Sozialer Status
Prof. Dr. Stephan Otto
veröffentlicht am 19.06.2025
Der soziale Status beschreibt in der Soziologie die gesellschaftliche Stellung oder das Ansehen einer Person. Man unterscheidet zwischen zugeschriebenem Status (z.B. Herkunft) und erworbenem Status (z.B. durch Leistung). Sichtbare Merkmale wie Titel oder Verhalten signalisieren die tatsächliche oder angestrebte Position in der Gesellschaft.
Überblick
- 1 Zusammenfassung
- 2 Geschichtliche Entwicklung
- 3 Der soziale Status bei Pierre Bourdieu
- 4 Arten des sozialen Status
- 5 Relevanz, Wandel, neue Ausdrucksformen
- 6 Quellenangaben
1 Zusammenfassung
Der soziale Status ist seit den Anfängen der Soziologie ein zentrales Analyseinstrument zur Beschreibung und Erklärung gesellschaftlicher Ordnungen. Er bezeichnet die strukturelle Einbettung von Individuen in soziale Hierarchien und verweist auf Differenzierungskategorien wie ökonomisches Kapital, Bildungsabschlüsse, berufliche Positionen sowie habituelle und kulturelle Praktiken. Trotz normativer Gleichheitsideale moderner Gesellschaften bleibt der soziale Status ein wirkmächtiges Prinzip sozialer Ungleichheit, das Zugehörigkeit, Anerkennung und soziale Exklusion gleichermaßen strukturiert. Bereits vormoderne Gesellschaften organisierten sich entlang von Statusmerkmalen wie Stand, Ehre oder Geburt (Hradil 2001, S. 5 ff.) – Kategorien, die soziale Positionen legitimierten und reproduzierten. Die moderne Soziologie greift diese historischen Muster auf und analysiert, wie sich Statuszuweisungen in gegenwärtigen Gesellschaften verändern: weg von starr vererbten Merkmalen hin zu symbolisch vermittelten, performativ hergestellten Formen sozialer Positionierung, etwa über Lebensstil, Sprache oder Konsum (Reckwitz 2020). Der Statusbegriff bleibt damit anschlussfähig für aktuelle Debatten über soziale Gerechtigkeit, Anerkennung und Teilhabe in zunehmend ausdifferenzierten Gesellschaften.
2 Geschichtliche Entwicklung
Auch wenn der Begriff des sozialen Status in früheren Jahrhunderten noch nicht verwendet wurde, lassen sich dennoch eindeutige Vorläuferkonzepte nachweisen, die der sozialen Schichtung bzw. Differenzierung dienten und aus denen sich letztlich das moderne Konzept des sozialen Status entwickelt hat. Die folgende Darstellung skizziert diese geschichtliche Entwicklung.
2.1 Antike und Mittelalter
Ein differenziertes Verständnis von gesellschaftlichen Hierarchien und Ordnungen, die Menschen eine spezifische gesellschaftliche Position zuwiesen bzw. ihnen eine solche verwehrten, bestand bereits in der griechisch-römischen Antike und kann somit als Vorläufer des Konzepts des sozialen Status gelten. Diese hierarchischen Unterschiede galten jedoch als grundsätzlich naturgegeben bzw. göttlich legitimiert und wurden daher als unveränderbar angesehen (Burzan 2010, S. 8).
Ein entsprechendes Verständnis gesellschaftlicher Hierarchien überdauerte auch das gesamte europäische Mittelalter. In dieser Zeit entwickelte sich die feudalistische Ständegesellschaft, in der Menschen durch ihre Herkunft bzw. Geburt einem bestimmten Stand (Adel, Klerus, Bauern, später auch Bürgertum) zugeordnet waren. Diese Zuordnung war mit spezifischen Rechten und Pflichten verbunden und ging in der Regel auch mit einem bestimmten Lebensstil einher. Gemein ist diesen antiken und mittelalterlichen Vorstellungen von Stand, dass die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe von Geburt an feststand und in der Regel lebenslang gültig war (Hradil 2001, S. 37 f.).
