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Keine Intelligenz (KI)

18.07.2026    Christian Koch

Immer mehr Kommunikation, vom Kunden-Callcenter über das Recruiting bis zur Therapiesoftware für an Depression erkrankte Menschen, wird von KI gesteuert. KI fasst lange Texte zusammen oder sucht für uns im Internet und bereitet die Suchergebnisse prägnant auf. Braucht es da noch von Menschen geschriebene Lexikonartikel, Rezensionen oder Aufsätze?

Was kann KI (nicht) leisten?

Intelligenz ist eine menschliche Eigenschaft, die auf Erinnerung, Begreifen, weiteren Sinneswahrnehmungen und Emotionen beruht. Logisches Denken, Bildung von Kategorien und Übertragung von Erfahrungen auf neue Situationen sind weitere Elemente. (Emotionale) Intelligenz ermöglicht uns Menschen ein schlüssig konstruiertes Weltbild, das für Vorhersagen tauglich ist und unserem Handeln zugrunde gelegt werden kann. Letzteres tun wir zwar nicht immer, aber Intelligenz ist schließlich nicht die einzige menschliche Eigenschaft.

Aktuelle Produkte, die sich mit dem Etikett „Künstliche Intelligenz“ schmücken, simulieren in mehr oder weniger eng begrenzten Bereichen Intelligenz und zunehmend auch Emotionen. So ermitteln z.B. LLMs (Large Language Models) die Wahrscheinlichkeiten, mit der Wörter in einem Text aufeinanderfolgen. Auf „Methoden der Sozialen Arbeit“ folgen mit größerer Wahrscheinlichkeit „Einzelfallarbeit“, „Soziale Gruppenarbeit“ und „Gemeinwesenarbeit“ als z.B. „Halbzeit“, „Tor“ und „Schiedsrichter“.

Während aktuelle KI-Systeme mittlerweile so konstruiert werden, dass sie Recherchen mehrstufig planen und schlussfolgern können, bleiben ihnen Ironie, Sarkasmus und Wortspielereien (noch) verschlossen. Und selbst wenn sie diese produzieren könnten, so würden ihnen die dahinterliegenden Emotionen fehlen, sowohl beim Lesen von Texten während des Trainings als auch beim Produzieren von Texten.

Da KI über kein Verständnis verfügt, kann es zu Halluzinationen führen – selbst „passende“ Quellen können dazu erfunden werden. Alle KI‑Leistungen – von einfachen Begriffsklärungen über medizinische Befundungen bis zum Programmcode – sollten daher von Menschen überprüft werden. Bei einfachen Anfragen genügt ein Blick in die angegebenen Quellen, bei komplexeren Leistungen bedarf es erfahrener Expert:innen.

Welchen Mehrwert bietet das socialnet Lexikon? 

Wir benötigen weiterhin ein socialnet Lexikon, das bereits jetzt auf der Erfahrung von 800 Expert:innen beruht. KI braucht qualifizierte, von Menschen geschriebene Texte, um im Training mit einem „Basiswissen“ versorgt zu werden oder im Rahmen einer Websuche auswertbares Material zu bekommen. Vor allem aber benötigen Menschen qualifizierte, durch Quellen belegte Texte, mit denen sie sich kritisch auseinandersetzen können, um selbst ein profundes Wissen und differenzierte Betrachtungsweisen entwickeln zu können.

Lexikonartikel haben bei socialnet den Anspruch, einen Begriff aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, ihn in seiner zeitlichen Entwicklung darzustellen und kritisch zu behandeln. Durch den Zugriff auf einen ausführlichen Quellenapparat lassen sich Aussagen überprüfen und es wird eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglicht.

Trotz der „Neutralität“ eines Lexikonartikels, der sich auf Tatsachen stützt und unterschiedliche Positionen zu einem Thema darstellt, sind auch immer die Autor:innen sichtbar, die durch ihre Schwerpunktsetzungen und ihren sprachlichen Stil dem Beitrag einen individuellen Charakter geben.

