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Soziale Altenarbeit

Prof.in Dr.in Christine Meyer

veröffentlicht am 23.05.2025

Synonyme: Altenarbeit; Soziale (Alten-)Arbeit; Altensozialarbeit; Soziale Arbeit mit/für ältere/n Menschen; Gerontosozialarbeit; Soziale Gerontologie; Gerontosozialarbeit

Ähnliche Begriffe: Altenhilfe; Offene Altenhilfe

Soziale Altenarbeit beschäftigt sich mit der Bewältigung und Gestaltung der Lebensphase Alter aus der Perspektive Sozialer Arbeit. Sie zielt auf die Unterstützung älterer Menschen beim Erhalt von Selbstständigkeit, Unabhängigkeit sowie Selbstbestimmung, bei gleichzeitig eventuell zunehmender Hilfe- und Pflegebedürftigkeit aufgrund des Alternsprozesses.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Die Lebensphase Alter als Aufgabe für die Entwicklung der Sozialen Altenarbeit
    1. 2.1 Der demografische Wandel
    2. 2.2 Abgrenzung und Ausdifferenzierung der Lebensphase Alter
    3. 2.3 Gesellschaftliche Altersbilder und körperliche (Veränderungs-) Prozesse
  3. 3 Konzeptionelle Herausforderungen für die Soziale Altenarbeit
    1. 3.1 Die Randständigkeit Sozialer Altenarbeit
    2. 3.2 Unterstützungsarrangements und biografische Anschlussfähigkeit
    3. 3.3 Zentrale Themenbereiche für die Soziale Altenarbeit
    4. 3.4 Generationenverhältnisse und Arbeitsfelder
  4. 4 Das Profil der Sozialen Altenarbeit unter gegenwärtigen Bedingungen
    1. 4.1 Zur Profilbildung und Zukunftsentwicklung
    2. 4.2 Bedingungen für die Soziale Altenarbeit
    3. 4.3 Begriffsvielfalt und ihre Konsequenzen
    4. 4.4 Handlungsfelder Sozialer Altenarbeit
    5. 4.5 Kommunale Entwicklungen
    6. 4.6 Aufgaben im Rahmen der Entwicklung eines Profils Sozialer Altenarbeit
    7. 4.7 Kompetenzen und Ausbildung
  5. 5 Quellenangaben
  6. 6 Literaturhinweise

1 Zusammenfassung

Menschen in der Lebensphase Alter oder im Alternsprozess standen über lange Zeit fast überhaupt nicht als Adressat:innen der Sozialen Arbeit im Fokus. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels (Zunahme des Anteils älterer Menschen an der Gesamtgesellschaft), der seit Beginn der 1990er-Jahre stärker wahrgenommen und thematisiert wird, beschäftigt sich Soziale Arbeit zunehmend mehr auch mit den Lebenslagen älterer Menschen. Aufgrund der gesellschaftlich vorherrschenden Lebenslaufstrukturierung wird die Lebensphase Alter konstruiert.

Unter dem Begriff „Soziale Altenarbeit“ bündelt sich die Auseinandersetzung der Sozialen Arbeit mit zunehmend dringlicher werdenden Ideen, Fragen, Aufgaben sowie Herausforderungen im Hinblick auf eine älter werdende Gesellschaft. Die Aufgabenbereiche für die Soziale Altenarbeit sind dabei bisher nicht zu Ende bestimmt oder eingegrenzt. Vielmehr wachsen einerseits Adressat:innen klassischer Handlungsfelder in die Lebensphase Alter hinein, während andererseits bisherige Handlungsfelder, z.B. im Bereich Pflege, Einmischung vonseiten Sozialer Arbeit benötigen.

Soziale Altenarbeit geht davon aus, dass Aufgaben der Sozialen Arbeit in der Unterstützung der Gestaltung und Bewältigung eines Lebenslaufs liegen und nicht beschränkt sind auf einzelne Lebensphasen.

2 Die Lebensphase Alter als Aufgabe für die Entwicklung der Sozialen Altenarbeit

2.1 Der demografische Wandel

Das kollektive Altern der Gesellschaft gilt als eine der individuellen, institutionellen und gesamtgesellschaftlichen Gestaltungsaufgaben der Gegenwart. Diese Aufgabe steht auch für die Soziale Arbeit an. Die zunehmenden Anteile älterer Menschen werden früher oder später in der Sozialen Arbeit ebenfalls sichtbarer werden und zu professionellen wie auch disziplinären Reaktionen führen. Bisher wachsen die Arbeits- und Handlungsfelder eher in den demografischen Wandel hinein und benötigen bereits alternsbezogenes Wissen, um passgenaue Angebote für ältere Menschen in den klassischen Handlungsfeldern bereitstellen zu können.

Gleichzeitig wird disziplinär und in den Studienprogrammen bisher noch sehr wenig fundiertes Wissen über individuelles und gesellschaftliches Altern erzeugt, herangezogen oder vermittelt, um sowohl die Soziale Arbeit wie auch die Studierenden in die Lage zu versetzen, bereits bestehende wie auch künftige Herausforderungen, die in einer alternden Gesellschaft entstehen, in Forschung und Praxis zu erkennen und eigenverantwortlich erforschen und gestalten zu können. In der Zukunft steht also an, sich stärker um ein Profil Sozialer Altenarbeit zu bemühen und einen primordialen Zugang zu schaffen. Soziale Arbeit gilt als historisch konkretes und gesellschaftlich-soziales Produkt, entwicklungsoffen und diskursiv angelegt. Damit gerät das Alter(n) als soziale Strukturkategorie neben anderen ebenfalls in den Mittelpunkt der Betrachtung (Füssenhäuser 2011, S. 1649).

