socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

socialnet Lexikon


Suche nach Begriff, AutorIn, Schlagwort
socialnet Lexikon [Work in Progress]

Riskanter Konsum

Es existieren unterschiedliche Definitionen, ab wann der Konsum einer Substanz als riskant einzustufen ist. Hierbei sind

  • Alter und Geschlecht,
  • die Menge, Geschwindigkeit und Häufigkeit des Konsums sowie
  • individuelle gesundheitliche Einschränkungen

zu berücksichtigen, eventuell auch die Konsumabsicht (Genuss versus Kompensation).

Überblick

  1. 1 Grenzwerte riskanten Konsums
  2. 2 Unterschied zwischen riskantem Konsum und Abhängigkeit oder Alkoholkonsumstörung
  3. 3 Wie berechnet man die Alkoholmenge in Getränken und im Blut?
  4. 4 Quellenangaben

1 Grenzwerte riskanten Konsums

Gebräuchlich sind Konsumobergrenzen für Alkohol, bei denen ein riskanter Konsum für erwachsene Männer oberhalb von 20–24 g reinem Alkohol und für Frauen bei 10–12 g reinem Alkohol pro Tag beginnt. Hierbei werden die durchschnittlichen Trinkmengen über einen längeren Zeitraum bestimmt. Oberhalb dieser Grenzwerte riskiert man mit der Zeit negative Folgen wie beispielsweise gesundheitliche Beeinträchtigungen bzw. erhöhte Wahrscheinlichkeiten, bestimmte Erkrankungen zu entwickeln. So steigt z.B. das Risiko, an bestimmten Krebsformen zu erkranken. Es wird empfohlen, Alkohol eher langsam und zu den Mahlzeiten zu trinken und Rauschtrinken bzw. mehr als 5 Trinkeinheiten bei einer Gelegenheit – so genanntes Binge Drinking – zu vermeiden (Bloomfield et al. 2008).

Bei deutlich höheren täglichen Trinkmengen sind zudem Begriffe wie gefährlicher Konsum (oberhalb von 60 g für Männer und 40 g für Frauen) sowie Hochkonsum – bei noch einmal doppelt so hohen Trinkmengen – gebräuchlich.

Während einer (möglichen) Schwangerschaft, in der Kindheit, bei ausgeprägten Leberfunktionsstörungen, in Kombination mit bestimmten Arzneimitteln, in besonderen Arbeitszusammenhängen oder als Fahranfänger am Steuer ist jeglicher Alkoholkonsum gefährlich.

Bei illegalen Drogen sind Grenzwerte des riskanten Konsums umstritten, zumal man ja angesichts der Illegalität bereits Risiken eingeht. In der Diskussion stehen Grenzwerte für riskanten Medienkonsum, hier gibt es unterschiedliche Empfehlungen wie z.B. 4 Stunden an arbeitsfreien Tagen.

2 Unterschied zwischen riskantem Konsum und Abhängigkeit oder Alkoholkonsumstörung

Beim risikoarmem versus riskantem oder gefährlichem Konsum geht es um die durchschnittliche tägliche Trinkmenge oder den Substanzkonsum in Anhängigkeit von Alter, Geschlecht, gesundheitlicher Situation und Konsumumständen, während sich die Krankheitsdefinitionen Abhängigkeit bzw. Alkoholkonsumstörung an typischen Phänomenen orientieren, die sich nach häufig wiederholtem Substanzgebrauch entwickeln können: Es besteht beim Alkoholabhängigkeitssyndrom (DIMDI 2019) ein starker Wunsch, die Substanz einzunehmen, Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren, und ein anhaltender Substanzgebrauch trotz schädlicher Folgen. Dem Substanzgebrauch wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen gegeben. Es entwickelt sich eine Toleranzerhöhung und u.U. ein körperliches Entzugssyndrom.

3 Wie berechnet man die Alkoholmenge in Getränken und im Blut?

1 Glas mit

  • 0,125 l Wein oder Sekt
  • 0,25 l Bier
  • 0,04 l Spirituosen

enthält in etwa je 10 g reinen Alkohol.

Die Formel zur Berechnung des Alkoholgehaltes eines Getränkes lautet (DHS 2015):

Menge in Milliliter x Volumenprozent Alkohol x 0,8 / 100 = Gramm reiner Alkohol

So enthält eine Flasche (0,5l = 500ml) Bier mit 4,8 Vol% Alkohol 500 x 4,8 x 0,8/100 = 19,2 Gramm Alkohol.

Für die Alkoholwirkung ist die Blutalkoholkonzentration (BAK) von Bedeutung. Diese wird in Promille gemessen. 1 Promille BAK bedeutet, dass 1 Liter Blut 1 Milliliter reinen Alkohol enthält. Wie hoch die Blutalkoholkonzentration, also der Promillewert im Blut ist, lässt sich mit der sogenannten Widmark-Formel berechnen. Sie berücksichtigt, dass der Anteil von Körperflüssigkeit am Körpergewicht bei Männern (ca. 68 %) und Frauen (ca. 55 %) unterschiedlich hoch ist. Die Widmark-Formel lautet:

BAK (Promille) = Alkoholmenge in Gramm / (Körpergewicht in Kilogramm x Anteil Körperflüssigkeit)
(BZgA o.J.)

Eine exakte Berechnung müsste noch Trinkgeschwindigkeit, Magenfüllung und den Zeitraum berücksichtigen. Pro Stunde werden je nach BAK und Geschlecht zwischen 0,08 und 0,2 Promille abgebaut. Als Richtwert gilt oft 0,1 Promille.

Ab ca. 3–4 Promille Blutalkoholkonzentration ist Alkohol bei „ungeübten“ Menschen tödlich.

4 Quellenangaben

Bloomfield, Kim, Ludwig Kraus und Michael Soyka, 2008. Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen [online]. Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 40 (herausgegeben vom Robert Koch Institut). Berlin: Robert-Koch-Institut [Zugriff am: 30.01.2019]. PDF e-Book. ISBN 978-3-89606-185-0. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/alkoholkonsum.pdf?__blob=publicationFile

BZgA, [kein Datum]. Kenn dein Limit: was ist die Blutalkoholkonzentration und wie wird sie berechnet [online]? Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) [Zugriff am: 30.01.2019]. Verfügbar unter: https://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/haeufige-fragen/was-ist-die-blutalkoholkonzentration/

DHS, 2015. Alkohol Basisinformation [online]. 12. Auflage. Hamm: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. [Zugriff am: 29.01.2019]. Verfügbar unter: https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/Basisinfo_Alkohol.pdf

DIMDI, 2019. ICD-10-WHO Version 2019 [online]. Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (F10-F19). Köln: DIMDI Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information [Zugriff am: 29.01.2019]. Verfügbar unter: https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-who/kode-suche/htmlamtl2019/block-f10-f19.htm

Autorin
Prof. Dr. Annemarie Jost
Professorin für Sozialpsychiatrie an der Fakultät 4 der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg
Website
Mailformular

Es gibt 5 Lexikonartikel von Annemarie Jost.


Zitiervorschlag
Jost, Annemarie, 2019. Riskanter Konsum [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 13.03.2019 [Zugriff am: 16.07.2019]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Riskanter-Konsum

Urheberrecht
Dieser Lexikonartikel ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion des Lexikons für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.

Autorin

Prof. Dr. Annemarie Jost
Website
Mailformular

veröffentlicht am 13.03.2019

Legende

Link zu Lexikonartikel
Link zu Lexikonartikel in Arbeit
Sprung zu Quellenangaben und Literaturhinweisen

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!