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Bayessche Welten

Eine theologische Perspektive auf Digitalisierungsprozesse in der Sozialen Arbeit

Dr. Bernhard Kohl

veröffentlicht am 07.11.2025


https://doi.org/10.60049/5ypch9fv

socialnet Materialien. Reihe 15: #BlickVomTellerrand. Die Bezugsdisziplinen der Sozialen Arbeit und ihre Perspektiven auf die Digitalisierung

Beitrag zum Open-Access-Buch:
Daniela Cornelia Stix, Julius Späte, Helene Schammer (Hrsg.), #BlickVomTellerrand. Die Bezugsdisziplinen der Sozialen Arbeit und ihre Perspektiven auf die Digitalisierung. Bonn: socialnet Verlag.
ISBN: 978-3-936978-09-4
DOI: https://doi.org/10.60049/zi3shvq3

Digitale Prozesse formen Entscheidungen in der Sozialen Arbeit – oft dissoziativ in Richtung einer Verallgemeinerung auf Kosten individueller Lebensrealität. Der Beitrag zeigt unter Rückgriff auf die Ideengeschichte des theologischen Konzepts der Gottebenbildlichkeit, warum Digitalisierungsprozesse dissoziierende Wirkung haben und warum Soziale Arbeit sich deshalb für das Partikulare einsetzen sollte.

Zusammenfassung

Der Beitrag analysiert die Auswirkungen digitaler Technologien auf die Soziale Arbeit und eröffnet eine interdisziplinäre Perspektive durch den Vergleich mit der theologischen Auslegung der Gottebenbildlichkeit. Im Zentrum steht die These, dass bayessche Verfahren – zentrale Werkzeuge datengetriebener Entscheidungsfindung – eine Trennung zwischen Partikularem und Universellem erzeugen. Diese Dissoziation hat machtvolle Auswirkungen und prägt somit auch das Handeln in der Sozialen Arbeit.

Im ersten Abschnitt werden die erkenntnistheoretischen Grundlagen frequentistischer und bayesscher Statistik verglichen. Dabei wird gezeigt, wie Letztere durch die Integration subjektiver Vorannahmen von individuellen Fällen abstrahiert, um universelle Aussagen zu ermöglichen und so gesellschaftliche Machtpositionen (re)produziert.

Der zweite Teil erweitert die Analyse um eine theologische Perspektive: Am Beispiel des theologischen Konzepts der Gottebenbildlichkeit wird aufgezeigt, wie durch semantische Verschiebungen und Machtinteressen ideengeschichtliche Dissoziationen zwischen konkreten Menschen und einem universellen Menschenbild entstanden – mit tiefgreifenden Folgen für Vorstellungen von Menschenwürde, Subjektivität und Zugehörigkeit.

Im dritten Abschnitt plädiert der Text aus dieser Doppelperspektive für eine dreifach kritisch-reflexive Haltung der Sozialen Arbeit gegenüber digitalen Technologien: technologisch, systemisch und selbstreflexiv. Soziale Arbeit wird so als gesellschaftliche Akteurin positioniert, die sich für das Recht des Partikularen im Umgang mit datenbasierten Technologien einsetzt.

Verfasst von
Dr. Bernhard Kohl
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH Potsdam, Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften
Website
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ORCID: https://orcid.org/0009-0008-2221-5228

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Zitiervorschlag
Kohl, Bernhard, 2025. Bayessche Welten [online]. socialnet Materialien. Bonn: socialnet, 07.11.2025 [Zugriff am: 06.12.2025]. https://doi.org/10.60049/5ypch9fv

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