2.2 Aufklärung
Die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen im Kontext der Aufklärung ab dem 17. Jahrhundert führten dazu, dass die Vorstellung, Unterschiede zwischen Menschen seien gottgegeben, zunehmend hinterfragt und schließlich nicht mehr akzeptiert wurde. In diesem Zusammenhang setzte sich die Einsicht durch, dass soziale Unterschiede nicht auf eine natürliche Ordnung oder göttliche Fügung zurückzuführen sind, sondern vielmehr das Ergebnis menschlicher Handlungen und gesellschaftlicher Strukturen darstellen. Ungleichheiten und Hierarchien wurden somit als menschengemacht verstanden – als Produkte historischer, ökonomischer und politischer Prozesse.
Die Ursachen für unterschiedliche soziale Status wurden etwa von Jean-Jacques Rousseau in seiner Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen (Rousseau 2000) in kritischer Weise thematisiert. Er identifiziert das Eigentum als zentrale Ursache sozialer Ungleichheit, die letztlich den sozialen Status der Menschen bestimmt. Die „Landnahme, durch die Gemeineigentum oder herrenloses Land in Privateigentum verwandelt wird“ (Berger 2004, S. 355), führt dazu, dass Menschen unterschiedliche gesellschaftliche Ränge bekleiden können. Dieser Gedanke Rousseaus fand später Eingang in die sich entwickelnden Klassentheorien.
2.3 Industrialisierung und Umbruch zum 20. Jahrhundert
Die im Zuge der Industrialisierung aufkommende soziale Frage gilt als zentrales historisches Ereignis, das nicht nur zur Entstehung der Soziologie als Wissenschaft beitrug, sondern auch eine vertiefte Reflexion darüber anregte, warum Hierarchien und Unterschiede zwischen Menschen entstehen (Gukenbiehl 2006).
Besonders prägend für die Herausbildung des Konzepts des sozialen Status war das Klassenmodell von Karl Marx. In seiner Analyse entwirft Marx die Gesellschaft als Klassengesellschaft und verortet die Ursache gesellschaftlicher Hierarchien im Privateigentum an Produktionsmitteln (Burzan 2010). Zwar verwendet er selbst den Begriff der Klasse und nicht explizit den des sozialen Status, dennoch lassen sich in seiner Theorie deutliche Parallelen erkennen: So bestimmt aus marxistischer Perspektive die ökonomische Lage der Individuen maßgeblich deren Lebensbedingungen, Handlungsspielräume und Bewusstseinsformen. Dies verdeutlicht auch das folgende Zitat zur Klassenlage bei Marx:
„Insofern Millionen von Familien unter ökonomischen Existenzbedingungen leben, die ihre Lebensweise, ihre Interessen und ihre Bildung von denen der anderen Klassen trennen und ihnen feindlich gegenüberstellen, bilden sie eine Klasse“ (Marx 1973, S. 198).
Die Aussage verdeutlicht, dass das Marxsche Klassenkonzept eindeutig als Vorläufer des sozialen Status verstanden werden kann: So beschreibt Marx nicht nur die ökonomische Lage als trennenden Faktor der Klassen, sondern auch eine soziale und lebensweltliche Distinktion. Dieser Gedanke wurde dann auch zum Kernbereich des modernen Begriffs des sozialen Status.
Auch wenn Max Weber selbst den Begriff des sozialen Status nicht benutzte (vgl. Kapitel Begriffseinführung), ist sein Modell zur sozialen Ordnung von besonderer Bedeutung für die Entstehung des modernen Begriffs des sozialen Status. Weber geht in seinem Modell über die Marxsche Differenzierung hinaus, die sich ausschließlich auf die ökonomischen Aspekte fokussiert und führt neben dem Begriff Klasse auch die Konzepte der Stände und Parteien ein, wobei der Standesbegriff insbesondere das moderne Konzept des sozialen Status prägte. Der Stand bezieht sich auf eine Gruppe von Menschen, die durch eine spezifische Form sozialer Ehre miteinander verbunden sind. Weber definiert den Stand als eine „wahrscheinlich spezifische, positive oder negative soziale Einschätzung der Ehre, die sich an irgendeine gemeinsame Eigenschaft knüpft“ (Weber 2002, S. 531).
