Rehabilitationspädagogin, Rehabilitationspädagoge
Prof. Dr. Gwendolin Bartz
veröffentlicht am 22.04.2024
Rehabilitationspädagog:innen arbeiten mit behinderten oder beeinträchtigten sowie von Behinderung bedrohten Menschen jeglichen Lebensalters. Sie entwickeln geeignete Maßnahmen und Konzepte in Hinblick auf deren Teilhabe an allen gesellschaftlichen Bereichen. Zudem arbeiten sie gegen behinderungsbedingte Benachteiligungen und versuchen, diese im Sinne eines bio-psycho-sozialen Verständnisses von Behinderung zu beseitigen.
Überblick
- 1 Bezeichnung
- 2 Tätigkeiten und Einsatzbereiche
- 3 Zugangsvoraussetzungen
- 4 Studieninhalte
- 5 Arbeitsmarkt
- 6 Berufsverbände und Berufsorganisationen
- 7 Quellenangaben
- 8 Informationen im Internet
1 Bezeichnung
Das Studienfach Rehabilitationspädagogik ist eng mit angrenzenden Disziplinen wie der Heil- oder Sonderpädagogik verwandt (Bartz 2022, Laubenstein 2019). Teilweise gibt es Überschneidungen in den Studieninhalten. Mittlerweile hat sich die Berufsbezeichnung Rehabilitationspädagogin/​Rehabilitationspädagoge etabliert. Die dieser Bezeichnung zugrundeliegende Rehabilitationspädagogik war lediglich in der (ehemaligen) DDR üblich (Hübner 2000). Erst nach 1990 wurde der Begriff auch in den sogenannten „alten Bundesländern“ eingeführt. Die Begriffseinführung führte anfangs zu Unklarheiten. Die Absolvent:innen der Studiengänge fanden zunächst keine Stellenangebote, in denen sie explizit adressiert wurden. Dies hat sich mittlerweile geändert und sie werden z.B. neben Heilpädagog:innen (Menth 2023) oder Sozialpädagog:innen erwähnt.
2 Tätigkeiten und Einsatzbereiche
Rehabilitationspädagog:innen arbeiten in verschiedenen Handlungsfeldern wie der Eingliederungs- und Behindertenhilfe, aber auch im medizinischen Bereich in Kliniken, Psychiatrien oder Pflegeeinrichtungen. Hier sind sie Teil eines multiprofessionellen bzw. interdisziplinären Teams, das aus Mediziner:innen, Therapeut:innen, Psycholog:innen, Sozialarbeiter:innen und weiteren Berufsgruppen und Professionen besteht.
Rehabilitationspädagog:innen nehmen als Teil dieses Teams insbesondere die Aufgaben wahr, die mit der (Wieder-)Eingliederung z.B. im Kontext von Arbeit oder Schule verbunden sind. Sie unterstützen bzw. fördern hier etwa Teilleistungsbereiche wie Sprache, Motorik oder Kognition, damit die erkrankten oder beeinträchtigten Klient:innen beispielsweise nach einem Schlaganfall im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Daneben liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit auf der sozialen Rehabilitation.
Auch in der Frühförderung, in sozialpädiatrischen Zentren oder in der Kinder-, Jugend- oder Familienhilfe arbeiten Rehabilitationspädagog:innen. Sie sind damit in verschiedenen Bereichen wie dem Bildungsbereich, dem Gesundheitswesen und dem Sozialwesen beschäftigt.
Zusammenfassend kann man folgende Einsatzbereiche nennen (Martini und Schade, 2024; Berufsverband der Heilpädagoginnen und Heilpädagogen – Fachverband für Heilpädagogik e.V. o.J.):
- Einrichtungen der frühkindlichen Bildung und Frühförderung
- (Förder-)Schulen
- Einrichtungen der Erwachsenenbildung
- Therapie- und Beratungszentren
- Praxen, Kliniken, Medizinische Versorgungszentren
- Pflege-, Kinder- und Seniorenheime
- Sozialpädagogische Einrichtungen
- (Kommunale) Verwaltung und Behörden (z.B. Jugend- und Sozialämter)
- Universitäten und Forschungseinrichtungen.
3 Zugangsvoraussetzungen
Rehabilitationspädagog:innen erhalten einen berufsqualifizierenden Abschluss durch ein Hochschulstudium der Rehabilitationspädagogik. In der Regel wird zur Aufnahme des Studiums die Allgemeine oder Fachgebundene Hochschulreife benötigt. Alternativ kann nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung mit Erwerb der Hochschulreife das BA-Studium begonnen werden. Die Studiengänge unterliegen einem NC.
