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Den Fokus neu denken - Skizze eines Pandemiemanagements auf Grundlage der Bedürfnisse und Lern- und Entwicklungser-fordernissen von Kindern, Jugendlichen und Familien

Menno Baumann, Andree Berghäuser, Tijs Bolz, Thomas Martens

veröffentlicht am 01.02.2021

Discussion Paper.

ISBN (PDF): 978-3-936978-06-3
URN: urn:nbn:de:101:1-2021020117170099639098

Zusammenfassung

Im Rahmen der Sars-CoV-2 Pandemie, die sich im Frühjahr 2020 global ausbreitete, wurden in fast allen Ländern der Erde Non-Pharmaceutical-Interventions implementiert, um den Verlauf der Pandemie abzubremsen. Nach einer ersten Phase mit deutlich invasiven Eingriffen in das Alltagsleben der Bevölkerung, in Deutschland im Laufe des Monats März in drei Schritten vollzogen (vgl. Dehning, Zierenberg, Spitzner et al. 2020), wurden diese Maßnahmen im Laufe des Sommers wieder weitgehend gelockert. Aktuell stehen wir wieder mitten in sehr tiefgreifenden Maßnahmen, da die Inzidenzwerte von Infektionen und Erkrankungen rapide gestiegen sind. 

Das Thema, welche Rolle Kinder und Jugendliche bei der Ausbreitung der Pandemie dabei spielen und unter welchen Bedingungen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen verantwortungsvoll geführt werden können und welche Konsequenzen ihre Schließung für die Gesellschaft habe, wird seitdem heftig diskutiert (vgl. Baumann 2020a, 2020b, Munro & Faust 2020a). Diese Diskussion scheint politisch, wissenschaftlich und gesellschaftlich festgefahren. Die Autoren versuchen, den Blick und die Fragestellung mit diesem Beitrag einmal umzukehren und die Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Familien sowie die Lern- und Entwicklungserfordernisse in den Fokus eines möglichen Pandemiemanagements zu stellen. Diese Perspektive erweitert den Blick insofern, als dass sie einen wissenschaftlichen Diskurs über Abwägungsprozesse und Kriterien ermöglicht.

Abstract

In the context of the Sars-CoV-2 pandemic, which spread globally in the spring of 2020, non-pharmaceutical interventions were implemented in almost all countries of the world to slow down the spreading of the pandemic. After a first phase with clearly invasive interventions in the everyday life of the population, completed in three steps in Germany during March (cf. Dehning, Zierenberg, Spitzner et al 2020), these measures were largely withdrawn during the summer. Currently, we are again in the midst of very profound interventions, as incidence levels of COVID-19 infection and disease have been increased rapidly. 

The issue of what role children and youth play in the spread of the pandemic in this regard and under what conditions educational and childcare facilities can be managed responsibly, and what consequences their closure would have for society, has been debated in very contradictory terms ever since (cf. Baumann 2020a, 2020b, Munro & Faust 2020). And the discussion seems politically, scientifically, and socially deadlocked. In this article, the authors try to reverse the view and the question and to put the needs of children, adolescents and families as well as the learning and developmental requirements into the focus of a possible pandemic management. This perspective broadens the view insofar as it enables a scientific discourse about consideration processes and criteria.

Inhalt

  • Abstract
  • Einleitung
  • Kindliche Bedürfnisse und Entwicklungsphasen
    • Prä-Verbale Entwicklung: 0–2 Jahre
    • Vorschulalter: 3–6 Jahre
    • Mittlere Kindheit: 6–11 Jahre
    • Vorpubertät: 12–14 Jahre
    • Adoleszenz: älter als 14 Jahre
  • Familien in besonderen Lebenslagen (“special needs”)
    • Von chronischer Erkrankung oder Behinderung betroffene Familien
    • Familien mit erhöhtem Gewaltrisiko
    • Familien in Armut und sozialer Randständigkeit
  • Lernprozesse und Lernarrangements
    • Die didaktische Tiefenstruktur von Lehr-Lernprozessen
    • Berücksichtigung der Bedeutung von pädagogischen Institutionen für sozial-emotionales Lernens
  • Zielperspektiven als Bestandteil eines bedürfnisorientierten Pandemiemanagements
  • Zusammenfassung
  • Literatur
  • Autoren

Anlagen

  1. Den Fokus neu denken - Pandemie­managements auf Grundlage der Entwicklungs­erfordernisse (pdf)

AutorInnen
Prof. Dr. phil. habil. Menno Baumann
Professor für Intensivpädagogik, Fliedner-Fachhochschule Düsseldorf, Referent, Berater und zertifizierter Sachverständiger für pädagogisch-psychologische Fragestellungen des Familienrechts, Mitglied der COVID-19 Forschungsgruppe „EviPan” des Netzwerkes Universitäts-medizin in der Arbeitsgruppe „Interdisziplinäre Konzepte und Maßnahme-Strategien” sowie des interdisziplinären Arbeitskreises „NoCovid”
Website www.fliedner-fachhochschule.de/staff/menno-baumann/
E-Mail Mailformular

Dr. Andree Berghäuser
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Neonatologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin, Chefarzt der Klinik für Kinderheilkunde des Florence-Nightingale-Krankenhaus Düsseldorf

Tijs Bolz
wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik, Fachgruppe Sonder- und Rehabilitationspädagogische Psychologie und Pädagogik bei Verhaltensstörungen/ emotionale und soziale Entwicklung

Prof. Dr. Thomas Martens
Professor für Pädagogische Psychologie an der Medical School Hamburg. Er leitet das Motivationsforschungsprojekt „Motdesign“ und ist Editor-in-Chief der Frontline Learning Research. Seine Expertise liegt in den Bereichen Motivationsforschung, e-Learning, Testentwicklung sowie Evaluation.


Zitiervorschlag
Menno Baumann, Andree Berghäuser, Tijs Bolz, Thomas Martens: Den Fokus neu denken - Skizze eines Pandemiemanagements auf Grundlage der Bedürfnisse und Lern- und Entwicklungser-fordernissen von Kindern, Jugendlichen und Familien. Veröffentlicht am 01.02.2021 in socialnet Materialien unter https://www.socialnet.de/materialien/29164.php, Datum des Zugriffs 06.03.2021.


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