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Soziale Dienstleistungen von muslimischen Organisationen

Angebote, Bedarfe und Finanzierung sozialer Arbeit durch Moscheen

Yasemin Erdogan

veröffentlicht am 17.12.2020

socialnet Materialien. Reihe 2: Akademische Abschlussarbeiten

Bachelorarbeit zur Abschlussprüfung an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Wirtschaft und Soziales, Department Soziale Arbeit
Erstprüferin: Prof. Dr. Susanne Vaudt
Zweitprüfer: Prof. Dr. Harald Ansen
Sommersemester 2018
Note: 1,3.

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit stellt soziale Dienstleistungen, die in muslimischen Organisationen angeboten werden, anhand von Studienergebnissen und Experteninterviews dar. Dabei geht es in der Untersuchung um die Angebots- und Bedarfslage und die Frage der Finanzierung von sozialer Arbeit in den Moscheen.

Es stellt sich heraus, dass unter den Muslimen eine große Nachfrage nach sozialen Angeboten für Kinder und Jugendliche, ebenso für Erwachsene und ältere Menschen existiert, welche an die Gemeinden adressiert wird. Moscheevereine bieten mehrheitlich soziale Dienstleistungen an, wobei ein Großteil der Angebote im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe liegt. Diese Arbeit wird im Rahmen des Ehrenamtsmanagements organisiert. Das Personal ist in der Regel qualifiziert, hat aber keine ausreichenden zeitlichen Ressourcen, da sie in diesem Feld als Ehrenamtliche tätig sind. Die Finanzierung der Angebote erfolgt auf Basis von Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

Trotz der breiten Vielfalt an Angeboten und der starken Nachfrage, fällt die bislang ausgebliebene Professionalisierung der sozialen Dienste und die fehlende Fachlichkeit in den Moscheen auf.

Studien kommen zu dem Ergebnis, dass fehlende langfristige finanzielle Ressourcen Hauptamtliche in diesem Bereich zu beschäftigen, ein wesentliches Hindernis sei professionelle soziale Dienstleistungen in den Moscheen zu erbringen (Halm/Sauer 2015, 106).

So resümiert die Studie von Klöckner (2016) ebenfalls: entgeltfinanzierte Dienstleistungen sind in den türkisch-islamischen Vereinen eine Seltenheit. Muslimische Organisationen, mit Ausnahme der Ahmadiyya, verfügen nicht über den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts. Das Fehlen dieser rechtlichen Anerkennung verwehrt ihnen viele Möglichkeiten sich am Markt der sozialen Dienstleistungen zu beteiligen. Diese sind fast ausschließlich durch die Spitzenverbände abgedeckt und orientieren sich an den Bedarfen der säkularen Mehrheitsgesellschaft. Trotz interkultureller Öffnung fällt es den Anbietern sozialer Dienstleistungen, d.h. den Wohlfahrtsverbänden schwer, den Bedürfnissen der muslimischen Personengruppe gerecht zu werden (vgl. Klöckner 2016, 426 f.).

Das Erfahrungswissen der in dieser Untersuchung interviewten Expert:innen lässt sich in drei Stufen gliedern:

  • Moscheegemeinden leisten breitflächig Soziale Arbeit.
  • Moscheegemeinden haben zwei Ressourcenprobleme: finanzieller und struktureller Art.
  • Moscheegemeinden benötigen Qualifizierungsmaßnahmen zur Professionalisierung ihrer sozialen Dienstleistungen.

Die Forschungsergebnisse und die Interviewergebnisse zusammengeführt, kristallisiert sich im Endergebnis folgendes Bild heraus: es gibt auf Seiten der Muslime Bedarfe, die in Form von sozialen Dienstleistungen durch die klassischen Wohlfahrtsverbände nicht adäquat bedient werden können und auf der anderen Seite gibt es muslimische Organisationen wie die Moscheen, die sich dieser Gruppe zwar annehmen und von diesen auch angenommen werden, ihnen aber aufgrund fehlender finanzieller und personeller Ressourcen nicht im Sinne einer professionellen Sozialen Arbeit gerecht werden können. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Soziale Arbeit einen individuellen und gesellschaftlichen Nutzen erzeugen soll (vgl. Finis Siegler 2009, 201), ist es eine Win-Win-Situation die als sog. „hard-to-reach“ Gruppe der Muslime durch muslimische Organisationen, auch im Sinne des rechtlich verankerten Wunsch- und Wahlrechts, betreuen zu lassen und dafür die Vereine breitflächig wie im Qualifizierungsprojekt in Nordrhein-Westfalen zu qualifizieren. Dies bedarf einer Unterstützung durch die politischen Entscheidungsträger.

Daher ist die Empfehlung von Halm (2016), die sich auf die Ergebnisse der im Auftrag der DIK im Jahr 2012 durchführten Studie stützt, passend: „Fördert die Gemeinden, weil sie dann in der Breite sozialintegrativ arbeiten werden. Es geht um Infrastrukturen, Ressourcen und qualifiziertes Haupt- und Ehrenamt“ (Halm 2016, 103)

Anlagen

  1. Bachelorarbeit (pdf)


Autorin
Yasemin Erdogan
M.A., Staatl. Anerkannte Sozialpädagogin
Promotionsstipendiatin „Digitale Lebenswelten in Dörfern“, Universität Vechta/HAWK Holzminden
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Zitiervorschlag
Yasemin Erdogan: Soziale Dienstleistungen von muslimischen Organisationen. Angebote, Bedarfe und Finanzierung sozialer Arbeit durch Moscheen. Veröffentlicht am 17.12.2020 in socialnet Materialien unter https://www.socialnet.de/materialien/29150.php, Datum des Zugriffs 26.01.2021.


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