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Marketing und Soziale Arbeit

Mehrwert für dezidive sowie assistive Kunden und die soziale Einrichtung am Beispiel der stationären Suchtkrankenhilfe

Axel Olaf Kern, Perpetua Schmid

Veröffentlicht am 30.06.2017.

Zusammenfassung

Ausgangspunkt ist die Frage, wie Kunden in der Sozialwirtschaft die für sie am besten geeignete Therapie(einrichtung) wählen können unter Einbeziehung des Aspekts, dass nicht der dezidive Kunde (Patient, Klient) alleine die für ihn geeignete Einrichtung auswählt, sondern ein erweitertes Umfeld (assistive Kunden) durch den persönlichen und professionellen Bezug damit befasst ist und die finale Entscheidung wesentlich mitbestimmt.

Am Beispiel der Suchtkrankenhilfe wird aufgezeigt, wie sich der Kreis der dezidiven und assistiven Kunden unterteilt und wie diese Gruppen von den Einrichtungen der stationären medizinischen Suchtkrankenhilfe gleichgewichtet anzusprechen sind. Über eine quantitative und eine qualitative Erhebung wurden ermittelt, welche Informationswege von den Kunden genutzt und welche Informationen gewünscht werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass Informationen zu den Zielgruppen und Aufnahmebedingungen der einzelnen Rehabilitationseinrichtungen, den therapeutischen Konzepten sowie den hausinternen Regelungen große Bedeutung bei der Auswahl durch die Kunden haben. Vonseiten der Angehörigen (assistive Kunden) wird angemahnt, dass die öffentliche Wahrnehmung der Suchtkrankenhilfe unzureichend ist und Unterstützungsangebote nicht ausreichend bekannt sind.

Aus Interviews mit Patienten stationärer medizinischer Rehabilitationseinrichtungen wird deutlich, dass diejenigen, die sich ihre Klinik als Wunschklinik ausgesucht hatten, die Qualität der Klinik als hochwertiger und die Therapiearbeit als erfolgreicher einschätzten. Dies unterstreicht, dass über die Kundengewinnung und Kundenbindung im Vorfeld einer Behandlung bereits die Grundlage für einen größeren Therapieerfolg geschaffen werden kann.

Die in dieser Arbeit aufgezeigten aktuellen Entwicklungen in Bezug auf die Belegungszahlen der stationären medizinischen Rehabilitationseinrichtungen zeigen zudem, dass es für die Einrichtungen auch lohnenswert ist, ein professionelles Marketing einzuführen und Instrumente zu entwickeln, um Kunden zu gewinnen, zu binden und mit ihnen auch nach Beendigung der Therapie Kontakt zu halten. Das horizontale Marketing ist auch im Suchthilfebereich der Unterstützungsfaktor, um Erfahrungs- und Vertrauenseigenschaften an andere dezidive und assitive Kunden zu vermitteln.

Zum Entstehungshintergrund

Die Arbeit war im Ursprung eine Masterarbeit, welche die „Nichtantreter“-Problematik in einer Suchtklinik beleuchtete. Im Zuge der Mangelanalyse wurde erkennbar, dass neben den dezidiven Kunden, dem Patienten, die assistiven Kunden, das Umfeld, die Entscheidung und compliance/adherence des dezidiven Kunden maßgeblich beeinflussen. Damit eine Einrichtung die bestmögliche Versorgung des Patienten erreichen kann und diese auch im Sinne der eigenen Therapieerfolge nachweisen kann, kommt dem matching von Patient/Kunde und der Einrichtung wesentliche Bedeutung zu. Da der Patient im Sinne des Wunsch- und Wahlrechts sich letztlich für oder gegen eine Einrichtung entscheidet, muss der Einrichtung zumindest im Grundsatz bekannt sein, nach welchen Kriterien Patienten und ihr jeweiliges Umfeld gemeinsam entscheiden. Somit sind die Bedürfnisse und Bedarfe des Patienten für eine Einrichtung von vitalem Interesse und sollten mit dem Leistungsprofil korrespondieren. Damit dies aber gelingt, muss die Einrichtung zunächst für sich selbst feststellen, welche Stärken und Schwächen sie für sich in ihrer Struktur und ihren Prozessen erkennt. Dann schließlich ist es möglich und geboten diese Informationen im Sinne der Informationstransparenz zu veröffentlichen, vulgo Werbung zu betreiben, damit die Patienten entscheidungsrelevante Informationen erhalten, um in die für sie am besten geeignete Einrichtung zu finden, damit der Behandlungserfolg optimal wird. Von letzterem profitieren sowohl Patient/Kunde als auch die Einrichtung.

Anlagen

  1. Marketing und Soziale Arbeit (pdf)

AutorInnen
Prof. Dr. Axel Olaf Kern
Professor für Gesundheitsökonomie und Sozialmanagement an der Hochschule Ravensburg-Weingarten
Homepage portal.hs-weingarten.de/web/kerna
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Perpetua Schmid
Erzieherin, Dipl. Sozialarbeiterin, Master of Business Administration (MBA) und nach DBVC zertifizierte Prozessberaterin und Coach
Homepage www.perpetua-schmid.com
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Zitiervorschlag
Axel Olaf Kern, Perpetua Schmid: Marketing und Soziale Arbeit. Mehrwert für dezidive sowie assistive Kunden und die soziale Einrichtung am Beispiel der stationären Suchtkrankenhilfe. Veröffentlicht am 30.06.2017 in socialnet Materialien unter http://www.socialnet.de/materialien/27839.php, Datum des Zugriffs 26.07.2017.


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