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Die verschiedenen Seiten der Politik

Jos Schnurer

Veröffentlicht am 29.01.2014.

Der anthropôs, der Mensch, ist ein zôon politikon, ein politisches Lebewesen, weil verstandesbegabt ist, danach strebt ein gutes Leben zu führen und friedlich und gerecht mit anderen Menschen zusammenzuleben in der Lage ist; das ist die antike Vorstellung vom Menschsein, wie sie seit Aristoteles (auch) das abendländische Denken bestimmt. Weil alles, was der Mensch individuell und kollektiv tut, sich am Gemeinwohl der Menschheit orientieren sollte. Damit wird Politik zur Grundlage menschlichen Daseins, und es gibt nichts auf der Welt, was nicht Politik ist. Dieses Verständnis könnte uns darüber hinweg helfen von der beunruhigenden und gefährlichen Entwicklung, dass sich im menschlichen Alltagsdenken und Handeln – und zwar lokal und global – (wieder) immer mehr die Einstellung durchzusetzen scheint, dass Politik ein schmutziges Geschäft sei, wie dies von Demokratiegegnern lanciert wurde und erneut behauptet wird. Und zwar in erster Linie dadurch, dass politisches Denken und Handeln als eine spezifische Tätigkeit von korrupten und verführten Politikern verstanden und mit Machtmissbrauch verwechselt wird. Dagegen wird gesetzt: Jeder Mensch ist ein Politiker. Sein Streben nach Menschenwürde muss sich verbinden mit dem Bewusstsein, wie dies in der Präambel der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 proklamierten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum Ausdruck kommt: „Die Anerkennjung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte bildet die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt“.

Mit den folgenden Anotationen wird der Versuch unternommen, den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs über „Politik“ in den verschiedenen Ausprägungen und Spannweiten darzustellen. Dass dies natürlich völlig unvollständig, fragmentarisch und zudem subjektiv erfolgen muss, liegt auf der Hand. Wenn Politik, wie oben erwähnt, „alles ist“, also alle menschlichen Lebensbereiche und jedes individuelle und gesellschaftliche Handeln umfasst, wäre es völlig vermessen und zudem unmöglich, eine auch nur annähernd vollständige Auflistung dessen darzustellen, was Politik ist. Diese Überforderung ist aber gleichzeitig eine Herausforderung dazu, politisches Denken und Handeln als urmenschliche und ganz selbstverständliche Eigenschaften zu begreifen. Die UNESCO, die Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsorganisation der Vereinten Nationen, hat vom 26.06.-01.07.1989 eine Konferenz mit dem Titel „Peace in the Mind of Men“ (Frieden im Denken der Menschen) durchgeführt. Dabei haben die TeilnehmerInnen den Begriff „Frieden“ neu definiert:

Frieden heißt Ehrfurt vor dem Leben.
Frieden ist das kostbarste Gut der Menschheit.
Frieden ist mehr als das Ende bewaffneter Auseinandersetzung.
Frieden ist eine ganz menschliche Eigenschaft.
Frieden verkörpert eine tiefverwurzelte Bindung an die Prinzipien der Freiheit, der Gerechtigkeit, der Gleichheit und der Solidarität zwischen allen Menschen.
Frieden bedeutet auch eine harmonische Partnerschaft von Mensch und Umwelt.

Diese Beschreibung des Friedensbegriffs könnte auch ein Zugang sein, um eine Neubesinnung für den Begriff „Politik“ vorzunehmen.

Die annotierten Hinweise auf Literatur im Diskurs um politische Fragen und Herausforderungen HIER und HEUTE wurden (überwiegend) im Rezensionsdienst von socialnet veröffentlicht.

Collage Politik, zusammengestellt von Dr. Jos Schnurer

Collage Politik, zusammengestellt von Dr. Jos Schnurer

Politik heißt Werturteile fällen

Der Mensch ist nach Aristoteles ein zôon politikon, ein politisches Lebewesen, weil er kraft seines Verstandes und seines Strebens nach euzôia, einem „guten Leben“, fähig ist, individuell und in Gemeinschaft mit anderen Menschen zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht unterscheiden zu können. In der abendländischen Philosophie und in den Lebenswissenschaften wird deshalb der Frage, ob der Mensch des Menschen Wolf oder sein Gott (Gut) sei, immer wieder ein Nachdenken gewidmet [1]. Die eminent politische Frage, ob sich die sich ständig wandelnde Gegenwart eine veränderte Vergangenheit schafft und gleichzeitig eine humane Zukunft ermöglicht, wird von den antiken bis hin zu den Staatstheoretikern der Neuzeit gestellt. Wir stehen an einen der Urgründe menschlichen Denkens. Es ist die Nachschau nach dem, „wie wir wurden, was wir sind“ (Bernt Engelmann, 1980); es ist die Verzweiflung, dass „die menschliche Vernunft ( ) das besondere Schicksal in einer Gattung ihrer Erkenntnisse (hat): dass sie durch Fragen bestätigt wird, die sie nicht abweisen kann; denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, die sie aber auch nicht beantworten kann, denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft“, wie dies Immanuel Kant in seiner Vorrede zur ersten Ausgabe von „Kritik der reinen Vernunft“ 1781 feststellt; es ist die Ahnung, dass das „Ende der Gewissheiten“ angebrochen ist. Es ist nicht zuletzt die fundamentale Erkenntnis, „dass wir die Demokratie besser verstehen, wenn wir lernen, sie vor dem Hintergrund dessen zu betrachten, was sie fundamental und systematisch ablehnt: ob Monarchie, Diktatur oder Fundamentalismus [2]. Dass dabei die Fähigkeit geschult werden muss, Wirklichkeiten zu erkennen [3], gehört genau so zum eigenen Denk-Repertoire [4], wie die Kenntnis der menschlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschichte [5] und einer humanen und machtverantwortlichen Zukunftsgestaltung [6]: Das Buch „Wilhelm Hennis‘ Politische Wissenschaft“ wurde (eigentlich) als Hommage zum 90. Geburtstag des Freiburger Politikwissenschaftlers Wilhelm Hennis, dem 18. Februar 2013, von seinen Freunden, Schülern und Weggefährten geplant. Sein Tod am 10. November 2012 hat dies nicht mehr ermöglicht. So legen sie, gewissermaßen als sein Vermächtnis, jetzt den Sammelband vor. Der Rezensent hat – als Hildesheimer – mit großem Interesse nach der Hommage gegriffen, die Schüler, Kollegen und Weggefährten des Politikwissenschaftlers Wilhelm Hennis, der am 18. Februar 1923 in Hildesheim geboren wurde und familiäre Wurzeln in seiner Geburtsstadt hatte, ihm zu seinem 90. Geburtstag widmen wollten. Er hat ihn nicht erlebt. Posthum wird nun der Sammelband vorgelegt. Er dürfte dazu beitragen, dass die Schubladen neu geöffnet werden müssen, in die Hennis gesteckt wurde: als Konservativer, Positivist, Normativist und „Wanderer zwischen den (partei)politischen Welten“. Er war, das zeigen die Beiträge und Reflexionen der Hommage, keiner, der sich in Schubladen stecken ließ. Er verstand sich auch nicht als „Schul“- Begründer. Er war, wie der Herausgeber Andreas Anter feststellt, „in seinem Fach ein Solitär“, der in den Zeiten der Suche nach dem zôon politikon Grenzen markierte, Pfähle setzte und Brücken baute. Diese Einflüsse und Chancen gilt es auch heute zu erkennen und zu nutzen! [7].

Nach dem Menschsein des Menschen fragen

Was ist der Mensch? Diese Menschheitsfrage hat Menschen zu allen Zeiten, mit den unterschiedlichen Intentionen und verschiedenen Lebensformen, bewegt; intellektuell und alltäglich. Dass der Mensch ein zôon logon echon, ein vernunft- und sprachbegabtes Lebewesen ist, hat der griechische Philosoph Aristoteles zur Grundlage seines Denkens gemacht. Er ist auch von Natur aus in der Lage und fähig, ein eu zên, ein gutes Leben zu führen. Mit der Frage „Wie kann der Mensch dem Menschen ein Mensch sein?“ haben die Humanisten den Wert und die Würde des Menschen als Voraussetzung für ein menschliches Zusammenleben postuliert. Und in der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 proklamierten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte steht zuoberst: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen“. Der Mensch soll des Menschen Mensch sein; diese Vision bleibt – trotz der Jahrhunderttausende alten und deprimierenden Erfahrung, dass der Mensch des Menschen Wolf sei. In der sich immer interdependenter und entgrenzender entwickelnden Welt steht auf dem Spiel: Entweder es gelingt, dass die Menschheit die Vielfalt und Unterschiedlichkeit des Menschseins als einheitsbildend und als Chance eines humanen Überlebens und Weiterentwickelns begreift – oder die Menschheit geht zugrunde! So einfach und so drastisch ist es! Der Historiker und Kulturwissenschaftler der Universität Witten/Herdecke (em.) und Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen, Jörn Rüsen, forscht seit langem über die Frage, wie ein Dialog über Menschheit, Kultur und humane Werte in den Zeiten der Globalisierung befördert werden kann. Das Forschungsprojekt „Humanismus im Zeitalter der Globalisierung“ hat zahlreiche interdisziplinäre Analysen, Fragestellungen und Prognosen zu Tage gebracht, die in der wissenschaftlichen Reihe „Der Mensch im Netz der Kulturen – Humanismus in der Epoche der Globalisierung / Being Human: Caught in the Web of Cultures – Humanism in the Age of Globalization“ publiziert werden. Im Rahmen des o. a. Forschungsprojektes hat sich eine Arbeitsgruppe mit dem Themenkreis „Theorie des Humanismus“ beschäftigt. Jörn Rüsen legt als Herausgeber die Denkansätze dieser interdisziplinären Arbeit vor, wobei er bedauernd feststellt, dass in der vorliegenden Veröffentlichung Beiträge über religiöse Formierung von Menschheitsvorstellungen und über künstlerisch-ästhetische Fragestellungen fehlen, weshalb er von einer „disziplinären Fragmentierung“ spricht. Der Sammelband ist als Hau-Ruck für neue Perspektiven zur Humanität des Menschseins zu verstehen [8].

Was lässt den Menschen gelingen?

Die uralte, immer wieder interessante und notwendige neue Frage nach dem individuellen und gesellschaftlichen Menschsein lässt sich immer nur beantworten, wenn es gelingt, das Sosein des Menschen und seine Frage nach dem „Wer bin ich?“ einzubetten in die jeweilige Wirklichkeit seines Lebens. Es gibt Analysen, die davon ausgehen, dass insbesondere in der sich immer interdependenter, entgrenzender und globalisierter entwickelnden (Einen?) Welt die Frage nach dem Sinn des Lebens dringlicher wird denn je. Denn es sind die gesellschaftlich gemachten, den jeweiligen Strukturen unterliegenden Bedingungen und Voraussetzungen, die das Leben der Menschen zu einer Funktion der Gesellschaft machen, oder die Formen von Selbstbestimmung und Freiheit ermöglichen. Das sind Fragen, die sich in erster Linie an Psychologen, Psychoanalytiker, Soziologen, Philosophen und Gesellschaftswissenschaftler richten. Von ihren Antworten kann es abhängen, wie Individuen in gesellschaftlichen Zusammenhängen leben und ihr Leben betrachten können. Iinsbesondere im Diskurs um Globalisierung und Öffnung der Welt bedarf es der Aufmerksamkeit, wie sich individuelle Begrenztheit, nationale Grenzen, fremdbestimmte Eingrenzungen und Grenzüberschreitungen auf das Leben der Menschen auswirken. „Ent-Grenzung“ kann dabei als Erweiterung des eigenen Horizonts, als Freiheit und machtvolle Abhängigkeit wirken [9]. Der Tübinger Psychoanalytiker Rainer Funk gilt als Experte für die Psychoanalyse, wie sie von Erich Fromm entwickelt und praktiziert wurde. Er ist überzeugt, dass „ein Leben ohne Grenzen nicht frei, sondern abhängig macht“. Die verführerischen Erwartungshaltungen, die ein „entgrenzter Mensch“ erlebt und als Selbstbestimmung und Freiheit erhofft, unterliegen einer Reihe von Fallstricken und Illusionen, die es aufzudecken gilt, etwa im Bereich der (scheinbaren) digitalen Unabhängigkeit, in der Wirtschaft, wie auch im alltäglichen, individuellen Leben. Mit der Aufforderung „Use it or loose it“ verweist der Autor darauf, dass Entgrenzungskompetenzen weder in die Wiege gelegt werden, noch einem zu-fallen; vielmehr komme es darauf an, das „menschliche Vermögen“ zu entdecken und es nicht mit dem „gemachten Vermögen“ zu verwechseln. „Wirklich wertschätzen und lieben kann man sich und andere nur, wenn man die Schattenseiten, das Schwierige und Kritische bei sich und bei anderen nicht ausblendet, sondern auch zu akzeptieren, wertzuschätzen… imstande ist“ [10].

