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Resilienz

Etymologie: lat. resilire zurückspringen, abprallen

Unter Resilienz versteht man allgemein die Fähigkeit eines Menschen, einer organisatorischen Einheit oder generell eines Systems, „sich an dramatisch veränderte äußere Bedingungen anzupassen und dabei funktionsfähig zu bleiben“ (Zolli und Healy 2013, S. 16).

Der Begriff der Resilienz wird im Kontext verschiedener Disziplinen und Lebensbereiche verwendet, wie Psychologie, Pädagogik, Sozialökologie, Neurobiologie, Gesundheitswissenschaften, Gerontologie, Soziologie, Ökonomie, Politikwissenschaft, Kommunikationstechnologie, Ingenieurwesen, Katastrophensoziologie, Wirtschaftsgeographie, Urbanistik, Agrarwissenschaft, um nur die wichtigsten zu nennen. Das hat natürlich zur Folge, dass er mit unterschiedlichen Konnotationen gebraucht wird (siehe: „Resilienz interdisziplinär“ am Ende dieses Beitrages).

Hier wird insbesondere auf Resilienz als psychologisches Phänomen eingegangen.

Überblick

  1. 1 Resilienz (als psychologisches Phänomen)
  2. 2 Zusammenfassung
  3. 3 Resilienz vs. Vulnerabilität?
  4. 4 Angloamerikanische Resilienzforschung
    1. 4.1 Norman Garmezy: Großvater der Resilienzforschung
    2. 4.2 James E. Anthony: die Unverwundbarkeit?
    3. 4.3 Emmy Werner und Ruth Smith: Pionierinnen der Resilienzforschung
    4. 4.4 Michael Rutter: Resilienz über die Lebensspanne
    5. 4.5 Suniya Luthar: Ausdifferenzierung der Schutzfaktoren
    6. 4.6 Ann Masten: Ordinary Magic
    7. 4.7 Michael Ungar: Kultur- und Kontextgebundenheit
  5. 5 Resilienzforschung in Deutschland
    1. 5.1 Mannheimer Risikokinderstudie
    2. 5.2 Die Bielefelder Invulnerabilitätsstudie oder Bielefeld-Erlangen-Studie zu Resilienz
    3. 5.3 Das Deutsche Resilienz Zentrum (DRZ)
    4. 5.4 Zentrum für Kinder- und Jugendforschung der Evangelischen Hochschule Freiburg
  6. 6 Das Schutzfaktoren-Konzept
    1. 6.1 Kompensationsmodell
    2. 6.2 Herausforderungsmodell
    3. 6.3 Interaktionsmodell
    4. 6.4 Kumulationsmodell
  7. 7 Resilienz über die Lebensspanne
  8. 8 Resilienz interdisziplinär
  9. 9 Grenzen und Kritik
  10. 10 Quellenangaben
  11. 11 Literaturhinweise
  12. 12 Informationen im Internet

1 Resilienz (als psychologisches Phänomen)

Der aus dem Angloamerikanischen übernommene Begriff Resilienz wird im Deutschen meist mit „seelische Widerstandskraft“ übersetzt. Gemeint ist damit die Fähigkeit eines Menschen, außergewöhnliche Belastungen und Risiken unbeschadeter bewältigen zu können, als eigentlich zu erwarten wäre. Diese Erwartungshaltung resultiert aus den Erkenntnissen der Entwicklungspsychopathologie, die lange Zeit auf die Zwangsläufigkeit negativer Folgewirkungen von Risiken gepolt war.

Aber nicht jede Form von „seelischer Widerstandsfähigkeit“ ist schon als Resilienz zu bezeichnen. Resilienz entsteht und zeigt sich erst durch die erfolgreiche Bewältigung von „nicht-normativen Risiken“, also außergewöhnlichen biografischen Herausforderungen. Auch wenn jemand ein Trauma schneller und besser verarbeitet, als gemeinhin zu erwarten wäre, spricht man von Resilienz. Rosemarie Welter-Enderlin greift zu folgender Definition: „Unter Resilienz wird die Fähigkeit von Menschen verstanden, Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen“ (Welter-Enderlin und Hildenbrand 2006, S. 13). Der Begriff wird in der sozialwissenschaftlichen Literatur jedoch nicht einheitlich verwendet.

Resilienz ist neueren Erkenntnissen zu Folge weiter verbreitet, als bisher angenommen wurde, und die Tatsache, dass Resilienz erlernbar ist und gefördert werden kann, hat sicherlich zur Verbreitung des Konzepts beigetragen (Zolli und Healy 2013).

2 Zusammenfassung

Zunächst wird das Gegensatzpaar „Resilienz“ und „Vulnerabilität“ aufeinander bezogen, wobei darauf abgehoben wird, dass sich die beiden Merkmale gegenseitig nicht ausschließen müssen: Ein Mensch kann zugleich resilient und vulnerabel sein. Anschließend folgt eine Darstellung der wichtigsten Erkenntnisse aus der angloamerikanischen und der bundesdeutschen Resilienzforschung. Dabei werden verschiedene Facetten des aktuellen Resilienzdiskurses aufgegriffen und damit verbundene wesentliche Fragestellungen erörtert. Explizit eingegangen wird auf das Schutzfaktorenkonzept, weil dieses Konzept grundlegende Anhaltspunkte für Resilienzförderung liefert. Resilienz wird häufig mit Blick auf Kinder und Jugendliche diskutiert, ist aber ein Reaktionenmodus, der sich über die gesamte Lebensspanne hin immer wieder entwickeln kann. In diesem Beitrag wird hauptsächlich auf das psychologische Verständnis von Resilienz eingegangen, der interdisziplinäre Gebrauch des Begriffes wird nur kurz gestreift. Abschließend werden kritische Anmerkungen zum Umgang mit dem Phänomen der Resilienz in Forschung und Politik diskutiert.

