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Versicherungsschutz für gemeinnützige Organisationen

Welche Versicherungen braucht Ihre Einrichtung?

Rüdiger Bexte

veröffentlicht am 17.09.2011

Zusammenfassung
Wie kommt man zu den richtigen Entscheidungen bei der Wahl des Versicherungsschutzes? Der Artikel bietet eine Palette von Hinweisen, wie gemeinnützige Organisationen ihre Risiken hinreichend erkennen und entsprechend versichern können.

Versicherungsschutz für gemeinnützige Organisationen – Welche Versicherungen braucht Ihre Einrichtung?

Für Entscheider in streng nach kaufmännischen Gesichtspunkten geführten Einrichtungen wie auch in Non-Profit-Organisationen (NPO) stellt sich grundlegend die gleiche Frage: Welcher Versicherungsschutz soll für welche Risiken vorgesehen werden? Dabei gilt es zunächst herauszufinden: Welche Risiken gibt es überhaupt im Unternehmen oder in der Einrichtung, welche gelten dabei in welcher Reihenfolge als bedrohlich, ggf. versicherbar und dann auch sinnvoll zu versichern?

Die allgemein in Organisationen für eine Geschäftsführung oder -leitung zu beschreibenden Risikoszenarien stehen auch in der Bewertung von z.B. Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern oder Bankern, manchmal sogar von ausgebildeten Risiko-Managern. Dagegen bleibt das eigene Versicherungsportfolio in NPO möglicherweise ungeprüft der Aufsicht von Funktionsträgern überlassen, deren Augenmerk meist anderen, nämlich deren Hauptaufgaben zugewandt ist. Versicherungsschutz wird vielleicht aufgehängt im Rechnungswesen oder Einkauf und bleibt u.U. hinter dem Wachstum der Einrichtung unangepasst an die zwischenzeitlichen Entwicklungen zurück. Oft gerät der fehlende, schlichtweg falsche Versicherungsschutz so aus dem Augenmerk und zur Haftungsfalle der nach außen verantwortlichen Organe und der Geschäftsführung bzw. Geschäftsleitung. Anders ausgedrückt können auf diesem Weg (schleichend) existenzbedrohliche Risiken für die Organisation ausgelöst werden.

Letztendlich stellt sich damit der Organisation irgendwann pragmatisch die Frage nach dem richtigen, den aktuellen Entwicklungen angepasstem Versicherungsschutz. Antwort geben kann natürlich im Zweifelsfall der Berater (Makler, Versicherer oder reiner Honorarexperte), der sich mit dem Kunden in einer Analyse dem Versicherungsbedarf annähert. Der Berater muss letztendlich auch „gerade stehen“ für seine Empfehlungen, mit anderen Worten: er muss dafür haften.

Im Idealfall findet aber bereits vor einer Beraterbefragung eine Reflexion über eine sinnvolle Gewichtung beim Einkauf der Versicherungssparten statt. Dabei gilt der Grundsatz, dass zunächst die Beschreibung der eigenen Aktivitäten und der in einer Einrichtung realisierten Sachverhalte zur Abwägung im beschriebenen Sinne notwendig ist.

An erster Stelle kann ein zivilrechtlicher Schadensersatz aus der Teilnahme am Wirtschaftsleben eine sehr große wirtschaftliche Belastung annehmen. Fremden Dritte zugefügte Personen-, Sach- oder Vermögensschäden bedeuten unversichert u.U. bereits für sich betrachtet das wirtschaftliche Ende der Einrichtung. Fahrlässigkeit bei der Verrichtung dienstlicher Tätigkeiten, bei ambulanter Pflege bis hin zum Auftritt als Reiseveranstalter für betreute Pflegedienste, in der Heimpflege, bei der Durchführung von Notfallhilfe im Rettungsdienst genauso wie bei der Beachtung von Verkehrssicherungspflichten (Räum- und Streupflichten des Hausmeisters) können nennenswerte Personen- oder Sachschäden nach sich ziehen. Aus z.B. einer fehlerhaften Schuldnerberatung oder einer nachlässigen Betreuung erwachsen möglicherweise Haftungspotentiale für reine Vermögensschäden, ein verfristeter Abruf von externen Zuschüssen kann zudem als Eigenschaden das Unternehmen belasten.

