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Verband alleinerziehender Mütter und Väter

Dr. Melanie Oehl

veröffentlicht am 08.06.2026

Abkürzung: VAMV

Amtlicher Name: Verband alleinerziehender Mütter und Väter - Bundesverband e.V., Amtsgericht Berlin (Charlottenburg), VR 22565

Website: www.vamv.de

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) ist seit 1967 Lobbyverband und aktive Interessenvertretung für Alleinerziehende in der Bundesrepublik Deutschland.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Geschichte und Bezeichnungen
  3. 3 Leitbild und Tätigkeit
  4. 4 Organisation
  5. 5 Quellenangaben

1 Zusammenfassung

Der VAMV wurde 1967 gegründet und hat sich seitdem zu einem bundesweit agierenden Interessenverband für alle Alleinerziehenden entwickelt. Heute ist der Verband mit knapp 3.000 Mitgliedern in 11 Bundesländern vertreten.

Der VAMV versteht sich als Lobbyverband und Selbsthilfeorganisation zugleich: Er vertritt die Interessen von Alleinerziehenden und ihren Kindern durch Öffentlichkeitsarbeit, Beratung und politische Stellungnahmen. Thematisch stehen die Abschaffung von Benachteiligungen gegenüber anderen Familienformen, Fragen der Existenzsicherung, des Unterhalts‑ und Steuerrechts sowie der Chancengleichheit für Kinder im Mittelpunkt.

Der Verband agiert konfessions‑ und parteiübergreifend und macht sich für eine offene und solidarische Gesellschaft stark.

2 Geschichte und Bezeichnungen

Im Jahr 1967 gründete Luise Schöffel, selbst ledige Mutter, den „Verband lediger Mütter“, um eine Neugestaltung des Nichtehelichen-Rechts und damit die rechtliche Gleichstellung von ehelichen und nicht ehelich geboren Kindern zu erreichen (VAMV Bundesverband 2017b, S. 14).

In einer Zeit, in der ledige Mütter und ihre Kinder gesellschaftliche Ächtung und Stigmatisierung erfuhren, prangerte sie mit ihrer Arbeit diese Ungerechtigkeiten und Ungleichbehandlungen an. Im Zusammenschluss mit anderen ledigen Müttern agierte sie bundesweit und erreichte eine Verbesserung der Sozialpolitik für Alleinerziehende, indem sie an den Europarat appellierte: Dieser mahnte den Bundesrat bereits 1968 an, auch ledigen Müttern Sozialhilfe zu gewähren (a.a.O., S. 16).

Im Zuge der Frauenbewegung der 1970er-Jahre öffnete sich der Verband unter der Bezeichnung „Verband alleinstehender Mütter“ auch geschiedenen und verwitweten Frauen und seit 1976 auch alleinstehenden Vätern. 1995 nahm der eingetragene Verein seinen heutigen Namen an: „Verband alleinerziehender Mütter und Väter“ (VAMV Bundesverband 2024a).

Die Forderungen von Luise Schöffel konnten durch die Lobbyarbeit sowie durch die Teilnahme des VAMV an politischer Beratung in großen Teilen verwirklicht werden:

  • Änderung der Bezeichnung „Unehelichenrecht“ in „Nichtehelichenrecht“ (Gesetz „über die rechtliche Stellung der nichtehelichen Kinder“, in Kraft getreten am 01.07.1970)
  • Umwandlung der Amtsvormundschaft für nicht verheiratete Mütter in eine Amtspflegschaft; 1970 (VAMV Bundesverband 2024a)
  • Unterhaltsvorschussleistung für alle Kinder, deren Väter nicht, unregelmäßig oder nicht den ganzen Unterhalt bezahlen (Einführung des UhVorschG 1980)
  • Prüfung und Neufestsetzung des Unterhaltssatzes alle zwei Jahre (§ 1605 BGB, Auskunftspflicht)
  • Muttergeld für die Dauer von drei Jahren (heute geregelt im BEEG, Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit)
  • Anerkennung der nichtehelichen Mutter mit ihrem Kind als „Familie“; teilweise erreicht über das Erste Gesetz zur Reform des Ehe‑ und Familienrechts, 1977 (VAMV Bundesverband 2017a, S. 17 ff.)