Jeder Mensch trägt tagtäglich die Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft der Menschheit mit sich

Diese Prämisse drückt aus, was sich als Bewusstsein des Menschseins in der Einen Welt postuliert, mit dem Begriff der Universalität belegt wird und der Forderung nach einer globalen Ethik in der sich immer interdependenter, entgrenzender und planetarisch vernetzter Erde zum Ausdruck kommt. Es wird deshalb an der Zeit, das Menschheitsbuch nicht mehr nur mit lateinisch-eurozentrierten Lettern, sondern mit globalen (Uni-) Versalien zu schreiben. In der Kontroverse, die sich zwischen den philosophischen Vertretern einer universalistischen Ethik und denen des Postmodernismus auftut, wird insbesondere von letzteren die Befürchtung geäußert, dass das „souci de soi“, der Anspruch des Menschen auf eine Selbstverwirklichung zu einem guten Leben (Michel Foucault) durch die Verwirklichung des ethischen Universalismus (Karl-Otto Apel) leiden könnte. Es bedarf eines universellen Bewusstseins, das gründet in der Erkenntnis, dass die Menschheit eine gemeinsame Geschichte hat und einer gemeinsamen Zukunft bedarf aus der Überzeugung heraus, dass „der Mensch der entscheidende Faktor des modernen Universalismus ist und ihnen … ein Weltbewusstsein …abverlangt, das als untrennbarer Teil der eigenen Individualität empfunden wird“ (Mahmoud Hussein). Doch der Trägheits- und Egoismuseffekt wirkt lokal und global mächtig. Als wesentliches Gegenargument gegen den Anspruch einer kosmopolitischen Entwicklung lautet z. B., dass die Suche nach einer Moral, die für alle Menschen gilt und von allen auch eingehalten werden muss, weder möglich noch sinnvoll sei, weil ethische Normen sich immer auf kulturelle Traditionen beziehen müssten (was z. B. zur Relativierung der in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 proklamierten Werte und Normen führt). Die Conditio Humana macht es allerdings notwendig, eine gemeinsame, ethische und humane Orientierung der Menschen auf der Erde zu erreichen. Der Bonner Kulturanthropologe Christoph Antweiler plädiert dafür, zu erkennen, dass die Menschen auf der Erde nicht in verschiedenen Welten, sondern verschieden in einer Welt leben. Dabei geht es ihm nicht in erster Linie darum, ein „Weltdorf“ zu fordern, auch keine Weltregierung; vielmehr macht er sich auf die Suche nach einem „inklusiven Humanismus“, was bedeutet, nicht eine unerfüllbare Utopie an die Wand zu malen, die den homo sapiens per se als perfekten Weltenmenschen darstellt, sondern nach Kulturuniversalien zu suchen, die den Menschen in seiner individuellen und kulturellen Vielfalt und Unterschiedlichkeit als Menschheit zeigt, als, wie es in der Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt, „Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte“. Ein so verstandener „globaler Humanismus“ rekurriert nicht nur auf die Werte, die das kulturelle Dasein des Menschen bestimmen, sondern bemüht sich auch darum, „den Kontext, in dem diese stehen, zu verstehen“. Zwar kann diese Zuordnung leicht als Kulturrelativismus verstanden werden; doch mit dem anthropologisch fundierten, universalistischen, inklusiven Humanismus will der Autor aufzeigen, dass es nicht nur die kulturellen Spezifika und Unterschiede sind, die den Blick auf den Anderen richten, sondern vor allem die Ähnlichkeiten und Gleichheiten, die Gemeinsamkeit schaffen können. Das Plädoyer für einen realistischen Kosmopolitismus im Zeitalter der Globalisierung stellt keine Anbiederung an dominante kulturrelativistische Positionen dar; auch nicht an utopische Eine-Welt-Träumereien. Zwar ist die „Utopie der Hoffnung“ ein unverzichtbares Element lokalen und globalen Gegenwarts- und Zukunftsdenkens der Menschheit; aber sie kann nur dann aufklärerisch und überzeugend wirksam werden, wenn an den Wirklichkeiten des menschlichen Daseins gearbeitet wird. Ein „inklusiver Humanismus“, kosmopolitisch angewandt, kann dazu beitragen, die EINE WELT zu schaffen. Diesen Baustein bringt Antweiler in das Menschheitsprojekt einer humanen Weltkultur ein [11].

„Moderne Menschen verspüren eine Bestimmung zur Selbstbestimmung“

Diese (optimistische) Zuweisung ist eine aufklärerische! Bernd Ladwig, der an der Freien Universität Berlin moderne politische Theorie lehrt, legt eine „andere“ Einführung in Politische Wissenschaft vor. Er will damit damit auch keine Geschichte der Politischen Theorien schreiben, sondern macht deutlich, dass für ihn „moderne politische Theorie ( ) politische Theorie für und über moderne Gesellschaften (ist)“. Es handelt sich um „geglättete“ Mitschriften von Vorlesungen, die sich damit auseinandersetzen, dass die Frage, was politische Theorie ist; nicht nur wissenschaftlich beantwortet werden kann, sondern auf der Ergründung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen beruht. Es ist die gesellschaftliche und soziale Ordnung, in der sich die Menschen einer Gemeinschaft befinden, mit Macht und Herrschaft, Über- und Unterordnung, Norm und Deskription; und damit die jeweiligen Selbst- und Weltbilder, die das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen bestimmen und beeinflussen. Hilfreich für die Lektüre der aufgeführten modernen politischen Theorien sind sicherlich die die einzelnen Vorlesungen ergänzenden und ausführlichen Quellen-Hinweise, die es dem Studierenden und dem interessierten Leser ermöglichen, die Gedankengänge des Autors nachvollziehen zu können [12].

Demokratie als Lebensform

Das Paradigma kann nicht oft genug wiederholt werden: Das politische Agieren eines Menschen zeigt sich nicht erst darin, dass er eine Haltung zeigt, die ihn in seiner physischen Existenz herausfordert, sondern in seiner Identität überhaupt. Politisches Denken und Handeln umfasst also sowohl Alltägliches wie Existentielles; denn: „Das Politische ist Grundzug der Persönlichkeitsbildung“. Der 1934 geborene, von 1970 bis 2002 an der Hannöverschen Universität tätige Soziologe und Philosoph Oskar Negt hat sich Zeit seines beruflichen, pädagogischen und politischen Engagements immer eingemischt. Die Essenz seines Bewusstseins legt er in dem Buch „Der politische Mensch“ vor. Es ist kein „Abgesang“, auch keine „Abrechnung“, sondern eine Auseinandersetzung mit der „Gegenstandswelt, wie sie objektbezogen konstituiert ist“ und schließt ein, „Umwelt, Lebenswelt, auch den kosmopolitischen Weltbegriff, und die Frage, wie überhaupt Erfahrungen gemacht werden können, in einer Welt, in der die Erfahrbarkeit von Gegenständen, Architektur, Städten zu verschwinden droht“. Als Muster benennt Oskar Negt: Orientieren, Wissen, Lernen, Erfahren; und er stützt sich mit seiner Erinnerungsarbeit auf die Verwirklichung der Utopie, dass „die konkrete Verneinung der als unerträglich empfundenen gegenwärtigen Verhältnisse, mit der klaren Perspektive und der mutigen Entschlossenheit (bewirkt), das Gegebene zum Besseren zu wenden“ [13].

Direkte oder indirekte Demokratie?

In der politischen Bildung ist die Frage umstritten, ob Demokratiebewusstsein besser als bisher gefördert und der zunehmenden Politikverdrossenheit deutlicher entgegengewirkt werden könne, wenn die Bürger über gesellschaftliche und politische Themen nicht indirekt, also über die Volksvertreter in den Gemeinden, Kreis- und Landtagen und im Bundestag, sondern direkt entscheiden würden. Der bundesweit agierende Verein „Mehr Demokratie“, mit Sitz in Berlin, hat sich zum Motto gewählt: „Wenn wir aufhören, die Demokratie zu entwickeln, fängt die Demokratie an aufzuhören“. Während noch vor ein paar Jahren die Aktivitäten der Vereinsmitglieder von der Mehrheit der Bevölkerung belächelt und als Verfassungsfeinde verdächtigt wurden, gibt es in der Bundesrepublik heute immer mehr Menschen, die „vor Ort“ bei Volksbegehren mitmachen, in Deutschland mittlerweile mehr als 5000 Aktivitäten. Volksabstimmungen zu Vorhaben und Entwicklungen, die die Menschen in ihren jeweiligen direkten Lebenssituationen betreffen, sind heute Bestandteil eines demokratischen Mitbestimmungsbewusstseins.Das überparteilich, sich unabhängig verstehende Bündnis „Mehr Demokratie“ tritt für eine Ausweitung und Intensivierung von bürgerschaftlichen Teilhabemöglichkeiten ein, um nicht weniger, sondern mehr Demokratie durch plebiszitäres und aktives Bewusstsein zu erreichen und damit Demokratie zu bereichern; angesichts der zunehmenden Politikverdrossenheit und des (nach)hinkenden und passiven Verhaltens der Bürgerinnen und Bürger in der Zivilgesellschaft eine ungemein wichtige und dringliche Aufgabe.Niemand von den demokratisch denkenden Bürgern ist dagegen, die politischen Instrumente des Demokratiedenkens und -handelns zu verbessern. Inwieweit jedoch unsere parlamentarisch verfasste demokratische Ordnung durch Elemente der direkten Demokratie ergänzt werden sollte und kann, ist umstritten; nicht zuletzt auch deshalb, weil die Vorstellungen über die Instrumente der direkten Demokratie unterschiedlich sind und nicht selten falsch wahr genommen werden. Es bedarf also der Information und Aufklärung darüber, was direkte Demokratie bedeutet und welche Möglichkeiten darin stecken, die ohne Zweifel fragwürdigen Entwicklungen der repräsentativen Demokratie, wie Manipulierbarkeit, Ohnmachtsempfinden und Politik(er)verdrossenheit, stoppen zu können und Demokratie als Herrschaft des Volkes wirksam werden zu lassen. Das „Jahrbuch für direkte Demokratie 2010“ liefert eine Reihe von Argumenten und Belege dafür. [14].