Mit dem demografischen Wandel wurde auch der Strukturwandel des Alter(n)s (Dieck und Naegele 1989) als einschneidende, die Lebensphase Alter verändernde Entwicklung, wahrnehmbar: Durch die zahlenmäßig größere Sichtbarkeit wurde der Blick geweitet und die Aufmerksamkeit auf die Pluralisierung der Lebensphase Alter gelenkt. Sie wird seit den 1990ern als vielfältiger und auffälliger geworden wahrgenommen, gestaltungsnotwendig und gestaltungsoffen. Damit wird auch sozialpädagogisches Nachdenken über Alternsprozesse eröffnet, d.h. älter werdende Menschen darin zu bestärken, ihr individuelles Lebensprojekt weiterverfolgen zu können. Durch den Prozess der Verrentung, überwiegend auch als der zentrale Übergang in die Lebensphase Alter eingeschätzt, wird der Mensch in einem von der Gesellschaft festgelegten Lebensalter aus der gesellschaftlichen Verpflichtung zur sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit entlassen – entlassen in die ab dem Moment geltende Freiheit zur Selbstgestaltung inklusive der Begrenzung über die näher heranrückende Endlichkeit (Meyer 2008; Winkler 2005).

Die Prognosen des demografischen Wandels haben sich von einem Zukunftsthema in den 1990er-Jahren in die Gegenwart verlagert. Die demografische Alterung gilt als weit vorangeschritten. Im Jahr 2021 lag das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Deutschland mit 45 Jahren um gut 5 Jahre höher als im Jahr der deutschen Vereinigung (1990: 39 Jahre). Die Veränderungen lassen sich insbesondere anhand der Alterung der stark besetzten Jahrgänge von 1955 bis 1970 zeigen. Sie werden als sogenannte Babyboom-Generation bezeichnet: Als 20- bis 35-Jährige bildeten sie 1990 die größte Altersgruppe, die nun in das höhere Erwerbsalter vorgerückt ist und mit dem Ausscheiden aus dem Erwerbsalter begonnen hat. Nach wie vor bilden sie die größte Altersgruppe, deren Verrentung sich bis Ende der 2030er-Jahre fortsetzen wird.

„Die Anzahl der Menschen im Alter ab 70 Jahren ist zwischen 1990 und 2021 von 8,0 Millionen auf 13,5 Millionen Personen gestiegen“ (Destatis 2022).

Die Erhöhung relativer Anteile innerhalb der Lebensphase Alter bezieht sich auf die Zunahme Hochbetagter (85+ Jahre) und die der Pflegebedürftigen. Die Anzahl Hochbetagter nahm von knapp 1,2 Millionen Menschen auf 2,7 Millionen im Jahr 2022 zu. Die Zahl Pflegebedürftiger lag 1999 bei 2,02 Millionen, verdoppelte sich 2019 auf 4,13 Millionen und nahm 2023 noch einmal stark zu mit 5,69 Millionen pflegebedürftige Menschen im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI) (Destatis 2024).

2.2 Abgrenzung und Ausdifferenzierung der Lebensphase Alter

Eine genaue Eingrenzung der Lebensphase Alter als Teil des Lebenslaufs fällt zunehmend schwerer.

„Das Ende des Lebens ist mit dem Tod klar begrenzt, doch der Übergang vom mittleren zum höheren Erwachsenenalter – und damit ins ‚Alter‘ – ist immer schwieriger zu bestimmen. Der Eintritt in den Ruhestand, der früher und noch bis in die 1970er Jahre klar als Schritt ins Alter gewertet wurde, hat einen Teil seiner determinierenden Wirkung verloren“ (Backes und Clemens 2013, S. 22).

Vorruhestand, gleitender Übergang in den Ruhestand, Erwerbsminderung sowie Arbeitslosigkeit älterer Arbeitnehmer:innen drücken den Zeitpunkt des faktischen Austritts aus dem Erwerbsleben auf durchschnittlich etwas über 60 Jahre. So liegen zwischen Berufsaustritt und „offiziellem“ Rentenbeginn häufiger Wartezeiten, in denen die Betroffenen mit diesem Zwischenstadium „rollenlos“ leben. Nach dem Eintritt in den Ruhestand sind die Menschen selten bereit, sich selbst als „alt“ zu sehen, zumindest solange es ihnen gesundheitlich gut geht.

Der Beginn der Lebensphase „Alter“ scheint also von individuellen Lebenslagen und Selbsteinschätzungen abzuhängen. Dennoch kann die Lebensphase „Alter“, wenn sie mit dem Übergang in den Ruhestand beginnt, bis zu 50 Jahre andauern, vorausgesetzt ein sehr früher Ruhestand trifft auf ein hohes Sterbealter (Backes und Clemens 2013, S. 22).

Baltes unterteilt den Alternsprozess in ein drittes chancenreiches aktives Lebensalter und in ein viertes risikoreiches, relativ wahrscheinlich multimorbides Lebensalter (Baltes 2002). Strube hingegen betont die Heterogenität der Gruppe der alten Menschen, indem er die Bandbreite vom aktiven 65-Jährigen über den multimorbiden 80-Jährigen bis zum kachektischen 100-Jährigen aufspannt. Gleichzeitig verweist er auf die Differenzierungen der World Health Organization (WHO).

Demnach gelten Menschen

  • im Alter von 65–74 Jahre als „ältere Menschen“ (junge, aktive Alte)
  • im Alter zwischen 75–90 Jahre als „Hochbetagte“
  • in der Altersspanne von 90–100 Jahre als „Höchstbetagte“
  • und über 100 Jahre als „Langlebige“.

