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Schwerin, Jeanette

Manfred Berger

veröffentlicht am 07.05.2021

Weitere Schreibweise: Jeannette Schwerin

Jeanette Schwerin in jungen Jahren
Abbildung 1: Jeanette Schwerin in jungen Jahren (Ida-Seele-Archiv)

 21.11.1852 in Berlin
† 14.07.1899 in Berlin

Die frauenbewegte Sozialreformerin gab Ende des 19. Jahrhunderts wichtige Anstöße zur Armen- und Wohlfahrtspflege, Emanzipation sowie zur qualifizierten Ausbildung der Frauen im Bereich der Sozialen Arbeit.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Biografischer Hintergrund
    1. 2.1 Elternhaus, Kindheit und Jugend
    2. 2.2 Eigene Familie und letzte Lebensjahre
  3. 3 Lebenswerk: Sozialreform, Soziale Fürsorge, Emanzipation und Bildung
    1. 3.1 Verein für Frauenwohl
    2. 3.2 Bund Deutscher Frauenvereine
    3. 3.3 Kommission für Arbeiterinnenschutz und weibliche Gewerbeinspektoren
    4. 3.4 Auskunftsstelle für Fraueninteressen
    5. 3.5 Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur
    6. 3.6 Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit
  4. 4 Referentin zu frauenbewegten Themen
  5. 5 Würdigung
  6. 6 Quellenangaben
  7. 7 Informationen im Internet

1 Zusammenfassung

Jeanette Schwerin gehört zu den ersten prominenten frauenbewegten und sozialen Aktivistinnen sowie Vorkämpferinnen der sozialen Frauenberufsarbeit. Ihr lag daran, anknüpfend an eine alte Forderung der bürgerlichen Frauenbewegung, Frauen und Mädchen in der öffentlichen Armen- und Wohlfahrtspflege Tätigkeitsfelder zu verschaffen und für die „soziale Fürsorge“ auszubilden. Demzufolge engagierte sie sich in verschiedenen frauenbewegten Vereinen und Organisationen. Obwohl nur eine kurze Zeitspanne in der Frauenbewegung, Armen- und Wohlfahrtspflege tätig, setzte Jeanette Schwerin richtungsweisende Akzente, die bis heute nachwirken. So sind bspw. die von ihr Mitte der 1890er Jahre initiierten und geleiteten überkonfessionellen Ausbildungskurse, in welchen junge Frauen in Theorie und Praxis auf ihre ehrenamtliche soziale Hilfstätigkeit vorbereitet wurden, als Vorläufer der professionellen Ausbildung zur Sozialen Arbeit zu sehen. Treffend resümierte ihre Biografin Anna Plothow:

„Das Verdienst, das Feld kommunaler und sozialpolitischer Wirksamkeit den Frauen erschlossen zu haben, gebührt einer Frau, die nur sieben Jahre lang – von 1892 bis 1899 – der deutschen Frauenbewegung angehörte und ihr doch für dieses Gebiet dauernd den Stempel ihres Wesens aufdrückte: Jeanette Schwerin(Plothow 1907, S. 187 f.).

2 Biografischer Hintergrund

2.1 Elternhaus, Kindheit und Jugend

Jeannette (laut Geburtsurkunde mit zwei n) Schwerin erblickte am 21. November 1852 in Berlin als erstes von zwei Kindern des angesehenen Humanmediziners Dr. Eduard Abarbanell und dessen Ehefrau Johanna Henriette, geb. Wolffenstein, das Licht der Welt. Ihr Bruder Ernst Samuel wurde fünf Jahre später geboren. Der Vater, ein Anhänger liberal-demokratischer Ideen, entstammte einem bedeutenden sephardischen Geschlecht, dessen Herkunft sich „in direkter Linie von dem jüdisch-spanischen Gelehrten, Bibelexegeten und Staatsmann Don Isaak ben Juda Abarbanell (1437–1508) [ableitet] […] Seine Familie führte ihren Ursprung direkt auf König David zurück, was freilich nur besagte, dass sich die Familie Abarbanell zu den vornehmsten sephardischen Familien zählte“ (Maier und Nürnberger 2016, S. 7 f.). Eduard Abarbanell war in der armen Bevölkerung ein sehr beliebter Arzt, der „mit hervorragenden Verstandes- und Gmütskräften begabt war; Lauterkeit des Charakters, eine glühende Freiheits- und Gerechtigkeitsliebe zeichneten ihn aus. Seine Interessensphäre war nicht durch seinen Berufskreis begrenzt; die Eindrücke, die er als junger Arzt in Schlesien aufnahm, wohin er durch die Regierung zur Hilfeleistung bei der dortigen Hungertyphus-Epidemie geschickt worden war, haben sowohl auf seine wie seiner Familie Weltanschauungen in entscheidender Weise nachgewirkt“ (Salomon 1899, S. 74). Er war u.a. Mitbegründer des Berliner „Handwerker-Vereins“, der wichtigsten Bildungseinrichtung für die Arbeiterschaft, und dessen erster stellvertretender Vorsitzender. Die Mutter widmete sich auf der Grundlage der „Zehdakah“ (Gerechtigkeit), den Gestrauchelten, Armen und Kranken. Sie war bspw. Vorsitzende des von Wilhelm Lette gegründeten „Berliner Frauenvereins zur Beförderung der Fröbel’schen Kindergärten“, fungierte als Küchenvorstand im „Verein der Berliner Volksküchen“, zeichnete als Schriftführerin und „Aufsichtsdame“ im „Berliner Kinderschutz-Verein“ verantwortlich und engagierte sich ferner im „Komitee für Ferienkolonien“ (Fassmann 1996, S. 234; Maier und Nürnberger 2016, S. 12 f.; Nitsch 1999, S. 38 ff.). So lernte die Tochter bereits sehr früh „die herkömmliche, ehrenamtliche Wohltätigkeit des Berliner Bürgertums kennen“ (Fassmann 1993, S. 340), die sie später als „höchst primitiv, ja gedankenlos“ (Salomon 1899, S. 75) ablehnen wird.

