nicht die zentrale Frage, ist die nach der pädagogischen Ausrichtung der Rehabilitationspädagogik. Ist diese allein aufgrund der Zusammenführung von Rehabilitation und Pädagogik eine pädagogische Disziplin und ist der Begriff ein pädagogischer? Kritik an dem Begriff bezieht sich häufig auf diesen Punkt. Methoden in der Rehabilitationspädagogik werden ähnlich wie in anderen Pädagogiken, die sich vorrangig mit Menschen mit Behinderungen beschäftigen, als heilpädagogische Methoden aufgeführt (Berufs- und Fachverband Heilpädagogik e.V. 2010, S. 10 f.). Bezugsdisziplinen sind je nach Auslegung Sozialwissenschaften, Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie oder Medizin, Gesundheits- und Pflegewissenschaften.

2 Rehabilitationspädagogik – ein pädagogischer Begriff?!

Durch die Zusammenführung der Begriffe Rehabilitation und Pädagogik stellt sich aufgrund von „Rehabilitation“ die Frage, ob Rehabilitationspädagogik ein originär pädagogischer Begriff ist oder ob die Festlegung auf Rehabilitation nicht eher einer pädagogischen Intention entgegensteht. Es geht um die Frage, welcher Teil – Rehabilitation oder Pädagogik – dominanter ist.

Nach Rödler (1996, S. 2) gibt es zwei „Lesarten“ des Begriffs Rehabilitationspädagogik. Zunächst definiert er: „Rehabilitationspädagogik (rehabilitieren: in die früheren (Ehren)Rechte wiedereinsetzen; aus habilitieren: geeignet, fähig machen)“. Für die erste Lesart schreibt er: „In Verbindung mit der üblichen medizinischen Verwendung dieses Begriffes dominiert dabei aber die Konnotation der individuellen Förderung bzw. der ‚Befähigung‘.“ (ebd.)

Die zweite Lesart kann, Rödler folgend, eher als pädagogische Arbeit an Bedingungen und nicht nur am individuellen Menschen verstanden werden. Rödler schreibt: „Verstanden als Arbeit an und in der Lebensumwelt eines Menschen, um diesen (wieder) in seine Rechte zu setzen, d.h. ihm (wieder) eine Möglichkeit zu erschließen, sich auf der Basis einer unbehinderten sozialen Einbettung zu entwickeln.“ (Rödler 1996, S. 2) Wird Rehabilitationspädagogik als diese zweite Lesart verstanden, so kann eine gewisse Nähe zur Inklusionspädagogik oder Inklusiven Pädagogik ausgemacht werden (Simon 2020).

Romero nennt als vordergründiges Ziel für Rehabilitation

„eine Optimierung der Möglichkeiten, jeweils (noch) erhaltene Kompetenzen im alltäglichen Leben zu nützen. Dabei handelt es sich um kognitive, emotionale, praktische und soziale Kompetenzen. Eine gesellschaftliche Teilhabe – entsprechend der erhaltenen Ressourcen – gehört genauso zu den Rehabilitationszielen, wie eine größtmögliche Minderung von krankheitsbedingten Störungen. Individuelle Rehabilitationsziele berücksichtigen neben den Krankheitsfolgen (Diagnose, Prognose, Krankheitsstadium) auch verfügbare soziale Ressourcen und die personale Relevanz der therapeutischen Hilfe.“ (Romero 2011, S. 325)

Romero führt dies zwar in Bezug auf demenziell Erkrankte aus, die Intention von Rehabilitation ist jedoch unabhängig von den KlientInnen. Entscheidend ist daher der Zusatz Rehabilitations-Pädagogik, der den Begriff aus den Rehabilitationswissenschaften in einen pädagogischen Kontext setzt.