Ein guter Artikel im socialnet Lexikon bietet am Anfang eine Definition, die auch eine KI nicht knapper und präziser hätte formulieren können. Häufig erlaubt eine Zusammenfassung, sich einen schnellen Überblick über das Themenfeld zu verschaffen. Das Inhaltsverzeichnis bietet sich für die gezielte Vertiefung von Teilaspekten an. Der Quellenapparat ist deutlich ausführlicher als bei jeder KI-Antwort. Verlinkungen im Artikel und unter dem Beitrag ermöglichen es, mit einem Klick den Fokus auf einen anderen Begriff zu legen.

Als Mehrwert bietet das Lexikon

  • von den Autor:innen verbürgte wissenschaftliche Qualität der Aussagen
  • redaktionelle Prüfung und Bearbeitung (Fachlektorat)
  • strukturierte Aufbereitung und Einbettung in ein Begriffsnetzwerk
  • kostenfreier Zugang.

Und nicht zuletzt ist der Ressourcenverbrauch einer statischen Webseite um Größenordnungen niedriger als einer KI-Anwendung.

Bequemlichkeit siegt?

Warum noch in ein Lexikon schauen, wenn die persönliche digitale Assistent:in alle Fragen direkt beantwortet? Tatsächlich gehen bei vielen Webseiten die Zugriffszahlen durch Menschen zurück – und die Zugriffszahlen durch Crawler, die die Seiten für Suchmaschinen und KI-Systeme lesen, nehmen zu.

Beim socialnet Lexikon hat sich die Zahl Besuche (visits) im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat gut vervierfacht, und dies unter Ausschluss von Crawlern, soweit diese identifizierbar sind.

Und der ebenfalls zu beobachtende intensive Zugriff durch Crawler der KI-Anbieter bedeutet letztlich, dass die Inhalte des Lexikons in KI-Antworten einfließen. Soweit das Lexikon als Quelle benannt wird, führt die KI dem Lexikon neue Nutzer:innen zu.

Wir erwarten, dass die Zugriffszahlen durch Gelegenheitsnutzer:innen, die bisher über Suchmaschinen kamen, zurückgehen werden. Die Ablösung von Trefferlisten in der Suchmaschine durch ausformulierte KI-Antworten wird dazu führen, dass zwar Inhalte des Lexikons rezipiert werden, aber die Personen nicht mehr auf den Seiten des Lexikons landen, ggf. nicht einmal die Herkunft der Information erkennen können.

Andererseits beobachten wir, dass zunehmend Besucher:innen über KI-Chatbots auf unsere Seiten kommen. Wer seriös recherchiert, wirft einen Blick in die Quellen, unter denen das socialnet Lexikon oft vertreten ist.

Wer künftig noch von Lexikonartikeln profitiert:

  1. KI wird mit Inhalten des Lexikons trainiert oder wertet Lexikonseiten für Antworten aus
  2. Besucher:innen unserer Seiten, die bei Suchmaschinen oder KI auf socialnet als Quelle stoßen und der Verlinkung folgen
  3. Besucher:innen, die wissenschaftlich arbeiten (lernen), also Studierende und Forschende, und gezielt zitierfähige Quellen mit wissenschaftlichem Anspruch aufsuchen
  4. eine erweiterte Stammleserschaft von socialnet, d.h. engagierte Fach- und Führungskräfte im Sozial- und Gesundheitswesen, die auf seriöse Quellen Wert legen
  5. die Autor:innen, weil sie sich strukturiert und vertiefend mit einem Begriff befassen (und von einem Fachpublikum als Expert:innen zu dem Thema wahrgenommen werden).

Fazit

KI beutet die Inhalte des socialnet Lexikons schamlos aus, bisher ohne uns an den Erträgen zu beteiligen. Dadurch geht – vorwiegend eine oberflächliche – Leserschaft verloren. Die übrigen Personen umfassen insbesondere engagierte Praktiker:innen, Lernende und Forschende. Und für dieses Zielpublikum arbeiten wir gerne weiter am Ausbau des socialnet Lexikons.

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