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Sensomotorik

Gisela Schlesinger

veröffentlicht am 03.03.2022

Weitere Schreibweise: Sensumotorik

Etymologie: lat. sensus Empfindung, movere bewegen

Englisch: sensorimotor

Anmerkung: Eine ausführliche Darstellung des sensomotorischen Systems findet sich unter den socialnet Materialien.

Als Sensomotorik bezeichnet man die Gesamtheit des Zusammenwirkens von Sinneseindrücken und Bewegungserscheinungen und allen an der Motorik beteiligten afferenten und efferenten Systemen und Funktionen beim Menschen.

Die Zusammenhänge der Sensomotorik erschließen sich aus mehreren Wissenschaftszweigen: Neurobiologie, Psychologie, Pädagogik, Bewegungswissenschaften und der neueren Embodimentforschung. Theoretische Betrachtungen und Erfahrungen aus Therapie, Praxis und Lernforschung ergänzen sich gegenseitig.

Der Begriff Sensomotorik beschreibt zunächst nichts anderes als die Verbindung des menschlichen Sinnessystems mit der menschlichen Motorik und die Interaktion beider Systeme. Diese Systeme sind nicht voneinander getrennt zu betrachten, weil sie ständig wechselseitig agieren. Die Schaltzentrale bildet dabei das Gehirn. Es gibt keine Sinneswahrnehmung ohne Motorik und keine motorische Handlung ohne Beteiligung der Sinne. Neuere Forschungen der Neurobiologie und des interdisziplinären Ansatzes der Embodimentforschung zeigen auf, dass auf die Sensomotorik mehr Faktoren einwirken als bisher angenommen.

Sensomotorik hat eine Bedeutung von der Entwicklung des Kindes im Mutterleib an, in jedem Lebensabschnitt, bis ins hohe Alter. Auch in verschiedenen therapeutischen Förderverfahren findet sich der Begriff Sensomotorik wieder. Dabei haben die Ausrichtung, die Bedeutung und das Verorten in den jeweiligen Förderkontexten eine andere spezifische Gewichtung, angefangen von der sensomotorischen Entwicklungsförderung in der Kindheit bis zu den sogenannten sensomotorischen Schuheinlagen, oder sogenannten „spike insoles“, die der Förderung der Propriozeption über die Fußsohlen dienen sollen. Sensomotorische Förderung findet sich vor allem auch in der Physiotherapie, im Rahmen der Behandlung von Krankheiten und auch bei der Förderung von Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen. Vor allem aber hat sich die sensomotorische Förderung von frühkindlichen Entwicklungsstörungen etabliert. Am bekanntesten sind hierzu die Erfahrungen und Aufzeichnungen von Jean Ayres (2016).

Der Begriff Sensomotorik findet sich auch in der Nähe von Psychomotorik und Soziomotorik. Bei der Sensomotorik handelt es sich zunächst um die rein biologische Begründung der Handlungs-, Bewegungs- und Sportmotorik. Die Psychomotorik beschreibt die individuellen Kompetenzen im Kontext von körperlichen und seelischen Prozessen und bietet verschiedene Entwicklungskonzepte zur Förderung von Menschen jeden Alters an. Die Soziomotorik wendet sich dagegen mehr den kulturell geprägten und gesellschaftlichen Handlungsmustern zu. Die Bereiche Sensomotorik, Psychomotorik und Soziomotorik weisen sehr viele Schnittstellen auf.

Quellenangaben

Ayres, Anna Jean, 2016. Bausteine der kindlichen Entwicklung: sensorische Integration verstehen und anwenden – das Original in moderner Neuauflage. 6., korrigierte Auflage. Berlin: Springer. ISBN 978-3-662-52890-7 [Rezension bei socialnet]

Informationen im Internet

Verfasst von
Gisela Schlesinger
Sportphilologin (Sport und Sozialkunde), langjährige Schultätigkeit an Nürnberger Gymnasien. Über 25 Jahre Bewegungskurse im Kinderhaus Nikodemus in Nürnberg (Bewegungsförderung und Psychomotorik für Kinder von 1 bis 6 Jahren, Mutter/Kind Kurse, Motorikkurse für ADS Kinder, Frauengesundheitsarbeit, Ausbildung zur Kursleiterin in ganzheitlicher Beckenbodenarbeit)
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Es gibt 1 Lexikonartikel von Gisela Schlesinger.

Zitiervorschlag
Schlesinger, Gisela, 2022. Sensomotorik [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 03.03.2022 [Zugriff am: 14.08.2022]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Sensomotorik

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