Diese ständische Ehre manifestiert sich in bestimmten Lebensführungen, sozialen Umgangsformen und Formen der Vergesellschaftung. Weber betont, dass sich der Standeshabitus „sehr regelmäßig in einer Standesabgrenzung durch Heiratskreise, eigentümliche Erziehung zur Standesart und schließlich durch besondere Lebensführung äußert“ (a.a.O., S. 532).
Im Unterschied zur Klasse, die durch ökonomische Interessen und Marktchancen bestimmt ist, basiert der Stand auf sozialem Prestige und symbolischer Abgrenzung. Statusgruppen streben danach, ihre privilegierte Stellung zu bewahren, indem sie soziale Schließungsprozesse betreiben, etwa durch Exklusivität in Bildung, Berufszugang oder Heiratskreisen. Diese Mechanismen tragen zur Reproduktion sozialer Ungleichheit bei, indem sie den Zugang zu Ressourcen und Chancen für Außenstehende begrenzen.
2.4 Heutige Verwendungsweise
Für die gegenwärtige wissenschaftliche Debatte lässt sich für den Begriff des sozialen Status feststellen, dass dieser in der soziologischen Literatur durchaus unterschiedlich verwendet und definiert wird. Die „am weitesten verbreitete Verwendungsweise“ (Pollack 2018, S. 433) bezieht sich dabei auf die sozioökonomische Hierarchisierung von Menschen innerhalb eines Gesellschaftssystems, also auf die höhere oder niedrigere Stellung in einem Schichtungssystem (Laatz 2024, S. 1214).
In einem weiteren Sinne bezieht sich der soziale Status auch auf die soziale Wertschätzung von Menschen aufgrund spezifischer Kriterien, wie deren Beruf, Macht oder Vermögen. Pollack (2018) erklärt die gewisse Unschärfe des Begriffs durch die englische Übersetzung und darauffolgende Rückübersetzung des Weberschen Begriffs des sozialen Standes, der ins Englische mit Status übersetzt wurde, hierbei „jedoch oft nur die subjektive Einordnung der (eigenen) Position entlang gesellschaftlich relevanter Ungleichheitsdimensionen (z.B. Einkommen, Bildung)“ (S. 433) umfasst und hierdurch Eingang in die deutschsprachige Soziologie im Kontext der Sozialstrukturanalyse fand.
3 Der soziale Status bei Pierre Bourdieu
Die auch in der heutigen soziologischen Debatte nach wie vor zentrale Theorie für die „Herstellung und Reproduktion der sozialen Ordnung“ (Bremer 2008, S. 1528) und somit des sozialen Status, geht auf Pierre Bourdieus Arbeiten und die dort entworfene Kapitaltheorie zurück.
Pierre Bourdieu (1983) entwickelte eine differenzierte Theorie sozialer Ungleichheit, in der der soziale Status eines Individuums aus der Verteilung und Konvertierbarkeit unterschiedlicher Kapitalarten resultiert. Er unterscheidet drei zentrale Formen: ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital.