3 Resilienz vs. Vulnerabilität?

Mit Resilienz bezeichnen wir jene seelische Widerstandskraft, mit deren Hilfe Kinder, später dann auch Jugendliche und Erwachsene, außergewöhnlichste Belastungen, Lebenskrisen und Traumata, anders als wir es erwartet hätten, nahezu unbeschadet überwinden. Dank ihrer seelischen Flexibilität erholen sie sich ungewöhnlich rasch von solchen Extremsituationen. Bei Kindern sollte man korrekter von außergewöhnlichen Entwicklungsrisiken sprechen, die sie überraschend gut bewältigen. Gemeint sind hier nicht die üblichen Risiken, die generell mit altersgemäßen Entwicklungsprozessen verbunden sind. Vielmehr geht es um zusätzliche Gefährdungen, die in der Entwicklungspsychologie als nichtnormative Risiken gelten, wie etwa Aufwachsen in chronischer Armut, Trennung oder Scheidung der Eltern, Tod eines nahen Angehörigen, familiäre Gewalt, psychische Erkrankung eines Elternteils, Alkohol- und Drogenmissbrauch, sexueller Missbrauch, traumatische Fluchterlebnisse. Dabei kann es sich um biologische, psychosoziale oder emotionale Entwicklungsrisiken handeln, die für das Kind eine außerordentliche Härte darstellen. Außerdem gehört zu Resilienz ein erstaunliches Durchhaltevermögen. Bisweilen zeigt sie sich auch in einer gewissen „Widerborstigkeit“, sodass sich resilientes Verhalten durchaus mit gängigen gesellschaftlichen Vorstellungen und Normen von perfekter Angepasstheit und gradliniger Funktionsfähigkeit reiben kann (Zander 2008, 2016).

Vulnerabilität wird nicht selten als Gegenpol zu Resilienz angesehen. Das macht definitorisch Sinn, wenn man Vulnerabilität als ausgeprägte Verletzlichkeit begreift, als eine „durch soziale, psychische, organische, genetische u.a. Faktoren bedingte Anfälligkeit, auf Belastungen mit bestimmten Erkrankungen zu reagieren“ oder als „herabgesetzte Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen der Person-Umwelt-Beziehungen. Sie ist biologisch und psychologisch zu verstehen, kann ererbt, angeboren oder erworben sein und bedeutet ein Risiko für die lebenslange Persönlichkeitsentwicklung“ (Stangl 2018). De facto wäre es jedoch irreführend anzunehmen, dass eine Person, die sich in einer bestimmten Situation als resilient erweist, sich bei einer anderen Gelegenheit nicht als vulnerabel zeigen könnte. So kann ein Kind beispielsweise die Trennung der Eltern scheinbar gut bewältigen und gleichzeitig schulisch versagen, eine Person also zugleich resilient und vulnerabel sein.

4 Angloamerikanische Resilienzforschung

Der Begriff der Resilienz wurde bereits in den 1950er Jahren von dem amerikanischen Psychologieprofessor Jack Block (Universität Berkeley) in die Psychologie eingeführt. Block verwandte den Begriff allerdings im Sinne von ego-resiliency und meinte damit ausgeprägte Anpassungsfähigkeit und bestimmte Charaktereigenschaften, die auch ohne das Vorhandensein von außergewöhnlichen Herausforderungen zum Einsatz kommen (Block und Block 1980). Der eigentliche Beginn der Resilienzforschung im angloamerikanischen Raum setzte jedoch erst in den 1970er/1980er Jahren ein.

Eingeleitet wurde die Resilienzforschung durch die Erkenntnis, dass Entwicklungsrisiken nicht zwangsläufig zu psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten führen müssen. Die Ergebnisse der Resilienzforschung widersprechen also einer früheren Annahme der Entwicklungspsycho(patho)logie, die lange Zeit davon ausgegangen ist, dass bestimmte Risiken die kindliche Entwicklung zwangsläufig schädigen würden. Nach Ann Masten (2016) lassen sich vier Phasen in der Geschichte der Resilienzforschung unterscheiden, bei denen jeweils folgende Fragestellungen im Mittelpunkt standen:

  1. Phase: Was ist Resilienz? (deskriptiv)
  2. Phase: Wie kommt es zu Resilienz? (Prozesse)
  3. Phase: Kann man Resilienz fördern? (Förderperspektive)
  4. Phase: Resilienz als multidisziplinärer Forschungsgegenstand (verschiedene Analyse-Ebenen).

4.1 Norman Garmezy: Großvater der Resilienzforschung

Erste Studien dazu stammen von Norman Garmezy (1974, 1985), der an der University of Minnesota in den 1960er Jahren eine Langzeitstudie mit Kindern von schizophrenen und psychisch kranken Eltern durchgeführt hat und dabei auf das Phänomen der Resilienz gestoßen ist. In seiner „Kompetenz-Studie“ (Compentence Studies) und in den daran anschließenden Forschungen kam er zu der Erkenntnis, dass die Herausbildung von Resilienz in engem Zusammenhang mit der Anzahl der zu bewältigenden Risiken und den jeweils zugänglichen Schutzfaktoren zu sehen ist. Dabei unterschied er zwischen individuellen, familialen und externen Risiko- und Schutzfaktoren und entwickelte zu ihrer Wirkungsweise drei Modelle: das Kompensations-, das Herausforderungs- und das Interaktionsmodell. Garmezy wird häufig als der „Großvater“ (grandfather) der Resilienzforschung bezeichnet.

4.2 James E. Anthony: die Unverwundbarkeit?

Zu dieser Ahnenreihe der Resilienzforschung gehört sicherlich auch James E. Anthony, ein britisch-amerikanischer Kinder- und Jugendpsychiater, der 1974 große Aufmerksamkeit mit dem vielzitierten Aufsatz „The Syndrome of the Psychologically Invulnerable Child“ erregt hat. Anthony verwendete den mittlerweile als missverständlich kritisierten Begriff des „unverwundbaren Kindes“ 1987 noch einmal für den Titel eines gemeinsam mit Bertram Cohler herausgegebenen Sammelbandes (Anthony und Cohler 1987). James Anthony und sein Team haben mit ihrem St. Louis Research Projekt, in dem sie Kinder manisch-depressiver und schizophrener Eltern über einen längeren Zeitraum (bis ins Alter von 16 Jahren) beobachteten, die Entdeckung gemacht, dass ein kleinerer Teil dieser Kinder in der Lage war, sich trotz ungünstiger genetischer Entwicklungspotenziale und widriger familiärer Umweltbedingungen psychisch gesund zu entwickeln. Anthony vermerkte zwar in dem Vorwort zu dem Sammelband, „dass es keine vollständige psychologische ‚Unverwundbarkeit‘ geben könne, dennoch hielt er an dem provokativen Begriff fest, da dieser die oftmals überraschende kindliche Widerstandskraft gegenüber widrigen Entwicklungsbedingungen am deutlichsten auf den Punkt bringen würde“ (Göppel 1997, S. 247).