Diese Einteilung bzw. die Zahl der Lebensjahre wird mittlerweile als weniger aussagekräftig betrachtet, da die großen Unterschiede in der Lebens- und Gesundheitssituation der älteren Menschen zeigen, dass das biologische Alter allein kein Maßstab für körperliche und geistige Fitness darstellt (Strube 2006). So betont die WHO die hohe Vielfalt in Bezug auf Alter(n)sprozesse:

„[…] There is no typical older person: Older age is characterised by great diversity. Some 80-year-olds have levels of physical and mental capacity that compare favourably with 20-year-olds. Others of the same age may require extensive care and support for basic activities like dressing and eating. Policy should be framed to improve the functional ability of all older people, whether they are robust, care dependent or in between“ (WHO o.J. ).

Die in den letzten Jahrzehnten stetig zunehmende Lebenserwartung wird die Lebensphase Alter eher erweitern und damit zur weiteren individuellen und gesellschaftlichen Herausforderung.

2.3 Gesellschaftliche Altersbilder und körperliche (Veränderungs-) Prozesse

Alter(n)sprozesse werden gesellschaftlich nicht mehr nur mit negativen defizitorientierten Altersbildern in Verbindung gebracht. Das lange vorherrschende Bild des eher zurückgezogen lebenden älteren Menschen erweiterte sich um den fitten, lebens- und abenteuerlustigen älteren Menschen, der vielseitigen Interessen nachgeht und viel unterwegs ist. In einer Analyse zu Werbespots mit Altersbezug wird über die stereotypen Vorstellungen zu älteren Menschen ganz im Gegenteil eine dominant-positive Inszenierung vorgenommen, in der ein Idealbild des Älterwerdens und Alt-Seins entworfen wird (Hoppe et al. 2016, S. 325).

Die Begleiterscheinungen des Alterungsprozesses werden dabei inszeniert, als könnten sie mit vielen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten aufgehalten, abgemildert oder kaschiert werden. In Bezug auf das vorherrschende Altersbild in der Werbung scheint die Unsichtbarkeit älterer Menschen in der Gesellschaft aufgehoben und der Alterungsprozess beeinflussbar. Alter(n)sprozesse machen sich jedoch nicht nur durch gesellschaftliche und kulturelle Zuweisungen bemerkbar. Menschen erspüren sie und bemerken Veränderungen an ihrem Körper, die sie mit Alterungsprozessen in Verbindung bringen. Mit den körperlichen Veränderungen im Aussehen, der Beweglichkeit, Kraft, Leistungsfähigkeit, Sexualität und Gesundheit gehört Altern für Gugutzer (2007; 2008) zu dem fundamental körperlichen Prozess, der darüber hinaus auch noch endlich ist mit dem physischen Tod. Der Tod kann dabei als das Ende des Alternsprozesses betrachtet werden.

Für Frauen und Männer vollziehen sich Alternsprozesse anders, oft bereits zu unterschiedlichen Zeitpunkten, mit verschiedenen körperlichen Veränderungen und Reaktionen aus der sie umgebenden Gesellschaft (Backes 2006; Reichert und Leibner 2017). Das Selbstbild, das jemand von sich hat und mal öfter, mal seltener, jedoch kontinuierlich aktualisiert, muss mit dem äußeren Erscheinungsbild und der Fremdwahrnehmung überhaupt nicht übereinstimmen. Die Bedeutung von Überzeugungen zu Attraktivität und Schönheit einerseits sowie Verluste, Endlichkeit und Tod andererseits werden im Lebensverlauf vor allem in der Lebensphase Alter mit Alter(n)sprozessen verbunden (Denninger 2018; Buchner-Fuhs 2011; Lehnert 2015).

Darüber hinaus können sich soziale Beziehungen in der Lebensphase Alter verändern, in Bezug auf wechselseitige Erwartungen anfälliger werden, bis hin zu ihrem unwiederbringlichen Verlust durch den Tod. Soziale Beziehungen im Alter(n)sprozess sind einerseits mit lebenslangen, kontinuierlichen Sehnsüchten nach Liebe und Sexualität verbunden und andererseits werden sie sich aufgrund körperlicher Einschränkungen und/oder Veränderungen in der Selbstwahrnehmung (z.B. Verlust von Attraktivität oder körperliche Einschränkungen) nicht mehr zugetraut. Darüber ist bisher wenig bekannt und wenig thematisiert worden.

Diese Erkenntnis lässt sich auch auf die Zur-Kenntnisnahme von Alternsprozessen der einzelnen Geschlechterausprägungen feststellen. Forscher:innen, die Alternsprozesse von Frauen, Männern oder von Menschen aus der LSBT*IQ-Partnergruppe beforschen, reklamieren nahezu alle für sich die hohe Unsichtbarkeit ihrer jeweiligen Gendergruppe (Backes 2006; Reichert und Leibner 2017; Schröder und Scheffler 2016, S. 9). Der Themenschwerpunkt um Alter(n) und Geschlechterdimensionen wird dabei weder in der Alter(n)swissenschaft noch in der Frauen- und Geschlechterforschung bisher angemessen hinreichend bearbeitet (Backes 2010, S. 454 nach: Lehner 2018, S. 54).

Aus der Perspektive Sozialer Altenarbeit sollten individuell entworfene Lebensentwürfe stärker mit sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Strukturen und Gelegenheiten der Lebensumwelt in Verbindung gesetzt und abgesichert werden. Denn älter werdende Menschen sollten selbst bestimmte, subjektiv befriedigende, als kontinuierlich und sinnvoll erlebte Lebensentwürfe gestalten können. Dazu gehören verschiedene Themenschwerpunkte, die vor allem für ältere Menschen von hoher Bedeutung sind und Aufgaben für die Soziale Altenarbeit darstellen.