Hier hilft ein ggf. kombinierter, speziell zugeschnittener Betriebshaftpflichtversicherungsschutz für Personen-, Sach- und Vermögensschäden aus dem operativen Geschäft, ergänzt durch eine spezielle Vermögensschadenshaftpflichtversicherung für Organe und Leitende einer Einrichtung, die Dritten gegenüber oder der Einrichtung selber einer strengen persönlichen Schadensersatzpflicht unterliegen können. Entlastungen bringen spezielle Managerhaftpflichtversicherungen (sogenannte director´s and liability insurance „D&O“-Vermögensschadenshaftpflichtversicherungen), die Schäden wegen mangelnder Sorgfalt im Zusammenhang mit Organisation, Auswahl und Überwachung z.B. bei der Personalauswahl, im Einkaufsverhalten oder bei der Beachtung steuerlicher Vorschriften abfedern helfen.

Alle Haftpflichtprodukte sehen dabei im Rahmen des vereinbarten Versicherungsvertrages entweder die Erfüllung berechtigter Schadensersatzansprüche oder die Zurückweisung unberechtigter Schadensersatzansprüche vor.

Versicherungsschutz für Vermögensschäden kann darüber hinaus bis zur Abdeckung von Vorsatztaten oder wissentlichen Pflichtverletzungen aufgebaut werden. Tatsächlich gelingt deren Unterscheidung aber oftmals nur der nachgelagerten Rechtsprechung, was an dieser Stelle die Frage nach dem richtigen Versicherungsschutz nicht erleichtert.

Spezielle Strafrechtsschutzprodukte helfen nicht nur dem Manager ggf. den richtigen Strafverteidiger mit der entsprechenden, oft von der Gebührenordnung abweichenden Honorarvorstellung zu finden. Insbesondere alle Mitarbeiter (egal ob haupt- oder ehrenamtlich), die Dienstleistungen in der Pflege oder bei der Behandlung von Menschen erbringen, stehen im Visier staatsanwaltlicher Ermittlungen, soweit z.B. fahrlässige Körperverletzungen zum Vorwurf gelangen (Verbrühung des zu Pflegenden beim Duschen). Ermittlungen können mit einem hohen Kostenrisiko gleichzeitig gegen mehrere Personen geführt werden, die alle einen jeweils eigenen Strafverteidiger benötigen. Man beachte dabei auch den möglichen Imageschaden mit ggf.nachfolgenden Einnahmeverlusten aus z.B. Spenden- oder Umsatzrückgang bei unzureichenden Verteidigungsanstrengungen!

Von der prinzipiell in unbegrenzter Höhe möglichen zivilrechtlichen Schadensersatzpflicht Dritten gegenüber über das durchaus exponierte Strafrechtsschutzrisiko, sollte die Annäherung an die eigenen, möglicherweise ebenfalls exponierten Sachrisiken gehen.

Falls vorhanden machen hohe Gebäudewerte einen umfangreichen Gebäudeversicherungsschutz im untersten (auch noch ggf. z.B. für Elementarschäden erweiterbaren) Segment zumindest gegen die Gefahren Feuer, Leitungswasser und Sturm notwendig. Bewegliches Inventar und vielleicht Elektronik sollten ebenfalls einen individuellen Versicherungsschutz finden, oft sinnvoll erweitert um das Betriebsunterbrechungsrisiko für Heime z.B. bei Feuer- oder Leitungswasser- oder sogar Seuchenbetriebsunterbrechungsschäden. Gute Betriebsunterbrechungspolicen sehen dabei nicht nur die Fortzahlung der laufenden Kosten und in einem definierten Rahmen der entgehenden Einnahmen, sondern auch die (oft zusätzlich zu versichernden) sogenannten Mehrkosten vor. Das könnten z.B. nach einem Brand Zusatzauslagen für kurzfristige Anmietungen von geeigneten ggf. weiter entfernt befindlichen Gebäuden und schadensfallbedingte zusätzliche Personal- bzw. Reisekosten sein.