4.3 Emmy Werner und Ruth Smith: Pionierinnen der Resilienzforschung

Gemeinhin wird allerdings die auf der Hawaii-Insel Kauai von Emmy Werner und Ruth Smith (1982, 2001) durchgeführte Langzeitstudie als Beginn der Resilienzforschung angesehen. In dieser Studie wurde eine ganze Kohorte der 1955 auf der Insel Kauai geborenen Jungen und Mädchen (N=698) in mehreren Etappen von der Geburt bis ins mittlere Erwachsenenalter 40 Jahre lang beobachtet. Dabei gelangten die beiden Forscherinnen zu dem zunächst überraschenden Ergebnis, dass etwa ein Drittel der sogenannten Hochrisikokinder, also Jungen und Mädchen, die in ihrer frühen Kindheit mehrfachen Entwicklungsrisiken ausgesetzt waren, diese weitgehend unbeschadet zu meistern vermochten, während andere Kinder angesichts vergleichbarer Problemkonstellationen psychische Schäden davongetragen haben oder verhaltensauffällig wurden. Diese Unterscheidung zeichnete sich bereits im Alter von 10 Jahren ab, sodass der ersteren „Gruppe der Resilienten“ im weiteren Forschungsverlauf erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt wurde (Werner und Smith 1971). Als resilient galten den beiden Forscherinnen dann jene Proband_innen, die später in ihrem Erwachsenenleben in einer glücklichen Beziehung lebten, beruflich erfolgreich und sozial integriert waren.

4.4 Michael Rutter: Resilienz über die Lebensspanne

Auch die Isle of Wight-Studie von Michael Rutter (1979) wird oft mit den Anfängen der Resilienzforschung in Verbindung gebracht. Rutter ging zunächst von der bis dahin üblichen Annahme aus: Je mehr Entwicklungsrisiken ein Kind zu bewältigen habe, umso wahrscheinlicher sei es auch, dass es zu Auffälligkeiten in der Entwicklung komme (poorer outcome). Er stellte dann aber auch fest, dass bestimmte Faktoren die kindliche Entwicklung dennoch positiv zu beeinflussen vermochten, so vor allem eine enge Eltern-Kind-Beziehung. Als Ergebnis seiner Forschungen betont er zudem, wie wichtig der Zugang zu Ressourcen (Schutzfaktoren) sei und dass die Umwelt für das Bewältigungshandeln eine zentrale Rolle spiele. Er verweist hinsichtlich der personalen Ressourcen auch auf die Relevanz von biologischen und genetischen Aspekten. Mit Blick auf die Lebensspanne betonte Rutter, dass ein Kind sich beispielweise in einer bestimmten Situation als resilient erweisen, in einer anderen Situation oder in einer späteren Lebensphase diese Fähigkeit möglicherweise dann jedoch nicht ein weiteres Mal entwickeln könne. Auch zeige sich Resilienz bisweilen bei einer Person in bestimmten Lebensbereichen, beispielsweise als Bildungsresilienz, während es in anderen Bereichen nicht zu resilientem Verhalten komme (z.B. hinsichtlich der sozialen Kompetenz). Zudem könne sich ein scheinbar widriges Ereignis wie z.B. eine Adoption nicht nur als Risiko, sondern auch als eine Chance (Schutzfaktor) für ein Kind erweisen. Ausschlaggebend für die Fähigkeit zu resilientem Verhalten seien unter anderem mentale Eigenschaften und Haltungen wie planvolles Handeln, Selbstkontrolle, Selbstreflexion, Selbstvertrauen und Selbstbestimmung (Shean 2015, S. 7).

4.5 Suniya Luthar: Ausdifferenzierung der Schutzfaktoren

Suniya Luthar, Professorin für Psychologie an der Arizona State University, kommt in ihrer Studie zu unterprivilegierten Jugendlichen zu dem Ergebnis, dass resiliente Jugendliche sich vor allem durch einen ausgeprägten internen „locus of control“ und ausgeprägte soziale Verhaltensweisen auszeichneten (Luthar 1991, 2003). Entgegen der Annahme, dass hohe Intelligenz als Schutzfaktor zu werten sei, betont sie, dass eine solche gepaart mit einer hohen Sensibilität sich auch als Risiko erweisen könne. Die Erkenntnis, dass ein bestimmter Schutzfaktor wie dieser in bestimmten Konstellationen womöglich zum Risikofaktor werde, lässt sich ihr zufolge prinzipiell auch auf andere Schutzfaktoren übertragen. Luthar setzt den Fokus ihrer Betrachtung einerseits auf Aufwachsen in Armut als exponierten Risikofaktor, sie hat andererseits aber auch in einer Studie nachgewiesen, dass Jugendliche aus wohlhabenden Familien ein erhebliches Risiko hinsichtlich Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Erkrankungen aufweisen (Drogenmissbrauch, Regelmissachtung und Angstzustände/ Depression). Als Ergebnis von weiteren Studien gelangte Luthar zu einer Ausdifferenzierung von Schutzfaktoren, indem sie zwischen stabilisierenden, ermutigenden und reaktiven Schutzfaktoren unterschied: stabilisierend heißt Kompetenz vermittelnd trotz steigendem Risiko, ermutigend meint Kompetenz steigernd bei Stress und reaktiv bezeichnet generell nützliche Schutzfaktoren, die aber nicht bei hohem Stress zum Zuge kommen (Shean 2015, S. 15). Luthar unterstreicht die Rolle von biologischen Faktoren, insbesondere für die Entwicklung von psychischen Erkrankungen, und die Notwendigkeit, stärker auf die Aussagen der betroffenen Kinder einzugehen.