Jeanette war ein lernbegieriges Mädchen und in „ihrer geistigen Entwicklung anderen Kindern um Jahre voraus“ (Salomon 1899, S. 74). Die Vierjährige konnte – obgleich ohne systematischen Unterricht – fließend lesen. Mit sieben Jahren las sie die Werke von Friedrich Schiller und lernte diese wahllos auswendig. Anlässlich einer Tischgesellschaft im elterlichen Hause deklamierte sie zum Erstaunen der geladenen Gäste das in 15 Strophen unterteilte Gedicht „Die Kindsmöderin“. Die Schule verließ das Mädchen noch in der ersten Klasse, woraufhin die Mutter, beraten durch den Pädagogen Dr. Carl Goldbeck, die Verantwortung für den Bildungsweg ihrer hochbegabten Tochter übernahm. Im Alter von 17 Jahren absolvierte sie die 1869 von Lina Morgenstern errichtete „Akademie zur wissenschaftlichen Fortbildung für junge Damen“ (Morgenstern 1899, S. 350). Im Abarbanellischen Hause trafen sich gleichgesinnte Freundinnen (Lange 1925, S. 106), darunter Caroline Michaelis, die sich später den Ruhm einer hervorragenden Gelehrtin und Sprachforscherin erworben hatte, und Helene Lange, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts. Jeanette Abarbanell entwickelte sehr früh „ein großes Interesse für Kunst, Literatur und Poesie, das sie später weiterhin pflegte, z.B. durch Lesen gehobener Literatur und Verfassen eigener Gedichte. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Ausbildung lag außerdem im Erlernen von Fremdsprachen“ (Maier und Nürnberger 2016, S. 12). Da sie nachweislich mehrere Sprachen perfekt in Wort und Schrift beherrschte, befähigten sie diese Begabung später, „die Entwicklung der englischen, niederländischen und französischen Frauenbewegung aufmerksam zu beobachten, wichtige Anregungen aufzugreifen und in Deutschland zu propagieren“ (Fassmann 1996, S. 235).

2.2 Eigene Familie und letzte Lebensjahre

Kaum 20 Jahre alt heiratete Jeanette Abarbanell den praktischen Arzt Dr. Ernst Alfred Schwerin. Er war ebenfalls jüdischen Glaubens und hatte sich wie sein verstorbener Schwiegervater innerhalb des „Berliner Handwerkervereins“, dessen Vorsitzender er von 1890 bis 1903 war, engagiert. Aus der Ehe ging Sohn Eduard hervor, der von kränklicher Konstitution war. Alice Salomon (1872–1948), Wegbereiterin des sozialen Frauenberufs in Deutschland, lernte in jungen Jahren Jeanette Schwerin kennen, über die sie in ihren Lebenserinnerungen schrieb:

„Frau Schwerin war damals etwa 40 Jahre alt, 20 Jahre älter als ich, sah jedoch viel älter aus und wirkte, abgesehen von ihren lebendigen braunen Augen, recht unscheinbar […] Sie war klein und von bleicher Gesichtsfarbe, die ihr ein anämisches Aussehen verlieh. Ihr Haar war weich, glatt und dunkel und sie trug einfache und schmucklose Kleidung […] Ihr einziger Sohn war mehr oder weniger ein Problemkind und ihre Ehe war im ganzen gesehen nicht glücklich, ihr Heim jedoch wurde ein kulturelles Zentrum für viele prominente Männer und Frauen. Ich lernte dort, daß Liberalismus mehr ist als eine politische und ökonomische Doktrin – mehr als eine oppositionelle Bewegung gegen den konservativen Staat“ (Salomon 1983, S. 41).

Während Alice Salomon von einer nicht glücklichen Ehe berichtete, vermerkte die Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Anna Plothow, dass die Ehe „sich zu einem wundervoll harmonischen Zusammenleben [gestaltete], da Dr. Schwerin durchaus die idealen Anschauungen seiner Gattin teilte“ (Plothow 1907, S. 191).

Bedingt durch die Kränklichkeit ihres einzigen Kindes, als auch den Pflichten, welche der ärztliche Beruf ihres Mannes mit sich brachte, war Jeanette Schwerin weitgehend an das Haus gebunden. Sie nutzte diese Zeit und beschäftigte sich mit philosophischen, historischen und ökonomischen Fragen. Ab 1892, als Sohn Eduard erwachsen war, engagierte sich „Frau Sanitätsrat Dr. Schwerin“, so die offizielle Anrede, seit ihr Ehemann 1892 zum Sanitätsrat ernannt wurde, tatkräftig in der Armen- und Wohlfahrtspflege sowie in der bürgerlichen Frauenbewegung. Sie rief in Berlin vielfältige Vereine zum Wohle der Armen, der Frauen und Kinder ins Leben, wie, um nur einen vorweg zu nennen, den „Verein zur Förderung der Blumenpflege unter den Schulkindern“, „um das darbende Gemüt des Großstadtkindes mit Freude an der Natur zu erfüllen“ (Plothow 1907, S. 195). Bedingt durch Krankheiten, musste sie vermehrt Verantwortung an ihre Sekretärin und „begeisterten Apostel ihrer Lehre“ (Salomon 1933, S. 11), Alice Salomon, abgeben. Letztgenannte vertrat, „vermutlich als jüngste Delegierte“ (Hülsbergen 1997, S. 77), ihre Chefin an der vom 2. bis 6. Oktober 1898 in Hamburg stattgefundenen Generalversammlung des „Bundes Deutscher Frauenvereine“ (BDF) sowie auf dem „Internationalen Frauenkongress“, der vom 26. Juni bis 5. Juli 1899 in London tagte und unter folgendem Motto stand „Alles was ihr wollt, das euch die Leute thun sollen, das thut ihr Ihnen auch!“ (Cauer 1898, S. 500). Trotz ihrer Abwesenheit wurde Jeanette Schwerin auf letztgenannter Versammlung – wie vorgesehen – „zur Schatzmeisterin gewählt, was zweifelsohne auch aus internationaler Sicht eine Anerkennung ihrer hervorragenden Arbeit bedeutete, zumal sie in diesem Gremium als erste Deutsche Mitglied wurde“ (Maier und Nürnberger 2106, S. 72).