Ökonomisches Kapital umfasst materielle Ressourcen wie Einkommen, Eigentum und Vermögen und gilt auch bei Bourdieu als dominanteste der Kapitalarten (Bourdieu 1983, S. 185). Es ist unmittelbar verfügbar und kann direkt in Güter oder Dienstleistungen umgesetzt werden. Kulturelles Kapital bezeichnet Bildung, Wissen, kulturelle Fähigkeiten und legitime Geschmacksmuster. Es existiert in inkorporierter Form (körperlich verinnerlichte Dispositionen), objektivierter Form (z.B. in Kunstwerken, Büchern) und institutionalisierter Form (etwa akademische Abschlüsse bzw. Titel). Das soziale Kapital beschreibt „Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen“ (a.a.O., S. 190 f.) und umfasst die Gesamtheit der Ressourcen, die aus Zugehörigkeit zu dauerhaften Netzwerken oder Gruppen resultieren. Es basiert auf Vertrauen, gegenseitiger Anerkennung und sozialer Verpflichtung. Dabei ist soziales Kapital nie bloß die Summe der Kontakte, sondern immer auch an Machtstrukturen gebunden: Netzwerke können exklusiv sein, Mitgliedschaften selektiv und Zugangschancen ungleich verteilt. Wer über starkes soziales Kapital verfügt, hat besseren Zugang zu ökonomischen und kulturellen Ressourcen und kann Einfluss auf Entscheidungen in gesellschaftlichen Feldern nehmen. Bourdieus Analysen zeigen, dass soziales Kapital nicht nur verbindet, sondern auch ausgrenzt: Netzwerke sind oft auf Reproduktion bestehender Machtverhältnisse ausgerichtet, indem sie den Zugang zu Schlüsselpositionen kontrollieren und Außenseiter systematisch benachteiligen (ebd.).
Der soziale Status eines Individuums ergibt sich aus der Zusammensetzung der Kapitalarten und der Fähigkeit, diese im jeweiligen sozialen Feld einzusetzen. Die Möglichkeit, Kapitalarten zu konvertieren – etwa ökonomisches Kapital in kulturelles Kapital durch teure Bildung oder soziales Kapital in ökonomisches Kapital durch geschäftliche Netzwerke – verstärkt soziale Ungleichheiten und führt dazu, dass privilegierte Positionen stabil reproduziert werden. Besonders das soziale Kapital wirkt dabei als unsichtbares Bindemittel, das soziale Exklusion subtil und nachhaltig absichern kann (Kronauer 2002).
Bourdieus Kapitaltheorie bietet somit einen umfassenden Blick auf die Mechanismen der Statusbildung: Sie zeigt, dass Ungleichheiten nicht nur ökonomisch begründet sind, sondern tief in Alltagspraktiken, Beziehungsmustern und dem Kampf um Anerkennung verankert sind.
4 Arten des sozialen Status
In Anknüpfung an die Darstellung des Sozialen Status nach Bourdieu zeigt sich, dass der soziale Status eines Individuums seine Position innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung bestimmt und sich aus verschiedenen, eng miteinander verflochtenen Faktoren ergibt, deren Kernmerkmale im Folgenden näher betrachtet werden.
4.1 Erworbener und zugeschriebener sozialer Status
Grundsätzlich wird in der Soziologie zwischen dem erworbenen (archived) und zugeschriebenen (ascripted) sozialen Status unterschieden, wobei diese Unterscheidung ursprünglich auf Ralph Lintons Werk The Study of Men zurückgeht (Linton 1936).
Laut dieser Unterscheidung bezeichnet ein zugewiesener Status eine soziale Position, die einem Individuum unabhängig von dessen eigenem Handeln bzw. individuellen Fähigkeiten zukommt. Er basiert auf Merkmalen wie Alter, Geschlecht oder der sozialen Herkunft und wird typischerweise bereits bei Geburt oder im Verlauf der frühen Sozialisation festgelegt. Diese Statusmerkmale sind weitgehend stabil und entziehen sich dem Einfluss individueller Leistung oder Entscheidung (Schneider 2024, S. 1215).
Demgegenüber steht der erworbene Status, der durch eigenes Zutun und im Wettbewerb – etwa durch Bildung, berufliche Qualifikation oder soziales Engagement – erlangt wird. In modernen Gesellschaften, die sich durch vermeintlich meritokratische Prinzipien auszeichnen, nimmt der erworbene Status eine zentrale Rolle ein, da er individuelle Mobilität und Selbstverwirklichung ermöglichen soll (ebd.).
