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Gender und Fluchtmigration

Befunde zu geschlechtsbezogenen Aspekten im Migrationsprozess und daraus abgeleitete Empfehlungen für die sozialpädagogische Beratungspraxis

Sandra Hanika, Prof. Dr. Simone Pfeffer

veröffentlicht am 02.11.2022

Seit 2015 stellen Menschen aus verschiedenen Ländern des Nahen Ostens wie Syrien eine neue bedeutsame Zuwanderergruppe in Deutschland dar. Aus dieser Entwicklung resultiert die Aufgabe für die Soziale Arbeit, Konzepte zur Unterstützung dieser Gruppe von geflüchteten Menschen zu etablieren und umzusetzen. In diesem Beitrag werden zunächst Ergebnisse aus Studien zu Fluchtmigration und Gender zusammengetragen und Forschungslücken benannt. Auf dieser Basis fomulieren die Autor:innen Empfehlungen für die Praxis der Sozialen Arbeit im Kontext von Fluchtmigration.

Inhalt

  1. 1 Zusammenfassung
  2. 2 Einleitung
  3. 3 Vorgehen
    1. 3.1 Fluchtmigration beeinflusst die Geschlechterrolle von geflüchteten Frauen
    2. 3.2 Fluchtmigration beeinflusst die Geschlechterrolle von geflüchteten Männern
    3. 3.3 Fluchtmigration ist ein genderspezifisch unterschiedlicher Prozess
    4. 3.4 Geschlechtsspezifische Vulnerabilitätsrisiken von geflüchteten Frauen und Männern
    5. 3.5 Weitere Aspekte, die im Migrationsprozess genderbezogene Veränderungen bewirken können
      1. 3.5.1 Veränderungen des familiären Zusammenlebens im Verlauf des Migrationsprozesses
      2. 3.5.2 Veränderungen der Geschlechterarrangements im Verlauf des Migrationsprozesses
      3. 3.5.3 Emanzipationsprozesse aus der im Herkunftsland vorherrschenden Geschlechterrolle
      4. 3.5.4 Soziale Rahmenbedingungen
      5. 3.5.5 Asylrechtliche Rahmenbedingungen
  4. 4 Aus den Ergebnissen resultierende Empfehlungen für die sozialpädagogische Beratungspraxis
    1. 4.1 Veränderungen in der Geschlechterrolle von geflüchteten Frauen und Männern berücksichtigen
    2. 4.2 Individuelle Lebenslagen und genderspezifische Ankommens-Prozesse erkennen und erfassen
    3. 4.3 Mit genderspezifischen Vulnerabilitätsrisiken fachlich kompetent umgehen
  5. 5 Fazit
  6. 6 Quellenangaben
  7. 7 Anhang

1 Zusammenfassung

Ergebnisse der Recherche von Studien zu Fluchtmigration und Gender zeigen Veränderungsprozesse der Geschlechterrolle von geflüchteten Frauen und Männern, welche sich durch Umgebungsbedingungen im Ankommensprozess entwickeln können, einen geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Fluchtprozess sowie kriegsbedingte genderspezifische Vulnerabilitätsrisiken geflüchteter Frauen und Männer. Für die Fachkräfte der Sozialen Arbeit resultiert hieraus die Notwendigkeit, mögliche Veränderungen in der Geschlechterrolle von geflüchteten Frauen und Männern und deren Folgen in der Beratungsarbeit zu berücksichtigen. Außerdem gilt es, die individuellen Lebenslagen, die soziale Herkunft und genderspezifischen Ankommens-Prozesse zu erkennen sowie ein flächendeckendes gendersensibles Beratungsangebot für geflüchtete Frauen und Männer zu etablieren.

2 Einleitung

In den Jahren 2015 bis 2019 verzeichnete das Statistische Bundesamt 6.243.590 ersteinreisende Menschen (Destatis 2021), die überwiegend aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen in ihren Herkunftsländern flüchteten. Insbesondere syrische Menschen bilden seit 2015 eine stark vertretene Herkunftsgruppe bei der Zuwanderung nach Deutschland. Dies wird auch in Beratungskontexten sichtbar, in denen sich die Sozialarbeit mit einer neuen Zielgruppe auseinandersetzt, was Herausforderungen und Unsicherheiten in der Beratungspraxis mit sich bringen kann. Neues Wissen über die Zielgruppe und entsprechend weiterentwickelte, diversitäts- und gendersensible Empfehlungen sind daher für die sozialpädagogische Beratungspraxis relevant und können die Arbeit vor Ort stärken.

Vor diesem Hintergrund wurde an der Technischen Hochschule Nürnberg im Jahr 2021 ein Rechercheprojekt durchgeführt, das darauf abzielte, den Forschungsstand zu Geschlechterverhältnissen im Zusammenhang mit fluchtbezogenen Migrationsbewegungen insbesondere bei syrischen Menschen seit 2015 zu erarbeiten. Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse zusammengefasst und auf die Beratungspraxis der Sozialen Arbeit bezogen.