4.6 Ann Masten: Ordinary Magic

Ann Masten, klinische Psychologin und Nachfolgerin von Norman Garmezy als Leiterin der „Kompetenz-Studien“ an der Universität von Minnesota, ist aktuell eine der führenden Resilienzforscher_innen. Sie vertritt die Position, dass Resilienz nicht eine außergewöhnliche Erscheinungsform, sondern eher weit verbreitet sei, so ihr vielzitierter Buchtitel „Ordinary magic“ (Masten 2001). Masten hat u.a. eine Studie mit Kindern im Alter von 8 bis 12 Jahren durchgeführt, die sie im Alter von 14 bis 19 Jahren wiederholte: Dabei hat sie vor allem Kompetenzen in drei Bereichen berücksichtigt:

Bildung (academic achievement), Verhalten (rule abiding vs. antisocial behavior) und soziale Kompetenz (acceptance and friendship). Als kompetenzschwach galt dabei, wer in zwei Bereichen unterdurchschnittliche Kompetenz aufwies. Im Ergebnis bildete sie drei Gruppen: resiliente Kinder (angemessene Kompetenzentwicklung bei hohem Risiko), verhaltensgestörte Kinder (Fehlanpassung bei niedriger Kompetenz und hohem Risiko) und kompetente Kinder (angemessene Kompetenz bei niedriger Belastung). Als ausschlaggebend für resilientes Verhalten erwiesen sich dabei psychologische Ressourcen, wie Lernfähigkeit, Problemlösefähigkeit, die Fähigkeit, sich eine hilfreiche Umgebung auszusuchen (Masten 1999). Masten unterstreicht, dass es bei der Wirkungsweise von Risiken auf die individuelle Wahrnehmung ankomme und dass die Reaktion auf die jeweilige Belastungssituation sehr komplex und unterschiedlich sei. Sie plädiert dafür, Resilienz als ein eindeutig kultur- und kontextgebundenes Phänomen zu betrachten.

4.7 Michael Ungar: Kultur- und Kontextgebundenheit

Die Kultur- und Kontextgebundenheit von Resilienz steht im Mittelpunkt der Betrachtungsweise von Michael Ungar, Professor für Soziale Arbeit an der Dalhousie University in Halifax. Er ist Gründer des International Resilience Centre in Kanada und Koordinator von internationalen Resilienz-Studien in 14 Ländern (Ungar 2005). Dabei werden vor allem Risiken wie Krieg, Armut, soziale Ausgrenzung (social dislocation), Genozid, Gewalt, Marginalsierung, Drogen- und Alkoholmissbrauch, familiäre Zerrüttung, seelische Erkrankungen und frühe Schwangerschaft in den Blickpunkt genommen. Untersucht wurden Proband_innen im Alter von 12 bis 23 Jahren, also im Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter. Ausgehend von einem kultur- und kontextgebundenen Verständnis von Resilienz wurden sieben resilienzrelevante Faktoren (=Schutzfaktoren) berücksichtigt: Zugang zu materiellen Ressourcen, Beziehungen, Aspekte von persönlicher Identität, Zugang zu Gesundheitsressourcen, soziale Gerechtigkeit, kulturelle Eingebundenheit, soziale Zugehörigkeit. Ungar möchte die Aufmerksamkeit stärker auf den sozialen und ökologischen Kontext lenken, in dem das Individuum agiert. Resilienz versteht er als das Ergebnis des Zusammenwirkens von Individuum und seiner Umgebung, wobei es insbesondere auch auf die soziale und ökologische Qualität der unmittelbaren Umgebung ankomme. Vor allem aber betont er die Kulturgebundenheit von Resilienz, vertritt eine sozialökologische Sichtweise und kritisiert ein häufig auf die westliche weiße Mittelklasse bezogenes Verständnis von Resilienz (Ungar 2011, 2012a, 2012b).

5 Resilienzforschung in Deutschland

5.1 Mannheimer Risikokinderstudie

Diese prospektive Längsschnittstudie war an der Mannheimer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters (Zentralinstitut für seelische Gesundheit, Medizinische Fakultät Mannheim/Universität Heidelberg) angesiedelt und hat mit einer Laufzeit von 25 Jahren die Entwicklung einer systematisch ausgesuchten Kohorte von 384 Kindern von der Geburt (zwischen 1.2.1986 und 28.2.1988) bis ins Erwachsenenalter in zehn Wellen untersucht. Ziel war zunächst „eine möglichst umfassende Beschreibung der psychischen Entwicklung und ihrer Störungen bei Kindern mit unterschiedlich ausgeprägten Risikokonstellationen, die Identifikation der die Entwicklung besonders negativ beeinflussenden Einzelrisiken sowie die Identifikation von Schutz- und kompensatorischen Faktoren im Sinne von individuellen und Umweltressourcen“ (Esser und Schmidt 2017, S. 199). Als Risikofaktoren wurden sowohl organische als auch psychosoziale Belastungen in jeweils drei Ausprägungsstufen erfasst, wobei über ein Drittel der Kinder psychosozialen Hochrisikokonstellationen entstammte. Als besonders relevant für eine (psychisch) gesunde Entwicklung stellten sich dabei eine positive frühe Eltern-Kind-Beziehung und positive Interaktionserfahrungen im Alter von zwei Jahren heraus. Daneben spielten aber im Entwicklungsverlauf auch sprachliche, kognitive und sozial-emotionale Kompetenzen, ein positives Selbstkonzept und tragfähige Freundschaften des Kindes bzw. Jugendlichen eine wichtige Rolle und trugen dazu bei, dass ein Teil der Kinder in der Lage war „auch unter widrigen Lebensumständen (psychosoziale Hochrisikofamilien, Aufwachsen in Armutsverhältnissen) erfolgreich zu bestehen“ (Hohm et al. 2017, S. 230). Die Studie kommt im Gegensatz zu im Resilienzdiskurs weitgehend anderslautenden Positionen zu dem überraschenden Ergebnis, dass Resilienz ein Persönlichkeitsmerkmal sei, „das ab dem frühen Erwachsenenalter eine hohe Stabilität besitzt“ (ebd.).

