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Schulsozialarbeit in Zeiten von Corona – Ergebnisse einer Fachkräftebefragung

Thomas Pudelko

veröffentlicht am 09.04.2021

Aus aktuellem Anlass (Schließung der Schulen und Veränderung der Arbeitsbedingungen der Schulsozialarbeit) wurde im Rahmen der Lehrforschung an der Ev. Hochschule Berlin ein Forschungsdesign zur Befragung und Auswertung betroffener Fachkräfte zu Thema Einsatz digitaler Kommunikationstechniken durch Fachkräfte der Schulsozialarbeit unter Pandemiebedingungen erstellt. Die Gewinnung der teilnehmenden Fachkräfte erfolgte über den Kooperationsverbund Schulsozialarbeit, die Landesarbeitsgemeinschaften Schulsozialarbeit, die Fachorganisationen der Wohlfahrtsverbände, die Fachkoordinierungsstellen der Schulsozialarbeit in einzelnen Bundesländern und kooperierende Hochschullehrer:innen, all denen hiermit ausdrücklich für ihre Unterstützung gedankt wird.

Weitere Detailauswertungen erfolgen im Rahmen der Forschungstätigkeit als Hochschullehrender und durch Studierende des Studienganges Soziale Arbeit B.A. an der Ev. Hochschule Berlin.

Die Untersuchung

Durch die Schulschließungen im Rahmen der Eindämmungsaktivitäten der Corona-Pandemie ist auch die Schulsozialarbeit von diesen Einschränkungen stark betroffen.

Solche einschneidenden, von außen sehr plötzlich Wirkung entfaltende, Ereignisse wie die Corona-Pandemie, bringen Subsysteme wie die Schulsozialarbeit in Bedrängnis, denn sie kann in ihrem angestammten Wirkungsfeld nun nicht mehr wie gewohnt agieren. Es bestehen aber akute Handlungsnotwendigkeiten.

Mit dem weitgehenden Wegfall der Präsenz der Fachkräfte der Schulsozialarbeit in den Schulen, ist auch die Möglichkeit der niedrigschwelligen direkten gegenseitigen Ansprache weggefallen.

Schulsozialarbeit ist jedoch auf die Möglichkeit des direkten und kontinuierlichen Kontaktes mit Schüler:inne:n, Lehrkräften und Erziehungsberechtigten angewiesen. Durch die Einschränkungen während der Corona-Pandemie sind diese ggf. unterbrochen.

Angenommen wird, dass die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie einen erheblichen Einfluss auf die Handlungsfähigkeit der Schulsozialarbeit haben. Da der Kern des Handelns von Fachkräften der Schulsozialarbeit in direkter Interaktion mit Schüler:inne:n, Lehrkräften und Erziehungsberechtigten begründet ist, fällt diese Arbeitsvoraussetzung durch die pandemiebedingten Einschränkungen in Gänze weg. Ob eine solch kommunikativ gegründete Arbeit auch durch andere Kommunikationswege realisiert werden kann, und ob, und wenn ja, welche Änderungen so induziert werden, ist Forschungsgegenstand.

Untersucht wurde der Umgang der Schulsozialarbeit mit der pandemiebedingten Einstellung des Präsenzschulbetriebes. Die theoretische Vorannahme ist hier, dass Schulsozialarbeit auch digitale Kommunikationsmöglichkeiten einsetzen kann, um ihrem Auftrag als sozialisationsbegleitende Instanz gerecht zu werden.

Die eigentliche Befragung erfolgte über die Befragungsplattform „Umfrageonline“ in der Zeit vom 27.08. bis 30.09.2020. Die Befragung umfasste 12 Fragen, unterteilt in 110 Items (in der Mehrheit in Form von Likert-Skalen). Ergänzt wurden diese geschlossenen Fragen durch zwei offene Fragen, die zum einen die Funktion hatten als „Blitzableiter“ zu dienen, falls die antwortende Person sie bewegende Fragen nicht findet, und somit ihr Anliegen trotzdem transportieren kann, und zum anderen als tentatives Element, um Aspekte zu ergründen, die in der Befragung sonst keinen Raum gefunden haben, aber für den Themenkomplex insgesamt von Interesse gewesen sein könnten. Die Fragen umfassten die Dimensionen Ausstattung (mit Digitaltechnik), Organisation, Anwendung (von Digitaltechnik), fachliche und persönliche Befähigung (im Umgang mit Digitaltechnik) sowie das subjektive Erleben der Situation durch die Fachkräfte und sich selbst in der Anwendung von digitalen Kommunikationsmitteln.

Teilgenommen haben 724 Personen. Da einige Datensätze als nicht verwendbar identifiziert wurden (sog. „Durchklicker“) konnten dann 722 Datensätze bei der Auswertung berücksichtigt werden.

Durch die Befragung mittels Onlinebefragungsinstrument und die Gewinnung der Befragungsteilnehmer:innen durch reine Internetkanäle ist ein Bias nicht auszuschließen, der solche Fachkräfte ohne diese Zugänge von vornherein nicht berücksichtigt.

Wer antwortete?

Da es bisher keine verlässlichen bundesweiten Angaben zur Mitarbeiterschaft von Fachkräften in der Schulsozialarbeit gibt, musste mit Hilfskonstruktionen gearbeitet werden, damit eine gewisse Repräsentativität abgebildet werden kann. Hierfür wurden auch einige Fragen zu den antwortenden Personen gestellt. Eine Frage war: „Aufgrund welcher Ausbildung / welchem Studienabschluss sind Sie in der Schulsozialarbeit tätig?“

Als Antwortmöglichkeit waren möglich:

Sozialarbeit mit Diplom, Sozialarbeit mit Bachelor, Sozialarbeit mit Master, Erzieher:in, Soziologie, Pädagogik (Uni), Psychologie, Lehramt sowie „sonstiges“ mit eigener Ergänzungsmöglichkeit.

Aus den Antworten ergibt sich, dass von den befragten Personen mehr als 87 % eine akademische Ausbildung in einem pädagogischen oder sozialwissenschaftlichen Studiengang haben. Lediglich 12 % besitzen eine andere Qualifikation, die allerdings recht bunt zusammengesetzt ist und von Zertifikaten über „Quereinsteiger aus der Verwaltung“, „Kunsttherapeut“ bis hin zu „Familienberater“ reicht. Insgesamt ist die Quote der akademisch in arbeitsfeldbezogen Studiengängen ausgebildeten Fachkräfte somit recht hoch.