3 Vorgehen

Zur Ermittlung des Forschungsstandes zu Genderaspekten von geflüchteten Menschen und Forschungslücken insbesondere in Zusammenhang mit den seit 2015 in Deutschland lebenden Geflüchteten wurde im Rechercheprozess zweischrittig vorgegangen. Zunächst wurden mit einem spezifischeren Fokus Studien zu geflüchteten und seit 2015 in Deutschland lebenden Menschen, die Geschlechterverhältnisse thematisieren, gesichtet. Diese Studien betreffen überwiegend Menschen aus Herkunftsländern des Nahen Ostens. Anschließend erfolgte eine etwas breiter angelegte Sichtung von Arbeiten zu Genderaspekten und Migration im Zeitraum zwischen 2000 bis 2014. In der Zusammenschau und im Vergleich der Ergebnisse aus beiden Rechercheprozessen wurden Befunde zu Genderaspekten und Migration insgesamt zusammengefasst und Forschungslücken in Bezug auf die seit 2015 hier lebenden geflüchteten Menschen erarbeitet. Die beiden Rechercheprozesse wurden systematisch in Fachzeitschriften und wissenschaftlichen Datenbanken vollzogen und folgten, abhängig von Zeitraum und Zielgruppe, verschiedenen Suchfiltern, wie beispielsweise „Geschlechterverhältnisse“, „Syrien“, „Fluchtmigration“, „Geschlechterrollen“, „Geschlechterarrangements“, „Migration“, „Flüchtlinge“, oder „Geflüchtete“ (siehe auch Abbildung zwei und drei im Anhang).

Bei den gesichteten Studien handelte es sich um qualitative Untersuchungen, die mehrheitlich mit der Zielgruppe selbst und seltener mit Expertinnen durchgeführt wurden. Es wurden geflüchtete Frauen und Männer befragt, die aus unterschiedlichen Herkunftsländern, wie Afghanistan, Irak, Iran, Syrien, Eritrea, Somalia kamen und seit 2015 in Deutschland oder anderen EU-Ländern oder Ländern wie Jordanien oder Libanon Zuflucht fanden. Ergänzend wurden qualitative Studien der Jahre 2000 bis 2014 zu Menschen, die nach Deutschland migrierten, einbezogen.

In der Tabelle sind die Themenbereiche der in die Recherche einbezogenen Studien im Überblick dargestellt (Abb. 1).

Abbildung 1: Themenbereiche der einbezogenen Studien
Themenbereich Studien exemplarisch
Geflüchtete Männer in der Wahrnehmung der Mehrheitsgesellschaft Dähnke et al. 2018; Scheibelhofer 2019; Stock 2016;
Geflüchtete Männer und der Einfluss der Geschlechterrolle auf die Arbeitstätigkeit Brücker et al. 2016 & 2020; Johansson 2016; Niermann 2011; Spies 2011;
Geflüchtete Männer und der Einfluss der Migration auf deren Geschlechterrolle Dähnke et al. 2018; Sauer et al. 2021; Scheibelhofer 2018 & 2019; Schwenken 2017; Spohn 2002;
Geflüchtete Frauen und der Einfluss der Migration auf deren Geschlechterrolle Asaf 2017; Boos-Nünning & Karakasoglu 2005; Gerner 2014; Gren 2018; Ruis 2019; Schwenken 2017; UN Women 2015 & UN Women 2016;
Geflüchtete Frauen und der Einfluss von Gender auf die Arbeitsmarkt- und Bildungsteilhabe Farrokhzad 2017; Johansson 2016; Kalkum 2019; Liebig & Rose Tronstad 2018; Worbs et al. 2016;
Vulnerabilitätsrisiken bei syrischen Frauen und Männern Human Rights Watch 2013; Krause 2017; Sivakumuran 2007; Stock 2016; WRC 2016 & 2019; SVR 2019;
Fluchtmigration als genderspezifisch unterschiedlicher Prozess Brücker et al. 2020; Krause 2017; Schouler-Ocak & Abels 2018; Schwenken 2017; Stock 2016; Worbs et al. 2016; Worm 2019;
Geschlechterverhältnisse und deren Veränderung durch den Migrationsprozess Agha 1997; Brücker et al. 2020; Ceylan et al. 2018; Gerner 2014; Gren 2018; Farrokhzad 2011 & 2012; Han-Broich 2015; Herwartz-Emden & Westphal 1999; Johansson 2016; Kalkum 2019; Lokot 2018; Morina 2019; Nowacki & Remiorz 2019; Nowicka & Wojnicka 2021; Sauer et al. 2021; Schwenken 2017; Treibel 2000;

Zunächst werden Befunde und Forschungslücken unter der Perspektive zusammengefasst, welchen Einfluss Fluchtmigration auf die Geschlechterrolle von geflüchteten Frauen bzw. geflüchteten Männern hat, und Fluchtmigration als genderspezifisch unterschiedlicher Prozess beleuchtet. Anschließend werden geschlechtsspezifische Vulnerabilitätsrisiken sowie in einer Sammelkategorie weitere Aspekte beschrieben, die im Migrationsprozess genderbezogene Veränderungen bewirken können.