5.2 Die Bielefelder Invulnerabilitätsstudie oder Bielefeld-Erlangen-Studie zu Resilienz

Hier ging es um Jugendliche aus der Heimbetreuung, also um eine Hochrisikogruppe, wobei eine resiliente Untergruppe mit einer auffälligen verglichen wurde (Lösel und Bender 2008). Mit ihrer Studie verfolgten Lösel und sein Team das Ziel, die psychische Widerstandsfähigkeit von Jugendlichen, die in ihren Familien besonders hohen Entwicklungsrisiken ausgesetzt und deshalb im Heim untergebracht worden waren, zu untersuchen. Dabei handelte es sich um Jugendliche aus besonders belasteten und unterprivilegierten Milieus, aus familiären Verhältnissen, die unter anderem durch Armut, Erziehungsdefizite, Gewalttätigkeit und Alkoholmissbrauch geprägt waren. Beide Untergruppen, die resilienten und die auffälligen Jugendlichen (146 Proband_innen, darunter drei Fünftel männliche und zwei Fünftel weibliche), hatten objektiv gesehen mit vergleichbar hohen Risiken zu kämpfen. Dabei korrelierte eine subjektiv ausgeprägte Belastungswahrnehmung der Jugendlichen „erwartungsgemäß stärker mit den berichteten Verhaltensproblemen als der objektive Risikoindex. Besonders stark ausgeprägt war dieser Zusammenhang in der Gruppe der als deviant Eingestuften, die viele der objektiven Risiken subjektiv als belastend empfanden“ (BZgA 2009, S. 38–39). Wer also eine risikobehaftete Situation als besonders belastend wahrnimmt, entwickelt stärkere Verhaltensprobleme. Die resilienten Jugendlichen verfügten vor allem über personale und soziale Ressourcen, wie etwa flexibleres und stärker annäherungsorientiertes Temperament, tendenziell höhere Intelligenz, positiveres Selbstkonzept, seltenere Gefühle der Hilflosigkeit, höhere Selbstwirksamkeitserwartungen und Leistungsmotivation, aktiveres Bewältigungsverhalten und eine feste emotionale Bezugsperson außerhalb der Familie, dazu tendenziell über ein größeres soziales Netzwerk, höhere Zufriedenheit mit der erfahrenen sozialen Unterstützung und ein sozial-emotional günstigeres Heimklima. Vor allem wirkte sich ein autoritatives Erziehungsklima im Heim, die dort erfahrene Zuwendung und Normorientierung günstig auf die Entwicklung aus: „Neben dem positiven emotionalen Klima erwies sich also eine an Verantwortung, Leistung und ethischen/religiösen Werten orientierte Erziehung als wesentlich für stabile Resilienz“ (ebd., S. 40, Lösel und Bender 1994, 1999). In der Längsschnittbetrachtung zeigte sich nach zwei Jahren, dass etwa zwei Drittel der Jugendlichen über die gesamte Zeitpanne der Untersuchung hinweg stabil resilient oder stabil verhaltensauffällig waren. Dabei stellte sich gleichfalls heraus, dass die Schutzfaktoren im Wesentlichen denjenigen ähnelten, die zwei Jahren vorher in der Querschnittuntersuchung festgestellt worden waren. Es fanden sich aber auch Zusammenhänge zwischen sozialer Einbindung in Cliquen, sozialer Unterstützung und Kontinuität im Verhalten sowie Hinweise auf die Kontextabhängigkeit von Risiko- und Schutzfaktoren und auf die Moderatorenfunktion von Schutzfaktoren. Dass ein Drittel über den Untersuchungszeitraum hinweg nicht stabil resilient oder deviant blieb, führten die Forscher_innen auf Veränderungen in der Betreuungs- und Erziehungssituation im Heim zurück.

5.3 Das Deutsche Resilienz Zentrum (DRZ)

Dieses Forschungszentrum ist eine 2014 gegründete zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und deren Universitätsmedizin, die auf interdisziplinärer Zusammenarbeit basiert. In unterschiedlichen Projekten sollen Resilienzmechanismen auf neurowissenschaftlicher, psychologischer und sozialwissenschaftlicher Ebene erforscht werden. Dabei gehen die Forscher_innen davon aus, dass das Gehirn ein wichtiges „Resilienz-Organ“ darstellt, das über „übergeordnete Schutzmechanismen“ verfügt (Helmreich et al. 2016). So heißt es in einer Pressemitteilung des Zentrums: „Bisher beschäftigte sich die Resilienzforschung weitgehend mit den unterschiedlichen sozialen, psychologischen oder auch genetischen Faktoren, die die seelische Widerstandskraft beeinflussen […]. Wir haben uns gefragt, ob es einen gemeinsamen Nenner für all diese Einzelansätze gibt und dazu verschiedene Beispiele durchdekliniert. Als Ergebnis stellen wir in unserer neuen Theorie weniger die einzelnen Faktoren als vielmehr das Gehirn selbst in den Mittelpunkt“ (Johannes Gutenberg-Universität Mainz 2014). Dahinter steht die Überzeugung, dass es vorrangig darum gehe, Einfluss darauf zu nehmen, wie das Gehirn eine bestimmte Belastungssituation bewerte. Ein positiver Bewertungsstil schütze langfristig vor stressbedingten Erkrankungen und fördere dadurch resilientes Verhalten. Daher haben die an dem Forschungszentrum beteiligten Wissenschaftler_innen für ihren Forschungsansatz die Bezeichnung „PASTOR“ gewählt, was als Abkürzung für „Positive Appraisal Style Of Resilience“ steht (ebd.).

Mit ihren Forschungen verfolgen die Mainzer Wissenschaftler_innen ein dreifaches Ziel: Verstehen, Vorbeugen, Verändern. Die neurobiologischen und humanpsychologischen Erkenntnisse sollen dazu genutzt werden, effektive und evidenzbasierte Präventionsprogramme zu entwickeln, um Betroffenen dabei zu helfen, „besser mit Stress, widrigen Lebensumständen und psychischen Erkrankungen umzugehen“ (Helmreich et al. 2016, S. 60). In vier verschiedenen Forschungsabteilungen werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und dabei folgende Resilienzaspekte beforscht:

  1. molekulare und zellulare Mechanismen der Resilienz,
  2. genetische und Netzwerkmechanismen der Resilienz,
  3. kognitive und Verhaltensmechanismen als Basis für Prävention und
  4. gesellschaftliche Faktoren der Resilienz.

5.4 Zentrum für Kinder- und Jugendforschung der Evangelischen Hochschule Freiburg

Einen Schwerpunkt auf die Erforschung von Resilienz – vor allem in Verbindung mit der Durchführung von Resilienzförderprogrammen – hat seit mehr als zehn Jahren auch das Zentrum für Kinder- und Jugendforschung der Evangelischen Hochschule Freiburg unter Leitung von Prof. Klaus Fröhlich-Gilhoff gesetzt (siehe Resilienzförderung).

6 Das Schutzfaktoren-Konzept

In der Auseinandersetzung mit Resilienz spielt die Einschätzung von Risiko- und Schutzfaktoren eine zentrale Rolle. Dabei geht es sowohl um außergewöhnliche Entwicklungsrisiken für Kinder, aber eben auch um außergewöhnlich schwierige Lebensereignisse und Krisen im Erwachsenenleben, wenn wir Resilienz über die Lebensspanne hin betrachten.

