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socialnet Lexikon [Work in Progress]

Editorial im socialnet Newsletter: Lexikon? Lexikon. Lexikon!

18.07.2015    Christian Koch Kommentare (0)

Lexikon?

Braucht man heutzutage überhaupt noch ein Lexikon? Oder haben Suchmaschinen den Zugang zu Wissen so verändert, dass eine systematische Anordnung von Begriffsklärungen einen Anachronismus darstellt, ein Sinnbild für die Unfähigkeit, vernetzt zu denken.

Mal ehrlich: die übliche systematische Anordnung lexikalischen Wissens ist die alphabetische. Diese hat aber nur bei Printprodukten einen Sinn, weil die LeserIn nur über diese universelle und weitgehend eindeutige Anordnung die Beiträge auffinden kann. Bei der Einordnung von Umlauten, Sonderzeichen oder gar der Transkription anderer Alphabete zeigen sich selbst bei diesem vermeintlich trivialen System ungeahnte Schwierigkeiten. Heutzutage findet geistige Arbeit zum weit überwiegenden Teil am Computer statt. Für die Suche am Bildschirm ist eine alphabetische Wissenssammlung bedeutungslos.

Während viele Lexikonbeiträge mehr oder weniger gut gegliedert und bebildert einen eher drögen, auf die Sicht eines einzelnen Autors beschränkten, linearen Zugang zu dem Begriff bieten, ermöglicht die Trefferliste einer guten Suchmaschine zahlreiche Zugänge, z.B. über gefundene Fachbeiträge, Institutionen, Bilder, Videos, aktuelle Nachrichten und häufig auch Wikipedia.

Gedruckte Lexika haben offensichtlich zahlreiche Nachteile, z.B.

  • praktisch keine Fehlerkorrektur bis zur nächsten Auflage
  • aufwendige Aktualisierung, nur zu festen Terminen
  • begrenzte Anzahl von Begriffen
  • stark begrenzter Platz je Begriff
  • Querverweise erfordern aufwendiges Hin und Her blättern
  • die Aufnahme von Bildern und Farbe führt zu höheren Kosten
  • andere Medien, insbesondere Audio, Video und Animationen sind ausgeschlossen
  • keine Kommentierung durch LeserInnen möglich
  • aus Zeit- und Kostengründen in der Regel kein Reviewverfahren
  • durch die Kosten begrenzte redaktionelle Kontrolle, insbesondere keine Berücksichtigung von Feedback zwischen zwei Auflagen möglich
  • keine Verlinkung mit weiteren Informationen oder Quellennachweisen.

Konsequenterweise wurde der Druck der großen Universallexika schon vor Jahren eingestellt. So erschien die Encyclopædia Britannica 2010 zum letzten Mal in einer gedruckten Fassung und wird nur noch online angeboten. Die letzte Fassung der Brockhaus Enzyklopädie erschien bereits 2005 und wird online nicht mehr fortgeführt. Auch spezielle Fachlexika gehen den gleichen Weg: die Druckausgaben wurden oder werden eingestellt und gelegentlich wird der Sprung in die Online-Welt versucht.

Gedruckte Lexika eignen sich bestenfalls noch für Kunstprojekte, wie die Ausstellung einer gedruckten englischsprachigen Teilausgabe von Wikipedia durch den Künstler Michael Mandiberg in der Denny Gallery, NYC, unter dem Titel "From Aaaaa! to ZZZap!" zeigt.

Lexikon.

Noch gibt es auf dem Markt gedruckte Lexika. Dies schlägt sich z.B. bei den socialnet Rezensionen in 45 Besprechungen von Lexika im Zeitraum vom 1. Oktober 2000 (Stimmer/Andreas-Siller: Suchtlexikon) bis zum 18. Juni 2014 (Grunwald/Horcher/Maelicke Hrsg.: Lexikon der Sozialwirtschaft) nieder.

Und andererseits erfreut sich Wikipedia höchster Beliebtheit. Wäre der Begriff nicht zu sperrig, könnte wikipedieren schon längst ein Synonym für "im Lexikon nachschlagen" sein, so wie "googeln" im Deutschen für die Nutzung einer Suchmaschine steht.

