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Das Unbehagen in der therapeutischen Kultur

Anmerkungen zum professionellen Ungenügen und zur Behandelbarkeit sozialer Ungleichheiten

Christian Küpper

veröffentlicht am 09.12.2024


https://doi.org/10.60049/9glgkvq8

socialnet Materialien. Reihe 14: Kritische Psychologie, Psychotherapie und emanzipatorische Praxis

Beitrag zum Open-Access-Buch:
Boris Friele, Lisa Reuter, Kübra Çığ, Erik Petter, Stefan Meretz (Hrsg.), Kritische Psychologie, Psychotherapie und emanzipatorische Praxis. Bonn: socialnet Verlag.
ISBN 978-3-936978-08-7
DOI: https://doi.org/10.60049/tioqsvb7

Gegen Gefühle von Ohnmacht und Überforderung immunisieren keine therapeutischen Ausbildungen. Im Angesicht bedrückender gesellschaftlicher Missstände stehen Praktiker*innen vor der Herausforderung, Unterstützung Suchenden Auswege aus ihren psychosozialen Problemlagen aufzuzeigen. Welche Wege werden dabei im antipsychiatrisch orientierten Berliner Weglaufhaus beschritten?

Zusammenfassung

Psychotherapeutische und (sozial-)psychiatrische Hilfeformen dominieren die psychosoziale Versorgungslandschaft und deren Außenwahrnehmung. Emanzipatorisch intendierte Versuche, alternative Möglichkeiten der Unterstützung und Begleitung für Menschen in psychosozialen Problemlagen zu erproben, treffen daher auf institutionell reglementierte und akademisch abgesicherte Professionalitäts- und Problemvorstellungen. Die Infragestellung dieser Vorstellungen ist politisch motiviert, zielen diese Alternativen doch einerseits auf die Reduktion des Anpassungsdrucks, der auf den Unterstützung Suchenden lastet, und auf die Vermeidung eines zusätzlichen Leidens, das mit den sozialen Kontrollaspekten der Hilfeformen in Verbindung steht. Andererseits skandalisieren diese Alternativen die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen das psychosoziale Elend gründet.

Ausgehend von Überlegungen zum Entstehungskontext und zu den Arbeitsprinzipien der antipsychiatrisch orientierten Berliner Kriseneinrichtung Weglaufhaus „Villa Stöckle“ wird unter anderem folgenden Fragen nachgegangen: Welche Bedingungen würden eine alternative Unterstützungspraxis im bestehenden Hilfesystem ermöglichen? Wie würden Unterstützung und Kontrolle ausbalanciert? Wie würde der Gefahr der Individualisierung gesellschaftlicher Missstände begegnet? Wie würde Parteilichkeit mit den Nutzer*innen implementiert? Welches Professionalitäts- und Problemverständnis würde durch eine kritische Perspektive auf die Gewalt der gesellschaftlichen Verhältnisse Anwendung finden?

Verfasst von
Christian Küpper
Mitarbeiter in antipsychiatrisch orientierter Kriseneinrichtung Weglaufhaus „Villa Stöckle“ in Berlin
Lehrbeauftragter an der Alice Salomon Hochschule Berlin und der Hochschule Magdeburg-Stendal
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Zitiervorschlag
Küpper, Christian, 2024. Das Unbehagen in der therapeutischen Kultur [online]. socialnet Materialien. Bonn: socialnet, 09.12.2024 [Zugriff am: 14.01.2026]. https://doi.org/10.60049/9glgkvq8

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