Neun Tage nach dem „Internationalen Frauenkongress“ verstarb am 14. Juli 1899 die im 47. Lebensjahr stehende frauenbewegte und soziale Aktivistin nach längerem Leiden in Berlin. Noch im Todesjahr war es ihr vergönnt, die ersten Hefte des Publikationsorgans des BDF, das „Centralblatt des Bundes Deutscher Frauenvereine“, herauszugeben. Ihrem Wunsch entsprechend wurde sie nicht auf dem jüdischen Friedhof, sondern auf dem städtischen Zentralfriedhof in Berlin-Lichterfelde (Rondell 9) beigesetzt, wo Arm und Reich, als auch der „Verbrecher“ sowie „Menschen aller Konfessionen und Geistesrichtungen“ (Salomon 1899, S. 77) ihre letzte Ruhestätte fanden. Helene Lange schrieb in einem Gedenkwort über ihre verstorbene Freundin:

„Wo kleinliche Empfindlichkeit, persönliche Zuspitzung in den Kampf hineingetragen wurde, fand sie das milde, versöhnliche Wort; selbst die gehässige Parteiverhetzung verstummte ihr gegenüber. Es war in all ihren menschlichen Beziehungen etwas von Nathans reifer Weltanschauung, von seiner sittlichen Größe stammenden Milde. Und viele, viele haben die Worte des Klosterbruders auf sie anwenden gelernt: ‚Ein bess’rer Christ war nie!‘“ (Lange 1899, S. 665).

Jeanette Schwerin im Todesjahr
Abbildung 2: Jeanette Schwerin im Todesjahr (Ida-Seele-Archiv)

3 Lebenswerk: Sozialreform, Soziale Fürsorge, Emanzipation und Bildung

3.1 Verein für Frauenwohl

Im Jahre 1888 gründete die Lehrerin, Journalistin und im radikalen Flügel der Bürgerlichen Frauenbewegung maßgeblich engagierte Führerin Minna Cauer, zusammen mit fünf weiteren Frauen sowie tatkräftiger Unterstützung „einiger einsichtvoller und warmherziger Männer“ (Cauer 1913, S. 6), den „Verein Frauenwohl Groß-Berlin“. Jeanette Schwerin wurde in den Vorstand des weiblichen Interessenverbandes gewählt. Dies war der Auftakt für ihren Eintritt in das öffentliche Leben. Mit großem Elan unterstützte sie Minna Cauer, die in ihrer Rede zur ersten Generalversammlung über die Intention der neuen Frauenvereinigung sagte: „Was wir wollen, von unserem kleinen Kreise aus, ist: Anregung geben, Aufklärung bringen, Lücken auffüllen […] Nie sollen die Frauen aufhören, Frauen zu sein, die sie jetzt sind. Laßt uns versuchen, unsere Pflichten nach dieser Richtung zu erfüllen, dann fallen uns die Rechte von selber zu“ (Cauer 1913, S. 8). Innerhalb des Frauenvereins errichtete sie die „Hauspflege“, um den „ärmsten Frauen die Last des Wochenbettes zu erleichtern“ (Plothow 1907, S. 195). Nach zehn Jahren aktivem Einsatz für den Verein „Frauenwohl“ traten Jeanette Schwerin sowie fünf weitere Vorstandsmitglieder einschließlich „einer großen Anzahl alter, treuer Vereinsmitglieder“ (o. V. 1899, S. 376) wegen unüberbrückbarer Schwierigkeiten mit den „radikalen Mitgliedern“ aus der Organisation aus (Maier und Nürnberger 2016, S. 64 ff.)

3.2 Bund Deutscher Frauenvereine

Bei der Gründung des BDF Ende März 1894 war Jeanette Schwerin zugegen. Zwei Jahre später wurde sie in dessen Vorstand gewählt. Ihre Aufgabe innerhalb der Frauenorganisation sah sie darin, „mit ihrer milden, versöhnlichen Art einen Ausgleich, ein Verbindungsglied zwischen den verschiedenen Richtungen und Strömungen in der Bewegung zu erstreben oder zu schaffen“ (Salomon 1899, S. 76). Während einer Studienreise nach England im Sommer 1894 wurde sie mit den Führerinnen der „National Society for Women’s Suffrage“ bekannt. Fortan setzte sie sich innerhalb der Frauenbewegung für das Frauenstimmrecht ein. Als der vom 19. bis 26. September 1896 in Berlin stattgefundene „Internationale Kongreß für Frauenwerke und Frauenbestrebungen“ geplant wurde, gehörte sie dem Organisationskomittee an. Fast „alle europäischen Länder und Amerika“ (Redaktions-Kommission 1897, o.S.) waren auf der Tagung vertreten, die die wichtigsten Vertreterinnen der Frauen- und Reformbewegung zusammenführte. Dazu gehörten Anita Augspurg, Lili Braun, Minna Cauer, Henriette Goldschmidt, Maria Montessori, Lina Morgenstern, Lydia Rabinowitsch, Anna Schepeler-Lette, Marie Stritt, Madame Vicent, um nur einige der vielen zu nennen. Jeannette Schwerin war Leiterin der Sektions-Sitzungen. Sie referierte zum Thema „Auf welchen Arbeitsgebieten kann sich die gesamte Frauenwelt zu gemeinsamer Arbeit vereinigen?“ Diesbezüglich war sie der Meinung – jenseits der sozialen und ideologischen Grenzen zwischen den unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Frauenbewegung –, dass auch für „Frauen, die auf dem Boden einer politischen Partei oder eines strengen religiösen Bekenntnisses stehen, es möglich [sei], über individualistische und sozialistische Theorien hinweg, zusammen zu arbeiten“ (Schwerin 1897, S. 393). Sie machte den Vorschlag, für bestimmte Forderungen — wie Reform der Volksschule, Rechtsstellung der Frau, Einführung von Fabrikinspektorinnen und Förderung gewerkschaftlicher Frauenorganisationen — miteinander zu arbeiten und zusammenzustehen. Ihr Ratschlag zum „schwesterlichen Zusammenhalt“ der verschiedenen frauenbewegten Strömungen wurde heftig befehdet (Gerhard 1991, S. 181 ff.). Nach Ansicht der Referentin sollte auf jeden Fall ein Klassenkampf zwischen den Frauen vermieden werden, denn:

„Was wäre das auch für ein Kampf, von Frau gegen Frau. Von Mutter gegen Mutter? […] Wir wollen, wenn uns der Fehdehandschuh von jener Seite hingeworfen wird, ihn nicht aufheben, wenn bittere, feindselige Äußerungen uns um die Ohren schwirren, sie überhören. Unterrichten wir uns über die Lage der Arbeiterinnen, und suchen wir zu helfen und mitzuwirken, um, wo es möglich ist, bessere Zustände zu schaffen. […] Aufrechter, guter Wille, warmherziges Entgegenkommen wird vielleicht auch einmal die Hartnäckigkeit und Feindseligkeit auf jener Seite besiegen. So wird der Kongreß nicht einfach einen Unterhaltungsstoff für den kommenden Winter bilden, sondern eine ernste Mahnung zurücklassen zur Arbeit und Mithilfe für alle nach den Worten des Dichters [Friedrich Schiller]: Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben; bewahrt sie(zit. n. Fassmann 1996, S. 248).