Während Wikipedia den Bedarf nach schneller Klärung und weiterführenden Links kostenlos befriedigt, bieten die gedruckten Lexika zitierfähige Quellen. Sie haben eine Vorsprung bei der Qualitätssicherung durch eine - zumindest in der Regel - sorgfältige redaktionelle Kontrolle aller Beiträge, die wiederum auf namentlich benannte AutorInnen zurückzuführen sind.

Über die Jahre könnte man den Eindruck gewinnen, dass sich die beiden Modelle aufeinander zu bewegen. Wikipedia experimentiert mit Qualitätssicherungsmaßnahmen, z.B. vorübergehend festgeschriebenen Versionen eines Artikels. Und die Druckwerke werden teilweise kostenlos im Netz angeboten - z.B. das sehr umfassende psychologische Lexikon von Dorsch, wobei allerdings nur wenige Stichworte je Besuch der Seite kostenlos einsehbar sind - und passen sich vereinzelt in der Qualität nach unten an, indem an den Kosten von Lektorat und Korrektorat gespart wird.

Nachteil der gedruckten Lexika ist zudem, dass  sie - alleine aus Platz- und Kostengründen - immer nur einen mehr oder weniger umfassenden Ausschnitt aus dem Sozial- und Gesundheitswesen abdecken, z.B. Schulsozialarbeit oder Sozialmanagement.

Lexikon!

Schon 2009 wurde bei socialnet ausführlich die Idee eines sozialen Online-Lexikons diskutiert. Einerseits liegt der Vorteil des Mediums Internet für ein Lexikon auf der Hand. Andererseits gibt es schon etablierte Print-Produkte und mit höchstmöglicher Bekanntheit und Verbreitung Wikipedia. Vor dem erheblichen Aufwand zurückschreckend haben wir erst einmal die bestehenden Angebote, wie Rezensionen und ErzieherIn.de ausgebaut und das Erscheinungsbild unserer Portale modernisiert.

Auf unserer jährlichen Strategietagung Anfang März diesen Jahres kam das Lexikon wieder auf die Tagesordnung. Und diesmal haben wir uns entschieden, in den nächsten Jahren ein socialnet Lexikon aufzubauen. An dem Prozess der Konzeptentwicklung und der Erstellung des Lexikons möchten wir Sie - unsere LeserInnen - gerne beteiligen.

Als Anspruch an das Lexikon haben wir formuliert

  • eine große thematische Vielfalt zielt auf eine weitgehende Abdeckung aller relevanter Gebiete des Sozial -und Gesundheitswesens ab
  • Qualitätssicherung soll anfangs durch eine redaktionelle Betreuung und später durch ein Peer-Review-Verfahren (bei den Hauptartikeln) sowie Fehlerhinweise und Kommentare aus der socialnet Community erfolgen
  • im Unterschied zu Printmedien werden Aktualisierungen zeitnah umgesetzt
  • alle veröffentlichten Artikel werden periodisch überarbeitet
  • bei allen Beiträgen sind die AutorInnen eindeutig identifizierbar
  • die Beiträge sind zitierfähig und eindeutig identifizierbar durch Versionierung
  • die Lexikonartikel werden mit den vielfältigen weiteren socialnet Angeboten intensiv verlinkt z.B. Newsletter, Materialien, Rezensionen, Branchenbuch, Stellenmarkt, Fachportale
  • die Lexikonbeiträge verweisen systematisch auf weiterführende Artikel des Lexikons
  • kurze, prägnante Artikel bieten einen ersten Einstieg in die jeweilige Begrifflichkeit, Hauptartikel liefern einen Überblick über ein komplexeres Themengebiet
  • Verlinkungen zu weiterführenden Quellen und Materialien unterschiedlichster Art erleichtern darüber hinaus den Einstieg in eine weiterführende Recherche
  • alle Beiträge sind kostenfrei langfristig verfügbar.

Wir wissen, dass wir uns viel vorgenommen haben. Aber wir gehen die Aufgabe mit großer Begeisterung an und sind uns sicher, dass wir bei unserem Vorhaben viel Unterstützung durch Sie erfahren werden.

Wir werden Sie im socialnet Newsletter über die weiteren Schritte zum Aufbau des socialnet Lexikons informieren.

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