3.1 Fluchtmigration beeinflusst die Geschlechterrolle von geflüchteten Frauen

In vielen Studien zeigt sich, dass die befragten geflüchteten Frauen häufig eine Stärkung ihres Selbstwerts benennen, die im Laufe des Migrationsprozesses geschieht. Beispielsweise wirken sich die Umgebungsbedingungen der Ankunftsländer Deutschland, Schweden und Niederlande auf die individuellen Partizipationsmöglichkeiten im Bereich der sozialen und gesellschaftlichen Teilhabe stärkend aus. Flexible Sprachkurse mit Kinderbetreuung, an die Schulferien angepasste Teilnahmezeiten und das Angebot von Vormittagskursen werden dabei von Expertinnen als erfolgversprechend betrachtet, wie auch von den geflüchteten Frauen selbst als gewinnbringend im Sinne einer individuellen Ressourcenstärkung wahrgenommen (z.B. Johansson 2016, Liebig & Rose Tronstad 2018, Worbs et al. 2016). Beispielsweise äußern geflüchtete Frauen aus Syrien, dass sie sich aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen bestärkt fühlen, sich beruflich im Ankunftsland zu entwickeln (Gren 2018). Sie benennen eine damit einhergehende Steigerung der Selbstwirksamkeit in der Partnerschaft bzw. Ehe, die sich in einer finanziellen Unabhängigkeit widerspiegelt: Ein eigenes Einkommen verändert das Agieren im Familienverbund und mögliche Abhängigkeitsverhältnisse vom Einkommen des Ehemannes oder der Herkunftsfamilie können sich auflösen (z.B. Asaf 2017, UN Women 2015 & UN Women 2016). Forschungslücken bestehen bei der Frage, inwieweit eine Stärkung des Selbstwerts durch die berufliche Integration und das damit einhergehende finanzielle Einkommen Geschlechterarrangements und -verhältnisse in der Partnerschaft konkret verändern.

3.2 Fluchtmigration beeinflusst die Geschlechterrolle von geflüchteten Männern

Die Umgebungsbedingungen im Ankommensprozess sind häufig eher belastend für das Geschlechterrollenverständnis von geflüchteten Männern. In einigen Studien äußern die befragten geflüchteten Männer ein positives Selbstbild ihrer Geschlechterrolle dann, wenn diese mit einer Erwerbstätigkeit verbunden ist. Sie beschreiben sich als verantwortlich für die Familie und besonders in diesem Zusammenhang ist eine Erwerbstätigkeit für ihr geschlechterrollenbezogenes Selbstverständnis bedeutsam. Hieraus ergibt sich zumindest in der ersten Zeit ein Konflikt durch die realen Lebensbedingungen, da die geflüchteten Männer durch den rechtlichen Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes in ihrer Erwerbstätigkeit eingeschränkt sind. Beispielsweise äußern befragte geflüchtete Männer mit dieser Situation einhergehende Gefühle von Ohnmacht und Unsicherheit. Eine Erwerbslosigkeit und Abhängigkeit von Sozialleistungen wird als emotional belastend und schambesetzt wahrgenommen (Brücker et al. 2016, Johansson 2016). In früheren Studien finden sich ebenfalls diese Zusammenhänge (z.B. Niermann 2011, Spies 2011, Spohn 2002).

Weitere Verunsicherungen werden von geflüchteten Männern unter anderem in der Studie von Dähnke und Kolleginnen (2018) im Hinblick auf ihren Selbstwert und ihre Gefühlslage beschrieben. Negativ assoziierte Gefühle werden benannt: Trauer durch die erzwungene Trennung zur Familie, die nicht in Deutschland lebt, sowie Ohnmachts- und Überforderungsgefühle, die sich aus dem Veränderungsprozess ergeben, in einer zum Herkunftsland anderen Umgebung, anderen Alltagssituation und mit neuen Gegebenheiten zurechtfinden und ankommen zu müssen (Brücker et al. 2016, Dähnke et al. 2018, Stock 2016). In der Studie von Stock (2016) bringen die befragten syrischen Männer zum Ausdruck, dass sie sich nicht als einzeln handelnde Person sehen, sondern trotz des Alleinlebens in Deutschland als im Familienverbund der Familie in Syrien agierend betrachten. Hier wird der Unterschied von eher kollektivistisch orientierten zu individualistischen Kulturen sichtbar (Hofstede & Hofstede 2011). Werte wie Verbindlichkeit und Verantwortungsübernahme für die Familie werden als sehr bedeutsam erachtet und nehmen Einfluss auf die Bildungs- und Karriereplanung. So wird beispielsweise weiterhin Geld nach Syrien geschickt und sich häufig bevorzugt für einen Arbeitsplatz als für eine Ausbildung oder einen Sprachkurs entschieden (Stock 2016).