3 Konzeptionelle Herausforderungen für die Soziale Altenarbeit

Schweppe fordert zur Entwicklung einer Expertise Sozialer Arbeit einen primordial sozialpädagogischen Zugang, der die Lebensphase Alter über die Zugrundelegung sozialpädagogischer (Grund-)Kategorien erschließt und sozialpädagogischen Erkenntnisinteressen zugänglich macht (Schweppe 2012, S. 517). Trotz der Vielfalt an Ideen und Ansätzen Sozialer Arbeit im Bereich von Alternsprozessen und der Lebensphase Alter steht genau das Herstellen einer ureigenen professionellen und disziplinären Verbindung der Sozialen Arbeit mit der Lebensphase Alter durch alle Ebenen noch weitgehend aus.

3.1 Die Randständigkeit Sozialer Altenarbeit

Soziale Altenarbeit stellt nach wie vor einen Randbereich innerhalb der Sozialen Arbeit und der Altenhilfe dar. Diese Randständigkeit zeigt sich vor allem

  • in der geringen Dichte und Häufung der Diskurse um den demografischen Wandel und der Lebensphase Alter in Bezug auf die Alterung der Handlungsfelder
  • der Einmischung Sozialer Arbeit in die Altenhilfe sowie
  • der Überalterung des Personals in Einrichtungen der Sozialen Arbeit.

Für die Ausgestaltung eines Profils gehört, sensibel für die Themen zu werden, die den primordialen Zugang stärken und für die Gestaltung der Lebensphase Alter unbedingt bearbeitet werden sollten. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass die Soziale Altenarbeit mit ihren Themen Überschneidungen zur (Sozialen) Gerontologie aufweist, die sich als eigener disziplinärer Zugang im Bereich der Alter(n)swissenschaften zunehmend etabliert, obwohl sie bisher auch eher noch aus einem Nebeneinander einer Vielzahl disziplinärer Zugänge besteht.

3.2 Unterstützungsarrangements und biografische Anschlussfähigkeit

Aus der Perspektive Sozialer Altenarbeit werden Unterstützungsarrangements für ältere Menschen benötigt, die an den jeweiligen Selbstdeutungen und individuellen Handlungsmustern und den je spezifischen sozialen, materiellen, milieuspezifischen und kulturellen Bezügen und Kontexten ansetzen und mögliche Begrenzungen verändern. Auf diese Weise können individuell entworfene Lebensentwürfe mit sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Strukturen und Gelegenheiten der Lebensumwelt in Verbindung gesetzt und abgesichert werden. Ältere Menschen sollen selbst bestimmte, subjektiv befriedigende, als kontinuierlich und sinnvoll erlebte Lebensentwürfe gestalten können (Schweppe 2012).

In der Sozialen Altenarbeit geht es um die Unterstützung zur Herstellung biografischer Anschlussfähigkeit an sich verändernde Umwelten durch die Bewältigung der ambivalenten und paradoxen Anforderungen moderner Lebensführung im Alter. Damit wird eine Positionierung in neuen Bezügen sowie eine Aneignung der Umwelt unter sich verändernden Bedingungen möglich.

Böhnisch z.B. verlangt ein Konzept von Lebenszufriedenheit, das die Balance von selbst gewähltem Rückzug und selbstbestimmter Aktivität zum Hintergrund nimmt, denn aus der Balance von Aktivität und selbstbestimmten Rückzug definiere sich die Handlungsfähigkeit im Alter (Böhnisch 2005, S. 79).

3.3 Zentrale Themenbereiche für die Soziale Altenarbeit

Eine der Herausforderungen des Alter(n)s könnte jedoch auch sein, sich neuen sozialen Beziehungen zu stellen (Meyer 2019) oder den alten Beziehungen neu zu stellen (Hahmann 2013) und aus ihnen heraus sozialbiografische Perspektiven für das Alter zu entwickeln.

Das Thema Sexualität im Alter(n)sprozess kann als eines der bedeutenden Themen eingeschätzt werden, weil trotz vieler Versuche, gesellschaftliche Alter(n)sbilder über ihre breite gesellschaftliche Thematisierung (BTD 17/3815 2010; Hoppe et al. 2016) zu beeinflussen, das Alter(n) nach wie vor beinahe androgyn oder geschlechtslos wirkt. Und das, obwohl mit Blick auf die Geschlechterkonstruktionen und damit verbundenen sozialen Rollen viel stärker auch die Lebensphase Alter und Alternsprozesse unterschieden werden sollten, entsprechend der Geschlechtervielfalt. Wissen ist zu erarbeiten, Angebote sind zu planen und Verbesserungen von z.B. Lebensqualität müssen selbstverständlich geschlechtervielfalts-sensibel vorgenommen werden. Die Sichtbarkeit und Akzeptanz der Geschlechtervielfalt im höheren Lebensalter spielen bis heute eine erhebliche Rolle – nach vielen Jahrzehnten des Schweigens oder sogar der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung bis 1994, wie es für homosexuelle Männer selbstverständlich war.

Keine Generation älterer Menschen vor den jetzt in die Lebensphase Alter eintretenden Menschen war bisher körperlich fitter, besser gebildet und materiell besser ausgestattet. Gleichzeitig darf diese Aussage nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch viele problematische Lebenslagen gibt, wie z.B. niedrige Renten, die zu Altersarmut führen, oder Infrastrukturen in ländlichen Gebieten, die es mit evtl. zunehmender Hilfe- und Pflegebedürftigkeit den Älteren unmöglich machen, an dem Ort bis zum Lebensende zu bleiben, den sie sich wünschen und an dem sie vielleicht sogar viele Jahrzehnte ihres Lebens verbracht haben. Nach wie vor gibt es in der Gesellschaft zu wenig Unterstützung, die an den jeweiligen Selbstdeutungen und individuellen Handlungsmustern und den besonderen sozialen, materiellen, milieuspezifischen und kulturellen Bezügen und Kontexten älter werdender Menschen ansetzen und bisherige mögliche Begrenzungen erweitern.

