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Muss ich erst Mädchen sein, um empowert zu werden?

Von der Relevanz der Geschlechtskategorien in einer dekonstruktivistischen, heteronormativitätskritischen Mädchenarbeit am Beispiel des Mädchen*treffs Bielefeld

Antonia Dahlmeier

veröffentlicht am 03.02.2022

socialnet Materialien. Reihe 2: Akademische Abschlussarbeiten

Bachelorarbeit zur Abschlussprüfung an der Fachhochschule Bielefeld, Bachelorstudiengang „Soziale Arbeit”
Erstgutachterin: Prof. Dr. Claudia Rademacher
Zweitgutachterin: Prof. Dr. phil. Melanie Plößer
Wintersemester 2020/21
Note: 1,0.

Zusammenfassung

Die Arbeit beschäftigt sich mit der paradoxen Relevanz der Geschlechtskategorien in einer Mädchen*arbeit, die die Diskriminierungs- und Unterdrückungsstrukturen von Heteronormativität kritisiert und dekonstruieren will, während sie gleichzeitig genau diese Strukturen durch eine ständige Bezugnahme auf ebenjene reproduziert. Wie kann es sein, dass es Angebote der freien Kinder- und Jugendhilfe wie den Mädchen*treff Bielefeld e.V. gibt, die große Teile der Konzeption auf die Abschaffung der zweigeschlechtlichen Geschlechtskategorien ausgerichtet haben und sich dennoch dieser Kategorie bedienen? Müsste dies nicht einen Widerspruch erzeugen, der Fachkräfte in die Handlungsunfähigkeit zwingt? Oder müssen junge Menschen tatsächlich erst mit der weiblichen Kategorie „Mädchen“ angerufen werden, damit sie sich dieser Zuschreibung entledigen und zu einer autonomen Selbstbenennung ermächtigt werden können? Anders formuliert: Muss ich erst Mädchen sein, um empowert zu werden?

Um diesen Fragen nachzugehen, wird zunächst der sozialkonstruktivistische Grundstein dieser Arbeit erläutert. Dafür wird anhand Jacque Derridas poststrukturalistischer Sprachphilosophie das Analyseverfahren der Dekonstruktion vorgestellt. Dies soll erklären, weshalb die Geschlechtskategorien als soziales Konstrukt und damit als gesellschaftliche Fiktion verstanden werden können. Welche strukturellen Konsequenzen und Implikationen diese zweigeschlechtlichen Kategorien in die Gesellschaft tragen und wie diese aufrechterhalten werden, wird durch eine Ausführung der zweigeschlechtlichen Normative und der dekonstruktiven Performativitätstheorie nach Judith Butler verdeutlicht. Daraufhin wird eine heteronormativitätskritische, dekonstruktivistische Mädchen*arbeit thematisiert, indem erst die Grundkonzepte feministischer Mädchenarbeit erläutert werden, mit den Schwerpunkten Empowerment und Parteilichkeit. Ferner werden die Konsequenzen dargelegt, die die Dekonstruktion und Heteronormativitätskritik für die Aufgaben der Mädchen*arbeit hat sowie die erzeugten Spannungsfelder und Herausforderungen für die Mädchen*arbeiter*innen. Die theoretischen Ausarbeitungen werden anhand des Beispiels des Mädchen*treffs Bielefeld e.V. durch ein Expert*inneninterview geprüft und anschließend die Ausarbeitungen und Ergebnisse der Arbeit sowie des Interviews in einem Ausblick zusammengefasst und durch weiterführende Gedanken ergänzt.

Anlagen

  1. Bachelorarbeit (pdf)

Autorin
Antonia Dahlmeier
Staatlich anerkannte Sozialarbeiterin (Bachelor of Arts)
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Zitiervorschlag
Antonia Dahlmeier: Muss ich erst Mädchen sein, um empowert zu werden?. Von der Relevanz der Geschlechtskategorien in einer dekonstruktivistischen, heteronormativitätskritischen Mädchenarbeit am Beispiel des Mädchen*treffs Bielefeld. Veröffentlicht am 03.02.2022 in socialnet Materialien unter https://www.socialnet.de/materialien/29412.php, Datum des Zugriffs 21.05.2022.


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