Forschungslücken bestehen bei der Frage, inwieweit die geflüchteten Männer über Bewältigungsstrategien im Hinblick auf die dargelegten Ambivalenzen und Spannungen verfügen, wie diese beschaffen sind und welche Faktoren zu einer Stärkung beitragen können. Aus einem gesamtgesellschaftlichen Blickwinkel betrachtet ist die Forschungsfrage relevant, inwieweit sich Spannungsverhältnisse des Selbstbilds auch bei Männern ohne Zuwanderungsgeschichte finden lassen und wie dementsprechend gendersensible Unterstützungsformen für Männer kultur- und herkunftsübergreifend hilfreich sein können.

3.3 Fluchtmigration ist ein genderspezifisch unterschiedlicher Prozess

Flucht, Migration und Asyl sollte als ein „vergeschlechtlichter Prozess“ verstanden werden (Krause 2017: 80). Entscheidungen für eine Flucht können geschlechtsspezifisch stattfinden. Beispielsweise flüchten Männer aufgrund ihrer Rolle als Mann im Krieg, in dem sie mehrheitlich als ‚politisch aktiv‘ und/oder ‚Kämpfender‘ wahrgenommen werden. Frauen flüchten beispielsweise aufgrund ihrer Rolle als Versorgerin der Familie, um für diese Schutz und Sicherheit in einem anderen Land zu finden oder aufgrund der vielfältigen Gefahren, sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt zu erleben. Sowohl aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive als auch im individuellen Kontakt mit geflüchteten Frauen und Männern folgt für Krause daraus die Notwendigkeit, den Blick auf die tatsächlichen Gefahren zu richten, denen Frauen im Fluchtkontext ausgesetzt sind, und dementsprechend Schutzräume und einen geschlechtsspezifischen asylrechtlichen Schutzstatus zu ermöglichen. Ferner sollten die individuellen Vulnerabilitätsrisiken von Männern ausreichender wahrgenommen und dem entsprechend Unterstützungsangebote geschaffen werden (siehe auch unten) (Krause 2017, Stock 2016, Worm 2019).

Darüber hinaus wird in einigen Studien, in denen geflüchtete Frauen und Männer befragt wurden, der geschlechtsspezifisch unterschiedliche Prozess des Ankommens in Deutschland deutlich: Geflüchtete Frauen kommen in der Mehrheit mit Familienmitgliedern in Deutschland an, während geflüchtete Männer sehr viel häufiger allein nach Deutschland einreisen. Auch im weiteren Einleben in Deutschland sind geflüchtete Frauen, im Gegensatz zu Männern, sehr viel häufiger nicht allein, sondern in einer Partnerschaft, mit Familie und Kind lebend. Daneben sind geflüchtete Frauen häufiger Mütter als geflüchtete Männer Väter sind. Die familiäre Einbindung ist dementsprechend bei geflüchteten Frauen häufig anders vorhanden als bei geflüchteten Männern (z.B. Brücker et al. 2020, Krause 2017, Worbs et al. 2016).

Aus diesen unterschiedlichen Lebenssettings und -bedingungen der geflüchteten Frauen und Männer lassen sich unterschiedliche Bedürfnisse, Probleme und Herausforderungen schlussfolgern (z.B. Dähnke et al. 2018, Worbs et al. 2016). Alleine in Deutschland zu sein wirkt sich eher schwächend und als Belastungsfaktor für die Integration der geflüchteten Menschen aus, wie aus unterschiedlichen Studien hervorgeht. Das Vorhandensein einer Kernfamilie in Deutschland wurde mehrheitlich als psychisch stärkend empfunden und als hilfreich für das Ankommen in Deutschland betrachtet. Eine räumliche Trennung von einem Kind und/oder Partner:in wird dagegen als schwächender Faktor wahrgenommen (SVR 2019).

Forschungslücken bestehen bei der Frage, inwieweit bzw. in welchen individuellen Lebenssituationen die Einbindung in ein Familiensystem ein möglicher Konfliktfaktor hinsichtlich der Balance von familiärer Verantwortung, der Teilhabe am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und der individuellen Selbstverwirklichung darstellt.

3.4 Geschlechtsspezifische Vulnerabilitätsrisiken von geflüchteten Frauen und Männern

Für syrische Frauen besteht ein erhöhtes Vulnerabilitätsrisiko, sexualisierte Gewalt, häusliche Gewalt und Zwangsprostitution in der Phase des Kriegs, während der Flucht und im Ankommensprozess des Aufnahmelandes, hier vor allem durch die Bedingungen in den Asylunterkünften, zu erleben (Human Rights Watch 2013, Krause 2017, WRC 2016). Bei syrischen Männern wird ebenso ein erhöhtes Vulnerabilitätsrisiko beschrieben. Dies ist zum einen begründet durch den Umstand, dass sie wie bereits oben beschrieben im Krieg weniger als Individuum, sondern vielmehr als ‚Kämpfender‘ und ‚politisch aktiv beteiligt‘ betrachtet werden und infolgedessen bei ihnen individuelle Belastungsfaktoren des Krieges nicht gesehen und beachtet werden (Stock 2016). Zum anderen besteht für syrische Männer ebenfalls das Risiko, sexualisierte Gewalt zu erleben. Diese Gewaltform wird von den Kriegsbeteiligten als Machtinstrument benutzt und dient der Entmaskulinisierung (Krause 2017, Sivakumuran 2007).

