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UNESCO-Projektschule

Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer

veröffentlicht am 02.11.2020

Weitere Schreibweisen: Associated Schools Project, UNESCO-Projekt-Schule, unesco-projekt-schule, UNESCO-Schule (Österreich), UNESCO-assoziierte Schule (Schweiz)

Website: aspnet.unesco.org

UNESCO-Projektschulen sind mit ihrem Schulprofil, den Leitbildern und ihrem Schulalltag den Zielen und Werten der UNESCO und der „Globalen Ethik“ (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948) verpflichtet. Sie sind weltweit vernetzt.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Einführung
  3. 3 Das UNESCO-Schulnetz
  4. 4 Erziehung und Frieden
  5. 5 Kinderrechte
  6. 6 Fazit
  7. 7 Quellenangaben
  8. 8 Literaturhinweise

1 Zusammenfassung

Das ASPnet, das von der UNESCO 1953 gegründete „Associated Schools Network“-Programm bringt weltweit Schulen und Bildungseinrichtungen mit dem Ziel zusammen, friedlich, gerecht und solidarisch zusammenzuleben. Die UNESCO-Projektschulen wollen mit ihrer schulischen und außerschulischen Arbeit dazu beitragen, dass sich lokal und global das Bewusstsein durchsetzt: Wir leben in Einer Welt! Sie kann nur entstehen und sich weiterentwickeln, wenn es gelingt, die humanen Werte Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit und Solidarität in die Köpfe und Herzen der Menschen zu bringen.

2 Einführung

„Wir, die Völker der Vereinten Nationen [sind] fest entschlossen,

  • künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren […],
  • unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen […] zu bekräftigen,
  • Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und die Achtung vor den Verpflichtungen aus Verträgen und anderen Quellen des Völkerrechts gewahrt werden können,
  • den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern“ (Vereinte Nationen 1945).

Diese Ziele werden in der „Charta der Vereinten Nationen“ vom 26. Juni 1945 formuliert. Um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren, um freundschaftliche, gleichberechtigte Beziehungen zwischen den Völkern zu ermöglichen und um internationale, wirtschaftliche, soziale, kulturelle und humanitäre Probleme dialogisch zu lösen, wurden von den Vereinten Nationen Hauptorgane (Generalversammlung, Sicherheitsrat, Wirtschafts- und Sozialrat, Treuhandrat, Internationaler Gerichtshof) und Sonderorganisationen eingerichtet; darunter auch die UNESCO, die „United Nations Edcuational, Scientific, and Cultural Organization“. In deren Verfassung vom 16. November 1945 kommt zum Ausdruck: „da Kriege im Geiste der Menschen entstehen, müssen auch die Bollwerke des Friedens im Geist errichtet werden“. Weil bei der Übersetzung des englischen Originaltextes ins Deutsche der Begriff „Bollwerk“ als zu martialisch erschien, wurde 2001 der Satz geändert. Seitdem heißt es: „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden“ (Deutsche UNESCO-Kommission 2001).

3 Das UNESCO-Schulnetz

Das Bewusstsein, der Wille und die Fähigkeit, dass die Menschheit in einer pluralistischen sich ständig weiter entwickelnden Welt lebt, muss nach Ansicht der UNESCO von Individuen ganz früh gelernt und erfahren werden: In der Familie, Vor- und Grundschule, in den weiterführenden und berufsbildenden Schulen, und im gesellschaftlichen Leben. Die Gründung des UNESCO-Schulnetzes 1953 traf schnell auf ein gesteigertes Interesse. Weltweit sind inzwischen 11.500 UNESCO-Projektschulen in 182 Ländern tätig. Auch in Deutschland wächst die Zahl ständig. Derzeit sind es rund 300 Schulen, die im Schulnetzwerk engagiert sind (Deutsche UNESCO-Kommission o.J.a). Die Schulen verankern in ihren Schulprofilen, Leitbildern und im Schulalltag die Ziele, wie sie sich in der „globalen Ethik“, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 und in den weiteren UNESCO-Zielen darstellen. Sie setzen sich damit für Frieden, Gerechtigkeit, Weltoffenheit, globale Ethik, Empathie und Solidarität ein und entwickeln Konzepte für Weltoffenheit, Global Citizenship und nachhaltige Entwicklung.

Bildungseinrichtungen, die als UNESCO-Projektschulen anerkannt und im internationalen Schulnetz mitarbeiten wollen, bewerben sich bei den jeweiligen LandeskoordinatorInnen und bei der Bundeskoordinierungsstelle, die bei der Deutschen UNESCO-Kommission in Bonn angesiedelt ist. Sie arbeiten zunächst informell im Schulnetz mit und durchlaufen mehrere Stufen. Die Anerkennung als UNESCO-Schulen erfolgt nach einem ca. vier- bis sechsjährigen Zertifizierungsprozess (Deutsche UNESCO-Kommission o.J.b).

