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„Chefköchin“ und „Couchmaster“

Eine ethnografische Untersuchung zur praktischen Herstellung einer bikulturellen Paarbeziehung am Beispiel des Kochens und Essens

Michael Bertram

veröffentlicht am 21.05.2022

socialnet Materialien. Reihe 2: Akademische Abschlussarbeiten

Masterarbeit zur Abschlussprüfung an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg,
Master Sozialwissenschaften
Erstgutachterin: Prof. Dr. Heike Ohlbrecht
Zweitgutachter: Dr. Stefan Dreßke
Wintersemester 2020/21
Note: 1,0

Zusammenfassung

In dieser Arbeit wird nach der wechselseitigen Konstruktion von Kollektivität in sog. bikulturellen Paarbeziehungen gefragt. Dabei ist davon auszugehen, dass Paare in modernen Gesellschaften (vor allem im Hinblick auf Prozesse der Individualisierung) diese Kollektivität zunehmend selbst erzeugen müssen. Dass hierbei die praktischen Herstellungsleistungen der Akteure von zentraler Bedeutung sind, wurde in der empirischen Forschung allerdings bisher vernachlässigt. Aus diesem Grund wurde die Untersuchung als ethnografische Feldforschung konzipiert, in der ein Paarinterview und eine teilnehmende Beobachtung kombiniert werden konnten. Das „verstehende Interview“ (Kaufmann) bildete dabei den programmatischen Rahmen für die Planung und Durchführung des Forschungsvorhabens.

Um diesen theoretischen und methodischen Überlegungen gerecht zu werden, standen Aspekte im Fokus, die mit Praktiken des Kochens und Essens verbunden sind, weil diese ein wichtiges Moment partnerschaftlichen Alltags darstellen. Am Beispiel des Kochens und Essens lässt sich außerdem sowohl das Soziale als auch das Kulturelle erfragen, beobachten und somit rekonstruieren, wodurch verschiedene Facetten der Fremdheit im Alltag eines bikulturellen Paares sichtbar werden.

Das auf diese Weise gewonnene und theoretisierte Material eröffnet verschiedene Einsichten im Hinblick auf die praktischen Herstellungsleistungen, die sich in bikulturellen Paaren ereignen können. Dabei wurde erstens deutlich, dass ein Funktionszusammenhang besteht zwischen einer narrativen und einer praktischen Ordnung, die beide vom Paar selbst hergestellt werden müssen. Erstere stellt eine intersubjektiv geteilte Sinn- und damit Deutungsressource dar; zweitere verteilt Rollen und strukturiert so die Handgriffe, die im Haushalt, v.a. während des Kochens und Essens getätigt werden. Zweitens zeigte sich vor diesem Hintergrund, dass es die Bikulturalität – auch innerhalb eines Paares – nicht gibt: Die kulinarischen Kontexte (Mahlzeiten) können für den vorliegenden Fall vielmehr als Herstellungszusammenhänge konzipiert werden, aus denen hervorgeht, dass ein Paar verschiedene praktische Umgangsformen wählen kann, um Fremdheit zwischen sich zu reduzieren, je nachdem, in welchem Zusammenhang es agiert. Damit erscheint es angezeigt, grundlegende Arbeit am Konzept des Bikulturellen zu leisten, um zukünftige empirische Forschungen begrifflich zu fundieren.

Verfasst von
Michael Bertram
B.A. Soziale Arbeit, M.A. Soziologie/Politikwissenschaft
Beruflich in der Sozialen/politischen Arbeit mit geflüchteten Menschen tätig
Lehrbeauftragter an der Hochschule Magdeburg-Stendal
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Es gibt 1 Materialie von Michael Bertram.

Zitiervorschlag
Bertram, Michael, 2022. „Chefköchin“ und „Couchmaster“ [online]. socialnet Materialien. Bonn: socialnet, 21.05.2022 [Zugriff am: 27.11.2022]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/materialien/29476.php

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