Befragungen von Männern aus unterschiedlichen Herkunftsländern, die über das Mittelmeer nach Italien geflüchtet sind, zeigen deren Betroffenheit von sexualisierter Gewalt (WRC 2019). Das Ausmaß von sexualisierter Kriegsgewalt gegen Männer ist jedoch noch nicht ausreichend beleuchtet. Dementsprechend bestehen Forschungslücken bei der Frage nach den Folgen von sexualisierter Kriegsgewalt und bei der Frage, welches gendersensible Beratungsangebot für geflüchtete Männer hier unterstützend sein kann.

3.5 Weitere Aspekte, die im Migrationsprozess genderbezogene Veränderungen bewirken können

3.5.1 Veränderungen des familiären Zusammenlebens im Verlauf des Migrationsprozesses

Im Zuge des Migrationsprozesses können sich das familiäre Zusammenleben in Kernfamilien, die Beziehungen innerhalb einer Familiengeneration sowie zwischen den Familiengenerationen durch einen Wechsel von Orten oder der Zusammensetzung der Familie verändern (z.B. Brücker et al. 2020, 2016, Johansson 2016, Kalkum 2019, Nowacki & Remiorz 2019). Beispielsweise leben geflüchtete Männer häufiger einige Zeit alleine ohne familiäre Anbindung, da ihre Frauen und Kinder im Rahmen der Familienzusammenführung zeitlich versetzt nach Deutschland kommen, alleinerziehende Frauen leben häufiger mit ihren Kindern ohne familiäre Anbindung in Deutschland und unbegleitete minderjährige Geflüchtete leben häufiger ohne soziale Kontakte aus ihrer Herkunftsfamilie im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland (ebd.).

Inwieweit und wie genau jene Veränderungen Auswirkungen auf individuelle Geschlechterrollen und Geschlechterarrangements haben, ist für die seit 2015 in Deutschland angekommenen Frauen und Männer noch nicht ausreichend erforscht. Forschungslücken bestehen bspw. hinsichtlich der Fragen, inwieweit Trennungen vom Partner oder der Partnerin als Folge von familiären Veränderungen im Zuge der Migration vorhanden sind, wie sich innerfamiliäre Veränderungsprozesse auf die Erziehung von Kindern auswirkten, inwieweit geflüchtete Frauen und Männer aus unterschiedlichen Herkunftsländern genderbezogene Veränderungsprozesse erleben, die sich voneinander unterscheiden oder inwieweit das Vorhandensein einer Kernfamilie in Deutschland im Sinne eines Individualisierungsprozesses einschränkend sein kann. Sauer und Kolleg:innen weisen darauf hin, dass ein vorhandener Familienverbund in Deutschland von geflüchteten Frauen und Männern unterschiedlich bewertet wird. So beschreiben beispielsweise syrische geflüchtete Frauen, die häufig im Familienverbund in Deutschland leben, eben diesen Umstand als positiv. Sie nutzen ihre Kernfamilie mehrheitlich als Ressource, die stärkende Bindungspersonen und Unterstützung bereithält, in der persönliche Dinge besprochen werden können und Freizeit verbracht werden kann. Im Vergleich dazu leben eritreische geflüchtete Frauen häufig ohne Familienverbund in Deutschland und beschreiben gerade diesen Umstand als stärkend, da sie sich fernab von der Kernfamilie als selbstbestimmt agierend erleben können (Brücker et al. 2020, Sauer et al. 2021, Worbs et al. 2016).

3.5.2 Veränderungen der Geschlechterarrangements im Verlauf des Migrationsprozesses

Farrokhzad und weitere Autor:innen beleuchteten in ihren Studien den möglichen Wandel von Geschlechterarrangements im interkulturellen und intergenerativen Vergleich. Sie weisen darauf hin, dass Geschlechterverhältnisse und -rollenbilder in erster Linie weniger von der kulturell-ethnischen Herkunft geprägt, sondern vielmehr abhängig von der sozialen Herkunft, der Alterszugehörigkeit, dem individuellen Lebensstil und der Lebensphase des geflüchteten Menschen sind (Farrokhzad 2012, Farrokhzad et al. 2011, Nowicka & Wojnicka 2021).