Internationaler Frauenkongress 1896 in Berlin
Abbildung 3: Internationaler Frauenkongress 1896 in Berlin (Ida-Seele-Archiv)

3.3 Kommission für Arbeiterinnenschutz und weibliche Gewerbeinspektoren

Als Vorsitzende der „Kommission für weibliche Gewerbeinspektion“, die durch ihre Initiative in eine „Kommission für Arbeiterinnenschutz“ erweitert wurde, forderte sie wiederholt die Einführung von Gewerbeinspektorinnen. Sie begründete dies damit, dass Arbeiterinnen sich beispielsweise bei sittlichen Übergriffen am Arbeitsplatz nicht voll Vertrauen an einem männlichen Gewerbeinspektor wenden würden und verwies zugleich auf die in anderen Ländern, besonders in Frankreich, England und in den Vereinigten Staaten von Amerika, erfolgreich arbeitenden Fabrikinspektorinnen:

„Wer sollte die Nöte des eigenen Geschlechts besser verstehen, als die Frau selbst? Würde sie sich nicht mehr Vertrauen bei den Arbeiterinnen erwerben können als der Mann, demgegenüber oft genug die Scham über unwürdige Zumutungen die Arbeiterin schweigen heißt? Die Frau hat es der Frau gegenüber immer leichter, denn sie bringt ihr ein anderes Verständnis für ihre physischen und moralischen Bedürfnisse entgegen, als der Mann es vermag“ (Schwerin 1895, S. 266).

Infolge initiierte sie in Berlin Kurse zur Ausbildung von weiblichen Gewerbeinspektoren und regte in München zur Gründung solcher an. Die Forderung nach Ausbildung von Frauen zu Gewerbeinspektorinnen vertrat sie auch entschieden im Namen des BDF auf dem „Internationalen Arbeiterschutzkongreß“, der vom 23. bis 28. August 1897 in Zürich mit über 500 Teilnehmern stattfand.

Wenn sie sich damit auch mehr Feinde als Freunde schaffte, bekundete Jeanette Schwerin ihr Verständnis für den im Jahre 1896 ausgebrochenen großen Konfektionsarbeiterinnenstreik, hielt sie doch die Lohnforderungen der unterbezahlten rebellierenden Frauen für gerechtfertigt. Aufklärerisch schrieb sie:

„Den deutschen Frauen ist das Wort ‚Streik‘ noch ein Schreckensgespenst, denn sie verbinden damit Vorstellungen des Fenstereinwerfens, johlender Masse, unberechtigter Ansprüche“ (Schwerin 1896, S. 57).

Die Arbeiterinnenstreiksympathisantin tadelte die bürgerlichen Frauen, die aus Besorgnis, sie könnten die Sozialdemokratie stärken, den Streik ihrer Geschlechtsgenossinnen nur zögerlich unterstützten. Sie forderte eine überpolitische, von sozialen und humanen Ideen getragene Sichtweise:

„Nicht nur dem Impuls unseres Herzens wollen wir nachgehen […] – nein, ernster Arbeit, die unserem Handeln die Richtung gibt, so daß wir in den großen sozialen Kämpfen unserer Zeit sozialpolitische Gesichtspunkte gewinnen, die über jede Politik hinaus uns befähigen, dem Gebote höchster Sittlichkeit: einer reinen Menschenliebe leben zu können“ (Schwerin 1896, S. 57).

3.4 Auskunftsstelle für Fraueninteressen

Im Jahre 1898 rief der BDF die „Kommission zur Förderung der praktischen Erwerbstätigkeit und wirtschaftlichen Selbständigkeit der Frau“ ins Leben. Jeanette Schwerin wurde zur Vorsitzenden gewählt. Sie regte sogleich die Errichtung einer „Auskunftsstelle für Fraueninteressen“ an, die berufskundliches Material sammelte und umfangreiche Berufsberatung leistete. Nach ihrem frühen Tod übernahm zunächst Alice Salomon die Leitung der Auskunftsstelle, ab 1902 Josephine Levy-Rathenau, die später die Einrichtung in ein „Frauenberufsamt“ umwandelte, dessen Aufgabe darin bestand, „‚die theoretisch-wissenschaftliche Erforschung des Arbeitsmarktes und die objektive Feststellung der mit dem Berufs- und Erwerbsleben der Frauen zusammenhängenden wirtschaftlichen, hygienischen, sittlichen Erscheinungen‘, sowie die Bearbeitung und Überweisung des gewonnenen Materials an die örtlichen Auskunftsstellen“ (Stritt 1913, S. 105).

3.5 Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur

Zusammen mit ihrem Mann trat Jeanette Schwerin der am 20. Oktober 1892 in Berlin gegründeten „Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur“ (D.G.e.K.) bei. Unter den 40 anwesenden Personen waren immerhin auch sechs Frauen. Dieser Schritt entsprach Jeanette Schwerins tief religiöser Natur, hatte sie doch „unter den konfessionellen Spaltungen der Menschen gelitten. Sie hielt das Judentum, dem sie angehörte, hoch, hatte aber ebenfalls warme Sympathien für die Sittenlehre des Christentums und war innerlich über jedes Dogma hinausgewachsen. In der Hingabe an ethische Bestrebungen glaubte sie ein Bindemittel für die konfessionelle Zerrissenheit unseres Volkes und ein Gegengewicht gegen den durch die schweren wirtschaftlichen Kämpfe der Zeit bedingten Materialismus zu finden“ (Plothow 1907, S. 192). Ziel der von zahlreichen jüdischen Intellektuellen unterstützten Vereinigung war es, die Menschheit in ihrem sittlichen Streben zu einigen, ohne nach ihrem religiösen Bekenntnis zu fragen. Sie sollte einen Beitrag zur Entwicklung einer humanen Gesellschaft, in der „Christen und Juden, Theisten und Atheisten, Gläubige und Freidenker“ (zit. n. Fassmann 1996, S. 238) leisten. Durch entsprechende Publikationen, Vorträge, praktische soziale Arbeit und breitgefächerte Bildungsangebote sollten Toleranz, Akzeptanz und Solidarität gefördert und erreicht werden.