3.4 Generationenverhältnisse und Arbeitsfelder

Über die Betrachtung der Relativierung von Generationenzusammenhängen werden vor allem Fragen nach dem Verhältnis der jüngeren Generation zur älteren und zurück in persönlichen, professionellen und disziplinären Zusammenhängen neu herausgefordert, die Konsequenzen für den Umgang miteinander haben. Dies wird auch als umgekehrtes Generationenverhältnis ausdifferenziert und in seinen Auswirkungen für den professionellen Umgang relevant (Meyer 2019, S. 78). Gegenwärtig wird sogar ein Großteil der Beschäftigten in der Sozialen Arbeit in Arbeitsfeldern tätig sein, für die Erkenntnisse über Alternsprozesse relevant sind, ohne jedoch auf genauere Erkenntnisse zu Quantitäten zurückgreifen zu können.

Vor beinahe drei Jahrzehnten wurde von Klie der Anteil an Professionellen, die mit älteren Menschen arbeiten, auf 40 % eingeschätzt. Die Behindertenhilfe, Arbeit mit Wohnungs- und Obdachlosen, Suchtkrankenhilfe, Arbeit mit Suizidgefährdeten und Migrant:innen galten für ihn als die vor allem betroffenen Arbeitsfelder (Klie 1996, S. 108).

Aner geht 14 Jahre nach Klies Feststellung von einer eher verdeckten Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit der Alterung fast aller Felder Sozialer Arbeit aus. Die Bedeutung der Überalterung wird bei Weitem unterschätzt, obwohl derzeit wahrscheinlich noch mehr ältere Menschen als bereits 1996 zu den Adressat:innen Sozialer Arbeit gehören und alternswissenschaftliche Erkenntnisse von hoher Bedeutung für die tägliche Arbeit sind. Aner und Karl (2020) heben die Arbeit mit Freiwilligen bzw. Ehrenamtlichen als Arbeitsfeld mit einem beträchtlichen Anteil älterer Menschen und/oder intergenerative Arbeit hervor.

Die zweite Welle des Alters- und Freiwilligensurveys zeigte, dass sich Menschen im Alter ab 60 Jahren fast ebenso häufig wie Personen mittleren Alters engagieren. Ältere Menschen ab 60 Jahren tauchen also überall auf, wo Professionelle mit Ehrenamtlichen arbeiten. Die Familienhilfe ist mit veränderten Konstellationen konfrontiert und kann wahrscheinlich sogar auf Urgroßeltern als unterstützende Faktoren im Familiensystem zurückgreifen (Aner 2010).

„Selbst für die Kinder- und Jugendhilfe benötigt man Wissen über ältere Menschen. Wer eine lebensweltorientierte Kinder- und Jugendhilfe fordert, kommt um die Alten nicht herum. Sie gehören zur Lebenswelt der Heranwachsenden, zumindest als Großeltern“ (Aner 2010, S. 33).

Familienhilfe muss Familie vielfältiger und selbstverständlich über drei Generationen denken.

Darüber hinaus hat ein Großteil der Handlungsfelder einen hohen Anteil älterer Beschäftigter. Lebenswelten sind zunehmend sichtbar von Alter und Alternsprozessen durchzogen. Dementsprechend wird der demografische Wandel gesellschaftlich stärker thematisiert. Darin liegen Aufgaben und Chancen für die Soziale Arbeit, ihre Zuständigkeit auf alle Lebensalter auszuweiten in den Bereichen, für die sie sich als Expertin etabliert hat.

4 Das Profil der Sozialen Altenarbeit unter gegenwärtigen Bedingungen

Die „Soziale Altenarbeit“ und damit ein Bündel an feststehenden (oder sogar formal rechtlich verankerten) Aufgaben oder sogar ein dahinterstehendes disziplinär und professionell verhandeltes Profil gibt es bisher noch nicht.

Aufgrund der zunehmenden Vergesellschaftung von Begleitung und Hilfen für die Lebensphase Alter besteht für die Soziale Arbeit die Aufgabe, sehr viel mehr als bisher geschehen, sich stärker aktiv mit für Soziale Arbeit relevanten Alter(n)sthemen auseinanderzusetzen. Vor diesem Hintergrund würde die Soziale Arbeit für bzw. mit alten Menschen (Soziale Altenarbeit) an Profil gewinnen und sich eindeutig im Feld positionieren können (Kricheldorff 2020, S. 77).

4.1 Zur Profilbildung und Zukunftsentwicklung

Die Frage nach dem angemessenen Profil bewegt auch Aner, vor allem mit Blick auf die heterogene Adressat:innengruppe:

„[…] mit welcher Expertise könnte und müsste sich Soziale Arbeit in die soziale Altenhilfe einmischen und Arbeitsfelder für sich reklamieren?“ (Aner 2010, S. 32).

Dieser Frage wird vor dem Hintergrund der Reflexion des Ist-Stands und der Erweiterung mit Blick auf die in der Zukunft (zunehmend dringend) notwendig werdenden Möglichkeiten nachgegangen. Mit der Profilierung ist die Etablierung der Sozialen Altenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen verbunden, z.B. in Bezug

  • auf die Ausbildung
  • auf die Gestaltung und/oder Erweiterung von sozialen Einrichtungen
  • auf die Festlegung von Aufgaben, Methoden, Finanzierungen, rechtlichen Rahmenbedingungen.