3 Leitbild und Tätigkeit

Nach wie vor vertritt der VAMV die Interessen von Alleinerziehenden und ihren Kindern und „nimmt durch Beratung und Stellungnahmen auf Politik und Gesetzgebung Einfluss“ (VAMV Bundesverband 2024b). Durch seine Vernetzung in Gesellschaft und Politik sowie durch das Einbringen von Erfahrungswerten aus der Gemeinschaft der Alleinerziehenden trägt der VAMV zu einer Sensibilisierung für die Bedarfe und Bedürfnisse von Alleinerziehenden bei. Im Kern beziehen sich dabei alle Themen auf die Abschaffung von Ungleichheiten zwischen Kindern aus verschiedenen Familienformen:

  • Anerkennung von Alleinerziehenden und ihren Kindern als gleichberechtigte Familienform
  • Existenzsicherung für Alleinerziehende durch gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt
  • passgenaue Sozialleistungen
  • Chancengleichheit und Grundsicherung für Kinder unabhängig von der Lebensform, in der sie aufwachsen
  • Anpassung des Unterhaltsrechts
  • Steuergerechtigkeit für Alleinerziehende.

Der VAMV tritt für „eine offene und solidarische Gesellschaft ein, in der Menschenrechte unteilbar sowie vielfältige und selbstbestimmte Lebensentwürfe selbstverständlich sind“ (VAMV Bundesverband 2024b).

4 Organisation

Der VAMV ist als eingetragener Verein bundesweit mit knapp 3.000 Mitgliedern aktiv. Er setzt sich aus haupt‑ und ehrenamtlich wirkenden Mitgliedern zusammen, die sich regional in Landesverbänden, Ortsverbänden und Kontaktstellen organisieren. Der Bundesverband führt die Arbeit aller Landesverbände zusammen. Der VAMV sieht sich als Selbsthilfeverband, der Alleinerziehende ermutigt und dazu befähigt, für ihre Rechte einzustehen.

Neben der politischen Lobbyarbeit bietet er Alleinerziehenden vielfältige Möglichkeiten der Beteiligung, etwa in Freizeittreffs, bei Vorträgen, über Ferienbetreuung sowie bei Stammtischen. In den jeweiligen Bundesländern wird zudem die Beteiligung der Mitglieder in Verbandsgremien wie dem Jugendhilfeausschuss oder dem Landesfrauenbeirat ermöglicht.

Der Verband wird durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. In Rheinland-Pfalz ist der VAMV darüber hinaus in die institutionelle Regelförderung des Landes eingebunden.

Für Alleinerziehende und Multiplikator:innen stellt der Bundesverband eine Vielzahl von Informationsbroschüren bereit (VAMV Bundesverband 2024c). In Rheinland-Pfalz bietet der VAMV Landesverband darüber hinaus eine landesweite Online-Beratung an (VAMV Landesverband Rheinland-Pfalz 2026).

5 Quellenangaben

Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V., Hrsg., 2017a. Dokumentation 2017: Alleinerziehend früher, heute und morgen [online]. Erfolge, Herausforderungen und Handlungsbedarfe. Berlin: Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V., 10.06.2017 [Zugriff am: 30.04.2026]. Verfügbar unter: https://vamvbund6206-live-fba4c9d0ad78466689ef4-04c8878.divio-media.com/filer_public/af/0d/af0d2a10-0360-49d2-9450-ee7b2e69ae8e/​vamv_doku_2017_web.pdf

Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V., Hrsg., 2017b. 50 Jahre Verband Alleinerziehender Mütter und Väter [online]. 1967–2017 Chronik. Berlin: Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V. [Zugriff am: 30.04.2026]. Verfügbar unter: https://vamvbund6206-live-fba4c9d0ad78466689ef4-04c8878.divio-media.com/filer_public/c7/8c/c78c351f-9e21-4bf3-ac41-10771c48b378/​vamv-chronik_1967-2017.pdf

Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V., Hrsg., 2024a. Geschichte [online]. Berlin: Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V. [Zugriff am: 30.04.2026]. Verfügbar unter: https://vamv.de/de/vamv/geschichte/

Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V., Hrsg., 2024b. Leitbild [online]. Berlin: Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V., [Zugriff am: 30.04.2026]. Verfügbar unter: https://vamv.de/de/vamv/leitbild/

Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V., Hrsg., 2024c. Publikationen [online]. Berlin: Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V. [Zugriff am: 30.04.2026]. Verfügbar unter: https://vamv.de/de/service/​publikationen/

Verband Alleinerziehender Mütter und Väter, Landesverband Rheinland-Pfalz e.V., Hrsg., 2026. Online-Beratung [online]. Mainz: Verband Alleinerziehender Mütter und Väter, Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. [Zugriff am: 30.04.2026]. Verfügbar unter: https://vamv-rlp.assisto.online/

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