Bereits am 16. Dezember 1892 konnte die soziale Gruppe des Interessenverbandes – dank kräftiger Mithilfe des Ehepaares Schwerin – eine „Rechtshilfekommission“, eine „Ökonomische Kommission“ sowie eine „Wohlfahrtskommission“ in Betrieb nehmen. Im Februar 1893 schrieb Jeanette Schwerin begeistert an einem Freund:

„Durch die Deutsche Gesellschaft für Ethische Kultur hat sich mir ein neues Feld der Bethätigung erschlossen, auf dem ich mich wohl fühle, weil es meiner Begabung entspricht, und weil man mir mit Sympathie und Vertrauen entgegenkommt. Was dort von mir verlangt wird, leiste ich ohne jede Anstrengung, so mühelos, daß ich selbst keinen Wert darauf legen kann“ (zit. n. Salomon 1899, S. 74).

Auf Vorschlag von „Frau Saniätsrat Dr. Schwerin“ hatte man beschlossen, eine Übersicht über die vielen Berliner Wohltätigkeitseinrichtungen zusammenzustellen und eine „Zentrallstelle“ zu schaffen, in der hilfesuchende Menschen verlässliche Auskunft und nutzbringenden Rat erhielten. Daraus entstand am 6. Mai 1893 in Verbindung mit der Sozialen Gruppe der D.G.e.K der Name „Auskunfststelle der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur“. § 1 der Satzung beinhaltete:

„Die Auskunftsstelle bezweckt

a) mündliche und schriftliche Auskunftserteilung an Personen, die Hülfe suchen oder Hülfe leisten wollen, im besonderen über öffentliche oder private Wohlfahrtseinrichtungen innerhalb Berlins.

b) methodische Anleitung der Mitglieder der Auskunftsstelle in allen Zweigen persönlicher Hülfeleistungen.

1. durch die sich aus dem Verkehr mit den Auskunftssuchenden ergebenden schriftlichen Arbeiten.

2. durch Vorträge, Besprechungen, Referate.

c) Übernahme und Überweisung persönlicher, von socialethischen Gesichtspunkten geleiteter Fürsorge für Hülfsbedürftige“ (zit. n. Degethoff de Campos 1993, S. 27).

Die von Jeanette Schwerin angelegte Materialsammlung über die zahllosen sozialen Organisationen der kaiserlichen Reichshauptstadt erschien 1896 in Buchform, herausgegeben von Gustav Herzfeld und Albert Levy, unter dem Titel „Die Wohlfahrtseinrichtungen Berlins. Ein Auskunftsbuch“. In „dem unentbehrlichen Hilfsbuch, [das] in seiner Anlage vielfach von anderen Städten“ nachgeahmt (Plothow 1907, S. 193) wurde, wurden auf 431 Seiten über 1.000 karitativ tätige Einrichtungen systematisch nach ihren Aufgaben und organisatorischen Zuordnung vorgestellt. Bereits drei Jahre später erschien die Publikation in dritter und wesentlich erweiterter Auflage. Sie „wurde wegen seines grauen Einbandes bald als das Graubuch stadtbekannt, dessen Name sich in dieser Form bis heute erhalten hat […] Das Graubuch lieferte wichtige Hinweise zu Ernährung, Bekleidung, Wohnung, Beaufsichtigungs- und Erziehungswesen für Kinder, Unterricht, Krankenfürsorge, Gesundheitspflege etc. Im Anhang fanden auch spezielle Wohlfahrtseinrichtungen der Eisenbahnverwaltung, der Post- und Telegraphenverwaltung, Kranken-, Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherungen Erwähnung“ (Zeller 2018, S. 33).

Das sog. „Graubuch“
Abbildung 4: Das sog. „Graubuch“ (Ida-Seele-Archiv)

Der Berliner Zweig der D.G.e.K. errichtete am 1. Januar 1895 nach dem Vorbild der „Public Libraries“ in den USA und in England in fünf Räumen der „Volks-Kaffee- und Speise-Hallen-Gesellschaft“ eine öffentliche Lesehalle ein. Bezeichnend für die „Public Libraries“ war, dass sie ihren NutzerInnenn gut ausgestattete Leseräume zur Verfügung stellten, ein gravierender Unterschied zu den bis dahin in Deutschland verbreiteten reinen Ausleihbibliotheken. Die Lesehalle der D.G.e.K. lag mitten „in dem Arbeiter- und Kleine-Leute-Viertel nahe dem Hackeschen Markt“ (Mahrt-Thomsen 1998, S. 27), heute ein hippes Szenenviertel. Den Vorsitz der zuständigen Kommission führte Jeanette Schwerin (Mahrt-Thomsen 2013, S. 42 ff.). Die vorbildhaft geführte Einrichtung erfreute sich großer Beliebtheit, die Zahl der Besucher „erreichte fünf Jahre nach der Gründung bereits 100.000, also durchschnittlich fast 300 pro Tag. Die ausliegenden Zeitungen wurden von den Verlegern gespendet. Bald konnten Bücher auch ausgeliehen werden. Der Buchbestand enthielt sogar rege benutzte wissenschaftliche Literatur und Handbücher der verschiedenen Gewerbe und Industrien […] Der große Erfolg der Lesehalle führte dazu, dass die Stadt Berlin ab 1896 selbst Lesehallen errichtete“ (Maier und Nürnberger 2016, S. 29 f.). Dr. Ernst Jeep teilte sich die Leitung der Lesehalle mit Bona Peiser. Letztgenannte gehörte zu den Gründungsmitgliedern der „Bibliothekskommission“ der D.G.e. K. und war die erste ausgebildete Bibliothekarin Deutschlands (Mahrt-Thomsen 2013). Bald folgten dem Berliner Vorbild frei zugängliche Lesehallen bzw. Volksbibliotheken in Breslau, Magdeburg, Mühlhausen, Jena, Wiesbaden etc.

