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Rassismus und Soziale Arbeit mit geflüchteten Personen

Yahya Faraj

Veröffentlicht am 26.08.2020.

socialnet Materialien. Reihe 2: Akademische Abschlussarbeiten

Bachelorarbeit zur Abschlussprüfung an der Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Sozialwesen, Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit
Erstprüfer: Prof. Dr. Claus Melter
Zweitprüferin: Prof. Dr. Yüksel Ekinci
Sommersemester 2020
Note: 1,0.

Zusammenfassung und Fazit

Im ersten großen Teil der Arbeit wird versucht, den Begriff Rassismus unter Rückgriff auf die neuere Literatur so weit zu klären, wie es für die Weiterverfolgung des Themas notwendig erscheint.

Die historischen Wurzeln des Rassismus werden im zweiten Teil aufgegriffen: Die Idee der Nationalstaatlichkeit und deren Umsetzung in Europa, kolonialherrschaftliche Praktiken und der Siegeszug wissenschaftlichen Denkens waren die Steigbügelhalter des Rassismus. Die Ausführungen dazu sind eingebettet in die Darstellung des Grundkonflikts von Sozialer Arbeit unter berufsethischen Gesichtspunkten: ihrer Zerrissenheit zwischen Menschenrechten und nationalstaatlichem Mandat. Als überzeugender Beleg für die Wirkmacht und Präsenz rassistischer Einstellungen sind die Verschärfungen in der Asylgesetzgebung anzusehen.

Im darauffolgenden Teil wird anhand verschiedener Veröffentlichungen aus der Wissenschaft untersucht, wie sich Rassismus in der Sozialen Arbeit konkret zeigt. Dabei konzentriert sich die Arbeit auf die Bereiche „Kinder- und Jugendhilfe“, „Beratung“ und „Bildung“. Als Ergebnis ist festzuhalten: Rassismus wirkt sich bestimmend in vielen Bereichen aus, die das Leben geflüchteter Personen betreffen. In Verständnis des Autors von Rassismus handelt es sich allemal um alltäglichen institutionellen Rassismus (institutionell insofern, als jeder, der in seinem Amt handelt, der Vertreter der jeweiligen Institution ist), der in den Arbeitsfeldern „Kinder- und Jugendhilfe“ und „Beratung“ tendenziell durch SozialarbeiterInnen ausgeübt wird – absichtlich oder unbewusst, aber auch aus Unprofessionalität und aufgrund fehlender Kenntnisse. Im Bildungsbereich ist eine Prägung des gesamten Bildungswesens durch rassistisches Denken zu konstatieren: Es setzt auf Auslese anstelle von Förderung und Entwicklung individueller Kapazitäten und verweigert sich den Anforderungen, die an eine Einwanderungsgesellschaft gestellt werden müssen. Diesen Missstand nicht zu durchschauen, ist dabei durchaus den im Bildungsbereich Arbeitenden anzulasten.

Die Leidtragenden sind die geflüchteten Personen, solange sie sich in institutioneller Abhängigkeit befinden.

Bei der Beschäftigung mit den Veröffentlichungen zum Rassismus zeigte sich eine Gemeinsamkeit in der Grundeinstellung der VerfasserInnen: Sie alle schreiben aus dem Geist heraus, dass Rassismus eine Art Fluch ist, der alles beschädigt, was mit ihm in Berührung kommt, und dass er bekämpft werden muss. Und so finden sich am Ende fast jedes Textes Vorschläge und Konzepte, wie man hierzu tätig werden kann. Diese sind im letzten großen Teil der Arbeit zusammengestellt worden: Es gibt Forderungen nach Veränderungen in der Ausbildung, es gibt praktische Hilfen für Fortbildungen, es gibt diverse Konzepte im Bereich der Pädagogik, und es gibt Unterstützung für Betroffene.

Zwei Voraussetzungen für einen erfolgreichen Kampf gegen Rassismus erscheinen jedoch unabdingbar: die Vermittlung des Wissens über Rassismus und die Bereitschaft zu politischem Engagement.

An den Schluss möchte der Autor noch eine Beobachtung stellen, die er bei der Sichtung der ihm zugänglichen Literatur gemacht habe: Er hätte sich gewünscht, mehr Informationen darüber zu erhalten,  wie geflüchtete Personen die Erfahrungen mit Sozialer Arbeit aus ihrer Sicht darstellen und wie sie darüber denken – wie es in Melters Studie im Rahmen der „Kinder- und Jugendhilfe“ geschieht.

Anlagen

  1. Bachelorarbeit (pdf)

Autor
Yahya Faraj
Sozialarbeiter
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Zitiervorschlag
Yahya Faraj: Rassismus und Soziale Arbeit mit geflüchteten Personen. Veröffentlicht am 26.08.2020 in socialnet Materialien unter http://www.socialnet.de/materialien/29096.php, Datum des Zugriffs 18.09.2020.


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