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„Medienabhängige“ Jugendliche und ihre Eltern. Argumente für ein biografisches und lebensweltorientiertes Fallverstehen im Alltag, in der Pädagogik, in Therapie und Beratung

Bettina Völter

Veröffentlicht am 26.06.2013.

Der Aufsatz plädiert in einem ersten Teil dafür, mit statt über Jugendliche, ihre Lebenswelt und ihre Wünsche zu sprechen. Dabei gilt es, auch die Verantwortung und die Erfahrungen der Eltern in den Blick zu nehmen und die Angehörigen, wenn möglich, in Beratungsgespräche mit einzubeziehen. In einem zweiten Teil geht es dann um unterschiedliche Zugänge des Verstehens von Medienabhängigkeit.

Ein erster Verstehenskontext sind gesellschaftliche Bedingungen und Erwartungen: Kinder wachsen heute in der Mediengesellschaft ganz selbstverständlich mit digitalen Medien auf und erleben ein „generational gap“ zwischen ihren Kompetenzen und Interessen und denen der Erwachsenen.

Ein zweiter Verstehenskontext ist die Sensibilisierung dafür, welches Suchtpotenzial digitale Medien in sich bergen. Kinder und Jugendliche geraten leicht in einen Sog digitaler Medien, daraus erwachsen kommunikative Herausforderungen für Eltern und Erwachsene.

Ein weiterer Verstehenskontext sind die Erkenntnisse über psychische und psychosoziale Voraussetzungen und Folgen von exzessivem Medienhandeln. Störungsbilder haben ihre Ursachen bzw. Konsequenzen in bzw. für Beziehungen, die Bindung und das Vertrauen zwischen Eltern, Erwachsenen und Kindern.

Ein vierter Verstehenskontext ist, die Biografien und Lebenswelten der durch Mediensucht gefährdeten Jugendlichen explizit zu rekonstruieren, um die biografische Funktion der Sucht zu verstehen. Biografische und lebensweltliche Erzählungen wirken dabei als Möglichkeit des Selbst- und Fremdverstehens von Jugendlichen, ihren Familien und ihrer sonstigen sozialen Welt, so die zentrale These des Aufsatzes. Dies wird in einem Exkurs sowohl theoretisch und methodologisch ausgeführt als im Folgenden auch am Fallbeispiel eines 17jährigen Jugendlichen deutlich gemacht. Der Jugendliche hielt sich zum Zeitpunkt des narrativ-biografischen Interviews, das zu Forschungszwecken mit ihm geführt wurde, stationär in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie auf, um seiner Medienabhängigkeit aktiv zu begegnen.

Der Aufsatz endet mit allgemeinen Schlussfolgerungen für Beratung, Begleitung und Beziehungsgestaltung im Kontakt mit Jugendlichen.

Anlagen

  1. Aufsatz als PDF-Datei (277 kb) (pdf)

Der Aufsatz wurde parallel auf der Website der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. veröffentlicht.


Autorin
Prof. Dr. Bettina Völter
Hochschullehrerin an der Alice Salomon Hochschule Berlin
Diplom-Politologin, Dr. phil. (Soziologie), Systemische Therapeutin/Familientherapeutin (SG)
Homepage www.ash-berlin.eu/hochschule/lehrende/professor-innen/prof-dr-bettina-voelter/
E-Mail Mailformular


Zitiervorschlag
Bettina Völter: „Medienabhängige“ Jugendliche und ihre Eltern. Argumente für ein biografisches und lebensweltorientiertes Fallverstehen im Alltag, in der Pädagogik, in Therapie und Beratung. Veröffentlicht am 26.06.2013 in socialnet Materialien unter http://www.socialnet.de/materialien/152.php, Datum des Zugriffs 23.08.2019.


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