3 Themen, Bezugsdisziplinen und Methoden der Rehabilitationspädagogik

Rehabilitationspädagogik lässt sich also im Kontext der Rehabilitationswissenschaften verorten und hat damit neben der Allgemeinen Pädagogik oder Erziehungswissenschaft auch noch einen anderen disziplinären Hintergrund. Insofern sind die Themen mit denen sich RehabilitationspädagogInnen beschäftigen zwar auch die, denen sich beispielsweise auch HeilpädagogInnen widmen, gleichwohl finden sich Themen wieder, die eher dem – wie der Name schon sagt – medizinisch-rehabilitativen Bereich zugeordnet werden können. Die Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW e.V.) schreibt zu Rehabilitationswissenschaften:

  • „umfassen sowohl Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung, die in der Regel interdisziplinär erfolgt
  • basieren ihre Arbeit auf dem bio-psycho-sozialen Modell von Gesundheit und Krankheit, insbesondere dem Modell der Internationalen Klassifikation von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
  • berücksichtigen besonders die Perspektive der Menschen mit drohenden oder bestehenden Beeinträchtigungen in ihren verschiedenen Lebenslagen
  • greifen Herausforderungen und Fragen der Rehabilitationspraxis auf, fördern den Transfer der Forschungsergebnisse in die Praxis und verstehen den interaktiven Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis, auch im Sinne der Implementierungsforschung, als wichtigen Bestandteil des Fachs.“ (Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften e.V. o.J., o.S.)

Auch wenn auf eine interdisziplinäre Ausrichtung hingewiesen wird, sind die Akteure und aufgeführten WissenschaftlerInnen in dieser Gesellschaft eher dem medizinischen Kontext zuzuordnen. Da die Rehabilitationswissenschaften unmittelbare Bezugspunkte für die Rehabilitationspädagogik darstellen, ist an dieser Stelle eine thematische Nähe zu originär medizinischen Fragen der Rehabilitation gegeben. Hochschulen, an deren Fakultäten Rehabilitationswissenschaft gelehrt wird, die sich eher der Rehabilitationspädagogik zuordnen, beschreiben ihre Studiengänge zwar klar interdisziplinär, geben aber als erste Bezugsdisziplinen Heilpädagogik, Soziologie oder Psychologie an und nennen die Medizin häufig zuletzt. Offenbar wird hier versucht, das Pädagogische im Rehabilitativen zu betonen.

„Der Masterstudiengang Rehabilitationswissenschaften orientiert sich an einem Konzept von Rehabilitation, welches Menschen mit Behinderungen, gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder chronischen Erkrankungen in den Fokus nimmt und darauf abzielt, Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe an allen Lebensbereichen für diese Personengruppe zu fördern, Benachteiligungen zu vermeiden und ihnen entgegen zu wirken. Der Studiengang ist interdisziplinär angelegt und verbindet die Fachwissenschaften Heilpädagogik, Soziologie, Sozialwissenschaften, Psychologie und Medizin.“ (Universität zu Köln o.J., o.S.)

Für den Bachelor-Studiengang Rehabilitationspädagogik schreibt die Fakultät Rehabilitationswissenschaften der TU Dortmund: „Der Bachelorstudiengang vermittelt Kenntnisse, Fähigkeiten und Methoden in den Feldern sozialer Rehabilitation und Pädagogik, der Behindertenhilfe sowie des Sozial- und Gesundheitssystems. Er bereitet unter den Aspekten Rehabilitation, Therapie, Pädagogik und Organisation auf die Arbeit in unterschiedlichen Beschäftigungsfeldern der beruflichen und sozialen Rehabilitation vor" (TU Dortmund o.J.a).

In einem übergeordneten Verständnis der Rehabilitationswissenschaften stehen die Rehabilitation und insbesondere die medizinische Rehabilitation im Vordergrund. In einem engeren Verständnis der Rehabilitationspädagogik finden sich verstärkt originär pädagogische Auseinandersetzungen und Schwerpunkte wieder, die beispielsweise auch in der Heilpädagogik oder Sonderpädagogik diskutiert werden.

Durch die Themenschwerpunkte werden zudem die beteiligten Disziplinen oder Bezugsdisziplinen der Rehabilitationspädagogik festgelegt. Geht es primär um Fragen der Rehabilitation in einem medizinischen oder gesundheitswissenschaftlichen Verständnis, sind die Bezugsdisziplinen die Medizin, Gesundheits- oder auch Pflegewissenschaften.

Geht es eher um Fragen der Förderung, Therapie, der Beschulung, Bildung und Erziehung, so sind eher Disziplinen wie die Erziehungswissenschaften, Pädagogik, Bildungswissenschaften, aber auch Sozialwissenschaften oder die Psychologie und Soziologie angesprochen.