Jede UPS entwickelt ein eigenes Profil und bildet eigene Schwerpunkte ihrer Mitarbeit im Schulnetzwerk. In regionalen und bundesweiten Konferenzen, Fachtagungen und Jahrestreffen tauschen die Schulen ihre Ergebnisse und Erfahrungen aus, verabreden und führen gemeinsame Projekte durch. Ziel ist es auch, dass die UPS lokal und global beispielhaft für Frieden in der Welt eintreten. Deshalb wurden die am Schulprogramm teilnehmenden Einrichtungen bis in die 1980er-Jahre hinein als „UNESCO-Modellschulen“ bezeichnet. Mit der Namensänderung als „UNESCO-Projektschule“ wird jedoch der Anspruch auf Innovation und exemplarische Bildung nicht aufgegeben, sondern eher intensiviert. Es sind die Bildungs- und Aufklärungsziele, wie sie sich als interkulturelles, globales, nachhaltiges, solidarisches und lebenslanges Lernen darstellen. Die Ziele der UNESCO, die von der Menschenrechts- bis hin zur Umwelterziehung reichen, den Herausforderungen der Migration, der Bildungs-, Güter-, Geschlechter-, Gesundheitsgerechtigkeit, der Bewahrung des Welterbes, der kulturellen Vielfalt, der Meinungs- und Pressefreiheit, gilt es in Lern- und Aufklärungsprozessen umzusetzen. Dazu sind Kooperationen mit den im Rahmen der UNESCO-Ziele institutionalisierten und informellen Einrichtungen und Projekten sinnvoll, wie z.B. dem „Deutschen Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit“ (DNK, DBR 2017), das Schülerinnen und Schülern ermöglicht, als Jugenddelegierte bei UN-Versammlungen und Konferenzen dabei zu sein und sich am Diskurs zu beteiligen; mit wissenschaftlichen Einrichtungen wie den UNESCO-Lehrstühlen an den Hochschulen, dem UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (Deutsches Nationalkomitee MAB), u.a. Projekten zusammenzuarbeiten. Die Berichte der Weltkommissionen dienen als curriculare Lern- und Innovationsanforderungen, etwa, wenn die Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ 1995 daran erinnert, dass die Menschheit vor der Herausforderung steht, „sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“ (Schöfthaler 1997).

4 Erziehung und Frieden

Als ein Grundlagenpapier für die Bildungs- und Erziehungsarbeit der UNESCO-Projektschulen gilt die von der 18. Generalkonferenz der UNESCO am 19. November 1974 herausgegebene „Empfehlung über die Erziehung zu internationaler Verständigung und Zusammenarbeit und zum Frieden in der Welt sowie die Erziehung zur Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten“ (kurz: Empfehlung zur „internationalen Erziehung“). Dort werden der Bildungs- und Erziehungsbegriff definiert: „Der Begriff ‚Erziehung‘ umfasst den Gesamtprozess des sozialen Lebens, innerhalb dessen Einzelpersonen und gesellschaftliche Gruppen es lernen, in ihrer eigenen Gesellschaft und im Rahmen der gesamten Weltgemeinschaft ihre Fähigkeiten und Einstellungen, ihr Können und ihr Wissen bewußt und bestmöglich zu entfalten“ (Deutsche UNESCO-Kommission 1974). Und es werden die folgenden Ziele formuliert:

  • Auf allen Bildungsebenen und in allen Bildungsformen sollen Verständnis und Achtung für alle Völker, ihre Kulturen, Zivilisationen, Werte und Lebensweisen gelehrt werden.
  • Es soll ein Bewusstsein für die wachsende gegenseitige Abhängigkeit zwischen den Völkern und Nationen der Welt geschaffen werden.
  • Es soll die Fähigkeit zur Kommunikation mit anderen vermittelt werden.
  • Es soll für internationale Zusammenarbeit und Solidarität geworben werden (ebd.).

Beim Internationalen UNESCO-Kongress über den Frieden im Denken der Menschen vom 26. Juni bis 1. Juli 1989 in Yamoussoukro in der westafrikanischen Elfenbeinküste haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine neue, umfassende Definition von „Frieden“ formuliert:

„Frieden heißt Ehrfurcht vor dem Leben.
Frieden ist das kostbarste Gut der Menschheit.
Frieden ist mehr als das Ende bewaffneter Auseinandersetzung.
Frieden ist eine ganz menschliche Verhaltensweise.
Frieden verkörpert eine tiefverwurzelte Bindung an die Prinzipien der Freiheit, der Gerechtigkeit, der Gleichheit und der Solidarität zwischen allen Menschen.
Frieden bedeutet auch eine harmonische Partnerschaft von Mensch und Umwelt“ (Deutsche UNESCO-Kommission 1992).