Anstellungsträger

Um einen Vergleich mit z.B. der Jugendhilfestatistik durchführen zu können, wurde nach dem Anstellungsträger gefragt. Hier waren als Antwortmöglichkeit vorgegeben:

  • Freier Träger der Jugendhilfe,
  • öffentlicher Träger der Jugendhilfe (z.B. Jugendamt),
  • Schule / Schulamt,
  • Jugendverband,
  • Wirtschaftsunternehmen,
  • sonst. jur. Person+ andere Vereinigungen sowie ein
  • Freifeld zur Ergänzung, wenn die vorgegebenen Auswahlmöglichkeiten nicht zutreffen sollten. Diese Vorgaben an Antwortmöglichkeiten entsprechen den Erhebungskategorien der Jugendhilfestatistik. Damit konnte ein Vergleich mit den dort erhobenen Daten erfolgen.

Die Angaben aus der Eigenerhebung ergaben nun folgendes Bild:

61 % gaben an, dass sie bei einem freien Träger beschäftigt sind,
20 % sind nach den Angaben der Befragten bei einem öffentlichen Träger beschäftigt,
in schulischer Trägerschaft befinden sich 17 % der antwortenden Personen.

Der Rest teilt sich auf in Anstellung bei Wirtschaftsunternehmen oder solche, die z.B. als Einzelunternehmen tätig etc.

Wird als Referenz die Jugendhilfestatistik mit ihren Verteilungen auf die jeweiligen Trägerarten genommen, so wird deutlich, dass es eine gute Übereinstimmung der Verteilung mit diesen Zahlen gibt, was die Beschäftigung bei freien Trägern angeht (Jugendhilfestatistik 58 %). Bei öffentlichen Trägern sind lt. Jugendhilfestatistik 42 % der Beschäftigten, im Gegensatz zu 17 % in der eigenen Erhebung, was dadurch erklärbar ist, dass in der Jugendhilfestatistik die Schulsozialarbeiter:innen in schulischer (und damit auch öffentlicher) Anstellung separat ausgewiesen sind. Diese Verhältnisse können in den folgenden Auswertungen nun in die Berechnungen einfließen. Trotzdem kann gesagt werden, dass die hier befragten Personen die Gesamtheit der Schulsozialarbeiter:innen in ihrem Verhältnis in Bezug auf die Trägerschaft recht gut abbildet.

Schulform

Eine Verteilung der Fachkräfte in Bezug auf die Schulform, wo diese tätig sind, ist bisher nicht statistisch erhoben worden. Es gibt somit keine Vergleichsdaten. Um dies hier einordnen zu können, wurden die ausfüllenden Personen gefragt: „In welcher Schul(form) arbeiten Sie (hauptsächlich)?“ Auch hier gab es Antwortvorgaben und die Möglichkeit diese Auswahl ggf. selbst zu ergänzen.

Hier gaben 36,1 % an, an Grundschulen,
26,6 % an Schulen im Sekundar-I-Bereich,
11,3 % an berufsbildenden Schulen,
10,9 % an Gymnasien oder im Sekundar-II-Bereich,
6,4 % an Gesamtschulen,
6,2 % an Förder- oder Inklusionsschulen hauptsächlich zu arbeiten.

Die übrigen Nennungen konnten teilweise den zuerst genannten Schulformen zugeordnet werden, andere aber überhaupt nicht.

Hier wurden genannt:

  • Internat,
  • Jugendberufshilfe,
  • Willkommensklassen,
  • DAZ-Klassen,
  • Gemeinschaftsschule,
  • Schulzentrum,
  • Stadteilschule,
  • Verbundschule,
  • Bündelschule etc.

Rückläufe sind lediglich aus Sachsen und dem Saarland nicht erfolgt. Da deren realer Anteil an Fachkräften der Schulsozialarbeit dort recht gering ist (Sachsen 3,8 %, Saarland 1 %), ist dies rechnerisch nicht bedeutsam. (Für Sachsen liegt eine eigene Untersuchung von Berndt et al. 2021 vor.)

Bei den eingegangenen Antworten entsprechen die Anteile der Fachkräfte bezogen auf die Bundesländer proportional nicht den realen Verteilungen. Dort, wo dies auswertungsbezogen sinnvoll ist, wird mit Korrekturwerten gearbeitet.

Ausstattung mit digitalen mobilen Kommunikationsendgeräten

Da die Arbeit in der Schulsozialarbeit mit digitalen Kommunikationsmedien nur mit entsprechender Technik möglich ist, wurde nach dem Grad der Ausstattung mit Smartphone, Laptop, Desktop, Handheld etc. gefragt und auch nach der Finanzierung dieser Geräte und der Bezahlung der laufenden Kosten. Über alle Schulformen, Anstellungsträger und Bundesland hinweg bietet sich ein recht heterogenes Bild. Zum einen dadurch, dass einige Fachkräfte mit mehreren Endgeräten (bis zu vier) ausgestattet wurden, einige aber gar keine Ausstattung erhielten und ihre privaten Endgeräte für den beruflichen Einsatz nutzen und teilweise auch deren laufenden Kosten.
Immerhin erhielten 42,7 % der Befragten ihre Kommunikationsausstattung von ihrem Anstellungsträger.

Die jeweilige Schule hat bei 16,7 % der Befragten die entsprechende Ausstattung bezahlt.

In einer Mischung aus Sponsoring, Aufteilung der laufenden Kosten und Anschaffung zwischen Privat und Anstellungsträger oder Schule gibt es Nennungen im Umfang von 6,3 %.

Was aber hier bedeutsam scheint, sind die 34,4 % der Befragten, die sowohl die Anschaffung als auch die laufenden Kosten für die digitalen Kommunikations- und Arbeitsgeräte privat tragen.

Auch in einer Bestandsaufnahme der Arbeitsbedingungen von Schulsozialarbeiter:inne:n in Baden-Württemberg wird die mangelhafte Ausstattung der Fachkräfte beklagt. Diese hätten weder Dienstlaptop noch Diensthandy und waren damit faktisch arbeitsunfähig (vgl. Straß et al. 2020, S. 4).

Schulsozialarbeit an Grundschulen in Pandemiezeiten

Im Folgenden wird ein Fokus auf den Vergleich der Situation an Grundschulen und weiterführenden Schule gelegt. An Ersteren sind die Fachkräfte aufgrund des Alters der Schüler:innen besonders herausgefordert ihre Arbeit unter Pandemiebedingungen zu realisieren, da die Kinder im Alter von 6–12 Jahren (in Berlin und Brandenburg reicht die Grundschule bis zur 6. Klasse) wesentlich schlechter auf digitalem Wege erreichbar sind als Schüler:innen der Sekundarschulen.

„Da Grundschüler noch nicht mit eigenen digitalen Medien/Geräten ausgestattet sind, sind diese abhängig von ihren Eltern. Dies erschwert oftmals eine Kontaktaufnahme. Oftmals haben Eltern die Inhalte von Mails nicht an ihre Kinder weitergeleitet oder sich nicht bei Schulcloud-Diensten angemeldet. Eine Nutzung digitaler Medien ist in Grundschulen daher mitunter schwer umzusetzen“ (Code: GrundschulenDigitale G-Sch; Position: 11 - 11).