Aus den Themen und Bezugsdisziplinen heraus, sind auch die Methoden zu begreifen, die im jeweiligen Handlungsfeld zur Anwendung kommen. Wird Rehabilitationspädagogik synonym zur Heilpädagogik verstanden, so lassen sich die Methoden anführen, die der Berufsverband Heilpädagogik als „Heilpädagogische Handlungskonzepte“ (Berufs- und Fachverband Heilpädagogik e.V. 2010, S. 9) benennt. Hierzu gehören die „heilpädagogische Diagnostik, methodische Elemente heilpädagogischen Handelns und Arbeitsfelder von HeilpädagogInnen“ (ebd.), die der Verband in „tätigkeitsbezogene Handlungsfelder und lebensortbezogene Handlungsfelder“ unterteilt (a.a.O., S. 9–12). Als Methoden benennt der Berufsverband u.a. folgende:

  • „Wahrnehmungsförderung und sensorisch-integrative Förderung
  • basalpädagogische Aktivierung/Förderpflege
  • Spielförderung/​heilpädagogische Spieltherapie/​Elemente aus dem Psychodrama
  • Heilpädagogische Entwicklungsbegleitung
  • Heilpädagogische Übungsbehandlung (HPÜ)
  • Heilpädagogische Persönlichkeitsförderung
  • Verhaltensmodifikation
  • Psychomotorik, Rhythmik
  • Werken, Gestalten, Musizieren
  • Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren, tiergestütze Förderung
  • Sprach- und Kommunikationsförderung
  • Validation“ (a.a.O., S. 10 f.)

Versteht man die Rehabilitationspädagogik als Teil der Wissenschaftsdisziplin Rehabilitationswissenschaften werden noch einmal andere Methoden in der Praxis relevant, die sich vorrangig um die Punkte Wiedereingliederung und Rehabilitation aus einem medizinischen Verständnis heraus bemühen. Hier geht es dann nach Mau, Bengel und Pfeifer um ein „über einzelne Therapiemaßnahmen (z.B. Medikation) hinausgehendes, multiprofessionelles und koordiniertes Krankheitsmanagement entsprechend der Rehabilitation.“ (Mau, Bengel und Pfeifer 2017, S. 402) In einem anderen von Bengel herausgegebenen Grundlagenwerk zur Rehabilitationswissenschaft führt Weis unter dem Stichwort „medizinische Rehabilitation“ verschiedene Interventionen aus. „Innerhalb der Rehabilitation lassen sich drei unterschiedliche Gruppen von Interventionen unterscheiden, die je nach Ausrichtung oder Schwerpunktsetzung der jeweiligen Rehabilitationseinrichtung (chronisch körperliche Erkrankungen, Suchterkrankungen oder psychosomatische bzw. psychiatrische Erkrankungen) in unterschiedlicher Ausprägung und Kombinationen zum Einsatz kommen: Medizinische Interventionen, psychosoziale Interventionen, Maßnahmen der Prävention.“ (Weis 2000, S. 122). Wenn sich die Rehabilitationspädagogik als Teil dieser Rehabilitationswissenschaften verstehen möchte, muss sie sich mit ihren Themen und Methoden im Feld einbringen und positionieren.

4 Bedeutung und Einordnung des Begriffs Rehabilitationspädagogik

Die Rehabilitationspädagogik wurde zur Zeit der DDR an der Humboldt-Universität zu Berlin begrifflich geformt und entwickelt (Hübner 2000). Sie wurde vor allem durch Klaus-Peter Becker geprägt und ist als DDR-Pendant zum Begriff der Sonderpädagogik und dann ab den 1960er-Jahren zur Behindertenpädagogik zu verstehen (Harm 2020). „Rehabilitationspädagogik läßt sich knapp als die Wissenschaft von der sozialistischen Bildung und Erziehung physisch-psychisch Geschädigter unter dem Aspekt der Rehabilitation bezeichnen“ (Becker und Autorenkollektiv 1979, S. 163; zitiert nach Barsch 2007, S. 26). Es ging Becker und dem mit ihm arbeitenden Autorenkollektiv darum, dass mit dem Begriff „vor allem auch die spezifische interdisziplinäre Verflechtung mit den anderen Fachgebieten erfaßt [wird; G.B.], ohne die Kompetenz jedes einzelnen Gebietes zu verwischen“ (ebd.).

