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Namensgebung

Wie Sie für Ihre Organisation oder Ihr Angebot einen guten Namen finden

Christian Koch

Veröffentlicht am 17.07.2012.

Namensgebung

Am Anfang vieler Projekte und Unternehmensgründungen steht die Wahl des passenden Namens. Dabei sind oft mehr Aspekte zu beachten, als einem auf den ersten Blick in den Sinn kommen. Diese Übersicht soll dabei helfen, typische Fehler bei der Namenswahl oder Weiterentwicklung des Namens zu begehen. Je nach den Umständen kann einer weitergehende marken- und namenrechtliche Beratung durch einen einschlägig erfahrenen Anwalt erforderlich werden. Eine individuelle Rechtsberatung kann und soll durch diese kurze Abhandlung nicht ersetzt werden.

Kriterien

Der Name eines Unternehmens wird auch als Firma bezeichnet. Bei der Namenswahl sind vielfältige Aspekte zu beachten:

  1. Der Name darf zu keinen Verwechselungen mit anderen Organisationen am Sitz führen.
  2. Der Name darf keinen unzutreffenden Eindruck über die Organisation erwecken.
  3. Durch die Namenswahl sollten keine Rechte Dritter, insbesondere Markenrechte, Namensrechte und Urheberrechte, verletzt werden.
  4. Eine Markenanmeldung für die Wortmarke oder Wortbildmarke (Schriftzug als Logo) sollte erwogen werden. Der Name sollte für die Anmeldung geeignet sein, was bei rein beschreibenden Wortmarken nicht der Fall ist. Sofern eine über Deutschland hinausgehende Nutzung absehbar ist, sollte eine Anmeldung als europäische Marke geprüft werden.
  5. Der Name sollte möglichst prägnant sein, um eine Markenbildung darauf aufbauen zu können. Neben sachlichen Bezeichnungen sind auch Phantasienamen möglich, die idealerweise bereits die zentrale Botschaft des Vereins vermitteln.
  6. Der Name sollte auf eingeführte Bezeichnungen zurückgreifen, sofern ein positives Image aufgegriffen werden kann. Er sollte mit positiven Bedeutungen, auch in anderen gängigen Sprachen, verbunden werden.
  7. Der Name sollte für die Verwendung im geschäftlichen Verkehr gut geeignet sein. Dies sind insbesondere Namen, die nicht zu lang sind und nicht zu unterschiedlichen Schreibweisen verleiten. Der Name sollte z.B. auch mündlich leicht eindeutig zu vermitteln sein.
  8. Der Name sollte als Domainname zur Verfügung stehen. Sofern der Organisationsname bekannt ist, sollte daraus leicht der entsprechende Domainname abgeleitet werden können und umgekehrt.

Claim

Der Organisationsname kann in der öffentlichen Kommunikation durch einen Claim (Slogan, Motto) ergänzt werden, der die ideelle Ausrichtung bzw. die besonderen Kompetenzen der Organisation ergänzend zum Namen zum Ausdruck bringt. Ein solcher Claim würde, ggf. in Verbindung mit einem Logo, den Namen möglichst durchgehend begleiten, z.B. auf dem Briefpapier, in Broschüren und auf der Website.

Ein kurzer Name in Verbindung mit einem aussagefähigen Claim erleichtert die Anpassung an geänderte Verhältnisse oder Arbeitsschwerpunkte, da der Claim jederzeit ohne aufwändige Änderung der Organisationsstatuten (Gesellschaftsvertrag, Vereins-/Stiftungssatzung) weiterentwickelt werden kann. Es fallen nur die Kosten für die Anpassung von Geschäftspapieren, Prospekten und der Website an.

Domains

Die Prüfung der Verfügbarkeit bzw. Ermittlung aktueller Inhaber von Domains ist im Internet leicht möglich.

Sofern unterschiedliche Schreibweisen des Namens möglich sind, sollten diese von Anfang an reserviert und auf eine offizielle Schreibweise der Domain weitergeleitet werden. Damit wird kostengünstig verhindert, dass Dritte unter ähnlichem Namen im Internet erreichbar sind oder Unterlassungen in einem aufwendigen Rechtsstreit durchgesetzt werden müssen.