Beispielsweise sind die Einflüsse der Milieu- und Bildungszugehörigkeit und der familiären Werteorientierung eines Menschen bedeutsamer für Veränderungen der Geschlechterarrangements als seine ethnische Herkunft. So „verbindet Zuwanderinnen und Zuwanderer mehr mit Menschen des gleichen Milieus als mit Landsleuten aus anderen Milieus“ (Farrokhzad 2012: 235). Im intergenerativen Vergleich wird sichtbar, dass sich bestimmte Geschlechterarrangements häufiger über die Zugehörigkeit zu einer Altersgruppe und weniger über die Herkunftszugehörigkeit definieren lassen. Bei älteren Generationen lässt sich beispielsweise häufiger ein konservativeres Geschlechterarrangement als bei der jüngeren Generation finden, die sich mehrheitlich einem egalitären Geschlechterarrangement zugehörig fühlen, in denen die Aufgaben fluide und in Anpassung an die Lebenssituation verteilt werden (Farrokhzad et al. 2011). Ähnliche Ergebnisse zeigen sich in einer Befragung von Jugendlichen, in der sichtbar wird, dass sich deren Vorstellung mehrheitlich dem egalitären Geschlechterarrangement zuordnen lässt. Die ethnische Zugehörigkeit der Jugendlichen spielte dabei keine große Rolle. Vielmehr gehen die Autorinnen davon aus, dass die Alterszugehörigkeit bei der Vorstellung von Geschlechterarrangements sehr viel bedeutsamer ist als eine ethnische Zugehörigkeit (Nowicka & Wojnicka 2021). Darüber hinaus verändert sich das Geschlechterverhältnis der zugewanderten Menschen häufig in Abhängigkeit von konkreten Lebenssituationen und der aktuell bestehenden Lebensphase. Beispielsweise geht ein Wandel von Geschlechterarrangements mit einem Lebenseinschnitt wie der Geburt eines Kindes einher. Ebenso kann es sein, dass Paare infolge der Migration ihre Eltern- und Partnerschaftsbeziehung neu verhandeln. Der veränderte Alltag führt dazu, dass Haushaltsaufgaben neu verteilt werden müssen, Erziehungsvorstellungen überdacht werden und die Eltern-Kind-Beziehung neugestaltet werden muss (Farrokhzad et al. 2011, Gerner 2014).

3.5.3 Emanzipationsprozesse aus der im Herkunftsland vorherrschenden Geschlechterrolle

In früheren Studien findet sich der Zusammenhang zwischen Migration und einem genderbezogenen Emanzipationsprozess von Frauen. Beispielsweise vollzogen iranische Frauen aus einem vorangegangenen Emanzipationsprozess ihrer vorherrschenden Geschlechterrolle im Heimatland eine Migration, andere Iranerinnen emanzipierten sich im Zuge der Migration, wiederum andere vollzogen einen Emanzipationsprozess in Folge einer Migration. Migration und Emanzipation beeinflussten sich somit gegenseitig und folgten dabei keinem statisch ablaufenden Weg (z.B. Agha 1997, Treibel 2000).

3.5.4 Soziale Rahmenbedingungen

Neben den Aspekten der innerfamiliären Veränderungsprozesse sind die sozialen Rahmenbedingungen in Deutschland zu berücksichtigen. So fördern insbesondere Empowerment-Projekte, in denen gezielt die individuellen Ressourcen der Frauen gefördert werden, den Selbstwert von geflüchteten Frauen. Außerdem haben Kultur- und Sprachvermittelnde sowie ehrenamtlich Tätige eine wichtige Schlüsselfunktion, indem sie niedrigschwellig am Alltag der geflüchteten Menschen beteiligt sein können und mehrheitlich eine stärkende Beziehung darstellen. Die Beziehungsarbeit ermöglicht häufig eine Stabilisierung des seelisch-emotionalen Zustandes der geflüchteten Menschen und kann somit zur Stärkung der Selbstwirksamkeit im Integrationsprozess des Ankunftslandes beitragen (Han-Broich 2015, Morina 2019).

3.5.5 Asylrechtliche Rahmenbedingungen

Ferner beeinflussen die asylrechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland genderbezogene Veränderungsprozesse. Wie bereits beschrieben ist die Erwerbstätigkeit von geflüchteten Männern eng an ein positives Selbstbild gekoppelt. Dementsprechend wirken sich ein gesicherter Aufenthaltsstatus und eine Arbeitserlaubnis und somit der Zugang zum Arbeitsmarkt positiv auf den Selbstwert von geflüchteten Männern aus (z.B. Brücker et al. 2020, 2016, Ceylan et al. 2018, Schwenken 2017).

4 Aus den Ergebnissen resultierende Empfehlungen für die sozialpädagogische Beratungspraxis

Aus den dargestellten Befunden lassen sich folgende Empfehlungen für eine diversitäts- und gendersensible Arbeit mit der Zielgruppe in der sozialpädagogischen Praxis ableiten.