Von den Personen, die sich insgesamt an dieser Befragung beteiligten, und deren Antwortsätze bei der Auswertung berücksichtigt werden konnten (N=722), sind 201 (dies entspricht 29 %) an Grundschulen tätig. Da die Verteilung der antwortenden Fachkräfte an den Grundschulen sich nahezu ähnlich auf die Bundesländer verteilt, wie alle Antwortende, ist eine vergleichende Aussage über entsprechende Verteilungen auch hier vertretbar.

Um die Ausstattung und die Nutzungsgewohnheiten dieser Altersgruppe mit digitalen Endgeräten und deren Gebrauch als Hintergrundfolie zu nutzen, wird hier auf die letzte KIM-Studie aus dem Jahre 2018 zurückgegriffen.

Nach Feierabend et al. (2019, S. 9) haben immerhin 51 % der 6- bis 13-jährigen ein eigenes Handy oder Smartphone. Allerdings sind gerade diejenigen Kinder, die keine solche Ausstattung besitzen, eher jene, die eine Unterstützung und Begleitung durch die Schulsozialarbeit benötigen, da „insbesondere ärmeren Schülerinnen und Schülern […] oft die nötige digitale Infrastruktur [fehlt]“ (Eckert 2020, S. 2). Dies ist eine Form des Digital-Gap (vgl. Pudelko 2020, S. 116 f.). In der Zeit der pandemiebedingten Schulschließungen fokussiert sich diese Verschiedenheit in Ausstattung und Nutzkompetenz auf nicht mehr zu ignorierende Weise. Hier zeigt sich in großer Deutlichkeit, dass Schulsozialarbeit an Grundschulen nicht angemessen aufgestellt ist. Regelrecht verzweifelt klingen Äußerungen dazu von Schulsozialarbeiter:inne:n wie: „Es fehlt einfach an Technik, Software und Datenschutzrichtlinien für Onlinedienste“ (Code: GrundschulenDigitale G-Sch;
Position: 3 - 3).

Häufig werden die Schulsozialarbeiter:innen an Grundschulen zur Notbetreuung herangezogen; teilweise auch in der Funktion diese zu organisieren. Dabei stellte sich die vorherige Nichteinbeziehung der Schulsozialarbeiter:innen in Planungsabläufe als sehr hinderlich dar. Die in Berlin durchgeführte Untersuchung zum Thema der schulsozialarbeiterischen Aufgaben in Pandemiezeiten durch das Sozialpädagogische Institut (SPI) ergab, dass an den dortigen Sekundarschulen das Thema Notbetreuung bei 25 % der Fachkräfte ein relevantes Thema war (SPI 2020, S. 5).

Die Kontakte fanden meist nicht direkt zu den Kindern, sondern mit den oder über die Eltern statt. Hier nutzten die Schulsozialarbeiter:innen dann das gesamte Spektrum der Kommunikations- und Kontaktmöglichkeiten.

„Kontakt zu Schüler*innen und deren Familien über Briefe, Aushänge, Mail, SMS, Telefon, Whattsapp, Hausbesuche bis zur Wohnungstür“ (Code: GrundschulenKontakt mit SuS; Position: 4 - 4).

Für die Fachkräfte an Grundschulen stellte sich dabei die alleinige Kontaktaufrechterhaltung als sehr herausfordernd dar. So wird vermehrt aufsuchende Elternarbeit betrieben, da die Digitalausstattung der Elternhäuser hier schnell Grenzen aufzeigt.

„Generell gestaltete sich der Kontakt zu den Elternhäusern schwierig, da Eltern keine E-Mailadressen besitzen, selbst digital schlecht aufgestellt sind etc“ (Code: GrundschulenElternarbeit; Position: 29 - 29).

Es werden neben den Genannten sämtliche Kontaktmöglichkeiten genutzt; (z.B. Treffen im Freien, vor der Schule). Ein Problem ist, wenn die Schulsozialarbeit nicht in eine bestehende IT-Infrastruktur der Schule eingebunden ist, über die z.B. Lehrkräfte untereinander und mit den Schülern kommunizieren. Dann muss die Schulsozialarbeit erst über ein Berechtigungssystem Zugriff zu den Kontaktdaten bekommen, oder als Teil des Kommunikationsnetzwerkes gelistet sein. Beides wirft aber meist datenschutzrechtliche Fragen auf.

„Gerade in der Grundschule ist es sehr schwer mit SchülerInnen digital in Kontakt zu treten, da die jüngeren SchülerInnen keine Handys etc. besitzen“ (Code: GrundschulenKontakt mit SuS; Position: 29 - 29).

War der Kontakt aber gelungen, so konnten die unterstützenden Angebote der Schulsozialarbeit jedoch meist auch realisiert werden.

Die Aufgaben der Schulsozialarbeiter:innen in Pandemiezeiten

Von den befragten Fachkräften an Grundschulen gaben 64,5 % (n=129) als vorrangige Aufgabe in der Pandemiezeit an, überhaupt den Kontakt zu den Schülern zu halten. Von 62 % wurde die Vermittlung bei häuslichen Problemen als wichtige Aufgabe in dieser Zeit genannt (Mehrfachnennungen waren möglich). Aber noch 51 % unterstützten die Grundschulkinder auch bei schulischen Problemen. Auch wurden 40,5 % der Schulsozialarbeiter:innen zu Pandemieerklärer:inne:n. Und wie in Präsenz, gehörte auch in Pandemiezeiten die Vermittlung zwischen Lehrkräften und Schüler:inne:n zu ihren Aufgaben (38 %). Eher erstaunlich ist dagegen, dass auch 16,5 % der Schulsozialarbeiter:innen an Grundschulen bei technischen Fragen im Zusammenhang mit Homeschooling zu Rate gezogen wurden. In der Untersuchung unter Trägern des Berliner Programms „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen“ nannten die Befragten, dass Elternarbeit mit 100 % Relevanz in der pandemiebedingten Schließungszeit an erster Stelle steht (vgl. SPI 2020, S. 2). „Dabei stand der telefonische, schriftliche oder persönliche Kontakt (Hausbesuche, Konsultationstage in der Schule) im Zentrum der sozialpädagogischen Informations- und Beratungstätigkeit.“ (ebd.). Inhaltlich ging es dabei um Themen wie Abwendung vom Schulgeschehen, Information über Hilfesysteme, Lernunterstützung sowie Fragen zur Pandemie. Dabei zeigte sich z.B., dass das Thema Schuldistanz in Zeiten von Distanzunterricht neu betrachtet werden muss. Die Heranführung an digitale Unterrichtsformen solch absenter Schüler:innen folgte hier in einem abgestuften Plan mittels E-Mailanfrage, Telefonate, Social Media bis zu Hausbesuchen, was vielfach erfolgreich verlief (ebd. S. 3). Diese Befunde werden auch durch Ergebnisse aus Sachsen gestützt, wo es in Pandemiezeiten vorrangig um (Wieder)anbahnung von Kontakten, deren Aufrechterhaltung als Grundlage für weitere Aufgabenbewältigung geht (vgl. Berndt et al. 2021, S. 11).