Den Kfz-Fuhrpark muss der Betreiber zunächst Kraft Gesetz haftpflichtversichern – hier empfiehlt sich, die höchstmögliche Deckungssummenkombination zu wählen. Abhängig vom Kfz-Typ, von der Nutzungsart und -dauer bzw. vom Kfz-Alter, kann es zudem sinnvoll sein (mit oder ohne Selbstbehalt), Voll- oder Teilkaskoversicherungsschutz mit einem zeitgemäßen Bedingungswerk aufzubauen. Eine Insassenunfallversicherung ist dabei in den meisten Fällen ein Versicherungsschutz „de luxe“. Kein Luxus ist oftmals eine Verkehrsrechtsschutzversicherung für den eigenen Fuhrpark (oder für die dienstlich genutzten Privat-Kfz der Ehrenamtlichen), die z.B. bei strittigen Haftungsquoten, Ordnungswidrigkeiten oder sogar im Strafrecht den Fahrer bzw. Halter entlasten.

Weitere Rechtsschutzprodukte für die Tätigkeit der Organisation mildern i.d.R. mit einer Wartezeit von 3 Monaten z.B. mit dem Baustein Arbeitgeberrechtsschutz das Kostenrisiko des Arbeitgebers bei Klageerwiderungen nach Kündigungen im Umstrukturierungsprozess.

Oft erweitern zusätzliche Unfallversicherungen bei Individualversicherungen den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz hauptamtlicher Mitarbeiter nicht nur in exponierten Tätigkeitsbereichen wie z.B. dem Rettungsdienst, sondern motivieren und belohnen darüber hinaus den ehrenamtlich (oder hauptamtlich) Aktiven, der meist auch gesetzlich unfallversichert ist.

Ehrenamtliches Engagement ist unerlässliche Voraussetzung für die Existenz vieler Organisationen – die vom Ehrenamtlichen eingebrachten Sachwerte können z.B. als Dienstfahrtfahrzeugversicherung für mit Privat-Kfz durchgeführte Dienstfahrten sinnvoll geschützt werden. Weitere Module in diesem Segment sind denkbar: für Rückstufungsrisiken der privaten Kfz-Haftpflichtverträge, die vorrangig das Schadensersatzrisiko abfangen müssen. Oder gar für den Nutzungsausfall, das Ersatz-Kfz bzw. die Wertminderung eines bei einer dienstlichen Nutzung verunfallten Privat-Kfz. Ein ähnliches Produkt kann auch für die Hauptamtlichen angeboten werden, denen arbeitsrechtlich unter bestimmten Umständen ein Schadensersatz vom Arbeitgeber für Schäden in Folge dienstlicher Nutzung zusteht.

Für Mitarbeiter, die ins Ausland geschickt werden, sei beispielhaft die Bedarfsprüfung für eine spezielle Auslandsreisekrankenversicherung empfohlen.

Eine kleine Auswahl an weiterem Versicherungsbedarf mag von der Übernahme des Versicherungsschutzes für von z.B. Privatfirmen geliehenen Kfz anlässlich von Hilfslieferungen ins Ausland oder bei Altstoffsammlungen bis hin zur Ausstellung von höherwertiger Kunst bzw. der kombinierten Haftpflicht-Unfallversicherung für die externen Teilnehmer einer Freizeitmaßnahme der NPO reichen.

Die vielfältigen Aktivitäten einer Einrichtung setzen dem möglichen Versicherungsbedarf prinzipiell keine Grenzen. Die Grenzen werden aber gesetzt vom Budget und der daraus abgeleiteten notwendigen Reflexion von Wertigkeit und Schadensanfälligkeit, die den zuvorderst zu versichernden Aktivitäten oder Sachwerten zuzuordnen sind.


Autor
Rüdiger Bexte
Rüdiger Bexte (Diplom-Volkswirt und Versicherungskaufmann) arbeitet seit 2004 als Kundenbetreuer und Mitglied der Geschäftsführung für Funk Humanitas GmbH
Website www.funk-gruppe.com
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Zitiervorschlag
Rüdiger Bexte: Versicherungsschutz für gemeinnützige Organisationen. Welche Versicherungen braucht Ihre Einrichtung?. Veröffentlicht am 17.09.2011 in socialnet Materialien unter https://www.socialnet.de/materialien/127.php, Datum des Zugriffs 17.04.2021.


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