Friedenserziehung tut Not, in Europa und überall in der Welt

Es scheint, dass im theoretischen globalen Konfliktdiskurs (möglicherweise sogar angeheizt durch die globalen Versuchungen) die scheinbar überwunden gegoltene Auffassung von Militärstrategen, dass Krieg ein Mittel zur Konfliktlösung sein könne, wieder an Konjunktur gewinne. Irrwitzige Pauschalisierungen, wie „die Achse des Bösen“, tragen dazu bei, dass der Gedanke, es könne (irgendwann) eine „friedliche Menschheit“ geben, für die es lohne, sich dafür einzusetzen, kaum noch als humane Perspektive gedacht wird. Die Konsequenz aus diesem Diskurs lässt sich bereits jetzt anschauen: „Wer nicht unserer Meinung ist, ist unfähig (und unwillig) zum Frieden! Dieser stupider Auffassung gilt es zu widerstehen – durch eine koordinierte Politik- und Friedenserziehung auf der Grundlage der unteilbaren und nicht relativierbaren Menschenrechte. Die im Jahr 2000 gegründete Vereinigung von Friedenserzieherinnen und -erziehern aus acht europäischen Ländern (EURED, Education for Europe as Peace Education) setzt sich dafür ein, dass in einem gemeinsamen Europa, das sich in der Einen Welt eingebunden weiß, ein aufgeklärtes Friedensbewusstsein durch Bildung und Erziehung der Menschen zu schaffen: „The Europe of Knowledge is a vision of an active and open society in which democratic practice, economic sprosperity und social justice are accessible to and shared by all“ [15].

Ist Macht Machbarkeit – ist Politik Macht?

Die interessante Fragestellung, in welcher Weise sich der Charakter von sozialen Beziehungen in gesellschaftlichen Prozessen als politisch oder unpolitisch darstellt, etwa in Geschlechterverhältnissen, in Arbeitsbeziehungen, im Verhältnis zwischen SchülerInnen und zwischen diesen und den LehrerInnen, Eltern, usw., wird nicht selten mit zwei Positionen beantwortet: Die eine geht davon aus, dass alles, was der Mensch tut, politisch ist; die andere trennt zwischen Akten der Privatheit und Politik. Weil Macht Macht macht, bedarf es der politischen Bildung, um die demokratische Legitimität von Macht von der willkürlichen politischen Gewalt unterscheiden zu lernen. Ein Autorenteam aus Österreich plädiert in einem als „Einführung in Fragestellungen der Begriffe von Politik und Demokratie“ verstandenem Workbook für ein stärkeres Engagement in der politischen Bildung, und zwar so, dass die „Analyse von Politik und Demokratie auf der Grundlage von Geschlechterverhältnissen (...) einen machtorientierten Politikbegriff (verlangt), der die Privatheit als nicht ‚natürlich‘ erachtet, sondern ‚politisiert‘“ [16].

Wir brauchen ein neues ökonomisches und politisches Narrativ

Es sind die seit Jahrzehnten in unterschiedlicher Intensität vorgebrachten Analysen, Prognosen und Bestandsaufnahmen über den Zustand unserer (Einen?!) Welt, die eigentlich die Menschheit zu einem Perspektivenwechsel bringen müsste, wie ihn die Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ 1995, wie vorher bereits z. B. die Berichte an den Club of Rome und danach und weiterhin Jahr für Jahr das New Yorker World Watch Institute zur Lage der Welt den Menschen lokal und global aufgeben: „Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“. Doch ein solcher radikaler, revolutionärer Wandel scheint mit den Menschen nur schwer machbar zu sein – und vor allem von vielen nicht als notwendig erachtet zu werden. Es ist vor allem der Homo oeconomicus, der ein „Weiter so“ als Ziel der menschlichen Entwicklung betrachtet, obwohl die Zeichen einer falschen und letztlich existenzgefährdenden Entwicklung längst als Menetekel vorhanden sind: Klima-, Umwelt-, Energie- und humanitäre Katastrophen. Es sind aber auch die nach wie vor leiseren, aber immer vernehmlicher sich meldenden Aufforderungen, das ökonomische Denken und Handeln der Menschen auf eine Grundlage zu stellen, die von den bisherigen vertikalen, von Oben nach Unten sich ausdifferenzierenden Vorstellungen abweichen hin zu laterale Mustern. In dieser Situation, in der es ein „Immer-weiter-so!“ und ein „Go West!“ nicht mehr geben darf, haben sich zwei Mentalitäten und Meinungen etabliert, die beide keine Lösung des existentiellen Menschheitsproblems bringen können: Die „Aussitz„- und die „Haben-wir-schon-immer-so-gemacht!“ – Haltung, sowie die „Es-ist-alles-zu-spät!“ – und „Da-kann-man-sowieso-nichts-machen“ – Einstellung. Es war der Ölschock, der die gewohnten Sicherheiten und Selbstverständlichkeiten, dass Energie aus fossilen Brennstoffen praktisch unbegrenzt, unschädlich für die Menschheit und Umwelt und zudem billig verfügbar wäre, erschütterte und ein Nachdenken provozierte, ob das Immer-schneller-immer-Mehr tatsächlich eine erstrebenswerte Alternative der menschlichen Entwicklung sein könne. Es bedarf also einer anderen Position, die bestimmt ist von der humanen Überzeugung, dass der Anthrôpos, der Mensch, ein vernunftbegabtes, zu einem eu zên, einem guten Leben fähiges Lebewesen ist, wie dies bereits Aristoteles in seiner nikomachischen Ethik formuliert hat. Er legt einen Entwurf vor, wie eine „Dritte Industrielle Revolution“ bewerkstelligt werden könnte [17].

Das Jahrhundert der Migration – das Jahrhundert der Flüchtlinge

Migrationsbewegungen hat es in der Geschichte der Menschheit schon immer gegeben, von den Wanderungsbewegungen der Jäger- und Sammlervölker in der Frühzeit, über die Völkerwanderungen, bis zu den Aus- und Einwanderungsprozessen vor allem im 19. Jahrhundert. Mit der Arbeitsmigration, wie sie seit Mitte der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts in unser Blickfeld gerät, hat diese Form der weltweiten Wanderung von Menschen in unserer Zeit jedoch eine neue Dimension erreicht. Fluchtbewegungen, die insbesondere durch die Globalisierung hervorgerufenen asymmetrischen Prozesse der Entwicklung von Wirtschaftsräumen der Erde und die wachsenden Interdependenzen – „Die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer“ – entstehen neu. Die wissenschaftliche Diskussion um Migrationsbegriffe und -ursachen in Deutschland setzt denn auch erst zu dem Zeitpunkt ein, als durch die Wirtschaftsentwicklung eine staatlich geförderte Arbeitsmigration um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts vor allem in den nordwesteuropäischen Industriezentren die Anwerbung von Arbeitskräften erforderte. Diese „Gastarbeiter“ kamen überwiegend aus den südwest- und südosteuropäischen Räumen. So stieg von 1962 bis 1974 die Zahl der Migranten in Westeuropa von 3,2 auf 7,2 Millionen Menschen. In den achtziger Jahren veränderten sich die Migrationsrichtungen. Arbeitssuchende aus Lateinamerika, Afrika und dem Südosten Asiens zog es nach Europa; in Italien etwa stieg die Zahl der AusländerInnen mit Arbeitserlaubnis von rund 490.000 von 1989 auf 871.000 im Jahr 1991. Deutschland ist, trotz der gesetzlichen Einschränkungen durch Anwerbestopp und Restriktionen bei Asylbewerbungsverfahren, auch im Rahmen des Schengener Abkommens (west)europaweit, nach wie vor, neben den USA, das begehrteste Zuwanderungsland der Welt. Eine seit den 1980er Jahren vielfach geforderte Migrations-, Integrations- und Minderheitenpolitik (Klaus Bade), die den Zuwandererern wie den Eingesessenen eine verlässliche und humane Rechtsgrundlage bietet, lässt immer noch auf sich warten. Der unselige, parteipolitische und populistisch aufgeheitzte Streit, ob sich Deutschland zu einem Einwanderungsland und einer multikulturellen Gesellschaft entwickeln darf, ist zwar offiziell ad acta gelegt, aber, das zeigen nicht zuletzt Pamphlete wie die von Thilo Sarrazin und anderen, immer noch in vollem Gange. Die Einsicht wächst, dass eine verlässliche, humane und auf der Grundlage der Menschenrechte orientierte Migrationspolitik des politischen und sozialen Gestaltungswillens bedarf, der über die nationalen und kontinentalen Grenzen hinausreicht [18].

Über den Krieg der Ideologien

Ist der Krieg der „Vater aller Dinge“, wie der griechische Philosoph Heraklit meinte? Handelt es sich bei der Kriegsführung um eine „Notwendigkeit der Natur“, wie der englische Denker Thomas Hobbes empfand, wonach gewissermaßen das Kriegführen in der Natur des Menschen läge? Ist der Krieg nichts anderes als ein Mittel zur Durchsetzung von politischen Zielen, wie dies der preußische Kriegstheoretiker Carl von Clausewitz in die Köpfe der Menschen, vor allem der Herrscher brachte? Sind die Kriege heute nichts anderes als eine „neue Kolonisierung der Welt“, wie dies die Kölner Soziologin Maria Mies formuliert [19]; oder lässt sich ein Bewusstsein schaffen, wie dies die UNESCO in der Präambel ihrer Verfassung vom 16. 11. 1945 zum Ausdruck bringt: „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, müssen auch die Bollwerke des Friedens im Geist der Menschen errichtet werden“. Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989, der die (endgültige?) Auflösung des Ost-West-Konflikts signalisierte, barg für viele Menschen die Hoffnung, dass es Kriege künftig nicht mehr geben würde, sondern sich vielmehr in der immer interdependenter sich entwickelnden Welt, im „globalen Dorf“, auch der Nord-Süd-Konflikt lösen ließe; und damit das Skandalon, dass in der globalisierten Welt die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, in der Menschheitsgeschichte ad acta gelegt werden könnte. Doch dann kamen die Kriege im Balkan, in Afghanistan, im Golf, im Irak, in Afghanistan… Und mit dem 11. September 2001 der „Krieg gegen den Terrorismus“ [20].

„Jeder ist sicher zu wissen, was Faschismus ist“

Die Bibliotheken füllenden Werke über die Ideologie des Faschismus als eine radikale Form von nationalistischem und populistischem Denken rekurrieren überwiegend auf wesentliche Merkmale, wie sie etwa vom italienischen und deutschen Faschismus gedacht und angewandt wurden, mit den verheerenden Folgen für die Welt. In der Analyse über faschistisches Denken und Handeln gibt es jedoch entscheidende Interpretationsschwerpunkte. Einer der Wegbereiter des faschistischen Nationalsozialismus in Deutschland, Houston Stewart Chamberlain, phantasiert in seinem zweibändigen Werk „Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts“ (XI. Auflage, Volksausgabe, München 1915) über das „nascimento“, der „Geburt eines noch nie Dagewesenen„; dem er, von Italien ausgehend, die germanischen Wurzeln unterlegte. Ganz anders die marxistischen Auffassungen, die, wie Clara Zetkin (1923), den Faschismus als eine terroristische Herrschaftsform des Kapitals definierten. Angesichts der italienischen, deutschen, französischen, griechischen, englischen, japanischen, kroatischen, österreichischen, portugiesischen, rumänischen, schweizerischen, serbischen, skandinavischen, spanischen, US-amerikanischen und chilenischen Varianten der Faschismen, kommt der US-amerikanische Politikwissenschaftler Matthew Lyons 2004 zu einer Definition des Faschismus, die mittlerweile in der wissenschaftlichen Diskussion anerkannt ist: „Faschismus ist eine Form rechtsextremer Ideologien, die die Nation oder Rasse als organische Gemeinschaft, die alle anderen Loyalitäten übersteigt, verherrlicht. Er betont einen Mythos von nationaler oder rassischer Wiedergeburt nach einer Periode des Niedergangs und Zerfalls. Zu diesem Zweck ruft Faschismus nach einer ‚spirituellen Revolution‘ gegen Zeichen des moralischen Niedergangs wie Individualismus und Materialismus und zielt darauf, die organische Gemeinschaft von ‚andersartigen‘ Kräften und Gruppen, die bedrohen, zu reinigen. Faschismus tendiert dazu, Männlichkeit, Jugend, mystische Einheit und regenerative Kraft von Gewalt zu verherrlichen. Oft – aber nicht immer – unterstützt er Lehren rassischer Überlegenheit, ethnische Verfolgung, imperialistische Ausdehnung und Völkermord…“. Robert O. Paxton (Jg. 1932), emeritierter Historiker an der Columbia University New York, versucht, mit seiner bemerkenswerten Arbeit an diesen „Gewissheiten” zu rütteln, indem er unseren Blick über das Bild vom allmächtigen Diktator, Führer und der Bewegung, die mit der faschistischen Propaganda alle Macht in der Nation lenken und vorgeben, hinaus lenkt, hin zu den Personen, Gruppen und Institutionen, die ihnen dabei halfen und diese Macht ermöglichten. Damit vertritt er die Position, „dass das, was die Faschisten taten, uns zumindest ebenso viel über sie verrät, wie das, was sie sagten“. Einer der wesentlichen Wirkungsweisen des Faschismus ist, nach Paxton, dass die Ideologie die Beziehungen zwischen dem Individuum und dem Kollektiv neu gestaltet, so dass der Einzelne keine Rechte mehr außerhalb des „Gemeinwohls“ hat [21].