Der persönliche Umgang

Eine zentrale Frage war die nach den persönlichen Erfahrungen unter Pandemiebedingung weitgehend digital zu kommunizieren. Hier wurde die Vorannahme gemacht, dass es relevante Unterschiede zwischen den Schulstufen (Grund- bzw. Sekundarschulen) gibt. Hierzu wurde gefragt, wie die Fachkräfte es erlebten, dass sie ganz häufig in der Pandemiezeit auf andere Kommunikationsmöglichkeiten zugreifen mussten, als bisher und wie es ihnen dabei erging.

Auf den ersten Blick scheint das entsprechende Erleben der Fachkräfte in den unterschiedlichen Schulstufen nicht sehr verschieden zu sein. Bei genauem Hinsehen zeigen sich dann jedoch markante Unterschiede. Während die Fachkräfte an Grundschulen die Notwendigkeit vermehrt digital zu kommunizieren zu 51 % als wenig oder gar nicht als persönliche Zumutung erleben, sind dies in den Sekundarschulen fast 56 %. Ähnliche Unterschiede sind auch bezogen auf die fachliche Zumutung hierbei festzustellen (an Grundschulen 46 % wenig oder gar nicht; an Sekundarschule 37 %). Dieser Unterschied von 9 Prozentpunkten bei dieser Frage ist bei keinem anderen Item festzustellen. So erleben die Fachkräfte an Grundschulen die Situation zu 46 % als Gelegenheit etwas Neues auszuprobieren, während dies auf 50,7 % an den Sekundarschulen zutrifft. Nahezu gleich erleben die Fachkräfte die Situation als Bestätigung, dass Schulsozialarbeit Digitalkompetenz benötigt (67,5 % Grundschultätige bzw. 67,4 % an anderen Schulen wirkende Fachkräfte).

Weniger überraschend erscheint, dass die Fachkräfte an Grundschulen der Auffassung stark oder ganz zustimmen (63 %; an weiterführenden Schulen Beschäftigte 57 %), dass Schulsozialarbeit nur im direkten persönlichen Kontakt funktioniert.

Digitale Kompetenzen für die Schulsozialarbeit ermöglichen

Als eine mögliche Schlussfolgerung könnte daraus die Notwendigkeit sein, das Thema Digitalkompetenz in Aus- und Fortbildung zu forcieren. Auch hier wird eine vergleichende Perspektive eingenommen. Zum einen die der Fachkräfte an Grund- und zum anderen der an weiterführenden Schulen.

Einig sind sich die befragten Fachkräfte hinsichtlich der Notwendigkeit, dass Fort- und Weiterbildungen zum Thema Digitalkompetenz angeboten werden sollten. Voll oder zumindest teilweise sind davon 93 % der an Grund- und 94 % der an weiterführenden Schulen tätigen Schulsozialarbeiter:innen überzeugt. Dass dies als Onlineseminare angeboten werden sollten, sind knapp 84 % der Fachkräfte an Grundschulen und 85 % derjenigen an weiterführenden Schulen der Ansicht. Eine relevante Unterscheidung ist bei dem Aspekt, diese Fort- und Weiterbildungen gemeinsam mit Lehrkräften durchführen zu sollen, zu erkennen. Hierfür plädieren fast 89 % der Schulsozialarbeiter:innen an Grundschulen. Die Zustimmung für diese Art der Fort- und Weiterbildung beträgt bei den Fachkräften an den Sekundarschulen mit fast 79 % zehn Prozent weniger. Wenn es darum geht, die Thematik bereits in der Ausbildung zu verankern, sind die Unterschiede nicht mehr besonders markant. So befürworten 78 % der Fachkräfte an Grundschulen und 82 % an weiterführenden Schulen, das das Thema Digitalisierung im grundständigen Studium als Querschnittsthema verankert werden soll. Aber auch als Wahlfach im Grundstudium würden fast 79 % der Grundschulsozialarbeiter:innen und fast 74 % der Schulsozialarbeiter:innen an weiterführenden Schulen das Thema Digitalisierung gerne sehen. Eine Fortbildung für alle Beteiligten (Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter:innen, Erzieher:innen, Schüler:innen) wird auch in der Befragung von Berndt et al. hierzu gefordert (vgl. Berndt et al. 2021, S. 30).

Der Idee, die Zuständigkeit für das Thema Digitalisierung weitgehend aus der Zuständigkeit der Schulsozialarbeit auszulagern, und dafür speziell ausgebildete Fachkräfte zu betrauen, stehen die befragten Fachkräfte ambivalent gegenüber. Während dies fast 54 % der Fachkräfte an Grundschulen befürworten würden, fänden dies 48 % der Befragten an den weiterführenden Schulen richtig. Mit dieser jeweiligen Nähe an der Hälfte der Befragten ist somit weder eine Ablehnung noch eine wirkliche Zustimmung zu diesem Zuständigkeitsmodell abzulesen. (Werden die Aussagen der Fachkräfte hinzugezogen, die keine Angaben zur Schulform gemacht haben, wo sie arbeiten, nähern sich diese Voten ziemlich exakt den Werten 50:50 an.) In der 2019 in Niedersachsen durchgeführten Befragung von Busche-Baumann gaben 16 % der befragten Schulsozialarbeiter:innen an, dass digitale Bildung (noch) keine Aufgabe der Schulsozialarbeit sei (vgl. 2020, S. 86). Exemplarisch aus dieser Untersuchung mag folgende Antwort dazu sein: „Digitale Bildung können andere besser und Schulsozialarbeit sollte sich davor hüten, ohnehin knappe Ressourcen durch ausbildungs- und aufgabenfremde Aufträge von außen zu verschleißen“ (ebd. S. 87).

Den neuen Anforderungen gewachsen sein

Welche Faktoren zu einem ermöglichenden Umgang mit dieser besonderen Situation beigetragen haben, sind aus den Antworten auf zwei Fragen zu entnehmen.