Entwicklungsrisiken sind aus der psychopathologischen Forschung zur Genüge bekannt. Im Kontext der Resilienzforschung werden außergewöhnliche Risiken auf unterschiedlichen Ebenen berücksichtigt, hier mit Blick auf Kinder formuliert:

  • personale Risiken (angeborene oder erworbene Risiken, biologische und psychische Risiken, auch Vulnerabilitätsfaktoren),
  • familiale Risiken und
  • soziale Risiken (Risikofaktoren und Stressoren im sozialen Umfeld) des Kindes.

Alle drei Ebenen sind für jedes Lebensalter bei der Analyse zu berücksichtigen. Eine besondere Beachtung verdienen dabei auch traumatische Erlebnisse und Phasen erhöhter Vulnerabilität.

Schutzfaktoren sind begünstigende Umstände, die dazu beitragen, dass trotz außergewöhnlicher Belastungen und Widrigkeiten ein positiver Entwicklungsverlauf möglich ist. Solche Faktoren wurden in der Resilienzforschung im Rahmen von Langzeitstudien bestimmt. Ähnlich wie die Risikofaktoren lassen sich auch Schutzfaktoren auf drei Ebenen ansiedeln, wiederum mit Blick auf Kinder formuliert:

  • individuelle Eigenschaften des Kindes (z.B. Persönlichkeitsmerkmale und erworbene Eigenschaften des Kindes),
  • familiale Faktoren in der direkten Umwelt und
  • Faktoren der weiteren sozialen Umwelt (z.B. Kindertageseinrichtung, Schule, Nachbarschaft).

Als grundlegende Erkenntnis der Resilienzforschung hat sich die Tatsache herauskristallisiert, dass es personale, familiale und soziale Schutzfaktoren sind, die resilientes Verhalten ermöglichen. Es lag also nahe, sich mit den Wirkmechanismen von Schutzfaktoren auseinanderzusetzen. Auch wenn diese Mechanismen noch nicht wirklich zufriedenstellend erforscht sind, wurden verschiedene Modelle entwickelt, die dabei zu Grunde gelegt werden können (Wustmann 2004):

6.1 Kompensationsmodell

Schutzfaktoren haben eine ausgleichende, quasi neutralisierende Wirkung und können den negativen Einfluss von Risikofaktoren auf die kindliche Entwicklung mindern. So kann beispielsweise die Förderung sozialemotionaler Kompetenzen als Schutzfaktor die Widerstandsfähigkeit eines Kindes in einer risikobehafteten Situation erhöhen.

6.2 Herausforderungsmodell

Die Bewältigung einer risikobehafteten Situation kann von einem Kind auch als zu bewältigende Herausforderung begriffen werden. Bei zukünftigen Belastungen und Risikosituationen vermag es auf die dabei gewonnenen Kompetenzen zurückzugreifen und geht daher gestärkt aus der Situation hervor.

6.3 Interaktionsmodell

Hier steht die interaktive Beziehung zwischen risikoerhöhenden und risikomindernden Faktoren im Mittelpunkt der Betrachtung. Explizit zu beachten gilt es dabei, dass den risikomindernden Schutzfaktoren nur dann eine entsprechende Wirkung zugeschrieben wird, wenn sie in einer risikobehafteten Situation zum Tragen kommen.

6.4 Kumulationsmodell

Hier geht es jeweils um die Anzahl der in einer Situation vorhandenen Risiko- und Schutzfaktoren. Je mehr Risikofaktoren ein Kind zu bewältigen hat, umso mehr Schutzfaktoren sind nötig, um unbeschadet aus der Situation hervorzugehen (Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse 2015, S. 37 f.)

Die verschiedenen Modell-Annahmen schließen sich gegenseitig nicht aus, sondern können auch miteinander verschränkt bei der Betrachtung von Resilienzprozessen herangezogen werden.

7 Resilienz über die Lebensspanne

Resilienz wird meist mit Blick auf Kinder und allenfalls auf Jugendliche diskutiert. Ein Großteil der wissenschaftlichen Literatur und Forschungsprojekte befasst sich mit dieser Zielgruppe. Allerdings gibt es auch Ansätze, Resilienz für die gesamte Lebensspanne zu betrachten, so beispielsweise bei Maike Rönnau-Böse und Klaus Fröhlich-Gildhoff (2015) sowie Bernhard Leipold (2015) in entsprechend ausgewiesenen Publikationen.

Rosemarie Welter-Enderlich und Bruno Hildenbrand (2006) haben mit einem Herausgeberband die Ergebnisse eines internationalen Kongresses dokumentiert, der sich mit Resilienz aus der Sicht von Beratung und Therapie auseinandersetzt. In diesem Kontext wird die Resilienzperspektive auch mit Blick auf Erwachsene eingenommen.

Rolf Göppel und Margherita Zander haben einen Herausgeberband zu Resilienz in autobiografischer Perspektive veröffentlicht (Göppel und Zander 2017) und vertreten darin die These, dass sich Resilienz letztlich nur in biografischen Zusammenhängen erschließen lasse. Um die Resilienzfähigkeit von Personen einschätzen zu können, müsse man auf ihre Lebensgeschichten schauen, auf das, was sie als Kinder und in ihrem späteren Leben erlebt und erlitten hätten, und auf das, was diese Erfahrungen mit ihnen bzw. was sie aus diesen Erfahrungen gemacht hätten (Göppel 2008).

8 Resilienz interdisziplinär

Der Begriff Resilienz wird – wie eingangs vermerkt – in mehreren Disziplinen und Lebensbereichen verwendet und dabei beispielsweise im Hinblick auf Unternehmen, Gesellschaften, Volkswirtschaften, Regionen, Infrastrukturen, Ökosysteme, ja auf Systeme allgemein betrachtet. Ulrich Bröckling definiert Resilienz in diesem umfassenden Sinne als „das Vermögen eines Systems, Störungen und andere Stressoren zu absorbieren oder ihnen standzuhalten, ohne einen ‚Regimewechsel‘ zu vollziehen, das heißt unter Aufrechterhaltung seiner grundlegenden Struktur und Funktionen. […] Resiliente Systeme können sich deshalb verändern, ohne sich aufzugeben, und sie müssen sich verändern, um fortzubestehen“ (Bröckling 2017, online S. 2). Gemeint sind damit dynamische Selbstanpassung, effektive Feedback- und eingebaute Korrekturmechanismen. Resiliente Systeme fallen, wenn schon, dann auf elegante Weise aus, „sie verfügen über Strategien, gefährliche Umstände zu vermeiden, Störungen zu erkennen, Schäden an Einzelbestandteilen zu minimieren und zu isolieren, ihren Bedarf an Ressourcen zu diversifizieren, auf Sparflamme zu funktionieren und sich nach einer Störung neu zu organisieren“ (Zolli und Healy 2013, S. 24). Perfekte Systeme sind freilich am anfälligsten!