SOS – Antisemitismus

„Unter Antisemitismus verstehe ich eine spezifische Semantik, in der ein nationales, rassisches und/oder religiöses Selbstbild mit einem abwertenden Judenbild einhergeht“. Diese Definition des uralten, neuen Problems von Weltdeutungen, bei denen es um Zuschreibungen von Gegnerschaft gegen das Wir einer national formulierten „Volksgemeinschaft“ geht, liefert der Leiter des Evangelischen Studienwerks Villigst, Dr. Klaus Holz, in einem Büchlein, das man getrost in der Hosentasche mit sich tragen kann. Das Villigster Forschungsforum zu Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus hat einen Namen und einen Ruf als eine theorie-praxisorientierte Initiative zu Fragen von Extremismen, Ausländerfeindlichkeit und Höherwertigkeitsvorstellungen erworben. Die Arbeitsgruppe SOS Rassismus im Haus Villigst hat mit ihrer Arbeit eine Reihe von Aktivitäten begründet und entwickelt, die sich z. B. in den Projekten „Schule Ohne Rassismus“ und „Aktion Courage – SOS Rassismus“ auch an Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen wendet. Bei seiner Analyse über die „Gegenwart des Antisemitismus“ widerspricht Klaus Holz der gängigen Auffassung, dass die Formen der „globalisierten“ Judenfeindlichkeit heute einen neuartigen Antisemitismus zeigen, der sich abhebt von den Formen, wie sie etwa im Nationalsozialismus propagiert wurden und zur Shoah geführt haben. Als neu erkennt er vielmehr, dass sich in den Zeiten der sich immer interdependenter entwickelnden Welt die unterschiedlichen antisemitischen Strömungen und Ideologien in ihren Weltanschauungen angleichen und grundlegende semantische Muster aufnehmen, die den Antisemitismus begründen. Da ist zum einen das Vorurteil, dass Juden „die traditionale, moralisch integrierte Gemeinschaft der Wir-Gruppe“ zersetzen; zum anderen die antisemitische Figur des Dritten, als „verschwörungstheoretische Konstruktion einer weltumspannenden Macht“, die „der Jude“ verkörpert [22].

Transnationalität als globale Verflechtung

Transnationalität oder Supranationalität wird in der semantischen Bedeutung synonym mit „Überstaatlichkeit“ bezeichnet. Besonders in der Diskussion um das Völkerrecht finden die Begriffe Anwendung, etwa bei der Kennzeichnung der Europäischen Union, wenn die Übertragung von nationalstaatlicher Gesetzgebung auf überstaatliche Institutionen, wie auf den supranationalen Staatenbund der EU, beschrieben wird. Eine gewisse Differenzierung in den Begriffsanwendungen hat sich jedoch in der letzten Zeit ergeben: Während Supranationalität als Überstaatlichkeit im internationalen Zusammenhang bezeichnet wird, wird von transnationalen Prozessen dann gesprochen, wenn überwiegend ökonomische Beziehungen, wie etwa bei transnationalen Konzernen, dargestellt werden. Transnationalität wird jedoch auch dann benutzt, wenn weltweite kulturelle Phänomene analysiert und verglichen werden. Während sich mit den Prozessen der Transnationalisierung mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen auf der theoretischen und empirischen Ebene beschäftigen, scheint es in der sozialwissenschaftlichen Forschung ein Defizit um die Frage zu geben, wie transnationale Auswirkungen auf gesellschaftliche Gruppen und Individuen erkannt, dargestellt und bewertet werden können. Dies stellt das Autorenteam insbesondere im Forschungs- und Praxisfeld der Sozialpädagogik und Sozialarbeit fest: Cornelia Schweppe, Professorin für Sozialpädaogik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Hans Günther Homfeld von der Universität Trier und Wolfgang Schröer von der Universität Hildesheim. Die aus der anglophonen Diskussion eingebrachten Aspekte von „social development“, im Sinne von lokaler und globaler sozialer Entwicklung, sowie „civil society“, als demokratische, politische Handlungsermächtigung und -befähigung der Bürger, verweisen auf die Notwendigkeit, im Diskurs um den Zusammenhang von Transnationalität, sozialer Unterstützung und agency auf die Aspekte der ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Eingliederung sowohl auf lokaler, mikroregionaler und nationaler, als auch auf transnationaler Ebene aufmerksam zu werden [23].

Die Riskanz der globalen Risikoanalyse

Der Münchener Soziologe Ulrich Beck ist mit seinem erstmals 1986 erschienenem Buch „Risikogesellschaft“, das mittlerweile in mehreren Auflagen vorliegt und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, den Weg in eine andere Moderne gegangen. Ihm sind dabei viele Analysten, Experten, Wissenschaftler, Politiker und Alltagsdenker gefolgt; andere haben ihn dafür als Pessimisten und Risikisten getadelt; aber kaum hat ernsthaft aus der Zunft bestritten, dass wir Menschen in einer neuen Zeit angekommen sind, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die (vermeintlichen und über Generationen hinweg lieb gewonnenen) „Selbstverständlichkeiten“ und „Sicherheiten“ in den Mülleimer der Zeitgeschichte gehören. Seine soziologische Zeitdiagnostik ist nicht mehr und nicht weniger als ein endgültiger Blick über den eigenen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Gartenzaun. Die Risiken, die er dabei von Katastrophen unterscheidet, sind global erkennbar und wirksam. Der anklagende Zeigefinger, der für die Krisen in den vielfältigen Lebens- und Überlebensbereichen der Menschen, die Anderen verantwortlich macht, zeigt deutlich mit vielen anderen Fingern auf den Betrachter oder Ankläger zurück. Becks Hinweis, dass eine Abwendung von Risiken, ob in der globalen Umwelt-, Energie-, Bevölkerungs-, Gerechtigkeits- oder Ernährungspolitik, nicht durch die „eine“, richtige Lösung möglich ist: „Bei vielen Entscheidungen über Großrisiken, geht es nicht um die Wahl zwischen sicheren und riskanten Alternativen, sondern um die Wahl zwischen verschiedenen riskanten Alternativen“, deren Risiken qualitativ unterschiedliche Dimensionen einnehmen können. Das „Risikokalkül“ also ist es, das mit Blick auf die sich immer interdependenter entwickelnden, zusammenwachsenden oder auch zusammenstoßenden Welt die individuelle wie institutionelle Aufmerksamkeit der Menschheit erfordert: Weltrisikogesellschaft erzwingt eine neue, historische Schlüssellogik einer globalen Verantwortungsethik – Weltprobleme schaffen eine transnationale Gemeinsamkeitsethik – Internationale Organisationen und Zusammenschlüsse ermöglichen einen kosmopolitischen Mehrwert für alle Menschen - Die Legitimität globaler Risikopolitik bedarf einer globalen Gewaltenteilung und führt zu mehr politischer und gesellschaftlicher Legitimität - Transnationale Zusammenarbeit nutzt allen [24].

Demokratiepädagogik: Lernen für die Zivilgesellschaft

Der wissende, kritische, aufgeklärte und urteilsfähige Bürger ist gleichzeitig bereit und fähig zu handeln und Verantwortung zu übernehmen, und zwar im Sinne eines demokratischen Bewusstseins. So kann man heute Individuen bezeichnen, die in einer Zivilgesellschaft leben, also in einer zivilisierten und demokratischen Gesellschaft. Dieser begrifflichen Zuweisung dürfte vermutlich keiner der Politiktheoretiker und -didaktiker widersprechen. Schwieriger wird es schon, wenn es um die Frage geht, mit welchen Begriffen der pädagogische Auftrag belegt wird, demokratisches Denken und Handeln zu vermitteln. Der Begriff der „politischen Bildung“ steht dabei für die politische und didaktische Herausforderung, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Toleranz und Kritikfähigkeit nahe zu bringen, demokratische Grundlagen zu vermitteln und die Fähigkeit zu erwerben, aktive Bürger in einer Demokratie zu werden. Zahlreiche andere Benennungen, wie „demokratische Erziehung“, „Demokratie-Lernen“, „Politik“, „Soziales Lernen“, „Internationales Lernen“, tragen nicht unbedingt dazu bei, das Bewusstsein für die Notwendigkeit zu stärken, dass jeder von uns sich einsetzen muss, den Erhalt, die Erneuerung und Weiterentwicklung der Demokratie als (die beste) Lebens-, Gesellschafts- und Herrschaftsform zu garantieren. Dabei hat sich der Begriff „politische Bildung“ aus den fachspezifischen Beiträgen der Politikwissenschaft und der Pädagogik / Erziehungswissenschaft gebildet. Politische Bildung in der Schule hat sich, für die curriculare und erzieherische Arbeit, weitgehend als eine so genannte „Querschnitt-Aufgabe“ entwickelt, was bedeutet, dass der Bildungsauftrag nicht als Lernfach, sondern als fächerübergreifende Anforderung verstanden wird. Im so genannten „Magdeburger Manifest“ der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik e. V., Berlin, wird unter anderem formuliert, dass Demokratie, als Ergebnis menschlichen Handelns und menschlicher Erziehung, eine historische Errungenschaft und kein Naturgesetz sei: „Demokratie kann und muss gelernt werden – individuell und gesellschaftlich. Weil Demokratie eine Lebensform ist, und Leben Veränderung bedeutet, sollte auch der Diskussionsbeitrag für ein effektiveres, zeitgemäßes und aktives Eintreten für demokratisches Denken und Handeln in der Gesellschaft Ernst genommen und in den Diskurs darüber hinein genommen werden – in der Schule, in der beruflichen und Hochschul-, der Jugend- und Erwachsenenbildung [25].

Sich beteiligen an dem, was noch nicht verwirklicht ist

Es geht darum, in der sich immer interdependenter und entgrenzender entwickelnden Welt, nach etwas zu suchen, was der Gier der Menschheit nach einem „immer-Größer-immer-Weiter-immer-Höher-immer-Mehr“ eine Alternative entgegen zu setzen vermag; etwa, wenn der britisch-deutsche Soziologe und Pädagoge österreichisch-ungarischer Herkunft, Karl Mannheim (1893 – 1947) von der „Utopie als Hoffnung“ spricht; oder uns Albert Einstein als Merksatz in die Tagesordnung schreibt: „Phantasie ist wichtiger als Wissen“. Die aus Jamaika stammende, 1936 geborene und 2002 gestorbene Lyrikerin und politische Aktivistin June Jordan hat das in ihren „Aufruf an alle schweigenden Minderheiten“ (1989) so formuliert: He!//du dort//mach dich auf//wo immer du bist//wir müssen zusammenkommen//unter diesem Baum//der nicht mal//gepflanzt ist.