4.1 Veränderungen in der Geschlechterrolle von geflüchteten Frauen und Männern berücksichtigen

Die Ergebnisse zeigen vor allem, dass sich geflüchtete Männer durch die Umgebungsbedingungen im Ankommensprozess tendenziell eher in einer Belastungssituation ihres Selbstbilds erleben. Für die Arbeit der Fachkräfte heißt dies, erkennen zu können, dass ein Verhalten von geflüchteten Männern, wie bspw. die Nichtteilnahme an einer Ausbildung oder an einem Sprachkurs, um zu arbeiten und Geld zu verdienen, möglicherweise auf eine genderspezifische Belastungssituation schließen lässt. Außerdem könnten Verhaltensweisen von geflüchteten Männern, wie bspw. Delinquenz, Aggressivität, depressives Verhalten, Rückzug oder Isolation auf eine genderspezifische Belastungssituation hinweisen. Möglicherweise können Gefühle wie Verletzlichkeit, Schmerz, Traurigkeit, Unsicherheit und Verlust nicht verbalisiert werden, sondern manifestieren sich in von außen negativ interpretierten Bewältigungsstrategien.

Ferner zeigen die Ergebnisse, dass sich geflüchtete Frauen durch die Umgebungsbedingungen tendenziell eher in einer Stärkungssituation ihres Selbstwerts befinden. Für die Arbeit der Fachkräfte mit ihnen sollte das Ziel sein, sie im Sinne des Empowerment-Ansatzes zu stärken und zu fördern. Mögliche genderspezifische Belastungssituationen, die sich vor allem aus den Vulnerabilitätsrisiken, wie bspw. sexualisierter Gewalt und deren Folgen ergeben, sollten dabei ebenso im Blick behalten werden wie potenzielle Konflikte mit der Familie, die sich durch das veränderte Selbstkonzept ergeben können.

In der Arbeit mit geflüchteten Frauen und Männern wird empfohlen, genderbezogene Veränderungen im Migrationsprozess in der Beratungsarbeit und anderen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit zu thematisieren. Das heißt konkret, Klient:innen nach ihrem individuellen Veränderungs- und Wachstumsprozess zu fragen oder dargelegte Problemlagen derer mit Hilfe der „Genderbrille“ zu betrachten. Eine selbstreflexive, gendersensible und rassismuskritische Grundhaltung der Fachkraft bildet dabei eine wichtige Voraussetzung.

4.2 Individuelle Lebenslagen und genderspezifische Ankommens-Prozesse erkennen und erfassen

Die sozial- und asylrechtlichen Rahmenbedingungen des Ankunftslandes beeinflussen das Ankommen der geflüchteten Menschen in Deutschland. Soziale Arbeit hat in diesem Zusammenhang den Auftrag, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen grundsätzlich ein partizipatorisches, inklusives und genderreflexives Arbeiten vorhanden ist (Schwenken 2017). Zusätzlich ist es in der Beratungsarbeit mit der Zielgruppe relevant, die Bedingungen des Herkunftslandes wie beispielsweise dessen vorherrschende politische Situation, die Armutslage, die vorherrschenden Geschlechterverhältnisse, die soziale Herkunft, sowie die Fluchtgründe zu berücksichtigen und zu erfragen. Dabei ist es wichtig, einen Rahmen zu schaffen, der eine sichere und geschützte Atmosphäre bietet. So finden Klient:innen einen Raum, in dem sie von ihrer Herkunft, Kultur und Fluchtgeschichte sowie ihren gelebten Werten und Normen erzählen können. Durch das biografische Erzählen werden Ressourcen entdeckt und es können Gefühle jeglicher Art, wie Trauer, Freude, Hoffnung oder auch Ängste geteilt werden. Kommunikationsmethoden der ressourcenaktivierenden und klientenzentrierten Gesprächsführung bieten sich an dieser Stelle an. In der Folge können so individuelle Unterstützungsbedarfe konkretisiert und Möglichkeiten zur Umsetzung gesucht werden. Der Einsatz von Sprach- und Kulturvermittelnden wird dabei empfohlen.

4.3 Mit genderspezifischen Vulnerabilitätsrisiken fachlich kompetent umgehen

Das Thema Gewalt gegen Frauen (häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, Zwangsheirat, Zwangsprostitution) sollte im Aufnahme- und Beratungsprozess in der Arbeit mit geflüchteten Frauen verankert sein. Voraussetzung dafür ist die Beratungs- und Handlungskompetenz der Fachkraft in diesem Themenfeld. Mit diesem Hintergrund können Verdachtssituationen einer Gewaltbetroffenheit wahrgenommen, kann in akuten Krisensituationen fachlich kompetent interveniert und können Macht- und Gewaltstrukturen einer häuslichen Gewalt leichter erkannt werden. Ebenso unterstützen Fort- und Weiterbildungsangebote zum Thema Gewalt gegen Frauen, zu psychischen Folgeerkrankungen wie der Posttraumatischen Belastungsstörung sowie zum Thema Entlastungsstrategien, Umgang mit Ohnmachts- und Unsicherheitsgefühlen usw. die Fachkräfte in ihrer Fach- und Handlungskompetenz.