Häufig anzutreffende, zu reservierende Varianten sind

  • Abkürzungen,
  • Namen mit und ohne Bindestriche und
  • Namen mit und ohne Umlaute.

Namen mit Umlauten haben grundsätzlich den Nachteil, dass E-Mail-Adressen mit Umlauten noch nicht zuverlässig genutzt werden können und eine korrekte Schreibweise im Ausland nicht gewährleistet ist.

Markenrecht

Eine einfache Markenrecherche ist beim Deutschen Patent- und Markenamt online möglich unter www.dpma.de. Über Suchmaschinen kann im Internet nur festgestellt werden, welche Marken tatsächlich im geschäftlichen Verkehr online genutzt werden. Da sich der Markenschutz auch auf Schreibweisen oder bildliche Darstellungen bezieht, bei denen Verwechslungsgefahr besteht, bietet die einfache Suche nach gleichen Namen keinen vollständigen Schutz vor möglichen Markenrechtsverletzungen. Der Markenschutz bezieht sich nur auf die bei der Anmeldungen genannten Klassen (Verwendungsbereiche). Markenschutz entsteht neben der Markenanmeldung auch durch die Nutzung im geschäftlichen Verkehr.

Verwendung und Abkürzung des Namens

In der Praxis ist immer wieder anzutreffen, dass ein Firmenname nicht einheitlich verwendet wird. Insbesondere bei langen Namen sind unterschiedlich Abkürzungen anzutreffen. Häufig variieren auch Groß- und Kleinschreibung. Sowohl aus Gründen der Rechtssicherheit wie auch der Markenbildung sollten ein Firmenname durchgehend streng einheitlich verwendet werden, z.B.

  • in der Satzung/Gesellschaftsvertrag und folglich im Vereins-/Handelsregister etc.
  • in den Geschäftspapieren (Briefpapier, Visitenkarte, …)
  • bei Beschriftungen (Fahrzeuge, Briefkasten, Fahnen, Messestände, …)
  • als Domainname
  • im Logo
  • Prospekten
  • Schriftverkehr

Bei längeren Namen sollte eine offizielle Abkürzung festgelegt werden. Die Aufnahme einer offiziellen Abkürzung in die Satzung/Gesellschaftsvertrag/etc. birgt einerseits namens- und markenrechtliche Risiken, hilft andererseits eine ggf. bereits gebräuchliche Abkürzung als Name für den Verein besser rechtlich zu schützen.

Gerade bei Abkürzungen besteht die Gefahr, dass der Domainname nicht mehr verfügbar ist. Auch bei Abkürzungen ist eine markenrechtliche Prüfung erforderlich.

Kreative Namenssuche

Falls Sie bildlich noch vor einem leeren Blatt sitzen oder bisher nur wenig zufriedenstellende Namensvorschläge vorliegen, gelten für die weitere Namenssuche zuerst einmal die typischen Regeln für kreatives Arbeiten:

  • Arbeiten Sie in einer möglichst vielfältigen Gruppe zusammen.
  • Lassen Sie alle, auch völlig unsinnige Namen zu.
  • Vermeiden Sie Kritik an Namen.
  • Alle Vorschläge dürfen von jedem auch sofort verändert werden.
  • Assoziieren Sie zu Ihrem Angebot (Dienstleistung, Produkt), ihrer Zielgruppe, ihrer Organisation, der Gründungsgeschichte, den Mitgliedern ihrer Organisation.
  • Lassen Sie auch negative Assoziationen zu und verstärken Sie diese spielerisch.
  • Was ist bei Ihrem Angebot einzigartig, ganz anders als bei der Konkurrenz? Überspitzen Sie auch die positiven Eigenschaften.
  • Verbinden Sie mehrere Vorschläge.

Bei der Benennung einer Organisation kommen sehr unterschiedliche Arten von Namen in Frage. Starten Sie einmal bei diesen verschiedenen Ansatzpunkten.