Im heutigen Diskurs über die Entwicklung in der Einen Welt wird der Begriff der „nachhaltigen Entwicklung“, der ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammt und den Waldbesitzern anriet, nur so viele Bäume zu schlagen, wie auch wieder nachwachsen können, verwendet als „tragfähige Entwicklung“ (Brundtland-Bericht von 1987) und der Verpflichtung, dass die „Bedürfnisse gegenwärtiger und zukünftiger Generationen auf Entwicklung und Umwelt gerecht erfüllt werden“ (Agenda 21). Weil, das zeigen die mittlerweile zahlreichen Deklarationen, Akklamationen und Szenarien-Darstellungen in lokalen, regionalen und globalen Diskussionen, es meist relativ einfach ist, Appelle zu formulieren und so unendlich schwierig, sie auch in konkrete Politik umzusetzen. Im internationalen Ringen bei der Suche nach der „Rettung der Menschheit aus der selbstverschuldeten Gefahr“ werden Konzepte von „Global Governance“ diskutiert. In der deutschen Sprache wird diese Hoffnung nur unzureichend übersetzt mit „globale Regierungsführung“, „globale (politische) Lenkungsformen“ oder „weltumspannende Politikgestaltung“. Es bedarf also der Forschung und Überzeugung, neues Denken und Instrumentarien, um eine zukunftsfähige (Weiter-)Entwicklung der Menschheit in unserer Einen Welt zu ermöglichen. Das Wiener Institut für Umwelt – Friede – Entwicklung (IUFE) will mit ihren Forschungsarbeiten, Diskussionsforen und Informationsveranstaltungen ZUKUNFTSFÄHIGKEIT und VERANTWORTUNGSETHIK in EINER WELT mit verwirklichen helfen, um die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen, nämlich „unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu erhalten, eine nachhaltige, sprich zukunftsfähige (Welt)Gesellschaft samt Wirtschaft zu etablieren und damit Frieden zu sichern“ [26].

Die Menschenrechte sind ein Ereignis, „das vergisst sich nicht mehr“ -

die von Immanuel Kant entliehene Aussage klingt wie eine Fanfare und ein Fanal. Die Frage nach den Menschenrechten ist ein Ergebnis des philosophischen (westlichen) Nachdenkens im 17. und 18. Jahrhundert und der Erkenntnis, dass jeder Mensch von Natur aus Rechte habe, was sich, spätestens in der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung und in der Französischen Revolution, in den Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ausdrückte und zu politischen Auffassungen als „Bürgerrechte“ entwickelte. Als die Generalversammlung der 1945 gegründeten Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ proklamierte, da lag (wieder einmal) die Erfahrung der Menschen zugrunde, dass die „Verkennung und Missachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei“ führen – und die Hoffnung, dass die Menschheit endlich erkennen möge, dass die „Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt bildet“, wie dies in der Präambel der Menschenrechtserklärung formuliert wird und in Artikel Eins der Erklärung eindeutig und unmissverständlich zum Ausdruck kommt: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen“ [27]. Menschenrechte sind für alle Menschen gültig, und die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegten Werte und Normen sind allgemeinverbindlich, also nicht interpretier- und relativierbar. Jeder Mensch auf der Erde, ob jung oder alt, arm oder reich, mächtig oder ohnmächtig, religiös oder atheistisch, soll die in der Menschenrechtserklärung gesetzten Rechte in Anspruch nehmen können. Das Problem ist freilich, wie dieses Recht verwirklicht werden kann, überall auf der Welt. Besonders bedeutsam ist dabei, dass die historische Entwicklung und human-philosophische Bedeutung der Menschenrechte thematisiert wird [28]. Das politische Machen ist auf Anregungen durch das Denken angewiesen. Diese Binsenwahrheit und eigentliche Selbstverständlichkeit gerät nicht selten unter die Räder des Machens, des Pragmatismus, der Widerstände und Verzagtheiten der alltäglichen Politik wie in den Perspektiven, Entwürfen und Visionen der Regierungs- und Machtausübung. Die uralte Frage nach dem guten Leben für alle Menschen auf unserer Einen Erde wird mit den Weltanschauungen und Ideologien der Mächtigen und Wohlhabenden beantwortet, gestern und heute! Die heute rund 6,6 Milliarden Menschen werden sich, so die Prognosen, im Jahr 2050, also in einer Generation, auf rund neun Milliarden vermehrt haben. Auf diese Tatsache mag man mit Fatalismus, Resignation oder Weltuntergangsstimmung reagieren – oder mit dem Willen, die Herausforderungen, die dabei auf die Menschheit zukommen, zu denken, zu reflektieren und mit den Mitteln der politischen Kommunikation auszusprechen: „Die Menschheit ist reich genug an Wissen und Ressourcen, um Freiheit und damit menschliche Sicherheit global Wirklichkeit werden zu lassen“. Christoph Zöpel lässt sich auf dieses Wagnis ein. Er gliedert seine Analyse in drei Schwerpunkte: Im ersten geht es um die Auseinandersetzung mit der Wirkungsmächtigkeit nationaler Traditionen; im zweiten darum, weshalb die globalen Wirklichkeiten für die Existenz der Menschheit die Schaffung einer Weltgesellschaft erfordern; im dritten schließlich um die Maxime, universale Menschenrechte durchzusetzen [29].

Die „eingegrenzte“ Ideologie der Ungleichheit

Der Lehrstuhlinhaber des Instituts für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, Ulrich Beck, plädierte in seinem Eröffnungsvortrag zum 34. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie am 6. Oktober 2008 in Jena für „Entgrenzungsprozesse“ in dreifacher Hinsicht: Einer Entgrenzung sozialer Gleichheit, Entgrenzung sozialer Ungleichheit und dem Ende der Entgegensetzung von Natur und Gesellschaft. Dabei kommt er zu aufregenden und vermutlich Viele in der Welt der Wohlhabenden irritierenden Erkenntnissen. Denn der Skandal der Ungleichheit in der Welt zeigt sich in der Form eines Champagnerglases: „Auf die 900 Millionen Menschen, privilegiert durch die Gnade der westlichen Geburt, entfallen 86 Prozent des Weltkonsums, sie verbrauchen 58 Prozent der Weltenergie und verfügen über 79 Prozent des Welteinkommens… Auf das ärmste Fünftel, 1,2 Milliarden der Weltbevölkerung, entfallen 1,3 Prozent des globalen Konsums, 4 Prozent der Energie…“. Wieso lassen sich die Mehrheiten der Weltbevölkerung diese Ungerechtigkeiten gefallen? Beck filtert aus den Analysen und Reflexionen darüber eine Erklärung: „Das Leistungsprinzip legitimiert nationale Ungleichheit, das Nationalstaatsprinzip legitimiert globale Ungleichheit„; weil ein nationalstaatliches Denken und Handeln zwischen politisch relevanter und irrelevanter Ungleichheit unterscheidet. Und weil bisher keine Instanz vorhanden ist, die gewissermaßen als globalstaatliche Zuständigkeit Lösungen dieser Ungleichheiten fordert. Das bedeutet nicht nur, dass in der Welt rund 200 Inseln nationalstaatlicher Ungleichheiten vorhanden sind, sondern auch, dass „die Ungleichheiten zwischen Ländern, Regionen und Staaten als politisch unvergleichbar gelten“. Der „nationale Blick“, als ethno-, euro- und egozentrierte Betrachtung und Einstellung, befördert, verfestigt und begrenzt „die Wahrnehmung sozialer Ungleichheit im Alltag, Politik und Wissenschaft“, weil damit territoriale, politische, ökonomische, gesellschaftliche und kulturelle Grenzen in eins gesetzt werden. Es bedürfe eines „kosmopolitischen Blicks“, um den Anforderungen in einer sich immer interdependenter und entgrenzender entwickelnden Welt gerecht werden zu können. [30].

Von Heuschrecken, Gewinnern und Verlierern: Globalisierung wird gemacht

Die Analysen, Prognosen und Warnungen, dass die sich in der immer interdependenter und entgrenzender entwickelnden Welt ausbreitende Markt-Macht, der „entfesselte Weltmarkt“, mittlerweile nicht mehr nur die traditionellen Verlierer in den ärmeren Ländern der Erde bedrohe, sondern in zunehmendem Maße auch die bisherigen Gewinner und Wohlhabenden, nehmen zu. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat bisher nicht dazu geführt, dass die etablierten Formen und Systeme des „Marktradikalismus“ sich ändern. Aber Globalisierung fällt nicht vom Himmel, sondern sie wird gemacht – von multinationalen Konzernen, von Produzenten und Händlern, von Politikern und Regierungen, von Arbeitern, Wissenschaftlern und Gewerkschaften, von internationalen Organisationen und NGOs, von jedem von uns also mit mehr oder weniger Macht. In der Auseinandersetzung stehen sich die Befürworter der lokalen und globalen, freien Marktwirtschaft und die Vertreter einer kritischen Internationalen Politischen Ökonomie diametral und unversöhnlich gegenüber. Dabei sprechen die Fakten eine deutliche Sprache! [31].

Die welthistorische Paradoxie als Hoffnung?

Das Wesen des Dschihad ist das Streben nach Frieden – und qital, der bewaffnete Kampf, bisweilen der notwendige Kampf zu diesem Frieden; so legt der Islamwissenschaftler und Verfechter eines selbstbewussten und aufgeklärten Islams in Europa, Tariq Ramadan, die Diskrepanz zwischen Machtstreben und Friedenssehnsucht der Menschen aus. Krieg als notwendiges Mittel zum Frieden? Das ist doch eine allzu vereinfachende Erklärung über die in der Menschheitsgeschichte immer wieder stattgefundenen und weiterhin stattfindenden gewaltsamen Auseinandersetzungen über Grenzen, Überzeugungen und Dominanz. Folgt man der ethischen und aus der griechischen Philosophie übermittelten Auffassung, dass der Mensch, weil er ein vernunftbegabtes Lebewesen ist, nach einem sittlich guten und autarken Leben strebt (eu zên, Aristoteles), dürfte es eigentlich keine Kriege geben, weder „heilige“, also mit göttlichem Befehl veranlasste, noch „weltliche“, von Ideologien und Machtmissbrauch bestimmte. Wie kann also eine „Kultur des Friedens“ entstehen? Durch Aufklärung und Bildung. Und durch Dialog. Diese Auffassung vertritt der Politikwissenschaftler der Universität Erfurt, Kai Hafez. In seiner Vergleichsanalyse zwischen islamischen, islamistischen und fundamentalistischen Entwicklungen mit denen westlicher Demokratien weist er darauf hin, dass „auch der Westen ( ) seinen heutigen Zustand von Wohlstand, Modernität und globaler Macht nicht allein Aufklärung, Wissenschaft und Demokratie zu verdanken (hat), sondern ebenso Glaubenskriegen, Revolutionen und kolonialer Ausbeutung“. Diese Einschätzung ist nun für Kai Hafez keinesfalls Anlass, einer fatalistischen, machtlosen Resignation zu verfallen; vielmehr zeigt er in einer historischen und politischen Nachschau auf, dass der alte, von der Allgemeinheit wie von den Wissenschaften sorgsam gepflegte „Orient-Okzident-Gegensatz“, wonach der „Islam als eine mit Moderne, Demokratie und Zivilisation unvereinbare Gegenwelt“ betrachtet wurde, zumindest in den westlichen Islam- und Politikwissenschaften, längst ad acta gelegt worden ist. Er hegt „die Hoffnung, dass trotz real bestehender Risiken durch Diktaturen, Kriege, Terror und Antisemitismus auch und vielleicht gerade der politische Islam, in all seinen Facetten bis hin zum Fundamentalismus, den Weg für eine politische Inklusion der islamischen Welt in ein größtenteils konsensuales Projekt der Moderne ebnen könnte“ [32].

