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Wirkungsforschung

Sebastian Ottmann

veröffentlicht am 30.09.2025

Wirkungsforschung in der Sozialen Arbeit hat zum Ziel, allgemeingültige Aussagen über die Wirkung einzelner Maßnahmen und auf deren Basis über die Wirksamkeit von Angeboten in der Sozialen Arbeit insgesamt zu generieren.

Überblick

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Metaanalysen
  3. 3 Wissenskorpus aufbauen
  4. 4 Quellenangaben

1 Zusammenfassung

Wirkungsforschung in der Sozialen Arbeit untersucht, ob bestimmte Angebote und Hilfen eine Wirkung bei der Zielgruppe erzielen. Hierbei nimmt sie einen generalisierten Blick ein und macht allgemeingültige Aussagen über die Wirksamkeit von Angeboten und Hilfen. Zugrunde liegen ihr einzelne Wirkungsanalysen, die sich auf konkrete Angebote bestimmter Träger beziehen. Ergebnisse aus Wirkungsanalysen können dann in die Wirkungsforschung einfließen. In beiden Bereichen werden die gleichen Methoden eingesetzt. Häufig wird in der Wirkungsforschung versucht, sog. Vergleichs- oder Kontrollgruppendesigns zu realisieren (Ottmann und König 2023, S. 119 ff.), um die Wirkung der Angebote und Hilfen tatsächlich im kausalen, ursächlichen Sinne nachweisen zu können. Oft wird auch mit Metaanalysen gearbeitet. Neben dem Nachweis von Wirkungen wird im Rahmen der Wirkungsforschung untersucht, welche Wirkfaktoren es gibt, die die Erzielung von Wirkungen besonders beeinflussen.

Darüber hinaus sieht Wirkungsforschung ihre Verantwortung immer auch in der Entwicklung von neuen empirischen Methoden, die im Rahmen von Wirkungsanalysen und bei der Durchführung von empirischen Untersuchungen im Bereich der Wirkungsforschung und Wirkungsanalyse eingesetzt werden können.

2 Metaanalysen

Um allgemeingültige Aussagen über die Wirksamkeit von Angeboten in der Sozialen Arbeit zu erhalten, sollten vor allem Metaanalysen bzw. Metastudien durchgeführt werden. „Eine Metaanalyse fasst im Sinne der Forschungssynthese (‚research synthesis‘) die Ergebnisse einzelner empirischer Untersuchungen zusammen“ (Döring 2023, S. 874). Damit beruhen Metaanalysen auf bereits vorliegenden Erkenntnissen und Ergebnissen aus Wirkungsanalysen. Daher stellt diese Analyseform auch die höchste Stufe der Evidenzhierarchie (Levels of Evidence nach McNeece und Thyer 2004) dar.

Durch die Aggregierung dieser Ergebnisse im Rahmen einer Metaanalyse kann überprüft werden, ob die Studien zu ähnlichen Ergebnissen kommen oder ob sich die Ergebnisse unterscheiden und welche Faktoren dafür dann ursächlich sein können. Durch dieses Vorgehen können Metaanalysen im Idealfall zu allgemeingültigen Aussagen über die Wirksamkeit von Angeboten und Hilfen in der Sozialen Arbeit führen, die über die Untersuchung von einzelnen Angeboten von bestimmten Leistungserbringern, hinausgehen.

Bei der Umsetzung von Metaanalysen können verschiedene Formen unterschieden werden (Ressing, Blettner und Klug 2009). Die häufigste Form ist die Durchführung einer Metaanalyse auf der Basis bereits publizierter Daten und Ergebnisse. Dem gegenüber können aber Metaanalysen auch prospektiv geplant werden, wie also Einzelstudien durchgeführt werden (z.B. Abstimmung der Forschungsmethode und des Erhebungsinstrumentes) und wie dann die Zusammenführung der einzelnen Ergebnisse zu einer Metaanalyse erfolgt. Eine solche prospektiv geplante Metaanalyse erscheint vor allem in Arbeitsbereichen der Sozialen Arbeit sinnvoll, in denen bisher nur sehr wenig Wirkungsanalysen durchgeführt wurden.

3 Wissenskorpus aufbauen

Mit den Ergebnissen aus der Wirkungsforschung kann langfristig ein Wissenskorpus für Praxis und Theorie der Sozialen Arbeit aufgebaut werden (Ottmann, Chilla und John 2025). Ein solcher Wissenskorpus ist die Grundlage, um dateninformiert begründet entscheiden zu können, welche Hilfe oder welches Angebot für einen bestimmten Personenkreis oder eine leistungsberechtigte Person die optimale Wirkung erzielen und damit am besten geeignet erscheint. Daraus ergibt sich zum einen ein Mehrwert für die fachliche Arbeit (z.B. im Rahmen der fachlichen Fallsteuerung), zum anderen kann durch einen solchen Wissenskorpus aber auch die Datengrundlage für fachspezifische KI-Anwendungen gelegt werden (Ottmann 2025; Ottmann et al. 2024). Gibt es in der Medizin mit der Cochrane Library eine solche allgemeine Wissensdatenbank, so wurde eine solche für die Soziale Arbeit bisher nicht umgesetzt. Lediglich im Bereich von Präventionsangeboten liegt mit der Grünen Liste Prävention ein Angebot vor, in dem diejenigen Präventionsangebote aufgeführt werden, deren Wirksamkeit inzwischen nachgewiesen wurde.

4 Quellenangaben

Döring, Nicola, 2023. Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften. 6. Auflage. Berlin: Springer. ISBN 978-3-662-64761-5

McNeece, C. Aaron und Bruce A. Thyer, 2004. Evidence-Based Practice and Social Work. In: Journal of Evidence-Based Social Work. 1(1), S. 7–25. ISSN 1543-3714. doi:10.1300/J394v01n01_02

Ottmann, Sebastian, 2025. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Wirkungsorientierung in der Sozialen Arbeit. In: Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit. 55(3), S. 44–52. ISSN 0340-3564

Ottmann, Sebastian und Joachim König, 2023. Wirkungsorientierung in der Sozialen Arbeit: Eine Einführung für Studium und Praxis. Stuttgart: Kohlhammer. ISBN 978-3-17-035204-9

Ottmann, Sebastian, Monika Chilla und Dennis John, 2025. Wissen schaffen durch Wirkungsorientierung. In: Blätter der Wohlfahrtspflege [online]. 172(4), S. 141–144 [Zugriff am: 26.09.2025]. ISSN 0340-8574. doi:10.5771/0340-8574-2025-4-141

Ottmann, Sebastian, Ann-Kathrin Helten, Robert Lehmann und Dennis John, 2024. Gute KI-Lösungen benötigen gute Daten. In: Zeitschrift für Sozialmanagement. 22(2), S. 49–55. ISSN 1612-8389

Ressing, Meike, Maria Blettner und Stefanie J. Klug, 2009. Systematic Literature Reviews and Meta-Analyses. In: Deutsches Ärzteblatt international [online]. 106(27), S. 456–63 [Zugriff am: 26.09.2025]. ISSN 1866-0452. doi:10.3238/arztebl.2009.0456

Verfasst von
Sebastian Ottmann
M.A.
Evangelische Hochschule Nürnberg
Leitung Kompetenzzentrum Wirkungsorientierung in der Sozialen Arbeit
Wiss. Mitarbeiter am Institut für Praxisforschung und Evaluation

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Ute Fischer, Thomas Loer: Deutungsmuster und Habitus rekonstruieren. Springer VS (Wiesbaden) 2025.
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