Die damaligen Bemühungen können als die erste Lesart des Begriffes nach Rödler verstanden werden. So schreiben Voigt und Müller: „Im Begriff ‚Rehabilitation‘ ist die Gesamtheit aller Bemühungen enthalten, die dem Ziel der Eingliederung geschädigter Menschen in das gesellschaftliche Leben dient. Hierzu gehören medizinische, pädagogische, juristische und fürsorgerische Maßnahmen, die zur Erreichung des höchstmöglichen Wirkungsgrades aufeinander abgestimmt sein müssen“ (Voigt und Müller 1961, Vorwort; zitiert nach Barsch 2007, S. 26).

Die pädagogische Intervention ist dabei nur eine unter vielen möglichen. Daher ist dem Begriff eine Dominanz der Rehabilitation inhärent, zumindest der ursprünglichen Intention nach. Eßbach definiert 1985 Rehabilitationspädagogik beziehungsweise deren Gegenstand als „die spezifischen Bedingungen und Beziehungen für die Organisierung des altersunabhängigen besonderen erzieherischen Verhältnisses sowie der Gestaltung des institutionalisierten (i.w.S.) rehabilitationspädagogischen Prozesses zur Realisierung der optimalen Integration der förderungsfähigen Intelligenzgeschädigten in die sozialistische Gesellschaft“ (Eßbach 1985, S. 85; zitiert nach Barsch 2007, S. 27). Hier kommt noch ein weiterer Umstand für den Begriff und dessen pädagogischer Umsetzung hinzu. Rehabilitation zielte damals auf die Eingliederung in die sozialistische Gesellschaft. Die Kritik daran wird weiter unten aufgegriffen.

Nach 1990 und verstärkt ab 2000 ließ sich ein Trend ausmachen, wonach der Begriff „der ‚Rehabilitationswissenschaften‘ die Bezeichnung Sonder- und Heilpädagogik an den Fakultäten verdrängt.“ (Barsch 2007, S. 25) Dies zum Beispiel an den Universitäten Dortmund oder Oldenburg, die den in der DDR geprägten Begriff in den Jahren nach der Wiedervereinigung übernahmen (Bartz 2022). Eine wirkliche Verdrängung hat jedoch – so kann jetzt konstatiert werden – nicht stattgefunden. Nach wie vor dominiert in den schulischen Studiengängen der Begriff Sonderpädagogik und in den außerschulischen Studiengängen der Begriff der Heilpädagogik (Bartz 2022). Beiden wird zunehmend der Begriff der Inklusionspädagogik zur Seite gestellt. Für den Begriff der Inklusionspädagogik (Simon 2020) kann damit ähnliches ausgemacht werden, wie Barsch für den Begriff Rehabilitationswissenschaften 2007 konstatierte. Er wird zunehmend bedeutsamer, nimmt man seine Verbreitung in den einzelnen Studienstätten als Kriterium. Zudem ist Inklusion eine zentrale Kategorie der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung und Themen.

Im Institutspapier Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin, die als Ursprungsstudienstätte der Rehabilitationspädagogik gilt, ist zu lesen: „Das Institut für Rehabilitationswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin befasst sich mit Prozessen lebenslanger Bildung und Förderung in schulischen und außerschulischen rehabilitationspädagogischen Handlungsfeldern mit dem Fokus auf Menschen mit Behinderungen/​Beeinträchtigungen.“ Von Rehabilitation ist im weiteren Verlauf vor allem im außerschulischen Kontext die Rede. In Bezug auf die klassischen Förderschwerpunkte wird wie an anderen Fakultäten auch von

  • „Blinden- und Sehbehindertenpädagogik
  • Gebärdensprach- und Audiopädagogik
  • Geistigbehindertenpädagogik
  • Körperbehindertenpädagogik
  • Pädagogik bei Beeinträchtigungen des Lernens
  • Sprachbehindertenpädagogik
  • Verhaltensgestörtenpädagogik“ (Institut Rehabilitationswissenschaften Humboldt-Universität 2014, S. 2)

gesprochen – allerdings unter der Rubrik „Rehabilitationspädagogische Fachrichtungen“ (ebd.).

