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Lebensthemen von Jugendlichen mit Fluchterfahrung

Biografische Erzählungen von Jugendlichen, die ohne Eltern nach Deutschland geflüchtet sind

Jana Kuhnle

Veröffentlicht am 28.03.2018.

socialnet Materialien. Reihe 2: Akademische Abschlussarbeiten

Masterarbeit im Studiengang Soziale Arbeit an der Hochschule Esslingen, Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege
Erstgutachter: Prof. Dr. Sandro Thomas
Bliemetsrieder Zweitgutachter: Prof. Dr. Thomas Heidenreich
Sommersemester 2016
Note: 1,3.

Zusammenfassung

Als im Spätsommer 2015 weit mehr Menschen auf der Flucht nach Europa und Deutschland kamen als in den Jahren zuvor, standen „die Flüchtlinge“ plötzlich im Mittelpunkt des gesellschaftlichen, politischen wie medialen Interesses. Auch in Fachdiskursen Sozialer Arbeit wurde und wird viel über Menschen mit Fluchterfahrung – im Kontext der Jugendhilfe besonders über die Zielgruppe Jugendliche mit Fluchterfahrung – gesprochen, geforscht und beraten. Dabei gelingt es auch im fachlichen Austausch oft nicht, die Jugendlichen als Subjekte mit eigener Handlungsfähigkeit wahrzunehmen; sie werden tendenziell und strukturell als Zugehörige der homogenen Gruppe „unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge“ wahrgenommen.

Dieser Tendenz steht die vorliegende Masterarbeit, in deren Mittelpunkt biografisch-narrative Erzählungen von Jugendlichen mit Fluchterfahrung stehen, bewusst entgegen. Die biografisch-narrativen Interviews wurden im Frühsommer 2016 mit drei Jugendlichen geführt, die zum damaligen Zeitpunkt zwischen sieben bis neun Monaten in Deutschland waren. Anhand der subjektiv erzählten Lebensgeschichten der Jugendlichen wurden biografische Einzelfallrekonstruktionen durchgeführt und die in den Erzählungen (manifest wie immanent) formulierten Lebensthemen herausgearbeitet und vergleichend dargestellt. Bei der vergleichenden Auswertung wird sehr deutlich, dass den Jugendlichen mehr als Unrecht getan wird, wenn sie ausschließlich mit einem homogenisierenden, viktimisierenden Blick betrachtet werden. Denn obwohl sich bei der Rekonstruktion überschneidende Lebensthemen in den Erzählungen der Jugendlichen erkennen lassen, wird sehr deutlich wie unterschiedlich die Jugendlichen sich selbst, ihre Biografie und ihrer Fluchtgeschichte erzählen und verstehen.

Die Arbeit plädiert insgesamt für eine reflexive pädagogische Grundhaltung Sozialer Arbeit, die das Erzählen als Möglichkeit gemeinsamen Bildens und Gebildet-Werdens begreift. Dies gilt auch insbesondere für die Arbeit mit Jugendlichen mit Fluchterfahrungen, auch wenn auf den ersten Blick Aspekte wie Sprachkenntnisse oder (Re-)Traumatisierung durch das Erzählen der Fluchtgeschichte gegen biografische Arbeit sprechen könnten. Denn nur wenn Soziale Arbeit ernsthaft versucht zu verstehen, welche Themen für die Jugendlichen wirklich relevant sind, wie sie sich selbst und ihre (Flucht-)Biografie verstehen und welche Wünsche und Hoffnungen sie für ihr Leben in Deutschland haben, können gemeinsam mit den Jugendlichen adäquate, nachhaltige Interventionsschritte entwickelt werden.

Anlagen

  1. Masterarbeit (pdf)

Autorin
Jana Kuhnle
Sozialarbeiterin, Master of Arts (M.A.)
Tätig im stationären Inobhutnahmebereich sowie ambulant betreutem Jugendwohnen mit minderjährigen Geflüchteten
E-Mail Mailformular


Zitiervorschlag
Jana Kuhnle: Lebensthemen von Jugendlichen mit Fluchterfahrung. Biografische Erzählungen von Jugendlichen, die ohne Eltern nach Deutschland geflüchtet sind. Veröffentlicht am 28.03.2018 in socialnet Materialien unter http://www.socialnet.de/materialien/28120.php, Datum des Zugriffs 11.12.2019.


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