Frau Sanitätsrat Dr. Schwerin wurde für ihren Einsatz zur 2. Vorsitzenden der D.G.e.K sowie zur Vorsitzenden dessen „Wohltätigkeitskommission“ konsigniert. Als sie ihren Lesehallenvorsitz abgab, ernannte sie die „Bibliothekskommission“ zur Ehrenvorsitzenden.

3.6 Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit

Der Arbeit noch nicht genug wurde Jeanette Schwerin im November 1893 auf Drängen von Freunden in das Gründungskomitee der „Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit“ (kurz „Gruppen“ genannt) berufen. Zum Gründungskomitee gehörten u.a. noch Minna Cauer, Georg von Bunsen, Paul Grauenhorst, Peter Jessen, Lina Morgenstern und Karl Schrader (Nitsch 1999, S. 95). Anfänglich stand „Frau Sanitätsrat Dr. Schwerin“ dem neuen Unterfangen sehr skeptisch gegenüber, fürchtete sie doch, wie schon voranstehend angesprochen, „den ‚gefährlichen Dilettantismus‘ jener Wohltätigkeitsdamen, deren Wirken zu einer Modeerscheinung geworden war und die, wie Helene Lange sarkastisch schrieb, durch das parfümierte Taschentuch den Armeleutegeruch fernhalten mußten“ (Degethoff de Campos 1995, S. 75). Die „Gruppen“ wurden gegründet, „um Frauen der besitzenden Stände zur Pflichterfüllung im Dienste der Gesamtheit heranzuziehen und sie dafür tüchtig zu machen“ (Salomon 1899, S. 75). Dabei handelte es sich dem Gründungsaufruf entsprechend „um keinerlei Emanzipationsbestrebungen“ (Sachße und Tennstedt 1991, S. 437). Anfänglich arbeiteten insbesondere junge Jüdinnen des mittleren und gehobenen (Bildungs-)Bürgertums unentgeltlich für einige Stunden in der Woche in der Armen- und Waisenpflege, Blindenfürsorge, Kinderfürsorge und Jugendpflege sowie in der Krankenpflege. Dazu gehörten z.B. Elisabeth Altmann-Gottheiner, Adele Beerensson, Anna von Gierke, Clara Israel, Josephine Levy-Rathenau und Alice Salomon, alles Frauen, die heute zum „Who's who“ der Frauenbewegung und Sozialen Arbeit zählen (Maier 1998). Durch die Mitarbeit in den „Gruppen“ wurde manches Mitglied „von der grauenhaften Einöde der Tage [befreit], die besonders die jungen Mädchen der wohlhabenden Kreise nur allzu gut kennen, deren ‚Beschäftigung‘ darin besteht, mit Mühe und Not die Zeit totzuschlagen; die das, was das ‚ästhetische Rankenwerk‘ des Lebens sein soll, künstlich zu einem Lebensinhalt aufzubauen versuchen“ (Salomon 1905, S. 123).

Durch den Einblick der Mädchen und Frauen in die verschiedenen Wohlfahrtsanstalten, wie bspw. Krippen, Kindergärten, Mädchenhorte und Krankenhäuser, hob sich allgemein das „öffentliche Interesse an solchen Anstalten, was äußerst segenreich war. Unentwickelte, unzulängliche Anstalten wurden dadurch langsam gezwungen, sich zu reformieren, fehlende Mittelglieder zwischen den einzelnen Einrichtungen wurden geschaffen, neue Arbeitsgebiete gefunden“ (Zahn-Harnack 1928, S. 81 f.).

Eine Besonderheit war, dass in den „Gruppen“ von Anfang an praktische soziale Arbeit mit theoretischen Kursen verbunden war. Bedeutende Vertreter universitärer Disziplinen erteilten gegen geringes Honarar Unterricht, etwa Albert Levy, Emil Münsterberg, Hugo Preuss oder Max Weber. Die Gruppenmitglieder selbst hielten „in kleinen, meist den jeweiligen Gruppen zugeordneten Kursen, Veranstaltungen zu verschiedenen Aspekten ihrer Arbeitsschwerpunkte ab“ (Schröder 2001, S. 86). Im Winter 1894 startete Jeanette Schwerin einen Vortagskurs zum Thema „Frauenpflichten im Haus und in der Gemeinde“, dem weitere Lehrgänge über „Armen- und Wohlfahrtspflege“ folgten. Allgemein beklagte sie, dass kaum Frauen in der ehrenamtlichen Armen- und Wohlfahrtspflege anzutreffen wären, abgesehen von einigen Städten wie Elberfeld, Breslau und Kassel. Auch hier dominieren die Männer, trotz fehlendem Einfühlungsvermögen für die weiblichen Unterstützungssuchenden, den „armen Schwestern“ (Schwerin 1894, S. 89). Dass es nur Frauen gelingen könne, die Nöte und Sorgen des eigenen Geschlechts zu erfassen, verstand sich für die Referentin von selbst:

„Die rasche Kombinationsgabe der Frau, ihr großes Anpassungsvermögen, die Fähigkeit, mit ihren armen Schwestern ganz anderes zu sprechen als der klügste Mann, der gemeinsame Boden, auf dem sie als Frau und Mutter mit ihnen steht, befähigen sie, ganz abgesehen von der Wärme ihrer Empfindung, im hohem Grade dieses Amtes zu walten. Mag der Einwurf, daß sie sich zu sehr von ihrem Gefühl leiten lassen, berechtigt sein oder nicht, ein Übermaß des Empfindens wird weniger schaden als ein Mangel – jedenfalls wird niemand dabei verhungern. Natürlich muß sie durch Kenntnis und Erkenntnis lernen, das rechte Maß für ihre Betätigung zu finden. Die Frau wird oft versöhnender und verständnisvoller wirken können als der Mann, wenn es sich um Familiendramen handelt, die sich aus dem Elend und Laster aufbauen; in allen hauswirtschaftlichen und erziehlichen Fragen ist ihre Erfahrung keinesfalls zu entbehren“ (Schwerin 1894, S. 89 f.).