Studiengänge der Rehabilitationspädagogik werden aktuell (Stand: 2024) an drei Universitäten in Deutschland entweder als Bachelor- und/oder Masterstudiengang angeboten:
- TU Dortmund, 6 Semester, Bachelor
- HU Berlin, 6 Semester, Bachelor
- HU Berlin, 4 Semester, Master
- Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, 4 Semester, Master.
4 Studieninhalte
In den Studiengängen werden grundlegende Kenntnisse der Teilhabe an allen gesellschaftlichen Bereichen mit den Schwerpunkten auf beruflicher und sozialer Rehabilitation vermittelt. Neben pädagogischen Themen beinhaltet das Studium psychologische, neuropsychologische und medizinische Aspekte.
In der Regel werden zudem Grundlagen der Kommunikation und Beratung sowie Kenntnisse über Behinderungsarten, Behinderungsmodelle (Gottwald 2019) und Krankheitsbilder dargelegt. Auch sozialrechtliche Rahmenbedingungen sind Bestandteil des Studiums. Der Themenbereich Inklusion ist ebenfalls verankert. In den Studiengängen werden Bezüge zur Umsetzung der Rehabilitation hergestellt sowie praxisnah vermittelt.
5 Arbeitsmarkt
Aufgrund des Fachkräftemangels in den sozialen Bereichen sind die aktuellen beruflichen Perspektiven für Rehabilitationspädagog:innen gut. Da sich die Ausbildungsinhalte auf verschiedene Handlungsbereiche beziehen, können sie sich auf Stellenangebote in sehr unterschiedlichen Branchen bewerben. Teilweise sind die Stellen recht unspezifisch ausgeschrieben und lediglich mit „Pädagogik“ betitelt. Hier konkurrieren Rehabilitationspädagog:innen unter Umständen mit (Heil-, Sonder-, Kindheits-, Erwachsenen- oder Sozial-)Pädagog:innen, Erzieher:innen oder Heilerziehungspfleger:innen.
6 Berufsverbände und Berufsorganisationen
Es gibt für die Rehabilitationspädagogik keinen eigenständigen Berufs- oder Fachverband. Verbände, die eine andere Berufsbezeichnung im Namen tragen, sind auch für Rehabilitationspädagog:innen offen. Hierzu zählen in erster Linie der „Berufs- und Fachverband Heilpädagogik e.V.“, die „Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften e.V.“ und der „Verband Sonderpädagogik e.V.“.
7 Quellenangaben
Bartz, Gwendolin, 2022. Rehabilitationspädagogik [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 24.02.2022 [Zugriff am: 28.12.2023]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/​28501
Berufsverband der Heilpädagoginnen und Heilpädagogen – Fachverband für Heilpädagogik (BHP) e.V., o.J. Fachgruppen [online]. Berlin: Berufsverband der Heilpädagoginnen und Heilpädagogen – Fachverband für Heilpädagogik (BHP) e.V [Zugriff am: 28.12.2023]. Verfügbar unter: https://bhponline.de/fachgruppen/
Gottwald, Claudia, 2019. Behinderung [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 24.06.2019 [Zugriff am: 28.12.2023]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/299
Hübner, Ricarda, 2000. Die Rehabilitationspädagogik in der DDR: Zur Entwicklung einer Profession. Frankfurt am Main: Peter Lang. ISBN 978-3-631-35254-0
Laubenstein, Désirée, 2019. Sonderpädagogik [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 08.04.2019 [Zugriff am: 28.12.2023]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/935
Martini, Andrea und Maike Schade, 2024. Berufsfeld Pädagogik [online]. Hamburg: academics GmbH [Zugriff am: 15.04.2024]. Verfügbar unter: https://www.academics.de/ratgeber/​berufsfeld-paedagogik
Menth, Michaela, 2023. Heilpädagogin, Heilpädagoge [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 11.10.2023 [Zugriff am: 28.12.2023]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/​27615
8 Informationen im Internet
- Berufs- und Fachverband Heilpädagogik e.V.
- Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften e.V.
- Verband Sonderpädagogik e.V.
- Informationen der Bundesagentur für Arbeit
- Rehabilitationspädagogik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
- Rehabilitationswissenschaften an der Technischen Universität Dortmund
- Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin
- Rehabilitationspädagogik an der Technischen Universität Dortmund
Verfasst von
Prof. Dr. Gwendolin Bartz
IU Internationale Hochschule
Professorin für Heilpädagogik und Inklusionspädagogik
Lehrerin für Sonderpädagogik
Systemische Familientherapeutin (DGSF)
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