Weil ich dich negativ wahrnehme, fühle ich mich gut

Diese paradoxe Auffassung liegt, wie insbesondere die sozialpsychologischen Forschungen zeigen, im Trend der Einschätzung und des Umgangs mit dem Anderen, dem Fremden und dem Exotischen; und zwar weltweit. Wiewohl wir intuitiv wissen oder zumindest ahnen, dass das fremde Andere ihre Wurzeln in uns selbst haben, fühlen wir uns nicht selten wohl, wenn wir erleben, dass unser Bild vom Fremden nicht nur das Andere spiegelt, sondern auch das Böse, xenophobische zeigt. Das Merkwürdige dabei ist, dass die „Furcht vor dem Fremden“ in uns oft genug Ausgrenzung des Anderen provoziert und gleichzeitig eigene Höherwertigkeitsvorstellungen schafft. Diese „praktizierte Intoleranz“ kommt meist unabsichtlich und ungewollt daher, etwa indem wir im alltäglichen Umgang mit herablassenden Bemerkungen, Gesten und Reaktionen auf das äußere Erscheinungsbild des Anderen reagieren oder ihn lächerlich zu machen versuchen. Das zeigt sich sowohl im Umgang mit Einzelnen und Gruppen in der eigenen (Mehrheits-)Gesellschaft gegenüber Minderheiten, als auch transnational und interkulturell: „Von Westen nach Osten nehmen die jeweils westlicheren Nationen für sich in Anspruch, zivilisierter und kultivierter als ihre östlichen Nachbarn zu sein. Von Norden nach Süden nehmen für die Nachbarn Zuschreibungen wie temperamentvoll, unordentlich und unzuverlässig zu“. Die Interdisziplinäre Studiengesellschaft (ISG) will einen übergreifenden Wissenstransfer und einen interdisziplinären Dialog zwischen der akademischen Welt und der praktischen Lebenswelt ermöglichen und in der öffentlichen Meinungsbildung das Engagement für Toleranz, Pluralität und Humanität fördern. Die Ergebnisse einer Arbeitstagung werden im Sammelband „Das Fremde, das Eigene und die Toleranz“ vorgestellt. Es sind überwiegend keine neuen Erkenntnisse; jedoch in dem Zusammenhang von professionellem Engagement und institutioneller Professionalität einer seit Jahrzehnten tätigen interdisziplinären Organisation diskutiert, erhalten die Beiträge eine neue Qualität im Nachdenken über eine lokale, regionale und globale Integrationspolitik im „globalen Dorf“ [33].

Rassismus ist allgegenwärtig – überall!

In der Reihe der Wissenschaftssendung 3sat-Scobel wurde am 17. 1. 2013 die Frage nach der Entstehung und Entwicklung der Menschheit gestellt: „Paläoanthropologie: Wer in uns in den Genen steckt“. Dabei kamen die Experten zu der eindeutigen Forderung: „Rasse ist abgeschafft“, weil diese Klassifizierung und gar Wertigkeitsstufung angesichts der Forschungsergebnisse überhaupt keinen Sinn mache. Die Fähigkeit und Kompetenz, inter- und transkulturell zu denken und zu handeln, wird ja immerhin mittlerweile sogar als ein Mittel zur (ökonomischen) Wertschöpfung angesehen und als Aufklärungs- und Bildungsziel propagiert [34]. In zahlreichen Publikationen und Lernmaterialien wird über die Geschichte des Rassismus informiert, werden die Mittel und Instrumente gegen rassistische Einstellungen dargelegt und als demokratische Tugenden verdeutlicht.

Die Professorin für englische Literaturwissenschaft und anglophone Literaturen an der Universität Bayreuth, Susan Arndt, ist als Ethnologin und Anthropologin bereits vielfach zur Sprache gekommen [35]

Mit ihrer Sammlung über Rassismen – „Rassismus ist allgegenwärtig in Sprache, Politik, Alltag, Ökonomie, Werbung, Medien, Sport, Musik, Internet, Theater, Literatur, am Arbeitsplatz wie am Postschalter, in Bewerbungsverfahren wie in Gesetzestexten, in den klassischen Texten der Philosophie wie in der aktuellen Historiographie, in der Medienforschung wie im Naturschutz“ – will sie Informationen geben, zum Nachdenken anregen, zum Diskutieren und nicht zuletzt zum Lernen, weil Lernen Verhaltensänderung ist. Sie möchte keinen „Ratgeber“ abliefern, sondern Aufmerksamkeit anstiften dafür, dass Rassismen, Fremden- und Menschenfeindlichkeit nicht vom Himmel fallen und weder in die Wiege gelegt, noch in die Gene gepflanzt sind, sondern entstehen, von Menschen an Menschen. Dabei plädiert sie dafür, dass individuelle und gesellschaftliche Verantwortungsübernahme in Freiheit lokal und global die beste Lebenshaltung ist [36].

Uniformierung des Denkens in der Wissensgesellschaft?

„Volatilität“! Diese ursprünglich in der Chemie benutzte Bezeichnung für „Flüchtigkeit“ und „Verdunstungsfähigkeit“ von Stoffen haben die Wertpapierhändler und Banker übernommen für die Kennzeichnung des Schwankungsbereichs von Wertpapierkursen, Rohstoffpreisen und Zinssätzen während eines bestimmten Zeitraums, und als mathematische Größe für das Maß des Risikos einer Kapitalanlage eingeführt. In den Zeiten der globalen Kapital- und Bankenkrise benennt der Begriff die Schwankungsbreite von Fondsnotierungen in der Börse: Je größer diese Schwankungsbreite ist, desto volatiler und damit risikoreicher ist ein Fonds. Den Zustand unserer „Risikogesellschaft“ (Ulrich Beck) beschreiben mittlerweile auch die Sozial- und Gesellschaftswissenschaftler als volatil; man könnte auch sagen: Nichts ist sicher! Oder die verwinkelte Aussage Joachim Ringelnatz: „Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.“ Alles befindet sich im Wandel, in der Umstrukturierung. Vormals gültige Werte und Positionen verflüchtigen sich, lösen sich auf oder bilden Mutanten. Der Göttinger Politikwissenschaftler und politische Kommentator (u. a. für die SZ, FAZ, ZEIT und Spiegel), Franz Walter, unternimmt den Versuch, die „deutschen Lebenswelten“ zu analysieren. Dabei betont er, dass es sich hierbei nicht um eine (bestellte) wissenschaftliche Bestandsaufnahme handelt, sondern um eine „Exkursion“, an der viele Mitdiskutanten, vor allem aus der Göttinger „Arbeitsgruppe Parteien- und Politische Kulturforschung“, beteiligt waren. Exkursionen haben es meist an sich, dass Zielsetzung und Gestaltungsverlauf sich nicht exakt vorausplanen lassen; vor allem aber auch nicht auf ausgetretenen Pfaden verlaufen. Damit aber ergeben sich interessante Ein- und Ausblicke, überraschende Stopps und bisher kaum im Mainstream gehandelte Positionen; etwa die Erkenntnis, dass die bundesrepublikanische Gesellschaft sich nicht nur in zahlreiche Parallelgesellschaften aufgespalten hat, sondern einen gravierenden sozialen Spaltungsprozess unterliegt. Den segregierten Unterschichtengruppen stehen die Aufsteiger gegenüber. Obwohl alle dazu gehören wollen, verlaufen die nicht immer sichtbaren Barrieren heute nicht nach dem traditionellen Schema einer Pyramide; auch die Zwiebel ist längst ad acta gelegt. Die von soziologischen Forschungen wahr genommene „Reorientierung zahlreicher, vor allem auch junger Menschen an Kohäsions- und Gemeinschaftswerten“, der Suche nach Sinn, Identität und heilsstiftenden Gewissheiten, wird von den politischen Parteien bisher nicht wahr und aufgenommen; vielmehr bestimmt die politische Administration der Parteioberen und der Parteiprogramme das „einsame Leben“ in den Parteien [37].

Eine ökonomische, also politische Alphabetisierung tut Not

Aufklärung ist, so formulierte es Immanuel Kant der „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“. Der Königsberger Philosoph beantwortet dies mit der Aufforderung: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Das Risiko der Menschheit besteht darin, dass diese eigentlich selbstverständliche und logische Einsicht nur schwer gegen die Egoismen, Hegemonismen und Machtgelüste der Menschen standhalten kann. Die Erfahrung, dass sich in der sich immer interdependenter, entgrenzender und inhumaner entwickelnden (Einen?) Welt die Krisen auf allen Gebieten menschlichen Lebens verschärfen, führt zu einer weiteren Verunsicherung, die wiederum reicht vom egozentrischen „Ohne-Mich“ und dem egoistisch-kapitalistischen “ In der Hauptsache Ich…“, bis hin zu der Erkenntnis, dass Krisen weder ein Gottesurteil noch ein unabwendbares Schicksal sind, sondern als Herausforderung für ein gemeinsames humanes und globales Denken und Handeln angenommen werden müssen [38]. Der (em.) Politikwissenschaftler an der FU Berlin, Elmar Altvater, äußert sich immer wieder in engagierter Weise zu den Fragen der kapitalistischen und neoliberalen Entwicklung in der Welt und diskutiert die theoretischen Grundlagen und praktischen Auswirkungen des „Shareholder-Kapitalismus“ [39]. Mit seinem „Der große Krach…“ zeigt er nicht nur den Zustand der „Jahrhundertkrise von Wirtschaft und Finanzen, von Politik und Natur“ auf, sondern macht sich in einer ausführlichen und tiefgründigen Analyse daran, die Ursachen als ganzheitliche Probleme unseres Umgangs mit uns und der Welt darzulegen. Denn die Auswirkungen der Krise sind eben nicht nur ökonomischer Natur, sondern betreffen sämtliche Lebensbereiche unseres alltäglichen, gesellschaftlichen, lokalen und globalen Daseins. Mit dem Rückgriff auf Pierre Bourdieus Forderung nach einer „ökonomischen Alphabetisierung“ der Menschheit, macht er sich daran, der grundlegenden Frage nachzugehen, ob es sich bei den zahlreichen Krisen unserer Jetztzeit – der Wirtschafts- und Finanzkrise, der Krise der Energie- und Rohstoffversorgung, der drohenden Klimakatastrophe und der Gefahr der Überhitzung unseres Planeten [40], der Hungerkrisen und der ungerechten, lokalen und globalen Verteilung von Lebensgütern – um „locker zusammenhängende ‚multiple‘ Krisen dreht, die dann auch im Einzelnen und gesondert angegangen werden können, oder ob es sich um „immanente Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise“, also um eine Systemkrise handelt. Altvaters Position ist deutlich: Es ist eine „Kritik der politischen Ökonomie“ notwendig [41].

Lasst doch der Jugend ihren Lauf…?

Im Text des Volksliedes aus dem Hessischen, entstanden um 1860, wird im Walzertakt die Leichtigkeit und Unbeschwertheit hervorgehoben, die von alters her als ein Vorrecht der Jugend gepriesen – und im Politischen als Nachsicht für überzogenes Verhalten, angesichts der Dominanz der Erwachsenenwelt verstanden wird. „Die Jungen müssen sich die Hörner abstoßen“, lautet eine der gönnerhaften Ratschläge; aber auch: In den regelmäßig und zahlreich erscheinenden Jugenduntersuchungen und -analysen, wie etwa die Shell-Jugendstudien, wie auch in den offiziellen Berichten über die Situation und das Verhalten von Jugendlichen in der Gesellschaft, wie z. B. dem Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung, wird besonders darauf hingewiesen, dass Gewalt von Jugendlichen zunehme, sich von Ausnahmesituationen hin zu „Normal„-Verhalten entwickele. Eine besondere Aufmerksamkeit erhalten dabei Beobachtungen, wie sie beim Gewaltverhalten von Jugendlichen aus dem politischen und gesellschaftlichen rechten und linken Spektrum auftreten. Entgegen der o.a. Einstellung, dass Gewalt von Jugendlichen eine altersbedingte Krisenreaktion sei und sich „auswachsen“ würde, mehren sich die Stimmen, dass eine solche Analyse in die Irre gehe und die wesentlichen Ursachen und Gründe für jugendliches Gewaltverhalten im Politischen des Gesellschaftlichen gesucht werden müssten. Stefan Dierbach, Hamburger Lehrer und Diplom-Pädagoge, hat an der Universität Hamburg promoviert mit dem Thema „Der Diskurs des ‚Jugendlichen‘ – Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der speziellen Problematik eines jugendtheoretischen Konzepts zur Erklärung Rechter Gewalt unter besonderer Berücksichtigung des pädagogischen Theorie-Praxis-Transfers“. In seiner Untersuchung kommt er zu dem Ergebnis: „Die dauerhafte Existenz Rechter Gewalt innerhalb der bundesdeutschen Realität könnte nämlich nicht allein das Ergebnis von allgemeinen „Jugendproblemen“ sein, sondern auch als Effekt einer bestimmten politisch-ideologischen Formierung gedeutet werden, die bis in die Mitte der Gesellschaft reicht“ [42].