Jeanette Schwerin erkannte aber auch, dass rasche Kombinationsgabe, großes Anpassungsvermögen und Empathievermögen allein nicht genügen. Darum sollte die Ausbildung der Mädchen und Frauen in den „Gruppen“ so professionell wie nur möglich sein, dass, wie Gruppenmitglied Alice Salomon schrieb, „uns später kein Regierungsvertreter mit dem Hinweis auf unsere Inkompetenz, weil wir Frauen waren, in der Arbeit behindern konnte“ (Salomon 1983, S. 42 f.).

Um den Mangel der Gruppenmitglieder an theoretischem Wissen zu beseitigen, startete unter Jeanette Schwerins Federführung im Winterhalbjahr 1895/96 ein zehnstündiger Vortragszyklus, dem folgende Unterrichtsthemen zugrunde lagen:

„‚1. Die Armen- und Waisenpflege auf Grundlage der zur Zeit bestehenden Einrichtungen. 2. Einige ausgewählte Kapitel der Nationalökonomie (Hausindustrie, Fabrikinspektion, wohnungs- und Ernährungsfragen).‘ Die Teilnehmerinnen sollten sich außerdem ‚das Recht erringen können, auch in der öffentlichen Armenpflege Sitz und Stimme zu erwerben‘“ (zit. n. Maier und Nürnberger 2106, S. 36 f.).

Einladung für die „Gruppen“
Abbildung 5: Einladung für die „Gruppen“ (Ida-Seele-Archiv)

1897 übernahm Jeanette Schwerin die Leitung der „Gruppen“, die bis dahin in den Händen von Frau Bürgermeister Mathilde Kirschner lag. Sogleich begann sie aufgrund der Nachfrage die lose zusammengefügten Vortragsreihen zu einem einjährigen Ganztagskursus zu formen, mit einem festen Ausbildungsprogramm für die verschiedenen Sparten der Sozialfürsorge und verbindlicher Teilnahme. Die geplante Bildungsmaßnahme wurde wie folgt angekündigt:

„Durch Einrichtung eines geschlossenen Jahreskurses soll einem kleinen Kreis von Frauen eine systematische Ausbildung für Berufsarbeit in der Armenpflege oder auf einem anderen Gebiete sozialer Hilfsarbeit ermöglicht werden. Es ist zu diesem Zweck eine besondere Vereinbarung mit mehreren Instituten getroffen worden, um Mädchen und Frauen durch systematische Ausgestaltung eines praktischen und theoretischen Arbeitsplans, der für jede Schülerin individuell und nach ihren Absichten ausgearbeitet wird, eine berufsmäßige Ausbildung zu gewährleisten“ (zit. n. Salomon 1927, S. 264).

Der Ausbildungsplan beinhaltete folgende Unterrichtseinheiten: Einführung in die Armenpflege; Soziale Hilfsarbeit in Krippen, Volkskindergärten und Horten; Unterweisung in Erziehungslehre; Grundlagen der Wohlfahrtspflege sowie Einführung in die Volkswirtschaft (Salomon 1927, S. 37). Leider konnte Jeanette Schwerin den geplanten Jahreskurs nicht mehr persönlich durchführen. Ihre Schülerin, Mentorin und töchterliche Freundin, Alice Salomon, übernahm an ihrer Stelle die Organisation und Leitung für den im Jahre 1899 abgehaltenen Jahreskursus. Dieser gehörte zu den „ersten in Europa (neben zeitgleichen Versuchen in Amsterdam), die eine berufsmäßige Ausbildung starteten“ (Kuhlmann 2000, S. 71).

4 Referentin zu frauenbewegten Themen

Nahezu unüberschaubar sind Jeanette Schwerins Vorträge zu frauenbewegten Themen, die sie durch ganz Deutschland und darüber hinaus führten u.a. nach Amsterdam, Bonn, Bremen, Breslau, Dresden, Frankfurt a. Main, Frankfurt a.d. Oder, Heidelberg, Kassel, Köln, Mannheim, München, Nürnberg, Rostock, Schweidnitz, Stuttgart und Zürich (Salomon 1899, S. 76). Beispielsweise hielt sie auf der 18. Generalversammlung des „Allgemeinen Deutschen Frauenvereins“ vom 1. bis 3. Oktober 1895 in Frankfurt am Main, an dem auch Kaiserwitwe Victoria anwesend war, einen Vortrag, den sie später noch an anderen Orten hielt, über die „Wohlfahrtsbestrebungen einst und jetzt“, dem sich eine lebhafte Diskussion anschloss (Klausmann 1997, S. 43 ff.). Die Referentin beteuerte, das ernste Verlangen der Frauen, „nicht als Dilettanten zu arbeiten, sondern sich eine gründliche technische und allgemeine Durchbildung anzueignen, wenn sie für das Gemeinwohl thätig sein wollen“ (Lange 1895, S. 68). Allgemein stieß „Frau Sanitätsrat Dr. Schwerin“ mit ihrem Engagement für die aktive Mitarbeit der Frau auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege nicht unbedingt auf Zustimmung. Diesbezüglich zeigte sich der Zentrumsabgeordnete Prof. Franz Hitze, Verfasser der hochgeachteten Publikation „Die sociale Frage und die Bestrebungen zu ihrer Lösung. Mit besonderer Berücksichtigung der verschiedenen socialen Parteien in Deutschland. Drei Vorträge“ (Hitze 1877), auf der fünften Konferenz der „Zentralstelle für Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen“, bei der es um weibliche Hilfskräfte in der Wohlfahrtspflege ging, äußerst besorgt um die Würde „unserer Damen“ (Lehmann 2006, S. 148 f.). Der Politiker meinte:

„Unseren Damen können wir doch nicht zumuten, treppauf, treppab zu laufen, und wie würde eine Dame es wohl wagen, zu einem Trunkenbold zu gehen und sich um ihn zu kümmern; dazu sind unsere Damen doch zu gut“ (zit. n. Schwerin 1896, S. 108).

