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Team

Hans-Jürgen Balz

veröffentlicht am 26.03.2021

Englisch: team

Ein Team ist eine kooperierende Kleingruppe, in der die Einzelbeiträge der Gruppenmitglieder mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen, Fähigkeiten, Fertigkeiten u.a. zielführend in den Gesamtprozess integriert werden, analog einem Musikorchester.

Überblick

  1. 1 Ziele und Aufgaben
  2. 2 Teamarbeit in der Sozialen Arbeit
  3. 3 Team vs. Gruppe
  4. 4 Inhalte, Struktur und Gruppenprozesse
  5. 5 Koordination und Reflexivität
  6. 6 Quellenangaben

1 Ziele und Aufgaben

Bei der Teamarbeit bilden die Teamziele den Orientierungsrahmen und die Erfolgskriterien für das Handeln der Gruppenmitglieder. Teamziele haben Vorrang vor den Einzelinteressen, beide befinden sich dabei in einem Spannungsverhältnis (Busch und Oelsnitz 2018, S. 19). Der Begriff Team wird neben der Arbeitswelt auch im Sport gebraucht, um dort eine besonders leistungsfähige bzw. erfolgreiche Mannschaft zu beschreiben.

Die Notwendigkeit von Teamarbeit ergibt sich dann, wenn eine Aufgabe nicht durch Einzelne ausgeführt werden kann (Interdependenz). Aufgabeninterdependenz liegt vor, wenn zur Zielerreichung die Integration der unterschiedlichen Einzelbeiträge der Mitarbeitenden notwendig ist und eine wechselseitige Abhängigkeit in der Arbeitsausführung besteht. Nur wenn Mitarbeitende sich in diesem Sinne ergänzen, lässt sich von Team sprechen (Gebert 2004, S. 34 ff.). Eine enge Abstimmung in der Teamarbeit ist beispielsweise in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und in psychiatrischen Kliniken erforderlich.

2 Teamarbeit in der Sozialen Arbeit

Die Bedeutung von Teamarbeit in der Sozialen Arbeit leitet sich aus der Kooperation innerhalb einer Arbeitsgruppe oder zwischen den bei einer Aufgabe beteiligten Mitgliedern unterschiedlicher Organisationen, der fachlichen Differenzierung (multiprofessionelle Zusammenarbeit) und dem Professionsverständnis ab. Die Kooperationsanforderungen sind beispielsweise für die Kinder- und Jugendhilfe und die Schulsozialarbeit gesetzlich geregelt (§§ 5, 8a, 8, 28, 36, 45 SGB VIII). Vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge liegen Empfehlungen zur Teamarbeit vor (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge 2002).

3 Team vs. Gruppe

Die begriffliche Abgrenzung zwischen Team und Gruppe ist nicht trennscharf, weder hinsichtlich der Effizienz, der Form der Kooperation und Interaktion noch dem Gruppenklima. Der Begriff Gruppenarbeit bildet die Grundgesamtheit: Jedes Team ist eine Arbeitsgruppe, aber nicht jede Arbeitsgruppe ein Team (Balz und Spieß 2009, S. 95 ff.). Mit dem Teambegriff verbindet sich eine höhere Wertigkeit, sodass die Bezeichnung Team häufig auch bei lediglich unter organisatorischen Gesichtspunkten zusammengefassten Arbeitsgruppen Verwendung findet.

4 Inhalte, Struktur und Gruppenprozesse

Die Faszination von Teamarbeit liegt für die Mitarbeitenden oft in der vergrößerten Eigenverantwortung und den Mitwirkungsmöglichkeiten – ein zeitgemäßer Trend der Arbeitswelt (New Work). Das Ausmaß der Selbstorganisation findet sich in einer Bandbreite zwischen mitarbeitergeführten selbstorganisierten, teilautonomen bis hin zu formal reglementierten Arbeitsgruppen.

Die Inhalte, Struktur und die Gruppenprozesse von Teamarbeit variieren je nach Zielsetzung, Dauer der Zusammenarbeit, Freiheitsgrad und Fachlichkeit der Gruppenmitglieder. Entsprechend ihrer Inhalte bzw. Aufgaben lassen sich Arbeitsteams (z.B. in der stationären Kinder- und Jugendhilfe), Projektteams (z.B. eine AG zur Erarbeitung eines neuen Einrichtungskonzepts), Führungsteams (z.B. die Führungskräfte- oder Trägerkonferenz), Qualitätszirkel (zur Optimierung von Arbeitsprozessen zusammengestellte Gruppe von Mitarbeitenden) und Krisenteams (z.B. im Jugendamt bei Kindeswohlgefährdung) unterscheiden (Kauffeld und Schulte 2014, S. 152 ff.).

In ihrer Struktur gibt es eine Bandbreite zwischen: permanenten und zeitlich befristeten Teams, fachlich homogenen und multiprofessionellen, virtuellen und in Face-to-Face-Kontakt arbeitenden Teams (Edding und Schattenhofer 2012, S. 20 ff.).

Teamarbeit wirkt motivierend auf seine Mitglieder, wenn es gelingt ein WIR-Gefühl, d.h. ein gemeinsames Verständnis der Zusammenarbeit, der Teamkultur und -identität, zu entwickeln. Dies stärkt auch den Zusammenhalt (Gruppenkohäsion), die Arbeitszufriedenheit und die Mitarbeiterbindung an die Organisation (Balz 2017, S. 110).