Auch mit Blick auf die systemische Betrachtung von Resilienz wird kritisch angemerkt, dass damit ein Paradigmenwechsel im Umgang mit Unsicherheit einhergehe. Statt Unsicherheiten nach Möglichkeit zu minimieren, akzeptiere man das Unvorhersehbare und bereite sich darauf vor, das Unvermeidbare zu überstehen (Bröckling 2017).

9 Grenzen und Kritik

Das Konzept der Resilienz läuft Gefahr, Allmachtsfantasien zu wecken, nach dem Motto: Alles ist bewältigbar, man muss nur den Zugang zu entsprechenden inneren und äußeren Schutzfaktoren herstellen. Dabei wird jedoch vergessen, dass die Idee der Resilienz als „Gegenwahrscheinlichkeit“ (Fingerle 2008) gegen die Vorstellung von der Zwangsläufigkeit bzw. korrekter gegen die „zwingende“ Wahrscheinlichkeit eines negativen Entwicklungspfades eingeführt wurde. Es ist bislang jedenfalls nicht und wohl auch künftig nicht vorhersagbar, ob sich Resilienz als Ergebnis eines Förderprozesses im Einzelfall tatsächlich einstellen wird (siehe Resilienzförderung).

Außerdem besteht aktuell die Gefahr, dass das Konzept der Resilienz durch missbräuchliche Verwendung verwässert wird. So ist Resilienz in den letzten Jahren zu einem Modebegriff degeneriert, indem beispielsweise Resilienztrainings für Führungskräfte und Manager_innen angeboten werden oder Resilienz schlichtweg zur effektiveren Bewältigung von alltäglichen Herausforderungen gefordert wird, also in Zusammenhängen, in denen es überhaupt nicht mehr um das Überstehen von existenziell bedrohlichen Lebensrisiken geht.

Von Kritiker_innen des Resilienzkonzepts wird zudem darauf hingewiesen, dass der Begriff selbst im wissenschaftlichen Diskurs nicht einheitlich verwendet wird. Teilweise werde Resilienz als eine Fähigkeit verstanden, teilweise als ein Prozess und teilweise als das Ergebnis eines Prozesses. Dies mache die Verwendung des Begriffes schwierig und führe zu Uneindeutigkeiten. Außerdem gebe es eine Reihe von verwandten Begriffen, wie etwa Hardiness, Anpassungsfähigkeit, sozialer Puffer und Stress-Resistenz (Stamm und Halberkamm 2015), zu denen eine Abgrenzung fehle. Auch werde Resilienz von seinen Urheber_innen einerseits eng mit dem Kompetenzbegriff (Garmezy 1974; Rutter 1979) in Verbindung gebracht, andererseits mit Coping-Theorien verknüpft (Wustmann 2004).

Kritisiert wird auch – vor allem im Kontext von Pädagogik (Stamm und Halberkann 2015) – die stark normative Ausrichtung des Konzepts, indem es als Ziel eine „stabile, gesunde Persönlichkeit“ impliziere, die „gesellschaftlich integriert und erfolgreich“ sei (Hiller 2008). Außerdem gerate dabei die gesellschaftliche Dimension von Ungleichheit aus dem Blick, so beispielsweise bei der Idee der Bildungsresilienz. Dem hält beispielsweise Fingerle ein Verständnis von Resilienz als Bewältigungskapital und von Resilienz als zu erlernender Praxis entgegen (Fingerle 2008). Es ist sicherlich davor zu warnen, dass das Konzept der Resilienz von der Politik als Alibi missbraucht werden könnte, soziale Missstände nicht zu beseitigen und Ungleichheitsstrukturen aufrechtzuerhalten oder statt Belastungen abzubauen einfach eine Erhöhung der Belastbarkeit zu fordern (Bröckling 2017).

10 Quellenangaben

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Hohm, Erika, Manfred Laucht, Katrin Zohsel, Martin H. Schmidt, Günter Esser, Daniel Brandeis und Tobias Banaschewski, 2017. Resilienz und Ressourcen im Verlauf der Entwicklung. Von der frühen Kindheit bis zum Erwachsenenalter. In: Kindheit und Entwicklung. 26(4), S. 230–239. ISSN 0942-5403

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Lösel, Friedrich und Doris Bender, 2008. Von generellen Schutzfaktoren zu spezifischen protektiven Prozessen: Konzeptionelle Grundlagen und Ergebnisse der Resilienzforschung. In: Michael Fingerle und Günther Opp, Hrsg. Was Kinder stärkt. Erziehung zwischen Risiko und Resilienz. 3. Auflage. München: Ernst Reinhardt Verlag, S. 57–78. ISBN 978-3-497-01908-3 [Rezension bei socialnet]

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Masten, Ann, 2016. Resilienz: Modelle, Fakten & Neurobiologie. Das ganz normale Wunder entschlüsselt. Paderborn: Jungfermann. ISBN 978-3-95571-421-5 [Rezension bei socialnet]

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Wustmann, Corina, 2004. Resilienz. Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Weinheim, Basel: Beltz Verlag. ISBN 978-3-407-56243-2 [Rezension bei socialnet]

Zander, Margherita, 2016. Kinder im Fokus kommunaler Armutsprävention – Resilienzförderung ein Weg der Wahl? In: unsere jugend. 68(2), S. 74–82. ISSN 0342-5258

Zander, Margherita, 2008. Armes Kind – starkes Kind. Die Chance der Resilienz. Wiesbaden: VS Verlag. ISBN 978-3-531-90858-8

Zoli, Andrew und Ann Marie Healy, 2013. Die 5 Geheimnisse der Überlebenskünstler. Wie die Welt ungeahnte Kräfte mobilisiert und Krisen meistert. München: Riemann Verlag. ISBN 978-3-570-50117-7

11 Literaturhinweise

Karidi, Maria, Martin Schneider und Rebekka Gutwald, Hrsg., 2018. Resilienz – Interdisziplinäre Perspektiven zu Wandel und Transformationen. Wiesbaden: Springer. ISBN 978-3-658-19221-1
Dieser Sammelband präsentiert im Wesentlichen die jeweils fachbezogene Perspektive auf Resilienz aus der Sicht von zwölf Teilprojekten des Bayrischen Forschungsverbundes ForChange. Dabei werden die unterschiedlichen Verständnisse von Resilienz auch interdisziplinär aufeinander bezogen. In den einzelnen Beiträgen geht es um normative Aspekte und kritische Reflexion des Resilienzbegriffes, um gesellschaftlichen Wandel und Kompetenzen zur Bewältigung des Wandels, um Resilienz und Wandel der Arbeit, um Resilienz, Bildung und Medienkompetenz, um Resilienz und Zukunftsgestaltung.