Politik in Europa: Europäische Identität – Bilder und Wirklichkeiten

Europa gestalten, politisch, wirtschaftlich, kulturell, sozial, das steht auf der Agenda der Europäer. Aber wer sind sie, die Europäer? Welches Bewusstsein ist in ihnen von einem gemeinsamen Kontinent Europa? Wie lässt sich das, was als „europäische Identität“ bezeichnet wird, in die Köpfe, Herzen und Taten der Menschen in Europa bringen?. Die mit Euphorie und Optimismus in die Präambel des Entwurfs eines Vertrags über eine Verfassung für Europa 2003 hineingeschriebene Vision – „In der Gewissheit, dass Europa ‚in Vielfalt‘ geeint, ihnen die besten Möglichkeiten bietet, unter Wahrung der Rechte des Einzelnen und im Bewusstsein ihrer Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen und der Erde dieses große Abenteuer fortzusetzen, das einen Raum eröffnet, in dem sich die Hoffnung der Menschen entfalten kann“ – ist bisher nicht realisiert worden. Die politischen Unzulänglichkeiten, Bedenken und Widerstände stehen dabei in einem merkwürdigen Widerspruch zu den vielfältigen wissenschaftlichen Anstrengungen zur Begründung dieses politisch, wirtschaftlich und kulturell geeinten Europas. „Man kann Europa nicht von den Bildern trennen, die sich die Europäer von ihrem Kontinent gemacht haben“ – und machen. In zwei wissenschaftlichen Tagungen haben Politik-, Kultur- Medien- und Sprachwissenschaftler, Historiker, Didaktiker und Journalisten zu den Themen „Europabilder im Wandel der Geschichte“ (Oktober 2007 in Aachen) und „Europabilder: Innen- und Außenansichten“ (Dezember 2008 in Essen) über „Innen- und Außenansichten (Europas, JS) von der Antike bis zur Gegenwart“ reflektiert und danach gefragt, wie die Vorstellungen, Ideen und Imaginationen von Europa in den Geschichten und Köpfen der Menschen entstanden sind und sich entwickelten [43]. Damit aus Bildern Wirklichkeiten werden, bedarf es der Anschauung, die in aktives Wollen und Tun übergeht [44].Im wissenschaftlichen Diskurs wird die Bildung eines Vereinten Europas auch als „Europäistik“ bezeichnet [45].

Ohne die Philosophie versteht man nichts von der Welt

Politische Philosophie oder philosophische Politik, das sind Voraussetzungen, die „Liebe zur Weisheit“ und die „Liebe zur Wahrheit“ zu praktizieren. Der französische Philosoph Luc Ferry ist als Denker in Deutschland bekannt und anerkannt, weil es ihm gelingt, philosophische Fragen weder platt noch kompliziert, sondern in verständlicher Sprache an die Frau, den Mann und das Kind zu bringen. In sechs Kapiteln wählt der Autor Fragen aus, die beginnen mit „Was ist Philosophie?“, sich fortsetzen mit der Diskussion eines Beispiels aus der antiken Philosophie: „Die Liebe zur Weisheit bei den Stoikern„; weiter den „Sieg des Christentums über die griechische Philosophie“ thematisieren; über den „Humanismus oder die Geburt der modernen Philosophie“ reflektieren; an der Philosophie Nietzsches die Postmoderne“ vorstellen; und schließlich in mehreren Beispielen die zeitgenössische Philosophie darstellen. Luc Ferrys Gebrauchsanweisung zum Philosophieren, die er titelt mit „Leben lernen“, ist nicht mehr und nicht weniger als ein Hau-Ruck zum Denken, im Alltag und darüber hinaus. Es ist eine Anregung, sich mit den Philosophien aus allen Zeiten menschlichen Nachdenkens über das gute Leben auseinander zu setzen, mit dem Ziel, Anstöße für die eigene Lebensbewältigung zu erhalten [46].

Vom Homo oeconomicus zum Homo empathicus

Zivilisationsgeschichten sind Erzählungen, Berichte, Analysen und Betrachtungen über die Entwicklung der menschlichen Zivilisation. Sie beruhen auf je spezifischen Weltbildern und philosophischen, politischen und gesellschaftlichen Vorstellungen „wie wir geworden sind, was wir sind“, und zwar meist bezogen auf die jeweilige eigene kulturelle Identität und Herkunft. Betrachten wir die Zivilisations-(Welt)Geschichte, so können wir erkennen, wie dies Norbert Elias in seiner „Theorie der Zivilisation“ ausgedrückt hat, dass „der Prozess der Zivilisation eine Veränderung des menschlichen Verhaltens und Empfindens in einer ganz bestimmten Richtung ist“ (Norbert Elias, Über den Prozess der Zivilisation, Frankfurt/M. 1976). Dabei werden in den Zivilisationsgeschichten überwiegend die kulturellen und technologischen Leistungen und Veränderungen hervorgehoben, während die ursprünglich auf dem eu zên, der Fähigkeit zum guten Leben beruhenden Menschform, wie dies der griechische Philosoph Aristoteles postuliert hat, verloren gegangen ist oder in der Euphorie des „Wirtschaftsmenschen“ einfach vergessen wurde. Immerhin wird der Begriff „Zivilisation“ in der Wirklichkeit einer immer interdependenter und sich entgrenzender entwickelnden Welt, der Globalisierung, heute verstanden, den menschlichen und kulturellen Werten einen zentralen Platz im Rahmen der technischen und ökonomischen Entwicklung einzuräumen, wie dies in der von den Vereinten Nationen ausgerufenen Weltdekade für kulturelle Entwicklung in den 1980er und 1990er Jahren gefordert wurde. Der US-amerikanische Soziologe, Ökonom und Schriftsteller Jeremy Rifkin weiß, wie man die zivilisatorischen Entwicklungen, die positiven und negativen Vorgänge zur Lage der Welt wissenschaftlich fundiert mit allgemeinverständlichen Worten an die Menschen bringt. In konsequenter Weise diskutiert der Autor in dem Buch „Die empathische Zivilisation“ diese Diskrepanzen und zeigt Auswege aus dem menschheitsbedrohenden Dilemma auf; nämlich der „Evolution der menschlichen Empathie“ eine größere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Mit seinem anspruchsvollen Unterfangen, „eine völlig neue Interpretation der Geschichte der Zivilisation“ vorzulegen, rekurriert er dabei auf die neuen Forschungsergebnisse von Biologen und Kognitionswissenschaften, von Hirnforschern und Entwicklungspsychologen, in denen die bisher gültigen Auffassungen, dass wir Menschen aggressive, materialistische, utiliaristische und egoistische Lebewesen seien, in Frage gestellt werden: Wir sind dem Wesen nach eine empathische Spezies! [47].

(Über-)Leben und (Über-)Leben lassen

Überlebenskünstler, so werden Menschen bezeichnet, die die Kunst beherrschen, zu (über-)leben. Bezeichnenderweise werden sie entweder, wie in der gleichnamigen US-Filmkomödie aus dem Jahr 1983, als komische Typen, die sich tollpatschig in ihrer Umgebung bewegen und trotz der komischen Sachen, die sie erleben, überleben; oder als künstliche Wesen, wie etwa in den Star Wars-Serien, die nicht von dieser Welt sind. Überleben als ein Lebensziel wird auch gespielt, in den Survivar-US-TV-Shows und in den tumben Fernseh-„spielen“ nach dem Motto: „Nur einer kommt durch“. Survivalismus. Überlebenskunst, wird eine Lebenseinstellung bezeichnet, die dazu dienen soll, vorhersehbare (lebens-)gefährliche Situationen einzuüben, zu trainieren, um sie bei einem tatsächlichen Stattfinden als „lebensrettend“ anwenden zu können. Daraus sind Managerkurse, Urlaubsangebote und Abenteuer-Events entstanden, die Menschen freiwillig mitmachen und sogar viel Geld dafür bezahlen. Es muss also etwas dran sein an dem Willen zum Überleben. Und es scheint so, dass diese Anstrengungen nicht nur das physische, sondern auch das psychische und das eu zên, das „gute Leben“ (Aristoteles), betreffen. Damit begeben wir uns auf das Feld der „Lebens„- Forschung, das der Philosophie und der angewandten Wissenschaften. Kieler Forscher, so meldete im Februar 2009 WELT-Online, spekulierten darüber, dass es so etwas wie ein „Methusalem-Gen“ für das menschliche Leben geben müsse. Ein Stoff im Blut von Menschen, die (obwohl sie lebensgefährlich leben – Rauchen, Trinken, keinen Sport treiben, sich ungesund ernähren…; als Beispiel wird dabei oft der mittlerweile 105jährige Schauspieler und Operettenstar Johannes Heesters angeführt) älter werden als vergleichbare Probanten. Und sie haben aus dem Blut von Greisen ein Gen heraus gefiltert, das sie Foxo 3 A nennen und eine Rolle beim menschlichen Insulinstoffwechsel spielt. Der ernüchternde Hinweis, dass dieser Stoff im Erbgut der betreffenden Menschen vorhanden sei und (noch?) nicht erzeugt werden könne, jedoch grenzt die Erwartungen ein, dass der legendäre „Jungbrunnen“ gefunden sei. Dieser kurze Ausflug in die Legendenwelt vom „ewigen Leben“ soll hinführen auf die ganz andere Frage, nämlich die, wie gefährlich das Leben ist und ob und wenn ja, wie es möglich ist, gefahrvolle Situationen im menschlichen Leben zu bestehen, ohne daran zu sterben. Der in New York lebende Produzent beim amerikanischen Nachrichtensender NBC, Ben Sherwood, macht sich auf die Suche, um zwei Fragen zu beantworten: „Was braucht man wirklich zum Überleben?“ und „Welche Art Überlebender sind Sie?“.

Dabei geht es dem Autoren nicht um die oben genannten philosophischen oder spekulativen Fragen, was man tun sollte, um alt zu werden; sondern was (evtl.) hilfreich ist, um sich in gefährlichen Situationen am Leben zu erhalten. Da kann man ruhig den viel- wie nichtssagenden Spruch beim Wort nehmen: Das Leben ist eines der gefährlichsten… [48].