Die bisher eher randständige Position Sozialer Altenarbeit basiert vor allem auf dem fehlenden Leistungsrecht für die Lebensphase Alter. Diese ist nicht in gleicher Weise rechtlich gerahmt wie z.B. die Lebensphasen Kindheit und Jugend durch das SGB VIII. Ziel wäre ein eigenständiges Leistungsrecht mit dem Anspruch auf Förderung der Entwicklung älterer Menschen und einem damit verbundenen Wunsch- und Wahlrecht. Die Rechtsgrundlage für die Unterstützung älterer Menschen ist bisher die „Altenhilfe“ nach § 71 SGB XII als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge, in dem die Soziale Arbeit für die Adressat:innengruppe älterer Menschen nur einen Teil dieses Regelungsbereichs ausmacht (Aner und Karl 2020, S. 1; siehe auch „Altenhilfe“).

4.2 Bedingungen für die Soziale Altenarbeit

Daraus ergeben sich Bedingungen für die Soziale Altenarbeit:

  • Kommunen entscheiden selbst, in welchem Umfang sie Unterstützungsmöglichkeiten einrichten und dabei Soziale Arbeit einbeziehen (Aner und Karl 2020, S. 1 f.). Damit ist die finanzielle Ausstattung der Sozialen Altenarbeit überwiegend im Bereich der freiwilligen sozialen Leistungen verortet und abhängig von der Haushaltslage. Trotz offensichtlicher Bedarfe entstehen keine verlässlichen und nachhaltig wirksamen Strukturen. Das Feld der Sozialen Arbeit mit älteren und alten Menschen gleicht einem „Tummelplatz für Modellprojekte“, mit denen wichtige Entwicklungen angestoßen werden, […] „deren Nachhaltigkeit aber an der fehlenden nachfolgenden Regelfinanzierung scheitert“ (Kricheldorff 2020, S. 81). Die in den Modellprojekten erbrachte Soziale Altenarbeit bleibt dabei überwiegend unsichtbar, weil sie durch das Raster von Momentaufnahmen fällt (Aner 2020, S. 31).
  • Kommunen zeigen vor allem regere Aktivitäten, wenn sich ihre Interessen mit den Bedürfnissen Älterer überschneiden. Als Beispiel werden Hilfeangebote genannt, die ältere Menschen darin unterstützen, möglichst lange in ihren (z.T. städtischen) Wohnungen zu verbleiben. Solche Altenhilfemaßnahmen sind für die Kommunen interessant, weil damit die Inanspruchnahme der Sozialhilfe zur Restfinanzierung für die regelmäßig teure Heimunterbringung hinausgezögert bzw. vermieden werden kann. Darüber hinaus nimmt Altenhilfe eher keine hohe Priorität auf den kommunalpolitischen Agenden ein (Hammerschmidt und Löffler 2020, S. 24).
  • Je nach Hintergrund und Festlegung wird das Handlungsfeld unterteilt in die „offene Altenarbeit“ und „Altenhilfe“. Die Zielgruppe in der „offenen Altenarbeit“ (z.B. Beratung und Vermittlung von Angeboten zur sozialen Teilhabe) bilden die jüngeren Älteren als die in der Regel gesundheitlich weniger Belasteten. Die „Altenhilfe“ ist ausgerichtet an den oft stark eingeschränkten Hochaltrigen. Diese Unterteilung lässt sich auch an den Organisationsformen der Dienste und Einrichtungen in ambulant, teilstationär und stationär zeigen (Aner 2020, S. 30). Aner schlägt für das „Handbuch Soziale Arbeit und Alter“ vor, „Soziale (Alten-)Arbeit“ ebenfalls für den Bereich „Gesundheit und Pflege“ (auch als Altenhilfe zu verstehen) zu verwenden. Damit würde der Prozesscharakter des Alter(n)s sowie der Hilfs- und Pflegebedürftigkeit sichtbar werden.

4.3 Begriffsvielfalt und ihre Konsequenzen

Begriffliche Unterscheidungen von Teilbereichen des Arbeitsfeldes werden einerseits als notwendig eingeschätzt, obwohl andererseits aus fachlich-inhaltlicher Sicht eine Versäulung von offenen Angeboten, ambulanten Diensten und voll- bzw. teilstationären Einrichtungen nicht gerechtfertigt und auch nicht wünschenswert erscheint, ebenso wenig eine strikte Trennung von der Sozialen (Alten-)Arbeit in den Bereichen von Freizeit, Kultur, Bildung und zivilgesellschaftlichem Engagement. „Der Unterscheidung zwischen Sozialer (Alten-)Arbeit mit nicht pflegebedürftigen Älteren und Sozialer (Alten-)Arbeit in der Pflege kann man aber insoweit folgen, als sich diese Bereiche historisch unterschiedlich entwickelten und sie aktuell rechtlich verschieden gerahmt sind“ (Aner 2002, S. 30).