  • Beschreibung des Angebots
    Bewertung: Die Namen werden oft sehr lang, klingen wenig interessant und führen bei verbreiteten Angeboten zu einer nur geringen Unterscheidbarkeit. Aus dem Namen geht bereits hervor, was die Organisation anbietet.
    Beispiel: Verein zur Förderung des Posaunenspiels bei 15- bis 17-jährigen Mädchen auf Südsylt e.V.
  • Akronyme = Namen die aus Abkürzungen entstehen
    Bewertung: Dies Form der Namensgebung ist häufig bei EU-Programmen und anderen Behördenaktivitäten anzutreffen, die sich einen modernen Anstrich geben wollen. Manchmal wirkt die Herleitung etwas verkrampft. Oder das Ergebnis hat wenige Bezug zum Produkt.
    Beispiel: ELSTER = ElektronischeSTeuerERklärung
  • Persönlichkeiten als Vorbilder, Gründer, Sponsoren, zu ehrende Persönlichkeiten, …
    Bewertung: Die Person muss zum Anliegen der Organisation passen. Wenn später negative Aspekte der Person öffentlich werden, kann im schlimmsten Fall eine Umbenennung erforderlich werden. Einzelne Interessenten können sich von bestimmten Personen als Namensgeber abgeschreckt fühlen. Daher muss die Sicht aller relevanten Anspruchsgruppen auf die Person bedacht werden. Ein Sponsor oder „öffentlicher Botschafter“ kann langfristig an die Organisation oder Einrichtung gebunden werden. Allerdings sind bei der Namenswahl hier die Namens- und Persönlichkeitsrechte der Person zu berücksichtigen und ggf. entsprechende Genehmigungen vorher einzuholen.
    Beispiel: Maria-Montessori-Schule
  • frei gewählte Namen und Bezeichnungen: Vornamen, Begriffe, regionale Bezeichnungen
    Bewertung: Auch wenn hier der Nutzung in der Regel keine Namensrechte entgegenstehen, sind ggf. Markenrechte zu beachten. Die Organisation nutzt die positiven Assoziationen (Ibiza für ein Automodell) oder auch die Spannung zwischen dem Anliegen und dem scheinbar unpassenden Begriff (Apfel für einen Computer). Teilweise werden auch symbolhafte Begriffe gewählt (Brücke für soziale Angebote zur Beratung und Integration), die durch häufige einschlägige Verwendung schon wieder abgestumpft sein können.
  • reine Phantasiewörter
    Bewertung: Hier kommt es rein auf den positiven Klang und die gewollten Assoziationen an. Durch eine sehr sorgfältige Recherche (Suchmaschinen, Wörterbücher aller gängigen, beim Zielpublikum bekannten Sprachen, Markendatenbanken) muss sichergestellt werden, dass der Name nicht doch mit ungewünschten Assoziationen verbunden ist. Die Phantasiebegriffe können durch freies Assoziieren, beliebiges Kombinieren von Buchstaben und durch Veränderung von Namen und Begriffen gewonnen werden. Durch die weltweite Vernetzung dürfte es schwer sein, wirklich kurze aussprechbare und zugleich wohlklingende Namen zu finden, die noch nicht verwendet werden. Aber zumindest im geplanten Verwendungsbereich sollten sie noch unbesetzt sein.
    Beispiel: aus dem Vornamen Fiona (26 Millionen Treffer bei Google) wird durch Vertauschung Finoa („nur“ noch 270 Tausend Treffer, auf deutsch 14 Tausend Treffer).

Die Namenssuche wird mittlerweile durch Tools im Internet unterstützt. Aktuelle Angebote lassen sich leicht über Suchmaschinen finden.
Beispiel: www.namerobot.de

Gerade bei der Namensentwicklung sollten Internetdienste sorgfältig ausgesucht werden. Scheinbar kostenlose Tools werden bei einer beruflichen Nutzung unter Umständen kostenpflichtig. Außerdem müssen Sie dem Anbieter vertrauen können, dass er nicht z.B. kurz vor Ihnen den zugehörigen Domainnamen reservieren lässt oder in anderer Weise das Wissen um Ihre Namenssuche nutzt.


Autor
Dipl.-Kfm. Christian Koch
Geschäftsführer der socialnet GmbH und selbständiger Unternehmensberater für Nonprofit-Organisationen
Homepage www.npoconsult.de
E-Mail Mailformular


Zitiervorschlag
Christian Koch: Namensgebung. Wie Sie für Ihre Organisation oder Ihr Angebot einen guten Namen finden. Veröffentlicht am 17.07.2012 in socialnet Materialien unter http://www.socialnet.de/materialien/141.php, Datum des Zugriffs 26.07.2017.


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