Da wohl für die meisten der sozialpädagogischen Fachkräfte an den Schulen die Situation eine Besondere ist, wurde davon ausgegangen, dass häufig bei der Bewältigung Hilfe und Unterstützung erforderlich war. Eindeutig und mit deutlichem Abstand nannten die befragten Fachkräfte Gespräche mit und Support durch Kolleg:inn:en, die ihnen halfen diese besonderen Situationen zu bewältigen. Auch ist der Unterschied hier zwischen denjenigen, die an Grundschulen arbeiten (fast 92 %) und denen an weiterführenden Schulen (fast 90 %) mit zwei Prozentpunkten fast zu vernachlässigen. An zweiter Stelle der Hilfen in Coronazeiten bei Digitalproblemen wurden Internetrecherchen genannt. Auch hier ist die Differenz zwischen den befragten Personengruppen gering. Die an Grundschulen tätigen Schulsozialarbeiter:innen gaben an, dass ihnen in mehr als 70 % der Fälle eine Internetrecherche geholfen hat. Bei denjenigen an Sekundarschulen waren es fast 74 %. Aber auch Freunde und Verwandte gaben Unterstützung (fast 55 % der an Grundschulen und 52 % der an Sekundarschulen) in erheblichem Maße. Bei der Unterstützung durch Vorgesetzte gib es dagegen erhebliche Unterschiede. Dass sie von Vorgesetzten in der Bewältigung dieser besonderen Situation unterstützt wurden, bejahten Fachkräfte an Grundschulen zu 66 % und durch diejenigen an weiterführenden Schulen zu 55 %. Diese Differenz von mehr als 11 Prozentpunkten ist bemerkenswert. Eine vergleichbare Differenz ist hier nur bei der Unterstützung durch Supervision, wenn auch auf niedrigerem Niveau, genannt worden. Erlebten sich gut 36 % der Fachkräfte an Grundschulen durch Supervision im Umgang mit Digitalanforderungen unterstützt, waren es an weiterführenden Schulen mit knapp 27 % und damit mehr als neun Prozent weniger. Blogs (13 %) oder eine Hotline einer Fachberatung (12 %) waren dagegen nur selten die Quellen, auf die hier zurückgegriffen wurde. Geholfen mit der Situation umzugehen, haben aber auch die eigenen Vorkenntnisse, was den Einsatz digitaler Kommunikationstechniken in der Schulsozialarbeit angeht. Dies gaben 42 % der Fachkräfte an Grundschulen und 50 % derjenigen an Sekundarschulen an.

Neben der technischen Bewältigung im Umgang mit digitalen Kommunikationsmitteln ist die Situation insgesamt sehr herausfordernd und anstrengend erlebt worden. So teilte eine befragte Fachkraft im ergänzenden Antwortfeld mit: „Ich habe mich als Schulsozialarbeiter während der Schließungszeit der Pandemie komplett verloren und allein gelassen gefühlt.“ (Code: Fehlende Unterstützung; Position: 49 - 49). Eine andere berichtete, dass der Träger „in eine ‚Handlungsstarre‘ verfallen (sei) und ich als Mitarbeiter musste mir selbständig Wege suchen, meine eigentliche Arbeit durchzuführen“ (Code: Fehlende Unterstützung; Position: 20 - 20). Eine andere fühlte sich „einfach allein“. Dies berichten auch Schulsozialarbeiter:innen aus Sachsen in der Untersuchung von Berndt et al. (vgl. 2021, S. 14)

Die Kolleg:inn:en sind nicht nur bei Digitalfragen die wichtigste Stütze in Pandemiezeiten, sondern auch in Bezug auf das persönliche Durchstehen dieser besonderen Zeit. Dies bestätigen mit 81 % (an Grundschulen Tätige und 80 % der an weiterführenden Schulen Tätige) gleich häufig. Auch erfahren die Schulsozialarbeiter:innen von den Lehrkräften viel persönlich Verständnis. Dies gaben 56 % der an Grundschulen und 55 % der an Sekundarschulen Tätige und somit etwa gleich viele an. Eine persönliche Unterstützung durch Vorgesetzte erlebten Fachkräfte an Grundschulen mit 57 % etwas mehr als jene an den Sekundarschulen mit fast 54 %. Relevant ist auch das Verständnis der Schüler:innen für die Besonderheiten der Situation mit fast 51 % der Grundschüler:innen und nur wenig geringer mit 47 % derjenigen jungen Menschen an den weiterführenden Schulen.

Wie „ticken“ die Skeptiker?

Die Notwendigkeit vermehrt digitale Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen, wird unterschiedlich erlebt. Einige sehen dies als Möglichkeit und Herausforderung auch in der Schulsozialarbeit vermehrt Digitaltechniken einzusetzen, andere sehen dies ambivalent und wieder andere möchten diese Techniken so wenig wie möglich verwenden. Diese Untersuchung bietet die Möglichkeit diese Einschätzungen etwas genauer auszuleuchten und einzuordnen. Hierzu werden die besonders ablehnenden Voten und deren Kontexte bei anderen Fragen zur Begründungsanalyse herangezogen. Eine Differenzierung nach Schulstufe erfolgt dort, wo die Daten dies ermöglichen.

Ausgehend von der weitestgehenden Ablehnung digitaler Kommunikation (es gab und gibt keine Notwendigkeit im Schulkontext über Digitalmedien zu kommunizieren) wird die Meinungsdifferenzierung der ablehnenden Fachkräfte folgend aufgefächert. Dieser Aussagte stimmten stark oder sehr stark fast 10 % aller Befragten, welche diese Frage beantworteten (n=621) zu. Von diesen 62 Personen gaben 7 an, sich regelrecht professionell mit Digitaltechnik auszukennen, 34, dass sie sich vieles diesbezüglich selbst beibringen mussten, und 12, dass sie lediglich mit dem Nötigsten zurechtkommen und drei können die Geräte nach Selbsteinschätzung nicht wirklich bedienen. Schaut man, in welchen Altersgruppen die Skeptiker zu finden sind, fällt auf, dass diese vor allem in den jüngeren Altersgruppen (jünger als 18 sowie 18–25 Jahre) zu finden sind. Ein Drittel (n=20; 33 %) der Skeptiker ist auch der Ansicht, dass das Thema Digitalisierung (abgesehen von solchen Extremsituationen wie der derzeitigen Pandemie) für die Schulsozialarbeit nicht relevant ist. So ist es nicht verwunderlich, dass 25 % der Skeptiker davon ausgehen, dass nach der Pandemie die Arbeit wie vorher gemacht werden kann und dabei digitale Medien kaum noch eine Rolle spielen.

Ein Blick auf die Verteilung der Digitalisierungsskeptiker auf die Schulstufen zeigt, dass es an Grundschulen ca. 1/3 mehr Fachkräfte gibt, die gegenüber dem Einsatz digitaler Kommunikationsmittel in der Schulsozialarbeit sehr bis stark kritisch gegenüber eingestellt sind, als diejenigen an anderen Schulstufen. In einer Befragung von Schulsozialarbeiter:inne:n in Niedersachsen im Jahre 2019 positionierten „sich 16,3 % gegen eine Bildungsarbeit im digitalen Bereich“ (Busche-Baumann 2020, S. 83)

Die Skepsis gegenüber digitalen Kommunikationsmitteln lässt sich bedingt auch an der Nutzung bzw. Nicht-Nutzung ablesen. Eine Übereinstimmung derjenigen, die allein das Kennen von digitalen Kommunikationsmitteln abstreiten (kenne ich nicht) und denjenigen, die eine Notwendigkeit infrage stellen überhaupt digital kommunizieren zu müssen, ist allerdings hier nicht feststellbar.

