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Einen sicheren Ort schaffen – Traumapädagogik in der Arbeit mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen

Larissa Gregarek

Veröffentlicht am 04.07.2016.

socialnet Materialien. Reihe 2: Akademische Abschlussarbeiten

Bachelorarbeit zur Abschlussprüfung an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit
Erstreferentin: Frau Prof. Dr. Angelika Groterath
Zweitreferentin: Frau Prof. Dr. Amara Eckert
Note 1,0.

Zusammenfassung

Der Begriff des Traumas sorgt bei Fachkräften der Sozialen Arbeit nach wie vor für Unsicherheit. Mit einem Trauma möchte man sich nicht auseinandersetzen und delegiert diese Aufgabe an Fachkräfte der Psychologie, da man glaubt, ihr selbst nicht gewachsen zu sein (Weiß 2013, S. 167). In den Einrichtungen werden die heftigen Reaktionen der Kinder als Belastung erlebt und gehen mit Gefühlen von Ohnmacht und Selbstunwirksamkeit einher (Fegert et al. 2013, S. 42). Die Konfrontation mit Traumata in der Jugendhilfe ist jedoch nicht neu: man geht davon aus, dass 75% der Kinder in der stationären Jugendhilfe traumatische Ereignisse erlebt haben (Fegert et al. 2013, S. 37).
Unbegleitete minderjährige ausländische Kinder und Jugendliche sind ein relativ neues Klientel der Jugendhilfe. Oft sind sie nicht nur von den Erlebnissen im  Heimatland, sondern auch von Erfahrungen auf der Flucht traumatisiert, und selbst im Aufnahmeland existieren Umstände mit traumatogenem Potenzial (Hargasser 2015, S. 92). Die Betreuung der unbegleiteten Minderjährigen obliegt vorrangig der Sozialen Arbeit und der Beginn einer Therapie muss zugunsten der Rahmenbedingungen des Aufnahmeverfahrens zurückgestellt werden (Detemple 2013, S. 41).
Vielen ist nicht bewusst, dass die Bedürfnisse traumatisierter Menschen nach Sicherheit, Stabilität und Transparenz nicht nur durch Therapeuten erfüllt werden können. Hier setzt das Konzept der Traumapädagogik an. Sie möchte genau diese Bedürfnisse erfüllen, ohne dabei den Anspruch zu haben, eine Therapie zu ersetzen.   Traumapädagogik nutzt Erkenntnisse aus der Psychotraumatologie und bildet somit ein Konzept für die Soziale Arbeit mit traumatisierten Menschen. Sie bietet den Fachkräften der Sozialen Arbeit Handwerkszeug, welches sie befähigen soll, Traumatisierungen besser zu verstehen und adäquat auf Symptome von Traumafolgestörungen zu reagieren (Weiß 2013, S. 86f.).
In dieser Arbeit soll erörtert werden, inwieweit das Konzept der Traumapädagogik auch für die Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen ausländischen Kindern und Jugendlichen angewandt werden kann.

Hierzu wird zunächst der Begriff des unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings definiert und es werden kinderspezifische Fluchtgründe genannt. Im Anschluss soll die Situation unbegleiteter Minderjähriger in Deutschland näher betrachtet werden: dies stellt die Frage nach gesetzlichen Rahmenbedingungen, Verortung in der Jugendhilfe, Aufnahme- und Clearingverfahren. Um die Aktualität der Fragestellung darzustellen, sollen auch aktuelle Entwicklungen und Gesetzesänderungen behandelt werden. Im darauffolgenden Teil der Arbeit wird der Zusammenhang von Traumatisierung und Flucht betrachtet. Die Entstehung von Traumata, die Folgestörungen und Möglichkeiten der Behandlung werden beschrieben, um die Grundlagen der Traumapädagogik nachvollziehen zu können. Selbige wird im dritten Teil betrachtet: es soll kurz dargestellt werden, wie sich das Konzept der Traumapädagogik entwickelt hat. Dann werden zentrale Grundhaltungen und Handlungsansätze der Traumapädagogik behandelt.

Literatur

Detemple, Katharina (2013): Zwischen Autonomiebestreben und Hilfebedarf.
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Jugendhilfe. 2., unveränd. Aufl.
Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren (Soziale Arbeit aktuell, 22).

Fegert, Jörg M.; Ziegenhain, Ute; Goldbeck, Lutz (Hg.) (2013):
Traumatisierte Kinder und Jugendliche in Deutschland. Analysen und
Empfehlungen zu Versorgung und Betreuung. 2. Aufl. Weinheim: Beltz Juventa
(Studien und Praxishilfen zum Kinderschutz).

Hargasser, Brigitte (2015): Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.
Sequentielle Traumatisierungsprozesse und die Aufgaben der Jugendhilfe. 2.
Aufl. Frankfurt a. M.: Brandes & Apsel (Wissen & Praxis, 174).

Weiß, Wilma (2013): Philipp sucht sein Ich. Zum pädagogischen Umgang mit
Traumata in den Erziehungshilfen. 7. Aufl. Weinheim: Beltz Juventa (Basistexte
Erziehungshilfen).

Anlagen

  1. Bachelorarbeit (pdf)

Autorin
Larissa Gregarek
Sozialarbeiterin (B.A.),
derzeit Sozialarbeiterin im Jugendamt der Stadt Darmstadt, Sachgebiet umA (unbegleitete minderjährige ausländische Kinder und Jugendliche)
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Zitiervorschlag
Larissa Gregarek: Einen sicheren Ort schaffen – Traumapädagogik in der Arbeit mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen. Veröffentlicht am 04.07.2016 in socialnet Materialien unter http://www.socialnet.de/materialien/27600.php, Datum des Zugriffs 19.09.2019.


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