Hinter der uneinheitlichen Begriffsverwendung stehen mehrere historische Entwicklungen aufseiten der Sozialen Arbeit und aufseiten der als gesellschaftlich notwendig erachteten Unterstützung älterer Menschen. Soziale (Alten-)Arbeit oder Soziale Altenarbeit vereint die Traditionslinien (Sozialarbeit und Sozialpädagogik) der Sozialen Arbeit unter einem gemeinsamen Begriff (Aner 2020, S. 30). Darüber hinaus wird eine Lebensphase adressiert, deren Bedürfnisse disziplinäre und professionelle Einmischung Sozialer Arbeit nötig macht und für die Soziale Arbeit etwas anzubieten hat. Dabei entsteht die Möglichkeit, die Lebensalter übergreifenden paradigmatischen und methodischen Gemeinsamkeiten der Sozialen Arbeit zielgruppenspezifisch zu nutzen (Aner 2020, S. 30) vor dem Hintergrund einer disziplinären und professionellen Auseinandersetzung darüber, was für die Lebensphase Alter aus Sicht Sozialer Arbeit von Bedeutung sein könnte (Meyer 2019). Denn Alternsprozesse verlaufen äußerst unterschiedlich und älter werdende Menschen benötigen für die an sie gestellten Herausforderungen Bewältigungsmöglichkeiten, die wiederum den Bedarf an sozialstaatlich organisierter Unterstützung markieren (Aner 2020, S. 30).

4.4 Handlungsfelder Sozialer Altenarbeit

In den folgenden Handlungsfeldern findet Soziale Altenarbeit statt bzw. finden sich auch Fachkräfte der Sozialen Arbeit:

Ausdifferenzierte Beschäftigtenzahlen nach verschiedenen Berufsgruppen und damit die Möglichkeit, den genauen Anteil von Fachkräften aus dem Bereich der Sozialen Arbeit zu ermitteln, gibt es nicht (Aner 2020, S. 30). Die Ausdifferenzierung von Angebotsformen in den letzten Jahrzehnten hat nicht zu einer Verkleinerung im stationären Bereich geführt. Soziale Arbeit ist zwar im Pflegebereich verankert, jedoch eher randständig.

Soziale Altenarbeit hat sich vor allem im Bereich der kommunalen Sozialpolitik etabliert, z.B. in Beratungsstellen, Büros und Tagesstätten für Senioren (Hammerschmidt und Löffler 2020, S. 18 f.). Ein Großteil der Professionalität Sozialer Arbeit für ältere Menschen findet in Handlungsfeldern statt, die gar nicht explizit dem Bereich der Altenhilfe zugerechnet werden, z.B. Allgemeiner Sozialdienst, Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit, Erwachsenenbildung (Aner 2020, S. 31) sowie alle weiteren Arbeits- und Handlungsfelder Sozialer Arbeit, in denen älter werdende Menschen mittlerweile aufgrund der Veränderung der gesellschaftlichen Alterungsstrukturen zu den Adressat:innen gehören.

4.5 Kommunale Entwicklungen

Der Deutsche Städtetag bestärkt 2015 das Ziel einer öffentlichen Infrastruktur, mit der gute Lebensbedingungen vor Ort erreicht werden und die für alle ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter ermöglicht (Deutscher Städtetag 2015, S. 5 nach: Rubin 2020, S. 55). Dafür werden aus Perspektive der kommunalen Alten(hilfe-)planung drei Aufgabenschwerpunkte bedeutend: die kommunale Entwicklungsplanung, die örtliche Bedarfsplanung pflegerischer Einrichtungen und Dienste sowie deren Vernetzung nach SGB XI und Maßnahmen und Dienste, wie sie im § 71 SGB XII aufgeführt sind. Als wesentliche Aufgaben werden Leistungen eingeschätzt,

  • die dem gesellschaftlichen Engagement älterer Menschen dienen und
  • die der Schaffung oder dem Erhalt bedürfnisgerechter Wohnungen förderlich sind sowie
  • alle, die im Vor- und Umfeld von Pflege und allen Fragen der Inanspruchnahme altersgerechter Dienste, Beratung und Unterstützung bieten und
  • geeignet sind, soziale Teilhabe zu ermöglichen und
  • alten Menschen eine Verbindung mit ihnen nahestehenden Personen eröffnen (Rubin 2020, S. 55; siehe auch Altenhilfeplanung).

Im 7. Altenbericht der Bundesregierung (BT-Drs. 18/10210 vom 11.11.2016) wurde empfohlen, den Kommunen Planungs- und Koordinationsaufgaben für die Altenhilfe zu übertragen. Frühere Forderungen nach einem Altenhilfe(struktur)gesetz wären damit zwar nicht erfüllt, doch Kommunen bekämen Steuerungsmöglichkeiten und könnten zum zentralen Akteur der sozialen Altenhilfe werden, unter der Voraussetzung, im innerstaatlichen Finanzausgleich auch die zur Aufgabenerfüllung erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt zu bekommen (Hammerschmidt und Löffler 2020, S. 27). Damit würden über die Sicherung der Pflegeinfrastruktur hinaus mehr öffentliche Aufgaben definiert und es wäre möglich, trotz fehlender einheitlicher gesetzlicher Grundlage für eine Altenhilfe über die Soll-Vorschriften des § 71 SGB XII hinaus, die Arbeit der einschlägigen Dienste und Einrichtungen dauerhafter abzusichern (Kricheldorff 2020, S. 74 f.).

4.6 Aufgaben im Rahmen der Entwicklung eines Profils Sozialer Altenarbeit

Dazu gehören

  • Vermittlung
  • Beratung
  • Koordination und Vernetzung
  • Betreuungsaufgaben
  • Initiierung und Begleitung von Engagement- und Beteiligungsprozessen (Kricheldorff 2020, S. 77).

Dietz sieht Möglichkeiten Sozialer Arbeit, Ko-Produzentin sozialer Dienstleistungen zu werden in Lebenslagen, die die Alternsphase begleiten und ausmachen können: vom frühen Alter über die Neugestaltung von Wohnen und Leben nach Austritt aus dem Erwerbsleben bis hin zu Phasen der Hilfe- und Pflegebedürftigkeit und des Sterbeprozesses. Interventionsebenen für Soziale Arbeit betreffen Individualität, Partnerschaft, Familie, Generationenbeziehungen, Beruf und Gesellschaft (Dietz 2011, S. 346).