In der gesellschaftlichen Realität lassen sich der zugeschriebene und erworbene Status jedoch häufig nicht eindeutig voneinander trennen. Vielmehr beeinflussen Merkmale wie familiäre Herkunft, soziales Umfeld oder ethnische Zugehörigkeit die Chancen, im Laufe des Lebens einen bestimmten Status zu erreichen. Ein Beispiel hierfür ist der Zugang zu höherer Bildung: Dieser wird häufig als individueller Leistungsausweis verstanden (erworbener Status), hängt jedoch stark von sozioökonomischen Voraussetzungen wie dem Bildungsgrad der Eltern oder dem kulturellen Kapital des familiären Umfelds ab – Merkmale, die meist schon früh im Leben festgelegt sind (zugeschriebener Status) (Astleitner et al. 2021).
4.2 Subjektiver und objektiver sozialer Status
Bei der Betrachtung des sozialen Status bietet sich eine weitere Differenzierung an: die zwischen objektiven Statuskriterien und der subjektiven Wahrnehmung des eigenen sozialen Status. Der objektive soziale Status bezieht sich auf messbare und von außen beobachtbare Merkmale, anhand derer eine gesellschaftliche Position zugeschrieben wird. Zu diesen Kriterien zählen unter anderem formale Bildungsabschlüsse, die Art des ausgeübten Berufs sowie die Höhe des erzielten Einkommens. Diese Faktoren gelten als Indikatoren für eine höhere oder niedrigere gesellschaftliche Stellung und ermöglichen eine vergleichsweise standardisierte Einschätzung des sozialen Status einer Person (Lampert et al. 2018, S. 119; Bourdieu 1983).
Demgegenüber beschreibt der subjektive soziale Status die individuelle Einschätzung der eigenen gesellschaftlichen Position. Diese basiert auf der persönlichen Wahrnehmung und Interpretation der eigenen Lebensbedingungen im Vergleich zu anderen Mitgliedern der Gesellschaft. Subjektive Statuswahrnehmungen berücksichtigen sowohl materielle als auch immaterielle Aspekte (z.B. die soziale Eingebundenheit, wahrgenommene Lebensqualität) des Lebens (Adler et al. 2000).
Studien zeigen, dass der subjektive Status erheblich vom objektiv ermittelten sozialen Status abweichen kann. Individuen mit formal niedrigem Bildungsniveau und geringem Einkommen können sich subjektiv einer höheren Statusgruppe zugehörig fühlen – etwa durch soziale Anerkennung im näheren Umfeld –, während umgekehrt auch objektiv privilegierte Personen eine niedrigere Selbstwahrnehmung entwickeln können. Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass soziale Statuspositionen nicht nur auf objektiven Kriterien beruhen, sondern auch durch subjektive Bewertungen geprägt sind, die wiederum bedeutsame Auswirkungen auf psychisches Wohlbefinden, Gesundheit und soziale Teilhabe haben können (Kraus et al. 2013).
4.3 Statuskonsistenz und Statusinkonsistenz
Um Hierarchien im sozialen Status und eine hiermit zusammenhängende Verteilung im gesellschaftlichen Gefüge in oben oder unten vornehmen zu können, wird der soziale Status üblicherweise entlang bestimmter Variablen definiert, wobei die klassische soziologische Statusforschung (Lenski 1954) in diesem Kontext zwischen den Variablen Bildung, Berufsprestige, Einkommen und ethnische Zugehörigkeit unterschied.
Statuskonsistenz liegt vor, wenn eine Person in verschiedenen Statusdimensionen – etwa im Hinblick auf die formale Bildung, den ausgeübten Beruf, das erzielte Einkommen und das soziale Prestige – eine einheitlich hohe oder niedrige Position gesellschaftliche Position einnimmt (Itschert 2007). Eine akademisch gebildete, gut verdienende Führungskraft wäre ein Beispiel für eine konsistente Statuslage.