Ausstattung mit und Zugriff auf Technik

Schulsozialarbeit ist zwar originär auf Schule als Institution und Ort angewiesen. Die Ausnahmesituation der Pandemie zeigt jedoch, dass Schulsozialarbeit notfalls auch ohne diese Struktur handlungsfähig sein kann. Dies vor allem, wenn die strukturelle Einbindung es trotzdem oder gerade deshalb ermöglicht Kommunikations- und Handlungsoptionen in Erwägung zu ziehen und umzusetzen. Inwieweit die Schulen hierzu technisch aufgestellt sind, wurde auch abgefragt. GoogleClassroom wird 13 % der Schulen verwendet, in 71 % der Schulen ist es entweder geplant oder die Schulsozialarbeit weiß über derartige Pläne nichts. In fast 2 % der Schulen wird überlegt, dieses System einzusetzen. An 13 % der Schulen existiert ein eigener Server, über den der Distanzunterricht abgewickelt wird. Die Nutzung eines Portals für digitales Lernen und Kommunikation der Landesregierung ist an 20 % der Schulen realisiert. Weitere 44 % der Schulen nutzen Moodle, die HPI-Schulcloud, I-Serve etc. Damit sind 91 % der Schulen bereits mit einem digitalen System ausgestattet, was es prinzipiell möglich macht Distanzunterricht durchzuführen und z.T. nichtunterrichtliche Aktivitäten wie z.B. Schulsozialarbeit zu unterstützen. Die nur in Sachsen durchgeführte Studie von Berndt et al. stellt ebenfalls solche infrastrukturelle Defizite fest (vgl. 2021, S. 28).

Schließlich wurde nach den verwendeten Kommunikationskanälen gefragt, die während der Pandemie genutzt wurden. Hier wird deutlich, dass E-Mail immer noch für die meisten Schulsozialarbeiter:innen der häufigste (71 %) digitale Kommunikationskanal ist. Allerdings gaben fast 18 % an E-Mail nie in der Kommunikation mit Schüler:inne:n zu nutzen. Und diese Fachkräfte verwenden dann aber auch keine anderen Kanäle wie SMS, WhatsApp. So wird auch SMS wesentlich seltener verwendet. Lediglich knapp 29 % der Befragten gaben an SMS in der Kommunikation mit Schülern zu nutzen. Dies wird auch die Untersuchung von Berndt et al. bestätigt, die für die Nutzung von E-Mail eine Nutzung von bis zu 97 % als dem häufigsten Kommunikationskanal angaben (vgl. Berndt et al. 2021, S. 25). Doch auch die Nutzung von WhatsApp ist relativ wenig als digitaler Kommunikationskanal genannt worden. Fast 39 % gaben an diesen Messengerdienst für die Kommunikation mit Schülern in Pandemiezeiten zu nutzen. Andere Messengerdienste wie Signal (4,8 %), Threema (2,6 %), oder Wire (0,9 %) spielen praktisch keine Rolle. Etlichen Fachkräften (28 %) sind diese Messengerdienste überhaupt nicht bekannt. Die Untersuchung von Berndt et al. differenziert nicht nach Messengerdiensten und Social Media-Kanälen, sodass ein direkter Vergleich nicht möglich ist, allerdings kommen diese Kommunikationskanäle in deren Untersuchung zusammen auf 47 % Nutzungshäufigkeit (ebd.).

Organisatorisches

Die Kostenübernahme und Beschaffung digitaler Endgeräte für die Fachkräfte der Schulsozialarbeit ist so uneinheitlich geregelt wie das gesamte Handlungsfeld in Bezug auf Zuständigkeiten (vgl. Meinunger 2014, S. 12) und Aufgabenbeschreibungen (vgl. Spies, Pötter 2009, S. 89 ff.). Damit ist auch erklärbar, warum Ausstattung und Nutzungsregelungen für diese Kommunikationsmöglichkeiten von „gar nicht“ bis „uneinheitlich“ geregelt sind.

Eine umfassende Regelung für den Umgang mit Fragen digitaler Nutzungen haben gut 15 % der Fachkräfte zur Verfügung, wobei die Regelungsdichte an weiterführenden Schulen mit 17 % hier etwas höher als an Grundschulen (12 %) ist. Wie mit Schüler:inne:n und Eltern kommuniziert werden soll, ist für 40 % der Schulsozialarbeiter:innen geregelt. Damit wird aber auch deutlich, dass es in 30 % dafür keine Regelung gibt, 16 % nichts von so einer Regelung wissen, für fast 5 % derartige Regelungen noch erarbeitet werden und fast 2 % sagen, dass sie dafür keine Regelung benötigen würden. Von den Befragten gaben 15 % an (12 % Grundschulen; 16 % weiterführende Schulen), dass es für ihre Arbeit einen Fundus an Beispielen gibt, was sie als Schulsozialarbeiter:innen in Bezug auf Digitalanwendungen verwenden können; dagegen verneinten dies 32 % durchweg. Weiteren 43 % der Befragten sind solche Beispiele und Handreichungen nicht bekannt (46 % an Grundschulen; 41 % an weiterführenden Schulen). Dass die geringe organisatorische Einbindung der Schulsozialarbeit in die Schulablauforganisation deren Arbeit unter Pandemiebedingungen noch erschwert, zeigt auch die Untersuchung von Berndt et al., wenn dort von „mangelnder Kooperation“, „Schwierigkeiten in der Planung der Abläufe“, dem „fehlenden Verständnis für die professionelle Eigenständigkeit der Schulsozialarbeit“ und dem absoluten Fokus auf den Lernstoff berichtet wird (vgl. Berndt et al. 2021, S. 15 f.).Und in Baden-Württemberg scheint es nicht gelungen zu sein, Vernetzung und Gremienarbeit in Zeiten der Schulschließungen seitens der Träger weiter, z.B. mit Videochats, aufrechtzuerhalten (vgl. Straß et al. 2020, S. 4).

Die Zeit gut genutzt

In der Untersuchung von Berndt et al. geben viele befragte Fachkräfte an, die Pandemiezeit genutzt zu haben, um Literaturstudium zu betreiben, sich weiterzubilden, oder organisatorische oder konzeptionelle Arbeit zu erledigen. (vgl. Berndt et al. 2021, S. 10 f.) Dabei spielt die Planung für das kommende Schuljahr unter dem Eindruck der Pandemieerfahrungen eine große Rolle. Dies wird auch in der hier vorgestellten Studie als Tätigkeit genannt, wenn die Arbeit mit den Schüler:inne:n verhindert ist. Neben dem Aufarbeiten liegen gebliebener Büroarbeit wird auch die Vorbereitung auf die Nachpandemiezeit, Kontaktpflege mit Kooperationspartner:inne:n und Konzeptarbeit genannt.