In der Untersuchung von Hochleistungsteams (medizinische Rettungsdienste, Formel-1-Mannschaften u.a.) zeigen sich folgende Grundvoraussetzungen einer effizienten Kooperation (Busch und Oelsnitz 2018, S. 32 ff.): starke Zielorientierung und Identifikation, die Achtsamkeit für den Arbeitskontext und relevante Veränderungen, die Flexibilität in der Aufgabenkoordination und Führung, das präzise Rollenverständnis und die Überschneidung von Aufgabengebieten (zwecks Kompensation bei Fehlern) sowie die Lernbereitschaft und Reflexionsfähigkeit der Teammitglieder zur Prozessoptimierung.

5 Koordination und Reflexivität

Teamarbeit erfordert Absprachen und Reflexion der Gruppenprozesse und -ergebnisse, sodass ein zusätzlicher Zeitbedarf hierfür einzuplanen ist (Koordinationsverlust). Die Teamkommunikation stellt den Informationsaustausch sicher, sozialisiert neu hinzukommende Mitglieder und trägt zur Ausbildung von Normen und Werten eines Teams bei (Balz 2017, S. 107 f.). Ein zentrales Qualitätsmerkmal für die Prozessoptimierung und die Weiterentwicklung von Teams bildet die Reflexivität (Dick und West 2013). „Reflexivität ist das Ausmaß, in dem die Gruppenmitglieder offen über die Ziele, Strategien und Prozesse des Teams nachdenken und versuchen, diese den aktuellen oder antizipierten Veränderungen innerhalb oder außerhalb des Teams anzupassen“ (Dick und West 2013, S. 47). Darüber hinaus gilt es, sich über die verschiedenen Perspektiven der Teammitglieder (hinsichtlich Arbeitszufriedenheit, persönlichen Entwicklungswünschen, Verbesserungsideen u.a.) auszutauschen und sich wechselseitig Feedback zu geben.

Zur Optimierung der Teamarbeit beispielsweise in einem neu gebildeten Projektteam trägt ein Teambuilding bei. In einer solchen Maßnahme wird u.a. an einem gemeinsamen Gruppenverständnis, der Rollen- und Aufgabenklärung und der Entwicklung gemeinsamer Teamziele gearbeitet. Bei kontinuierlich zusammenarbeitenden Teams empfehlen sich zur Standortbestimmung, zur kritischen Rückschau und zur Weiterentwicklung der Teamziele jährliche Teamtage. Beiträge in der Qualitätssteigerung der Teamarbeit liefern darüber hinaus Teamsupervisionen, kollegiale Fallbesprechungen, Teamtrainings, sowie die Fort- und Weiterbildung der Mitarbeitenden (Obermeyer und Pühl 2015; Seibel und Rickert 2019).

6 Quellenangaben

Balz, Hans-Jürgen, 2017. Kollegiale Kommunikation. Zur Spezifik der Kommunikation in Teams. In: Ralf Hoburg, Hrsg. Kommunizieren in sozialen und helfenden Berufen. Stuttgart: Kohlhammer, S. 100–119. ISBN 978-3-17-030375-1 [Rezension bei socialnet]

Balz, Hans-Jürgen und Erika Spieß, 2009. Kooperation in sozialen Organisationen: Grundlagen und Instrumente der Teamarbeit. Stuttgart: Kohlhammer. ISBN 978-3-17-019406-9 [Rezension bei socialnet]

Busch, Michael W. und Dietrich von der Oelsnitz, 2018. Teammanagement: Grundlagen erfolgreichen Zusammenarbeitens. Stuttgart: Kohlhammer. ISBN 978-3-17-031556-3 [Rezension bei socialnet]

Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, 2002. Hrsg. Empfehlungen zur Teamarbeit und Teamentwicklung in der sozialen Arbeit. Frankfurt am Main: Dt. Verein für Öffentliche und Private Fürsorge. ISBN 978-3-7841-1710-2

Dick, Rolf van und Michael A. West, 2013. Teamwork, Teamdiagnose, Teamentwicklung. 2. überarb. und erw. Auflage. Göttingen: Hogrefe. ISBN 978-3-8017-2481-8

Edding, Cornelia und Karl Schattenhofer, 2012. Einführung in die Teamarbeit. Heidelberg: Carl Auer. ISBN 978-3-89670-762-8 [Rezension bei socialnet]

Gebert, Dieter, 2004. Innovation durch Teamarbeit. Stuttgart: Kohlhammer. ISBN 978-3-17-018095-6

Kauffeld, Simone und Eva-Maria Schulte, 2014. Teams und ihre Entwicklung. In: Simone Kauffeld, Hrsg. Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie für Bachelor. 2. Auflage. Berlin: Springer, S. 151–172. ISBN 978-3-642-42064-1

Obermeyer, Klaus und Harald Pühl, 2015. Teamcoaching und Teamsupervision. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-40371-6

Seibel, Tobias und Katja E. Rickert, 2019. Teamdynamik entwickeln, begleiten, gestalten. Bonn: managerSeminare. ISBN 978-3-95891-054-6 [Rezension bei socialnet]

Autor
Prof. Dr. Hans-Jürgen Balz
Dozent für Psychologie (Schwerpunkte Diagnostik und Beratung) an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum
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Zitiervorschlag
Balz, Hans-Jürgen, 2021. Team [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 26.03.2021 [Zugriff am: 18.04.2021]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Team

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