Demgegenüber beschreibt Statusinkonsistenz eine Diskrepanz zwischen verschiedenen Statusmerkmalen. Sie tritt auf, wenn Individuen in bestimmten Bereichen (z.B. Bildungsabschluss) hoch, in anderen (z.B. Einkommen oder berufliches Prestige) jedoch niedrig positioniert sind – oder umgekehrt (Becker und Zimmermann 1995). In modernen, funktional differenzierten Gesellschaften ist eine zunehmende Erosion vormals verbreiteter Statuskonsistenz zu beobachten: Die einst häufige Übereinstimmung zwischen Bildung, Beruf und sozialem Prestige weicht einer wachsenden Statusinkonsistenz, in der einzelne Statusmerkmale nicht mehr notwendig aufeinander verweisen.
Ein konkretes Beispiel für eine Statusinkonsistenz wäre etwa eine Frau, die ein abgeschlossenes Masterstudium in Biologie besitzt, jedoch aufgrund mangelnder Stellenangebote im Forschungsbereich und familiärer Verpflichtungen seit mehreren Jahren als Verkäuferin in einem Supermarkt arbeitet. Dort ist sie zwar zuverlässig und beliebt, wird jedoch wie alle anderen gering qualifizierten Angestellten behandelt und entlohnt. Studien in diesem Kontext zeigen, dass insbesondere Frauen von dieser Statusinkonsistenz (hohe Bildung aber vergleichsweise niedriges Einkommen) betroffen sind (Kerschke-Risch 1990) und dass statusinkonsistente Personen oft Schwierigkeiten haben, sich in klare soziale Milieus einzuordnen. Dies kann zu einer geringeren sozialen Bindung oder Ambivalenzen in der Identitätsbildung führen (Geißler 2006).
5 Relevanz, Wandel, neue Ausdrucksformen
Der soziale Status bleibt auch in spätmodernen Gesellschaften ein zentrales Ordnungskriterium, hat jedoch im Zuge gesellschaftlicher Transformationsprozesse tiefgreifende Wandlungen erfahren.
Während in traditionellen Gesellschaften Status primär durch Geburt, Stand oder Institutionen fixiert war, zeichnet sich die Gegenwart durch eine stärkere Individualisierung und Pluralisierung sozialer Lebensstile aus (Beck 1986). Status wird zunehmend performativ hergestellt – etwa durch Konsum, Bildung oder kulturelle Distinktion. Nach wie vor bietet Pierre Bourdieus Differenzierung der verschiedenen Kapitalsorten (Bourdieu 1983) eine analytische Grundlage zur Beschreibung des sozialen Status in der Gegenwart.
An diese Überlegungen anschließend beschreibt Andreas Reckwitz (2020) den Wandel des sozialen Status in der Gegenwart als Verschiebung von einer industriellen Logik der Standardisierung hin zu einer kulturellen Logik der Singularisierung. Sozialer Status wird dabei nicht mehr primär über ökonomische Positionen oder institutionelle Zugehörigkeit vermittelt, sondern über die symbolische Aufwertung individueller Lebensstile, Erfahrungen und Objekte, die als besonders, originell oder authentisch gelten und damit auch als gesellschaftliches Erfolgskriterium der Moderne angesehen werden (Reckwitz 2018, S. 60). In dieser Gesellschaft der Singularitäten, wie sie von Andreas Reckwitz bezeichnet wird, wird Status zunehmend durch kulturelle Sichtbarkeit, ästhetische Unterscheidbarkeit und performative Selbstverwirklichung erzeugt – und nicht zuletzt auch durch digitale Plattformen öffentlich verhandelt.
6 Quellenangaben
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Weber, Max, 2002. Wirtschaft und Gesellschaft: Grundriss der verstehenden Soziologie. 5. revidierte Auflage. Tübingen: Mohr Siebeck. ISBN 978-3-16-538521-2
Verfasst von
Prof. Dr. Stephan Otto
Professor für Kindheitspädagogik
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ORCID: https://orcid.org/0000-0002-1313-8768
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