socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Zum Zusammenhang zwischen Sensomotorik und Schizophrenie und dessen möglicher Bedeutung für Prävention und Therapie

Ortrud Aden

Veröffentlicht am 26.03.2013.

socialnet Materialien. Reihe 2: Akademische Abschlussarbeiten

Masterarbeit an der Leibnitz-Universität Hannover im Masterstudiengang Sonderpädagogik und Rehabilitationswissenschaften. Erstleser: Axel Ramberg, Zweitleser: Dr. Joachim Kutscher. Note: 1,0.

Einleitung

Auf den ersten Blick scheint es zwischen Sensomotorik und Schizophrenie keinen Zusammenhang zu geben: In den einschlägigen Lehrbüchern über Schizophrenie wird die Sensomotorik nicht erwähnt; demzufolge finden auch Verfahren zu Prävention und Therapie im Zusammenhang mit Schizophrenie, die den Körper explizit einbeziehen, keine Erwähnung. Umgekehrt wird in der Regel in Lehrbüchern über Sensomotorik die Schizophrenie in der Regel nicht erwähnt.

Ein möglicher Zusammenhang erschließt sich erst beim genaueren Hinsehen:

So gehören einerseits zu den Symptomen der Schizophrenie häufig Störungen der Wahrnehmungsverarbeitung. Andererseits findet die Entwicklung der Wahrnehmung in enger Verknüpfung mit der Entwicklung der Motorik statt; wesentliche diesbezügliche Grundlagen entwickeln sich in der Säuglingszeit. Die Entwicklung in der Säuglingszeit aber ist in hohem Maße abhängig von den Bezugspersonen.

Aus diesen Vorüberlegungen heraus stelle ich folgende Hypothese auf:

Unkontrollierbarer Stress in der Säuglingszeit, verursacht beispielsweise durch eine unsichere oder desorganisierte Bindung, trägt zu gestörter Sensomotorik bei. Diese Problematik zeigt sich oft bei der schizophrenen Erkrankung. Therapie- und Präventionsansätze sollten diesen Gesichtspunkt berücksichtigen und körperbezogene Interventionen mehr in ihr Programm einbeziehen.

Um diese Hypothese zu begründen, werde ich mich im ersten Teil zunächst mit verschiedenen Faktoren der kindlichen Entwicklung im Zusammenhang mit Stress befassen: Die Theorie der Sensorischen Integration beschäftigt sich mit der Entwicklung der Wahrnehmungsverarbeitung von Sinnesreizen und ihren Auswirkungen auf die Sensomotorik. Diese Entwicklung ist störanfällig durch Stress, beispielsweise bei misslingender Emotionsregulation.

Entscheidend für die Fähigkeit zur Emotionsregulation ist die Qualität der Bindung. In diesem Zusammenhang untersuche ich spzeziell die desorganisierte Bindungsorganisation, bei der einige Autoren Zusammenhänge zu einer späteren Erkrankung der Schizophrenie sehen.
Schließlich beschreibe ich verschiedene Stressreaktionen und die Auswirkungen von Stress in Bezug auf adäquate Situationswahrnehmung, soziale Wahrnehmung und auf die Entwicklung eines funktionsfähigen Gehirns.

Diese Ausführungen stützen den ersten Teil meiner Hypothese:

Unkontrollierbarer Stress in der Säuglingszeit, verursacht beispielsweise durch eine unsichere oder desorganisierte Bindung, trägt zu gestörter Sensomotorik bei.

Einzelne Erläuterungen dieses Teils, beispielsweise im Bezug auf die desorganisierte Bindung und die veränderte soziale Wahrnehmung bei Stress, verweisen bereits direkt auf die Schizophrenie, andere indirekt.

Im zweiten Teil befasse ich mich mit dem Krankheitsbild der Schizophrenie. Dazu beschreibe ich im anhand zweier Lehrbücher das Krankheitsbild und verschiedene Ansichten zur Krankheitsentstehung; Schließlich beschreibe ich das Erleben des Körpers in der Schizophrenie, zunächst aus ärztlicher, dann aus bewegungstherapeutischer und aus Sicht der Sensorischen Integration.

Aus diesen Ausführungen ergibt sich der zweite Teil meiner Hypothese:

Diese Problematik der gestörten Sensomotorik zeigt sich oft bei der schizophrenen Erkrankung. Präventions- und Therapieansätze sollten diesen Gesichtspunkt berücksichtigen und körperorientierte Interventionen mehr in ihr Programm einbeziehen.

