Symbolarbeit
Eine Arbeit mit Symbolen ist im Psychodrama mit Erwachsenen in der Regel eine Form der Aufstellung. Die Symbole werden stellvertretend für Personen oder auch Gefühle verwendet.
Im Psychodrama können Erfahrungen aus der individuellen Biografie sowie Wünsche für die Zukunft, organisationale Strukturen und soziale Beziehungen in Form von szenischen Konfigurationen oder einer Aufstellung mithilfe von Symbolen dargestellt werden. Als Symbole können grundsätzlich alle Gegenstände oder auch Figuren, die gerade zur Verfügung stehen, verwendet werden. Synonym wird auch der Begriff „Psychodramatisches Symbolspiel“ verwendet.
Eine Symbolarbeit wird meist in der Einzelarbeit und in der Arbeit mit Kindern eingesetzt. In der Einzelarbeit dient in der Regel ein (Schreib-)Tisch als Bühne oder – je nach verwendeten Symbolen – auch ein als Bühne abgegrenzter Raum im Beratungszimmer. Diese Form ist auch und gerade in der Kurzzeitberatung für ein Erstgespräch geeignet (Wittinger 2016).
Vorteile der Symbolarbeit liegen darin, dass
- diese Form der Aufstellung, wie in jeder psychodramatischen Aufstellungsarbeit durch Varianten psychodramatischer Handlungstechniken angereichert werden kann. Z.B. kann sich der bzw. die Protagonist:in mit den repräsentierten Personen identifizieren, indem er bzw. sie einen imaginierten Rollentausch vornimmt. Bei einer Symbolarbeit mit einer Tischbühne wird dies unterstützt, indem der bzw. die Protagonist:in ein Symbol in die Hand nimmt, für einen Moment die Augen schließt und durch die Leitung interviewt wird;
- ein schneller Wechsel zwischen einer Innen- und einer Außenperspektive möglich ist (vgl. Spiegeln)
- auch emotional sehr belastende Situationen, Beziehungen und Strukturen dargestellt werden können, weil der bzw. die Protagonist:in oder die Beteiligten emotional weniger involviert sind, als wenn er bzw. sie selbst auf der Bühne stünde.
Dennoch ist auch hier die erlebnisaktivierende Wirkung nicht zu unterschätzen, sodass zum einen die erhobenen Kriterien (vgl. Soziometrie) mit Bedacht gewählt werden müssen und zum anderen hinreichend viel Zeit zur Auswertung einzuplanen ist. In einem Erstgespräch sollte deshalb eine Symbolarbeit in der ersten Hälfte des Gesprächs eingesetzt werden.
In der Arbeit mit Kindern werden vor allem verschiedene Figuren (Playmobil, Figuren aus Überraschungseiern, Tiere von Schleich, Handpuppen u.v.m.) verwendet. Mit ihnen wird zunächst eine Ausgangssituation für eine Szene aufgestellt. Anschließend wird die Szene mit den Figuren gespielt. Die Kinder sind sowohl Autor:innen als auch Regisseur:innen des Spiels. Der bzw. die Therapeut:in übernimmt die Rollen von mehreren Figuren der Szene (Aichinger und Holl 2010; Aichinger 2011). Diese Arbeit ist ausgesprochen anspruchsvoll für die Leitung und sollte nur mit einer entsprechenden Ausbildung durchgeführt werden.
In der Perspektive einer psychodramatischen Konzeption ist diese Form als Psychosoziodrama zu bezeichnen (vgl. Soziodrama).
Quellenangaben
Aichinger, Alfons, 2011. Resilienzförderung mit Kindern. Kinderpsychodrama Band 2. Wiesbaden: VS Verlag. ISBN 978-3-531-17468-6 [Rezension bei socialnet]
Aichinger, Alfons und Walter Holl, 2010. Gruppentherapie mit Kindern. Kinderpsychodrama Band 1. 2., aktualisierte und erw. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag. ISBN 978-3-531-17164-7 [Rezension bei socialnet]
Wittinger, Thomas, 2016. Beratung zwischen Tür und Angel mit psychodramatischen Mitteln. In: Heino Hollstein-Brinkmann und Maria Knab, Hrsg. Beratung zwischen Tür und Angel. Wiesbaden: VS Verlag, S. 165–177. ISBN 978-3-658-03419-1 [Rezension bei socialnet]
Literaturhinweise
Ameln, Falko von und Josef Kramer, 2014. Psychodrama: Grundlagen. 3., vollst. überarb. Auflage. Heidelberg: Springer Medizin. ISBN 978-3-642-44920-8
Verfasst von
Thomas Wittinger
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