Dieser seinerzeit weitverbreiteten Männeransicht hielt Jeanette Schwerin – nicht ohne spöttischen Unterton – entgegen:

„Gewiß Herr Professor, Damen sind dazu auch nicht zu brauchen; wohl aber Frauen, die als Mütter, Gattinnen, als Töchter warm empfinden; Frauen, die gelernt haben, daß es ihrem ‚guten Herzen‘ keinen Abbruch thut, wenn sie wissen, wie man am zweckmäßigsten hilft; Frauen, die sich vor dem Elend der Welt nicht verschließen, weil es auch für die Frau eine moralische Feigheit giebt, die darin besteht, die Augen zu schließen, wenn ihre ästhetische oder auch ethische Weltanschauung verletzt wird […] Damen mag das Schaden, Frauen ist es gesund, denn sie erstarken in dieser Atmosphäre gemeinnütziger Thätigkeit, die für Frauen zu den selbstverständlichen Dingen dieses Lebens gehört“ (zit. n. Schwerin 1896, S. 108).

5 Würdigung

Jeanette Schwerin wurde als höhere Tochter bereits durch ihr „von hohem Geiste durchwehten Elternhause“ (Plothow 1907, S. 188) für die Belange ihrer unterprivilegierten Mitmenschen sensibilisiert, egal welcher Rasse, Religion und Geschlecht sie angehörten. Ihr Grundsatz lautete: „Nicht Wohltat, sondern Wohlfahrt, und für diese zu sorgen ist nicht Gnade, sondern Pflicht der Bessergestellten“ (zit. n. Berger 1999, S. 6). Sie kämpfte in Wort und Schrift für Sozialreform, Soziale Fürsorge, Emanzipation und Bildung, für einen Wohlfahrtsstaat, in welchem professionell ausgebildete Frauen an vorderster Front stehen, zumal insbesondere das weibliche Geschlecht für gemeinnützige Tätigkeit prädestiniert sei. Demzufolge unterstützte die frauenbewegte und soziale Aktivistin die Berliner „Gruppen“, in welchen Mädchen und Frauen aus der besser gestellten Schicht für ehrenamtliche Hilfsleistungen auf verschiedenen Gebieten der Wohlfahrtspflege vorbereitet wurden. Das von ihr konzipierte Modell eines Jahreskurses avancierte zum Vorbild für die Errichtung von sozialen Ausbildungsstätten, anfänglich nur für Frauen. Der einflussreiche Deutsch-Evangelische Frauenbund eröffnete dem Berliner Beispiel folgend 1905 in Hannover einen Jahreskurs, der zum Ausgangspunkt einer Schulgründung wurde. In Berlin gründete Alice Salomon 1908 die erste Soziale Frauenschule Deutschlands, die „auf ein Ausbildungskonzept zurückgreifen [konnte], das sich in einer 15-jährigen Experimentierphase entwickelt hatte, seit 1893 mit der Gründung der Mädchen- und Frauengruppen für Hilfsarbeit“ (Feustel und Koch 2008, S. 16). Rasch folgten in ganz Deutschland weitere Gründungen von sozialen Ausbildungsstätten, zunächst für Frauen, die sich heute „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“ nennen. Mit der professionellen Ausbildung von jungen Frauen in Sozialer Hilfstätigkeit, mit der Gründung der „Auskunftsstelle für Wohlfahrtseinrichtungen“, der Vorgängereinrichtung des heutigen „Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen“ sowie der „Auskunftstelle für Fraueninteressen“ leitete sie den „Funktionswandel von der Armenpflege hin zur modernen Sozialen Arbeit als Profession ein und leistete ihren Beitrag zu den sozialstaatlichen Transformationsprozessen in Deutschland“ (Zeller 2018, S. 33).

6 Quellenangaben

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Fassmann, Irmgard Maya, 1996. Jüdinnen in der deutschen Frauenbewegung 1865–1919. Hildesheim: Olms. ISBN 978-3-487-09666-7

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Feustel, Adriane und Gerd Koch, 2008. Einleitung: Von der Sozialen Frauenschule zur Alice Salomon Hochschule Berlin. In: Alice Salomon Hochschule Berlin, Hrsg. 100 Jahre Soziales Lehren und Lernen: Von der Sozialen Frauenschule zur Alice Salomon Hochschule Berlin. Berlin: Schibri. ISBN 978-3-86863-008-4

Gerhard, Ute, 1991. Unerhört: Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt. ISBN 978-3-499-18377-5

Hitze, Franz, 1877. Die sociale Frage und die Bestrebungen zu ihrer Lösung: Mit besonderer Berücksichtigung der verschiedenen socialen Parteien in Deutschland. Drei Vorträge. Pderborn: Bonifacius-Druckerei

Hülsbergen, Henrike, Hrsg., 1997. Stadtbild und Frauenleben: Berlin im Spiegel von 16 Frauenporträts. Berlin: Stapp. ISBN 978-3-87776-213-4

Klausmann, Christina, 1997. Politik und Kultur der Frauenbewegung im Kaiserreich: Das Beispiel Frankfurt am Main. Frankfurt: Campus. ISBN 978-3-593-35758-4

Kuhlmann, Carola, 2000. Alice Salomon: Ihr Lebenswerk als Beitrag zur Entwicklung der Theorie und Praxis Sozialer Arbeit. Weinheim: Deutscher Studien Verlag. ISBN 978-3-89271-927-4

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Lehmann, Jens, 2006. Die Ehefrau und ihr Vermögen: Reformforderungen der bürgerlichen Frauenbewegung zum Ehegüterrecht um 1900. Köln: Böhlau. ISBN 978-3-412-09006-7

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Mahrt-Thomsen, Frauke, 2013. Bona Peiser: Die erste deutsche Bibliothekarin: Wegbereiterin der Bücher- und Lesehallen-Bewegung und der Frauenarbeit in Bibliotheken. Berlin: BibSpider. ISBN 978-3-936960-56-3

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7 Informationen im Internet

Autor
Manfred Berger
Mitbegründer (1993) und Leiter des „Ida-Seele-Archivs zur Erforschung der Geschichte des Kindergartens“
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Zitiervorschlag
Berger, Manfred, 2021. Schwerin, Jeanette [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 07.05.2021 [Zugriff am: 26.09.2021]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Schwerin-Jeanette

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