Datenschutz – ein Thema mit Potenzial

Datenschutzaspekte wurden nur in einem Item explizit abgefragt. Deshalb werden die Angaben hierzu mit den offenen Antworten zu anderen Fragen verknüpft.

Bei gut 62 % der befragten Fachkräfte gibt es eindeutige und verständliche Datenschutzregelungen, wobei diese an Grundschulen (65 %) etwas häufiger vorhanden sind als an weiterführenden Schulen (61 %). Klar verneinten dies 16 %, wobei mit fast 18 % diese an weiterführenden Schulen etwas häufiger fehlten als an Grundschulen (13,5 %). Von einer solchen Regelung wussten 15 % nichts (15 % an Grundschulen; 16,5 % an weiterführenden Schulen). In etwa 5 % der befragten Situationen sind Datenschutzregelungen derzeit in Arbeit.

Als Aspekt, der datenschutzrelevant ist, der jedoch als Hemmnis für die praktische Arbeit gesehen wird, ist die Nutzung von WhatsApp (39 %). So wird die Datenschutzrichtlinie des Trägers als Hinderungsgrund angegeben, die jungen Menschen erreichen zu können. „Die Datenschutzrichtlinien erlauben derzeit nicht die Kommunikation über Soziale Medien wie Whatsapp und co. Jedoch sind viele der Jugendlichen nur so erreichbar“ (Code: Datenschutzals Hindernis; Position: 13 - 13). Diese Art Äußerungen werden auf vielfältige Weise getätigt „Ich darf gängige Medien (WhatsApp, Instagram etc.) nicht zur Beratung nutzen (Datenschutz) ABER das sind die Medien über die Kinder und Jugendliche kommunizieren.“ (Code: Datenschutzals Hindernis; Position: 35 - 35) und „Der Datenschutz verhindert eine flexible und einfach Kommunikation mit den Jugendlichen und deren Eltern. whats app nicht erlaubt, wird aber von allen genutzt, nur die Jugendhilfe darf es nicht.“ (Code: Datenschutzals Hindernis; Position: 21 - 21).

Selten wird der Datenschutz unter dem Schutzaspekt gesehen und stattdessen als Hinderungsgrund genannt, warum es so schwer ist, datenschutzkonform zu kommunizieren. „Nur leider ist das Thema Datenschutz bei Whatsapp ja fraglich, wodurch Whatsapp leider keine Dauerlösung ist. Hier wäre mehr Wissen über sichere Messenger notwendig, die auch kostenfrei sind!“ (Code: Datenschutzals Hindernis; Position: 103 - 103). Auch die von Berndt et al. befragten Schulsozialarbeiter:innen in Sachsen sehen im Datenschutz vor allem ein Arbeitshindernis (vgl. Berndt et al. 2021, S. 29).

Aber auch die Kommunikation auf Schulplattformen kann dann am Datenschutz scheitern, wenn die Zugangs- und Nutzungsrechte nicht entsprechend geregelt sind. „[…] aber unter dem datenschutzrechtlichen Vorwand kein Zugang zum Dienstnetzwerk (Server, Mail etc.) zur Verfügung gestellt wurde.“ (Code: Datenschutzals Hindernis; Position: 87 - 87). Da Datenschutz kein ausführlich erfragtes Thema war, ist es bemerkenswert, dass von denjenigen, die sich im Freitextfeld geäußert haben (n=155), 24 Datenschutzaspekte benannt haben. Dies trifft auch auf die sächsische Untersuchung von Berndt et al. zu, wo gefordert wird, dass „der Datenschutz zwischen Schulsozialarbeit und Schule […] dringend geregelt“ (Berndt et al. 2021, S. 30) werden muss.

Interpretation der Ergebnisse

Die Ausstattung der Fachkräfte mit (mobilen) Digitalkommunikations- und Arbeitsgeräten sowie die Gewährleistung eines Internetzuganges ist sehr unterschiedlich realisiert.

Eine regelbasierte Tätigkeit von Schulsozialarbeiter:inne:n in unabsehbaren Krisenzeiten ist nicht durchgängig erkennbar, obwohl Soziale Arbeit im Allgemeinen stets mit Unwägbarkeiten arbeitet.

Die Ausnahmesituation führt auch dazu, dass Schulsozialarbeit originäre Aufgaben der Schule zugewiesen bekommt (z.B. Notbetreuung sicherstellen, Hofaufsicht, Unterrichtsbegleitung oder Einlass der Schüler am Morgen (vgl. Berndt et al. 2021, S. 11)). Schulsozialarbeit setzt in der Krise das ganze Repertoire an Kontaktmöglichkeiten ein, was irgendwie verfügbar ist und setzt sich dabei auch punktuell über rechtliche Vorgaben (Nutzung diverser Messengerdienste) hinweg.

Datenschutz wird oft synonym für Verhinderung zielgruppenangemessener Kommunikation erlebt. Was Datenschutz wirklich ist, und wie damit umgegangen werden kann, scheint bisher diffus und wenig bei den Fachkräften der Schulsozialarbeit verankert. So ist es auch wenig hilfreich, wenn einzelne Entscheider einem temporären Aussetzen des Datenschutzes das Wort reden (vgl. Hottelet 2021).

Die digitalen Kommunikationsmöglichkeiten werden pragmatisch eingesetzt, ohne hierfür von Trägerseite genügend ausgestattet und vorbereitet zu sein (vgl. AKS 2021). Ein Konzept für die Nutzung ist die Ausnahme. Das Wissen hierüber wird oft anlassbezogen erworben und angepasst.

Die Größenordnungen derjenigen Fachkräfte, die dem Einsatz digitaler Kommunikationstechniken mit großer Skepsis gegenüberstehen, sind nicht überraschend. Allerdings überrascht, dass diese Haltung überproportional häufig bei jüngeren Schulsozialarbeiter:inne:n vorkommt.

Schlussfolgerungen und Empfehlungen

Die Notwendigkeit, Arbeitsmuster den Pandemiebedingungen anzupassen, ist für die Schulsozialarbeit mindestens genauso schwierig wie für das System Schule.

Eine angemessene Ausstattung mit mobilen Endgeräten ist durchgehend sicherzustellen, da sonst eine digitale Spaltung auch bei der Schulsozialarbeit droht (vgl. Pudelko 2020, S. 118). Die Forderung nach einer abgesicherten digitalen Infrastruktur für alle Schulsozialarbeiter:innen erhebt auch Eckert (vgl. ebd. S. 4). Hinsichtlich der Ausstattung der Schüler:innen mit digitalen Endgeräten ist zu überlegen, ob nicht diese Ausstattung Orientierungsrahmen für die einzusetzenden Angebote seitens Schule und Schulsozialarbeit sein könnte und nicht umgekehrt.