Die Fakultät Rehabilitationswissenschaften der Technischen Universität Dortmund trennt mittlerweile die Begriffe und spricht beispielsweise von „Körperliche und Motorische Entwicklung in Rehabilitation und Pädagogik“ oder von „Rehabilitation und Pädagogik bei intellektueller Beeinträchtigung“ (Fakultät Rehabilitationswissenschaften Technische Universität Dortmund 2021). Für Dortmund ist eine deutliche Schwerpunktverschiebung – auch vor dem Hintergrund der Umbenennung der Universität in Technische Universität, die 2007 beschlossen wurde – hin zu Rehabilitationstechnologie zu verzeichnen (Technische Universität Dortmund o.J.b). So gibt es mittlerweile zwei Lehrstühle für Rehabilitationstechnologie an der Fakultät Rehabilitationswissenschaften (Fakultät Rehabilitationswissenschaften Technische Universität Dortmund 2021).

5 Kritische Betrachtung des Begriffs Rehabilitationspädagogik

Dreh- und Angelpunkt der Betrachtungen über den Begriff Rehabilitationspädagogik sind die Überlegungen, ob dieser ein originär pädagogischer ist (Laubenstein 2019) – zunächst einmal in Bezug auf seine historische Entwicklung, in der die Eingliederung in die sozialistische Gesellschaft ein wesentlicher Punkt war (Eßbach 1985, S. 85; zitiert nach Barsch 2007, S. 27).

Fornefeld kritisiert die Dominanz der Rehabilitation in dem Begriffs-Kompositum, indem sie darauf verweist, dass Rehabilitation im Kontext von Schule, Bildung und Erziehung begrifflich und vom Verständnis her zu kurz greift. Es geht bei Erziehung und Bildung zunächst um eine grundständige Befähigung, nach Fornefeld „Habilitation“, und nicht um eine Wiederherstellung, sprich „Re-Habilitation“ (Fornefeld 2000, S. 13). Eine Befähigung, die im pädagogischen Sinne gedacht und intendiert wird, ist zwar begrifflich angelegt, die Vorgehensweise, dies rehabilitativ zu versuchen, ist jedoch kritisch zu betrachten.

Nach Laubenstein ist der Schwerpunkt der Rehabilitationspädagogik „in der Eingliederungshilfe für behinderte und von Behinderung bedrohter Menschen“ (Laubenstein 2019) zu sehen. Hier hat zwar die Pädagogik ihren Anteil (ebd.), aber dennoch laufen der Begriff und die damit verbundenen Interventionen und Maßnahmen auf eine in den Sozialgesetzen verankerte Rehabilitation hinaus (ebd.).

Man kann feststellen, dass aus der Reihe der pädagogischen Disziplinen, die sich mit Menschen mit Behinderung und deren Bildung und Erziehung oder auch Förderung befassen, die Rehabilitationspädagogik ebenso wie die anderen Bezeichnungen (z.B. Heilpädagogik oder Behindertenpädagogik; Bartz 2022) Fragen aufwerfen sowie in der begrifflichen und inhaltlichen Ausrichtung kritisiert werden. Im Falle der Rehabilitationspädagogik erfolgt die Kritik vor allem aufgrund des Rehabilitations-Begriffes.

6 Quellenangaben

Barsch, Sebastian, 2007. Geistig behinderte Menschen in der DDR: Erziehung – Bildung – Betreuung. Oberhausen: Athena-Verlag. ISBN 978-3-89896-302-2

Bartz, Gwendolin, 2022. Behindertenpädagogik [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 17.02.2022 [Zugriff am: 18.02.2022]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/​Behindertenpaedagogik

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Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW e.V.), o.J. DGRW – Selbstverständnis: Wissenschaft in der und für die Rehabilitation – interdisziplinär und fachübergreifend [online]. Bielefeld: Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften e.V. [Zugriff am: 29.12.2021]. Verfügbar unter: https://www.dgrw-online.de/die-dgrw/

Fakultät Rehabilitationswissenschaften Technische Universität Dortmund, 2021. Fakultät Bereiche [online]. Dortmund: Technische Universität Dortmund [Zugriff am: 29.12.2021]. Verfügbar unter: https://reha.tu-dortmund.de/fakultaet/​bereiche/