Im dritten Teil überprüfe ich diese Hypothese anhand von Studien, die in der Literatur beschrieben werden. Dazu erläutere ich zunächst den Begriff der Prävention.

Anschließend befasse ich mich mit zwei Präventionsansätzen in der Säuglingszeit, die den Körper explizit einbeziehen. Zwar beziehen diese Ansätze sich nicht explizit auf Prävention im Hinblick auf Schizophrenie; aus den ersten beiden Teilen meiner Arbeit geht jedoch hervor, dass zum einen die elterliche Feinfühligkeit geschult werden kann. Zum anderen hat die motorische Entwicklung einen Einfluss auf die Verarbeitung von Sinnesreizen, und gerade die Verarbeitung von Sinnesreizen wird langfristig bei der Erkrankung der Schizophrenie häufig zu einem Problem. Daher betrachte ich Präventionsansätze, die in der Säuglingszeit explizit die Motorik fördern, als besonders geeignet für die Prävention im Hinblick auf die Schizophrenie.

Im nächsten Kapitel beschreibe ich die Zusammenfassungen mehrerer Studien, die belegen, dass Störungen der Motorik im mittleren Kindesalter – im Zusammenhang mit anderen Prädiktoren – einen möglichen Prädiktor für spätere Schizophrenie darstellen. Außerdem werde ich mich in diesem Kapitel kritisch mit einem Aufsatz auseinander setzen, der Prävention im Zusammenhang mit Schizophrenie ausschließlich als Rückfallprophylaxe für sinnvoll hält und sich explizit ausschließlich auf medikamentöse Prävention bezieht.

Im letzten Kapitel des dritten Teils beschreibe ich Möglichkeiten der Rückfallprävention und Therapie nach einer oder mehreren psychotischen Episoden. Dabei erläutere ich Maßnahmen in der akuten Phase, Gesichtspunkte zur Psychotherapie, Psychoedukation und postklinische soziotherapeutische Angebote. Ich beschreibe jeweils die diesbezüglichen Richtlinien der Lehrbücher und dazu weitere Ansätze und ihre empirische Überprüfung, die den Körper explizit einbeziehen.

Schließlich komme ich zu dem Ergebnis, dass die vorhandenen Studien grundsätzlich ausreichen, um meine These zu bestätigen. Weitere Studien, vor allem zum Langzeitverlauf und den speziellen Wirkfaktoren, halte ich dennoch für sinnvoll. Darüber hinaus halte ich auch Studien für sinnvoll, die den Kenntnisstand und die Einstellungen der verschiedenen in Prävention und Therapie involvierten Berufsgruppen in Bezug auf körperorientierte Angebote zum Gegenstand haben.

Medizinische Fachausdrücke werden in dieser Arbeit mit * bezeichnet und alphabetisch geordnet im Anhang erklärt. Die Anmerkungen zu den durchnummerierten Fußnoten befinden sich ebenfalls im Anhang.

Anlagen

  1. Masterarbeit als PDF-Datei (580 kb) (pdf) (pdf)

Autorin
Ortrud Aden
M.A. Sonderpädagogik und Rehabilitationswissenschaften, z. Z. Tätigkeit in einer Autismusambulanz
E-Mail Mailformular


Zitiervorschlag
Ortrud Aden: Zum Zusammenhang zwischen Sensomotorik und Schizophrenie und dessen möglicher Bedeutung für Prävention und Therapie. Veröffentlicht am 26.03.2013 in socialnet Materialien unter http://www.socialnet.de/materialien/145.php, Datum des Zugriffs 10.12.2019.


Urheberrecht
Dieser Beitrag ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, helfen wir Ihnen gerne weiter. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Materialien für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.

Zur Übersicht über alle Materialien

Immer auf dem Laufenden?

socialnet ist das Fachportal für Sozialwirtschaft und Nonprofit-Management. Das Branchenbuch, die Rezensionen und weitere Dienste werden laufend ausgebaut. Damit Sie nichts verpassen, informieren wir Sie gerne monatlich über neue Angebote. Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter.

Förderverein

Damit wir Ihnen künftig noch mehr kostenlose Fachinformationen zur Verfügung stellen können, benötigen wir Ihre Unterstützung. Sie können uns über den Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. steuerbegünstigt Spenden zukommen lassen.