Masten, Ann, 2016. Resilienz: Modelle, Fakten & Neurobiologie. Das ganz normale Wunder entschlüsselt. Paderborn: Jungfermann. ISBN 978-3-95571-421-5 [Rezension bei socialnet]
Eine der wenigen ins Deutsche übersetzten angloamerikanischen Publikationen. Neben einer umfangreichen Einleitung in das entwicklungswissenschaftliche Verständnis von Resilienz enthält der Teil I des Buches eine Auseinandersetzung mit personen- und variablenfokussierten Resilienzmodellen. In Teil II werden Ergebnisse von Studien zu Resilienz vorgestellt: die Langzeitstudie zu Kompetenz (Garmezy u.a.), eine Studie zu wohnungslosen Kindern, Studien zu Massentrauma und extremen Widrigkeiten. Teil III befasst sich mit adaptiven Systemen in der Resilienzperspektive, geht auf neurobiologische Aspekte von Resilienz, auf Resilienz im Kontext von Familie, Schule und Kultur ein. Teil IV betrachtet Resilienz als Handlungsrahmen, zieht Schlussfolgerungen und wagt einen Ausblick auf zukünftige Herausforderungen.

Opp, Günther und Michael Fingerle, Hrsg., 2008. Was Kinder stärkt – Erziehung zwischen Risiko und Resilienz. 3. Auflage. München/Basel: Reinhardt. ISBN 978-3-497-01908-3 [Rezension bei socialnet]
Dieser Herausgeberband ist 1999 in einer Erstauflage und 2008 in einer neu bearbeiteten und teilweise neu zusammengestellten dritten Auflage erschienen. Der Band gliedert sich in drei Kapitel: I. Grundlagen der Resilienzforschung, II. Resilienz als Arbeitskonzept in sozialen Arbeitsfeldern, III. Kritische Reflexionen zu den Potenzialen von Resilienzkonzepten für Forschung und Praxis. Zweifellos ein Standardwerk zu diesem Themenkomplex in deutscher Sprache.

Rönnau-Böse, Maike und Klaus Fröhlich-Gildhoff, 2015. Resilienz und Resilienzförderung über die Lebensspanne. Stuttgart: Kohlhammer. ISBN 978-3-17-026056-6 [Rezension bei socialnet]
Das Autorenteam, u.a. bekannt geworden mit einer Einführung in das Resilienzthema (Resilienz, 4. Aufl., München: Reinhardt/Utb 2015), hat hiermit ein Standardwerk zu einer die gesamte Lebensspanne umfassenden Berücksichtigung von Resilienz vorgelegt. An einen einführenden Abschnitt zu Resilienz-Definitionen und -Konzepten sowie allgemeinen Betrachtungen zu Resilienz über die Lebensspanne, wird in Kapitel III Resilienz in der frühen Kindheit, im Kindes- und Jugendalter, im frühen und mittleren Erwachsenenalter und im späten Alter thematisiert sowie auf spezifische Förderkonzepte eingegangen. Kapitel IV behandelt Förderprogramme für ausgewählte Bereiche so etwa für die Jugend- und Erziehungshilfe und die Kinderpsychotherapie.

Wink, Rüdiger, Hrsg., 2016. Multidisziplinäre Perspektiven der Resilienzforschung. Wiebaden: Springer. ISBN 978-3-658-09622-9 [Rezension bei socialnet]
Eine der ersten Publikationen zu Resilienz aus interdisziplinärer Perspektive in deutscher Sprache. Der Sammelband enthält Beiträge zur aktuellen Resilienzdebatte in unterschiedlichen Disziplinen: Psychologie, Soziale Arbeit, Gerontologie, Erwachsenenbildung, Ingenieurwissenschaften, Soziologie, Katastrophensoziologie, Risiko- und Katastrophenforschung, Sozialökologie, Sozialraum- und Regionalforschung, Wirtschaftsgeographie und Urbanistik.

Wustmann, Corina, 2004. Resilienz. Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Weinheim, Basel: Beltz Verlag. ISBN 978-3-407-56243-2 [Rezension bei socialnet]
Auf diese bereits 2004 erschienene Einführung in das Resilienzkonzept wird immer noch gerne Bezug genommen. Sie enthält in den Kapiteln 1– Grundlagenwissen zum Thema Resilienz und gibt eine kurze Einführung in wichtige empirische Forschungsbefunde. In Kapitel 8 wird der Stellenwert des Resilienzkonzeptes für die Bildungs- und Erziehungspraxis, insbesondere für Kindertageseinrichtungen erörtert.

Zander, Margherita, 2008. Armes Kind – starkes Kind. Die Chance der Resilienz. Wiesbaden: VS Verlag. ISBN 978-3-531-90858-8
Diese Publikation setzt sich explizit mit dem zentralen Entwicklungsrisiko Kinderarmut im Kontext von Resilienz auseinander. Die Abhandlung gliedert sich in fünf Abschnitte: 1. Annäherung an das Resilienzkonzept, 2. Kinderarmut in der Sicht von Resilienzstudien, 3. Von der Kinderarmutsforschung hin zur Resilienzperspektive, 4. Armut mit den Augen der Kinder, 5. Resilienz lässt sich fördern – Handlungskonzepte.

12 Informationen im Internet

Für kritische Anmerkungen und hilfreiche Hinweise danke ich meinem Kollegen Rolf Göppel.

Autorin
Prof. Dr. Margherita Zander
Lehrt an der FH Münster, Fachbereich Sozialwesen, Sozialpolitik. Schwerpunkte in der Lehre: Sozialstaat, Kinderarmut, Migration, Genderfragen. Schwerpunkte in der Forschung: Kinderarmut und Resilienz.
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Zitiervorschlag
Zander, Margherita, 2018. Resilienz [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 03.10.2018 [Zugriff am: 24.09.2019]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Resilienz

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veröffentlicht am 03.10.2018

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