Eine weitere Ebene, auf der sich Soziale Arbeit weiterentwickeln muss, betrifft die strukturelle und leistungsrechtliche Ebene hin zu einer Neupositionierung Sozialer Arbeit:

  • Care und Case Management
  • Networking und/oder integrierte Nahraumversorgung als Navigation zwischen den Hilfesystemen Altenhilfe, Gesundheit und Pflege, ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten sowie Kosten- und Leistungsträgern (Dietz 2011, S. 347).

In den Themenschwerpunkten Biografie, Erfahrungswissen, Lebenslanges Lernen, Feminisierung, Netzwerke und Beziehungen sowie in den Angebots- und Versorgungsformen im Gemeinwesen, der Beratung, aber auch in Altenheimen und Krankenhäusern liegen mehr sozialpädagogische Aufgaben als bisher von Sozialer Arbeit gesehen und eingefordert werden (Meyer 2019). In der Begleitung des jungen Alters gibt es bereits vielfältige Ansätze. Statuspassagen und kritische Lebensereignisse werden als Lern- und Bildungsanlässe zur sozialpädagogischen Unterstützung genommen (Aner 2010, S. 32; siehe auch Altersbildung).

4.7 Kompetenzen und Ausbildung

Für die Herausbildung eines Profils in der Sozialen Altenarbeit gehört, zusätzlich zur interdisziplinären und generalistischen Ausrichtung in der Ausbildung, spezifisches Wissen über sozial ungleiche Lebenslagen und potenzielle Unterstützungsbedarfe zur Lebensbewältigung im höheren Lebensalter zu vermitteln.

Fachkräfte im Bereich Sozialer Altenarbeit sollten neben dem angemessenen sozialrechtlichen Wissen, über fundierte Kenntnisse im Bereich der Trägerstrukturen und Angebote Sozialer Altenarbeit verfügen. Fachkräfte sollten in der Lage sein,

„[…] ihre eigenen Paradigmen und Handlungsmethoden mit Blick auf die Lebensphase Alter theoriegeleitet und auf der Basis empirischer Erkenntnisse zu prüfen und gekonnt umzusetzen“ (Aner 2020, S. 54).

Alternsspezifisches Wissen wird bereits gegenwärtig in vielen Arbeits- und Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit benötigt, und der Bedarf wird aufgrund der demografisch bedingten Alterung der Gesellschaft noch ansteigen und somit die Profilschärfung Sozialer Altenarbeit bedingen.

5 Quellenangaben

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Aner, Kirsten, 2020. Soziale Altenhilfe als Aufgabe Sozialer (Alten-)Arbeit. In: Kirsten Aner und Ute Karl, Hrsg., 2020. Handbuch Soziale Arbeit und Alter. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Wiesbaden: Springer VS, S. 29–55. ISBN 978-3-658-26623-3 [Rezension bei socialnet]

Aner, Kirsten und Ute Karl, Hrsg., 2020. Handbuch Soziale Arbeit und Alter. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Wiesbaden: Springer VS. ISBN 978-3-658-26623-3 [Rezension bei socialnet]

Backes, Gertrud M., 2006. Geschlecht und Alter(n). In: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie [online]. 39(1–4) [Zugriff am: 13.05.2025]. ISSN 2191-8325. Verfügbar unter: doi:10.1007/s00391-006-0365-7

Backes, Gertrud M., 2010. Alter(n). Ein kaum entdecktes Arbeitsfeld der Frauen- und Geschlechterforschung. In: Ruth Becker und Beate Kortendiek, Hrsg. Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung: Theorie, Methoden, Empirie. 3. erw. u. durchges. Auflage Wiesbaden: Springer VS, S. 454–460. ISBN 978-3-531-17170-8 [Rezension bei socialnet]

Backes, Gertrud M. und Wolfgang Clemens, 2013. Lebensphase Alter: Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Alternsforschung. 4. überarbeitete und erweiterte Auflage. Weinheim: Beltz Juventa. ISBN 978-3-7799-2603-0 [Rezension bei socialnet]

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Bleck, Christian und Anne van Rießen, Hrsg., 2020. Soziale Arbeit mit alten Menschen: Ein Studienbuch zu Hintergründen, Theorien, Prinzipien und Methoden. Wiesbaden: Springer VS. ISBN 978-3-658-37572-0 [Rezension bei socialnet]

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Destatis, Statistisches Bundesamt, 2024. Pressemitteilung: 5,7 Millionen Pflegebedürftige zum Jahresende 2023 [online]. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt [Zugriff am: 16.01.2025]. Verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/​Gesellschaft-Umwelt/​Gesundheit/​Pflege/​_inhalt.html

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6 Literaturhinweise

Aner, Kirsten und Ute Karl, Hrsg., 2020. Handbuch Soziale Arbeit und Alter. 2. Auflage. Wiesbaden: Springer VS. ISBN 978-3-658-26623-3 [Rezension bei socialnet]

Bleck, Christian und Anne van Rießen, Hrsg., 2020. Soziale Arbeit mit alten Menschen: Ein Studienbuch zu Hintergründen, Theorien, Prinzipien und Methoden. Wiesbaden: Springer VS. ISBN 978-3-658-37572-0 [Rezension bei socialnet]

Meyer, Christine, 2019. Soziale Arbeit und Alter(n): Eine Einführung. Weinheim: Beltz Juventa. ISBN 978-3-7799-3837-8 [Rezension bei socialnet]

Verfasst von
Prof.in Dr.in Christine Meyer
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Granger E. Westberg: Gute Trauer. Verlag C.H. Beck (München) 2011.
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