5 Kinderrechte

In der UN-Kinderkonvention „Übereinkommen über die Rechte des Kindes“ vom 20. November 1989 kommt zum Ausdruck, dass Kinder „umfassend auf ein individuelles Leben in der Gesellschaft vorbereitet und im Geist der in der Charta der Vereinten Nationen verkündeten Ideale und insbesondere im Geist des Friedens, der Würde, der Toleranz, der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität erzogen werden“ (BMFSFJ 2019) sollen, ihnen die humanen Lebens- und Daseinsrechte zuzugestehen und ihnen die Chance zur Entwicklung einer eigenen kulturellen Identität einzuräumen sind.

6 Fazit

Die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern auf den Gebieten der Erziehung, Wissenschaft und Kultur zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit, die Achtung vor Recht und Gerechtigkeit, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten, werden als Globale Ethik in der Charta der Vereinten Nationen postuliert (Deutsche UNESCO-Kommission 2001). An diesen Grundwerten orientieren sich auch die UNESCO-Projektschulen im Curriculum, im Schulleben und in ihren internationalen und interkulturellen Schulpartnerschaften.

7 Quellenangaben

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). 2019. Übereinkommen über die Rechte des Kindes: VN-Kinderrechtskonvention im Wortlaut mit Materialien [online]. Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 01.02.2019 [Zugriff am: 29.10.2020]. Verfügbar unter: https://www.bmfsfj.de/blob/jump/93140/​uebereinkommen-ueber-die-rechte-des-kindes-data.pdf

Deutsche UNESCO-Kommission, 1974. Empfehlung über Erziehung für internationale Verständigung, Zusammenarbeit und Frieden sowie Erziehung bezüglich der Menschenrechte und Grundfreiheiten [online]. Bonn: Deutsche UNESCO-Kommission e.V. [Zugriff am: 29.10.2020]. Verfügbar unter: https://www.unesco.de/media/1696

Deutsche UNESCO-Kommission, 1992. Internationale Verständigung, Menschenrechte und Frieden als Bildungsziel. Bonn: Deutsche UNESCO-Kommision. ISBN 978-3-927907-25-6

Deutsche UNESCO-Kommission, 2001. Verfassung der Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) [online]. Bonn: Deutsche UNESCO-Kommission e.V. [Zugriff am: 28.10.2020]. Verfügbar unter: https://www.unesco.de/mediathek/​dokumente/​verfassung-der-organisation-fuer-bildung-wissenschaft-und-kultur

Deutsche UNESCO-Kommission, [ohne Jahr]a. UNESCO-Projektschulen [online]. Bonn: Deutsche UNESCO-Kommission e.V. [Zugriff am: 28.10.2020]. Verfügbar unter: https://www.unesco.de/bildung/​unesco-projektschulen

Deutsche UNESCO-Kommission, [ohne Jahr]b. UNESCO-Projektschule werden [online]. Bonn: Deutsche UNESCO-Kommission e.V. [Zugriff am: 28.10.2020]. Verfügbar unter: https://www.unesco.de/bildung/​unesco-projektschulen/​unesco-projektschule-werden

Deutscher Bundesjugendring (DBR), 2017. Deutsches Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (DNK) [online]. Berlin: Deutscher Bundesjugendring, 25.05.2017 [Zugriff am: 29.10.2020]. Verfügbar unter: https://www.dbjr.de/artikel/​deutsches-nationalkomitee-fuer-internationale-jugendarbeit-dnk/

Schöfthaler, Traugott, 1997. Unsere kreative Vielfalt: Bericht der Weltkommission „Kultur und Entwicklung“. Bonn: Deutsche UNESCO-Kommission. ISBN 978-3-927907-62-1

Vereinte Nationen, 1945. Die Charta der Vereinten Nationen [online]. Bonn: UNRIC Verbindungsbüro in Deutschland [Zugriff am: 28.10.2020]. Verfügbar unter: https://unric.org/de/charta/

8 Literaturhinweise

Hüfner, Klaus, 2007. UNESCO und Menschenrechte. Berlin: Frank & Timme. ISBN 978-3-86596-066-5 [Rezension bei socialnet]

Nussbaum, Martha, 2020. Kosmopolitismus: Revision eines Ideals. Darmstadt: wbg Theiss. ISBN 978-3-8062-4058-0 [Rezension bei socialnet]

Schnurer, Jos, 2019. Aufruf zur Interkulturellen Bildung. In: Pädagogische Rundschau. 73(1), S. 65–74. ISSN 0030-9273

Schwarz, Jessica, 2014. Die Wiederentdeckung der Begegnung in der politischen Bildung: Globales Lernen am Beispiel internationaler Schulpartnerschaften. Hildesheim: Universitätsverlag Hildesheim. ISBN 978-3-934105-47-8

Autor
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Schnurer, Jos, 2020. UNESCO-Projektschule [online]. socialnet Lexikon. Bonn: socialnet, 02.11.2020 [Zugriff am: 25.11.2020]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/lexikon/UNESCO-Projektschule

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