Fornefeld, Barbara, 2000. Einführung in die Geistigbehindertenpädagogik. Stuttgart: Ernst Reinhardt, UTB. ISBN 978-3-8252-2160-7 [Rezension bei socialnet]

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Hübner, Ricarda, 2000. Die Rehabilitationspädagogik in der DDR: Zur Entwicklung einer Profession. Frankfurt am Main: Peter Lang. ISBN 978-3-631-35254-0

Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin, 2014. Profilpapier [online]. Berlin: Humboldt-Universität [Zugriff am: 29.12.2021]. Verfügbar unter: https://www.reha.hu-berlin.de/de/institut/​files/​institutsprofil20141217.pdf/@@download/file/institutsprofil20141217.pdf

Laubenstein, Désirée, 2019. Sonderpädagogik [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 08.04.2019 [Zugriff am: 29.12.2021]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/​Sonderpaedagogik

Mau, Wilfried, Jürgen Bengel und Klaus Pfeifer, 2017. Rehabilitation in der Aus-, Fort- und Weiterbildung beteiligter Berufsgruppen. In: Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz. 60(4), S. 402–409. ISSN 1436-9990

Rödler, Peter, 1996. Was tun wir da eigentlich? Heilsame Pädagogik? Integrieren durch ‚Sonderbehandlung‘? Besonderung durch Förderung? Besondere Förderung durch oder trotz Integration? In: Behindertenpädagogik. 35(1), S. 2–9. ISSN 0341-7301

Romero, Barbara, 2011. Rehabilitatives Handeln bei Abbauprozessen. In: Markus Dederich, Wolfgang Jantzen, Renate Walthes, Hrsg. Sinne, Körper und Bewegung. Stuttgart: Kohlhammer, S. 325–329. ISBN 978-3-17-019638-4

Simon, Toni, 2020. Inklusive Pädagogik [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 11.05.2020 [Zugriff am: 30.12.2021]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/​Inklusive-Paedagogik

Technische Universität Dortmund, o.J.a. Bachelor Rehabilitationspädagogik [online]. Dortmund: Technische Universität [Zugriff am: 29.12.2021]. Verfügbar unter: https://www.tu-dortmund.de/studierende/​studienangebot/​rehabilitationspaedagogik-29/

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Weis, Joachim, 2000. Interventionsmethoden in der Rehabilitation. In: Jürgen Bengel und Koch, Hrsg. Grundlagen der Rehabilitationswissenschaften Themen, Strategien und Methoden der Rehabilitationsforschung. Berlin: Springer, S. 121–138. ISBN 978-3-642-57114-5

7 Literaturhinweise

Barsch, Sebastian, 2007. Geistig behinderte Menschen in der DDR: Erziehung – Bildung – Betreuung. Oberhausen: Athena-Verlag. ISBN 978-3-89896-302-2

Ellger-Rüttgardt, Sieglind, 2008. Geschichte der Sonderpädagogik: Eine Einführung. München: Ernst Reinhardt. ISBN 978-3-497-01932-8

Ellger-Rüttgardt, Sieglind, 2010. Historiographie der Behindertenpädagogik. In: Detlef Horster, Wolfgang Jantzen, Hrsg. Wissenschaftstheorie. Stuttgart: Kohlhammer, S. 65–96. ISBN 978-3-17-027730-4

Hübner, Ricarda, 2000. Die Rehabilitationspädagogik in der DDR: Zur Entwicklung einer Profession. Frankfurt am Main: Peter Lang. ISBN 978-3-631-35254-0

Möckel, Andreas, 2010. Universitäre Geschichte der Sonderpädagogik. In: Detlef Horster, Wolfgang Jantzen, Hrsg. Wissenschaftstheorie. Stuttgart: Kohlhammer, S. 97–124. ISBN 978-3-17-027730-4

8 Informationen im Internet

Verfasst von
Prof. Dr. Gwendolin Bartz
IU Internationale Hochschule
Professorin für Heilpädagogik und Inklusionspädagogik
Lehrerin für Sonderpädagogik
Systemische Familientherapeutin (DGSF)
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Zitiervorschlag
Bartz, Gwendolin, 2022. Rehabilitationspädagogik [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 24.02.2022 [Zugriff am: 18.08.2022]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Rehabilitationspaedagogik

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