Vorurteile abbauen – Vertrauen schaffen

„Der Andere könnte ich selber sein“, so hat der zweifache Oskar-Preisträger und UNICEF-Botschafter Sir Peter Ustinov in seinen Lebenserinnerungen 2003 für Toleranz und Respekt gegenüber anderen Menschen plädiert. Vorurteile sind Denk- und Verhaltensweisen, die sich in Ablehnung, Antipathie, Diskriminierung, Stigmatisierung, Fremdenfeindlichkeit oder rassistischer Haltung gegenüber Individuen und Gemeinschaften zeigen. Diese von Gordon W. Allport formulierte Begriffsbestimmung ordnet Vorurteile und Stereotypenbildung als negative Einstellungen ein, die es zu erkennen und zu revidieren gilt; zuallererst in der Erziehung und Bildung der Menschen und als Anforderung für eine „vorurteilsbewusste Bildung“ [49]. Es geht nicht darum, das Vorurteil per se zu verdammen oder gar ausmerzen zu wollen; vielmehr kommt es darauf an zu erkennen, dass „es Vorurteile und Vorurteile gibt“ und die komplexe Typologie von Vorurteilen und Stereotypen zu verdeutlichen; denn „Vorurteile sind das Produkt einer bestehenden Gesellschaft“. Sie werden also weder in die Gene noch in die Wiege gelegt. Damit wird gleichzeitig deutlich, dass es Aufgabe des zôon politikon, des politischen Lebewesens Mensch (Aristoteles) ist, sich der negativen Ausprägungen von Vorurteilsbildungen bewusst zu sein. Die wissenschaftliche Vorurteilsforschung liefert Hinweise dafür, dass es nicht darauf ankommt, Vorurteile zu negieren oder aus der Welt schaffen zu wollen, sondern „Wege zu finden, mit Vorurteilen umzugehen, sie zu reduzieren und ihre explosiven, ihre mörderischen Potentiale zu kontrollieren“. Um dies wirksam werden zu lassen, bedarf es keiner Rezepte, sondern eines ganzheitlichen Blicks, der sich – interdisziplinär weitet und objektive Maßstäbe zur Bewertung und zum Umgang mit Vorurteilen liefert [50].

Vertrauen ist eine notwendige, aber gleichzeitig problematische Vorleistung

Das Zauber- und Schlagwort kommt immer dann zur Geltung, wenn scheinbar Gespräche, Situationen und Verhaltensweisen aus dem Ruder zu laufen drohen, wenn Konflikte Kommunikationen erschweren oder gar unmöglich machen. „Vertrauen haben“, als ethische und moralische Charaktereigenschaft hat deshalb im philosophischen, gesellschaftlichen und individuell-alltäglichen Denken und Handeln einen hohen Stellenwert. Der Mensch, so eine biologische Interpretation, entwickelt von sich aus ein Grundvertrauen, insbesondere wenn es um Beziehungen zu anderen Menschen, um Kontakte und Kommunikation geht. Damit Vertrauen aber mehr sein kann als die Abwesenheit von Misstrauen, bedarf es eines Sozialverhaltens, das auf den Grundlagen des Logos wie des Pathos (Aristoteles) beruht. Niklas Luhmann etwa geht davon aus, dass Vertrauen ein elementarer Tatbestand des sozialen Lebens ist. Vertrauensfähigkeit basiert nicht nur darauf, Vertrauen zu geben, sondern erfordert auch die Bereitschaft, Vertrauen entgegen zu nehmen. Demnach ist die Frage danach, was Vertrauen ist und sich auswirkt, nicht einfach damit zu beantworten, dass Vertrauensfähigkeit eine „weiche“ Einstellung und Verhaltensweise ist; vielmehr, das zeigen die vielfältigen Formen und Erfahrungen des Alltagslebens, dass Vertrauen und Vertrauensverlust eng zusammenhängen mit den gesellschaftlichen und sozialen Bedingungen, wie mit den Werten, Normen, kulturellen und interkulturellen Identitäten des menschlichen Daseins [51]. Hier setzt die Vertrauensforschung an. In den Sozialwissenschaften, insbesondere der Psychologie, Philosophie, Soziologie, Anthropologie und Politikwissenschaft, werden jeweils spezifische Betrachtungsweisen zur Einstellungs- und Verhaltensform des Vertrauens benutzt, um das Phänomen verstehen zu können, das weder in die Gene gelegt ist, noch Bestandteil der biologischen und intellektuellen Ausstattung des Menschen ist, sondern erworben und erlebt werden muss. Sie reichen von der anthropologischen Annahme, dass der Mensch, wie Aristoteles dies ausdrückte, danach strebt, „gut“ zu leben (eu zên), bis hin zu gehirnphysiologischen Erklärungsmustern, etwa dahingehend, wenn unser Gehirn sich verändert, verändern wir uns mit ihm [52]. Nehmen wir die vielfältigen Interpretationen und Forschungsansätze, so treffen sie sich darin, dass Vertrauen immer nur zwischen Personen wirksam wird, genau so, wie Vertrauensverlust und Misstrauen zwischen Menschen entsteht.

Vertrauensbeweise sind gelingende Beziehungsbeweise, wie Vertrauensprobleme Beziehungskrisen sind [53].


[1] Arno Bammé, Homo occidentalis. Von der Anschauung zur Bemächtigung der Welt. Zäsuren abendländischer Epistoemologie, 2011, Rezension

[2] Philip Manow, Politische Ursprungsphantasien. Der Leviathan und sein Erbe, 2011, Rezension

[3] Lawrence LeShan, Das Rätsel der Erkenntnis. Wie Realität entsteht, 2012, Rezension

[4] Karl Heinz Bohrer, Selbstdenker und Systemdenker. Über agonales Denken, 2011, Rezension

[5] Marcus Llanque, Geschichte der politischen Ideen. Von der Antike bis zur Gegenwart, 2012, Rezension

[6] Joseph Nye, Macht im 21. Jahrhundert. Politische Strategien für ein neues Zeitalter, 2011, Rezension

[7] Andreas Anter; Hrsg., Wilhelm Hennis´ politische Wissenschaft, 2013, Rezension; vgl. auch: Carl Deichmann / Christian K. Tischner, Hrsg., Ansätze der politischen Bildung, 2013, Rezension; sowie: Carl Deichmann / Christian Tischner, Handbuch fächerübergreifender Unterricht in der politischen Bildung, 2013, Rezension

[8] Jörn Rüsen, Hrsg., Perspektiven der Humanität, 2010, Rezension; siehe auch: Frank Schirrmacher, Ego. Das Spiel des Lebens, 2013, Rezension

[9] Dirk Lange, Hrsg., Entgrenzungen. Gesellschaftlicher Wandel und politische Bildung, 2011, Rezension

[10] Rainer Funk, Entgrenzung des Menschen, 2012, Rezension; sowie: Alfred Nordheim / Klaus Antoni, Hrsg., Grenzüberschreitungen. Der Mensch im Spannungsfeld von Biologie, Kultur und Technik, 2013, Rezension

[11] Christoph Antweiler, Mensch und Weltkultur. Für einen realistischen Kosmopolitismus im Zeitalter der Globalisierung, 2010, Rezension

[12] Bernd Ladwig, Moderne politische Theorie. Fünfzehn Vorlesungen zur Einführung, 2009, Rezension; sowie: Bernd Ladwig / Timo Pongrac, Hrsg., Moderne politische Theorie. Materialband, 2013, Rezension

[13] Oskar Negt, Der politische Mensch. Demokratie als Lebensform, 2010, Rezension; vgl. dazu auch: Siegfried Schiele, Demokratie in Gefahr? 2013, Rezension

[14] Lars P. Feld / Peter M. Huber / Otmar Jung u.a.: Jahrbuch für direkte Demokratie 2010, Rezension

[15] Werner Winterstein / Vedrana Spajić-Vrkaš / Rüdiger Teutsch (eds.), Peace Education in Europe. Visions and experiences, Waxmann Verlag Münster / New York / Berlin 2003, 355 S.; siehe auch: Marcel M. Baumann / Hanne Birckenbach / Volkhard Brandes / Sandra Dieterich / Hans U. Gundermann / Ulrike Suhr, Hrsg., Friedensforschung und Friedenspraxis. Ermutigung zur Arbeit an der Utopie, 2009, Rezension; Hannah Neumann, Friedenskommunikation. Möglichkeiten und Grenzen von Kommunikation in der Konflikttransformation, 2009, Rezension; Peter Schlotter / Simone Wisotzki, Hrsg., Friedens- und Konfliktforschung, 2011, Rezension

[16] Peter Filzmaier / Reinhold Gärtner / Richard Hussl / Franz Jenewein / Anton Pelinka / Sigliede Katharina Rosenberger, Politisches Alltagsverständnis. Demokratie, Geschlechterverhältnisse, Arbeitswelt, Medien und Bildung; StudienVerlag, Innsbruck – Wien 1999, 299 S.

[17] Jeremy Rifkin, Die dritte industrielle Revolution, 2011, Rezension

[18] Annette Treibel, Migration in modernen Gesellschaften. Soziale Folgen von Einwanderung, Gastarbeit und Flucht, Juventa Verlag, Weinheim / München 1999, 272 S.; Petrus Han, Soziologie der Migration. Erklärungsmodelle, Fakten, politische Konsequenzen, Perspektiven, 2000, Rezension; Ingrid Gogolin / Bernhard Nauck, Hrsg., Migration, gesellschaftliche Differenzierung und Bildung, Verlag Leske + Budrich, 2000, 462 S.

[19] Maria Mies, „Krieg ohne Grenzen“, 2004, Rezension

[20] Claus Christian Malzahn, Die Signatur des Krieges. Berichte aus einer verunsicherten Welt, Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2005, 224 S.; siehe auch: Matthias Lutz-Bachmann / Andreas Niederberger, Hrsg., Krieg und Frieden im Prozess der Globalisierung, 2009, Rezension; sowie: Dierk Spreen / Trutz von Trotha, Hrsg., Krieg und Zivilgesellschaft, 2012, Rezension

[21] Robert O. Paxton, Anatomie des Faschismus, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2006, 448 S.

[22] Klaus Holz, Die Gegenwart des Antisemitismus. Islamistische, demokratische und antizionistische Judenfeindschaft, Hamburger Edition HIS Verlagsgesellschaft, 2005; Klaus-Michael Mallmann / Martin Cüppers, Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2006, Rezension

[23] Hans Günther Homfeld / Wolfgang Schröer / Cornelia Schweppe, Transnationalität, soziale Unterstützung, agency; 2006, Rezension; Willi Jasper, Hrsg., Wieviel Transnationalismus verträgt die Kultur? 2009, Rezension; Wolfgang Gippert / Petra Götte / Elke Kleinau, Hrsg,: Transkulturalität. Gender- und bildungshistorische Perspektiven, 2008, Rezension

[24] Ulrich Beck, Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit, 2007, Rezension; siehe auch: Gerd Gigerenzer, Risiko. Wie man die richtigen Entscheidungen trifft, 2013, Rezension

[25] Wolfgang Beutel / Peter Fauser, Hrsg., Demokratiepädagogik. Lernen für die Zivilgesellschaft, 2006, Rezension

[26] Petra C. Gruber, Hrsg., Nachhaltige Entwicklung und Global Governance, 2008, Rezension

[27] vgl. dazu auch den Kommentar: Zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948; in: Rezension, Dezember 2008

[28] Christoph Menke / Arnd Pollmann, Philosophie der Menschenrechte. Zur Einführung, 2007, Rezension

[29] Christoph Zöpel, Politik mit 9 Milliarden Menschen in Einer Weltgesellschaft. Eine Orientierung in Worten und Zahlen, 2008, Rezension; Roland Klautke / Brigitte Oehrlein, Hrsg., Globale soziale Rechte. Zur emanzipatorischen Aneignung universaler Menschenrechte, 2008, Rezension

[30] Ulrich Beck, Die Neuvermessung der Ungleichheit unter den Menschen. Soziologische Aufklärung im 21. Jahrhundert, 2008, Rezension; siehe auch: Bernhard H. F. Taureck, Gleichheit für Fortgeschrittene. Jenseits von „Gier“ und „Neid“, Rezension

[31] Edition Le Monde diplomatique, Die Globalisierungsmacher. Konzerne, Netzwerke, Abgehängte, Nr. 2 / 2007, Berlin (Paris), Rezension

[32] Kai Hafez, Heiliger Krieg und Demokratie. Radikalität und politischer Wandel im islamisch-westlichen Vergleich, 2009, Rezension


Autor
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer: Die verschiedenen Seiten der Politik. Veröffentlicht am 29.01.2014 in socialnet Materialien unter http://www.socialnet.de/materialien/175.php, Datum des Zugriffs 08.12.2019.


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