Die Zusammenarbeit mit den vorhandenen Akteur:innen im jeweiligen Sozialraum sowie mit dem Unterstützungsnetzwerk im Bereich der interkulturellen feministischen Frauenarbeit sollte in der Arbeit mit gewaltbetroffenen geflüchteten Frauen gepflegt und entsprechende Vernetzungsstrukturen sollten aufgebaut werden. Erfahrungen aus der Beratungspraxis weisen darauf hin, dass Arbeitsfelder wie Kinder- und Jugendhilfe und Frauenberatungsstellen im Sinne des Kinderschutzes und Gewaltschutzes von Frauen noch enger zusammenarbeiten könnten.

In der Praxis zeigt sich ebenfalls, wie wenig flächendeckend ein gendersensibles Angebot für geflüchtete Männer vorhanden ist. Hier sollten gendersensible Projekte für geflüchtete Männer so etabliert werden, wie es diese bereits im Rahmen der Empowerment-Arbeit für geflüchtete Frauen gibt. Bereits bestehende Beratungsangebote der Einzelfallhilfe sollten aus dem Blickwinkel einer gendersensiblen Männerarbeit verändert bzw. überdacht werden. Das Ziel jener Angebote sollte es sein, einen geschützten Raum zu bieten, in dem belastende Gedanken und Emotionen wie Scham und Ohnmachtsgefühle thematisiert und stärkende Bewältigungsstrategien erarbeitet werden können. Ferner braucht es den Ausbau eines spezifischen Beratungsangebots, in dem das Thema sexualisierte Kriegsgewalt gegen Männer einen Platz finden kann.

5 Fazit

Die Ergebnisse aus der Sichtung der Studien und die daraus abgeleiteten Empfehlungen für die Praxis der Sozialen Arbeit sollen dazu beitragen, die Lebenssituation der Zielgruppe leichter zu verstehen, zu analysieren und Unterstützungsbedarfe ausfindig zu machen. Weiterhin können die Ergebnisse einen Beitrag dazu leisten, dass die Fachkräfte der Sozialen Arbeit gewinnbringende Fragen und bedarfsgerechte Lösungs- und Veränderungsmöglichkeiten erarbeiten können.

Die Gesprächs- und Kommunikationskultur der Fachkräfte sollte auf einer selbstreflexiven Beratungs- und Handlungskompetenz basieren und in eine gendersensible, rassismuskritische Arbeits- und Teamkultur eingebettet sein.

Darüber hinaus ist aus Sicht der Beratungspraxis weitere Forschung notwendig, um Forschungslücken zu schließen. Wünschenswert wären eine differenziertere Darstellung der Zielgruppe, welche die Diversität dieser Gruppe näher abbildet (bspw. LGBTQI+-Geflüchtete, allein geflüchtete Frauen, geflüchtete Männer im Familienverbund), eine differenzierte Analyse des Unterstützungsbedarfs der Zielgruppe bei Veränderungen der Lebenssituation, beispielsweise bei Trennung und Scheidung und eine differenzierte Analyse der Geschlechterarrangements einzelner Herkunftsländer, insbesondere der Einbezug des neuen Fluchtlandes Ukraine.

6 Quellenangaben

Asaf, Yumna (09/2017): Syrian Women and the Refugee Crisis: Surviving the Conflict, Building Peace, and Taking New Gender Roles. In: Social Sciences 2017, 6. https://doi.org/10.3390/socsci6030110 (03.07.2021).

Boos-Nünning, Ursula; Karakasoglu, Yasemin (2005): Viele Welten leben. Zur Lebenssituation von Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund. Münster.

Brücker, Herbert; Gundacker, Lidwina, Kalkum, Dorina (2020): Geflüchtete Frauen und Familien: Der Weg nach Deutschland und ihre ökonomische und soziale Teilhabe nach Ankunft. IAB-Forschungsbericht 9/2020. http://doku.iab.de/forschungsbericht/2020/fb0920.pdf (15.07.2021).

Brücker, Herbert; Kunert, Astrid; Mangold, Ulrike; Kalusche, Barbara; Siegert, Manuel; Schupp, Jürgen (2016): Geflüchtete in Deutschland – eine qualitative Befragung. IAB-Forschungsbericht 9/2016. http://doku.iab.de/forschungsbericht/2016/fb0916.pdf (15.07.2021).

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7 Anhang

Abbildung 2: Suchprozess eins zum Analysebereich Gender und Fluchtmigration seit 2015

Abbildung 2: Suchprozess 1 zum Analysebereich Gender und Fluchtmigration seit 2015

Abbildung 3: Suchprozess zwei zum Analysebereich Gender und Migration von 2000 bis 2014

Abbildung 3: Suchprozess 2 zum Analysebereich Gender und Migration von 2000 bis 2014

Verfasst von
Sandra Hanika
Sozialpädagogin in der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe
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Prof. Dr. Simone Pfeffer
Soziologin, Professorin an der Fakultät Sozialwissenschaften der TH Nürnberg
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Zitiervorschlag
Hanika, Sandra und Simone Pfeffer, 2022. Gender und Fluchtmigration [online]. socialnet Materialien. Bonn: socialnet, 02.11.2022 [Zugriff am: 04.12.2022]. Verfügbar unter: https://www.socialnet.de/materialien/29569.php

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