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Stuttgarter Kinderschutzbogen

Lisa Jares

veröffentlicht am 16.03.2021

Der Stuttgarter Kinderschutzbogen ist ein Diagnoseinstrument bei Kindeswohlgefährdung. Er stellt ein strukturiertes Verfahren zur Gefährdungseinschätzung gemäß § 8a SGB VIII dar. Mittels des Bogens soll eine Kindeswohlgefährdung erkannt, dokumentiert und bewertet werden, damit entsprechende professionelle Handlungen folgen können.

Der Bogen wurde im Jahr 2000 bis 2002 zunächst in den Sozialen Diensten des Jugendamtes Stuttgart entwickelt und in einem gemeinsamen Weiterentwicklungsprozess der Jugendämter Stuttgart und Düsseldorf überarbeitet. Seit 2006 ist der Bogen in beiden Jugendämtern ein verbindlicher Standard bei Fällen von Kindeswohlgefährdung.

Das Diagnoseinstrument umfasst folgende Module:

  • Meldebogen und Bewertung der Meldung
  • Familienkonstellation und Genogramm
  • Erscheinungsbild Kind/Jugendliche/r
  • Interaktion Kind und Hauptbezugsperson
  • Grundversorgung und Schutz
  • Einschätzung der Kindeswohlgefährdung
  • Sicherheitseinschätzung (Prüfung Inobhutnahme)
  • Vereinbarung mit Sorgeberechtigten zum Schutz des Kindes
  • Hilfe- und Schutzkonzept
  • Erziehungsfähigkeit von Mutter, von Vater
  • Risikofaktoren für hohe Gefährdung, Misshandlung oder Vernachlässigung
  • Einschätzung der Ressourcen zur Abwendung von Gefährdung

Die einzelnen Module werden nach den Kriterien „sehr schlecht“, „schlecht“, „ausreichend“ und „gut“ bewertet. Im Modul „Interaktion“ erfolgt eine Unterteilung in „Negativ“ und „Positiv“. Um den Fachkräften die Bewertungen zu erleichtern, wurden die Kriterien differenziert beschrieben bzw. die Bewertungskategorien mit „Ankerbeispielen“ hinterlegt. Der Bogen kann nur individuell auf ein Kind angewandt werden und greift nicht bei sexuellem Missbrauch.

Neben der Papierversion existiert eine Access-Datenbank, welche die elektronische Erfassung der im Kinderschutzbogen erhobenen Informationen unterstützt.

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) evaluierte den Stuttgarter Kinderschutzbogen (Strobel, Liel und Kindler 2008).

Quellenangaben

Strobel, Bettina, Christoph Liel und Heinz Kindler, 2008. Validierung und Evaluierung des Kinderschutzbogens: Ergebnisbericht 2008 [online]. München: Deutsches Jugendinstitut [Zugriff am: 12.03.2021]. PDF e-Book. ISBN 978-3-935701-42-6. Verfügbar unter: https://www.dji.de/fileadmin/​user_upload/bibs/Evaluation_Kinderschutzbogen.pdf

Verfasst von
Dr. Lisa Jares
Redakteurin des frühpädagogischen Fachportals ErzieherIn.de, Pädagogische Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen und Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen in kindheitspädagogischen Studiengängen
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Zitiervorschlag
Jares, Lisa, 2021. Stuttgarter Kinderschutzbogen [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 16.03.2021 [Zugriff am: 29.11.2021]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Stuttgarter-Kinderschutzbogen

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