socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

socialnet Lexikon


Suche nach Begriff, AutorIn, Schlagwort
socialnet Lexikon [Work in Progress]

Transidentität bei Kindern und Jugendlichen

Transidentität, d.h. die Überzeugung eines Menschen, dass er sich nicht dem ihm bei der Geburt zugeordneten Geschlecht zugehörig fühlt, findet sich sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen.

Überblick

  1. 1 Begleitung transidenter Kinder und Jugendlicher
  2. 2 Zur speziellen körperlichen Situation von transidenten Kindern und Jugendlichen
  3. 3 Quellenangaben
  4. 4 Informationen im Internet

1 Begleitung transidenter Kinder und Jugendlicher

Transidente Kinder stellen eine heterogene Gruppe dar und brauchen eine spezielle Begleitung (Preuss 2016; Rauchfleisch 2016, 2019).

Die fachliche Begleitung von transidenten Kindern und Jugendlichen stellt insofern eine besondere Situation dar, als sie im Hinblick auf ihre Transition nicht selbstständige Entscheidungen treffen können. Es gilt jedoch, sie entsprechend ihrem Alter soweit wie möglich bei allen Entscheidungen einzubeziehen.

Die Begleitung der Kinder und Jugendlichen im Transitionsprozess erfordert eine enge Zusammenarbeit der psychologischen Fachleute mit den Eltern, mit Kindergarten, Schule und den anderen Institutionen, in denen die Kinder und Jugendlichen sich bewegen, sowie mit den anderen an der Transition beteiligten Fachpersonen (Endokrinologie, Chirurgie usw.).

Im Verlauf des Transitionsprozesses sind bei Kindern und Jugendlichen vielfältige Absprachen mit den LehrerInnen notwendig. Dies betrifft beispielsweise die Teilnahme an Klassenfahrten (schlafen diese Kinder im Zimmer der Mädchen oder der Jungen?), die Teilnahme am Sportunterricht (bez. Umkleiden und Duschen), das Aufsuchen von Toiletten, die in den Schulen im Allgemeinen nicht geschlechtsneutral, sondern für Mädchen und Jungen getrennt sind, usw.

Ein wichtiges Thema ist bei transidenten Kindern und Jugendlichen immer wieder auch die Frage, ob, wann und wo sie sich outen. Bei einer guten Zusammenarbeit von transidenten Kindern und Jugendlichen, ihren Eltern, der Schule und den psychologischen/psychiatrischen Fachpersonen erleben diese Kinder im Allgemeinen kein schwerwiegendes Mobbing und auch keine Ausgrenzungen in der Schule. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die gemeinsame umsichtige Planung der Transitionsschritte.

Außerdem gilt es, mit den Eltern zusammen die Änderung des Vornamens und des Personenstandes zu planen, da die soziale Integration in der Schule und in anderen Bereichen der Öffentlichkeit wesentlich einfacher wird, wenn das äußere Erscheinungsbild der/des Jugendlichen mit ihrem/seinem Vornamen und Personenstand übereinstimmt.

2 Zur speziellen körperlichen Situation von transidenten Kindern und Jugendlichen

Nicht bei allen Kindern und Jugendlichen, die von sich sagen, dass sie dem anderen Geschlecht angehören, persistiert diese Überzeugung bis zur Adoleszenz und bis ins Erwachsenenalter. Deshalb ist es wichtig, die Entscheidung über den Beginn einer hormonellen Behandlung erst im Alter von etwa 16 Jahren zu fällen.

Man gibt diesen Kindern unmittelbar vor Beginn oder bei Beginn der Pubertät pubertätsblockierende Mittel, um auf diese Weise Zeit zu gewinnen, bis das Kind älter geworden ist und selbst besser bei der Entscheidung über die weitere hormonelle Behandlung mitwirken kann. Der große Vorteil der Pubertätsblockade liegt darin, dass man den Kindern das Durchlaufen der körperlichen Pubertät erspart, die für sie im Allgemeinen, wie auch erwachsene Trans*menschen rückblickend sagen, äußerst belastend ist. Im Alter von 16 Jahren kann dann mit dem Jugendlichen und seinen Eltern diskutiert werden, ob mit der Behandlung mit gegengeschlechtlichen Hormonen begonnen werden soll.

3 Quellenangaben

Preuss, Wilhelm F., 2016. Geschlechtsdysphorie, Transidentität und Transsexualität im Kindes- und Jugendalter. München: E. Reinhardt Verlag. ISBN 978-3-497-02554-1 [Rezension bei socialnet]

Rauchfleisch, Udo, 2016. Transsexualität – Transidentität. Begutachtung, Begleitung, Therapie. 5. Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-46270-6 [Rezension bei socialnet]

Rauchfleisch, Udo, 2019. Transsexualismus – Genderdysphorie – Geschlechtsinkongruenz – Transidentität: Der schwierige Weg der Entpathologisierung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-40516-1

4 Informationen im Internet

Autor
Prof. emer. Dr. rer. nat. Udo Rauchfleisch
Dipl.-Psych., Psychoanalytiker (DPG, DGPT). Ehem. Leitender Psychologe Psychiatrische Universitätspoliklinik Basel. In privater psychotherapeutischer Praxis.
Mailformular

Es gibt 8 Lexikonartikel von Udo Rauchfleisch.


Zitiervorschlag
Rauchfleisch, Udo, 2019. Transidentität bei Kindern und Jugendlichen [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 15.04.2019 [Zugriff am: 27.06.2019]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/Transidentitaet-bei-Kindern-und-Jugendlichen

Urheberrecht
Dieser Lexikonartikel ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion des Lexikons für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.

Autor

Prof. emer. Dr. rer. nat. Udo Rauchfleisch
Mailformular

veröffentlicht am 15.04.2019

Legende

Link zu Lexikonartikel
Link zu Lexikonartikel in Arbeit
Sprung zu Quellenangaben und Literaturhinweisen

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!