Ausstattungsstandards zu gewährleisten, ohne über entsprechendes Anwendungswissen zu verfügen, ist jedoch nicht zielführend. Hier sind alle Akteur:inn:e:n gefordert Fort und Weiterbildung für sämtliche Beteiligten zu realisieren. Erste diesbezügliche Angebote sind recht vielversprechend (vgl. hierzu: Korek 2019; Institut für Medienpädagogik 2020) Dabei ist zu berücksichtigen, dass die internetbasierten Kommunikationsanwendungen einer ständigen Veränderung unterliegen. Es ist jedoch darauf zu achten, dass aktuelles Wissen vorhanden und jeweils angepasst wird (vgl. Pudelko 2020, S. 119).

Neben der Ausstattung müssen die Träger auch ihrer Aufgabe nachkommen, Regelungen, Richtlinien und Handreichungen für die Anwendung und den Einsatz digitaler Kommunikationstechniken den Mitarbeiter:inne:n an die Hand zu geben. Diese sollten auch Anleitungen für die Arbeit mit Schüler:inne:n, Lehrkräften und Eltern sowie Netzwerkpartnern enthalten. Dies ist in Abstimmung und Einbeziehung der jeweiligen Schule und ggf. Hinzuziehung weiterer Stellen (z.B. Datenschutzbehörde) zu geschehen.

Der Datenschutz und deren Dimensionen sind in kontinuierlichen Fort- und Weiterbildungen jenseits rechtlicher Verortung zu platzieren und sollten in der praktischen Umsetzung ein Schwerpunkt in der Nachqualifikation sein.

Quellen

Arbeitskreis kritische Soziale Arbeit (AKS) – München (2021): Schreiben an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus. (01.02.2021)

Berndt, Constanze / Reimann-Bernhard, Brit / Gruhlke, Heike / Jevlasch, Käthleen / Müller, Wolfgang (2021): Schulsozialarbeit in Sachsen in Zeiten der Corona-Pandemie. Ergebnisse der zweiten Befragung während des eingeschränkten Regelbetriebes. Im Internet unter: https://www.ehs-dresden.de/fileadmin/​HOCHSCHULE/​Projekte/​Zwischenbericht_02_21_final.pdf (Letzter Aufruf: 12.03.2021)

Busche-Baumann, Maria (2020): Mediatisierte Aneignung von Lebenswelten – Zum Bildungsauftrag der Schulsozialauftrag. In: Hollenstein, Erich / Nieslony, Frank (Hrsg.) Schulsozialarbeit in mediatisierten Lebenswelten. Beltz

Eckert, Dieter (2020): Was macht Schulsozialarbeit in Zeiten der Corona-Krise? Im Internet unter: https://www.awo.org/sites/​default/​files/​2020-05/​Artikel%20Schulsozialarbeit_Dieter%20Eckert._0.pdf (Letzter Aufruf: 13.03.2021)

Feierabend, Sabine / Rathgeb, Thomas / Reutter, Theresa (2019): KIM 2018. Kindheit, Internet, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland (Hg.) Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs). Stuttgart.
Im Internet unter: https://www.mpfs.de/fileadmin/​files/​Studien/KIM/2018/KIM-Studie_2018_web.pdf (Letzter Aufruf: 24.01.2021)

Hottelet, Ulrich (2021): Corona-Pandemie: Bremst uns der Datenschutz aus? Im Internet unter: https://www.heise.de/news/Corona-Pandemie-Bremst-uns-der-Datenschutz-aus-5042875.html (Letzter Aufruf: 13.03.2021)

Institut für Medienpädagogik (2020): Medien_Weiter_Bildung #jugendsozialarbeit #schule. Im Internet unter: https://www.jff.de/veranstaltungen/​aktuelle-veranstaltungen/​details/​medien-weiter-bildung-jas-2021/ (Letzter Aufruf: 13.03.2021)

Korek, Olaf (2019): Digitalisierung in der Sozialen Arbeit. Alle sind Teil der Digitalisierung – ob sie wollen oder nicht. In: Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen 6/2019. Im Internet unter: https://www.gew-nds.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=78125&token=01e238064f4c37d2453df7b1f01aa5f085c03983&sdownload=&n=EUW-05-2019-Web.pdf (Letzter Aufruf 14.03.2021)

Meinunger, Larissa (2014): Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge (Hrsg.) Diskussionspapier des Deutschen Vereins zur Entwicklung und Verortung der Schulsozialarbeit

Mesch, Dorle / Schroers, Peter / Schmitz, Sabine / Küpper, Wolfgang / Römhild, Albrecht (o.J.) LAG Schulsozialarbeit NRW (Hrsg.) Schulsozialarbeit in außergewöhnlichen Zeiten – neue Herausforderungen an das Handlungsfeld. Im Internet unter: https://www.schulsozialarbeit-nrw.de/aktuelles/​aussergewoehnliche-zeiten/ (Letzter Aufruf: 12.03.2021)

Pudelko, Thomas (2020): „Digitale Spaltung“ – Ein Thema für die Schulsozialarbeit? In: Hollenstein, Erich / Nieslony, Frank (Hrsg.) Schulsozialarbeit in mediatisierten Lebenswelten. Beltz

Spies, Anke / Pötter, Nicole (2011): Soziale Arbeit an Schulen. VS Verlag

Stiftung SPI (2020): Jugendsozialarbeit an ausgewählten Integrierten Sekundarschulen während der Schulschließungen und der eingeschränkten Schulbetriebs im Jahr 2020. Im Internet unter: https://www.spi-programmagentur.de/fileadmin/​user_upload/​Programmagentur/​Dokumente/​Abfrage_ISS_T%C3 %A4tigkeiten_Corona_final_aktualisiert.pdf (Letzter Aufruf 11.03.2021)

Straß, Uwe / Engels, Sabine / Hettler, Ingo / De Bartolo, Claudio (2020) Dokumentation zum Austausch von Erfahrungen und der Gestaltung der Schulsozialarbeit in BaWü während der Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie. Im Internet unter: https://www.netzwerk-schulsozialarbeit.de/cms/docman-default/​sonstige/​33-dokumentation-schuso-corona-8-4-2020/file (Letzter Aufruf 14.03.2021)


Autor
Dr. Thomas Pudelko
Gastdozent an der Ev. Hochschule Berlin
Website ogy.de/zij3
E-Mail Mailformular


Zitiervorschlag
Thomas Pudelko: Schulsozialarbeit in Zeiten von Corona – Ergebnisse einer Fachkräftebefragung. Veröffentlicht am 09.04.2021 in socialnet Materialien unter https://www.socialnet.de/materialien/29220.php, Datum des Zugriffs 27.07.2021.


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